Der Herr noch was an Wurst dazu?

Läuft euch auch schon das Wasser im Mund zusammen? WM-Zeit ist auch die Zeit, in der die Chance hoch ist, dass die BILD Fußball und Kulinarik gemeinsam denkt. Meistens dann, wenn die Enttäuschung groß ist, übernehmen die Frustesser in der Redaktion. Z.B. 2004 als die deutsche Elf in Bukarest von Rumänien „1:5 abgebraten“ wurde. Die „Wurst-Truppe“ bestand aus 11 unterschiedlichen Wurstspezialitäten und sehr wahrscheinlich wurde hier die Grundlage für diverse spätere Entschuldigung-Grillerchen des HSV gelegt. Das „Debakel von Bukarest“ war zwar nur ein Testspiel, aber für Rudi Völler war es doch ein echter Tiefpunkt. Nicht wie dieses Unentschieden auf Island ein halbes Jahr zuvor, nach dem er Waldi Hartmann zum „Weizen-Waldi“ machte und somit wahrscheinlich seinen Abstieg zum peinlichen Nius-Onkel einleitete. Einige der Bundes-Würste fanden sich zwei Jahre später unter Jürgen Klinsmann auf einer Pizza wieder. Philipp Lahm, Torsten Frings, Arne Friedrich und Bernd Schneider bekamen nach der 1:4 Testspielniederlage gegen Italien in Florenz vor der Sommermärchen-WM eine Anschlussverwendung. Was nur logisch ist, weil Pizza auch ein ideales und nachhaltiges Reste-Essen ist. Man sollte nur nicht zu viele Zutaten drauf tun. Trotzdem musste „Salami-Ballack“ diesmal eine Wurst sein. Und die Frage der BILD „Kann ich mich noch zum Italiener trauen?“ beantwortet sich mit dem Blick auf „Ananas Lahm“ eigentlich von selbst. Dennoch spekulierte die BILD, ob nicht Didi Hamann auch bekannt als „Didi-Null-Bock-Wurst“ Deutschland retten könnte. Jürgen Klinsmann sagte nein, Didi wurde zu „Didi-beleidigte-Leberwurst“, trat aus dem Kochclub aus, Deutschland kam bis ins Halbfinale. Da jubelten wieder die Italiener, aber die BILD war zu stolz für einen Nachtisch. Zwischen unseren nächsten Testspielterminen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 muss die Nagelsmann-Elf noch gegen die USA ran. Bei BILD sammelt man schon fleißig 11 Burger-Zutaten und ihr könnt ja schon schon einmal darauf wetten, wer diesmal eine Gurke sein muss.  

Tracker-Schnacker

Nature is healing. Und das kann man daran merken, dass nach Saisonende doch nach und nach alle Walexperten wieder auf Bundestrainer umschulen. Also natürlich nicht qua Amt, sondern rein von der Kompetenzvermutung. Das wäre ja auch sonst ziemlich teuer für ’nen gemeinnützigen Verein wie den DFB. Nein, das machen alle ehrenamtlich, weil es ihnen doch wichtig ist, dass „wir“ in Amerika was gewinnen. Dafür basteln sie sogar ein Fähnchen ans Auto. Vor zwanzig Jahren war das noch komisch. Heute ist man zufrieden, wenn es wenigstens die Farben der Bundesrepublik sind und nicht Selbstgebastelte aus dem Reichsbürger-Mailorder. Aber wer unter dieser Fahne spielen soll und darf, ist dann doch ein größerer Zankapfel und die Diskussionen werden uns jetzt ca. 2 Monate beschäftigen, kurz unterbrochen von eigenen praktischen Expertennachweisen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Das Gute dabei: immer weniger Leute gucken auf den sich zur Kugel aufblähenden Wal vor Anholt im Livestream, sondern auf einen Trionda Pro und ob unsere Turnierhoffnung Manuel Neuer, den auch halten kann. Er ist jetzt unser Timmy, wenn nicht sogar Hope. Wen der Bundestrainer sonst noch berufen hat, war dann eigentlich gar nicht mehr von näherem Interesse. Wir haben jetzt dem Manu einen Tracker verpasst und werden in den nächsten Wochen im Livestream verfolgen wie er sich so schlägt. Sogar die Experten für Netze kommen auf ihre Kosten. Auch die Bundesregierung fiebert auch diesen Spielen entgegen. Traditionell braucht man sie, um in ihrem Windschatten zeitgleich die für das Land notwendigen Reformen zu beschließen. Die Kassen sind schließlich leer und der Verkauf des Neuer-Skeletts ist schon fest einkalkuliert. Hat er sich das ausgesucht? Wahrscheinlich schon.      

Shaq the Halls

Bei Redaktionsschluss lag das Ergebnis noch nicht vor. Aber da wir nicht im Vorfeld tagelang lesen mussten, welche möglichen Todesgruppen uns drohen, kann Deutschland wahrscheinlich superentspannt auf die WM-Auslosung heute Abend in Washington gucken. Wahrscheinlich wird viel interessanter sein wo man spielt als gegen wen. Kein Wunder, wenn die Qualigruppe durchaus schwerer war als die kommende Vorrunde. Aber das bedeutet nur, dass wir uns frühzeitig auf die Baum-Diskussion freuen können. Und das passt doch absolut in die Zeit. Aktuell konzentrieren wir uns natürlich darauf, dass so ein Baum schön gerade und symmetrisch ist. Beim Turnierbaum darf er aber ruhig so schief sein, dass man wie einst im Jahr 2002 mit minimalem Talent bis ins Finale rutschen kann, während sich die ganzen Favoriten in Abnutzungskämpfen gegenseitig aus dem Turnier kegeln. Aus saisonalem Interesse schauen wir an diesem Abend aber sicher auch wieder interessiert auf die Loskugeln. Welcher Stil ist in 2025 angesagt? Weil Donald Trump vor Ort sein wird, kann es eigentlich nur Gold sein. Am Ende wird er sie auch bestimmt mit den Resten vom Buffet mit ins weiße Haus schleppen. Ansonsten gibt es aber auch noch ein paar Sportstars wie Tom Brady, Wayne Gretzky und Shaquille O’Neal vor Ort. Diese drei Könige ihres Sports werden natürlich das Spielgerät Trionda ungläubig als Wunder betrachten, bevor sie es als neuen Heiland preisen. Und warum auch nicht? Versucht mal mit einem Football, Puck oder Basketball eine vernünftige Kopfgrätsche (Samstag 10:30) zu kreieren. Falls einer von ihnen noch Gold (darf auch ein Meisterschaftsring sein) als Geschenk dabei hat, Donald wäre interessiert. Aber bevor wir jetzt weiter im Bild bleiben wollen und krampfhaft überlegen welche Gemeinsamkeiten Heidi Klum und die Jungfrau Maria haben, beginnt das Bild schiefer zu werden als jeder Turnierbaum. 

Mein wunderbares Textilpflegeatelier

1900 muss einiges los gewesen sein. So ein neues Jahrhundert motiviert wahrscheinlich noch mal ganz anders, wenn man Silvester mit der Sektflöte auf dem Balkon steht und nach guten Vorsätzen sucht. Und da es damals noch keine Abos für Fitnessstudios gab, hat man dann halt mal fix einen Verein oder Verband gegründet. Zwischen der Gründung des DFB und des FC Bayern liegen im Jahr 1900 dann auch nur vier Wochen. Und wo macht man so eine Gründung? Man braucht ein wenig Platz und der eine oder andere bekommt beim Verfassen der Satzung vielleicht auch Durst. Der DFB wurde deshalb im Restaurant „Zum Mariengarten“ in Leipzig gegründet. Der FC Bayern im Café Gisela in der Fürstenstraße. Wenn man heute nach dem Café Gisela sucht, findet man allerdings nur einen seelenlosen Imbiss in Fröttmaning in einer Multifunktionsarena am Autobahnkreuz München-Nord. Am Gründungsort des DFB in der Büttnerstraße 10 findet man heute einen Friseur und eine Thai-Massage. Etwas Warmes zu Essen oder eine Büchse Energy-Brause gibt es hier wohl nicht mehr. Sogar der Hundesalon The Doggy Style nebenan hat vorübergehend geschlossen. Schräg gegenüber kann man immerhin eine MPU Begutachtung bekommen, aber besonders schräg ist, dass die Wäscherei Schmidt nur ein paar Nummern weiter im Web unter „Textilpflegeatelier Müller“ zu finden ist. Welches Easteregg hat der DFB hier mit seinem Jubiläumstrikotspot versteckt? In der näheren Nachbarschaft gibt es inzwischen fünf Fitnessstudios. Bei PoleFitness in der Salomonstraße lernt man an einer Stange zu turnen, was durchaus für Torwarte eine interessante und innovative Trainingsform sein könnte. Auch Kopfgrätscher könnten hier vor ihrem Einsatz Samstag 10:30 sich kopfüber an der Pole vorbereiten bevor sie ohne Stange frei über den Platz grätschen. Der Kopfgrätsche-Gründungsort ist verrückterweise schließlich immer noch der Spielort. Und wenn die Historiker in hundert Jahren bei GoogleMaps zwischen Drewespark und Wonnemar nach unseren zerfurchten Schädeln buddeln, tragen sie dabei hoffentlich das limitierte Kopfgrätsche-Anniversary-Trikot für die Ewigkeit aus der Seifenblase.      

Saudi Arabi Money Andrich

Zum Glück singen sie nicht mehr. 2026 wäre das schon reichlich unmelodisch geworden. Far away in America, Canada and Mexico mi Amor – das muss man fast rappen, um radiotauglich davonzukommen. Vier Jahre später wird es noch wilder. Buenos Dias Argentina, Paraguay, Uruguay, Marokko, Portugal, olé España – das ist leider zu viel Text, den sich kein durchschnittlicher Nationalspieler normal merken kann. Da kann man nur begrüßen, dass die WM2034 nur in Saudi und Arabien stattfinden wird. Damit lässt sich arbeiten. Ist allerdings auch noch ’ne Ecke hin. In 10 Jahren kann viel passieren. Zum Glück gilt das Verbrenneraus erst ab 2035. Gianni Infantino sollte also keine schlaflosen Nächte aufgrund der Finanzierung des Turniers haben. Der DFB wird bis dahin auch seine Geldtöpfe angepasst und sich auf der Sponsorenseite zukunftssicher aufgestellt haben. Es kann nicht mehr lang dauern bis Musiala und Wirtz für virale Werbeclips im BYD sitzen. Natürlich machen sie für das brandneue Modell Reklame, das autonom durch die Luft fliegt. Sie könnten in zehn Jahren auf jeden Fall noch als alte Platzhirsche in der Nationalelf dabei sein. Viele andere sind bis dahin schon längst in Fußballrente. Moukoko inklusive. Die Musikeinlagen der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahrzehnten lebten natürlich immer davon, dass sich das Gastgeberland mit lustigen Kostümen kulturell aneignen ließ. Lothar und Litti in Poncho und Sombrero waren für sich schon ein unschlagbarer Hitgarant. Insofern könnte die kommenden WMs doch für ein Comeback der singenden Ballkünstler sorgen. Natürlich nicht mehr mit Michael Schanze und Franz Lambert, aber für ein paar launige TikToks im Scheichgewand wird es wohl reichen. Da unsere Jungs bis dahin bei Al-Nassr spielen, gilt es auch nicht als kulturelle Aneignung sondern als normale Klubuniform, wie sie einst Ali Daei oder Sadio Mané in Form der Lederhose bei den Bayern tragen mussten. Das Konzept Winter-WM ist für uns natürlich inzwischen ein alter bequemer Hut wie Kopfgrätsche Samstag 10:30, an den wir uns auch längst gewöhnt haben. Als anpassungsfähige Geschöpfe werden wir sie genauso wie die Sechsländer-WM gucken. „Yalla Vamos“ ist dann doch ganz catchy. Sogar für Fußballer.

Harrys HäXler

Am Ende war der Bundestrainer auch nur so kreativ wie irgendein durchschnittlicher Dude im Internet, der seit der EM kein Fußballspiel mehr gesehen hat. Fragt der Julian doch allen Ernstes nach dem Spiel den Schiedsrichter, ob er das Viertelfinalspiel gegen Spanien gesehen hat. Und meinte natürlich die Handspielsituation, die diesmal zum Elfmeter führte wie gegen Ungarn und damals nicht wie gegen Spanien. Plötzlich war das Netz wieder reflexartig voll mit Cucurella-Bildern. Wie eine Botarmee kamen die Schlandfans in der neunten Minute der Nachspielzeit fast alle auf die gleiche Idee, inklusive Bundestrainer. Dabei wurden in Zeiten von Erntedank natürlich Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn man schon Robin Koch mit Marc Cucurella vergleichen möchte, kann man ja gleich Robin Koch mit Harry Koch oder Harry Koch mit Cucurella vergleichen. Die Kombination aus Robin Koch und Marc Cucurella ergibt erschreckenderweise optisch eindeutig Robins Vater Harry Koch. Allerdings steht in dessen Wikipedia-Eintrag nichts über verursachte Elfmeter, sondern nur, dass der Deutsche Meister von 1998 selbst ein sehr sicherer Elfmeterschütze war. Heute ist er beruflich als Akten- und Datenvernichter in Rheinland-Pfalz und im Saarland mit Hochleistungsschreddern unterwegs. Um dem Datenmüll nach dem Spiel gegen Ungarn Herr zu werden, ist er also genau der richtige Mann. Statt alle Cucurella-Bilder zu schreddern, kann er sie natürlich auch mit einem Schnäuzer versehen. Das rote Trikot passt sowieso. Harry Koch hätte dennoch den Segen vieler, wenn X aus Versehen komplett in den Reißwolf gerät. Die meisten Fußballclubs haben die Plattform in den letzten Tagen eh bereits verlassen. Auch Kopfgrätsche bekommt die Samstag-10:30-Botschaft anderweitig unters Volk. Der FCK ist noch auf X und konnte Harry Koch dort immerhin vor einer Woche zum 55. Geburtstag gratulieren. Das war noch wichtig, aber nun kann das unkreative Drecksloch wirklich endgültig in Harrys HäXler.  

Erste Runde Schottenrock

So, noch einmal Champions-League-Hymne und schon geht es ab in die Fußballpause. Gut, einige werden es nicht mehr rechtzeitig nüchtern vom Autokorso bis zum ersten Testländerspiel vor der EM schaffen und in zwei Wochen wird schon das große Sommerturnier starten. Bis dahin sind aber alle anderen Trophäen und Startplätze in den Ligen geklärt, oder? Da schaltet man nicht arglos unter der Woche Abends den Fernseher nach dem Kopfgrätschen (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) ein und dann lauert da ein dramatisches Alles-oder-nichts-Match um Tod oder Gladiolen? Ich frage für meinen Kardiologen. Man muss doch auch wenigstens mal kurzzeitig in den Ruhepuls wechseln. Sichere Hinspielführungen, die man im Rückspiel wegschenkt, Verlängerungen, Elfmeterschießen – das gab es in der vergangenen Woche jeden Abend. Und danach noch das gesamte Pyroarsenal oder wenigstens das, was die Hansafans nicht auf dem freien Markt weggekauft haben. Aber immerhin reden wir nicht mehr über die Tennisbälle, die uns viele Wochen in der Rückrunde beschäftigten. Heute schon fast komplett vergessen und gefühlt 3 Saisons her. Seit dem hat man die treuen Fans wieder ganz doll lieb und singt mit ihnen zum Abschluss gemeinsam auf dem Zaun. „Erste Runde Krankenschein…“ ist aber immerhin smartes Liedgut, das jeder mitsingen kann und niemanden diffamiert. Auch viel wert in diesen Tagen. Und die Nationalmannschaft kann das doch auch leicht abgewandelt für sich als volksnahen Sommerhit etablieren. Und jetzt alle: „Erste Runde Schottenrock. Dann die Tobleron‘. Gegen Ungarn kommen wir in Not. Dann kommt das Halbfinalaus, scheißegal, DFB-Team International…“  

In Duplo pro Oreo

What a week, huh? Es begann mit der Nominierung von Nico Schlotterbeck in der Tagesschau und endete mit einer PK des Bundestrainers, der Thomas Müller als kompatibel zu Rappern und Jodlern anpries. Allerdings wurde die Chance verpasst, Müller auf der Bühne von Drake und den Kessler Zwillingen vorstellen zu lassen. Oder wie es klassisch jahrzehntelang Brauch war: als Aufkleber versteckt in einem Duplo. Nun ist Duplo schon seit einiger Zeit durch seinen Nutriscore in der Bedeutungslosigkeit der zweiten Liga verschwunden und der DFB muss per Social Media, Podcasts und Oma Lotti eine Schnitzel… pardon Dönerjagd durch die Bäckereien und Tattoostudios Deutschlands veranstalten. Zum Glück wurden alle Hinweise gefunden und sogar noch ein paar mehr, weil Scherzbolde und Trittbrettfahrer noch bis Mittwoch Abend Fakes in ihren Formaten unterbringen konnten. Dieser Spuk ist jetzt schon wieder vorbei und jeder, der am Freitag erscheint (um z.B. für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 zu trommeln), ist too late to the Party und muss wieder eigenen Content schürfen. Oder man überlegt noch einmal laut, ob sich Oliver Bierhoff diese Art der Nominierungskampagne getraut hätte. Wahrscheinlich schon, aber wenigstens noch mit einem lächerlichen Hashtag dazu. Vor der WM in Katar wurde noch der klassische Weg eines zentralen Verkündigungstermins gewählt. Das Reaction-Video lag als Zweitverwertung in den Händen der Spieler. Die Pöbeleien gegen Mitspieler, die aber teilweise vernuschelt im Hintergrund von talentfreien Freunden zu hören waren, haben gezeigt, nicht jedem kann man die Social-Media-Macht gefahrenlos überlassen. Nur bei Thomas Müller ist es egal. Der kann sich selbst fake-nominieren und kommt trotzdem mit. Er kann halt rappen und jodeln.

Major Toni über dem Jubelmeer

»Wenn dann noch die Spieler aus dem Osten dazukommen, werden wir auf Jahre hin unschlagbar sein.« So ähnlich hat es der Kaiser selig angeblich mal gesagt. Oder wir haben es fast ein Vierteljahrhundert irrtümlich falsch erinnert. Es stimmt sowieso nur halb, weil tatsächlich ein Spieler aus dem Osten gereicht hat, um die Mannschaft unschlagbar zu machen. Richtig, ihr denkt natürlich an Robert Andrich aus Potsdam. Na gut, da war noch ein zweiter Ossi, der ein wenig mitgeholfen hat. Ausgerechnet im Caspar-David-Friedrich-Jahr hat Toni Kroos dem bisher berühmtesten Greifswalder der Welt den Kampf angesagt. Dafür malt er Pässe in Graslandschaften, um 10 Jahre nach dem WM-Pokal die Nationalmannschaft zu einem weiteren Pokal zu führen. Dabei hat er mit bisher fünf Champions-League-Trophäen und einem Podcast mit dem OZ-Talent des Jahres 2007 Felix Kroos eigentlich alles erreicht. Er lässt sich auch als Greifswalder nicht davon beeindrucken, dass nicht mehr Kernkraft 400 beim Torjubel läuft. Kaum steht er wieder für den DFB auf dem Platz reichen acht Sekunden, um Frankreich eine Niederlage beizubringen. Wahrscheinlich ganz im Sinne des alten Franzosenhassers Caspar David Friedrich. Zu dessen Zeit wurden Schlachten bei Jena allerdings noch zwischen Napoleon und Preußen plus Kursachsen und nicht zwischen Carl Zeiss Jena und Rot-Weiß Erfurt (beide weit abgeschlagen hinter dem Tabellenführer Greifswalder FC in der Regionalliga Nordost) geführt. Wem Standortpatriot Friedrich aber beim Spitzenspiel zwischen 2. und 4. an diesem Wochenende die Daumen gedrückt hätte, kann man nur mutmaßen. Aber wahrscheinlich denen in gelb und schwarz. Das freut die Dynamos beim Duell Preußen gegen Sachsen. Die Franzosen haben für die Euro aber auch mehr Eisen im Ärmel oder Asse im Feuer als nur die Equipe Tricolore. Der ehemalige Bayern-Teamkollege von Toni Kroos Willy Sagnol führte diese Woche als Trainer Georgien zur Endrunde. Was das bedeutet? Naja, definitiv noch mehr Spieler aus dem Osten. Diese und die Sonne, die dort aufgeht, bescheren uns nicht nur am Samstag (10:30) sondern auch am Mittwoch (18:00) ideale Standortvorteile zum Kopfgrätschen.     

Beat-to-Box-Player

Der Deutsche Fußballbund oder wie wir coolen Kids sagen: der DFB hat ein paar freshe Sachen am Start. Ein paar Updates, die sich die alte Innovationsbremse Olli Bierhoff nie getraut hat. Der Bundestrainer wurde ja schon erfolgreich verjüngt, aber alle dachten: der macht das nur solange bis ein hipper Club mit mehr Reichweite um die Ecke kommt. Aber nein, der Vertrag soll verlängert werden und damit werden wir dann endlich auch ein paar frechere Fashionstyles als dieses Holzfällerhemd sehen. Jetzt traut sich Julian demnächst an die die wirklich angesagten Trends. Noch kann er es tragen und irgendwie muss er auch neben seinen Spielern in pinklila zu sehen sein. Nicht, dass er im Straßenverkehr übersehen wird. Über das gut sichtbare neue Verlaufstrikot für die EM wurde sich nun schon erwartbar genug echauffiert. Aber es ist bisher nur das Auswärtstrikot. Das Heimtrikot ist der derselbe fade und uninspirierte Mist wie sonst auch und da muss man doch geradezu dankbar sein, dass demnächst Nike für nur das Doppelte des Geldes unseren Jungs etwas Vernünftiges auf den Leib schneidert. Die Nibelungentreue wegen der Schraubstollen vom Adolf Dassler ist nach 70 Jahren nun wirklich kein Argument mehr, um ewig wie der letzte Kartoffelsack rumzulaufen. In den Aufnahmen vom Sönke Wortmann sah das nie gut aus, egal welche Kameraperspektive er einnahm. Aber auch er hat mit seinem ewigen Querformat einiges grundsätzlich falsch gemacht. Der neue DFB-Medienpartner ist ab sofort TikTok, damit das langweilige Rumgepöle auf dem Platz nicht mehr so auffällt. Die Spieler können jetzt endlich ihre wahren Qualitäten ausspielen und müssen sich beim Lipsync nicht auf die Nationalhymne beschränken. Überhaupt… wie alt und lame ist dieser Track? Da kann man doch nochmal ran. Der Thinktank trifft sich Samstag 10:30 zum Brainstorming. Wir ziehen für den richtigen Vibe extra ein paar neonfarbene Trikots über. Wer kann beatboxen?

Junger Mann zum Mitscheitern gesucht

Die letzten Länderspiele des Erfolgsjahres 2023 sind absolviert und wahrscheinlich hatte Olli Bierhoff, damals als er noch am Steuerrad der MS Deutschland stand, gedacht: das Jahr beenden wir on the Road to Euro 2024 schön im Ernst-Happel-Stadion am Wiener Prater. Die Weihnachtsmärkte warten schließlich noch darauf, dass der Totensonntag vorbei geht oder vielleicht sogar auf die erste Schneeflocke. Aber im Prater bekommt man schon früher seine Eitrige oder oan Langos. Man muss zwar etwas vorsichtig sein mit der Schwammerlpfanne bevor man aufs Riesenrad geht, aber sonst kann man eine Menge Spaß haben. Am Ende ging aber auch dieser Plan nicht auf und Leroy Sané wähnte sich in der zweiten Halbzeit immer noch beim Autoscooter. Vermutlich hatte die Mannschaft schon ihr gesamtes Pulver an der Schießbude verballert, um Plastikblumen und markenrechtlich bedenkliche Plüschtiere, die durch die TÜV-Rheinland-Prüfung gefallen sind, mit nach Hause zu bringen. Kevin Trapp hätte schon, als er am Greifautomaten vergeblich versuchte brandneue iPads zu angeln, ahnen können, dass er an diesem Abend nichts festhalten wird. Der Rest spielte leider so als ob die an der Jagertee-Bude tatsächlich irgendwas in den Kinderpunsch gemixt hatten. Am Ende guckte Julian wie jemand, der im Spiegelkabinett in den trüben Hansi-Flick-Spiegel geblickt hatte. Nicht einmal in der Geisterbahn hatte er ein brauchbares Verteidigungsmonster gefunden. So langsam bereut er wahrscheinlich, auf den knittrigen DFB-Zettel „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ reingefallen zu sein. Wir halten Samstag 10:30 schön die natürliche Reihenfolge ein und holen uns auf dem winterlichen Platz die Berechtigung, um uns dann ab Montag auf dem Weihnachtsmarkt für unsere „Leistung“ zu belohnen. Im Idealfall ist dann unsere komplette Energie auf dem Spielfeld geblieben, so dass wir weder Achterbahn noch Autoscooter vermissen. Ich schmeiß derweil noch ein paar Euro in den Greifautomaten. Dieser verflixte Plüsch-EM-Pokal muss doch beim nächsten mal zu packen sein.

Lange Leine

Nagelsmann gut und schön, aber den besten Trainer haben sie beim DFB den Herren vorenthalten. Sie wollten ihn wohl exklusiv für das spannendere Projekt im Verband aufheben. Nun trainiert Horst Hrubesch also die DFB-Frauen und man wundert sich, warum so ein anerkannter und erfolgreicher Experte bei Bedarf immer so einfach als Nothammer aus der Halterung genommen werden kann. Ansonsten läuft er aber bis zu jeder Inthronisierung unter allen Radaren, weil er wahrscheinlich gerade immer beim Angeln ist, wenn über Traineralternativen diskutiert wird. Nagelsmann geht zum Skifahren, Angelsmann Horst holt die Rute raus. Wenn er sagt: „Wer im Fernsehen und in der Werbung auftaucht, von dem erwarte ich mehr als von den anderen“, kann man das im Umkehrschluss auch auf ihn anwenden. Er taucht einfach medial nicht auf, wenn er nicht gerade an der Seitenlinie steht. Deshalb übertrifft er regelmäßig niedrigste Erwartungen. Seine Vorgängerin hat viele nicht nur optisch an einen ehemaligen DFB-und Hertha-Teamchef erinnert. Ihr Abgang war auch ähnlich skurril wie der von Facebook-Live-Roaster Klinsi in Berlin. Danach musste man sich damals auch dort mit einem knurrigen Kulttrainer therapieren. Pal Dardai ist fast so etwas wie der ungarische Horst Hrubesch. Steht sowieso noch auf der Gehaltsliste, hat kultige Hobbies und wirkt wie ein Dinosaurier. Aber immer wenn man zu hoch geflogen und tief abgestürzt ist, brauch man so eine wettergegerbte Eiche, die in der Lage ist stundenlang ruhig auf eine Angel zu schauen ohne das Smartphone herauszunehmen. Ich mache den Autor des Buches „Dorschangeln vom Boot und an den Küsten“ zu meinem Spirit Animal während ich geduldig darauf warte, dass ich an irgendeinem Samstag 10:30, an dem niemand mit mir rechnet, wieder ins Geschehen eingreifen kann. Petri Heil.    

Far away in America drübbe

Vor knapp 30 Jahren waren wir mit Effe und Mario schon mal „drübbe“ und wahrscheinlich sind wir sogar Weldmeisda oder so was ähnliches gewodde. Jedenfalls wird dieses Ergebnis im Kopf vom Mario mit jedem Dopa-Weizen wahrscheinlicher. Nun bringen wir diesen Wilden bei der DFB-USA-Reise ein weiteres mal das Fußball-ABC. Trotz Messi im Miami spielen die immer noch zu viel mit den Händen. Ganz praktisch, wenn man nicht so gut zu Fuß ist (so wie ich Samstag 10:30), aber dann nennt das doch bitte nicht Football. Die Hände sind zum Klatschen da, z.B. zu fetziger Musik. Und weil die Village People vor 45 Jahren einmal eine angesagte Band waren, hat sie der DFB 15 Jahre später natürlich sofort nominiert, um den deutschen WM-Song einzusingen. Das Songwriting ist natürlich absolut weltmeisterlich und konnte keinem Amerikaner überlassen werden. ESC-Hit-Garant Ralph Siegel persönlich hat hier seinen Füllfederhalter leer geschrieben, um uns nicht nur auf den Fußballthron sondern auch an die Spitze der Musikcharts zu führen. Oder auf Platz 44 (Böörti Böörti Vogts von Blöödelbarde Stefan Raab schaffte schließlich auch nur Platz 4), aber im Kopf von Ralph Siegel war es mindestens eine goldene Schallplatte. Hören / lesen wir doch einfach noch einmal rein:

There’s a time you can’t go wrong,
when your heart arrives in America
And you know the game is on,
that will change your life in America
It’s a land so wild and free,
calling out for you and me
When you want some action,
that’s the way it’s gotta be
And you’ll find out if you stay,
you’ll be making friends in America today
Okay!

Far away in America, we’re gonna make it,
find the chance and take it
Away in America, we’re gonna make it,
get it out and shake it
You’re gonna fight for the light, make it
Come on and go, it’s alright
Far away in America
Far away in America
Let’s go!

It’s a tough man’s paradise,
take a flight or ride in America
There’s a rainbow in your eyes
on the other side of America,
It’s a land so great and wide,
touching you deep inside
Everybody’s watching, all you got to do is try
Take your dream and hold it tight,
you’ll get all you need in America tonight!
Alright!

Das Märchen vom Sternzahler

Was man sich jahrelang mit der Formulierung „War’s das für…“ zu Donald Trump fragte, fragt man sich seit geraumer Zeit zu Twitter. Der neuste Sargnagel war dann wohl letzte Woche fällig, als die blauen Haken verschwanden, mit denen die Twitter-Prominenz bis dato gekennzeichnet und diese nur noch an Bezahlkunden verteilt wurden. Im Fußball wäre das vergleichbar mit der Situation, wenn Aki Watzke als Liga-Chef sagen würde: „Das ist mir egal wie oft du Meister geworden bist, lieber Uli. Ab jetzt bezahlst du gefälligst für die Sterne auf dem Trikot.“ Und nicht nur für die Bundesliga wäre das eine willkommene Einnahmequelle. Nein, auch die Fifa könnte, wenn sie denn an Geld interessiert wäre, die Weltmeistersterne, nur gegen Geld rausgeben. Zuletzt mussten die Argentinier aufgrund unerwarteten sportlichen Erfolgs ihr Wappen aktualisieren und alle Landsleute waren im Zugzwang, ein neues Trikot zu erstehen. Gerade bei der wirtschaftlich angespannten Situation von Argentinien nicht gerade verantwortungsvoll von Messi & Co. Aber von diesem Update hat die Fifa überhaupt nichts und hätte sie nicht mehr daran verdienen können, wenn sich eine solvente Nation wie z.B. Katar einen Stern kauft? Falls man keine Sterne mag, kann es ja auch etwas anderes sein. Ein Mond, ein Anker, ein Herz … der DFB hätte auf diesem Weg vielleicht sogar eine One-Love-Botschaft ins Stadion bringen können. Jeder nur ein Kreuz? Quatsch, wenn du dafür bezahlst, darfst du dir sogar mehrere nehmen. Wofür dieser neue Symbolismus zu gebrauchen ist, außer um damit Geld zu verdienen, ist am Ende nicht mehr wirklich nachzuvollziehen. Ein käufliches Erkennungszeichen ist auch nur wie ein käufliches Trikot. Du kannst es gerne tragen, aber jeder ahnt, dass du Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) nicht mit Messi-Skills bereichern wirst. Deshalb ist die Teilnahme bis jetzt kostenlos.        

Notte Macchiato

Nachdem wir schon für die eine Stürmerlegende der Weltmeister von 1990 erfolgreich eine Anschlussverwendung gefunden haben, ist nun seit dieser Woche klar, dass auch sein Partner im Strafraum endlich wieder einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen kann. Rudi Völler hat mit dem Sportdirektorposten beim DFB bewiesen, dass es mehr als einen von seiner Art geben muss, nachdem er als Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen ja eigentlich in Rente gegangen war. Er war auch 1990 einer der Italienlegionäre, der in seiner Stadt Rom den WM-Pokal in den Himmel einer dieser Notti magiche recken konnte. Als ewiger Römer hat er natürlich eine Italienerin als Lebenspartnerin und Latte Macchiato als Kindergetränk kennengelernt. Sein Sturmpartner im Trikot der Nationalmannschaft spielte zur gleichen Zeit für Inter Mailand und seit dieser Woche ist der polyglotte Klinsmann endlich weg von Facebook Live. Wir dürfen gespannt sein auf welchen Social-Media-Kanälen er nun die südkoreanischen Fans mit Insights versorgt. Sein Aus bei der Hertha ist tatsächlich auch schon wieder 3 Jahre her. Aber alle erinnern sich selbstverständlich noch an seine spektakulären Anfänge in Berlin oder München. Das Abfilmen der Fankurve, die Buddhas auf dem Dach oder Söhnke Wortmann mit der Kamera in der Kabine – Klinsi wusste stets wie man einen Einstand inszeniert. Auf den darf man sich bei seinem Engagement in Südkorea also bestimmt freuen. Und wahrscheinlich wird auch das Ende wieder denkwürdig. Ein Jahr nach dem WM-Titel in Rom trafen Rudi und Klinsi übrigens als Gegner im UEFA-Cup-Finale 1991 aufeinander, den die Mailänder nach Hin- und Rückspiel 2:1 gegen die Roma  gewannen. Neben den beiden DFB-Stürmern standen in den Finalspielen auch die Weltmeister Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Thomas Berthold auf dem Platz. Kurz danach endete die große Italien-Amore für viele der deutschen Legionäre. Rudi und Klinsi zogen 1992 nach Südfrankreich zu Marseille und Monaco weiter. Mit den warmen Gedanken an Südfrankreich und Italien ignorieren wir Samstag 10:30 die Temperaturen am Nullpunkt auf der Piazza und träumen von Notti magiche im Estate.  

Völlerverbot

Im Nachhinein werden wir Jogi Löw doch noch irgendwie dankbar sein. Okay, er ist ungefähr sechs Jahre zu spät zurückgetreten und seine Fummeleien an der Seitenlinie sind immer noch sehr verstörend. Aber langfristig hat er uns wahrscheinlich vor großem Leid bewahrt. Man muss nur gucken, wer beim DFB und den entscheidenden Posten der Fußballmacht immer wieder ans Ruder gelassen wird, um zu erkennen: wir haben ein Sturmproblem. Aber mit ehemaligen Stürmern. Golden Oldboy Bierhoff hat nach Jahrzehnten des Verharrens in seinem Büro gerade erst seinen Schreibtisch geräumt, da werden schon die nächsten ehemaligen Nationalstürmer in die erste Reihe geschoben. Rudi Völler und Fredi Bobic wird tatsächlich zugetraut, den DFB zu modernisieren. Vermutlich weil Rudi vor 20 Jahren bei einer WM Vize geworden ist, als man eigentlich in der Vorrunde hätte ausscheiden müssen. Schon damals war Rudi Völler eine Verzweiflungsidee für den Teamchef, weil es keine bessere gab und Christoph Daum doch kein ganz so reines Gewissen hatte. Der Rumpelfußball mit Oli Bierhoff im Sturm war allerdings schwer zu ertragen. Nach dem Turnier beendete Bierhoff seine Stürmerkarriere beim DFB, um kurze Zeit später als Funktionär wieder aufzutauchen. Seinen Platz im Sturm nahm Fredi Bobic ein und musste mit Rudi noch schlimmeren Rumpelfußball zur EM 2004 abliefern, bevor mit Klinsi der nächste ehemalige Nationalknipser das Chef-Ruder übernahm. Was Klinsi wirklich außerhalb des Strafraums qualifizierte, konnte er bei Bayern, Hertha und Facebook Live allerdings nicht nachhaltig nachweisen. Sein DFB-Nachfolger Jogi Löw war natürlich auch ein Stürmer, aber nachdem Miro Klose in Rente ging, spielte er immer seltener mit einem klassischen Stürmer. Und damit endet hoffentlich irgendwann die Linie an Strafraumkanten, die noch Jahrzehnte nach ihrer aktiven Karriere niemals an den besser postierten Mitspieler abspielen und damit reihenweise beste Chancen vergeben. Bis dahin wird es allerdings noch etwas dauern. Wir machen uns besser schon mal sehr viel Popcorn. Direkt nach dem Kopfgrätschen Samstag 10:30 mache ich die Pfanne heiß.        

3 Zimmer, Küche, Skihalle

Im Oktober letzten Jahres war doch alles klar. Die deutsche Mannschaft aka #DieMannschaft hatte sich frühzeitig für die WM in Katar qualifiziert. Schon damals rätselten wir welches originelle Quartier sich Oliver Bierhoff für Deutschland exklusiv unter den Nagel reißen wird. Aber wer kennt das nicht? Du surfst abendelang durch Booking, AirBnB und Expedia und am Ende ist das Angebot einfach unüberschaubar. Man muss Oliver Bierhoff aber auch verstehen. Bei jedem Anbieter steht: nur noch 3 Zimmer in dieser Kategorie verfügbar. Und dass kann natürlich stressen, wenn du einen ganzen Spielerkader, ein umfangreiches Trainerteam und dann noch den gesamten Staff unterbringen musst. Zudem vergleichst du jede mögliche Herberge mit dem Traumurlaub im Campo Bahia. Nach dem Ausscheiden war schnell klar: es hat sich doch verbucht. Eigentlich machte das Zulal Wellness Resort einen ganz passablen Eindruck. Die Anfahrt zu den Pressekonferenzen wurden allerdings von 90% der Reisenden als ungenügend beschrieben. Leider fehlte auch die obligatorische Skihalle, die jede durchschnittliche Mall in Doha zur Freizeitgestaltung im Angebot hat. Da verwundert es nicht, dass Manuel Neuer direkt nach der Abreise aus Katar sich sämtliche Binden vom Reklamierarm riss und in den Schnee warf. Wenn schon Winter-WM, dann lieber mit DJ Ötzi auf der Hüttn als mit DJ Ötzi im Megapark. Auch hier kann Katar noch nachrüsten. Der Kunstschnee in der Skihalle wäre aber bestimmt fluffiger gewesen und hätte verhindert, dass sich Manu beim Schneeengelmachen das Bein bricht. Nicht jeder Fußballer kommt mit Schnee gleich gut klar. Messi z.B. ist auf dem Untergrund bestimmt nicht besser als Götze. Für Kopfgrätschen am Samstag 10:30 eignet er sich allerdings ganz famos. Wir sollten ernsthaft überlegen den nächsten Sommer in einer Skihalle in Doha zu spielen.

Polonaise Blanqueuenese

Oho, jetzt kommt also nächste Woche schon der letzte Länderspielstopp vor ihr wisst schon was. Kann man aber noch unbedenklich gucken, oder? Es ist immerhin das traditionsreiche Turnier Nations League mit coolen Duellen auf Augenhöhe. Dabei führt die Reise von Hansi und Olli uns auch nach England, wenn nicht noch mehr Fußballspiele abgesagt werden, weil die Engländer Public Viewing anders übersetzen. Wenn man den Insulaner dieser Tage zu einer solchen Veranstaltung einlädt, stellt er sich sofort in die Kondolenz-Schlange am Queen-Sarg. Dabei beweist er beachtliches Stehvermögen. Die Heatmap zeigt eine violette Linie von der London Bridge flussaufwärts bis nach Lambeth und über die gleichnamige Brücke bis hin zur Westminster Hall. Das sind beinahe 4 Kilometer. Gestern Nachmittag waren es sogar mehr als sechs Kilometer. Auf Youtube kann man live das aktuelle Ende der Schlange verfolgen. Das sollte Hansi unbedingt in seine Videoanalyse vor dem Spiel in London mit einbeziehen. Rein statistisch müssten auch einige Nationalspieler in der Schlange markiert werden können und wenn man nicht aufpasst, lassen die sich am Ende gegenseitig vor. Aber das ist nicht gewiss. Für Engländer ist das Stehen in Schlangen angeblich oft viel amüsanter als das eigentliche Ziel. Das haben sie sich immerhin über Jahrzehnte beim Fußball antrainiert. In dieser Wartezeit findet man neue Freunde und lädt sich gegenseitig zu heißem braunen Wasser ein. Dieses Konzept klingt eigentlich nicht schlecht und vielleicht sollte man auch in diesem Fall darauf setzen, dass die Engländer ein weiteres mal unser Vorbild für eine auf den ersten Blick eigenartige Freizeitbeschäftigung werden. Ich starte schon jetzt die Schlange für Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Nach dem frühen Sonnenuntergang am Mittwochabend kann man das auch noch problemlos ohne Tageslicht fortsetzen.  

There is no Planet DFB

Es wird schon wieder gewählt. Das wäre fast durchgerutscht und irgendwie hängt auch wenig Hoffnung an dieser Wahl. Früher konnte man die DFB-Präsidenten namentlich problemlos aufsagen. Z.B. Egidius Braun, der nette rheinische Opi in den Neunzigern. Gerhard Mayer-Vorfelder oder kurz MV (wie sympathisch), der baden-württembergische Pate mit dem großen Durst, der das Sommermärchen 2006 „erfand“. Oder Theo Zwanziger, der auch schon nicht mehr so seriös mit dem Geld umgegangen ist, aber immerhin Frauenfußballfan war. Und seit dem zerfasert es arg. Der Laden ist heillos zerstritten und unführbar. In Zeiten, wo Konzepte sehr fragwürdig erscheinen, wenn sie von nur einem starken Mann bestimmt werden, ist dieser Ansatz, dass man wegen fehlender Quittungen oder eines Nazivergleichs abgesägt werden kann, fast vorbildhaft. Seit Jahren rätselt vor allem der Vizepräsident, wer denn nun eigentlich Koch und Kell(n)er ist. Nun wird also eine neue arme Sau gesucht, die denkt DFB-Präsident wäre ein toller Titel auf seiner Visitenkarte. In Wirklichkeit schaut man jede Woche bedröppelt aus dem Bürofenster in der Otto-Fleck-Schneise, wenn mal wieder die Staatsanwaltschaft zur Razzia anrückt. In diesem gemeinnützigen Verein geht es auch nicht professioneller zu als in jedem Kleingartenverein. Irgendjemand verfeuert immer ohne Genehmigung Blätter und mäht den Rasen in den Ruhezeiten und die Wühlmäuse finden ihren Weg. Dennoch möchte man also im sich ankündigenden Frühling einen neuen Obergärtner gönnen. Wir gucken nur übern den Zaun auf das Unkraut und sind ganz froh, dass wir nicht eines der 1,7 Mio. Mitglieder im größten Sportverband der Welt sein müssen und stattdessen einfach nur Samstag 10:30 unseren Acker mit Kopfgrätschen zerfurchen dürfen. 

Eintrag ins Muttiheft

So, letzte Warnung. Noch ein Hassplakat und das Wort Hurensohn wird zum Weltkulturerbe. Und was das für die Deutschrapszene bedeutet, kann sich wohl jeder denken. Da müssten ganze Lebensläufe von Mitmusiker-Müttern neu geschrieben werden. Geschrieben wurde in der letzten Woche eine ganze Menge. Teilweise gab es so viel auf den Tribünen zu lesen, da reichten 90 Minuten kaum aus. In der ganzen Textwüste, dann die Beleidigung zu finden, hat so manchen Schiedsrichter überfordert. Also lieber mal kurz das Spiel unterbrechen und erst einmal in Ruhe schmökern. Sicher nur ein Zufall, dass der DFB seine Schiedsrichterteams gerade um Germanistikstudenten und Poetry-Slammer erweitern möchte. Da muss man ja doch dankbar sein, wenn das eine oder andere Bild im Block dabei ist und die Ultras noch einen Rahmen drumherum malen. Noch schöner wäre es natürlich, wenn die Motive gestickt wären. Im Fadenkreuz-Stich lassen sich erstaunliche Ergebnisse erzielen. Das Literarische Quartett am Sonntag Morgen aus dem Hotel Hilton am Münchner Flughafen lieferte dann auch erwartungsgemäß schlimme Fehlinterpretationen des Buchstabensalats. Selbst der Weinkönig vom DFB war überfordert von so viel analogem Getwitter auf Bettlaken. Kein Wunder, tagelang waren Farbeimer und Lakierermasken in sämtlichen Baumärkten rund um Bundesligastadien und in Meppen ausverkauft. Das hat die deutsche Bevölkerung extrem verunsichert. Der Beef zwischen Schickhardt und Schickaria hat aber immerhin bisher nicht zu einer peinlichen RTL-Gameshow geführt. Sportschau, Sportstudio und Sport in Baden-Württemberg waren dann doch vom Niveau her nicht zu unterbieten. Das überschaubare Niveau beim Kopfgrätschen Samstag 10:30 möchten wir an dieser Stelle mit einem Disclaimer versehen. Die Qualität würde wahrscheinlich diverse Hassplakate rechtfertigen, ist aber absolut unverdächtig auch nur im Entferntesten mit modernem Fußball zu tun zu haben. Und wir versprechen immerhin, über die Berufe eurer Eltern hinwegzusehen.