Norwegian Foot

Ich sag‘ wie es ist: Wer morgen (Samstag 10:30) keine kurze Hose trägt, hat den Fußball nie geliebt. Der Frühling ist da. Die Bobfahrer haben die olympischen Winterspiele gerade noch rechtzeitig verlassen, bevor dort die Bobbahn als Wasserrutsche fürs Spaßbad genutzt wird. Sogar die uneinholbar Führenden im Medaillenspiegel, die Norweger haben in Mailand auch den letzten Wettbewerb im sogenannten Fußball für sich entschieden, so dass die Italiener wahrscheinlich erst einmal genug von Menschen in Norwegerpullis haben und sich auf den ersten Aperol Spritz der Saison freuen. Aber selbst in Bodø sind inzwischen Plusgrade und die Menschen schnallen die Skier ab, mit denen sie monatelang verwachsen schienen. Bei der Fußball-WM sind die Norweger auch sicher dabei, weil sie in der Quali ausgerechnet den Italienern die lange Nase gezeigt haben. Angeblich ist das das Ergebnis davon, dass man in Norwegen daran glaubt, dass Kinder möglichst lange Spaß am Sport haben, wenn man keine Ergebnisse veröffentlicht und keine Pokale verteilt. Also das, was bei uns sofort unter dem Triggerwort „Bundesjugendspiele“ hitzigste Diskussionen auslöst. Wahrscheinlich verstehen es die Norweger sogar als Kompliment, wenn man sie als „Snowflakes“ beschimpft. Darauf sind sie schließlich nahezu unschlagbar. Das Ende des Winters sollte den Skandinaviern aber Sorgen und allen anderen Hoffnung machen. Bodøs erster Sieg in der Champions League war auch erst am 20. Januar. Davor war offensichtlich einfach zu wenig Winter. Aber wenn wir zeitnah auf die kurze Hose und den Drittehalbzeit-Aperol setzen, schmilzt die norwegische Dominanz bestimmt bald dahin. Zur Not sagen wir sogar die Ergebnisse durch, wenn wir sie uns merken können.

Nuthin’ but a Ski Thang

Die Winterferien sind vorbei, nur dem Winter hat das noch niemand sagen können. Dafür kommt heute Nacht noch einmal Extra-Schnee, der sich dann mit Regen in den Morgenstunden in eine interessante nordische Kombination aus angetauter Matschepampe verwandeln wird. Wer Samstag 10:30 die Gummistiefel schnürt, hat vermutliche leichte technische Vorteile. Kann aber auch sein, dass Skifelle oder spezielle Curlingsschuh-Absätze die bessere Wahl sind. Die Platzzukunft in den nächsten 24h ist auf jeden Fall schwer zu prognostizieren. Der Blick in die Glaskugel beschäftigt Fußballgeneigte eigentlich täglich. Wo normale Menschen jeden Tag mehrfach an das römische Reich denken, versucht sich der Fußballfan immer den Sommer vorzustellen. Weil da halt die Zeugnisse und alle wichtigen Titel vergeben werden. Und weil man endlich wieder bessere Spieler kaufen kann. Jedenfalls besser als die, die eigentlich schon mit dem Halbjahreszeugnis hätten sitzen bleiben müssen. Im seltensten Fall wird irgendetwas signifikant besser. Meistens wird es nur anders. Aber der Fußballanhänger neigt selten zur Dystopie. Und das obwohl er in den letzten Jahrzehnten mit absurden Witzwettbewerben und nervigen Videoschiedsrichterpossen allen Grund dazu hätte. Aber nein, am Ende ist er wie es Ted Lasso einst forderte ein 1A Goldfisch und ist je näher der Anstoß heranrückt mehr als bereit den letzten Mist zu vergessen. Und wenn es am Ende nur halb so wild ist und die Matschepampe nur in wenigen Ecken des Platzes liegt, wo man selten hinläuft, dann ist doch alles gut. Das Feuer in Mailand geht ja auch nicht einfach aus, sondern es wird von Snoop Dogg nur woanders hingetragen. In seine Heimat nach Long Beach CA, wo feiner Sand unter den Füßen lockt und schon ein weiterer glitzernder Sommer auf uns wartet.    

Curling Alaaf

Wenn die Sportschau extralang ist, aber davon nur eine Viertelstunde Fußball gezeigt wird, dann merkt man spätestens, dass gerade Olympische Winterspiele stattfinden. Die wenige Zeit reicht kaum, um alle Vereine mit Karnevalstrikot ausgiebig einzufangen und wenn der Effzeh tatsächlich vor dem Aschermittwoch ein Tor schießt, wird et Trömmelche unsensibel abgewürgt. Die Torhymne muss man also selbstständig bis zum „Kölle Alaaf“ im Kopf weitersingen, während schon wieder auf Rodeln umgeschaltet wurde. Oder eine andere Sportart, in der unsere Sportsoldaten unschlagbar sind. Von unseren 188 Athleten in Mailand und Cortina sind immerhin 76 bei der Bundeswehr. Hoffentlich fällt das bei der Münchner Sicherheitskonferenz niemandem auf. Mit all unseren funktionierenden Waffen schießen wir gerade im Schnee auf Lochscheiben. Der geneigte Fußballfan fühlt sich dabei wenigstens an Torwandschießen erinnert. Und wenn dann der Edelfan mit der großen Nase (nein, ausnahmsweise mal nicht Snoop Dogg) Zlatan Ibrahimovic ins Bild kommt, um über schwedische Curling-Erfolge zu jubeln, ist sogar für die Freunde des runden Leders etwas dabei. Auch wir haben in diesem Winter inzwischen eine gute Routine (Samstag 10:30) entwickelt, wenn es darum geht Löcher in den Schnee zu Schießen, uns bei der Schußfahrt Richtung Tor sauber in die Kurve zu legen und nach der Torerzielung mit einem doppelten Axel im Strafraum abzurollen. Wie auf einer Curlingbahn sehen wir, wo wir in der Woche zuvor schon zu heftig über die Bahn gewischt haben und wo noch Shorttrack möglich ist. Nur Skibergsteigen ist bei uns noch nicht möglich. Ich schau’s mir natürlich trotzdem an, wenn mir Zlatan, Snoop Dogg oder wenigstens Knut Elstermann das gut verkauft.    

Mailand oder Madrid – Hauptsache Handgeld

Fast ohne Warnung
Irgendwie haben sie es geschafft
Das Ende des Transferfensters, das wir kannten
Ein kurzes Rauschen nur
Das ganze Geld der Scheichs verzockt
Erst fielen die Börsen und dann fielen die Staatsfonds

Dortmund hofft, dass es nicht stimmt
Mailand kämpft und London trinkt
Auch in Paris ist jemand reich
Der Deadlineday macht alle gleich
Transfermarkt hört einfach auf
Du weißt es und du siehst es auch
Dass Hamburg heute Nacht Angst hat
Vor den letzten Faxgeräten dieser Stadt

Es war wie ein Kartenhaus
Und Fabrizio fragte sich
Pletti, wie haben sie das bezahlt?
Und sie hören die Roma singen
Für unsere Fahnen spielt jetzt Mats
Für deine Fahne niemals mehr

Dortmund hofft, dass es nicht stimmt
Mailand kämpft und London trinkt
Auch in Paris ist jemand reich
Der Deadlineday macht alle gleich
Transfermarkt hört einfach auf
Du weißt es und du liebst es auch
Dass Hamburg heute Nacht Angst hat
Vor den letzten Faxgeräten dieser Stadt

Für alle, die für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 schon auf dem Spielberichtsbogen stehen, kann man nur hoffen, dass nicht noch ein spontanes Angebot aus Belgien oder Polen reinkommt. Dort schließt erst heute das Sommer-Transferfenster. Es ist aber in ziemlich vielen Ländern noch recht lange geöffnet. Also keine Eile. Oh wie schön, nach Panama kann man sogar noch in den nächsten 85 Tagen wechseln, kleiner Bär.

Tribun auf Tribüne

Es steht wieder der Geburtstag eines unserer größten Krafttiere an, das irgendwie immer gespielt hat. Zwei Jahrzehnte in den besten Ligen der Welt und er schien dabei komplett alterslos. Es gab eine Zeit, da wurde er einfach jedes Jahr Meister, egal welcher Verein gerade mit ihm spielte. Aber kaum starb Mino Raiola, traute er sich tatsächlich mit 41 in die Fußballrente zu gehen. Jetzt wird er 42 und feiert seinen ersten Geburtstag nicht als Profifußballer. Tatsächlich ist Zlatan jetzt ein Kandidat für die Rubrik „Was macht eigentlich…?“. Dabei wäre die Frage „Was macht Zlatan Ibrahimovic eigentlich nicht?“ richtiger. Der tränenreichen Abschied in San Siro, bei dem Männer tribünenübergreifend was im Auge hatten, ist nun vier Monate her. Dass er seine Karriere bei Milan so emotional beendete, war insofern überraschend, weil er schließlich auch ein paar Spiele für Inter und Juve gemacht hat. Und sehr viele mehr für PSG. Allein in der Champions League hat er für 6 unterschiedliche Vereine getroffen. Den Henkelpott hat er allerdings nie gewonnen. Den könnte man aber in seiner Vitrine mit den ganzen persönlichen Auszeichnungen wahrscheinlich nicht einmal gut sehen. Ob Zlatan nun Zeit hat, seinen AC Milan in der Champions League als Tifoso zu begleiten und nächste Woche ein Tag nach seinem Geburtstag im Westfalenstadion zu sehen ist, gilt als unsicher. Irgendwo wird bestimmt eine seiner neuen Paddel-Tennis-Hallen eröffnet oder es muss ein weiterer Asterix-Film gedreht werden. Vielleicht setzt er sich ja an einem der nächsten Spieltage wie der Volkstribun in die Loge, wenn Milan gegen PSG im großen Brot- und Spiele-Theater gegeneinander antritt. Den Löwen bringt Zlatan selbst mit. Er hat ihn schließlich auf den Rücken tätowiert. Aber selbst wenn er sich nicht die Ehre gibt, sollen die Spiele stattfinden. So wie unsere Termine Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Insofern bleibt Zlatan unser Krafttier. Die Show geht einfach weiter. Sogar ohne ihn.         

Notte Macchiato

Nachdem wir schon für die eine Stürmerlegende der Weltmeister von 1990 erfolgreich eine Anschlussverwendung gefunden haben, ist nun seit dieser Woche klar, dass auch sein Partner im Strafraum endlich wieder einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen kann. Rudi Völler hat mit dem Sportdirektorposten beim DFB bewiesen, dass es mehr als einen von seiner Art geben muss, nachdem er als Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen ja eigentlich in Rente gegangen war. Er war auch 1990 einer der Italienlegionäre, der in seiner Stadt Rom den WM-Pokal in den Himmel einer dieser Notti magiche recken konnte. Als ewiger Römer hat er natürlich eine Italienerin als Lebenspartnerin und Latte Macchiato als Kindergetränk kennengelernt. Sein Sturmpartner im Trikot der Nationalmannschaft spielte zur gleichen Zeit für Inter Mailand und seit dieser Woche ist der polyglotte Klinsmann endlich weg von Facebook Live. Wir dürfen gespannt sein auf welchen Social-Media-Kanälen er nun die südkoreanischen Fans mit Insights versorgt. Sein Aus bei der Hertha ist tatsächlich auch schon wieder 3 Jahre her. Aber alle erinnern sich selbstverständlich noch an seine spektakulären Anfänge in Berlin oder München. Das Abfilmen der Fankurve, die Buddhas auf dem Dach oder Söhnke Wortmann mit der Kamera in der Kabine – Klinsi wusste stets wie man einen Einstand inszeniert. Auf den darf man sich bei seinem Engagement in Südkorea also bestimmt freuen. Und wahrscheinlich wird auch das Ende wieder denkwürdig. Ein Jahr nach dem WM-Titel in Rom trafen Rudi und Klinsi übrigens als Gegner im UEFA-Cup-Finale 1991 aufeinander, den die Mailänder nach Hin- und Rückspiel 2:1 gegen die Roma  gewannen. Neben den beiden DFB-Stürmern standen in den Finalspielen auch die Weltmeister Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Thomas Berthold auf dem Platz. Kurz danach endete die große Italien-Amore für viele der deutschen Legionäre. Rudi und Klinsi zogen 1992 nach Südfrankreich zu Marseille und Monaco weiter. Mit den warmen Gedanken an Südfrankreich und Italien ignorieren wir Samstag 10:30 die Temperaturen am Nullpunkt auf der Piazza und träumen von Notti magiche im Estate.  

Ruud Boys next door

Um es mit Tony Vallelonga zu sagen: „Hartelijk Welkom!“ Auch wenn es etwas komisch ist, aber wir haben innerhalb kürzester Zeit schon wieder die Holländer zu Gast. Diesmal geht es glaube ich um eine EM-Qualifikation. Ganz genau kann man das nicht sagen. Man sieht sich in letzten Zeit gefühlt häufiger als Werder und der HSV im Jahr 2009. Aktuell spielen diese allerdings selten gegeneinander. Deshalb muss mal wohl froh sein, wenn der Nachbar regelmäßig mal vorbeischaut. Und es ist ja auch ein wenig wie mit den Ochmoneks oder Flanders von nebenan. Man leiht sich gerne mal was aus, aber möchte sonst, dass sie nicht zu genau durch die Gardine gucken. Nun wurde extra Hamburg als Spielort ausgewählt. Ein Ort, wo sich große Holländer wie Eric Meijer, Rafael van der Vaart Meis Boulahrouz oder Marco van Basten immer wohl gefühlt haben. Jürgen Kohler träumt heute noch schlecht, wenn er an Hamburg und Marco 1988 denkt. Viel faszinierender war für ein DDR-Kind Ende der 80er allerdings Ruud Gullit. Mit seinen üppigen Rastas war die „schwarze Tulpe“ in seinem orangenen Trikot wahrlich etwas besonderes. Vor allem im Vergleich zu den üblichen Vokuhila-Oliba-Kickern, die bei uns rumgrätschten. Seinen Weltfussballertitel 1987 widmete er Nelson Mandela und auch heute ist er noch ein einflussreicher Kämpfer gegen Rassismus und eine wichtige politische Stimme in Holland. Dreißig Jahre später leider immer noch bitter nötig, wenn man sieht was aktuell Jatta in Hamburg oder Lukaku in Mailand erfahren müssen, wo auch Ruud Gullit lange gezaubert hat. Bei dieser Gelegenheit: Danke für die Kopfgrätsche-Post aus Mailand. Wir ziehen wieder Mittwoch 18:00 die orangenen Leibchen über und schicken einen leckeren Gruß in die Nachbarschaft: Het leven is geen zoete krentenbol.