Coppa del Mondo o Coppa Gelato Svedese?

Alora. Scusi. Unpopulär Opinion: jetzt alles auf dem WM-Sieg von Italien setzen. Okay, es sieht vielleicht nicht so vielversprechend aus, weil die Squadra Azzurra gar nicht qualifiziert ist. Aber bis zum Turnierbeginn kann geopolitisch noch ziemlich viel passieren. Und da so viele Länder wie noch nie qualifiziert sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende gar nicht alle bis dahin wirklich Lust auf Fußball in einer Bananenrepublik im Kriegsmodus haben. Und da rechnen wir noch nicht einmal mit einem deutschen Boykott, weil Nagelsmann und Untdav sich nicht zwischen Coke und Pepsi im Drive-In entscheiden können. Dabei gehört es zum Mythos einer Burgerbraterei, dass dort der Spirit geboren wurde, der 1992 eine nachrückendes Land zum Turniersieger geführt hat. Und damit sind wir bei dem Szenario, auf das die Italiener nun hoffen müssen. Wie einst die Dänen vom Jugoslawienkrieg profitierten, muss ausgerechnet das gegen Bosnien ausgeschiedene Italien auf ein unverdientes Nachrücken hoffen, dass sie direkt zum Titel führen sollte. Der Name des ehrbaren FIFA-Präsidenten, der das wahrscheinlich alleine entscheiden darf, klingt ja nur zufällig italienisch. Er ist natürlich neutraler Italo-Schweizer. Aber eigentlich spricht nichts dagegen, dass der amerikanische Papst Ostersonntag in Rom verkündet, dass Italia auferstanden ist. Im Anschluss strömen die Massen in eine Gelateria ihrer Wahl und bestellen vor Glück einen Schwedeneisbecher. Denn auch die Schweden wissen gar nicht wie sie sich für die WM qualifizieren konnten, ohne ein Gruppenspiel zu gewinnen. Auch da waren offensichtlich höhere Mächte im Spiel. Wessen Kreuzwege also Samstag (10:30) nicht direkt zum Platz führen, kann schon Mittwoch (18:00) glorreich wiederkehren. Abbi fede!

Guten Abendsegler allerseits

Als wir vor zwei Wochen den Wal als Kopfgrätsche-Maskottchen adoptierten, konnten wir noch nicht ahnen, dass er uns so viel Kummer bereiten würde. Und bevor hier die Rechnungen für die großen Saugbagger und Meeresbiologen bei uns landen, möchten wir uns von ihm distanzieren. Durch sein Stranden in der Lübecker Bucht war er jetzt eine Woche lang ziemlich gut zu sehen. Zur Not im Livestream auf der BILD-Startseite. Aber wie gesagt: er ist nicht unser Grotifant und wir zahlen die Rettungsaktionen nicht. Obwohl wir natürlich sehr froh sind, dass diese vorerst erfolgreich waren. Wir werden uns ein anderes Maskottchen suchen, das weniger kostspielig ist. Am besten eins, mit dem man kommunizieren kann, dass wir ab der nächsten Woche nicht nur Samstag 10:30 sondern auch Mittwoch 18:00 auf dem Bolzplatz zu finden sind. Also entweder ein Tier, das Tageslicht mag oder uns in der Dämmerung rechtzeitig daran erinnert, dass es Zeit für das berühmte letzte Tor ist. Da hat sich in den letzten Jahren eigentlich die Mücke recht subtil bei uns beworben. Manch einer hatte zum Spielende gerade noch soviel Restblut übrig, um den Nachhauseweg zu schaffen. In der Dämmerung huschen allerdings noch andere Blutsauger über unseren Köpfen hinweg. Tagsüber hängen die mit dem Kopf nach unten herum, was bei Kopfgrätschern doch die nötigen Sympathien wecken sollte. Und wann hat man schon einmal gehört, dass eine Fledermaus für einen größeren volkswirtschaftlichen Schaden verantwortlich ist? Seit der letzten Pandemie ist mir da eigentlich nichts bekannt. Allerdings war da mal was mit dem FC Valencia, der von DC Comics verklagt wurde, weil die auch einen Character haben, der über eine Fledermaus-Silhouette herbeigerufen werden kann. Also bevor wir die nächste Kopfgrätsche-Ankündigung mit einem Suchscheinwerfer im Nachthimmel starten, würde ich gern doch noch einmal die Baggerrechnung vom Wal sehen.       

Free Wissy

Da passiert in der Region schon mal was und dann wird das liegen gelassen, weil der Nationaltrainer ein Interview gibt, worüber sich das Netz aufregt. Dabei ist auch der Wal in der Mecklenburger Bucht schlechter Laune. Und das liegt hauptsächlich auch am Netz. Und nur weil unsere Tore über kein selbiges verfügen und man neben dem lauen Netz-Gag nicht auch noch solche Lowlights wie Platz-Wal abfeuern kann (obwohl Superwaljahr ist), spricht man nicht über den Meeressäuger im Raum bzw. in der Bucht. Aber er ist immer noch da und findet den Ausgang nicht. In Wismar versucht man unbeirrt die Heringstage zu starten, obwohl der Wal wahrscheinlich schon alle verbliebenen Fische aus der Ostsee gegrast hat. Dabei fällt dann auch auf, dass die Kogge nicht am Hafen liegt, weil sie durch den Schiffs-TÜV gefallen ist. Höchste Zeit sich ein neues Wahrzeichen auf dem Wasser zu suchen und in der neuen Walheimat Whalewatching-Touren für die Touristen anzubieten. Mit welchem Boot auch immer. Wir (Samstag 10:30) sollten uns rechtzeitig den Wal als Maskottchen sichern, bevor sie bei Hansa ihre tätowierte Möwe absetzen, die den Kindern mehr Angst macht als die realen Fischbrötchenjäger am Hafen. Und anstatt irgendeines armen Studenten in einem schlecht genähten Kostüm, in dem er mehr schwitzt als alle Spieler auf dem Platz zusammen, ist ein echtes Tier doch immer cooler. Siehe Attila der Adler in Frankfurt. Natürlich kann man zurecht kritisch fragen warum der wie ein veganer Schwurbelkoch heißen muss. Und dass durch ihn die Eintrachtler zu „Adlerträgern“ werden, wenn alle Synonyme abgefrühstückt sind, ist natürlich auch gruselig. Aber Hennes in Köln ist doch ein gutes Vorbild. Und die Kölner sind trotzdem immer gut vorbereitet, falls ein Geißbock in die ewigen Jagdgründe abberufen wird. Wie bei den Ayatollahs steht schon gleich der nächste parat. Das könnte beim Wal allerdings schwierig werden. Vielleicht ist der Hering doch die bessere Wal.

Die Jubelraupe Nimmersatt

Kicker-Abonnenten wissen seit dieser Woche bescheid. Na ja und alle anderen irgendwie auch. Immerhin enthielt das exklusive Nagelsmann-Interview genügend Ragebait, so dass man sich den Weg zum Kiosk sparen konnte. Für unsere WM-Chancen (Samstag 10:30) war eigentlich nichts Neues dabei. Für die aktiven Nationalspieler war es aber schon interessant, zu erfahren wie der Nationaltrainer ihre bisherige Saison einschätzt. Und man merkte irgendwie: das Leistungsprinzip wird bei diesem Amt auch weiterhin ziemlich subjektiv bleiben. Da kann man noch mehr Zahlen zur Laufleistung, xGoals und Packingwerte sammeln, wenn man über das Tor am Ende nicht ordentlich jubelt, dann guckt man sich die WM am heimischen Fernseher an. Und wem die Restsaison jetzt schon zu unpannend vorkommt, der bekommt nun an den restlichen Spieltagen wahrscheinlich Einiges geboten. Die Kreativität wird nach dem Torerfolg grenzenlos sein. Es werden bestimmt schon die ersten Superheldenmasken hinter den Toren deponiert. Vielleicht sieht man auch die lange nicht mehr bemühte Jubelraupe oder den schwungvollen Ruder-Jubel. Ein Spaß fürs ganze Team. Nur den Nicolai-Müller-Jubel kann man immer noch nicht guten Gewissens empfehlen. Und der markenrechtlich geschützte Cole-Palmer-Jubel™ wirkt natürlich ziemlich lächerlich bei Plusgraden. Aber ansonsten erwarten wir echte Innovation. Zeit genug sollte dafür da sein, der Videoschiedsrichter braucht schließlich seine fünf Minuten zur Überprüfung. In der Zeit muss niemand gelangweilt das Smartphone rausholen, wenn auf dem Feld noch eine kostenlose Zirkusnummer geboten wird. Nur wer nach jedem reingestolperten Abstauber das imaginäre Lasso rausholt oder einen indigenen Feuertanz an der Eckfahne zelebriert, zeigt dem Bundestrainer, dass er wirklich bereit für Amerika ist.      

Norwegian Foot

Ich sag‘ wie es ist: Wer morgen (Samstag 10:30) keine kurze Hose trägt, hat den Fußball nie geliebt. Der Frühling ist da. Die Bobfahrer haben die olympischen Winterspiele gerade noch rechtzeitig verlassen, bevor dort die Bobbahn als Wasserrutsche fürs Spaßbad genutzt wird. Sogar die uneinholbar Führenden im Medaillenspiegel, die Norweger haben in Mailand auch den letzten Wettbewerb im sogenannten Fußball für sich entschieden, so dass die Italiener wahrscheinlich erst einmal genug von Menschen in Norwegerpullis haben und sich auf den ersten Aperol Spritz der Saison freuen. Aber selbst in Bodø sind inzwischen Plusgrade und die Menschen schnallen die Skier ab, mit denen sie monatelang verwachsen schienen. Bei der Fußball-WM sind die Norweger auch sicher dabei, weil sie in der Quali ausgerechnet den Italienern die lange Nase gezeigt haben. Angeblich ist das das Ergebnis davon, dass man in Norwegen daran glaubt, dass Kinder möglichst lange Spaß am Sport haben, wenn man keine Ergebnisse veröffentlicht und keine Pokale verteilt. Also das, was bei uns sofort unter dem Triggerwort „Bundesjugendspiele“ hitzigste Diskussionen auslöst. Wahrscheinlich verstehen es die Norweger sogar als Kompliment, wenn man sie als „Snowflakes“ beschimpft. Darauf sind sie schließlich nahezu unschlagbar. Das Ende des Winters sollte den Skandinaviern aber Sorgen und allen anderen Hoffnung machen. Bodøs erster Sieg in der Champions League war auch erst am 20. Januar. Davor war offensichtlich einfach zu wenig Winter. Aber wenn wir zeitnah auf die kurze Hose und den Drittehalbzeit-Aperol setzen, schmilzt die norwegische Dominanz bestimmt bald dahin. Zur Not sagen wir sogar die Ergebnisse durch, wenn wir sie uns merken können.

Nuthin’ but a Ski Thang

Die Winterferien sind vorbei, nur dem Winter hat das noch niemand sagen können. Dafür kommt heute Nacht noch einmal Extra-Schnee, der sich dann mit Regen in den Morgenstunden in eine interessante nordische Kombination aus angetauter Matschepampe verwandeln wird. Wer Samstag 10:30 die Gummistiefel schnürt, hat vermutliche leichte technische Vorteile. Kann aber auch sein, dass Skifelle oder spezielle Curlingsschuh-Absätze die bessere Wahl sind. Die Platzzukunft in den nächsten 24h ist auf jeden Fall schwer zu prognostizieren. Der Blick in die Glaskugel beschäftigt Fußballgeneigte eigentlich täglich. Wo normale Menschen jeden Tag mehrfach an das römische Reich denken, versucht sich der Fußballfan immer den Sommer vorzustellen. Weil da halt die Zeugnisse und alle wichtigen Titel vergeben werden. Und weil man endlich wieder bessere Spieler kaufen kann. Jedenfalls besser als die, die eigentlich schon mit dem Halbjahreszeugnis hätten sitzen bleiben müssen. Im seltensten Fall wird irgendetwas signifikant besser. Meistens wird es nur anders. Aber der Fußballanhänger neigt selten zur Dystopie. Und das obwohl er in den letzten Jahrzehnten mit absurden Witzwettbewerben und nervigen Videoschiedsrichterpossen allen Grund dazu hätte. Aber nein, am Ende ist er wie es Ted Lasso einst forderte ein 1A Goldfisch und ist je näher der Anstoß heranrückt mehr als bereit den letzten Mist zu vergessen. Und wenn es am Ende nur halb so wild ist und die Matschepampe nur in wenigen Ecken des Platzes liegt, wo man selten hinläuft, dann ist doch alles gut. Das Feuer in Mailand geht ja auch nicht einfach aus, sondern es wird von Snoop Dogg nur woanders hingetragen. In seine Heimat nach Long Beach CA, wo feiner Sand unter den Füßen lockt und schon ein weiterer glitzernder Sommer auf uns wartet.    

Curling Alaaf

Wenn die Sportschau extralang ist, aber davon nur eine Viertelstunde Fußball gezeigt wird, dann merkt man spätestens, dass gerade Olympische Winterspiele stattfinden. Die wenige Zeit reicht kaum, um alle Vereine mit Karnevalstrikot ausgiebig einzufangen und wenn der Effzeh tatsächlich vor dem Aschermittwoch ein Tor schießt, wird et Trömmelche unsensibel abgewürgt. Die Torhymne muss man also selbstständig bis zum „Kölle Alaaf“ im Kopf weitersingen, während schon wieder auf Rodeln umgeschaltet wurde. Oder eine andere Sportart, in der unsere Sportsoldaten unschlagbar sind. Von unseren 188 Athleten in Mailand und Cortina sind immerhin 76 bei der Bundeswehr. Hoffentlich fällt das bei der Münchner Sicherheitskonferenz niemandem auf. Mit all unseren funktionierenden Waffen schießen wir gerade im Schnee auf Lochscheiben. Der geneigte Fußballfan fühlt sich dabei wenigstens an Torwandschießen erinnert. Und wenn dann der Edelfan mit der großen Nase (nein, ausnahmsweise mal nicht Snoop Dogg) Zlatan Ibrahimovic ins Bild kommt, um über schwedische Curling-Erfolge zu jubeln, ist sogar für die Freunde des runden Leders etwas dabei. Auch wir haben in diesem Winter inzwischen eine gute Routine (Samstag 10:30) entwickelt, wenn es darum geht Löcher in den Schnee zu Schießen, uns bei der Schußfahrt Richtung Tor sauber in die Kurve zu legen und nach der Torerzielung mit einem doppelten Axel im Strafraum abzurollen. Wie auf einer Curlingbahn sehen wir, wo wir in der Woche zuvor schon zu heftig über die Bahn gewischt haben und wo noch Shorttrack möglich ist. Nur Skibergsteigen ist bei uns noch nicht möglich. Ich schau’s mir natürlich trotzdem an, wenn mir Zlatan, Snoop Dogg oder wenigstens Knut Elstermann das gut verkauft.    

Schneewatch Berlin

Ich bin kurz davor unseren Berliner Botschafter vorzeitig von seinem Tennisplatz auf Sizilien nach Deutschland zurückzubeordern, um unsere Platzverhältnisse kritisch zu bewerten. Aktuell kann man sich nur vorstellen, ob da gerade Schnee, Schneematsch oder doch nur vereiste Schneereste in den Ecken herrschen und welches Schuhwerk Samstag 10:30 empfehlenswert ist. Berliner haben ja bekanntlich über 50 Wörter für Schnee (also spätestens seit diesem Winter) und können am besten entscheiden, ob die kniehohen Stiefel reichen oder ob es doch die Moonboots mit Pelztrotteln sein sollten. Gerade im Hinblick auf die Fashion Week möchte man ja nicht wie ein Brandenburger Pelztrottel rumlaufen. Tausalz werden wir natürlich nicht einsetzen, da wir fest an ökologische Körperwärme durch Schneeengel glauben. Wir müssen hoffen und beten, dass unser Berliner Botschafter uns quasi auch wie ein Engel Samstag 10:30 erscheint, denn falls er auf geöffnete Flughäfen und freie Bahnstrecken setzt, könnte es schwierig werden. Dann lieber doch spontan den Aufenthalt bei den Sizilianern verlängern. Die kennen gar keine Wörter für Schnee und dort traut er sich wahrscheinlich auch nicht zu fallen. In Berlin wünscht sich wahrscheinlich Mancher die Cosa Nostra und nicht die BSR würden den Winterdienst organisieren. Immerhin kommen heute in Köpenick die Frankfurter mit ihrem neuen Trainer Riera, der schon wie ein irrer Mafiaboss guckt, in der Alten Försterei vorbei. Sein feuriger Blick wird die Wege zum Stadion schon freibrennen. Das ist im Zweifel umweltschonender als Tausalz. Und vielleicht fangen bei sizilianischen Bedingungen sogar schon die ersten Vögel an zu brüten. Was auch immer die DFL entscheidet, Fußballtennis sollte doch mindestens drin sein, oder?

Die Konferenz der Tore

Zum zweiten mal wurden wir Zeuge des letzten Vorrundenspieltages der Champions League im neuen Modus. Und es ist immer noch gewöhnungsbedürftig. Nett gesagt. Ob man sich daran gewöhnen kann, ist noch nicht geklärt. Aber der Fußballfan an sich ist ja trotz seines starken Hangs zur Nostalgie ein sehr anpassungsfähiges Wesen. Um nicht zu sagen: am Ende macht er doch jede Scheißidee mit. Und sei es 18 Spiele gleichzeitig zu gucken, um Keines richtig zu sehen. Die durchschnittliche Live-Verweildauer in jedem Stadion war bei unter 30 Sekunden. Oft liefen halt Zeitlupen, von Toren, die man verpasst hatte oder die Mannschaften nutzen die kurze Spanne der Aufmerksamkeit, um sich verletzt auf dem Boden zu rollen oder es stand zufällig gerade eine längere Wechselpause an. In vielen Jahren werden wir wahrscheinlich belustigt auf dieses Experiment gucken. Sicher weil wir dann natürlich 36 Spiele parallel sehen werden, bei denen aber zum Glück immer die KI rechtzeitig umschaltet. Aber aktuell gucken wir auf die menschliche Bildregie wie auf die Leute, die damals verpasst haben das erste Bundesligator aufzunehmen. Gefühlt war das Spiel, das am Ende aufgrund seiner langen Nachspielzeit, als einziges 2 Minuten Aufmerksam am Stück bekommen konnte, das Einzige, dass von diesem Abend hängen bleibt. Und das nicht, weil der Kommentator schon während des Spiels vor Aufregung bei Fast-Toren „Tor in Liss!“ ins Mikrofon brüllte. Nein, vor allem, weil Benfica in der wichtigen Phase bereits wusste wie alle anderen gespielt hatten und deshalb das entscheidende Tor durch den Torwart erzwingen konnten. Bzw. ehrlicherweise schienen sie es kurz vor Schluss noch nicht zu wissen. Der Nervenzusammenbruch des DAZN-Kommentators muss sie aber wohl dezent darauf hingewiesen haben. Und trotz aller Gleichzeitigkeit entsprang die beste Szene aus diesem Zeitvorteil. Was machen wir nun mit dieser Erkenntnis? Ist Fußball doch besser nacheinander? Wir halten Samstag 10:30 auf jeden Fall wieder die ganzen Vor- und Nachteile der Linearität aus und hoffen trotzdem insgeheim auf eine finale Eskalation beim Golden Goal. 

Kopfgrätsche Classics (broken Hands and broken Links)

Na, habt ihr auch schon schwungvoll in eurem Fotospeicher zurückgespult wie einst die VHS mit den Bundesliga-Classics (damals schon mit Edin Dzeko) als in der Winterpause tatsächlich zu wenig frischer Content auf den Sportkanälen angeboten wurde? Throwback 2016? Was soll das? Fragt man sich und schon hat man das Endgerät in der Hand und guckt neugierig nach, was vor zehn Jahren wohl so los war. Auf Kopfgrätsche.de kann man das auch tun und als erstes stößt man auf einen Tweet, den man damals tatsächlich noch genutzt hat, um untereinander ernstgemeinte Fragen zu beantworten. Auf Christophs Frage: „…habt ihr eine Ahnung, was alles in den #kgjrb / #Jahresrückblick 2016 gehört?“ antwortete dann auch niemand, dass das gefälligst @grok beantworten soll. „Handbruch, Schneekönigin, Dino, Rugby + Football, Autocrash, Wismarena, Euro, DIA, Aushilfsfotografen, Hommagen…“ wurden vorgeschlagen und der Jahresrückblick 2016 deckt davon auch eine ganze Menge ab. Verletzungen wurden früher noch nicht lückenlos dokumentiert, deshalb musste natürlich ein Arzt damit beginnen. Und auch beim Autocrash an einer Verkehrsinsel in Sichtweite unseres Platzes waren alle froh, dass John nicht nur Kopfstände und Christoph Lyrik beherrscht. Auch der Besuch des damaligen Bundesligadinos war ein Highlight in unserer kleinen Stadt. Heute denkt man bei Dino wahrscheinlich eher an einen frisch entlassenen Eintracht-Frankfurt-Trainer und fragt sich warum René Adler eigentlich nie bei den Hessen angestellt wurde. Damals hat er wenigstens freundlich in unsere iPhone4-Kamera gelächelt. Das Jahr schlossen wir naiv mit einem launigen Dinner for Seventeen ab, ohne zu ahnen, dass danach nur noch Dauerkrise folgen sollte. Aber auch weitere 10 Jahre, in denen trotzdem an Samstag 10:30 nicht zu rütteln war. Deshalb gibt es keinen Grund an diesem Samstag damit aufzuhören. Dann frage ich vielleicht auch am Ende diesen Jahres nach euren Highlights für den Jahresrückblick 2026 und ihr antwortet ganz normal: „@grok put him in a Bikini.“ Oder reparier endlich mal die Links…  

Schafskopfbrezn

Ach guck, das war also erst die Hinrunde. Zieht sich ganz schön und wenn wir ehrlich sind, ist sie auch immer noch nicht vorbei. Drei verlegte Spiele müssen ja noch nachgeholt werden. Das mit der Herbstmeisterschaft wird sich aber wohl nicht mehr groß verändern. „Herbst“-Meister… merkt ihr selbst, oder? Wir sind doch schon gefühlt näher am Mai als am Herbst. Deshalb ist es auch wirklich kein Problem, wenn man den Bayern die Schale jetzt schon überreicht. Später ist doch immer so viel los. Gerade im Mai mit den ganzen Feiertagen. Nee nee, beim nächsten Heimspiel sollten sie Tribüne aufbauen und den Zinnober mit den Weißbierduschen durchziehen. Es wäre okay. Für künstliche Spannung hätte man im Großraum München auch ein wenig Winter- und Tauwetter wie im Norden gebraucht. Aber dort hatte man alles im Griff, sogar das Wetter. Kein Wunder, dass Markus Söder beim Blick nach Norden das Gefühl haben musste: die kriegen ja gar nichts gebacken. Nur drei Mannschaften überhaupt nördlich von Wolfsburg und rundherum nur Schafherden mit eigenen Bundesländern. Die paar Höfe kann man großzügig zusammenfassen. Auch da spielt Bayern eindeutig in einer eigenen Liga. Und trotzdem müssen sie in diesem Staat und dieser Liga von Versagern mitmachen. Immer wenn es um die Sommerferien geht, machen die Bayern den Eindruck als ob sie alle in kurzen Lederhosen bei der Heuernte helfen müssen, aber spätestens ab dem Weißwurschtfrühstück mit dem zweiten Weizen am klaren Bergsee unter der Bierbank liegen. Die späte Erholung scheint auf jeden Fall eine erstklassige Grundlage zu sein, um später alle anderen entspannt abzuhängen, die schon Anfang Herbst auf der letzten Rille laufen. Wohin man M-V als Bundesland hinfusionieren sollte, ist noch nicht entschieden. Weder Hamburg, noch Schleswig-Holstein, ja nicht einmal Brandenburg möchte uns haben. Deshalb sollte uns unbedingt Bayern adoptieren. Wir könnten sogar anbieten „Kopfgrätschen“ zu bavarifizieren, in „Schafskopfbrezn“ zum Beispiel. Samstag 10:30 könnten wir direkt damit beginnen. Wie das ist klassische Weißwurschtfrühstückszeit? Na denn hoid ned!       

Strafräumkommando

Man hatte es natürlich schon komplett vergessen, warum man mal so etwas wie eine Winterpause eingeführt hatte. Viele dachten wahrscheinlich, das ist traditionell der Zeitraum, in dem Mannschaften wie der BVB, die die Hinrunde weit hinter den eigenen Ansprüchen beendet hatten, knallhart die Fehler analysieren, irgendeinen teuren Hoffnungsträger verpflichten, ein Trainingslager in Marbella oder Belek verbringen, in dem der Hoffnungsträger in lahmen Testspielen gleich mal verletzt ausgewechselt wird, um dann nach milden Wochen, in denen es hier wärmer als in Belek war, wieder motiviert eine Aufholjagd in der Rückrunde zu starten. Irgendwann kürzte der Fußballkalender sogar das Testbild im Winter bekannt als Hallenmasters weg und dann war die Winterpause nicht mehr länger als eine herkömmliche Länderspielpause und man hatte vergessen warum man sie sich ursprünglich mal gegönnt hatte. Wenn an diesem Wochenende tatsächlich Spielabsagen drohen, ist es für viele im Leben das erste mal, dass Fußball aufgrund eines jahreszeittypischen Wetters ausfallen könnte. Nur auf Schalke müssten sie sich entscheiden: Dach zu oder doch lieber Biathlon mit echtem Schnee? Ansonsten gibt es natürlich fast überall Rasenheizungen, die verhindern, dass wir schief freigekratzte Strafraumlinien, orangene Spielbälle und Torhüter mit Bommelmütze sehen werden. Das ist tatsächlich Folklore, die wir uns nur in historischen MAZen in der Sportschau anschauen können, bei denen man nicht genau weiß, ob der Schnee im Bild nicht doch nur die grobkörnige Auflösung ist. Also müssen die Außenreporter, die bei Extremwetter immer ihre Time to Shine haben, sich eher vor dem Stadion in eine Schneewehe stellen und dort die Verantwortlichen interviewen, die über eine mögliche Spielabsage aufgrund der Zufahrtswege entscheiden. Also kurz gesagt: wer es unfallfrei und pünktlich zum Spielbeginn (Samstag 10:30) bis zum Platz schafft, kann bestimmt auch spielen. Auf jeden Fall muss das lückenlos für die Nachwelt dokumentiert werden, damit man sich es in 15 Jahren in der eintägigen Winterpause ungläubig anschauen kann.