Goldene Zeiten

Frage: wer hat an der Uhr gedreht? Antwort: alle, weil Winterzeit. Und damit auch Ballon d’Or Zeit. Gefühlt seit Jahrzehnten wurden weder Messi noch Ronaldo bei diesem Preis berücksichtigt. Viele mussten sich panisch erst einmal informieren, wer außerdem so Fußball auf dem Planeten spielt. Der ewige Kronprinz Neymar ist ja inzwischen auch nur noch eine abgehalfterte Kaderleiche in der Saudi Pro League. Dieser Norweger ballert weiterhin konstant alles zu Klump, aber der ist unfairerweise als Kind in den Zaubertrank gefallen und im richtigen Land geboren, aber für das falsche spielberechtigt, das nur im Biathlon Titel gewinnt. Deshalb wähnte sich Vinicius Jr. als Favorit, organisierte schon mal eine Megafete und kaufte all seinen Teamkollegen eine Rolex. Eine klassische Geste unter Profis, die auch schon Maradona gerne nutzte, um seinem Fußvolk zu danken. Er selbst trug selbstverständlich immer eine an jedem Handgelenk (mit Alarm auf Samstag 10:30) und sparte sich so sicher die Zeitumstellung, die eine solche Wertanlage nur unnötig abnutzt. Wahrscheinlich war das auch die Erklärung, die Kalle Rummenigge beim Zoll angab, als er mit zwei Luxus-Zeiteisen erwischt wurde. Nun da Rodri den goldenen Ballon gewonnen hat, sind vermutlich einige Protzwecker übrig. Was damit passiert, ist noch unklar. Hoffentlich hat Vini den Kassenbon aufgehoben. Gerüchteweise hat Rodri knapp gewonnen, weil er aktuell der größere Sportsmann ist, der für Fairplay steht und eher nicht der Rolex-Typ ist. Angeblich macht er sich sogar so wenig aus Status, dass er seinen Opel Corsa demnächst gegen einen VW-Elektroauto tauschen möchte. Viel wichtiger ist aber das Signal, dass das größere Vorbild bei einer Wahl verdient gewinnt gegen den Kandidaten, der regelmäßig seine Gegner verhöhnt und das Ergebnis nicht akzeptiert. Das macht doch etwas Hoffnung für die kommenden Tage. 

Genetischer Doppel-Wumms aus der Zukunft

Hallo Pep, schön, dass du das letzte mal aufmerksam mitgelesen hast und das Tor-Monster am Mittwoch zum Ausruhen auf die Bank gesetzt hast. Warum es auch immer eine Pause brauchen könnte. Wahrscheinlich um Anlauf zu nehmen für einen nächsten irren Rekord. Aber egal, so konnte man sich in Kopenhagen über einen Punkt freuen, weil der 900.000€-in-der-Woche-Stürmer bezahlten Urlaub neben dem Platz machen durfte. Und wir konnten uns bei Heiko auf dem Hocker angucken, was passiert, wenn Haaland in zwei Mannschaften vermisst wird. Am Ende also nur zwei Tore in Gruppe G an diesem Spieltag. Aber immerhin das Bier und die Fachgespräche hatten viel Gehalt. Die Vorrunde ist in diesem irren Kalender nun auch schon fast rum. In Barcelona fragt man sich wie die Champions League für sie vorbei sein kann, wenn sie doch gerade erst gestern die Spieler dafür anmelden konnten, weil sie spät aber plötzlich noch Geld gefunden hatten. Dabei haben sie sich bestimmt einiges von Olaf Scholz seiner Doppel-Wumms-Kasse abgeguckt. Also wirtschaftlich gibt es doch Ähnlichkeiten. Man pumpt sich das nötige Kleingeld halt bei der Zukunft. Blöd ist nur, wenn man deshalb trotzdem nicht in der Gegenwart die Gruppenphase übersteht. Aber vielleicht sollte die UEFA mal darüber nachdenken noch mehr Spiele in diesem Wettbewerb zu veranstalten, damit man nicht als Dritter oder Vierter schon ausscheiden muss. Unser Turnier mit vier Teams am letzten Samstag 10:30 war doch auch sehr schön. Es bestand nur aus einer Gruppenphase und war vorbei als es anfing zu gewittern. Das Modell kann so gerne wiederholt werden und hat auf jeden Fall allen Spaß gemacht. Mehr Spaß als die Champions League aktuell, die sehnsüchtig darauf wartet, dass endlich der Cousin von Erling Haaland, der aber in Wirklichkeit sein Klon zu sein schein, in dem Wettbewerb aufläuft. Dann könnte man zukünftig auch immer mal einen Haaland schonen, weil dann der andere für den Wumms sorgt. Barcelona klingelt schon mal in Berlin durch für Tipps zu innovativen Finanzierungsmöglichkeiten.

Der Henkeltrick

Falls irgendjemand am Mittwoch noch versucht hat im Restlicht des Tages einen Ball zu erkennen, war er dennoch rechtzeitig zu Hause um zwei weitere Erling-Haaland-Buden zu bestaunen. Man muss allerdings festhalten, dass es nur 2 waren, was natürlich daran gelegen haben kann, dass auch er am Mittwoch früher Feierabend gemacht hat. Jedenfalls war man sich bei ManCity in der Halbzeit sicher: eine Halbzeitführung von 3:0 mit zwei Treffern von Haaland werden knapp ausreichen, um das Spiel gegen Kopenhagen nach Hause zu schaukeln. Hat mit den 5:0 auch einigermaßen geklappt. Der Norweger wird dennoch wehmütig auf seine Statistik geguckt haben und wahrscheinlich hat er sich für das Rückspiel nächste Woche vorgenommen, bis zur Pause 4 Tore zu schießen, um Pep eins auszuwischen. Bei der unwirklichen Torstatistik hat es auch tatsächlich nur drei Monate gedauert bis die ersten Wechselgerüchte um das Wunderkind auftauchen. Also der Erling-Standard, den man aus den letzten zweieinhalb Jahren Dortmund als Normalzustand nur zu gut kennt. Manchester City hat nur Glück, dass es eigentlich nicht mehr allzu weit nach oben geht, wenn der Stürmer die Premier-League zu Klump geschossen hat. Natürlich ist die Premier-League nur Beifang und auch die Champions-League-Gruppenphase ist nur zum Aufwärmen da. Das Ziel muss natürlich der Henkelpott sein und dafür soll Erling die Dinger im April und Mai reinbüffeln. In der City-Vitrine mit den Champions-League-Pokalen ist offensichtlich noch eine Menge Platz. Und Erling weiß immerhin wie man den DFB- oder auch den ÖFB-Pokal gewinnt. Falls es nichts wird mit der fest eingepreisten Silberware, werden die Wechselgerüchte wieder Fahrt aufnehmen. Der nächste logische Schritt kann eigentlich nur Elon Musks Mars-Team in der ersten interstellaren Twitterliga sein. Pep wird das nur verzögern können, wenn er ihn nächste Woche auf die Bank setzt und Erling wie wir in der Woche spielfrei hat. Seinen Wochenschnitt von 5 Hütten muss er also am Wochenende erfüllen. Aber warum soll es ihm anders gehen als uns Samstag 10:30? Im April 2023 steigen wir und Erling unter der Woche ja wieder ein. 

Subterranean Heimspiel Blues

Kurzes Sabbatical-WE in der Bundesliga und damit die willkommene Chance das Transferfenster auf Hochglanz zu bringen und im Kader durchzufeudeln. Wintertransfers sind zwar meistens ein Eingeständnis, dass man im Sommer daneben gelegen hat, aber manchmal kommt auch unangekündigt Mino Raiola vorbei und holt ein norwegisches Jahrhunderttalent aus der Manteltasche. Besser man hat dann noch nicht das ganze Weihnachtsgeld auf den Kopf gehauen. Vor zwei Jahren passierte schließlich der letzte spekatuläre Wintertransfer, der nur noch von dem zeitgleichen Wechsel von einem gewissen Sars Covid von Asien nach Europa getoppt wurde. Seit dem, muss man zugeben, treffen beide wie am Schnürchen und damit widerlegen sie das alte Vorurteil, dass man Winter nichts mehr entscheidend verändern kann. Okay, der BVB ist am Ende der Saison überraschend doch nicht Meister geworden, aber dafür müssen sie ihren Starspieler bis zum Deadlineday im Physiokeller fest auf die Massagebank schnallen. So ein bis zwei komplett irre Büdchen pro Spiel soll er natürlich noch bis zum Sommer in Schwarzgelb schießen. Durststrecken von zwei Spielen ohne eigenes Tor sind da natürlich nicht förderlich und können im schlimmsten Fall dazu führen, dass er erst wieder im nächsten Winter wechselt. Der Verkauf von Stürmern im Winter hat in Dortmund allerdings auch eine gewisse Tradition. Auch die Vorgänger Haalands wechselten nach der Hinrunde. Gut, Paco Alcacer floh vor Erling Haaland und Pierre-Emerick Aubameyang vor Peter Stöger. Paco wurde zuletzt auf der Bank von Villarriba gesehen und Auba wurde beim Afrika-Cup von Sars Covid aus dem Team verdrängt. Wenn man also nicht gerade ein norwegisches Jahrhunderttalent ist, bleibt man im Winter besser dort wo man ist – zur Not auch bei Kopfgrätsche (Samstag 10:30).

I got you Ball

Jahrelang haben wir drüber gejammert, dass die Bundesliga so langweilig ist, wie Phil Connors Tage in Punxsutawney, weil die Meisterschaft meist Anfang Februar keinen Schatten mehr wirft. Und sehnsüchtig haben wir nach England geguckt, wo es tatsächlich in den letzten sieben Jahren fünf unterschiedliche Meister gab. Dann ging da Jürgen Klopp hin und jetzt ist zum Groundhog Day quasi der Drops schon gelutscht. Nun ja, das macht den Abschied am Ende der Woche dann vielleicht doch etwas erträglicher. Dann wird endgültig die Brexit-Starre aufgelöst und die Premier League erreicht quasi den Status von Ligen aus anderen Murmeltier-Hochburgen – z.B. der Schweizer Super League, von Kopfgrätsche am Samstag (10:30, wenn es ein Morgen gibt) oder der norwegischen Eliteserien. Dort hat bis vor kurzem ja noch Erling Braut Haaland gekickt. Und wo isser jetzt? Eben. Geboren ist er übrigens in Leeds. Aber jetzt spielt er in der aktuell spannendsten Liga Europas. Aber machen wir uns nicht zu viel vor. Am Ende werden höchstwahrscheinlich dennoch die Alpenanwohner zum achten mal in Folge Meister. Vielleicht wird das diesmal mit etwas mehr Spannung sogar erst im Mai entschieden. Falls es doch anders kommt und in der Bundesliga der gut frisierte Brauseklub an der Spitze bleibt, wäre das für Erling auch keine Megaüberraschung. Das kennt er bereits aus Österreich. Dort gab es auch keinen anderen Meister seit Erling 13 Jahre alt war. Am anderen Ende des alpinen Murmeltierhabitats in Italien hofft man auch, dass der Radiowecker morgens ein anderes Lied als Storia Di Un Grande Amore spielt. Man wartet schließlich seit 2011 auf irgendeinen Serie-A-Champion, der nicht Juventus heißt. Vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht bestellt um den englischen Fußball. Spätestens wenn sich die Engländer im Sommer zum Europameister murmeln, gucken wir wieder voller Neid auf die Insel. Und hoffen, dass Kloppo nicht nur einmal die Premier League gewinnt. Sechs- bis achtmal in Folge dürften es schon sein.