Reform of the Dead

Natürlich ist Fußball an einem Feiertag (Samstag 10:30) immer auch eine Steilvorlage, der man versucht mit kürbisrotem Kopf hinterherzuasten. Und wenn dann auch noch Reformationstag ist, könnte man meinen: ausgerechnet! Ein Sport, der sich so oft reformiert, aber im Grunde immer zum Schlimmeren. Und nirgendwo scheint ein Reformatooor, der während einer sechsstündigen Ballon d’Or Verleihung oder meinetwegen nur bei der nächsten Verleihung des Peace Prize ein paar steile Thesen an die Tür einer Veranstaltungshalle oder Luxushotels nagelt. Alles kann immer noch absurder werden. Und selbst, wenn irgendwo mal ein vermeintliches Stopp-Schild gesetzt wird, kann man daraus immer noch etwas Vermarktbares machen. Die Bestrafung von Manchester City wird ganz sicher in einer sehr unterhaltsamen Streamingserie gipfeln, die ihren Weg zurück an die Spitze feiert. Es ist sowieso ein erstaunliches Phänomen im Fußball, dass der Zeitgeist fordert, dass es gewisse Vereine gibt, die eine zeitlang jede Häme und jeden Spott verdient haben und zu einem Synonym für das Scheitern an sich werden. Bis man ein neues gemeinsames Mobbingopfer gefunden hat und der geprügelte Verein in Ruhe wieder geläutert und nach genügend Leidenszeit den demütigen Weg zurück nach oben antreten darf. Zurück aus dem Hades, dem Totenreich, wo man aber meistens von den glanzvolleren Namen umgeben ist. In der Oberwelt warten dann doch leider nur Augsburg, Hoffenheim und der VAR. Wie in Dawn of the Dead: „In der Hölle ist kein Platz mehr, hat früher immer mein Großvater erzählt. Schon mal was von Macumba gehört oder Voodoo? Mein Großvater war ein Priester in Trinidad. Er pflegte zu sagen: ‚Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde‘.“ Insofern ist die Party im Reich der Toten meistens doch die bessere. Auch das sollte man bei der Hertha bedenken und diese Zweitligasaison noch ausgiebig genießen. Es wird nie wieder so ein schöner Rausch. Dazu passt, dass sie an Halloween bei den Roten Teufeln klingeln, um ihnen Saures zu geben. Logisch, dass man in Berlin keinen Reformationstag feiert.

Wiedergänger mit 10.000 Schritten

Man könnte meinen, es würde ausreichen, dass sich jeder Einzelne am Jahresanfang selbstoptimiert und dann wird auch die Gemeinschaft davon profitieren. Bei Fußballclubs gilt das schon mal nicht. Ist ja schön, dass du ein paar Schritte Samstag 10:30 mehr machen möchtest, das zweite Stück Torte weglässt und nur noch nach dem Spiel rauchst, aber das wollen doch alle. Und wenn alle etwas wollen, wie groß ist dann am Ende der Vorteil für den Club in einem Wettbewerb? Wenn dann auf der persönlichen Bucketlist noch steht, dass der nächste Schritt nicht die 10.000 voll macht, sondern in die Premier League führt, merken die Clubs spätestens, dass sie sich auf dem Markt umschauen müssen, um zum Transferschluss nicht als der abgelegte Klotz am Bein der Selbstoptimierer da zu stehen. Da kann ein Bundesligaclub schon einmal ein Äquivalent zum Stück Schwarzwälderkirsch oder der Stange Marlboro Light sein. Wenn sich die Clubs am Anfang der Fresskette nicht vorgenommen haben, sich ins Mittelmaß zu sparen, werden auch ein paar Euro dabei in Umlauf kommen. Keine dreistelligen Millionensummen, aber so 80 Mios können doch ein okayer Betrag sein, mit dem der Geldadel den eigenen Kader vielleicht noch optimieren kann. Zwar liegen dadurch ein bis zwei Kaderleichen auf dem Abstellgleis, die auch mal an die 100 Millionen gekostet haben, aber wenn die nach zwei Jahren die Hoffnungen nicht erfüllt haben, brauchen die Untoten frisches Blut um jeden Preis. Im Kino gibt es gerade ein warnendes Beispiel für die gierigen nimmersatten Sauger. Wenn die Eintracht aus Frankfurt Manchester City mit Omar Marmoush in ihr Bett lockt und mit City so lange feilscht bis der erste Hahnenschrei das Ende des Transferfensters verkündet, liegt Pep mit seinem Scheichclub für den Rest der Saison faulig auf dem Nachtlager rum und muss ein ganzes halbes Jahr warten bis er wieder zubeißen darf. Und bis dahin könnten die anderen Vermögenden wieder eine Zahnlänge voraus sein. Also lieber generös etwas mehr bieten. Der Marmoush sieht ja jetzt auf den ersten Blick auch nicht wie eine Schrottimmobilie in Wisborg aus.        

Wonderball (Remastered 7th Anniversary Edition + Bonus Tracks)

Hello, Hello, it’s good to be back, it’s good to be back. Listen up (again) please. Er wird wieder reichlich voll genommen, der Big Mouth. Oasis-Fans wittern tatsächlich dank des überraschenden Masterplans aus dem Hause Gallagher Morning Glory. I hope, I think, I know, dass der Kartenvorverkauf am Samstagmorgen nicht potentielle Mitspieler bis weit nach 10:30 outta Time in der Warteschlange versauern lässt. Neben starken Nerven könnten Cigarettes and Alcohol helfen. Some might say: diese sind nicht förderlich für die Form. Ein überstürzter Step out aus der Warteschlange bedeutet aber, dass es weder per Supersonic all around the World nach Manchester oder Dublin geht. Going nowhere oder zum Kopfgrätschen, quasi ein Be here now oder Stand by me, ist dann der logisch vorgezeichnete Weg. All my people right here right now, they know what I mean. Neben den unanständig teuren Konzerttickets zu Mondpreisen Up in the Sky erspart man immerhin dem eigenen Girokonto ein Falling down. Leider aber auch ein Roll with it ohne Ball in Wembley. Mit Spielzeit am Samstag und Mittwoch (18:00) aber ohne Oasis-Karte bleibt am Ende hoffentlich kein Look back in Anger. Stop crying your heart out. Whatever, wer tatsächlich beides schafft, hat after all doch noch kunstvoll über die Wonderwall geschlenzt. Der aktuelle Trainer von Aarhus GF, seines Zeichens auch eine Legende des Fußballs in Manchester und Sachsen, wird aber nun zurecht kritisch fragen: hat denn Noel seit der für vor sieben Jahren unmöglich gehaltenen Reunion schon einen Song für Liam geschrieben? Well…

Der Henkeltrick

Falls irgendjemand am Mittwoch noch versucht hat im Restlicht des Tages einen Ball zu erkennen, war er dennoch rechtzeitig zu Hause um zwei weitere Erling-Haaland-Buden zu bestaunen. Man muss allerdings festhalten, dass es nur 2 waren, was natürlich daran gelegen haben kann, dass auch er am Mittwoch früher Feierabend gemacht hat. Jedenfalls war man sich bei ManCity in der Halbzeit sicher: eine Halbzeitführung von 3:0 mit zwei Treffern von Haaland werden knapp ausreichen, um das Spiel gegen Kopenhagen nach Hause zu schaukeln. Hat mit den 5:0 auch einigermaßen geklappt. Der Norweger wird dennoch wehmütig auf seine Statistik geguckt haben und wahrscheinlich hat er sich für das Rückspiel nächste Woche vorgenommen, bis zur Pause 4 Tore zu schießen, um Pep eins auszuwischen. Bei der unwirklichen Torstatistik hat es auch tatsächlich nur drei Monate gedauert bis die ersten Wechselgerüchte um das Wunderkind auftauchen. Also der Erling-Standard, den man aus den letzten zweieinhalb Jahren Dortmund als Normalzustand nur zu gut kennt. Manchester City hat nur Glück, dass es eigentlich nicht mehr allzu weit nach oben geht, wenn der Stürmer die Premier-League zu Klump geschossen hat. Natürlich ist die Premier-League nur Beifang und auch die Champions-League-Gruppenphase ist nur zum Aufwärmen da. Das Ziel muss natürlich der Henkelpott sein und dafür soll Erling die Dinger im April und Mai reinbüffeln. In der City-Vitrine mit den Champions-League-Pokalen ist offensichtlich noch eine Menge Platz. Und Erling weiß immerhin wie man den DFB- oder auch den ÖFB-Pokal gewinnt. Falls es nichts wird mit der fest eingepreisten Silberware, werden die Wechselgerüchte wieder Fahrt aufnehmen. Der nächste logische Schritt kann eigentlich nur Elon Musks Mars-Team in der ersten interstellaren Twitterliga sein. Pep wird das nur verzögern können, wenn er ihn nächste Woche auf die Bank setzt und Erling wie wir in der Woche spielfrei hat. Seinen Wochenschnitt von 5 Hütten muss er also am Wochenende erfüllen. Aber warum soll es ihm anders gehen als uns Samstag 10:30? Im April 2023 steigen wir und Erling unter der Woche ja wieder ein. 

Arm aber kaufsüchtig

Dass diverse neureiche Clubs, nachdem sie plötzlich zu Geld gekommen sind, den Transfermarkt durcheinanderwirbeln, ist kein neues Phänomen. Das ist in der Vergangenheit häufig genug passiert. So war es 2003 als Chelsea von Ambramowitsch gekauft wurde und sich zuerst fett aus dem obersten Regal eindeckte. Mutu, Crespo oder Veron – der Preis spielte keine Rolle und war aus heutiger Sicht vergleichsweise lächerlich. Die meisten Stars waren für einen damalig unanständigen Preis zwischen 20 und 30 Mio. € zu bekommen, aber man wollte ja schnell nach oben. Und weil das so gut funktionierte, konnte man das gleiche Spiel noch einmal bei Manchester City 2008 beobachten. Das Geld kam aber zu plötzlich als der Markt schon leer war. Bis auf die Brasilianer Robinho und Jô, die völlig überteuert Man City bis auf Platz 10 führten. Ein paar Transferperioden später konnte man das Geld aber wirklich gewinnbringend aus dem Fenster werfen. Aber sie mussten das nicht allein tun, weil 2011 Katar bei Paris St. Germain einstieg und 2017 bewies, dass Geld überhaupt keine Rolle spielt, als sie beim FC Barcelona die Fantasieablöseforderung von 222 Mio € für Neymar erfüllten. Nun hat man natürlich erwartet, dass in diesem Sommer Newcastle mit dem Saudi-Geld den Markt ordentlich aufmischt. Aber der Scheich hat die Taschen wohl noch zugenäht. Stattdessen gibt der FC Barcelona Geld aus, das er gar nicht hat. Die Neymar-Millionen sind jedenfalls schon lange weg. Messi und die diversen neue Neymars haben das quasi weggeatmet. Dennoch kaufen sie in diesem Sommer fleißig alle Spieler, die ausgerechnet der FC Chelsea gerne verpflichten würde. Ob die Erbeuteten dann wirklich alle spielen dürfen, ist eine andere Frage. Lewandowski muss wahrscheinlich seine Arbeit fürs erste oder bis zu seiner offiziellen Anmeldung pünktlich zur WM von Aubameyang erledigen lassen. Bis dahin kann er sich gerne Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 beim Kopfgrätschen einigermaßen fit halten. Nur falls er nicht zu Newcastle verliehen werden möchte.

Luuk und Luka

Denkt denn auch mal einer an den Classico? Vermutlich nicht. Man muss auf jeden Fall tief ins Archiv des spanischen Fußballs hinabsteigen, um das letzte Duell Real gegen Barca zu finden, bei dem weder Ronaldo noch Messi auf dem Platz standen. Gespielt wird dieses Spiel in Zukunft natürlich trotzdem. Auch wenn die Welt dann vermutlich irgendetwas anderes macht, als kollektiv vor den Schirmen zu hängen. Die treulosen Fans ziehen einfach weiter und folgen dem Zirkus nach Frankreich oder England. Wer ein altes Ronaldo-Trikot aus Manchester-Zeiten noch irgendwo im Schrank liegen hat, kommt vergleichsweise billig aus der Affäre. Aber auch nur, wenn er es nicht öffentlichkeitswirksam im Garten verbrannt hat als Ronaldo schon fast bei ManCity war. Dann kam aber in einem unbeobachteten Moment plötzlich Sir Alex vorbei und beriet Ronaldo um. Hier muss es quasi umgekehrt gelaufen sein zu den Beratungsgesprächen, bei denen die Kinder und Enkel der 96jährigen Oma beim Ausfüllen der Briefwahlunterlagen „helfen“. Also in ungefähr so: Ronaldo: „Wo steht denn ManCity“ Fergie: „Ronaldo, WIR wählen ManUnited!“ Ronaldo: „Nicht City?“ Fergie: “ Nein United, du Bastard!“ Und dann wird er vermutlich Ronaldo einen seiner Schuhe an den Kopf geworfen haben. Der umgekehrte Enkeltrick hat also dafür gesorgt, dass Fußballromantiker, die sich an einen Classico ohne Ronaldo und Messi erinnern können, fast wehmütig werden könnten. An damals als Real noch mit Galaktischen wie Figo, Beckham oder van Nistelrooy spielen musste, um einigermaßen konkurrenzfähig zu sein. Bis Ende Oktober der Classico steigt, wird man sich bestimmt daran gewöhnen, dass Luuk de Jong, Luka Jovic oder wer da sonst noch so mitspielt halt auch mitspielt. Vielleicht denkt man in der Zwischenzeit sogar einmal öfter an Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00.

Wonderball

Hello. Irgendwann Mitte der Neunziger als Manchester City noch kein Scheichclub, sondern ein Team zwischen erster und dritter Liga war, wurde der Sachse Uwe Rösler zum Publikumsliebling der Citizens. Das sangesfreudige Publikum huldigte YouWe indem es lustig davon sang, dass sein Großvater womöglich Old Trafford, die Heimat des übermächtigen Lokalrivalen, bombardiert hätte. Lange bevor es in Manchester nötig war, solidarisch gegen Bombenopfer zu singen. In der Masse fanden sich auch zwei Kernassis, die mit ihrem Mancunian-Gesang so berühmt geworden waren, dass man sie bat eine neue Vereinshymne zu schreiben. Aber einer der Brüder meinte nur, dass das eine Scheißidee wäre, da sich nichts auf City reimen würde. Außer pitty. Ein eigener Song wurde aber auch nicht nötig, da die Fans einfach das vorhandene Liedgut adaptierten und sogar heute noch einen Eindruck vermitteln, wie verbrüdernd die Stimmung bei einem Oasis-Konzert gewesen sein kann. Listen up, darum formuliert My Big Mouth einen simplen Masterplan für Morning Glory am Samstag 10:30. I hope, I think, I know, dass dieser genügen sollte, um euch von Cigarettes & Alcohol kurzzeitig wegzukriegen. Some might say, dass nach dem Step out kein Going nowhere folgen darf. Be here now. D’you know what I mean? Wenn wir den Ball up in the Sky schießen, wird es ziemlich sicher ein Falling down geben. Also roll with it. Ohne höhere Diplomatie werden die Gebrüder Gallagher wohl nicht mehr zusammen finden. They do look back in Anger. Whatever, eine Versöhnung von Trump und Kim hinter der Wonderwall ist momentan wahrscheinlicher. Sogar Schlichtungsversuche aus Sachsen blieben ungehört.