Julian kocht in Windy City

I fell in love again
All things go, all things go
Drove to Chicago
All things know, all things know

We sold our clothes to the state
I don’t mind, I don’t mind
I made a lot of mistakes
In my mind, in my mind

You came to take us
All things go, all things go
To recreate us
All things grow, all things grow

We had our mindset
All things know, all things know
You had to find it
All things go, all things go

Sehr gut erkannt. Das ist natürlich „Chicago“. Nee, nicht von Clueso. Sondern von einem Musiker aus Detroit. Dieser Song war natürlich auf dem Illinois-Album, dem zweiten Album in einer Reihe die Sufjan Stevens über alle US-Bundesstaaten machen wollte. Mit seinem Heimatstaat Michigan hatte er angefangen. Nach Illinois hatte er schon keine Lust mehr auf das Konzept. Aber zu zwei Konzeptalben hat es immerhin gelangt und man kann nur hoffen, dass der Flugkapitän des Siegerfliegers über den großen Teich, den Nationalspielern dieses Album nach den Sicherheitshinweisen über die Bordlautsprecher eingespielt hat. Vielleicht lässt sich so der schlechte Vibe von 1994 aus der DFB-DNA herausexorzieren. Immerhin wurde der Song Chicago für eines der schönsten Roadmovies verwendet. Auch darin macht sich eine kaputte Familie auf dem Weg zu einem Wettbewerb, den sie gewinnen will. Am Ende von Little Miss Sunshine gewinnen sie diesen natürlich nicht. Aber weil der Wettbewerb, also die Little-Miss-Sunshine-Wahl so beschissen ist, ist das auch nicht weiter schlimm. Also wenn am Ende Manuel Neuer, Nico Schlotterbeck und Deniz Undav zu Lennart Karl auf die Bühne springen und zu „Superfreak“ abspacken, dann bringt das doch bestimmt mehr als wenn sich die Nationalspieler den Mund zu halten. Oder sie lassen sich inspirieren von „The Bear“, das nicht nur in Chicago spielt, sondern wo zuletzt auch Sufjan Stevens Song in einer Demo-Version auftauchte. Leider ohne diese sakralen Streicher, aber auch sehr gut. Und passend zu einem Typen der nach Chicago kommt, am Anfang komplett damit überfordert ist ein Team zu führen und sich am Ende einen Stern erkocht – vielleicht kann Julian damit etwas anfangen. Für unsere eigenen Bemühungen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 bleibt leider doch nur „Superfreak“.     

Der Herr noch was an Wurst dazu?

Läuft euch auch schon das Wasser im Mund zusammen? WM-Zeit ist auch die Zeit, in der die Chance hoch ist, dass die BILD Fußball und Kulinarik gemeinsam denkt. Meistens dann, wenn die Enttäuschung groß ist, übernehmen die Frustesser in der Redaktion. Z.B. 2004 als die deutsche Elf in Bukarest von Rumänien „1:5 abgebraten“ wurde. Die „Wurst-Truppe“ bestand aus 11 unterschiedlichen Wurstspezialitäten und sehr wahrscheinlich wurde hier die Grundlage für diverse spätere Entschuldigung-Grillerchen des HSV gelegt. Das „Debakel von Bukarest“ war zwar nur ein Testspiel, aber für Rudi Völler war es doch ein echter Tiefpunkt. Nicht wie dieses Unentschieden auf Island ein halbes Jahr zuvor, nach dem er Waldi Hartmann zum „Weizen-Waldi“ machte und somit wahrscheinlich seinen Abstieg zum peinlichen Nius-Onkel einleitete. Einige der Bundes-Würste fanden sich zwei Jahre später unter Jürgen Klinsmann auf einer Pizza wieder. Philipp Lahm, Torsten Frings, Arne Friedrich und Bernd Schneider bekamen nach der 1:4 Testspielniederlage gegen Italien in Florenz vor der Sommermärchen-WM eine Anschlussverwendung. Was nur logisch ist, weil Pizza auch ein ideales und nachhaltiges Reste-Essen ist. Man sollte nur nicht zu viele Zutaten drauf tun. Trotzdem musste „Salami-Ballack“ diesmal eine Wurst sein. Und die Frage der BILD „Kann ich mich noch zum Italiener trauen?“ beantwortet sich mit dem Blick auf „Ananas Lahm“ eigentlich von selbst. Dennoch spekulierte die BILD, ob nicht Didi Hamann auch bekannt als „Didi-Null-Bock-Wurst“ Deutschland retten könnte. Jürgen Klinsmann sagte nein, Didi wurde zu „Didi-beleidigte-Leberwurst“, trat aus dem Kochclub aus, Deutschland kam bis ins Halbfinale. Da jubelten wieder die Italiener, aber die BILD war zu stolz für einen Nachtisch. Zwischen unseren nächsten Testspielterminen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 muss die Nagelsmann-Elf noch gegen die USA ran. Bei BILD sammelt man schon fleißig 11 Burger-Zutaten und ihr könnt ja schon schon einmal darauf wetten, wer diesmal eine Gurke sein muss.  

Tracker-Schnacker

Nature is healing. Und das kann man daran merken, dass nach Saisonende doch nach und nach alle Walexperten wieder auf Bundestrainer umschulen. Also natürlich nicht qua Amt, sondern rein von der Kompetenzvermutung. Das wäre ja auch sonst ziemlich teuer für ’nen gemeinnützigen Verein wie den DFB. Nein, das machen alle ehrenamtlich, weil es ihnen doch wichtig ist, dass „wir“ in Amerika was gewinnen. Dafür basteln sie sogar ein Fähnchen ans Auto. Vor zwanzig Jahren war das noch komisch. Heute ist man zufrieden, wenn es wenigstens die Farben der Bundesrepublik sind und nicht Selbstgebastelte aus dem Reichsbürger-Mailorder. Aber wer unter dieser Fahne spielen soll und darf, ist dann doch ein größerer Zankapfel und die Diskussionen werden uns jetzt ca. 2 Monate beschäftigen, kurz unterbrochen von eigenen praktischen Expertennachweisen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Das Gute dabei: immer weniger Leute gucken auf den sich zur Kugel aufblähenden Wal vor Anholt im Livestream, sondern auf einen Trionda Pro und ob unsere Turnierhoffnung Manuel Neuer, den auch halten kann. Er ist jetzt unser Timmy, wenn nicht sogar Hope. Wen der Bundestrainer sonst noch berufen hat, war dann eigentlich gar nicht mehr von näherem Interesse. Wir haben jetzt dem Manu einen Tracker verpasst und werden in den nächsten Wochen im Livestream verfolgen wie er sich so schlägt. Sogar die Experten für Netze kommen auf ihre Kosten. Auch die Bundesregierung fiebert auch diesen Spielen entgegen. Traditionell braucht man sie, um in ihrem Windschatten zeitgleich die für das Land notwendigen Reformen zu beschließen. Die Kassen sind schließlich leer und der Verkauf des Neuer-Skeletts ist schon fest einkalkuliert. Hat er sich das ausgesucht? Wahrscheinlich schon.      

Vier Touchdowns und ein Hosentaschenanruf

Noch dürft ihr spekulieren und hoffen. Der WM-Kader wird ja erst am 21. Mai bekanntgegeben und bis dahin kann theoretisch noch alles passieren. Aber wer für Julian in Frage kommt, hat bestimmt wenigstens schon einmal einen Hosentaschenanruf von ihm gehabt, bei dem er mit leichten Andeutungen darauf hinweisen wollte, dass der Angerufene sicherheitshalber mal das eine oder andere Social-Media-Posting löschen sollte. Wenn er nicht noch einmal angerufen hat und dem Kandidaten einfach entfolgt ist, dann muss man sich trotz Topleistungen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 nicht mehr allzu große Hoffnungen machen. Bei Manuel Neuer wartet Julian noch etwas ab, ob er nicht doch nach dem letzten Spieltag noch einen kleinen Skiausflug plant. Oliver Baumanns Hobbys sind immerhin nur Puzzeln und laut Sports Illustrated: Spaziergänge entlang des Neckars, kleine Ausflüge in die Natur und entspannte Abende zu Hause. Wahrscheinlich ziemlich unverdächtig, um im Trainingslager in Herzogenaurach Nachts um 3 an der Hotelbar erwischt zu werden. Vielleicht macht er aber beim zweiten Trainingslager einen Spaziergang am Chicago River und besichtigt die Naturschauspiele am Al-Bundy-Brunnen. Ob der zu seinen Vorbildern taugt, ist allerdings zweifelhaft. Klar, er saß auch viel auf der Couch rum, aber wenn seine Frau dazu kam, wollte er doch lieber in die Nacktbar. Clevererweise hat Nagelsmann aber die Nominierung nach den Herrentag gelegt. Einige unangekündigten Anrufe an Himmelfahrt, werden seine Entscheidung fürs Tor bestimmt erleichtert haben.   

Ein grundsolider Schla(e)ger, obendrein

Es lässt sich aus fast allem was machen. Und wenn man Social Media für die richtig großen Fußballclubs macht, dann freut man sich sogar, wenn der eigene Club 67 Punkte hat. Weil dann kann man ein paar launige Six Seven Reels damit machen. In Dortmund fanden sie das so witzig, dass sie danach eigentlich keine Punkte mehr holen wollten. Jedenfalls nicht so lange bis das dem alten Rivalen aus Schalke auch gelungen war. Wenn auch in einer anderen Liga. Aber das war damals 1997 auch egal. Zwei Europapokalsieger im gleichen Jahr aus der direkten Nachbarschaft – da musste Wolfgang Petry natürlich eine Ruhrgebietshymne drüber singen. Aber über den aktuellen Punktestand macht er wohl diesmal nichts, oder? Deshalb trifft man ihn auch dieses Jahr nicht auf der OMR. Es heißt ja auch nicht Online Marketing Schlagerstars. Obwohl das der viel passendere Name wäre. Schließlich geht es doch darum, die nächsten Trends aufzuspüren, die wie ein Blitz einschlagen. Und das war im eigentlichen ursprünglichen Wortsinne irgendwann einmal ein Schlager. Aber vielleicht reicht es, wenn die Fußballprofis ihren Saisonausklang im Bierkönig oder Megapark bei schlimmer Schlagermucke begehen. Einige können das schon etwas früher beginnen, wenn sie die Saison so clever gespielt haben, dass sowohl nach oben als auch nach unten nix mehr geht. Six Seven Punkte sind genug für eine frühzeitige Schlagersause, während die Gegner noch fleißig trainieren, um ein paar mickrige Pünktchen für den Klassenerhalt zu erkämpfen. Deshalb zählen wir Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 die erzielten Tore nur notdürftig. Nur so ist bis zum Schluß die nötige Schärfe vorhanden und niemand created vor dem Seven Seven zu früh zeitgeistigen Content. Wir spielen übrigens bis Acht. Mindestens.

Alles grätscht Kopf

Okay, jetzt können wir es ja zugeben. Georg Baselitz ist der Erfinder der Kopfgrätsche. Am Anfang war es eine ganz ordinäre Grätsche, aber er hatte die Idee diese einfach of den Kopf zu stellen. Und das war dann auch ein Megaerfolg. Niemand wollte mehr eine herkömmliche Grätsche sehen. Irgendwie auch ein Fluch, aber wenn man den ganzen Tag Menschen mit Augen auf Augenhöhe sehen muss, dann freut man sich sogar über Augenkontakt mit den Hühneraugen. Deshalb gelten auch Samstage (10:30) und Mittwoche (18:00) auch als Kurzurlaub fürs Gehirn. Das spart sich immerhin das von den Sehnerven gelieferte Bild umzudrehen. Als wir vor 14 Jahren das DIA-Turnier Kunst am Ball spielten, standen andere Stars der Kunstszene im Rampenlicht. Warhol, Picasso, Richter, Kandinsky waren Teampaten. Beuys hatte die aufregendsten Fettecken, bevor jede Drittligamannschaft die Arsenal-Ecken kopiert hatte, bei denen sich möglichst viele Spieler fett vor dem Torwart aufbauen und der härteste Eisenschädel zuletzt die Murmel wie Günther Uecker ins Netz nagelt. Baselitz wurde nicht eingewechselt, bei der als Fußball getarnten Aktionskunst. Notdürftig eingerahmt wurde das Gebolze von einem bunten Mix aus Bandenwerbung, die sogar das damals noch frische Original-Kopfgrätsche-Design zeigt. Schon deshalb lohnt sich das Videostudium dieser historischen Aufnahmen. Und bei 5:11 haben wir sehr subtil noch einen letzten Gruß an Georg Baselitz versteckt: 

Bildhauen und Stechen

Wir sind ehrlich. Der Wal hatte uns schon längst verloren. Vielleicht liegt es daran, weil er schon länger auf Grund liegt als Heidenheim auf dem letzten Tabellenplatz. Aber die Menschen um ihn herum lassen sich immer wahnwitzigere Dinge einfallen, die immerhin sein Schicksal wieder auf den Startseiten nach oben spült. Fußballfans sind spätestens wieder wach geworden als Pyrotechnik in die Diskussion eingebracht wurde. Da ist in der Region auch genügend Material vorhanden. Ein Anruf bei ein berüchtigten Hansa-Suptras kann da der kurze Dienstweg sein. Wir sind sowieso schon in einer Phase, wo nicht mehr so ganz genau nach den Abschlüssen und Führungszeugnissen geschaut wird. Jetzt darf jeder mit einer wilden Idee irgendwas versuchen. Aber die meisten verfahren nach der alten Kreisliga-Devise: wenn wir schon nicht gewinnen können, dann treten wir ihnen wenigsten den Rasen kaputt. Noch ein Argument Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 doch lieber auf Tartan aufzulaufen. Und wer zur Sache gar nichts weiter beitragen kann, darf sich überlegen wie ein Mahnmal für den Wahnwal aussehen soll. Auch hier können Fußballfans durch ihre Erfahrung mit unförmigen Bronzen bestens mitreden. Uwe Seelers Fuß, Christianos Büste oder erst zuletzt der sehr expressionistische Peace-Prize – der Fußball liefert unzählige Referenzen von missverstandenen Bildhauern. Der geneigte Pöbel verlangt maximalen Naturalismus, der Künstler möchte seine Handschrift für die Nachwelt in Metall gießen. Passender als jede von vornherein zum Scheitern verurteilte Darstellung des Tieres, wäre aber Rodins „Die Bürger von Calais“, das auch die Opfer einer Belagerung darstellt. Bestehend aus sechs Einzelfiguren, die kein heroisches Gebaren zeigen, sondern viel mehr innere Bewegung und verzweifelte Stimmung ausdrücken. Das passt nicht nur zu den verwirrten Menschenansammlungen auf Poel, das können wir nach dem Kopfgrätschen auch bestens vom Verliererteam nachstellen lassen. 

Prêt-à-Por-T

Als die Telekom ab Mitte der Neunziger ihre Marke etablieren wollte, brauchte sie dafür noch Manne Krug und ein Radrennteam. Für die T-Aktie wurden selbst Kleinsparer in Risikogeschäfte gesungen und auch die Radelei war am Anfang super erfolgreich. Aber Ulle war am Ende wohl doch nicht 100% sauber und so vorteilhaft war das für den größten deutschen Telekommunikationsanbieter danach nicht mehr, so dass es nach 2007 keine magentafarbenen Drahtesel mehr auf dem Champs-Elysées gab. Aber dafür wurde die Telekom ab 2002 Sponsor beim FC Bayern und nach der Eröffnung der Allianz-Arena 2005 zierte ein großes weißes T aus Zuschauern die Tribüne. Seit über 20 Jahren dürfen die nicht während des Spiels Bratwurst und Bier kaufen gehen, weil sonst das Logo nicht mehr stimmt. Aber inzwischen filtert man das menschliche Telekom-T optisch aus dem Publikum und die Wirkung ist vielleicht ein wenig verpufft, wie die ersten Kursgewinne der T-Aktie einst. Wie könnte man also die Marke in ihrer prägnanten Farbe wieder nach vorne petern? Vielleicht kann man einen angesagten Jungnationalspieler, in der Zeit wo er selbst nicht spielen kann, in ein magentafarbenes Modeverbrechen, assoziativ zwischen Schlumpf und Teletubby, stecken und damit anständig viral gehen. Der darf dann darin sogar mal an den Bratwurststand, wo sich einige wurstkauenden Zeitzeugen heftig verschluckt haben dürften. Falls Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 Spielpausen entstehen sollten, weil man bei drei Teams auch mal kurz 10 Minuten sich frei um den Platz bewegt, haben wir die Chance auch in einer scheußlichen Markenfarbe ihrer Wahl herumzuflanieren. Orange oder Neongelb hätten wir schon da. Aber erst die passende Schlumpfmütze in Signalfarbe bringt den maximalen LennarT-Karl-Effekt. Alternativ ist natürlich auch eine Manfred-Krug-Frisur denkbar, wenn’s draußen grün wird.  

Time for (Schwere)losers

Obwohl die Artemis II Astronauten heute Nacht gegen 2 Uhr auf die Erde zurückkehren, würde ich sie jetzt nicht unbedingt schon Samstag 10:30 beim Kopfgrätschen einplanen. Mittwoch 18:00 könnten sie aber schaffen, oder? Vom Pazifik sind es noch ein paar Kilometer bis Houston und ein wenig Quarantäne ist ja meistens auch noch üblich. Da das Kopfgrätschen auf der Erde nun doch recht viel Energie benötigt und deswegen gar nicht so häufig zu beobachten ist, erhoffen wir uns von Artemis II neuste wissenschaftliche Erkenntnisse über die Auswirkungen auf den menschlichen Körper in der Schwerelosigkeit. Dass sie für die perfekte Simulation im Zusammenspiel mit einem runden Körper extra die dunkle Seite des Mondes aufgesucht haben, ist für das Experiment ideal. In der Zeit hinter dem Mond konnte auch niemand live verfolgen, wie die Weltraum-Kopfgrätsche tatsächlich ablief. Deshalb können wir auch in Jahrzehnten überall behaupten, dass das der eigentliche Zweck der Mission war. Eine wilde Theorie mehr oder weniger zu Mondmissionen ist nun auch egal. Man wird aber genau darauf achten können, was in den WM-Spielen in Houston in diesem Sommer auf dem Rasen passiert. Und wenn am Abend des 14. Juni im NRG Stadium kurz vor dem Ende des Gruppenspiels Deutschland gegen Curaçao Nico Schlotterbeck plötzlich mit Hilfe seiner Segelohren horizontal und scheinbar schwerelos durch den Strafraum gleitet um mit seiner Fontanelle spektakulär einen einschussbereiten Curaçaoër am Torerfolg zu hindern, werden wir uns wissend zunicken. Der diensthabende Experte Mats Hummels wird noch direkt am Spielfeldrand zu Ehren seines einstigen Eleven seinen Podcast umbenennen in: Alleine ist schwerelos. 

Coppa del Mondo o Coppa Gelato Svedese?

Alora. Scusi. Unpopulär Opinion: jetzt alles auf dem WM-Sieg von Italien setzen. Okay, es sieht vielleicht nicht so vielversprechend aus, weil die Squadra Azzurra gar nicht qualifiziert ist. Aber bis zum Turnierbeginn kann geopolitisch noch ziemlich viel passieren. Und da so viele Länder wie noch nie qualifiziert sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende gar nicht alle bis dahin wirklich Lust auf Fußball in einer Bananenrepublik im Kriegsmodus haben. Und da rechnen wir noch nicht einmal mit einem deutschen Boykott, weil Nagelsmann und Untdav sich nicht zwischen Coke und Pepsi im Drive-In entscheiden können. Dabei gehört es zum Mythos einer Burgerbraterei, dass dort der Spirit geboren wurde, der 1992 eine nachrückendes Land zum Turniersieger geführt hat. Und damit sind wir bei dem Szenario, auf das die Italiener nun hoffen müssen. Wie einst die Dänen vom Jugoslawienkrieg profitierten, muss ausgerechnet das gegen Bosnien ausgeschiedene Italien auf ein unverdientes Nachrücken hoffen, dass sie direkt zum Titel führen sollte. Der Name des ehrbaren FIFA-Präsidenten, der das wahrscheinlich alleine entscheiden darf, klingt ja nur zufällig italienisch. Er ist natürlich neutraler Italo-Schweizer. Aber eigentlich spricht nichts dagegen, dass der amerikanische Papst Ostersonntag in Rom verkündet, dass Italia auferstanden ist. Im Anschluss strömen die Massen in eine Gelateria ihrer Wahl und bestellen vor Glück einen Schwedeneisbecher. Denn auch die Schweden wissen gar nicht wie sie sich für die WM qualifizieren konnten, ohne ein Gruppenspiel zu gewinnen. Auch da waren offensichtlich höhere Mächte im Spiel. Wessen Kreuzwege also Samstag (10:30) nicht direkt zum Platz führen, kann schon Mittwoch (18:00) glorreich wiederkehren. Abbi fede!

Guten Abendsegler allerseits

Als wir vor zwei Wochen den Wal als Kopfgrätsche-Maskottchen adoptierten, konnten wir noch nicht ahnen, dass er uns so viel Kummer bereiten würde. Und bevor hier die Rechnungen für die großen Saugbagger und Meeresbiologen bei uns landen, möchten wir uns von ihm distanzieren. Durch sein Stranden in der Lübecker Bucht war er jetzt eine Woche lang ziemlich gut zu sehen. Zur Not im Livestream auf der BILD-Startseite. Aber wie gesagt: er ist nicht unser Grotifant und wir zahlen die Rettungsaktionen nicht. Obwohl wir natürlich sehr froh sind, dass diese vorerst erfolgreich waren. Wir werden uns ein anderes Maskottchen suchen, das weniger kostspielig ist. Am besten eins, mit dem man kommunizieren kann, dass wir ab der nächsten Woche nicht nur Samstag 10:30 sondern auch Mittwoch 18:00 auf dem Bolzplatz zu finden sind. Also entweder ein Tier, das Tageslicht mag oder uns in der Dämmerung rechtzeitig daran erinnert, dass es Zeit für das berühmte letzte Tor ist. Da hat sich in den letzten Jahren eigentlich die Mücke recht subtil bei uns beworben. Manch einer hatte zum Spielende gerade noch soviel Restblut übrig, um den Nachhauseweg zu schaffen. In der Dämmerung huschen allerdings noch andere Blutsauger über unseren Köpfen hinweg. Tagsüber hängen die mit dem Kopf nach unten herum, was bei Kopfgrätschern doch die nötigen Sympathien wecken sollte. Und wann hat man schon einmal gehört, dass eine Fledermaus für einen größeren volkswirtschaftlichen Schaden verantwortlich ist? Seit der letzten Pandemie ist mir da eigentlich nichts bekannt. Allerdings war da mal was mit dem FC Valencia, der von DC Comics verklagt wurde, weil die auch einen Character haben, der über eine Fledermaus-Silhouette herbeigerufen werden kann. Also bevor wir die nächste Kopfgrätsche-Ankündigung mit einem Suchscheinwerfer im Nachthimmel starten, würde ich gern doch noch einmal die Baggerrechnung vom Wal sehen.       

Ein Sommer in Winston-Salem

Inzwischen ist der Bundestrainer bei Kaderentscheidungen auf einem Beliebtheits-Level mit dem Kulturstaatsminister, wenn dieser Buchläden nominiert. Oder nicht nominiert. Was ja noch mehr Diskussionsstoff bietet. Früher guckte man dazu das literarische Quartett des Fußballs, also den Doppelpass und lauschte dem Urteil des Reich-Ranickis des Fußballs, also Udo Latteck. Nun wird die anstehende WM nicht Julians Erstlingswerk, aber er ist immerhin so jung, so dass er noch ein paar Jahrzehnte an einem Bestseller schrauben kann. Da hilft es wenn man zwischendrin häufiger mal högscht diskutabele Auswärtstrikots herausbringt. Das lenkt ein wenig vom sportlichen Groschenroman-Niveau ab und schreit geradezu: „Please judge this book by its Cover!“. Nun also Dunkelblau mit Türkisfarbenen Applikationen. Sieht nach einem Cyberthriller aus, der zum Großteil von KI geschrieben wurde. Passt jetzt nicht so schlecht zu einem Auftritt in Amerika. Jetzt wo gerade „Ein Sommer in Italien“ über die WM 1990 in die Kinos kommt, merkt man warum das aktuelle Heimtrikot sich nah an 1990 bewegt. Mit Nick Woltemade versuchte man sogar plump ein Rudi-Völler-Lookalike zu züchten. Aber man kennt diesen Effekt ja aus dem Buchhandel oder von der Buchmesse, wo ein erfolgreicher Titel eine Vielzahl an visuellen Nachahmern weckt, die zwischen den Buchdeckeln wenig schöpferische Eigenleistung bieten. Fehlen im Kader also nur noch optische Äquivalente zu Litti, Lothar, Icke und Auge mit Mut zur Föhnfrisur und schon wären wir in der Lage die WM 2026 bereits im Vorfeld zu verklären. Dass das WM-Quartier in Winston-Salem an Stephen King erinnert, muss auch nicht von Nachteil sein. Wir versuchen auch diesen Samstag 10:30 die legitime Fortsetzung eines anderen Grusel-Klassikers zu schreiben: Lothars Tagebuch.

Free Wissy

Da passiert in der Region schon mal was und dann wird das liegen gelassen, weil der Nationaltrainer ein Interview gibt, worüber sich das Netz aufregt. Dabei ist auch der Wal in der Mecklenburger Bucht schlechter Laune. Und das liegt hauptsächlich auch am Netz. Und nur weil unsere Tore über kein selbiges verfügen und man neben dem lauen Netz-Gag nicht auch noch solche Lowlights wie Platz-Wal abfeuern kann (obwohl Superwaljahr ist), spricht man nicht über den Meeressäuger im Raum bzw. in der Bucht. Aber er ist immer noch da und findet den Ausgang nicht. In Wismar versucht man unbeirrt die Heringstage zu starten, obwohl der Wal wahrscheinlich schon alle verbliebenen Fische aus der Ostsee gegrast hat. Dabei fällt dann auch auf, dass die Kogge nicht am Hafen liegt, weil sie durch den Schiffs-TÜV gefallen ist. Höchste Zeit sich ein neues Wahrzeichen auf dem Wasser zu suchen und in der neuen Walheimat Whalewatching-Touren für die Touristen anzubieten. Mit welchem Boot auch immer. Wir (Samstag 10:30) sollten uns rechtzeitig den Wal als Maskottchen sichern, bevor sie bei Hansa ihre tätowierte Möwe absetzen, die den Kindern mehr Angst macht als die realen Fischbrötchenjäger am Hafen. Und anstatt irgendeines armen Studenten in einem schlecht genähten Kostüm, in dem er mehr schwitzt als alle Spieler auf dem Platz zusammen, ist ein echtes Tier doch immer cooler. Siehe Attila der Adler in Frankfurt. Natürlich kann man zurecht kritisch fragen warum der wie ein veganer Schwurbelkoch heißen muss. Und dass durch ihn die Eintrachtler zu „Adlerträgern“ werden, wenn alle Synonyme abgefrühstückt sind, ist natürlich auch gruselig. Aber Hennes in Köln ist doch ein gutes Vorbild. Und die Kölner sind trotzdem immer gut vorbereitet, falls ein Geißbock in die ewigen Jagdgründe abberufen wird. Wie bei den Ayatollahs steht schon gleich der nächste parat. Das könnte beim Wal allerdings schwierig werden. Vielleicht ist der Hering doch die bessere Wal.

Die Jubelraupe Nimmersatt

Kicker-Abonnenten wissen seit dieser Woche bescheid. Na ja und alle anderen irgendwie auch. Immerhin enthielt das exklusive Nagelsmann-Interview genügend Ragebait, so dass man sich den Weg zum Kiosk sparen konnte. Für unsere WM-Chancen (Samstag 10:30) war eigentlich nichts Neues dabei. Für die aktiven Nationalspieler war es aber schon interessant, zu erfahren wie der Nationaltrainer ihre bisherige Saison einschätzt. Und man merkte irgendwie: das Leistungsprinzip wird bei diesem Amt auch weiterhin ziemlich subjektiv bleiben. Da kann man noch mehr Zahlen zur Laufleistung, xGoals und Packingwerte sammeln, wenn man über das Tor am Ende nicht ordentlich jubelt, dann guckt man sich die WM am heimischen Fernseher an. Und wem die Restsaison jetzt schon zu unpannend vorkommt, der bekommt nun an den restlichen Spieltagen wahrscheinlich Einiges geboten. Die Kreativität wird nach dem Torerfolg grenzenlos sein. Es werden bestimmt schon die ersten Superheldenmasken hinter den Toren deponiert. Vielleicht sieht man auch die lange nicht mehr bemühte Jubelraupe oder den schwungvollen Ruder-Jubel. Ein Spaß fürs ganze Team. Nur den Nicolai-Müller-Jubel kann man immer noch nicht guten Gewissens empfehlen. Und der markenrechtlich geschützte Cole-Palmer-Jubel™ wirkt natürlich ziemlich lächerlich bei Plusgraden. Aber ansonsten erwarten wir echte Innovation. Zeit genug sollte dafür da sein, der Videoschiedsrichter braucht schließlich seine fünf Minuten zur Überprüfung. In der Zeit muss niemand gelangweilt das Smartphone rausholen, wenn auf dem Feld noch eine kostenlose Zirkusnummer geboten wird. Nur wer nach jedem reingestolperten Abstauber das imaginäre Lasso rausholt oder einen indigenen Feuertanz an der Eckfahne zelebriert, zeigt dem Bundestrainer, dass er wirklich bereit für Amerika ist.      

Norwegian Foot

Ich sag‘ wie es ist: Wer morgen (Samstag 10:30) keine kurze Hose trägt, hat den Fußball nie geliebt. Der Frühling ist da. Die Bobfahrer haben die olympischen Winterspiele gerade noch rechtzeitig verlassen, bevor dort die Bobbahn als Wasserrutsche fürs Spaßbad genutzt wird. Sogar die uneinholbar Führenden im Medaillenspiegel, die Norweger haben in Mailand auch den letzten Wettbewerb im sogenannten Fußball für sich entschieden, so dass die Italiener wahrscheinlich erst einmal genug von Menschen in Norwegerpullis haben und sich auf den ersten Aperol Spritz der Saison freuen. Aber selbst in Bodø sind inzwischen Plusgrade und die Menschen schnallen die Skier ab, mit denen sie monatelang verwachsen schienen. Bei der Fußball-WM sind die Norweger auch sicher dabei, weil sie in der Quali ausgerechnet den Italienern die lange Nase gezeigt haben. Angeblich ist das das Ergebnis davon, dass man in Norwegen daran glaubt, dass Kinder möglichst lange Spaß am Sport haben, wenn man keine Ergebnisse veröffentlicht und keine Pokale verteilt. Also das, was bei uns sofort unter dem Triggerwort „Bundesjugendspiele“ hitzigste Diskussionen auslöst. Wahrscheinlich verstehen es die Norweger sogar als Kompliment, wenn man sie als „Snowflakes“ beschimpft. Darauf sind sie schließlich nahezu unschlagbar. Das Ende des Winters sollte den Skandinaviern aber Sorgen und allen anderen Hoffnung machen. Bodøs erster Sieg in der Champions League war auch erst am 20. Januar. Davor war offensichtlich einfach zu wenig Winter. Aber wenn wir zeitnah auf die kurze Hose und den Drittehalbzeit-Aperol setzen, schmilzt die norwegische Dominanz bestimmt bald dahin. Zur Not sagen wir sogar die Ergebnisse durch, wenn wir sie uns merken können.

Nuthin’ but a Ski Thang

Die Winterferien sind vorbei, nur dem Winter hat das noch niemand sagen können. Dafür kommt heute Nacht noch einmal Extra-Schnee, der sich dann mit Regen in den Morgenstunden in eine interessante nordische Kombination aus angetauter Matschepampe verwandeln wird. Wer Samstag 10:30 die Gummistiefel schnürt, hat vermutliche leichte technische Vorteile. Kann aber auch sein, dass Skifelle oder spezielle Curlingsschuh-Absätze die bessere Wahl sind. Die Platzzukunft in den nächsten 24h ist auf jeden Fall schwer zu prognostizieren. Der Blick in die Glaskugel beschäftigt Fußballgeneigte eigentlich täglich. Wo normale Menschen jeden Tag mehrfach an das römische Reich denken, versucht sich der Fußballfan immer den Sommer vorzustellen. Weil da halt die Zeugnisse und alle wichtigen Titel vergeben werden. Und weil man endlich wieder bessere Spieler kaufen kann. Jedenfalls besser als die, die eigentlich schon mit dem Halbjahreszeugnis hätten sitzen bleiben müssen. Im seltensten Fall wird irgendetwas signifikant besser. Meistens wird es nur anders. Aber der Fußballanhänger neigt selten zur Dystopie. Und das obwohl er in den letzten Jahrzehnten mit absurden Witzwettbewerben und nervigen Videoschiedsrichterpossen allen Grund dazu hätte. Aber nein, am Ende ist er wie es Ted Lasso einst forderte ein 1A Goldfisch und ist je näher der Anstoß heranrückt mehr als bereit den letzten Mist zu vergessen. Und wenn es am Ende nur halb so wild ist und die Matschepampe nur in wenigen Ecken des Platzes liegt, wo man selten hinläuft, dann ist doch alles gut. Das Feuer in Mailand geht ja auch nicht einfach aus, sondern es wird von Snoop Dogg nur woanders hingetragen. In seine Heimat nach Long Beach CA, wo feiner Sand unter den Füßen lockt und schon ein weiterer glitzernder Sommer auf uns wartet.    

Curling Alaaf

Wenn die Sportschau extralang ist, aber davon nur eine Viertelstunde Fußball gezeigt wird, dann merkt man spätestens, dass gerade Olympische Winterspiele stattfinden. Die wenige Zeit reicht kaum, um alle Vereine mit Karnevalstrikot ausgiebig einzufangen und wenn der Effzeh tatsächlich vor dem Aschermittwoch ein Tor schießt, wird et Trömmelche unsensibel abgewürgt. Die Torhymne muss man also selbstständig bis zum „Kölle Alaaf“ im Kopf weitersingen, während schon wieder auf Rodeln umgeschaltet wurde. Oder eine andere Sportart, in der unsere Sportsoldaten unschlagbar sind. Von unseren 188 Athleten in Mailand und Cortina sind immerhin 76 bei der Bundeswehr. Hoffentlich fällt das bei der Münchner Sicherheitskonferenz niemandem auf. Mit all unseren funktionierenden Waffen schießen wir gerade im Schnee auf Lochscheiben. Der geneigte Fußballfan fühlt sich dabei wenigstens an Torwandschießen erinnert. Und wenn dann der Edelfan mit der großen Nase (nein, ausnahmsweise mal nicht Snoop Dogg) Zlatan Ibrahimovic ins Bild kommt, um über schwedische Curling-Erfolge zu jubeln, ist sogar für die Freunde des runden Leders etwas dabei. Auch wir haben in diesem Winter inzwischen eine gute Routine (Samstag 10:30) entwickelt, wenn es darum geht Löcher in den Schnee zu Schießen, uns bei der Schußfahrt Richtung Tor sauber in die Kurve zu legen und nach der Torerzielung mit einem doppelten Axel im Strafraum abzurollen. Wie auf einer Curlingbahn sehen wir, wo wir in der Woche zuvor schon zu heftig über die Bahn gewischt haben und wo noch Shorttrack möglich ist. Nur Skibergsteigen ist bei uns noch nicht möglich. Ich schau’s mir natürlich trotzdem an, wenn mir Zlatan, Snoop Dogg oder wenigstens Knut Elstermann das gut verkauft.    

Schneewatch Berlin

Ich bin kurz davor unseren Berliner Botschafter vorzeitig von seinem Tennisplatz auf Sizilien nach Deutschland zurückzubeordern, um unsere Platzverhältnisse kritisch zu bewerten. Aktuell kann man sich nur vorstellen, ob da gerade Schnee, Schneematsch oder doch nur vereiste Schneereste in den Ecken herrschen und welches Schuhwerk Samstag 10:30 empfehlenswert ist. Berliner haben ja bekanntlich über 50 Wörter für Schnee (also spätestens seit diesem Winter) und können am besten entscheiden, ob die kniehohen Stiefel reichen oder ob es doch die Moonboots mit Pelztrotteln sein sollten. Gerade im Hinblick auf die Fashion Week möchte man ja nicht wie ein Brandenburger Pelztrottel rumlaufen. Tausalz werden wir natürlich nicht einsetzen, da wir fest an ökologische Körperwärme durch Schneeengel glauben. Wir müssen hoffen und beten, dass unser Berliner Botschafter uns quasi auch wie ein Engel Samstag 10:30 erscheint, denn falls er auf geöffnete Flughäfen und freie Bahnstrecken setzt, könnte es schwierig werden. Dann lieber doch spontan den Aufenthalt bei den Sizilianern verlängern. Die kennen gar keine Wörter für Schnee und dort traut er sich wahrscheinlich auch nicht zu fallen. In Berlin wünscht sich wahrscheinlich Mancher die Cosa Nostra und nicht die BSR würden den Winterdienst organisieren. Immerhin kommen heute in Köpenick die Frankfurter mit ihrem neuen Trainer Riera, der schon wie ein irrer Mafiaboss guckt, in der Alten Försterei vorbei. Sein feuriger Blick wird die Wege zum Stadion schon freibrennen. Das ist im Zweifel umweltschonender als Tausalz. Und vielleicht fangen bei sizilianischen Bedingungen sogar schon die ersten Vögel an zu brüten. Was auch immer die DFL entscheidet, Fußballtennis sollte doch mindestens drin sein, oder?

Die Konferenz der Tore

Zum zweiten mal wurden wir Zeuge des letzten Vorrundenspieltages der Champions League im neuen Modus. Und es ist immer noch gewöhnungsbedürftig. Nett gesagt. Ob man sich daran gewöhnen kann, ist noch nicht geklärt. Aber der Fußballfan an sich ist ja trotz seines starken Hangs zur Nostalgie ein sehr anpassungsfähiges Wesen. Um nicht zu sagen: am Ende macht er doch jede Scheißidee mit. Und sei es 18 Spiele gleichzeitig zu gucken, um Keines richtig zu sehen. Die durchschnittliche Live-Verweildauer in jedem Stadion war bei unter 30 Sekunden. Oft liefen halt Zeitlupen, von Toren, die man verpasst hatte oder die Mannschaften nutzen die kurze Spanne der Aufmerksamkeit, um sich verletzt auf dem Boden zu rollen oder es stand zufällig gerade eine längere Wechselpause an. In vielen Jahren werden wir wahrscheinlich belustigt auf dieses Experiment gucken. Sicher weil wir dann natürlich 36 Spiele parallel sehen werden, bei denen aber zum Glück immer die KI rechtzeitig umschaltet. Aber aktuell gucken wir auf die menschliche Bildregie wie auf die Leute, die damals verpasst haben das erste Bundesligator aufzunehmen. Gefühlt war das Spiel, das am Ende aufgrund seiner langen Nachspielzeit, als einziges 2 Minuten Aufmerksam am Stück bekommen konnte, das Einzige, dass von diesem Abend hängen bleibt. Und das nicht, weil der Kommentator schon während des Spiels vor Aufregung bei Fast-Toren „Tor in Liss!“ ins Mikrofon brüllte. Nein, vor allem, weil Benfica in der wichtigen Phase bereits wusste wie alle anderen gespielt hatten und deshalb das entscheidende Tor durch den Torwart erzwingen konnten. Bzw. ehrlicherweise schienen sie es kurz vor Schluss noch nicht zu wissen. Der Nervenzusammenbruch des DAZN-Kommentators muss sie aber wohl dezent darauf hingewiesen haben. Und trotz aller Gleichzeitigkeit entsprang die beste Szene aus diesem Zeitvorteil. Was machen wir nun mit dieser Erkenntnis? Ist Fußball doch besser nacheinander? Wir halten Samstag 10:30 auf jeden Fall wieder die ganzen Vor- und Nachteile der Linearität aus und hoffen trotzdem insgeheim auf eine finale Eskalation beim Golden Goal. 

Kopfgrätsche Classics (broken Hands and broken Links)

Na, habt ihr auch schon schwungvoll in eurem Fotospeicher zurückgespult wie einst die VHS mit den Bundesliga-Classics (damals schon mit Edin Dzeko) als in der Winterpause tatsächlich zu wenig frischer Content auf den Sportkanälen angeboten wurde? Throwback 2016? Was soll das? Fragt man sich und schon hat man das Endgerät in der Hand und guckt neugierig nach, was vor zehn Jahren wohl so los war. Auf Kopfgrätsche.de kann man das auch tun und als erstes stößt man auf einen Tweet, den man damals tatsächlich noch genutzt hat, um untereinander ernstgemeinte Fragen zu beantworten. Auf Christophs Frage: „…habt ihr eine Ahnung, was alles in den #kgjrb / #Jahresrückblick 2016 gehört?“ antwortete dann auch niemand, dass das gefälligst @grok beantworten soll. „Handbruch, Schneekönigin, Dino, Rugby + Football, Autocrash, Wismarena, Euro, DIA, Aushilfsfotografen, Hommagen…“ wurden vorgeschlagen und der Jahresrückblick 2016 deckt davon auch eine ganze Menge ab. Verletzungen wurden früher noch nicht lückenlos dokumentiert, deshalb musste natürlich ein Arzt damit beginnen. Und auch beim Autocrash an einer Verkehrsinsel in Sichtweite unseres Platzes waren alle froh, dass John nicht nur Kopfstände und Christoph Lyrik beherrscht. Auch der Besuch des damaligen Bundesligadinos war ein Highlight in unserer kleinen Stadt. Heute denkt man bei Dino wahrscheinlich eher an einen frisch entlassenen Eintracht-Frankfurt-Trainer und fragt sich warum René Adler eigentlich nie bei den Hessen angestellt wurde. Damals hat er wenigstens freundlich in unsere iPhone4-Kamera gelächelt. Das Jahr schlossen wir naiv mit einem launigen Dinner for Seventeen ab, ohne zu ahnen, dass danach nur noch Dauerkrise folgen sollte. Aber auch weitere 10 Jahre, in denen trotzdem an Samstag 10:30 nicht zu rütteln war. Deshalb gibt es keinen Grund an diesem Samstag damit aufzuhören. Dann frage ich vielleicht auch am Ende diesen Jahres nach euren Highlights für den Jahresrückblick 2026 und ihr antwortet ganz normal: „@grok put him in a Bikini.“ Oder reparier endlich mal die Links…