Königstransfer

Kann man dieses Wochenende irgendwo Fußball sehen? Nö, ich frag ja nur, weil das letzte mal als was bei den Royals passierte, waren sämtliche Sender dieses Landes im Livestream dabei. Und in England hatten sie sogar ganz die Lederarbeit eingestellt. Offensichtlich fällt den Insulanern Multitasking doch eher schwer. Natürlich bindet eine Großveranstaltung im Königshaus auch einen Großteil der Uniformträger, so dass man wahrscheinlich auch bei Briefträgern und Pizzaboten etwas geduldiger sein muss. Die Premier League gönnt sich vielleicht deshalb am Krönungstag nur ein Spiel in London. Tottenham gegen Crystal Palace ist dabei wohl auch eines der entspannteren Derbys, die man haben kann. Da sollten ein paar Fahrradpolizisten ausreichen, so dass alle Pferde, die gerade in London sind, morgen zur Krönung dürfen. (Hier Camilla-Gag einfügen.) Der Lieblingsclub des Königs Burnley FC spielt erst am Montag (ganz zufällig am zusätzlichen Feiertag) und hat sich sowieso frühzeitig zum Champion der zweiten Liga gekrönt. Charles Mutter war angeblich Fan des FC Arsenal, der sich wahrscheinlich doch nicht dieses Jahr zum Überraschungsmeister küren kann. Aber immerhin in Italien gibt es nach 33 Jahren einen unerwarteten Champion, der einen anderen berühmten Toten glücklich machen sollte. Der SSC Neapel hat es tatsächlich geschafft die Clubs aus Mailand, Rom und Turin abzuhängen. Napoli und Diego mussten gefühlt ewig auf diesen Moment warten. Das Gefühl kann Charles gut nachvollziehen. Er ist bei seiner Krönung schließlich 12 Jahre älter als Maradona überhaupt wurde. Dieser wiederum wurde kurioserweise in dem Jahr geboren als Burnley das letzte englischer Meister war. So dass Diego tatsächlich die letzten Titel von Burnley und Neapel verpasst hat. Alle Nicht-Royalisten und Nicht-Pferdefans verpassen Samstag 10:30 (wie auch Mittwoch 18:00) zum Glück kaum etwas, weshalb sie beruhigt Kopfgrätschen können. 

Aber bitte mit Schlagsané

In Zeiten, in denen sich Fußballmannschaften sehr gern an der Erfolgsserie Ted Lasso orientieren, scheint es so als ob Sieg oder Niederlage kurzfristig gar nicht so wichtig sind. Fast so wie beim Kopfgrätschen (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) oder wie früher beim FC St. Pauli, bevor sie anfingen eine endlose Siegesserie zu starten. Der Ted-Lasso-Effekt ermöglicht Siege für die Menschlichkeit. Da behält man seinen Trainer auch gerne mal in längeren Saure-Gurken-Zeiten wie Arsenal Mikel Arteta, weil man dem Process trusted. Und es gilt als Erfolg, wenn junge Menschen es schaffen, die beste Version von sich selbst zu werden. Dafür braucht man einen unerschütterlichen Believe, auch wenn man empfindliche Niederlagen auf dem Platz einstecken muss. Die Chance auf eine Revanche kommt irgendwann. Dafür muss man allerdings ziemlich geduldig sein. Und nachdem der FC Bayern schon vorletzte Woche gezeigt hat, dass er wenig Geduld hat irgendeinem Process auf der Trainerbank zu trusten, geht es auch auf dem Platz und in der Kabine inzwischen so zu wie man es als Nostalgiker sonst nur in Bayern Classics aus den Neunzigern erlebt hat. Als noch der Sky-Experte Matthäus mit Lizarazu die besten Szenen aus Michalczewski gegen Rocchigiani öffentlich nachstellte. Oder als der aktuelle CEO Hälse anknabberte und in Bruce-Lee-Manier durch den Strafraum flog. Oder als die jetzigen scharfen Doppelpass-Richter für Affären mit Pizzerien, Obdachlosen oder ausgespannten Spielerfrauen sorgten. Eben diese müssen sich heute damit auseinandersetzen, wenn aktive Kicker nach dem Spiel unsportlich jubeln oder eigene Episoden von Schlag den Star aufführen. All das zahlt aber ganz im Sinne eines ehemaligen US-Präsidenten darauf ein, dass die BILD-Titelseite, die Klickzahlen und die Sendezeiten beständig mit Combat gefüttert werden. Und nur so manifestiert man einen Branchenprimus-Status. Die beste Version von sich selbst? Das versucht ChatGPT auch. Viel Glück dabei.       

Kapu in Baku

Na, braucht ihr auch noch so ’nen blauen Hoodie? Ist ja quasi das Must-Have für jeden, der sich einen überzeugten Kopfgrätscher nennt. Wo die Sterne geblieben sind? Äh, nun ja… wer schon einmal eine ordentliche Kopfgrätsche ausgeführt hat, sieht die mit hoher Wahrscheinlichkeit. Okay, in der nachgemachten Version, die gerade in ganz Europa im Umlauf ist, bekommt man tatsächlich ein paar mehr Sterne fürs Geld. Aber nur, weil keiner dieser Salonrebellen, die Kapuze aufsetzen will, die ja das eigentliche Highlight ist. Mal gucken, ob sich einer von denen für die europäische Sache oder weil gerade Wahlkampf ist, am Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00 auf dem Platz sehen lässt. Ansonsten ist Europa natürlich eine feine Sache. Wer träumt nicht vom Eurobbabogaaal? Und wer sich in diesem Wettbewerb richtig doll anstrengt und vielleicht noch eine Menge Geld ausgibt, kann es am Ende sogar bis Baku schaffen. Eventuell muss man ein paar Fans und Spieler zuhause lassen, aber der Exotikfaktor ist auf jeden Fall hoch. Auf jeden Fall höher als in Europa sonst. Da tragen wir doch alle inzwischen von Lissabon bis Nikosia und von Helsinki bis Valetta die gleichen Barça-Trikots unter dem Europa-Pulli. Barça, Juve und die Bayern haben dieses Jahr allerdings den Engländern das Abenteuer europäisches Finale komplett überlassen. Das könnte aber am Ende doch das falsche Zeichen sein, um die Briten doch noch von Europa zu überzeugen. Da kann man gleich Arsenal- und Liverpoolfans ein paar blaue Hoodies schenken.