In Zeiten, in denen sich Fußballmannschaften sehr gern an der Erfolgsserie Ted Lasso orientieren, scheint es so als ob Sieg oder Niederlage kurzfristig gar nicht so wichtig sind. Fast so wie beim Kopfgrätschen (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) oder wie früher beim FC St. Pauli, bevor sie anfingen eine endlose Siegesserie zu starten. Der Ted-Lasso-Effekt ermöglicht Siege für die Menschlichkeit. Da behält man seinen Trainer auch gerne mal in längeren Saure-Gurken-Zeiten wie Arsenal Mikel Arteta, weil man dem Process trusted. Und es gilt als Erfolg, wenn junge Menschen es schaffen, die beste Version von sich selbst zu werden. Dafür braucht man einen unerschütterlichen Believe, auch wenn man empfindliche Niederlagen auf dem Platz einstecken muss. Die Chance auf eine Revanche kommt irgendwann. Dafür muss man allerdings ziemlich geduldig sein. Und nachdem der FC Bayern schon vorletzte Woche gezeigt hat, dass er wenig Geduld hat irgendeinem Process auf der Trainerbank zu trusten, geht es auch auf dem Platz und in der Kabine inzwischen so zu wie man es als Nostalgiker sonst nur in Bayern Classics aus den Neunzigern erlebt hat. Als noch der Sky-Experte Matthäus mit Lizarazu die besten Szenen aus Michalczewski gegen Rocchigiani öffentlich nachstellte. Oder als der aktuelle CEO Hälse anknabberte und in Bruce-Lee-Manier durch den Strafraum flog. Oder als die jetzigen scharfen Doppelpass-Richter für Affären mit Pizzerien, Obdachlosen oder ausgespannten Spielerfrauen sorgten. Eben diese müssen sich heute damit auseinandersetzen, wenn aktive Kicker nach dem Spiel unsportlich jubeln oder eigene Episoden von Schlag den Star aufführen. All das zahlt aber ganz im Sinne eines ehemaligen US-Präsidenten darauf ein, dass die BILD-Titelseite, die Klickzahlen und die Sendezeiten beständig mit Combat gefüttert werden. Und nur so manifestiert man einen Branchenprimus-Status. Die beste Version von sich selbst? Das versucht ChatGPT auch. Viel Glück dabei.