Zum zweiten mal wurden wir Zeuge des letzten Vorrundenspieltages der Champions League im neuen Modus. Und es ist immer noch gewöhnungsbedürftig. Nett gesagt. Ob man sich daran gewöhnen kann, ist noch nicht geklärt. Aber der Fußballfan an sich ist ja trotz seines starken Hangs zur Nostalgie ein sehr anpassungsfähiges Wesen. Um nicht zu sagen: am Ende macht er doch jede Scheißidee mit. Und sei es 18 Spiele gleichzeitig zu gucken, um Keines richtig zu sehen. Die durchschnittliche Live-Verweildauer in jedem Stadion war bei unter 30 Sekunden. Oft liefen halt Zeitlupen, von Toren, die man verpasst hatte oder die Mannschaften nutzen die kurze Spanne der Aufmerksamkeit, um sich verletzt auf dem Boden zu rollen oder es stand zufällig gerade eine längere Wechselpause an. In vielen Jahren werden wir wahrscheinlich belustigt auf dieses Experiment gucken. Sicher weil wir dann natürlich 36 Spiele parallel sehen werden, bei denen aber zum Glück immer die KI rechtzeitig umschaltet. Aber aktuell gucken wir auf die menschliche Bildregie wie auf die Leute, die damals verpasst haben das erste Bundesligator aufzunehmen. Gefühlt war das Spiel, das am Ende aufgrund seiner langen Nachspielzeit, als einziges 2 Minuten Aufmerksam am Stück bekommen konnte, das Einzige, dass von diesem Abend hängen bleibt. Und das nicht, weil der Kommentator schon während des Spiels vor Aufregung bei Fast-Toren „Tor in Liss!“ ins Mikrofon brüllte. Nein, vor allem, weil Benfica in der wichtigen Phase bereits wusste wie alle anderen gespielt hatten und deshalb das entscheidende Tor durch den Torwart erzwingen konnten. Bzw. ehrlicherweise schienen sie es kurz vor Schluss noch nicht zu wissen. Der Nervenzusammenbruch des DAZN-Kommentators muss sie aber wohl dezent darauf hingewiesen haben. Und trotz aller Gleichzeitigkeit entsprang die beste Szene aus diesem Zeitvorteil. Was machen wir nun mit dieser Erkenntnis? Ist Fußball doch besser nacheinander? Wir halten Samstag 10:30 auf jeden Fall wieder die ganzen Vor- und Nachteile der Linearität aus und hoffen trotzdem insgeheim auf eine finale Eskalation beim Golden Goal.