Guten Abendsegler allerseits

Als wir vor zwei Wochen den Wal als Kopfgrätsche-Maskottchen adoptierten, konnten wir noch nicht ahnen, dass er uns so viel Kummer bereiten würde. Und bevor hier die Rechnungen für die großen Saugbagger und Meeresbiologen bei uns landen, möchten wir uns von ihm distanzieren. Durch sein Stranden in der Lübecker Bucht war er jetzt eine Woche lang ziemlich gut zu sehen. Zur Not im Livestream auf der BILD-Startseite. Aber wie gesagt: er ist nicht unser Grotifant und wir zahlen die Rettungsaktionen nicht. Obwohl wir natürlich sehr froh sind, dass diese vorerst erfolgreich waren. Wir werden uns ein anderes Maskottchen suchen, das weniger kostspielig ist. Am besten eins, mit dem man kommunizieren kann, dass wir ab der nächsten Woche nicht nur Samstag 10:30 sondern auch Mittwoch 18:00 auf dem Bolzplatz zu finden sind. Also entweder ein Tier, das Tageslicht mag oder uns in der Dämmerung rechtzeitig daran erinnert, dass es Zeit für das berühmte letzte Tor ist. Da hat sich in den letzten Jahren eigentlich die Mücke recht subtil bei uns beworben. Manch einer hatte zum Spielende gerade noch soviel Restblut übrig, um den Nachhauseweg zu schaffen. In der Dämmerung huschen allerdings noch andere Blutsauger über unseren Köpfen hinweg. Tagsüber hängen die mit dem Kopf nach unten herum, was bei Kopfgrätschern doch die nötigen Sympathien wecken sollte. Und wann hat man schon einmal gehört, dass eine Fledermaus für einen größeren volkswirtschaftlichen Schaden verantwortlich ist? Seit der letzten Pandemie ist mir da eigentlich nichts bekannt. Allerdings war da mal was mit dem FC Valencia, der von DC Comics verklagt wurde, weil die auch einen Character haben, der über eine Fledermaus-Silhouette herbeigerufen werden kann. Also bevor wir die nächste Kopfgrätsche-Ankündigung mit einem Suchscheinwerfer im Nachthimmel starten, würde ich gern doch noch einmal die Baggerrechnung vom Wal sehen.       

21. März 2026 – ZEITREISE: Vor 17 Jahren

Facebook hat gerade daran erinnert, dass wir vor 17 Jahren auch an einem Samstag gespielt haben. Das was Frank da unterm Pulli hat, dürfte demnach auch schon fast volljährig sein. – Vor zehn Jahren hatte Facebook schon mal freundlich auf dieses alte Foto hingewiesen: März 2016 – Facebook hilft uns erinnern und eine neu hochgeladenen Beitrag mit alten Bilder und einem Video gibt es hier: März 2009 – (ReUpload 2026) – „Bild und Video ohne Titel“ inklusive diesem Video:

Ein Sommer in Winston-Salem

Inzwischen ist der Bundestrainer bei Kaderentscheidungen auf einem Beliebtheits-Level mit dem Kulturstaatsminister, wenn dieser Buchläden nominiert. Oder nicht nominiert. Was ja noch mehr Diskussionsstoff bietet. Früher guckte man dazu das literarische Quartett des Fußballs, also den Doppelpass und lauschte dem Urteil des Reich-Ranickis des Fußballs, also Udo Latteck. Nun wird die anstehende WM nicht Julians Erstlingswerk, aber er ist immerhin so jung, so dass er noch ein paar Jahrzehnte an einem Bestseller schrauben kann. Da hilft es wenn man zwischendrin häufiger mal högscht diskutabele Auswärtstrikots herausbringt. Das lenkt ein wenig vom sportlichen Groschenroman-Niveau ab und schreit geradezu: „Please judge this book by its Cover!“. Nun also Dunkelblau mit Türkisfarbenen Applikationen. Sieht nach einem Cyberthriller aus, der zum Großteil von KI geschrieben wurde. Passt jetzt nicht so schlecht zu einem Auftritt in Amerika. Jetzt wo gerade „Ein Sommer in Italien“ über die WM 1990 in die Kinos kommt, merkt man warum das aktuelle Heimtrikot sich nah an 1990 bewegt. Mit Nick Woltemade versuchte man sogar plump ein Rudi-Völler-Lookalike zu züchten. Aber man kennt diesen Effekt ja aus dem Buchhandel oder von der Buchmesse, wo ein erfolgreicher Titel eine Vielzahl an visuellen Nachahmern weckt, die zwischen den Buchdeckeln wenig schöpferische Eigenleistung bieten. Fehlen im Kader also nur noch optische Äquivalente zu Litti, Lothar, Icke und Auge mit Mut zur Föhnfrisur und schon wären wir in der Lage die WM 2026 bereits im Vorfeld zu verklären. Dass das WM-Quartier in Winston-Salem an Stephen King erinnert, muss auch nicht von Nachteil sein. Wir versuchen auch diesen Samstag 10:30 die legitime Fortsetzung eines anderen Grusel-Klassikers zu schreiben: Lothars Tagebuch.

Free Wissy

Da passiert in der Region schon mal was und dann wird das liegen gelassen, weil der Nationaltrainer ein Interview gibt, worüber sich das Netz aufregt. Dabei ist auch der Wal in der Mecklenburger Bucht schlechter Laune. Und das liegt hauptsächlich auch am Netz. Und nur weil unsere Tore über kein selbiges verfügen und man neben dem lauen Netz-Gag nicht auch noch solche Lowlights wie Platz-Wal abfeuern kann (obwohl Superwaljahr ist), spricht man nicht über den Meeressäuger im Raum bzw. in der Bucht. Aber er ist immer noch da und findet den Ausgang nicht. In Wismar versucht man unbeirrt die Heringstage zu starten, obwohl der Wal wahrscheinlich schon alle verbliebenen Fische aus der Ostsee gegrast hat. Dabei fällt dann auch auf, dass die Kogge nicht am Hafen liegt, weil sie durch den Schiffs-TÜV gefallen ist. Höchste Zeit sich ein neues Wahrzeichen auf dem Wasser zu suchen und in der neuen Walheimat Whalewatching-Touren für die Touristen anzubieten. Mit welchem Boot auch immer. Wir (Samstag 10:30) sollten uns rechtzeitig den Wal als Maskottchen sichern, bevor sie bei Hansa ihre tätowierte Möwe absetzen, die den Kindern mehr Angst macht als die realen Fischbrötchenjäger am Hafen. Und anstatt irgendeines armen Studenten in einem schlecht genähten Kostüm, in dem er mehr schwitzt als alle Spieler auf dem Platz zusammen, ist ein echtes Tier doch immer cooler. Siehe Attila der Adler in Frankfurt. Natürlich kann man zurecht kritisch fragen warum der wie ein veganer Schwurbelkoch heißen muss. Und dass durch ihn die Eintrachtler zu „Adlerträgern“ werden, wenn alle Synonyme abgefrühstückt sind, ist natürlich auch gruselig. Aber Hennes in Köln ist doch ein gutes Vorbild. Und die Kölner sind trotzdem immer gut vorbereitet, falls ein Geißbock in die ewigen Jagdgründe abberufen wird. Wie bei den Ayatollahs steht schon gleich der nächste parat. Das könnte beim Wal allerdings schwierig werden. Vielleicht ist der Hering doch die bessere Wal.

Die Jubelraupe Nimmersatt

Kicker-Abonnenten wissen seit dieser Woche bescheid. Na ja und alle anderen irgendwie auch. Immerhin enthielt das exklusive Nagelsmann-Interview genügend Ragebait, so dass man sich den Weg zum Kiosk sparen konnte. Für unsere WM-Chancen (Samstag 10:30) war eigentlich nichts Neues dabei. Für die aktiven Nationalspieler war es aber schon interessant, zu erfahren wie der Nationaltrainer ihre bisherige Saison einschätzt. Und man merkte irgendwie: das Leistungsprinzip wird bei diesem Amt auch weiterhin ziemlich subjektiv bleiben. Da kann man noch mehr Zahlen zur Laufleistung, xGoals und Packingwerte sammeln, wenn man über das Tor am Ende nicht ordentlich jubelt, dann guckt man sich die WM am heimischen Fernseher an. Und wem die Restsaison jetzt schon zu unpannend vorkommt, der bekommt nun an den restlichen Spieltagen wahrscheinlich Einiges geboten. Die Kreativität wird nach dem Torerfolg grenzenlos sein. Es werden bestimmt schon die ersten Superheldenmasken hinter den Toren deponiert. Vielleicht sieht man auch die lange nicht mehr bemühte Jubelraupe oder den schwungvollen Ruder-Jubel. Ein Spaß fürs ganze Team. Nur den Nicolai-Müller-Jubel kann man immer noch nicht guten Gewissens empfehlen. Und der markenrechtlich geschützte Cole-Palmer-Jubel™ wirkt natürlich ziemlich lächerlich bei Plusgraden. Aber ansonsten erwarten wir echte Innovation. Zeit genug sollte dafür da sein, der Videoschiedsrichter braucht schließlich seine fünf Minuten zur Überprüfung. In der Zeit muss niemand gelangweilt das Smartphone rausholen, wenn auf dem Feld noch eine kostenlose Zirkusnummer geboten wird. Nur wer nach jedem reingestolperten Abstauber das imaginäre Lasso rausholt oder einen indigenen Feuertanz an der Eckfahne zelebriert, zeigt dem Bundestrainer, dass er wirklich bereit für Amerika ist.