Nature is healing. Und das kann man daran merken, dass nach Saisonende doch nach und nach alle Walexperten wieder auf Bundestrainer umschulen. Also natürlich nicht qua Amt, sondern rein von der Kompetenzvermutung. Das wäre ja auch sonst ziemlich teuer für ’nen gemeinnützigen Verein wie den DFB. Nein, das machen alle ehrenamtlich, weil es ihnen doch wichtig ist, dass „wir“ in Amerika was gewinnen. Dafür basteln sie sogar ein Fähnchen ans Auto. Vor zwanzig Jahren war das noch komisch. Heute ist man zufrieden, wenn es wenigstens die Farben der Bundesrepublik sind und nicht Selbstgebastelte aus dem Reichsbürger-Mailorder. Aber wer unter dieser Fahne spielen soll und darf, ist dann doch ein größerer Zankapfel und die Diskussionen werden uns jetzt ca. 2 Monate beschäftigen, kurz unterbrochen von eigenen praktischen Expertennachweisen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Das Gute dabei: immer weniger Leute gucken auf den sich zur Kugel aufblähenden Wal vor Anholt im Livestream, sondern auf einen Trionda Pro und ob unsere Turnierhoffnung Manuel Neuer, den auch halten kann. Er ist jetzt unser Timmy, wenn nicht sogar Hope. Wen der Bundestrainer sonst noch berufen hat, war dann eigentlich gar nicht mehr von näherem Interesse. Wir haben jetzt dem Manu einen Tracker verpasst und werden in den nächsten Wochen im Livestream verfolgen wie er sich so schlägt. Sogar die Experten für Netze kommen auf ihre Kosten. Auch die Bundesregierung fiebert auch diesen Spielen entgegen. Traditionell braucht man sie, um in ihrem Windschatten zeitgleich die für das Land notwendigen Reformen zu beschließen. Die Kassen sind schließlich leer und der Verkauf des Neuer-Skeletts ist schon fest einkalkuliert. Hat er sich das ausgesucht? Wahrscheinlich schon.
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Bildhauen und Stechen
Wir sind ehrlich. Der Wal hatte uns schon längst verloren. Vielleicht liegt es daran, weil er schon länger auf Grund liegt als Heidenheim auf dem letzten Tabellenplatz. Aber die Menschen um ihn herum lassen sich immer wahnwitzigere Dinge einfallen, die immerhin sein Schicksal wieder auf den Startseiten nach oben spült. Fußballfans sind spätestens wieder wach geworden als Pyrotechnik in die Diskussion eingebracht wurde. Da ist in der Region auch genügend Material vorhanden. Ein Anruf bei ein berüchtigten Hansa-Suptras kann da der kurze Dienstweg sein. Wir sind sowieso schon in einer Phase, wo nicht mehr so ganz genau nach den Abschlüssen und Führungszeugnissen geschaut wird. Jetzt darf jeder mit einer wilden Idee irgendwas versuchen. Aber die meisten verfahren nach der alten Kreisliga-Devise: wenn wir schon nicht gewinnen können, dann treten wir ihnen wenigsten den Rasen kaputt. Noch ein Argument Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 doch lieber auf Tartan aufzulaufen. Und wer zur Sache gar nichts weiter beitragen kann, darf sich überlegen wie ein Mahnmal für den Wahnwal aussehen soll. Auch hier können Fußballfans durch ihre Erfahrung mit unförmigen Bronzen bestens mitreden. Uwe Seelers Fuß, Christianos Büste oder erst zuletzt der sehr expressionistische Peace-Prize – der Fußball liefert unzählige Referenzen von missverstandenen Bildhauern. Der geneigte Pöbel verlangt maximalen Naturalismus, der Künstler möchte seine Handschrift für die Nachwelt in Metall gießen. Passender als jede von vornherein zum Scheitern verurteilte Darstellung des Tieres, wäre aber Rodins „Die Bürger von Calais“, das auch die Opfer einer Belagerung darstellt. Bestehend aus sechs Einzelfiguren, die kein heroisches Gebaren zeigen, sondern viel mehr innere Bewegung und verzweifelte Stimmung ausdrücken. Das passt nicht nur zu den verwirrten Menschenansammlungen auf Poel, das können wir nach dem Kopfgrätschen auch bestens vom Verliererteam nachstellen lassen.
Guten Abendsegler allerseits
Als wir vor zwei Wochen den Wal als Kopfgrätsche-Maskottchen adoptierten, konnten wir noch nicht ahnen, dass er uns so viel Kummer bereiten würde. Und bevor hier die Rechnungen für die großen Saugbagger und Meeresbiologen bei uns landen, möchten wir uns von ihm distanzieren. Durch sein Stranden in der Lübecker Bucht war er jetzt eine Woche lang ziemlich gut zu sehen. Zur Not im Livestream auf der BILD-Startseite. Aber wie gesagt: er ist nicht unser Grotifant und wir zahlen die Rettungsaktionen nicht. Obwohl wir natürlich sehr froh sind, dass diese vorerst erfolgreich waren. Wir werden uns ein anderes Maskottchen suchen, das weniger kostspielig ist. Am besten eins, mit dem man kommunizieren kann, dass wir ab der nächsten Woche nicht nur Samstag 10:30 sondern auch Mittwoch 18:00 auf dem Bolzplatz zu finden sind. Also entweder ein Tier, das Tageslicht mag oder uns in der Dämmerung rechtzeitig daran erinnert, dass es Zeit für das berühmte letzte Tor ist. Da hat sich in den letzten Jahren eigentlich die Mücke recht subtil bei uns beworben. Manch einer hatte zum Spielende gerade noch soviel Restblut übrig, um den Nachhauseweg zu schaffen. In der Dämmerung huschen allerdings noch andere Blutsauger über unseren Köpfen hinweg. Tagsüber hängen die mit dem Kopf nach unten herum, was bei Kopfgrätschern doch die nötigen Sympathien wecken sollte. Und wann hat man schon einmal gehört, dass eine Fledermaus für einen größeren volkswirtschaftlichen Schaden verantwortlich ist? Seit der letzten Pandemie ist mir da eigentlich nichts bekannt. Allerdings war da mal was mit dem FC Valencia, der von DC Comics verklagt wurde, weil die auch einen Character haben, der über eine Fledermaus-Silhouette herbeigerufen werden kann. Also bevor wir die nächste Kopfgrätsche-Ankündigung mit einem Suchscheinwerfer im Nachthimmel starten, würde ich gern doch noch einmal die Baggerrechnung vom Wal sehen.
Free Wissy
Da passiert in der Region schon mal was und dann wird das liegen gelassen, weil der Nationaltrainer ein Interview gibt, worüber sich das Netz aufregt. Dabei ist auch der Wal in der Mecklenburger Bucht schlechter Laune. Und das liegt hauptsächlich auch am Netz. Und nur weil unsere Tore über kein selbiges verfügen und man neben dem lauen Netz-Gag nicht auch noch solche Lowlights wie Platz-Wal abfeuern kann (obwohl Superwaljahr ist), spricht man nicht über den Meeressäuger im Raum bzw. in der Bucht. Aber er ist immer noch da und findet den Ausgang nicht. In Wismar versucht man unbeirrt die Heringstage zu starten, obwohl der Wal wahrscheinlich schon alle verbliebenen Fische aus der Ostsee gegrast hat. Dabei fällt dann auch auf, dass die Kogge nicht am Hafen liegt, weil sie durch den Schiffs-TÜV gefallen ist. Höchste Zeit sich ein neues Wahrzeichen auf dem Wasser zu suchen und in der neuen Walheimat Whalewatching-Touren für die Touristen anzubieten. Mit welchem Boot auch immer. Wir (Samstag 10:30) sollten uns rechtzeitig den Wal als Maskottchen sichern, bevor sie bei Hansa ihre tätowierte Möwe absetzen, die den Kindern mehr Angst macht als die realen Fischbrötchenjäger am Hafen. Und anstatt irgendeines armen Studenten in einem schlecht genähten Kostüm, in dem er mehr schwitzt als alle Spieler auf dem Platz zusammen, ist ein echtes Tier doch immer cooler. Siehe Attila der Adler in Frankfurt. Natürlich kann man zurecht kritisch fragen warum der wie ein veganer Schwurbelkoch heißen muss. Und dass durch ihn die Eintrachtler zu „Adlerträgern“ werden, wenn alle Synonyme abgefrühstückt sind, ist natürlich auch gruselig. Aber Hennes in Köln ist doch ein gutes Vorbild. Und die Kölner sind trotzdem immer gut vorbereitet, falls ein Geißbock in die ewigen Jagdgründe abberufen wird. Wie bei den Ayatollahs steht schon gleich der nächste parat. Das könnte beim Wal allerdings schwierig werden. Vielleicht ist der Hering doch die bessere Wal.