Alora. Scusi. Unpopulär Opinion: jetzt alles auf dem WM-Sieg von Italien setzen. Okay, es sieht vielleicht nicht so vielversprechend aus, weil die Squadra Azzurra gar nicht qualifiziert ist. Aber bis zum Turnierbeginn kann geopolitisch noch ziemlich viel passieren. Und da so viele Länder wie noch nie qualifiziert sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende gar nicht alle bis dahin wirklich Lust auf Fußball in einer Bananenrepublik im Kriegsmodus haben. Und da rechnen wir noch nicht einmal mit einem deutschen Boykott, weil Nagelsmann und Untdav sich nicht zwischen Coke und Pepsi im Drive-In entscheiden können. Dabei gehört es zum Mythos einer Burgerbraterei, dass dort der Spirit geboren wurde, der 1992 eine nachrückendes Land zum Turniersieger geführt hat. Und damit sind wir bei dem Szenario, auf das die Italiener nun hoffen müssen. Wie einst die Dänen vom Jugoslawienkrieg profitierten, muss ausgerechnet das gegen Bosnien ausgeschiedene Italien auf ein unverdientes Nachrücken hoffen, dass sie direkt zum Titel führen sollte. Der Name des ehrbaren FIFA-Präsidenten, der das wahrscheinlich alleine entscheiden darf, klingt ja nur zufällig italienisch. Er ist natürlich neutraler Italo-Schweizer. Aber eigentlich spricht nichts dagegen, dass der amerikanische Papst Ostersonntag in Rom verkündet, dass Italia auferstanden ist. Im Anschluss strömen die Massen in eine Gelateria ihrer Wahl und bestellen vor Glück einen Schwedeneisbecher. Denn auch die Schweden wissen gar nicht wie sie sich für die WM qualifizieren konnten, ohne ein Gruppenspiel zu gewinnen. Auch da waren offensichtlich höhere Mächte im Spiel. Wessen Kreuzwege also Samstag (10:30) nicht direkt zum Platz führen, kann schon Mittwoch (18:00) glorreich wiederkehren. Abbi fede!
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Ein Sommer in Winston-Salem
Inzwischen ist der Bundestrainer bei Kaderentscheidungen auf einem Beliebtheits-Level mit dem Kulturstaatsminister, wenn dieser Buchläden nominiert. Oder nicht nominiert. Was ja noch mehr Diskussionsstoff bietet. Früher guckte man dazu das literarische Quartett des Fußballs, also den Doppelpass und lauschte dem Urteil des Reich-Ranickis des Fußballs, also Udo Latteck. Nun wird die anstehende WM nicht Julians Erstlingswerk, aber er ist immerhin so jung, so dass er noch ein paar Jahrzehnte an einem Bestseller schrauben kann. Da hilft es wenn man zwischendrin häufiger mal högscht diskutabele Auswärtstrikots herausbringt. Das lenkt ein wenig vom sportlichen Groschenroman-Niveau ab und schreit geradezu: „Please judge this book by its Cover!“. Nun also Dunkelblau mit Türkisfarbenen Applikationen. Sieht nach einem Cyberthriller aus, der zum Großteil von KI geschrieben wurde. Passt jetzt nicht so schlecht zu einem Auftritt in Amerika. Jetzt wo gerade „Ein Sommer in Italien“ über die WM 1990 in die Kinos kommt, merkt man warum das aktuelle Heimtrikot sich nah an 1990 bewegt. Mit Nick Woltemade versuchte man sogar plump ein Rudi-Völler-Lookalike zu züchten. Aber man kennt diesen Effekt ja aus dem Buchhandel oder von der Buchmesse, wo ein erfolgreicher Titel eine Vielzahl an visuellen Nachahmern weckt, die zwischen den Buchdeckeln wenig schöpferische Eigenleistung bieten. Fehlen im Kader also nur noch optische Äquivalente zu Litti, Lothar, Icke und Auge mit Mut zur Föhnfrisur und schon wären wir in der Lage die WM 2026 bereits im Vorfeld zu verklären. Dass das WM-Quartier in Winston-Salem an Stephen King erinnert, muss auch nicht von Nachteil sein. Wir versuchen auch diesen Samstag 10:30 die legitime Fortsetzung eines anderen Grusel-Klassikers zu schreiben: Lothars Tagebuch.
Die Jubelraupe Nimmersatt
Kicker-Abonnenten wissen seit dieser Woche bescheid. Na ja und alle anderen irgendwie auch. Immerhin enthielt das exklusive Nagelsmann-Interview genügend Ragebait, so dass man sich den Weg zum Kiosk sparen konnte. Für unsere WM-Chancen (Samstag 10:30) war eigentlich nichts Neues dabei. Für die aktiven Nationalspieler war es aber schon interessant, zu erfahren wie der Nationaltrainer ihre bisherige Saison einschätzt. Und man merkte irgendwie: das Leistungsprinzip wird bei diesem Amt auch weiterhin ziemlich subjektiv bleiben. Da kann man noch mehr Zahlen zur Laufleistung, xGoals und Packingwerte sammeln, wenn man über das Tor am Ende nicht ordentlich jubelt, dann guckt man sich die WM am heimischen Fernseher an. Und wem die Restsaison jetzt schon zu unpannend vorkommt, der bekommt nun an den restlichen Spieltagen wahrscheinlich Einiges geboten. Die Kreativität wird nach dem Torerfolg grenzenlos sein. Es werden bestimmt schon die ersten Superheldenmasken hinter den Toren deponiert. Vielleicht sieht man auch die lange nicht mehr bemühte Jubelraupe oder den schwungvollen Ruder-Jubel. Ein Spaß fürs ganze Team. Nur den Nicolai-Müller-Jubel kann man immer noch nicht guten Gewissens empfehlen. Und der markenrechtlich geschützte Cole-Palmer-Jubel™ wirkt natürlich ziemlich lächerlich bei Plusgraden. Aber ansonsten erwarten wir echte Innovation. Zeit genug sollte dafür da sein, der Videoschiedsrichter braucht schließlich seine fünf Minuten zur Überprüfung. In der Zeit muss niemand gelangweilt das Smartphone rausholen, wenn auf dem Feld noch eine kostenlose Zirkusnummer geboten wird. Nur wer nach jedem reingestolperten Abstauber das imaginäre Lasso rausholt oder einen indigenen Feuertanz an der Eckfahne zelebriert, zeigt dem Bundestrainer, dass er wirklich bereit für Amerika ist.
Norwegian Foot
Ich sag‘ wie es ist: Wer morgen (Samstag 10:30) keine kurze Hose trägt, hat den Fußball nie geliebt. Der Frühling ist da. Die Bobfahrer haben die olympischen Winterspiele gerade noch rechtzeitig verlassen, bevor dort die Bobbahn als Wasserrutsche fürs Spaßbad genutzt wird. Sogar die uneinholbar Führenden im Medaillenspiegel, die Norweger haben in Mailand auch den letzten Wettbewerb im sogenannten Fußball für sich entschieden, so dass die Italiener wahrscheinlich erst einmal genug von Menschen in Norwegerpullis haben und sich auf den ersten Aperol Spritz der Saison freuen. Aber selbst in Bodø sind inzwischen Plusgrade und die Menschen schnallen die Skier ab, mit denen sie monatelang verwachsen schienen. Bei der Fußball-WM sind die Norweger auch sicher dabei, weil sie in der Quali ausgerechnet den Italienern die lange Nase gezeigt haben. Angeblich ist das das Ergebnis davon, dass man in Norwegen daran glaubt, dass Kinder möglichst lange Spaß am Sport haben, wenn man keine Ergebnisse veröffentlicht und keine Pokale verteilt. Also das, was bei uns sofort unter dem Triggerwort „Bundesjugendspiele“ hitzigste Diskussionen auslöst. Wahrscheinlich verstehen es die Norweger sogar als Kompliment, wenn man sie als „Snowflakes“ beschimpft. Darauf sind sie schließlich nahezu unschlagbar. Das Ende des Winters sollte den Skandinaviern aber Sorgen und allen anderen Hoffnung machen. Bodøs erster Sieg in der Champions League war auch erst am 20. Januar. Davor war offensichtlich einfach zu wenig Winter. Aber wenn wir zeitnah auf die kurze Hose und den Drittehalbzeit-Aperol setzen, schmilzt die norwegische Dominanz bestimmt bald dahin. Zur Not sagen wir sogar die Ergebnisse durch, wenn wir sie uns merken können.
Stay at the Kopf-Grä-Tsch-Ee (Samstag 10:30)
Dass es so episch werden würde, konnte ja niemand ahnen. Auch eine Woche nach der WM-Auslosung sind einige noch nicht aus diesem Fiebertraum aufgewacht. Gerüchten zufolge steht Rudi Völler noch immer in der Halle in Washington und klatscht einsam zur Musik der Village People. Bei ihm wurde natürlich ein dreißig Jahre altes Trauma freigelegt, als er bei Wetten dass…? vor der WM 1994 seine steifen Hüften zu „Far away in America“ kreisen lassen musste. Der Klinsi war damals so sehr dabei, da musste Rudi einfach nachziehen, um seinen Stammplatz im Sturm zu verteidigen. Aber vielleicht war er auch nur paralysiert von der unglaublichen Moderation Gianni Infantinos. Und Rudi hatte eine Vision von der nächsten WM-Auslosung, bei der Infantino sehr wahrscheinlich auf offener Bühne live ein paar Journalisten zersägen wird, um den Gastgebern ein gutes Gefühl zu geben. Den Peace-Pokal mit den abgesägten Händen kann er da noch einmal recyceln. Auch wenn Donald Trump das Konzept Wanderpokal natürlich komplett ablehnt. Spätestens jetzt vermissen wir Marcel Reich-Ranicki, der nach einer missglückten Fernsehpreisverleihungssendung 2008 rief: „Ich nehme diesen Preis nicht an! Ich gehöre nicht in diese Reihe. Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste.“ Nun, nach dem letzten Freitag muss man ehrlicherweise sagen: so schlimm war der Fernsehpreis damals nicht. Am Ende musste Thomas Gottschalk, der damals noch nicht die Eklats bei Preisverleihungen selbst auslöste, die Kuh vom Eis ziehen und zwischen Fernsehdeutschland und dem Literaturkritiker vermitteln. Dafür gab es tatsächlich eine Extra-Sendung mit dem Titel: „Aus gegebenem Anlass – Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk.“ Village People waren nicht eingeladen.
Shaq the Halls
Bei Redaktionsschluss lag das Ergebnis noch nicht vor. Aber da wir nicht im Vorfeld tagelang lesen mussten, welche möglichen Todesgruppen uns drohen, kann Deutschland wahrscheinlich superentspannt auf die WM-Auslosung heute Abend in Washington gucken. Wahrscheinlich wird viel interessanter sein wo man spielt als gegen wen. Kein Wunder, wenn die Qualigruppe durchaus schwerer war als die kommende Vorrunde. Aber das bedeutet nur, dass wir uns frühzeitig auf die Baum-Diskussion freuen können. Und das passt doch absolut in die Zeit. Aktuell konzentrieren wir uns natürlich darauf, dass so ein Baum schön gerade und symmetrisch ist. Beim Turnierbaum darf er aber ruhig so schief sein, dass man wie einst im Jahr 2002 mit minimalem Talent bis ins Finale rutschen kann, während sich die ganzen Favoriten in Abnutzungskämpfen gegenseitig aus dem Turnier kegeln. Aus saisonalem Interesse schauen wir an diesem Abend aber sicher auch wieder interessiert auf die Loskugeln. Welcher Stil ist in 2025 angesagt? Weil Donald Trump vor Ort sein wird, kann es eigentlich nur Gold sein. Am Ende wird er sie auch bestimmt mit den Resten vom Buffet mit ins weiße Haus schleppen. Ansonsten gibt es aber auch noch ein paar Sportstars wie Tom Brady, Wayne Gretzky und Shaquille O’Neal vor Ort. Diese drei Könige ihres Sports werden natürlich das Spielgerät Trionda ungläubig als Wunder betrachten, bevor sie es als neuen Heiland preisen. Und warum auch nicht? Versucht mal mit einem Football, Puck oder Basketball eine vernünftige Kopfgrätsche (Samstag 10:30) zu kreieren. Falls einer von ihnen noch Gold (darf auch ein Meisterschaftsring sein) als Geschenk dabei hat, Donald wäre interessiert. Aber bevor wir jetzt weiter im Bild bleiben wollen und krampfhaft überlegen welche Gemeinsamkeiten Heidi Klum und die Jungfrau Maria haben, beginnt das Bild schiefer zu werden als jeder Turnierbaum.
Mystery Box-to-Box Player
U.S.A. U.S.A. Nach dem gigantischen Erfolg der Klub WM in diesem Jahr, sind wir auch nächstes Jahr wieder dabei, wenn Kiss-Cam und Riesenventilatoren zum Einsatz kommen. Und es wird huuuge. Gastgeber ist dieser Typ, der noch den Original-Stargate-Pokal im Büro stehen hat und nachdem wir seine Dribbelkünste in einem kaum modifizierten Video mit Christiano Ronaldo bestaunen mussten, fragen wir uns zurecht: was wir da im kommenden Jahr überhaupt wollen? Egal, wer auch immer sportlich dort noch reüssiert, der Preis ist schon fest im Oval Office eingeplant. Neben Klub-WM-Pokal und Friedensnobelpreis gehört der World Cup dort logischerweise zur Inneneinrichtung. Wir fliegen aber trotzdem hin und hoffen, dass die Nationalspieler sich nicht davon ablenken lassen, dass sie primär Widerstandsgesten gegen das lokale Regime trainieren. Aber vier Jahre nach Katar haben die Auswahlkicker dazugelernt. Am besten vorbereitet ist definitiv Karim Adeyemi, der sich schon einmal dem örtliche Waffennarrentum gewappnet zeigt. Damit sollte sein Stammplatz sicher sein. Der Rest des Turniers ist aktuell noch eine ziemliche Mystery Box. Vorher muss das eigentliche Turnier noch durch ein paar Playoffs quasi als Extra-Turnier vor dem Turnier ungeboxet werden. Und wofür die USA die Co-Gastgeber Kanada und Mexico braucht, ist auch ein Mysterium. Finden wir aber wahrscheinlich nur so lange komisch, bis sich Deutschland demnächst für die WM mit Dänemark und Griechenland bewirbt. Unsere samstägliche Mystery-Box (10:30) hält garantiert auch wieder Unvorhersehbares bereit. Wie viele Spieler stehen auf dem Platz? Sind wir zwei oder drei Mannschaften? Und ist das letzte Tor wirklich das letzte? Bestellt noch heute!
Ich denke oft an Uruguay
Wie lange quatschen wir jetzt schon über diese WM nächstes Jahr? Naja, wahrscheinlich schon seit der vorletzten WM. Seit klar war: das mit Katar wird komisch, hat man doch schon mal überlegt, wann wieder ein unbedenkliches Turnier stattfindet. Dass es nur noch selten ein Land sein kann, sondern schon meist ein halber Kontinent – geschenkt. Günstige Flüge und das Internet können doch trotzdem dafür sorgen, dass es so kuschlig wird wie einst in Uruguay. Aber inzwischen soll rund ein Viertel aller Länder weltweit die Chance haben, zu Gast bei Freunden zu sein. Da reicht halt Uruguay flächenmäßig nicht mehr aus. Oder es bekommt noch ein Spiel und muss sich die WM mit Spanien, Portugal, Marokko, Paraguay und Argentinien teilen. Kann ja trotzdem schön werden. Liegen doch fast alle am Atlantik. Die Gastgeber nächstes Jahr eint sogar die Lage an zwei Ozeanen. Julian Nagelsmann hat immerhin schon ein Jahr Warten geschafft seit dem Aus bei der Heim-EM. Somit muss er nur noch ein Jahr Warten schaffen, bis er Weltmeister wird. Wenn seine Ansage vom letzten Sommer denn noch steht. Aktuell ist die Stimmung eher so durchschnittlich und kurz vor: da wollten wir eh nicht hin und diesmal boykottieren wir den Mist aber wirklich. Wer die Klub-WM sehen musste, könnte es verstehen. Die Stimmung in Amerika scheint auch wirklich nicht gut, wenn jeder Ball der vom Spielfeld fliegt schon für würdeloses Gezanke auf der Tribüne sorgt. Selbst solche Konflikte lassen sich in den USA offenbar nicht mehr ohne Social-Media-Mob und Nationalgarde lösen. Bei uns sitzt hoffentlich auch noch in fünf Jahren einfach die Abteilung Attacke ohne Internet im Doppelpass und regelt das. So muss sich Stammtisch anfühlen. Quasi der vorgezogene Fassanstich auf der Wiesn. Und da misst sich auch die ganze Welt in einem ehrlichen Wettbewerb. Dort prostet der Uru dem Kanadier freundlich zu und am Ende einigt man sich unter der Bierbank auf ein Unentschieden (siehe auch Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, wenn das golden Goal nicht fallen will…). Dafür qualifiziert sich bestimmt auch der Oberbayer Julian gerne und lallt danach: „Jetzt müssen wir wieder ein ganzes Jahr warten bis wir voll weltmeisterlich voll werden.“
Das Runde muss ins Ovale
Ins Weiße Haus kommen wohl nicht nur Bettler und Hausierer, die frech rüstigen Rentnern Sicherheitsgarantien aus dem Sparstrumpf quatschen wollen. Nein, auch ganze Drückerkolonnen im Anzug werden bereitwillig und naiv hereingebeten. Und schon hat Opa etwas unterschrieben, was er vorher nicht genau durchgelesen hat. Einerseits, weil es bestimmt auch ein länger Text in 7 Punkt Schriftgröße war. Andererseits, weil Opa zu eitel war die Brille aufzusetzen. Der nette Mann von der FIFA hat aber einen ganz seriösen Eindruck gemacht und hat von drei Superbowls am Tag bei der WM 2026 geredet. Da kann man ihm schon mal nachsehen, dass der Ball immer noch viel zu rund ist und in jeder Halftime nicht mindestens drei Teslas beim Superschuss verlost werden. Aber das kann man bestimmt später noch rausverhandeln. Zwar gibt es Gerüchte, dass der „King of Soccer“ gar kein echter Adliger sei, aber das sind die nigerianischen Prinzen ja auch selten. Was soll also schon schief gehen? Die „White House Task Force“ wurde jedenfalls schneller gegründet als wir Samstag 10:30 Kopfgrätsche-Teams bilden können. In der ersten Amtszeit hatte Opa Donald diesen World Cup teuer eingekauft, aber es hatte ihm wohl keiner gesagt, dass die Lieferung ein paar Jahre dauert. Nun, dank seiner zweiten Amtszeit kann er sich das Spektakel doch noch live angucken. Vladimir hatte das schließlich 2018 auch geschafft. Nun also bringt er das Megaevent zum ersten mal in diesen Teil der Welt. Seine Lieblingsband die Village People hätten ihm eigentlich persönlich sagen müssen, dass sie schon einmal 1994 mit ein paar hüftsteifen Deutschen für ein Soccer-Turnier in Baseballstadien gesungen haben. Aber bei denen hat sich die Besetzung seitdem leider auch schon vier mal geändert. Egal, 2026 wird huge. Aktuell denken die Mexikaner und Kanadier noch, dass sie auch dieses Turnier ausrichten. Aber Grenzen sind keine kalibrierten Linien und können jederzeit vom VAR neu festgelegt werden. Als besonderen Wettbewerbsanreiz wird der POTUS persönlich im White House Keller bei langweiligen Ballschiebereien einfach neue Strafzölle beschließen, die der Schiedsrichter über das Stadionmikrofon verkünden muss. Mann kann nur hoffen, dass dieser nette Schweizer Superbowl auch richtig verstanden hat und nicht mit „Millions of People“ und drei superben Eulen anrückt.
Die Indianer von Köpenick
Mats und Julian gucken aktuell mal, was das denn für Länder sind, in die die WM 2026 vergeben wurde. Ist die Infrastruktur für ein solches Turnier überhaupt vorhanden oder müssen wir uns wieder als Fallback anbieten, wenn die das nicht packen? Okay, die letzte WM auf dem Kontinent war 1994 nur in den USA, aber obwohl wir uns als Titelverteidiger auf Jahrzehnte hinaus unschlagbar wähnten, sind wir ohne Pokal nach Hause gefahren. Da muss man doch mal kritisch prüfen, woran es gelegen haben könnte. Damals kamen die Spieler aus dem Osten dazu, das sind wohl diesmal die Kicker von Union Berlin, die man plötzlich wie ein indigenes Volk auf dem eigenen Staatsterritorium entdeckt hat. Im WM-Kader damals waren mit Sammer und Kirsten aber auch nur zwei Ossis und die konnten ausnahmsweise nichts dafür, dass Effes Finger zu lang und Icke Häßler zu kurz war. 2026 müssen die USA hoffentlich nicht mehr ihre Baseballstadien umfunktionieren. Einige sahen ja aus wie unsere Spielstätte an der Bürgermeister-Haupt-Straße – ein umfunktionierter Basketballcourt mit fetten Linien aber ohne Tore. Eine weitere Anreise zur Kapitänspromenade wird wohl auch diesem Samstag (10:30) alternativlos sein. Die USA muss den Wunsch nach 16 Highend-Spielorten zum Glück nicht allein erfüllen. Sie haben schließlich auch Partner mit Fußballexpertise dabei. Und 1986 hat Mexiko noch allein solch ein Turnier gewuppt. Das kann man sich mit Hinblick auf die Entscheidung für die Spielorte 2030 kaum noch vorstellen. Muss man bei 6 Gastgebern überhaupt noch eine Qualifikation ausspielen? Zwei Gruppen sind doch quasi schon voll. Zum Glück hat die Fifa auch darauf Antworten und stockt das Teilnehmerfeld ab der nächsten WM von 32 auf 48 Mannschaften auf. Es warten also 104 tolle Spiele in 40 Tagen auf uns und ich will alle sehen. Das wird doch die letzte echte WM, die man gucken darf, bevor es nur noch Geldschneiderei mit korrupten autokratischen Regimen ist. Oder die vorletzte?
Ballon d’Orbit
Woran denkt ihr, wenn ihr einen Ball auf euch zufliegen seht? Natürlich hofft man, dass seine Flugkurve in naher Zukunft an einem der eigenen Füße endet und sich im Idealfall dort sanft andockt und nicht wie ein Flummi bockig wegspringt. Wenn der erste Kontakt erfolgreich gelungen ist, kann schließlich der nächste Schritt für den Einzelnen, aber vielleicht ein großer Schritt für die Mannschaft, passieren. Die sanfte Landung entscheidet darüber, ob der Ball in eine neue Umlaufbahn eintritt, die ihn in die unendlichen Weiten des Strafraums führt, wo er sich nah am Ziel seiner Mission bewegt. Passiert er die Begrenzung unseres Raums und tut er das mit idealer Rotationsgeschwindigkeit landet er im Bereich der Antimaterie, was sich direkt in Jubelenergie transformiert und nebenbei auch einen Effekt auf den Spielstand hat. Allerdings wird nach Erreichen dieses Missionsziels sofort der nächste Versuch gestartet, den Ball aus dem Sektor jenseits der Grenzen des Raumes zu holen und ihn auf einen neuen Kurs zu schicken. Falls er nicht durch ein schwarzes Loch im Zaun rutscht und ungebremst Richtung Milch- oder Bürgermeister-Haupt-Straße schießt. Andere fühlen sich allerdings bedroht, wenn sie einen Ball über ihren Köpfen schweben sehen. Sie nehmen ihn nicht an oder schicken ihn zurück. Sie zerstören ihn und beenden das Spiel. Dass die USA als Ausrichter der nächsten WM überfordert sind, wenn ein chinesischer Ball in ihre Nähe kommt, zeigt, dass es dort noch einiges an Konfrontationstherapie bis 2026 bedarf. Wir versuchen Samstag 10:30 den einen oder anderen Ball in den Orbit zu befördern. Wahrscheinlich reicht es nur bis nach Schwerin, aber vielleicht sind die Schweriner eher bereit, den Ball zurückzuspielen.
Todesgruppenzwang
Was waren das bisher für Fußballweltmeisterschaften? Eine Handvoll Mannschaften spielte den Weltmeister aus. Teilweise waren die Gastgeber und Titelverteidiger schon qualifiziert. Und viele mussten in Quali-Todesgruppen tragisch scheitern, weil die besten Spieler sich für den Audi-Cup schonten. Aber das ist jetzt vorbei. Dank Don Gianni Infantino kullern die Eliten endlich unrund aus ihrer Filterblase. Argentinien, Brasilien, Italien, Frankreich und Deutschland können sich schon mental mit einem blamablen Vorrundenaus gegen Usbekistan oder Holland beschäftigen. Wenn 2014 schon 2026 gewesen wäre, wären die Usbeken sicher dabei gewesen. Genauso wie Venezuela, Panama, Oman, Burkina Faso oder Katar. Eine WM-Teilnahme war noch nie so nah. Und da Katar 2026 als erneuter Gastgeber und Titelverteidiger sowieso dabei ist, kann ja jeder die Reihe der WM-Debütanten weiterspinnen. Also nur falls irgendjemand eine zusätzliche Motivation für Samstag 10:30 braucht. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, werden die wir allerdings die Umstände der Antarktis simulieren. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die WM 2026 dann doch nicht erneut in der Wüste stattfindet.