Stay at the Kopf-Grä-Tsch-Ee (Samstag 10:30)

Dass es so episch werden würde, konnte ja niemand ahnen. Auch eine Woche nach der WM-Auslosung sind einige noch nicht aus diesem Fiebertraum aufgewacht. Gerüchten zufolge steht Rudi Völler noch immer in der Halle in Washington und klatscht einsam zur Musik der Village People. Bei ihm wurde natürlich ein dreißig Jahre altes Trauma freigelegt, als er bei Wetten dass…? vor der WM 1994 seine steifen Hüften zu „Far away in America“ kreisen lassen musste. Der Klinsi war damals so sehr dabei, da musste Rudi einfach nachziehen, um seinen Stammplatz im Sturm zu verteidigen. Aber vielleicht war er auch nur paralysiert von der unglaublichen Moderation Gianni Infantinos. Und Rudi hatte eine Vision von der nächsten WM-Auslosung, bei der Infantino sehr wahrscheinlich auf offener Bühne live ein paar Journalisten zersägen wird, um den Gastgebern ein gutes Gefühl zu geben. Den Peace-Pokal mit den abgesägten Händen kann er da noch einmal recyceln. Auch wenn Donald Trump das Konzept Wanderpokal natürlich komplett ablehnt. Spätestens jetzt vermissen wir Marcel Reich-Ranicki, der nach einer missglückten Fernsehpreisverleihungssendung 2008 rief: „Ich nehme diesen Preis nicht an! Ich gehöre nicht in diese Reihe. Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste.“ Nun, nach dem letzten Freitag muss man ehrlicherweise sagen: so schlimm war der Fernsehpreis damals nicht. Am Ende musste Thomas Gottschalk, der damals noch nicht die Eklats bei Preisverleihungen selbst auslöste, die Kuh vom Eis ziehen und zwischen Fernsehdeutschland und dem Literaturkritiker vermitteln. Dafür gab es tatsächlich eine Extra-Sendung mit dem Titel: „Aus gegebenem Anlass – Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk.“ Village People waren nicht eingeladen. 

Die Indianer von Köpenick

Mats und Julian gucken aktuell mal, was das denn für Länder sind, in die die WM 2026 vergeben wurde. Ist die Infrastruktur für ein solches Turnier überhaupt vorhanden oder müssen wir uns wieder als Fallback anbieten, wenn die das nicht packen? Okay, die letzte WM auf dem Kontinent war 1994 nur in den USA, aber obwohl wir uns als Titelverteidiger auf Jahrzehnte hinaus unschlagbar wähnten, sind wir ohne Pokal nach Hause gefahren. Da muss man doch mal kritisch prüfen, woran es gelegen haben könnte. Damals kamen die Spieler aus dem Osten dazu, das sind wohl diesmal die Kicker von Union Berlin, die man plötzlich wie ein indigenes Volk auf dem eigenen Staatsterritorium entdeckt hat. Im WM-Kader damals waren mit Sammer und Kirsten aber auch nur zwei Ossis und die konnten ausnahmsweise nichts dafür, dass Effes Finger zu lang und Icke Häßler zu kurz war. 2026 müssen die USA hoffentlich nicht mehr ihre Baseballstadien umfunktionieren. Einige sahen ja aus wie unsere Spielstätte an der Bürgermeister-Haupt-Straße  – ein umfunktionierter Basketballcourt mit fetten Linien aber ohne Tore. Eine weitere Anreise zur Kapitänspromenade wird wohl auch diesem Samstag (10:30) alternativlos sein. Die USA muss den Wunsch nach 16 Highend-Spielorten zum Glück nicht allein erfüllen. Sie haben schließlich auch Partner mit Fußballexpertise dabei. Und 1986 hat Mexiko noch allein solch ein Turnier gewuppt. Das kann man sich mit Hinblick auf die Entscheidung für die Spielorte 2030 kaum noch vorstellen. Muss man bei 6 Gastgebern überhaupt noch eine Qualifikation ausspielen? Zwei Gruppen sind doch quasi schon voll. Zum Glück hat die Fifa auch darauf Antworten und stockt das Teilnehmerfeld ab der nächsten WM von 32 auf 48 Mannschaften auf. Es warten also 104 tolle Spiele in 40 Tagen auf uns und ich will alle sehen. Das wird doch die letzte echte WM, die man gucken darf, bevor es nur noch Geldschneiderei mit korrupten autokratischen Regimen ist. Oder die vorletzte?

Far away in America drübbe

Vor knapp 30 Jahren waren wir mit Effe und Mario schon mal „drübbe“ und wahrscheinlich sind wir sogar Weldmeisda oder so was ähnliches gewodde. Jedenfalls wird dieses Ergebnis im Kopf vom Mario mit jedem Dopa-Weizen wahrscheinlicher. Nun bringen wir diesen Wilden bei der DFB-USA-Reise ein weiteres mal das Fußball-ABC. Trotz Messi im Miami spielen die immer noch zu viel mit den Händen. Ganz praktisch, wenn man nicht so gut zu Fuß ist (so wie ich Samstag 10:30), aber dann nennt das doch bitte nicht Football. Die Hände sind zum Klatschen da, z.B. zu fetziger Musik. Und weil die Village People vor 45 Jahren einmal eine angesagte Band waren, hat sie der DFB 15 Jahre später natürlich sofort nominiert, um den deutschen WM-Song einzusingen. Das Songwriting ist natürlich absolut weltmeisterlich und konnte keinem Amerikaner überlassen werden. ESC-Hit-Garant Ralph Siegel persönlich hat hier seinen Füllfederhalter leer geschrieben, um uns nicht nur auf den Fußballthron sondern auch an die Spitze der Musikcharts zu führen. Oder auf Platz 44 (Böörti Böörti Vogts von Blöödelbarde Stefan Raab schaffte schließlich auch nur Platz 4), aber im Kopf von Ralph Siegel war es mindestens eine goldene Schallplatte. Hören / lesen wir doch einfach noch einmal rein:

There’s a time you can’t go wrong,
when your heart arrives in America
And you know the game is on,
that will change your life in America
It’s a land so wild and free,
calling out for you and me
When you want some action,
that’s the way it’s gotta be
And you’ll find out if you stay,
you’ll be making friends in America today
Okay!

Far away in America, we’re gonna make it,
find the chance and take it
Away in America, we’re gonna make it,
get it out and shake it
You’re gonna fight for the light, make it
Come on and go, it’s alright
Far away in America
Far away in America
Let’s go!

It’s a tough man’s paradise,
take a flight or ride in America
There’s a rainbow in your eyes
on the other side of America,
It’s a land so great and wide,
touching you deep inside
Everybody’s watching, all you got to do is try
Take your dream and hold it tight,
you’ll get all you need in America tonight!
Alright!