Der Herr noch was an Wurst dazu?

Läuft euch auch schon das Wasser im Mund zusammen? WM-Zeit ist auch die Zeit, in der die Chance hoch ist, dass die BILD Fußball und Kulinarik gemeinsam denkt. Meistens dann, wenn die Enttäuschung groß ist, übernehmen die Frustesser in der Redaktion. Z.B. 2004 als die deutsche Elf in Bukarest von Rumänien „1:5 abgebraten“ wurde. Die „Wurst-Truppe“ bestand aus 11 unterschiedlichen Wurstspezialitäten und sehr wahrscheinlich wurde hier die Grundlage für diverse spätere Entschuldigung-Grillerchen des HSV gelegt. Das „Debakel von Bukarest“ war zwar nur ein Testspiel, aber für Rudi Völler war es doch ein echter Tiefpunkt. Nicht wie dieses Unentschieden auf Island ein halbes Jahr zuvor, nach dem er Waldi Hartmann zum „Weizen-Waldi“ machte und somit wahrscheinlich seinen Abstieg zum peinlichen Nius-Onkel einleitete. Einige der Bundes-Würste fanden sich zwei Jahre später unter Jürgen Klinsmann auf einer Pizza wieder. Philipp Lahm, Torsten Frings, Arne Friedrich und Bernd Schneider bekamen nach der 1:4 Testspielniederlage gegen Italien in Florenz vor der Sommermärchen-WM eine Anschlussverwendung. Was nur logisch ist, weil Pizza auch ein ideales und nachhaltiges Reste-Essen ist. Man sollte nur nicht zu viele Zutaten drauf tun. Trotzdem musste „Salami-Ballack“ diesmal eine Wurst sein. Und die Frage der BILD „Kann ich mich noch zum Italiener trauen?“ beantwortet sich mit dem Blick auf „Ananas Lahm“ eigentlich von selbst. Dennoch spekulierte die BILD, ob nicht Didi Hamann auch bekannt als „Didi-Null-Bock-Wurst“ Deutschland retten könnte. Jürgen Klinsmann sagte nein, Didi wurde zu „Didi-beleidigte-Leberwurst“, trat aus dem Kochclub aus, Deutschland kam bis ins Halbfinale. Da jubelten wieder die Italiener, aber die BILD war zu stolz für einen Nachtisch. Zwischen unseren nächsten Testspielterminen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 muss die Nagelsmann-Elf noch gegen die USA ran. Bei BILD sammelt man schon fleißig 11 Burger-Zutaten und ihr könnt ja schon schon einmal darauf wetten, wer diesmal eine Gurke sein muss.  

Studio 54, 74, 90, 2006

„Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.“ Und wenn das Kind dann noch Fußball spielt (z.B. Samstag 10:30) freut sich der liebe Gott noch viel mehr. Weil er ja manchmal sogar ein Fußballgott ist. Am Ende darf nur dieser Kaiser abberufen, auch aus Ländern, in denen die Monarchie schon lange abgeschafft scheint. Die Huldigungen für den letzten Kaiser hatten dort ausnahmsweise nicht einmal etwas mit Reichsbürgertum zu tun. Und das ist doch immerhin schon etwas in diesen Zeiten. Es war eher fast unschuldig eine Marke, die Franz Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan sehr bereitwillig zur Positionierung der Personal Brand Kaiser Beckenbauer eingesetzt haben. Damals war der Franz damit im Studio 54, heute wäre er damit auf LinkedIn unterwegs, so wie Philipp Lahm oder Olli Bierhoff. Aber damals war das frisches Marketing, das eher untypisch für den Fußball seiner Zeit war. Es gab ja nicht einmal konsequent WM- und EM-Maskottchen für jedes Turnier, das von Einkaufswagenchips und Schulranzen grüßte. Und im Rückblick auf die WM 2006 wollen wir uns doch trotz der unschönen Geschichte mit den Millionen (Joa mei…) lieber an den Kaiser als WM-Maskottchen erinnern, als an diesen peinlichen Wookie ohne (Spendier)Hose. Das Maskottchen in diesem Jahr hat eine Hose, die ihn im aktuellen Marketingangebot aus dem Hause Fußball aber auch nicht mehr großartig herausheben wird. Bei der Namenswahl wollten die Kunden nicht einmal für „Herzi von Bär“ als Vorschlag stimmen. Wir müssen es wohl als Indiz dafür sehen, dass die Zeit des Fußball-Adels hierzulande endgültig vorbei ist. Sein „Geht’s raus und spielt’s Fußball.“ ist als Dekret des Kaisers vielleicht totzitiert, aber dennoch immer noch wahr. Samstag 10:30 mehr denn je. Es gibt Kaiserwetter.