„Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.“ Und wenn das Kind dann noch Fußball spielt (z.B. Samstag 10:30) freut sich der liebe Gott noch viel mehr. Weil er ja manchmal sogar ein Fußballgott ist. Am Ende darf nur dieser Kaiser abberufen, auch aus Ländern, in denen die Monarchie schon lange abgeschafft scheint. Die Huldigungen für den letzten Kaiser hatten dort ausnahmsweise nicht einmal etwas mit Reichsbürgertum zu tun. Und das ist doch immerhin schon etwas in diesen Zeiten. Es war eher fast unschuldig eine Marke, die Franz Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan sehr bereitwillig zur Positionierung der Personal Brand Kaiser Beckenbauer eingesetzt haben. Damals war der Franz damit im Studio 54, heute wäre er damit auf LinkedIn unterwegs, so wie Philipp Lahm oder Olli Bierhoff. Aber damals war das frisches Marketing, das eher untypisch für den Fußball seiner Zeit war. Es gab ja nicht einmal konsequent WM- und EM-Maskottchen für jedes Turnier, das von Einkaufswagenchips und Schulranzen grüßte. Und im Rückblick auf die WM 2006 wollen wir uns doch trotz der unschönen Geschichte mit den Millionen (Joa mei…) lieber an den Kaiser als WM-Maskottchen erinnern, als an diesen peinlichen Wookie ohne (Spendier)Hose. Das Maskottchen in diesem Jahr hat eine Hose, die ihn im aktuellen Marketingangebot aus dem Hause Fußball aber auch nicht mehr großartig herausheben wird. Bei der Namenswahl wollten die Kunden nicht einmal für „Herzi von Bär“ als Vorschlag stimmen. Wir müssen es wohl als Indiz dafür sehen, dass die Zeit des Fußball-Adels hierzulande endgültig vorbei ist. Sein „Geht’s raus und spielt’s Fußball.“ ist als Dekret des Kaisers vielleicht totzitiert, aber dennoch immer noch wahr. Samstag 10:30 mehr denn je. Es gibt Kaiserwetter.