Alligator, Agitator und Tor

Nach der maximalen Depression im Sommer hat der DFB gestern doch noch für Erfolgsmeldungen in diesem Jahr gesorgt. Mit der erfolgreichen EM2024-Bewerbung haben sie erreicht, dass in den nächsten sechs Jahren nicht über ein anderes Land gelästert werden kann, weil es mit den Stadionausbauten und -sanierungen dem Zeitplan hinterherhinkt. Stattdessen darf Philipp Lahm das machen, was er schon als Aktiver gut konnte: die Lage mit nichtssagenden Worthülsen schönreden. Wahrscheinlich exklusiv auf LinkedIn. Dort wo auch Oliver Bierhoff seine Stakeholder trifft. Dabei ist in der Türkei durchaus jetzt schon das eine oder andere Stadion EM-reif. Und auch so mancher Bolzplatz macht neidisch, wie diese Woche Yiğit mit Bildern aus Bursa bewiesen hat. Die Timsah Arena in Bursa verfügt zudem über einen ganz besonderen Knüller. Seit diesem Jahr hat das Stadion einen Krokodilkopf. Der war von Anfang an geplant, fehlte aber noch 2015 als das Stadion eröffnet wurde. Seit Mai 2018 spielen die grünen Krokodile von Bursaspor nun endlich mit Köpfchen. Darauf ist man bei anderen Stadien noch nicht gekommen. Das Kölner Stadion mit Geißbock- oder die Leipziger Arena mit Bullenkopf hätten doch auch was. Oder man könnte wenigstens den Rasen im Berliner Olympiastadion in den Farben von Herthinhos Frisur färben. Der Krater im Strafraum unseres Bolzplatzes (Samstag 10:30) ist immerhin schon beinahe so groß, dass fast nur noch der Kopf des Torwarts hinausschaut. Kurioserweise fehlte im EM-Bewerbungsvideo der Türkei der Krokodilkopf von Bursa. Mit ihm wäre es eventuell anders ausgegangen. Philipp Lahm hat jetzt ja noch sechs Jahre Zeit sich eine ähnlich coole Lösung zu überlegen. Wir werden es erfahren. Auf LinkedIn.

 

Lahm Duck

Jahrelang führt er einem vor Augen, was man selbst alles falsch gemacht hat auf dem Weg zum Weltklasse-Fußballer. Und als ob das noch nicht genug ist, verlässt Philipp Lahm das Feld auch noch in einem Zustand, den wir nie erreichten. In einem Alter, wo unsereins noch geglaubt hat, dass das mit der Weltkarriere jeden Moment losgehen müsste. Das verhöhnt doch den gemeinen Kopfgrätscher mehr als es jedes Plakat auf der Dortmunder Südtribüne könnte. Vielleicht haben wir nicht genug Stolz, um zu verhindern, dass Talente, die halb so alt sind wie wir (aber trotzdem älter aussehen als Philipp) uns Talentfreiheit und Alter in jedem Spielzug vor Augen führen. Aber dann prallt plötzlich bei einer Ecke der Ball blöd auf und plötzlich steht man vorm leeren Tor und schiebt mit dem Schienbein ein. In dem Moment ist das Gefühl doch ganz nah an dem was Philipp mit dem Weltmeisterpokal in der Hand in Rio gehabt haben muss. Oder wenigstens an dem, das er jedes Jahr mit der Meisterschale auf dem Marienplatz hat. Naja, vielleicht auch nur was der Telekom-Cup so bei ihm auslöst. Die traurige Wahrheit ist wahrscheinlich, dass er sich im Alter von 33 komplett leergejubelt hat. Wenn ihr noch etwas Jubel in euch übrig habt, ich kenne einen Ort, an dem dieser Samstag 10:30 besonders gut zur Geltung kommt.