Natürlich ist Fußball an einem Feiertag (Samstag 10:30) immer auch eine Steilvorlage, der man versucht mit kürbisrotem Kopf hinterherzuasten. Und wenn dann auch noch Reformationstag ist, könnte man meinen: ausgerechnet! Ein Sport, der sich so oft reformiert, aber im Grunde immer zum Schlimmeren. Und nirgendwo scheint ein Reformatooor, der während einer sechsstündigen Ballon d’Or Verleihung oder meinetwegen nur bei der nächsten Verleihung des Peace Prize ein paar steile Thesen an die Tür einer Veranstaltungshalle oder Luxushotels nagelt. Alles kann immer noch absurder werden. Und selbst, wenn irgendwo mal ein vermeintliches Stopp-Schild gesetzt wird, kann man daraus immer noch etwas Vermarktbares machen. Die Bestrafung von Manchester City wird ganz sicher in einer sehr unterhaltsamen Streamingserie gipfeln, die ihren Weg zurück an die Spitze feiert. Es ist sowieso ein erstaunliches Phänomen im Fußball, dass der Zeitgeist fordert, dass es gewisse Vereine gibt, die eine zeitlang jede Häme und jeden Spott verdient haben und zu einem Synonym für das Scheitern an sich werden. Bis man ein neues gemeinsames Mobbingopfer gefunden hat und der geprügelte Verein in Ruhe wieder geläutert und nach genügend Leidenszeit den demütigen Weg zurück nach oben antreten darf. Zurück aus dem Hades, dem Totenreich, wo man aber meistens von den glanzvolleren Namen umgeben ist. In der Oberwelt warten dann doch leider nur Augsburg, Hoffenheim und der VAR. Wie in Dawn of the Dead: „In der Hölle ist kein Platz mehr, hat früher immer mein Großvater erzählt. Schon mal was von Macumba gehört oder Voodoo? Mein Großvater war ein Priester in Trinidad. Er pflegte zu sagen: ‚Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde‘.“ Insofern ist die Party im Reich der Toten meistens doch die bessere. Auch das sollte man bei der Hertha bedenken und diese Zweitligasaison noch ausgiebig genießen. Es wird nie wieder so ein schöner Rausch. Dazu passt, dass sie an Halloween bei den Roten Teufeln klingeln, um ihnen Saures zu geben. Logisch, dass man in Berlin keinen Reformationstag feiert.
Archiv für den Monat: Oktober 2026
24. Oktober 2026 – Goldene 1 statt Ballon d’Or
Rilke d’Or Wrapped
Angeblich hat der Herbst auch seine schönen Tage. Ob Samstag 10:30 einer davon angeboten wird, müssen wir uns morgen einmal kritisch angucken. Ansonsten ist es mit den Dingen, die man an diesen Tagen tut, etwas speziell. Die Musik, die man jetzt hört, wird oft nicht mehr groß etwas für das Spotify Wrapped verändern. Schließlich wird aus dem Geschmacksprofil schon demnächst ein launiges Clipgeballer erstellt, was scheinbar eine Menge Ragebait enthält. Der Eindruck entsteht, weil man oft schon längst vergessen hat, was man im Frühjahr oder während der WM gemacht hat. Oder wer in der Zeit irgendwelche Pokale gewonnen hat. Daran müssen sich aber noch die Jurymitglieder erinnern, die Montag den Ballon d’Or vergeben. Aber auch die haben ihr Urteil längst getroffen und können leider nicht mehr berücksichtigen, wenn ihr wie Harry Kane alle Positionen auf einmal auf dem Feld bekleidet. Diese Auszeichnung ist generell ungünstig für Leute, die besonders herausragend im Spätherbst sind. Rilke-Kenner Oliver Kahn kann diesen Unglücklichen nur mit auf den Weg geben: Wer jetzt kein Stadion hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt ohne Ballon d’Or ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Reels createn und wird in Strafräumen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. Das klingt doch auch nach einer ganz eigenen Schönheit, die einen vielleicht sogar an einem Samstagvormittag vor die Tür locken kann. Auf dem Weg dahin kann man sich ruhig anhören, ob Fontaines D.C. und ROSALÍA mit Where is gone? wirklich einen Herbstsong gemacht haben, der eigentlich auf ein Lana del Rey Album gehört. „I remember when they held me up against the summertime.“ Spotify wird sich beim Wrapped nicht daran erinnern.
17. Oktober 2026 – Dann macht es Rabimmel Rabammel Rabumm
Ronaldo, der Kampf geht weiter!
Die Nominierung des Mittwochs stand in der letzten offiziellen Spielankündigung schon arg auf der Kippe. Aber sie wurde noch offen gelassen und klar, durch gute Leistungen kann er sich natürlich jederzeit empfehlen. Um es mit Julian Nagelsmann zu sagen: er ist immerhin ein Finisher. Während der Samstag (10:30) auch gern nach drei Stunden immer noch vor sich hinspielt, ohne dass das letzte Tor fallen will, schafft der Mittwoch eiskalt Fakten, wenn man nichts mehr sieht, außer den langen Schatten vom Kunstrasenplatz. Jetzt versucht der Mittwoch nun aber doch mit allen Tricks seine Karriere zu verlängern. Wie Jesus (leider nur Jorge Jesus) habe ich dezent probiert, den alten Mittwoch wie Ronaldo aufs Abstellgleis zu schieben. Aber da möchte er nicht bleiben und versucht immer wieder hartnäckig aufzuerstehen wie der echte Messiahs, bzw. wie Ronaldo. Am Kagenmarkt wird sogar das ewige Licht für ihn angeknipst, damit man nicht auf Idee kommt, Mittwochs plötzlich heidnische Kürbisse zu schnitzen oder Plätzchen zu backen. Aber eine Einschränkung kann ich schon einmal machen: am Mittwoch den 23.12. muss ich vielleicht noch gottlose Geschenke basteln oder einkaufen gehen. Der Sonnenuntergang an dem Tag ist allerdings auch bereits 16 Uhr. Das Gute: nach der Wintersonnenwende werden die Tage dann schon wieder länger. Also alles lässt sich verlängern, wenn man lang genug durchhält. Insofern setzen wir fest darauf, dass Ronaldo auch Jesus übersteht (nur Jorge Jesus) wie wir die dunkle Jahreszeit. Was soll man auch anderes machen, wenn man den Moment für das eigene würdevolle Abschiedsspiel verpasst hat? Die nächste Spielankündigung im Gewand einer Durchhalteparole kommt bestimmt. Um es mit einer Band zu sagen, die vor 30 Jahren mit Hip Hop begann, um sich danach immer wieder neu zu erfinden: Bitte ziehen Sie durch!
10. Oktober 2026 – Games With Discussions

Zuallerst war es das Comeback von Ronald nach etwa 9,5 Jahren Kopfgrätsche-Abwesenheit (siehe 10. Mai 2019 – Löwenzahn). Kaum waren ihm die Kopfgrätsche-Regeln erklärt, wurden sie von den Mitspielern in Frage gestellt. Sogar ein Platzstreik folgte. Kaum ein Spiel endete ohne Diskussionen. Es gab schon bessere Kopfgrätsche-Samstage.
03. Oktober 2026 – Campus-Lauf und Legenden-Geburtstag

Während der gepflegten Samstags-Kopfgrätsche lief der Campus-Lauf der Hochschule Wismar. Mindestens zwei Kopfgrätscher haben daran teilgenommen (siehe Ergebnis-Liste): Daniel wurde gesichtet und Kai wurde sogar Zweiter:

Wer aber auch anderweitig beschäftigt war: Kopfgrätsche-Legende Jürgen. Weil er im Ausland weilte, erfolgten die Geburtstagsgrüße (für das Jahr 2026 durchaus üblich) per Videobotschaft.


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