Hält nur zum Aussteigen

Anfang August und ihr wisst, was das bedeutet. Richtig, Start der Generalsanierung der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Berlin. Und weil natürlich just am ersten Augusttag auch die Zweite Liga startet, ist man erst einmal heilfroh, dass der HSV in die erste Liga aufgestiegen ist. Somit müssen die Herthaner die Saison allerdings in Gelsenkirchen eröffnen. Auch da kommt man aber mit dem Deutschlandticket ab heute nicht mehr hin. Und damit wird den Fußballfans ihre zweite Leidenschaft genommen: ohne Extrakosten eine für sich schon ziemlich heruntergerockte Regionalbahn komplett in ihre Einzelzeile zu zerlegen. Wo kann man sonst das Rausreißen von Sitzschalen und das Zerschlagen von sanitären Anlagen unter Wettkampfbedingungen trainieren? Stattdessen sitzen viele Fans bereits schon jetzt im Schienenersatzverkehrbus auf der Transitstrecke und trinken jede Raststelle leer. In der Regionalbahn fehlt ja leider auch das Bordbistro, wo man noch ein kleines Bier für 6 Euro nachkaufen kann, falls einem da der Nachschub ausgegangen ist. Aber der Bus hält oft genug, um Zustieg in jedem Marktflecken zu ermöglichen, der von der Bahn nicht einmal als Bedarfshalt angefahren wird, so dass die Generalsanierung eigentlich ein gutes Konjunkturpaket für jeden Dorfkonsum sein sollte. Auf der Rückfahrt dann das Gleiche in umgekehrter Reihenfolge, nur dass jeder Ort seine Betrunkenen ohne Durst und oft genug auch ohne Erfolgserlebnis wieder zurück bekommt. Es sei denn, es gab auf dem Rückweg noch irgendwo eine Einkehr an einem Verkehrsknotenpunkt, an dem man Erzfeinden, die sich auch auf Auswärtsfahrt aus einer anderen Richtung befanden, eins auf die Mappe geben konnte. Auch etwas, was auf der Schiene aufgrund unplanbarer Umsteigezeiten eher selten umsetzbar ist. Plan- und umsetzbar ist Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Wir hoffen auf hohe Auslastung und empfehlen die Anreise mit dem Fahrrad, Nahbus oder einfach mit dem eigenen Bus.     

Medizinball auf Bistrotisch

Bis zur Stunde ist noch nicht klar, ob er nicht doch wieder auftaucht (wie wir jeden Samstag 10:30 auf dem roten Platzt). Beim HSV wird auf jeden Fall heftig diskutiert, ob man der Forderung von Investor Kühne nachgeben muss und einfach mal seine Festnetznummer wählen soll. Die Medizinbälle sollten doch noch irgendwo hinten in der Turnhalle liegen. Und beim letzten mal vor zwei Jahren, als ihn die alte Dame wach küsste, hat er es nicht schlecht gemacht. Immerhin war auch der HSV in der Relegation und wäre bestimmt sogar aufgestiegen, wenn nicht Felix Magath bei den Herthanern Angst und Schrecken verbreitet hätte. Es ist also nur legitim zu überlegen, ob nicht diesmal Quälix der Retter des HSV sein muss. Jedenfalls, wenn man ein Multimilliardär von 86 Jahren ist. Da vertraut man doch lieber einem frischen 70-Jährigen als einem Greenhorn, das nicht einmal halb so alt ist. Und der FCK hat einem schließlich gerade den vorletzten Nicht-Laptop-Trainer weggeschnappt. Beim Namen Felix Magath denkt man in Hamburg natürlich an eine gewisse glorreiche Nacht 1983 in Athen. Vierzig Jahre danach taumelt der Verein in jedem Frühjahr regelmäßig aus den Aufstiegsrängen zur ersten Liga. Als Magath in den Neunzigern Trainer an der Müllverbrennungsanlage war, war der HSV zwar auch in Abstiegsgefahr, aber er hat sich immer irgendwie retten können. Und damals gab es nicht einmal eine Relegation. Laptops waren noch exotisch und passten auf keinen Bistrotisch in Straßencafés. Jetzt sollten Kühne und der HSV aber schnell handeln und einen berittenen Boten den Hügel der Leiden hochscheuchen. Sonst sind die Südkoreaner zuerst da. Die haben schließlich grad Laptop-Klinsi vor die Tür gesetzt und brauchen dringend etwas Abwechslung. 

Lange Leine

Nagelsmann gut und schön, aber den besten Trainer haben sie beim DFB den Herren vorenthalten. Sie wollten ihn wohl exklusiv für das spannendere Projekt im Verband aufheben. Nun trainiert Horst Hrubesch also die DFB-Frauen und man wundert sich, warum so ein anerkannter und erfolgreicher Experte bei Bedarf immer so einfach als Nothammer aus der Halterung genommen werden kann. Ansonsten läuft er aber bis zu jeder Inthronisierung unter allen Radaren, weil er wahrscheinlich gerade immer beim Angeln ist, wenn über Traineralternativen diskutiert wird. Nagelsmann geht zum Skifahren, Angelsmann Horst holt die Rute raus. Wenn er sagt: „Wer im Fernsehen und in der Werbung auftaucht, von dem erwarte ich mehr als von den anderen“, kann man das im Umkehrschluss auch auf ihn anwenden. Er taucht einfach medial nicht auf, wenn er nicht gerade an der Seitenlinie steht. Deshalb übertrifft er regelmäßig niedrigste Erwartungen. Seine Vorgängerin hat viele nicht nur optisch an einen ehemaligen DFB-und Hertha-Teamchef erinnert. Ihr Abgang war auch ähnlich skurril wie der von Facebook-Live-Roaster Klinsi in Berlin. Danach musste man sich damals auch dort mit einem knurrigen Kulttrainer therapieren. Pal Dardai ist fast so etwas wie der ungarische Horst Hrubesch. Steht sowieso noch auf der Gehaltsliste, hat kultige Hobbies und wirkt wie ein Dinosaurier. Aber immer wenn man zu hoch geflogen und tief abgestürzt ist, brauch man so eine wettergegerbte Eiche, die in der Lage ist stundenlang ruhig auf eine Angel zu schauen ohne das Smartphone herauszunehmen. Ich mache den Autor des Buches „Dorschangeln vom Boot und an den Küsten“ zu meinem Spirit Animal während ich geduldig darauf warte, dass ich an irgendeinem Samstag 10:30, an dem niemand mit mir rechnet, wieder ins Geschehen eingreifen kann. Petri Heil.    

Niveau ist die Geld?

Eine aktuelle sportliche Situation kann man natürlich auch finanziell erklären. Oder wie Pal Dardai es ausdrücken würde und auch getan hat: „Wie soll ich sagen? Die Geld ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“ Und das klingt natürlich dramatisch, wo wir doch erst gefühlt vor Kurzem darüber lustvoll spekuliert haben, für wen die Windhorst-Millionen demnächst zum Fenster hinausgeworfen werden. Aber Geld ist selten weg, es ist nur meist woanders, wo man schwer rankommt. Man könnte es in Saudi-Arabien vermuten, dort kommt es offensichtlich gerade aus dem Hahn. Auch hier werden Spieler über dem Marktpreis eingekauft, um davon abzulenken, dass die sportliche Relevanz und Strahlkraft nicht ganz so dazu passen. Mit Geld lässt sich die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit dann doch leichter ignorieren. Um die Saudis muss man sich dann aber langfristig weniger Sorgen machen als um die Hertha. Und immerhin klingt Pal Dardai noch nicht wie Ernst Middendorp, der in Meppen klar gemacht hat, dass sein Anspruch sehr viel höher ist. Auch in der Regionalliga spielen wohl immer häufiger Amateure, die nicht einmal Power-Ernst als Animateur zu professionellem Verhalten animieren kann. Er hat es sehr eloquent ausgedrückt, hätte aber auch einfach sagen können: „Wie soll ich sagen. Die Professionalität ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“ Aber Ernst suchte ja offensichtlich nach Gründen, um hinzuwerfen. Ob er wiederkommt, hängt sehr davon ab, wann Arminia Bielefeld und er sich wieder auf einem Niveau wähnen. So hat es jahrelang schließlich auch mit Hertha und Pal funktioniert. Manchmal fühlte sich die Hertha zu groß für den kleinen Pal, aber aktuell ist er wieder gut genug, weil er nicht zu viele finanzielle Fragen stellt. Dass ich das Kopfgrätsche-Niveau (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00) und mein Niveau aktuell noch im Einklang wähne, erkennt ihr an meiner Erklärung zum aktuellen Spielfeld-Status: „Wie soll ich sagen. Die Tor ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“     

Herthinho Matata

Jetzt haben wir uns letzte Woche gerade erst auf einen Namen für diesen Bären geeinigt und nun kommt hier schon das nächste exotische Tier um die Ecke gestreunt. Stand jetzt wird die Löwin von Kleinmachnow immer noch wie wild gesucht, weil noch nicht alles Gags zu dem Thema gemacht wurden und weil man der Meinung ist, so eine Raubkatze passt jetzt nicht unbedingt nach Berlin. Exotische Fische auf der Straße sind noch in Ordnung. Aber die anderen Tiere, die nun alle eine Stufe in der Nahrungskette abgerutscht sind, finden das jetzt auch nicht so cool. Herthinho wurde auch sicherheitshalber eingeschlossen. Er wird schließlich ab nächster Woche im Hertha-Mittelfeld dringend gebraucht. Begegnungen oder auch Verwechslungen mit der Löwin kämen für ihn zur Unzeit. Die Rolle als unscharf dokumentiertes Sommerlochtier füllt die Löwin aber sehr gut aus. Kaiman Sammy wäre stolz und der hat immerhin nur einen Baggersee okkupiert. Die Katze mag jetzt eher kein Wasser, aber da kommt ihr die Steppe von Brandenburg  natürlich entgegen. Wir müssen jetzt aber nicht damit rechnen, dass uns beim regelmäßigen Suchen des Balls im Unterholz (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) ein paar Katzenaugen anfunkeln. Dennoch empfiehlt es sich weder Löwen noch Mitspieler laut anzubrüllen oder ihnen Schläge anzudrohen. Also am besten das vermeiden was Javid als „Casino“ bezeichnet. Ob er dabei jetzt an Siegfried und Roy wegen der Löwen gedacht hat oder an das lose Mundwerk von Joe Pesci, ist noch zu klären. Aber am besten nonverbal und ohne hektische Bewegungen. Wir versuchen einfach den Eindruck zu erwecken wir wären ganz durchschnittlich talentierte, zähe Freizeitkicker mit dürren Beinen und keine leckeren Rummelboxer. Das gilt auch für Marius Gersbeck.

777 Nation Army

Der Name Big City Club ist jetzt also offiziell wieder frei. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob wir ihn Samstag 10:30 gebrauchen können. Er klingt zwar nicht schlecht und die Leute konnten ihn sich auch ganz gut merken, aber fast keiner hat es geschafft ihn ernst auszusprechen. Er war dann doch ein untrügliches Zeichen dafür, dass Selbst- und Fremdbild relativ weit auseinander lagen. Aber das möchte man in Berlin nun besser machen. Während die Hauptstadt nun auch politisch etwas Neues ausprobieren möchte und eine großen Koalition bastelt, die weniger den Fokus auf verkehrsberuhigte aber dafür auf nach Altkanzlern der Einheit benannte Straßen legt, wagt auch Hertha den Neustart. Und der soll viel bescheidener daherkommen als unter Lars Windhorst. Der darf sich als alter Kohlspezi vielleicht noch über den hochmodernen Dr.-Helmut-Kohl-Speedway freuen, aber ansonsten braucht ihn an der Spree niemand mehr. Also eigentlich brauchte man auch nur sein Geld und das könnte man weiterhin natürlich gut gebrauchen. Aber die Hertha hat innovative Ideen, wie sie sich die neue Eckkneipen-Bescheidenheit leisten kann. 777 Partners ist der frische Anteilseigner und die haben wenigsten etwas Ahnung von Fußball. Schließlich ist Hertha nicht der einzige Klub, in den 777 Partners investiert. Genua, Rio de Janeiro, Paris, Lüttich, Sevilla und Melbourne begrüßen Berlin in ihrem neuen Big City Club. Und das ohne eine eklig schmeckende Brause zu vermarkten. Bei Red Bull reagiert man seit dieser Woche auf die Zahl 7 allerdings auch leicht allergisch. Für die 64,7% begnügt sich 777 mit je 2 Sitzen im Aufsichts- und Gesellschaftsbeirat. Was soll schon schiefgehen? Wenn man es schafft, windige Gesellen wie Jens Lehmann vom Berliner Westend fern zu halten, wird diesmal bestimmt alles gut. Vielleicht hilft es, um das Olympiastadion herum ein paar verkehrsberuhigte Zonen einzuführen.   

Notte Macchiato

Nachdem wir schon für die eine Stürmerlegende der Weltmeister von 1990 erfolgreich eine Anschlussverwendung gefunden haben, ist nun seit dieser Woche klar, dass auch sein Partner im Strafraum endlich wieder einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen kann. Rudi Völler hat mit dem Sportdirektorposten beim DFB bewiesen, dass es mehr als einen von seiner Art geben muss, nachdem er als Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen ja eigentlich in Rente gegangen war. Er war auch 1990 einer der Italienlegionäre, der in seiner Stadt Rom den WM-Pokal in den Himmel einer dieser Notti magiche recken konnte. Als ewiger Römer hat er natürlich eine Italienerin als Lebenspartnerin und Latte Macchiato als Kindergetränk kennengelernt. Sein Sturmpartner im Trikot der Nationalmannschaft spielte zur gleichen Zeit für Inter Mailand und seit dieser Woche ist der polyglotte Klinsmann endlich weg von Facebook Live. Wir dürfen gespannt sein auf welchen Social-Media-Kanälen er nun die südkoreanischen Fans mit Insights versorgt. Sein Aus bei der Hertha ist tatsächlich auch schon wieder 3 Jahre her. Aber alle erinnern sich selbstverständlich noch an seine spektakulären Anfänge in Berlin oder München. Das Abfilmen der Fankurve, die Buddhas auf dem Dach oder Söhnke Wortmann mit der Kamera in der Kabine – Klinsi wusste stets wie man einen Einstand inszeniert. Auf den darf man sich bei seinem Engagement in Südkorea also bestimmt freuen. Und wahrscheinlich wird auch das Ende wieder denkwürdig. Ein Jahr nach dem WM-Titel in Rom trafen Rudi und Klinsi übrigens als Gegner im UEFA-Cup-Finale 1991 aufeinander, den die Mailänder nach Hin- und Rückspiel 2:1 gegen die Roma  gewannen. Neben den beiden DFB-Stürmern standen in den Finalspielen auch die Weltmeister Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Thomas Berthold auf dem Platz. Kurz danach endete die große Italien-Amore für viele der deutschen Legionäre. Rudi und Klinsi zogen 1992 nach Südfrankreich zu Marseille und Monaco weiter. Mit den warmen Gedanken an Südfrankreich und Italien ignorieren wir Samstag 10:30 die Temperaturen am Nullpunkt auf der Piazza und träumen von Notti magiche im Estate.  

Hilti Army

Wenn wir uns mit England vergleichen, gucken wir definitiv neidisch auf die Premier League. Natürlich kann es immer mal passieren, dass Pep potentielle Weltstars in die Bundesliga vergrault, aber die spielen nicht für Nüsse, weshalb bei einem Bundesliga-Wechsel bestimmt ein sorgenvoller Bankberater für eine zweistellige Anzahl an Anrufen in Abwesenheit bei den betreffenden Spielern sorgen könnte. Sonst kann man aber auch versuchen die Hauptstadtklubs miteinander vergleichen, um die Bilanz des Wintertransferfensters einzuordnen. In Berlin bieten Union und Hertha immerhin Hashtagmaterial um #Isco und #Bobic und die Frage: wer blamiert sich hier am besten? Willkommene Themen, um mal kurzzeitig von Nachwahl und Co. abzulenken. Von Fredi Bobic wird wenigstens der Satz bleiben, den sich jeder Berliner auf ein T-Shirt drucken sollte, wenn er oder sie außerhalb der Stadt gefragt wird, warum Berlin soviel nicht auf die Kette bekommt: „Wenn du nochmal so frägst, kriegst du eine gescheuert!“ Dann weiß der Söder gleich bescheid. In London derweil finden wir aktuell 7 Erstligisten und die Transferausgaben sprengen natürlich wieder alle Rekorde. Das Financial Fairplay hat dabei den Charakter eines Serviervorschlags, wenn Chelsea sich ein Saldo von -330 Mio. allein in diesem Winter gönnen kann. Soviel Geld konnte Hertha gerade so in der ganzen Zeit mit Lars Windhorst durchbringen. Mit dem Ergebnis, dass man wieder einmal den Schwaben Bobic nach Berlin holen musste, um kleinere Weckle zu backen. Nun ist er schon wieder weg und Hertha ergibt sich komplett seiner Berliner DNA. Auch wenn das bedeutet, dass bestimmt bald Pal Dardai wieder zurück ist und den nächste Stadionumbau wahrscheinlich die Fans machen müssen. Aber das hat immerhin bereits Köpenick an die Tabellenspitze getragen. Das sollte auch uns Hoffnung machen. Schließlich kann unser Platz neben einer fußballerischen (Samstag 10:30) durchaus mal eine handwerkliche Überholung vertragen. Und manch einer arbeitet vielleicht mit der Hilti feiner als mit dem Ball? Ich fräge ja nur.       

Married… with old Lady

Die Macher von „Arm aber Sexy“ und „Länderfinanzausgleich in der Nachspielzeit“ bescheren uns einen neuen Kassenschlager im Sitcom-Format. Dass von Lars Windhorst nur heiße Luft kommt, hätte natürlich niemand ahnen können. Er hatte immerhin die Start-Up-Gang von Carsten Maschmeyer gelesen und hätte sein Geld auch easy bei der Höhle der Löwen in achtsame Gewürzmischungen und smarte Schuhlöffel investieren können. Aber nein, er wollte ja unbedingt sein sauer zusammenspekuliertes Geld mit jungen Menschen in kurzen Hosen vermehren. Viele hielten es für einen Enkeltrick mit einer alten Dame, aber wer auf Klinsi und Jens Lehmann als Berater vertraut, will das Geld doch auch nicht wirklich wiederhaben, oder? Als logische Fortsetzung dieser Expertenreihe kam man dann natürlich auf Felix Magath, der schon Fulham-Sugardaddy Mohamed Al-Fayed erfolgreich die Scheine aus der Buxe gezogen hat. Aber wer ist hier Täter und wer Opfer? Lars Windhorst fühlt sich wie ein armer Schuhverkäufer, der missmutig auf der Couch sitzt während ihm die nimmersatte Familie die Kohle aus den Griffeln reißt, um damit unnützes Zeug zu kaufen. Ist es da nicht verständlich, dass er seine Anteile irgendwo verpfänden muss? Ist natürlich blöd, dass die dann im schlimmsten Fall auch zwangsversteigert werden können und neben John Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 noch mehr Zocker in kurzen Hosen, Hertha-Trikots und hoffentlich auch in Schuhen auf dem Bolzplatz landen. Aber die Gefahr scheint gebannt. Lars hat den Schmuck der alten Dame schon längst wieder ausgelöst. Dann wird bestimmt doch noch alles gut, wenn er nicht mit seinen Kumpels in der Nacktbar landet. 

Are they f**king with us?

Ab nächster Woche sind sie wieder in den Arenen. Die German Gladiators machen dann auf dem internationalen Fernsehmarkt den Weißrussen ordentlich Konkurrenz. Dabei können sie die Hygiene- und Abstandsregeln wahrscheinlich genauso gut einhalten wie die Guys vom World Wrestling Entertainment. Und sie können ähnlich konspirative Videos hinter den Kulissen machen. Das Script liest sich dann tatsächlich auch so als ob sich Hulk Hogan mit Kevin Nash und Scott Hall zur nWo zusammenschließt: „They are making a lot of money with us“, „They are Crazy. I don’t fucking understand, why do they do that?“ „I will ask them, are they fucking with us?“, „We already signed the fucking paper.“ Danach wird laut Drehbuch einem der vermeintlichen Buddys ein Klappstuhl über den Kopf gezogen und ein Weiterer per Chokeslam in die Absperrgitter geschleudert. Dann folgen ein paar Fistbumps für die neuen Verbündeten. Kurzer Beef mit dem Undertaker, der gerade per Closeline einen Abstrich macht und schon geht’s raus in den Ring. Der Erfolg auf dem amerikanischen Markt sollte der Bundesliga also gewiss sein. Im klassischen Tagteam-Fight bleibt jeder in seiner Laienschauspiel-Gruppe und klatscht wenn möglich nur mit der Leiter ab, die zufällig neben dem Spielfeld aufgestellt wurde, um nach dem Spektakel noch gründlich die Decke zu weißen. Jeder Zweikampf tut allerdings nur weh, wenn man nicht weiß, wann man fallen und über den Boden rollen muss. Insofern sollten Bundesligaspieler sehr gut vorbereitet sein. Nur wir müssen uns noch etwas weiterbilden und üben Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 noch ein paar Backbreaker, Brainbuster und Pildedriver.

The WHO must go on

Auch wir hatten die Ansage aus dem Gesundheitsministerium heute morgen im Fax und haben sie in entspannter Panik gründlich überflogen. Was blieb hängen? Bei über 1000 Teilnehmern und unter drei drohen Geisterspiele. Das sind Spiele, wo man glaubt die Eltern der Spieler reinrufen zu hören. Aber die sind gar nicht da, weil die draußen die Sky Konferenz beim Public Viewing verfolgen. Wir werden trotzdem versuchen Samstag 10:30 ganz ruhig durch die Jogginghose zu atmen. Diese könnt ihr quasi nach dem Home Office gleich anbehalten. Aber dennoch könnt ihr ruhig mal vor die Tür gehen. Oder wollt ihr ewig Bundesliga Classics auf DSF schauen? Dort kann man natürlich in 4:3 bewundern, wie das Krafttier aller Jogginghosenträger durch matschige Strafräume hechtet. Die Wiederholung des 6:1 von Hertha gegen den HSV darf man eigentlich nicht verpassen:

»Zurück zum Außergewöhnlichen. Irgendwann zwischen dem 4:1 und 5:1 fängt Herthas Torwart Gabor Kiraly den Ball. Es ist einer der vielen harmlos vorgetragenen Angriffe des Hamburger SV an diesem warmen Sonnabend Nachmittag vor 76 000 Menschen im ausverkauften Olympiastadion zu Berlin. Die härtesten Hertha-Fans in der Kurve hinter Kiralys Tor feiern seit einer Stunde. Da überlegt der Torwart plötzlich drei, vier Sekunden lang. In der einen Hand hält er den Fußball, die andere zeigt gegen die Querlatte seines Gehäuses. Kiraly will fragen: Leute, soll ich jetzt das Ding mal machen?

Das Ding ist nämlich das: Herthas Torwart möchte zu gern einmal einen Abschlag unter Zurhilfenahme der eigenen Torlatte zeigen. In einem richtigen Spiel, wenn es um Punkte und Tore geht und viele Menschen zusehen. Kiraly hat es immer mal wieder im Training geübt. Er wirft dann den Ball aus fünf, sechs Metern Entfernung so gegen die Latte, daß der Ball möglichst weit von da ab ins Spielfeld prallt. Man muß kein Fußballer sein, nicht mal Torwart, um zu erkennen, worin der Knackpunkt dieser Übung liegt. Trifft er sie nicht, könnte der Ball vielleicht auch übers Tor gehen, bestenfalls. Das Runde könnte aber auch – schlechterdings – ins Eckige fliegen. Meistens soll es geklappt haben, manchmal nicht.

Also, Herthas Torhüter deutet sein Vorhaben an. Und wer ihn einigermaßen kennt, weiß, daß er in diesem Augenblick nah dran ist, ganz nah sogar. Die Masse im Olympiastadion tobt, aber am Spielfeldrand auch Jürgen Röber, Kiralys Chef. Der Ungar wird sich im Folgenden für die konventionelle Art des Abschlagens beziehungsweise Abwerfens entscheiden. Alles nimmt seinen gewohnten Lauf.« (Der Tagespiegel, 30.05.1999)

Ob der HSV danach wie gewohnt zum Grillen einlud, ist nicht überliefert. Aber tobende Massen würden sich natürlich alle in diesen Tagen wünschen. Stattdessen muss man sich aber schon über ein paar tobende Mitspieler freuen. Solange Gianni Infantino oder die WHO nicht persönlich jeden Bolzplatz absperren, steht dem nichts im Wege. Höchstens Jürgen Röber.

Kick-off am Point of no Return on Invest

Liebes Tagebuch,

Heute muss ich dir mal wieder schreiben. In der Sportbild sind noch ein paar Zeilen frei und letzte Woche waren wir auch kein Thema für den Doppelpass. Also muss ich noch ein paar Insights aus den letzten Meetings leaken. Hilft ja nix. Das Gedächtnisprotokoll ist lückenhaft, aber in dieser Lügenkultur  interessiert die Wahrheit ja eh niemanden. Also letzte Woche war ich mal wieder auf dem Platz und was ich dort an Spirit gesehen habe, genügt internationalen Requirements nicht. Da wird zu wenig outside the box and into the woods gedacht. Mit diesem Mindset convinced man die Stakeholder nicht. Der Trust in Innoweschn ist mental absolut nicht da. Die jahrelangen katastrophalen Versäumnisse in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen, haben sogar unseren Performance-Manager zum Weinen gebracht. Wo wird denn da der Mehrwert bis zum Point of no Return on Invest to the next Level gesteigert? Seit Jahren kickt man hier den Ball Richtung Tor. Immer in die gleiche Direction. Immer der Ball. Immer mit dem Fuß. Immer meistens Samstag 10:30. Ein absoluter gestreamlinter No-brainer. Wen will man damit in Asien hinter der Buddahstatue vorlocken? Wir brauchen quasi einen Paradigm-Shift und ein Commitment, dass wir auch mal big thinken. Bisher powert nur der Doc. Der hat uns auf dem Radar und weiß wenigstens wie mit irgendwelchen Geräten Geld gemacht werden kann. Vielleicht laden wir den das nächste mal zum Closing Diner ein. Alle anderen haben ja meist was besseres vor. Mit diesem Urlauber-Approach wird es am Ende des Tages auch diese Woche maximal für einen Kick-off auf Kopfgrätsche-Niveau reichen.

Nach Diktat verreist 

Verklickt in Berlin

Achtung Spoiler-Alert! Wer die letzte Episode unserer Lieblingstelenovela „Hertha – Wege zum Glück“ bisher nicht gesehen hat, muss kurz mal weghören. Da ging es ja wieder drunter und drüber diese Woche. Was bisher geschah: Eine alte Dame wird von drei Männern umgarnt. Sie sind scharf darauf, in ihrer großzügigen Immobilie aus den Dreißigern ein hippes Start-Up zu gründen. Da ist einerseits der Micha, eine treue Seele. Er ist schon lange an Herthas Seite und möchte, dass sie sich nicht zu schnell bewegt. Liebevoll hat er sie untergehakt und spaziert mit ihr behutsam durch die Bundesliga. Er lässt sie auch mal geduldig auf Platz 10 ausruhen, wenn drumherum die hochgepushten Plaste-Rowdies sie mit ihren Hoverboards anrempeln. Doch seit kurzer Zeit macht der gut situierte Lars ihr schöne Augen. Mit teuren Geschenken zeigt er ganz offen, dass er Hertha eigentlich nur ausgesucht hat, weil sie als Big City Girl naturgemäß ganz nach oben gehört. Nichtsahnend lässt sie es zu, dass er das Geld bei ihr unter die Matratze schiebt. Doch nun will er auch schnelle Erfolge sehen, damit die Scheichs und Oligarchen bald zu Herthas Kaffeekränzchen vorbeischauen. In Lars Windschatten kommt der dritte im Bunde. Aber der windige Jürgen versucht sich mit einem plumpen Enkeltrick an die alte Dame heranzuwanzen. Erzählt rührige Geschichten von seinem Vater und macht romantische Handyvideos. Er bringt sein tolles Netzwerk mit, um ein Himmelfahrtskommando in eine Erfolgsgeschichte zu verwandeln. Plötzlich ist bei Tante Hertha die Bude voll People, weil der Jürgen u.a. als Jay Göppingen selbst viel in der Welt unterwegs ist. Dort hat er überall Kontakte, mit denen er großen Glanz in die alten Gemäuer bringen will. Als er aber feststellt, dass Micha das Geld von Lars lieber in ein paar Stützstrümpfe gegen Abstiegskrämpfe investiert, schreibt er was Bockiges auf Facebook und in der BILD. Er möchte Micha nicht mehr mit Hertha auf der Bank sitzen sehen und ihn stattdessen in den Keller sperren. Das geht aber sogar Lars zu weit. Er überschlägt kurz, wie schnell das schöne Geld alle wäre, wenn Jürgen es ausgibt und lässt das Schloss auswechseln. Wird sich Jürgen so einfach abservieren lassen? Kann Micha auf der Bank sitzen bleiben? Wird Lars noch etwas Geld in der anderen Hose finden? Und was wird aus Herthinho? Das und vieles mehr erfahren wir nach der Werbung und Samstag 10:30 nach dem Kopfgrätschen.  

I am filming

Wir haben das nicht so richtig hautnah mitbekommen. Wahrscheinlich weil wir gerade gebannt auf die Glitzerjacke von Frank Zander gucken mussten. Aber die Fotografen richteten in dem Moment ihre Linsen auf eine andere Linse, die wiederum auf sie gerichtet war. Und auf die Fans und Frank, die schon zu Spielbeginn nicht nach Hause gehen wollten. Ist ja für die Meisten auch ziemlich weit per Pedes zum Wohnort. Liegt ja nicht gerade zentral in der Stadt das Stadion. Obwohl die Erbauer vielleicht damals gehofft haben, dass die Stadt da schon drumherum wachsen wird. Aber das ist eine andere Geschichte und muss von Guido Knopp erzählt werden. Also doch lieber Öffis oder privater Partybus für An- und Abreise. Schon kurze Zeit nach dem Mexican Standoff mit Kameras kam allerdings die Meldung, dass sich Klinsi damit schon den ersten Skandal geleistet hatte. Das ging fix. Sollten die Buddhas doch erst in der nächsten Woche geliefert werden. In Berlin nicht unwahrscheinlich, dass die dann beim Nachbarn abgegeben werden. Also bei Union. Dabei machte der schwäbische Bäckerssohn (Yes! Der musste sein…) doch den gleichen Mist wie alle anderen in dem Moment. Er hielt sogar das Smartphone quer und umdribbelte so geschickt die Vertical-Video-Falle. Schöner Schwenk. Der Zoom auf uns fehlt leider, aber das kann man verschmerzen. Wir wissen ja dass wir da waren, weil wir doch in dem Moment auch fleißig rumgeknipst haben. Die Kopfgrätsche-Handyhüllen kamen allerdings nicht rechtzeitig an. Werden wahrscheinlich Samstag 10:30 geliefert und dann beim Nachbarn abgegeben.

Jahresrückblick 2017 #KGJRB17

Fußball_2017_Titelbild______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.01/10 | DIAstes |

DIA-Turnier--2017-Galerie_082Das alljährliche Fußball-Turnier auf der alljährlichen Jahresausstellung der Fakultät Gestaltung ist natürlich das alljährliche #Kopfgrätsche-Highlight. Selbstredend mit dem alljährlichen Gewinner-Team des Turniers.

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5687

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.02/10 | Vollstes |

Fußball_Januar_2017_04_08Zwanzig auf einem Bild. Das ist der Höchstwert für die #kopfgrätsche-Saison 2017. Original Bildunterschrift: „9-gegen-9 auf Halbfeld. Gewinner: Alle.“

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5129

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.03/10 | Leerstes |

2017_09_09In den #kopfgrätsche-Jahresrückblick gehört traditionell das Foto mit den meisten und den wenigsten Kopfgrätschern. Hier das Foto mit  mit den wenigsten – genau 4 Leuten – Javid, Jürgen, Benedikt (hockend) und André (v.l.n.r.) im feuchten September.

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5499

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.04/10 | Schönstes |

2017_07_12Diese Typen von #kopfgrätsche haben in den letzten Jahren schon viele Fotos gemacht, die meistens die Ausgetobten artig als Mannschaftsfoto zeigen. Schön, wenn es auch mal etwas anders aussieht. Wie hier im verregneten Sommer 2017.

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5372

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.05/10 | Herthastes |

fcabsc_04Hertha ging’s 2017 nicht: Als die große Fußball-Welt in Form von Hertha BSC in unsere kleine Kleinstadt kam (um gegen FC Anker Wismar e.V. zu spielen), war #kopfgrätsche natürlich dabei:

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5413

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.06/10 | Bananigstes |

2017_07_29

Schnappschuß 2017: Exzelentes Timing ist bei #kopfgrätsche wichtig. Kurz vor dem Autoauslöser startete die Bananenschale um dann Bananen-flankig im richtigen Moment in Stuarts Händchen zu landen.

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5436

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.07/10 | Wahnsinnigstes |

2017_04_12Fußballprofitechnisch gab es im Jahr 2017 nicht viel wirklich Bewegendes – kein Champions-League-Final-Sieg, kein außergewöhnlicher Bundesliga-Meister, keine Europa- oder gar Weltmeisterschaft. Aber: Dieses #kopfgrätsche-Foto entstand einen Tag nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. Damals wusste man noch nichts, heute ist es einfach unfassbarer Wahnsinn.

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5133

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.08/10 | Comicstes |

2017_03_25Drama-Comic: Ein furiose Geschichte rund um einen wenig königlichen Ball, einem alten Ober-Herthaner und einem ehrwürdigen Cameo-Auftritt, entzückt im Frühjahr 2017 die #kopfgrätsche-Gemeinde in Farbe und GROẞBUCHSTABEN!!!!
WOW!!!

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5090

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.09/10 | Trumpigstes |

Fußball_Januar_2017_03_18

Mit Pauken und Trumpeten: Das Jahr 2017 war auch auf www.kopfgrätsche.de vom größten Trumpeltier überhaupt geprägt. Darauf hat es weder unser aller Mutti, noch uns, die Hand gegeben.

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=5074

______________________________________________________________________
#KGJRB17 | No.10/10 | Verschneitestes |

Das #kopfgrätsche-Jahr 2017 startete mit dem verschneitesten Foto des Jahres.

2017_01_07

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=4972