EuroPa aufs Maul

Die letzte Champions-League-Saison endete ja mit dem sehr häufigen Absingen der Europahymne. Also die mit der ersten Zeile „Erste Runde Krankenschein…“. Bevor der BVB nun also in den ersten Spieltag dieses aktuellen Wettbewerbs startete, wärmten die Social-Media-Kanäle des Clubs den alten Gassenhauer wieder auf. Ob die reformierte Königsklasse dazu einlädt dieses Liedgut wieder zu intonieren, muss sich zeigen. Es gibt schon einmal ein Auswärtsspiel mehr in der Vorrunde, für das der gemeine Lohnarbeitende also noch eine weitere halbgare Entschuldigung beim Arbeitgebenden einreichen muss. Für ein Spiel am Donnerstagabend könnte ja wenigstens die Einführung der 4-Tage-Woche im Betrieb gerade noch rechtzeitig kommen. Die Spieler, die sich dann aber wie dahergelaufenes Europa-League-Vieh fühlen, das am Freitagmorgen noch auf einem Provinzflughafen darauf wartet, dass das Nachtflugverbot abläuft, fangen schon an Streikschilder zu malen. Hochdekorierte Ballon-D’Or-Kandidaten holen die Trillerpfeifen raus und ziehen sich eine hässliche Mülltüte über den Oberkörper. Ach nein, das ist ja nur das diesjährige Wiesn-Trikot. Die Botschaft dürfte trotzdem klar sein. Der Donnerstag muss eine Ausnahme bleiben. Solange es allerdings noch Tageszeiten ohne Spitzenfußball gibt, kann es bei der UEFA keine Denkverbote geben. Samstag 10:30 scheint bis auf weiteres noch ein ungeliebter Slot für die Champions League zu sein. Was für ein Glück für uns. Aber Mittwochs 18:00 lässt es die UEFA jetzt extra früher dunkler werden, damit wir demnächst brav um diese Uhrzeit vor den Fernseher wandern. Oder noch die eine oder andere Überstunde erarbeiten, um die Serenaden von der Auswärtsfahrerromatik zu erweitern. Nächste Woche können wir aber getrost Mittwochs noch spielen, da sind nur die Europa-League-Reisenden aus der Holzklasse an der Reihe.   

Horst خوب

Und wieviel Zeit habt ihr schon damit verbracht, den „Experten“, die euch im Tippspiel abgehängt haben, zu erklären, warum es am Samstag nur ein wichtiges Spiel um 10:30 gibt, aber kein Spiel um Platz 3? Das gab es doch immer? Nee, du meinst wahrscheinlich eine WM. Es sei denn, du erinnerst dich an 1980, da gab es noch eins, aber auch nur 8 Teilnehmer und noch keine Kicktipp-App. Damals war jede der zwei Gruppen eine Todesgruppe und trotzdem hatte Deutschland Glück die einfachere zu erwischen. In Gruppe 2 waren u.a. Spanien und England, die beide diese Gruppe nicht „überlebten“. Die Tore im Finale füllkrugte Horst Hrubesch ins Netz, ein Name, den man glaubt heutzutage häufiger beim Kopfgrätschen zu hören. Dass es sich doch wohl eher um das persische „gut“ handelt, ist ganz passend, weil Horst Hrubesch nur im Finale traf und es damit immerhin auf Platz 2 der EM-Torschützen 1980 schaffte. Aber wer wäre denn nun auf Platz 3 dieser EM? Die UEFA juckt das nicht. Sie haben sich die leeren Stadien bei den letzten Spielen um Platz 3 in den 70ern angesehen und haben entschieden, dass diese Frage nicht unbedingt beantwortet werden muss. Enttäuschend, wenn man auf Platz 2 des Tippspiels steht und die Punkte für eine Aufholjagd gut gebrauchen könnte. Aber ähnlich wie die Mittipper ab Platz 6, die ab dem Viertelfinale das Turnier gedanklich beendet haben, sind auch die Spieler der ausgeschiedenen Halbfinalisten schon jetzt im Flieger in den Urlaub, um wenigstens ein verlängertes Wochenende in Dubai zu verbringen, während die Vereinskollegen bereits um die Kaderplätze für die bald startende Saison kämpfen. Das Ergebnis des Finales entnehmen sie der Tagespresse. Und das Spiel um Platz 3 kann ja die KI austragen. Also die Kopfgrätsche-Intelligenz Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 gleich noch einmal.  

Notte Macchiato

Nachdem wir schon für die eine Stürmerlegende der Weltmeister von 1990 erfolgreich eine Anschlussverwendung gefunden haben, ist nun seit dieser Woche klar, dass auch sein Partner im Strafraum endlich wieder einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen kann. Rudi Völler hat mit dem Sportdirektorposten beim DFB bewiesen, dass es mehr als einen von seiner Art geben muss, nachdem er als Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen ja eigentlich in Rente gegangen war. Er war auch 1990 einer der Italienlegionäre, der in seiner Stadt Rom den WM-Pokal in den Himmel einer dieser Notti magiche recken konnte. Als ewiger Römer hat er natürlich eine Italienerin als Lebenspartnerin und Latte Macchiato als Kindergetränk kennengelernt. Sein Sturmpartner im Trikot der Nationalmannschaft spielte zur gleichen Zeit für Inter Mailand und seit dieser Woche ist der polyglotte Klinsmann endlich weg von Facebook Live. Wir dürfen gespannt sein auf welchen Social-Media-Kanälen er nun die südkoreanischen Fans mit Insights versorgt. Sein Aus bei der Hertha ist tatsächlich auch schon wieder 3 Jahre her. Aber alle erinnern sich selbstverständlich noch an seine spektakulären Anfänge in Berlin oder München. Das Abfilmen der Fankurve, die Buddhas auf dem Dach oder Söhnke Wortmann mit der Kamera in der Kabine – Klinsi wusste stets wie man einen Einstand inszeniert. Auf den darf man sich bei seinem Engagement in Südkorea also bestimmt freuen. Und wahrscheinlich wird auch das Ende wieder denkwürdig. Ein Jahr nach dem WM-Titel in Rom trafen Rudi und Klinsi übrigens als Gegner im UEFA-Cup-Finale 1991 aufeinander, den die Mailänder nach Hin- und Rückspiel 2:1 gegen die Roma  gewannen. Neben den beiden DFB-Stürmern standen in den Finalspielen auch die Weltmeister Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Thomas Berthold auf dem Platz. Kurz danach endete die große Italien-Amore für viele der deutschen Legionäre. Rudi und Klinsi zogen 1992 nach Südfrankreich zu Marseille und Monaco weiter. Mit den warmen Gedanken an Südfrankreich und Italien ignorieren wir Samstag 10:30 die Temperaturen am Nullpunkt auf der Piazza und träumen von Notti magiche im Estate.  

Livin’ Dar-Vida Loca

Der UEFA-Zirkus ist in der Stadt! Seit dieser Woche heißt es wieder „Eurobbabogaaal“ und unter der Woche werden die letzten fußballfreien Tage gefüllt. Aber Obacht es gibt ein paar neckische Neuerungen, an die man sich erst noch gewöhnen muss. Ab jetzt muss Papi schon 18:55 zum Fußball schalten. Pünktlich, wenn die Blagen gerade das Sandmännchen sehen wollen (im Land der Frühaufsteher kommt das eine Stunde früher). Da ist die Stimmung schon zum Anpfiff im Keller. Im Staatsfunk läuft allerdings um diese Zeit noch SOKO Wismar. Aber auch sonst kann Olli Kahn ab jetzt die Champions League maximal in einer Tipico-Filiale vor Publikum analysieren. Wildes hin- und herschalten zwischen DAZN und Sky, Sky Go und Sky Ticket (je nachdem was gerade nicht abgestürzt ist) bringt dann schnell Klarheit, wo denn nun der Ball rollt. Immerhin reicht beim 21-Uhr-Spiel die erste halbe Stunde und man kann arbeitnehmerfreundlich mit Ronaldo Feierabend machen. Diese Zeitumstellungen sind die ersten Maßnahmen nach der Abstimmung, wo ihr alle für die Abschaffung der Winterzeit gestimmt habt. Eigentlich wollten es alle früher hell und später dunkel haben, aber das wird wohl wieder nichts. Dieses Jahr wird es auf jeden Fall noch die Winterzeit geben. Das merkt man zum Start der Mittwochskopfgrätsche 18 Uhr noch nicht, aber spätestens eine Stunde später dämmert es einem dann doch. Nur Samstag 10:30 bleibt stabil. Vielleicht wechseln wir irgendwann mal auf 10:25, dann haben wir noch etwas Zeit die Logos von Toblerone, Pneu Continental, Dar-Vida, Longines und Red Bull zu überkleben.