Wenn man auf den aktuellen Fußballstammtisch schon Glühwein und Kinderpunsch mit Schuss stellen muss, hilft es wenn man sich bei der üblichen Fachsimpelei ein paar warme Gedanken machen kann. Da kann man ruhig mal daran denken was im Moment die älteren Semester treiben, die es im Sommer und in vermeintlich weiser Voraussicht in wärmere Regionen verschlagen hat. Dafür mussten Hummels und Reus nur ein wenig gegen den Trainer im nasskalten Dortmund putschen, der am Ende sogar gegangen ist. Aber auch die beiden Alten aus der schwarzgelben Muppetshow standen mit einmal ohne Rentenvertrag am Flughafen und scannten die Anzeigetafel nach möglichen Nachspielzeiten in Regionen mit Palmen oder Feigenbäumen. Sogar Mallorca war kurzzeitig als Ziel im Gespräch. Da geht zwar alle halbe Stunde ein Flieger hin und der Strand ist beständig voll mit Fußballteams von der Kreisklasse bis zur Bundesliga, aber ob da tatsächlich Fußball gespielt wird, war nicht ganz klar. Am Ende sind es dann doch L.A. und Rom geworden und das klingt eigentlich ganz wohltuend für die Körperteile, auf man sonst großflächig Wärmepflaster kleben muss. In der MLS in Amerika drübbe klatscht man Marco Reus für seine wohldosierten Auftritte gerne warmen Applaus und vielleicht reicht das sogar, um endlich einen Meistertitel in den Lebenslauf zu schreiben. Am Ende der regulären Saison ließ sich Reus‘ Team zwar am letzten Spieltag mal wieder von Platz 1 verdrängen, aber dass der amerikanische Meister in Play-offs ausgespielt wird, kommt dem zweimaligen DFB-Pokalsieger sicher mehr entgegen. Für Hummels lief es in Rom hingegen bis jetzt überhaupt nicht. Kaum Einsatzzeit, Eigentor und gestern bei einem der seltenen Auftritte in der Euro League gleich in den ersten Minuten einen Elfmeter in Tottenham verschuldet. Aber am Ende war er doch der Sunnyboy, weil er den Ausgleich in letzter Minute schoss. „Can he do it on a cold, rainy night in Tottenham?“ Vermutlich sogar besser als in einer lauschigen Notte Magica in der ewigen Stadt. Der Antwort auf die Frage: „Can you do it on a cold, sunny Saturday morning 10:30 in Wismar?“ nähern wir uns morgen. Die Tights sind auf jeden Fall vorgewärmt.
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Notte Macchiato
Nachdem wir schon für die eine Stürmerlegende der Weltmeister von 1990 erfolgreich eine Anschlussverwendung gefunden haben, ist nun seit dieser Woche klar, dass auch sein Partner im Strafraum endlich wieder einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen kann. Rudi Völler hat mit dem Sportdirektorposten beim DFB bewiesen, dass es mehr als einen von seiner Art geben muss, nachdem er als Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen ja eigentlich in Rente gegangen war. Er war auch 1990 einer der Italienlegionäre, der in seiner Stadt Rom den WM-Pokal in den Himmel einer dieser Notti magiche recken konnte. Als ewiger Römer hat er natürlich eine Italienerin als Lebenspartnerin und Latte Macchiato als Kindergetränk kennengelernt. Sein Sturmpartner im Trikot der Nationalmannschaft spielte zur gleichen Zeit für Inter Mailand und seit dieser Woche ist der polyglotte Klinsmann endlich weg von Facebook Live. Wir dürfen gespannt sein auf welchen Social-Media-Kanälen er nun die südkoreanischen Fans mit Insights versorgt. Sein Aus bei der Hertha ist tatsächlich auch schon wieder 3 Jahre her. Aber alle erinnern sich selbstverständlich noch an seine spektakulären Anfänge in Berlin oder München. Das Abfilmen der Fankurve, die Buddhas auf dem Dach oder Söhnke Wortmann mit der Kamera in der Kabine – Klinsi wusste stets wie man einen Einstand inszeniert. Auf den darf man sich bei seinem Engagement in Südkorea also bestimmt freuen. Und wahrscheinlich wird auch das Ende wieder denkwürdig. Ein Jahr nach dem WM-Titel in Rom trafen Rudi und Klinsi übrigens als Gegner im UEFA-Cup-Finale 1991 aufeinander, den die Mailänder nach Hin- und Rückspiel 2:1 gegen die Roma gewannen. Neben den beiden DFB-Stürmern standen in den Finalspielen auch die Weltmeister Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Thomas Berthold auf dem Platz. Kurz danach endete die große Italien-Amore für viele der deutschen Legionäre. Rudi und Klinsi zogen 1992 nach Südfrankreich zu Marseille und Monaco weiter. Mit den warmen Gedanken an Südfrankreich und Italien ignorieren wir Samstag 10:30 die Temperaturen am Nullpunkt auf der Piazza und träumen von Notti magiche im Estate.
Once Hu!pon a time
Im März waren wir uns noch einig: diese EM nervt und muss schnellstmöglich abgesagt werden. Der Terminstress wegen der Ligapausen machte es kaum vorstellbar, dass man im Sommer ein Turnier spielen kann, ohne dass Liverpool und Bielefeld um ihren sportlichen Erfolg betrogen werden. Am Ende ging alles gut für Liverpool, Bielefeld und sogar Werder. Ein weiteres Jahr 1. Liga mit dem Nordderby gegen Wolfsburg ist gesichert. Das Länderturnier wäre trotzdem im Moment noch eine schlechte Idee. Niemand würde gerade durchsehen, wo man sich gerade an welche Regel halten muss. Und ab wann pfeift der Schiri Handspiel? Das könnte keiner mehr erklären. Die Fußball-Laien, die auch mal mitgucken, weil sie EM und WM nicht auseinanderhalten können und dauernd fragen, wann wir gegen Brasilien spielen, wollen plötzlich nicht nur das Abseits erklärt haben. Das ist uns erspart geblieben und dennoch vermisst man ein paar exotische Sommerbekanntschaften. Viele gucken natürlich in diesen Tagen 30 Jahre zurück, um die magische WM 1990 im damaligen Fußball-Sehnsuchtsland Italien mit schlecht aufgelösten TV-Bildern in DV PAL zu feiern. Notti magiche in Roma, wo auch dieses Jahr ein Finale stattgefunden hätte. Und dabei hat das Intro dieses Songs übel geleiert im Kassettendeck.
Exotisch war es aber auch vor vier Jahren in Nizza. Mit dem Ergebnis, dass kein Spielende, ohne das kultige rhythmische Zusammenschlagen der Hände, verstärkt mit Urlauten aus dem Bauch, zelebriert werden konnte. Vom Dorfplatz (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) bis zur Red Bull Arena wurde dieser spezielle Jubel rumgereicht und jetzt reiht es sich irgendwo zwischen Bubble Tea und der Icebucket Challenge ein.
Aber die Isländer können mehr als Hu! und präsentierten diese Woche ihre neue visuelle Identität. Und was soll man sagen? Das Carl-Zeiss-Jena-Wacken-Trikot ist nicht mehr die Nummer eins bei True-Iclandic-Pagan-Metalfans. In Rom zieht man währenddessen nach und druckt das Konterfei eines legendären Maestro und Sohnes der Stadt auf den Ärmel. Damit übernimmt Italien wieder die Tabellenführung. Wenigstens im Walkman auf der Vespa bis zum nächsten Bandsalat.