Wer kalibriert, der stets verliert

In den Zeiten apokalyptischer Klimaszenarien wirkt es doch sehr beruhigend, wenn die ersten Spielabsagen in den Profiligen auf den Sperrbildschirm flattern. Früher warf der Schiedsrichter an jedem Wochenende im Winter einen orangen Ball auf die Schneedecke und wenn dieser nicht versank, wurde natürlich gespielt. Allerdings gab es da auch keine kalibrierten Linien sondern nur freigekratzte, die aus dem Anstoßkreis schon mal ein Anstoß-Quadrat machten. Im Kölner Keller ist man selbstverständlich darauf angewiesen, dass für die unbestechliche Genauigkeit regelmäßig jemand die Linse freihaucht. Die meisten Spielabsagen heute passieren aber nicht wegen eines verschneiten Platzes. Mit Rasenheizung oder Dach-zu bleibt der Rasen quasi immergrün. Nein, die Absagen heute haben als Grund, dass das Erreichen der Stadien durch Schnee und Eis nicht für alle möglich ist. Vor allem weil man irgendwann entschieden hat, Stadien als seelenlose Multifunktionshallen an Autobahnausfahrten in den angrenzenden Landkreis zu bauen. Dorthin wo der ÖPNV nur an Sonn- und Feiertagen fährt und man für die Anreise mit dem Fahrrad aus der Stadt durch sämtliche Ausbau-Bezirke fahren muss, in denen die Straßen tiefe Gräben sind, da dorthin irgendwann fließend Wasser und Glasfaser verlegt werden sollen. Aber auch Fans aus dem Umland sind betroffen, die den Stadionbesuch als festen Programmpunkt auf der Tour mit Christkindlesmarkt und Neuschwanenstein gebucht haben. Flughafen gesperrt, Oberleitung vereist, Radweg endet in Schneewehe – das sind die eigentlichen Spielabsagegründe. Deshalb kann man nur empfehlen, Samstag 10:30 trotz maximaler Stadtnähe rechtzeitig den Weg zum Platz anzutreten. Der ist selbst natürlich komplett unberäumt. Hoffen wir jedenfalls. Im Idealfall versinken wir und der Ball im Schnee. Es kommen schließlich wieder andere Zeiten mit 10 Grad Plus an Weihnachten, wenn die Verwandtschaft anreisen will. Und pünktlich zur Winterpause.     

Ole im Schnee

Da hammse sich nun so viel Zeit gelassen mit dem neuen Platz. Jede Markierung fein säuberlich gezogen mit rechten Winkeln und perfekten Kreisbögen. Die besten Tore nachhaltig aus Kronkorken geschmiedet, die mit einem unvergleichlichen akustischen Scheppern jeden Treffer aussingen. Aber dann kommt einfach Schnee, legt sich über die Spielstätte und macht alternative Freizeitangebote. Aber für Super-G oder Riesenslalom fehlt dann doch die Infrastruktur, so dass wir wie immer in solchen Fällen auf den Kopfgrätsche-Biathlon wechseln. Laufen, Hinlegen und Schießen funktionieren weiterhin ganz gut. So können wir auch bei dieser Witterung unserem erfolgreichen norwegischen Vorbild mit der unerreichten Trefferquote nacheifern. Richtig, ihr denkt natürlich auch an Ole Einar Bjørndalen. Seine Videos mit den Skills und Goals hat wohl immer noch keiner zusammengeschnitten, oder? Ist ja auch eine klassische Winterbeschäftigung für den Hutzenabend. Aber beim traditionellen Hutzen im Erzgebirge ist man aber wahrscheinlich noch mit der Verehrung von Denise Herrmann-Wick aus Aue-Bad Schlema beschäftigt. Oder mit dem Schneeschieben im Erzgebirgsstadion. Wir sind Samstag 10:30 auch ohne Schneeschieber und Rasenheizung spielfähig. Die genau gezirkelten Linien werden durch grob in den Schnee getrampelte Markierungen ersetzt und mit Leibchen markieren wir die Tore für unsere Schussfahrt über den Platz. Auch ohne Grillhütte daneben ist die Versorgung mit Eisbeinen garantiert. Mit eurem rechtzeitigen Erscheinen sichert ihr euch zudem einen unberührten Teil auf der frisch ausgerollten Schneedecke für euer persönliches Schneeengel-Plätzchen. Das könnte für die B-Note und am Ende für den Sieg entscheidend sein und kann nur noch getoppt werden, wenn man seine Signatur daneben pinkeln kann. Hat das Ole Einar Bjørndalen jemals komplett geschafft?  

3 Zimmer, Küche, Skihalle

Im Oktober letzten Jahres war doch alles klar. Die deutsche Mannschaft aka #DieMannschaft hatte sich frühzeitig für die WM in Katar qualifiziert. Schon damals rätselten wir welches originelle Quartier sich Oliver Bierhoff für Deutschland exklusiv unter den Nagel reißen wird. Aber wer kennt das nicht? Du surfst abendelang durch Booking, AirBnB und Expedia und am Ende ist das Angebot einfach unüberschaubar. Man muss Oliver Bierhoff aber auch verstehen. Bei jedem Anbieter steht: nur noch 3 Zimmer in dieser Kategorie verfügbar. Und dass kann natürlich stressen, wenn du einen ganzen Spielerkader, ein umfangreiches Trainerteam und dann noch den gesamten Staff unterbringen musst. Zudem vergleichst du jede mögliche Herberge mit dem Traumurlaub im Campo Bahia. Nach dem Ausscheiden war schnell klar: es hat sich doch verbucht. Eigentlich machte das Zulal Wellness Resort einen ganz passablen Eindruck. Die Anfahrt zu den Pressekonferenzen wurden allerdings von 90% der Reisenden als ungenügend beschrieben. Leider fehlte auch die obligatorische Skihalle, die jede durchschnittliche Mall in Doha zur Freizeitgestaltung im Angebot hat. Da verwundert es nicht, dass Manuel Neuer direkt nach der Abreise aus Katar sich sämtliche Binden vom Reklamierarm riss und in den Schnee warf. Wenn schon Winter-WM, dann lieber mit DJ Ötzi auf der Hüttn als mit DJ Ötzi im Megapark. Auch hier kann Katar noch nachrüsten. Der Kunstschnee in der Skihalle wäre aber bestimmt fluffiger gewesen und hätte verhindert, dass sich Manu beim Schneeengelmachen das Bein bricht. Nicht jeder Fußballer kommt mit Schnee gleich gut klar. Messi z.B. ist auf dem Untergrund bestimmt nicht besser als Götze. Für Kopfgrätschen am Samstag 10:30 eignet er sich allerdings ganz famos. Wir sollten ernsthaft überlegen den nächsten Sommer in einer Skihalle in Doha zu spielen.

16. Januar 2016 – Die Schnee-Königin und das Maskottchen

Fußball_Januar_2016_01_16 Endlich wieder Königin-Sylvia-Wetter! Erstmals seit Ewigkeiten lag wieder etwas Schnee und schon war Sylvia wieder dabei. Allerdings: Obwohl sie im Vierer-Team gegen ein Dreier-Team spielte, wurde ihr Comeback nicht von einem Sieg gekrönt. Vielmehr gab es beim Zwischenstand von 7:13 den beinahe euphorischen Ausruf: „Jetzt sind wir ein bisschen besser als halb so schlecht wie die Anderen.“

Fußball_Januar_2016_01_16_maskotchenBevor das Schlussfoto in einer wüsten Schneeballschlacht ausartete, erschien noch so eine Art Maskottchen. Olympiaden, Fußball-Weltmeisterschaften und Gartenschauen haben so eine Maskottchen – warum nicht auch Kopfgrätsche?! Aber wie könnte es heißen? Vorschläge bitte per
-> Kopfgrätsche auf Facebook
-> Kopfgrätsche auf Twitter
-> Kopfgrätsche per Mail

Erster Vorschlag:

 

09. Januar 2016 – „Schneechaos“ in Anführungszeichen

Fußball_Januar_2016_01_09Diese sozialen Medien werden ja völlig überschätzt. Sie wirken weder gegen bewegungsmüde #Kopfgrätscher, noch gegen diese „ungeheuerlichen Schneemassen“.

Nach dieser morgendlichen Botschaft…

…musste ich auf dem Platz angekommen feststellen, dass niemand da war:

Dann trudelten aber doch noch John und Tobias ein. Zweimal Franks-Modus bis 5 ergab zwei Sieger und einen, der immer 0-Tore erzielte.