3 Zimmer, Küche, Skihalle

Im Oktober letzten Jahres war doch alles klar. Die deutsche Mannschaft aka #DieMannschaft hatte sich frühzeitig für die WM in Katar qualifiziert. Schon damals rätselten wir welches originelle Quartier sich Oliver Bierhoff für Deutschland exklusiv unter den Nagel reißen wird. Aber wer kennt das nicht? Du surfst abendelang durch Booking, AirBnB und Expedia und am Ende ist das Angebot einfach unüberschaubar. Man muss Oliver Bierhoff aber auch verstehen. Bei jedem Anbieter steht: nur noch 3 Zimmer in dieser Kategorie verfügbar. Und dass kann natürlich stressen, wenn du einen ganzen Spielerkader, ein umfangreiches Trainerteam und dann noch den gesamten Staff unterbringen musst. Zudem vergleichst du jede mögliche Herberge mit dem Traumurlaub im Campo Bahia. Nach dem Ausscheiden war schnell klar: es hat sich doch verbucht. Eigentlich machte das Zulal Wellness Resort einen ganz passablen Eindruck. Die Anfahrt zu den Pressekonferenzen wurden allerdings von 90% der Reisenden als ungenügend beschrieben. Leider fehlte auch die obligatorische Skihalle, die jede durchschnittliche Mall in Doha zur Freizeitgestaltung im Angebot hat. Da verwundert es nicht, dass Manuel Neuer direkt nach der Abreise aus Katar sich sämtliche Binden vom Reklamierarm riss und in den Schnee warf. Wenn schon Winter-WM, dann lieber mit DJ Ötzi auf der Hüttn als mit DJ Ötzi im Megapark. Auch hier kann Katar noch nachrüsten. Der Kunstschnee in der Skihalle wäre aber bestimmt fluffiger gewesen und hätte verhindert, dass sich Manu beim Schneeengelmachen das Bein bricht. Nicht jeder Fußballer kommt mit Schnee gleich gut klar. Messi z.B. ist auf dem Untergrund bestimmt nicht besser als Götze. Für Kopfgrätschen am Samstag 10:30 eignet er sich allerdings ganz famos. Wir sollten ernsthaft überlegen den nächsten Sommer in einer Skihalle in Doha zu spielen.

Von Schopenhauer über Eilenberger zu Schweinsteiger

Seitdem wir nicht mehr leben um zu arbeiten, hat sich die Perspektive doch endlich etwas verschoben. Der große Gesellschaftsphilosoph Julian Draxler hat unter der Bohème in den Pariser Cafés der Rive Gauche im Pfeifenrauch an einer revolutionären Theorie gearbeitet. Laut dieser kann man auch zu einer Weltmeisterschaft fahren, um dort Spielpraxis zu sammeln. Eine Utopie die immer mehr Anhänger findet. Die Existenzialisten um Manuel Neuer und Marco Reus unterstützen dieses Gedankenspiel und sogar der Grand Seigneur der Testspielabsagen und Erkenntnistheoretiker Bastian Schweinsteiger aus Chicago hat schon seine Glückwünsche in Form von alten Paninibildern telegrafiert. Im Doppelpass mit Eilenberger und Schopenhauer. Aber warum bei diesem Paradoxon stehen bleiben? Gibt das uns nicht die Chance, viele Dinge neu zu denken? „Ich denke also bin ich“ von Descartes entsprang doch einem ähnlichen Ansatz. Demnach könnte man an einem Samstag 10:30 einen Fußballplatz im Freien aufsuchen, um sich dort aufzuwärmen. Damit man anschließend die Beine bewegt, um kopf zu grätschen. Und dann das Tor zu treffen, eigentlich nur um sich zu treffen.

12. September 2015 – Reklamierungs-Samstag

Fußball_September_2015_09_12_a02Trendy wie #kopfgrätsche nun so ist, war das fortwährende Thema Raklamieren und Lamentieren unser Foto-Moto des Sonnabends. Wie Jürgen vorab schon in seiner digitalen Kabinenpredikt einführte, hat uns Welttorhüter ein gereizten #Reklamierarm. Beobachter des winkemütigen Torwächters nervt er schon lange und nun trendet der unsportliche Reflex auch bei Twitter (@reklarmierarm_).

Während wir nun alle für das Foto reklamieren, dreht sich der Fußball weiter. Wie im echten Leben (auch in Manus):

Fußball_September_2015_09_12_a01Auch in der dritten Halbzeit am/im Kai wurde weiter reklamiert. Mehr alkoholfreies Hefeweizen gabe es trotzdem nicht.

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