Immer wenn die Bundesliga wieder losgeht, beginnt die Kontaktphase mit guten alten Werbespots, mit denen die Übertragung von z.B. Mainz gegen Bochum finanziert wird. Eigentlich nur die Spielzusammenfassung davon, flankiert von Vorschlägen zum Tor des Monats und der grafischen Einbettung der Klubwappen in zeitgeistige Objekte wie Kürbisse, Lebkuchenherzen oder Meisenknödel. Aber schon beim Tor des Monats braust bereits das erste Caravan am Meer durchs Bild, was traditionell den Werbeblock einläutet, in dem man zielgruppengerecht über praktische Produkte und Dienstleistungen informiert wird. Dabei blickt man immer wieder in die gleichen lachenden Gesichter. Gut, an Bastian Schweinsteiger im Baumarkt statt auf dem Rasen haben wir uns gewöhnt. Auch wenn man ihm den Heimwerker nicht abnimmt und man sich kaum vorstellen kann, dass er einen Tartanplatz (Samstag 10:30) oder einen Whirlpool für seine Cousine baut. Während sich der gemeine Fußballfan noch fragt wie er sich den Sack Schrauben leisten soll, kommt der Wiefürmichgemachtkredit ins Bild. Praktisch, damit hat bestimmt bereits RB Leipzig schon Timo Werner finanziert. Falls die eigene Kreditwürdigkeit nicht ganz so hoch ist, muss man sich vielleicht doch vorher mit der Stepstone-Oma oder Ingrid einen besseren Job suchen. Kann man auch mal dem Schweini empfehlen. Bei Toom scheint eine Karrieresackgasse im Gartenbaucenter zu sein. Da sollte er schleunigst seinen Lebenslauf aufmöbeln. Falls Lohnarbeit nicht mehr sein Modell ist, muss er sich eher die Tipico-Hools zum Vorbild nehmen. Olli Kahn hat es schließlich auch aus der Wettstube auf den Vorstandsposten geschafft. Und während sich subtil unter einem Oldtimer eine Ölpfütze bildet, fällt mir und meiner Blase wieder ein, wofür die Werbepause eigentlich da ist. Verdammtes Krombacher!
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10 Jahre Verlorene Eier
Als vor 10 Jahren Kopfgrätsche aus unseren Hirnen auf die Füße plumpste, wurden die Spielankündigungen, die vorher nur als Mail zu den Spielen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 aufriefen, zu Blogbeiträgen. Einer der ersten Texte drehte sich saisonal passend um ovale Dinge. Und ohne den Kontext der damaligen Zeit kann man nur erahnen, was einem der Autor damit sagen wollte. Es werden offensichtlich schon die Vorteile der archivierten Teamfotos und Beiträge unter www.kopfgrätsche.de gepriesen, die man nach 10 Jahren auch mal wieder lesen kann. Aber was war mit Schweini? Stand eine Länderspielpause an, bei denen der inzwischen als Schleichwerbegesicht von Toom bis Garmin und Expertensprechpuppe bekannte Weltmeister (damals noch zwei Jahre davon entfernt) sich regelmäßig krank meldete, wenn es nicht direkt um Pokale ging? Nein, Anlass war wohl das Elfmeterschießen im Halbfinale der Champions League zwischen Real Madrid und Bayern, bei dem Schweinsteiger bekannte, kurz seine Einer verloren zu haben, sie aber rechtzeitig wiederfand. Also ganz im österlichen Geiste. Obwohl die Kopfgrätsche natürlich immer wenn es geht, das wichtigste Körperteil auf dem Hals preist, ging es am Anfang erst einmal untenrum zur Sache. Aber dieser verbale Elfmeter musste natürlich eiskalt verwandelt werden.
Von Schopenhauer über Eilenberger zu Schweinsteiger
Seitdem wir nicht mehr leben um zu arbeiten, hat sich die Perspektive doch endlich etwas verschoben. Der große Gesellschaftsphilosoph Julian Draxler hat unter der Bohème in den Pariser Cafés der Rive Gauche im Pfeifenrauch an einer revolutionären Theorie gearbeitet. Laut dieser kann man auch zu einer Weltmeisterschaft fahren, um dort Spielpraxis zu sammeln. Eine Utopie die immer mehr Anhänger findet. Die Existenzialisten um Manuel Neuer und Marco Reus unterstützen dieses Gedankenspiel und sogar der Grand Seigneur der Testspielabsagen und Erkenntnistheoretiker Bastian Schweinsteiger aus Chicago hat schon seine Glückwünsche in Form von alten Paninibildern telegrafiert. Im Doppelpass mit Eilenberger und Schopenhauer. Aber warum bei diesem Paradoxon stehen bleiben? Gibt das uns nicht die Chance, viele Dinge neu zu denken? „Ich denke also bin ich“ von Descartes entsprang doch einem ähnlichen Ansatz. Demnach könnte man an einem Samstag 10:30 einen Fußballplatz im Freien aufsuchen, um sich dort aufzuwärmen. Damit man anschließend die Beine bewegt, um kopf zu grätschen. Und dann das Tor zu treffen, eigentlich nur um sich zu treffen.
#WinterAdeus
Ahhh, Länderspielpause. Eine willkommene Unterbrechung vom „erstklassigen Scheißfußball“ und endlich die Gelegenheit mal ein paar liegengebliebene Dinge zu erledigen, z.B. den Trainer auszutauschen oder die Glückwunschkarten zur frühzeitigen Meisterschaft zu beantworten. Sportbars finden nun die Zeit, um einen neuen Schwung Bravo-Sport-Poster über die Schimmelflecken zu hängen. Und auch Schweini hat den Moment genutzt, endlich die überfällige Wohnungsübergabe in Manchester zu organisieren. Natürlich bietet sich die Pause geradezu für rührselige Abschiedsspiele an. Also richtige Abschiedsspiele, nicht so etwas wie am Mittwochabend. Den Engländern hatte wohl vorher niemand gesagt wie so etwas normalerweise abläuft. Gut, sie haben zwar einen Engländer ins Tor gestellt, aber der Rest zeigte doch ungewöhnlich viel Ehrgeiz. Unser Abschiedsspiel für den Winter Samstag 10:30 wird hingegen nach altbekanntem Muster ablaufen. Die willkürlich zusammengewürfelten Teams Winter-Allstars und Winter and Friends treffen sich zu einem Spaßkick, der wenig Laufleistung und viele Slapstickeinlagen verspricht. Dem Winter werden ein paar Omatore aufgelegt, bei denen die asiatische Wettmafia vor Lachen vom Reissack fällt. Für jedes Team wird unser Winter eine Halbzeit spielen und kurz vor Schluss mit seinen Kindern auf dem Arm die Stadionrunde starten. Danach räumt er schnell seinen Spind und macht Platz für den Frühling. Den begrüßen wir dann Mittwoch 18:00 in einem Testspiel. Mal gucken, ob er sich auf dieser Position festspielen und zur Legende werden kann.