„Wir sollten mal schleunigst unseren Fokus so hochfahren, dass er auch 90 Minuten hält. Keine Ahnung, woran es liegt, weniger TikTok gucken oder was weiß ich, ist mir eigentlich wurscht, was sie machen.“ ist schon jetzt eins der Fußballzitate der aktuellen Saison. Und aufgrund seiner Baslerhaftigkeit, die Tim Kleindienst in diesem Moment bewiesen hat, wird man ab einem gewissen Alter den Spruch ganz natürlich in das Repertoire der Weisheiten aufnehmen, das man jüngeren Spielern entgegenblafft, während man versucht zu kaschieren, dass man selbst an der Mittellinie stehengeblieben ist, weil die Puste für einen Sprint nach hinten nach einem selbstverschuldeten Ballverlust gefehlt hat. Also eindeutig ein semischarfes Schwert im Generationenkonflikt und ein verzweifelter Versuch den kuscheligen Platz auf dem Affenfelsen noch eine Weile zu verteidigen. Aber natürlich auch Medienkritik und ein weiteres Indiz dafür, dass 90 Minuten Fokus nicht mehr so richtig in die Zeit passen. Als ob es die FIFA geahnt hätte. Selbst TikTok-Nutzer halten 90 Minuten TikTok kaum durch. Schließlich müssen parallel auch noch ein paar WhatsApps beantwortet werden. Super, dass das neue faltbare iPhone Duo endlich auch Multitasking im Splitscreen ermöglicht. Zudem kann man es als Reisewecker oder digitalen Bilderrahmen einsetzen. Das rechtfertigt natürlich mindestens 2000€. Ein Killerfeature hat es dann aber doch für uns dabei. Durch die Faltung kann man es superstabil und ohne Stativ aufstellen, wenn man nach dem Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 ein Mannschaftsfoto schießt. Auch von denen, die jede Hydration Break dankbar annehmen, um nicht zu trinken oder rauchen, sondern um ein paar Likes zu verteilen. Das aber leider meist nur virtuell. Beim nächsten mal lohnt es sich vielleicht, dass man auch einmal die Alten in der Mannschaft auf dem Platz lobt. Wofür auch immer. Aber dann werden aus ihnen im besten Fall keine weiteren Baslers.
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Brainrot wegen Meckerns
Hiermit möchten wir noch einmal klarstellen, dass German Brainrot nicht das Ergebnis von zu viel Kopfgrätschen ist. Man kann ja auch nicht vom Küssen schwanger werden. Nun gut, man könnte denken, dass der Kopf in einem Sport, der „Fuß“ im Namen trägt, eher ungeeignet ist, um ihn häufiger gegen Bälle und Waden zu kloppen. Das mag sein, aber das passiert seltener als man erwarten könnte. Das mit dem Kopfgrätschen ist eher eine Ausnahme oder eine Kuriosität, die sich aufgrund technischer Limitierung und fehlender Kontrolle über die eigenen Körperteile einstellt. Geplant ist sie selten. Natürlich könnten wir jetzt eventuell profitieren, wenn wir auch in kurzen Social-Media-Clips einen Kopfgrätscher statt eines Fisches in der Luft vertikal rotieren lassen. Müssen wir vielleicht sogar mal ausprobieren. Bei Asterix war das ja auch ganz lustig. Den Effekt würde man sicher Samstag 10:30 auf dem Platz messen können. Wenn dann plötzlich ganz viele neue Mitspieler mit einem TikTok-Account über den Platz rotieren, kann man sicher am Freitagmorgen ein paar Haupt- und Nebensätze einsparen. Über die Qualität des Spielermaterials müsste man aber noch einmal kritisch drüber gucken. Die TikTok-Pausen wären bestimmt länger und häufiger als die Trink- und Zigarettenpausen. Das Mitzählen der erzielten Tore wäre wie bisher komplett subjektiv und willkürlich. Da würde sich nicht viel ändern. Das mit der Kniehöhe beim Einschießen kann sich sowieso seit Jahren niemand merken. Ja nö, eigentlich sind wir wohl bereit für Idiocracy x Kopfgrätsche. Das Problem ist nur, dass wir gerade über einen Trend nachdenken, der morgen bei Spielbeginn schon wieder komplett out sein könnte. Aber wenn es uns gelingt in Zukunft weniger nachzudenken, sind wir bestimmt auf dem richtigen Weg.
Saudi Arabi Money Andrich
Zum Glück singen sie nicht mehr. 2026 wäre das schon reichlich unmelodisch geworden. Far away in America, Canada and Mexico mi Amor – das muss man fast rappen, um radiotauglich davonzukommen. Vier Jahre später wird es noch wilder. Buenos Dias Argentina, Paraguay, Uruguay, Marokko, Portugal, olé España – das ist leider zu viel Text, den sich kein durchschnittlicher Nationalspieler normal merken kann. Da kann man nur begrüßen, dass die WM2034 nur in Saudi und Arabien stattfinden wird. Damit lässt sich arbeiten. Ist allerdings auch noch ’ne Ecke hin. In 10 Jahren kann viel passieren. Zum Glück gilt das Verbrenneraus erst ab 2035. Gianni Infantino sollte also keine schlaflosen Nächte aufgrund der Finanzierung des Turniers haben. Der DFB wird bis dahin auch seine Geldtöpfe angepasst und sich auf der Sponsorenseite zukunftssicher aufgestellt haben. Es kann nicht mehr lang dauern bis Musiala und Wirtz für virale Werbeclips im BYD sitzen. Natürlich machen sie für das brandneue Modell Reklame, das autonom durch die Luft fliegt. Sie könnten in zehn Jahren auf jeden Fall noch als alte Platzhirsche in der Nationalelf dabei sein. Viele andere sind bis dahin schon längst in Fußballrente. Moukoko inklusive. Die Musikeinlagen der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahrzehnten lebten natürlich immer davon, dass sich das Gastgeberland mit lustigen Kostümen kulturell aneignen ließ. Lothar und Litti in Poncho und Sombrero waren für sich schon ein unschlagbarer Hitgarant. Insofern könnte die kommenden WMs doch für ein Comeback der singenden Ballkünstler sorgen. Natürlich nicht mehr mit Michael Schanze und Franz Lambert, aber für ein paar launige TikToks im Scheichgewand wird es wohl reichen. Da unsere Jungs bis dahin bei Al-Nassr spielen, gilt es auch nicht als kulturelle Aneignung sondern als normale Klubuniform, wie sie einst Ali Daei oder Sadio Mané in Form der Lederhose bei den Bayern tragen mussten. Das Konzept Winter-WM ist für uns natürlich inzwischen ein alter bequemer Hut wie Kopfgrätsche Samstag 10:30, an den wir uns auch längst gewöhnt haben. Als anpassungsfähige Geschöpfe werden wir sie genauso wie die Sechsländer-WM gucken. „Yalla Vamos“ ist dann doch ganz catchy. Sogar für Fußballer.
Beat-to-Box-Player
Der Deutsche Fußballbund oder wie wir coolen Kids sagen: der DFB hat ein paar freshe Sachen am Start. Ein paar Updates, die sich die alte Innovationsbremse Olli Bierhoff nie getraut hat. Der Bundestrainer wurde ja schon erfolgreich verjüngt, aber alle dachten: der macht das nur solange bis ein hipper Club mit mehr Reichweite um die Ecke kommt. Aber nein, der Vertrag soll verlängert werden und damit werden wir dann endlich auch ein paar frechere Fashionstyles als dieses Holzfällerhemd sehen. Jetzt traut sich Julian demnächst an die die wirklich angesagten Trends. Noch kann er es tragen und irgendwie muss er auch neben seinen Spielern in pinklila zu sehen sein. Nicht, dass er im Straßenverkehr übersehen wird. Über das gut sichtbare neue Verlaufstrikot für die EM wurde sich nun schon erwartbar genug echauffiert. Aber es ist bisher nur das Auswärtstrikot. Das Heimtrikot ist der derselbe fade und uninspirierte Mist wie sonst auch und da muss man doch geradezu dankbar sein, dass demnächst Nike für nur das Doppelte des Geldes unseren Jungs etwas Vernünftiges auf den Leib schneidert. Die Nibelungentreue wegen der Schraubstollen vom Adolf Dassler ist nach 70 Jahren nun wirklich kein Argument mehr, um ewig wie der letzte Kartoffelsack rumzulaufen. In den Aufnahmen vom Sönke Wortmann sah das nie gut aus, egal welche Kameraperspektive er einnahm. Aber auch er hat mit seinem ewigen Querformat einiges grundsätzlich falsch gemacht. Der neue DFB-Medienpartner ist ab sofort TikTok, damit das langweilige Rumgepöle auf dem Platz nicht mehr so auffällt. Die Spieler können jetzt endlich ihre wahren Qualitäten ausspielen und müssen sich beim Lipsync nicht auf die Nationalhymne beschränken. Überhaupt… wie alt und lame ist dieser Track? Da kann man doch nochmal ran. Der Thinktank trifft sich Samstag 10:30 zum Brainstorming. Wir ziehen für den richtigen Vibe extra ein paar neonfarbene Trikots über. Wer kann beatboxen?