Major Toni über dem Jubelmeer

»Wenn dann noch die Spieler aus dem Osten dazukommen, werden wir auf Jahre hin unschlagbar sein.« So ähnlich hat es der Kaiser selig angeblich mal gesagt. Oder wir haben es fast ein Vierteljahrhundert irrtümlich falsch erinnert. Es stimmt sowieso nur halb, weil tatsächlich ein Spieler aus dem Osten gereicht hat, um die Mannschaft unschlagbar zu machen. Richtig, ihr denkt natürlich an Robert Andrich aus Potsdam. Na gut, da war noch ein zweiter Ossi, der ein wenig mitgeholfen hat. Ausgerechnet im Caspar-David-Friedrich-Jahr hat Toni Kroos dem bisher berühmtesten Greifswalder der Welt den Kampf angesagt. Dafür malt er Pässe in Graslandschaften, um 10 Jahre nach dem WM-Pokal die Nationalmannschaft zu einem weiteren Pokal zu führen. Dabei hat er mit bisher fünf Champions-League-Trophäen und einem Podcast mit dem OZ-Talent des Jahres 2007 Felix Kroos eigentlich alles erreicht. Er lässt sich auch als Greifswalder nicht davon beeindrucken, dass nicht mehr Kernkraft 400 beim Torjubel läuft. Kaum steht er wieder für den DFB auf dem Platz reichen acht Sekunden, um Frankreich eine Niederlage beizubringen. Wahrscheinlich ganz im Sinne des alten Franzosenhassers Caspar David Friedrich. Zu dessen Zeit wurden Schlachten bei Jena allerdings noch zwischen Napoleon und Preußen plus Kursachsen und nicht zwischen Carl Zeiss Jena und Rot-Weiß Erfurt (beide weit abgeschlagen hinter dem Tabellenführer Greifswalder FC in der Regionalliga Nordost) geführt. Wem Standortpatriot Friedrich aber beim Spitzenspiel zwischen 2. und 4. an diesem Wochenende die Daumen gedrückt hätte, kann man nur mutmaßen. Aber wahrscheinlich denen in gelb und schwarz. Das freut die Dynamos beim Duell Preußen gegen Sachsen. Die Franzosen haben für die Euro aber auch mehr Eisen im Ärmel oder Asse im Feuer als nur die Equipe Tricolore. Der ehemalige Bayern-Teamkollege von Toni Kroos Willy Sagnol führte diese Woche als Trainer Georgien zur Endrunde. Was das bedeutet? Naja, definitiv noch mehr Spieler aus dem Osten. Diese und die Sonne, die dort aufgeht, bescheren uns nicht nur am Samstag (10:30) sondern auch am Mittwoch (18:00) ideale Standortvorteile zum Kopfgrätschen.     

Einfach mal Streichen

Joachim-Streich-Sportforum klingt doch eigentlich nicht schlecht, oder? Das klingt nach gepflegter Anlage mit modernen und robusten Sportgeräten und irgendwo zentral ein Hinweis auf den Namensgeber, der den jungen Sportsfreunden ein Beispiel sein könnte, weil er irgendwo hier in der Nähe selbst als Kind mit dem Ball begonnen hat. Momentan passt das allerdings noch  wenig mit der Wirklichkeit zusammen. Der Ort, an dem zukünftig dem erfolgreichsten DDR-Fußballer gedacht wird, sieht aktuell selbst noch nach 40 Jahren Mangelwirtschaft aus. Besonders dort wo der gemeine Freizeit-Kopfgrätscher Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 zum Spielen hin darf. Wenn man die Krater auf dem Platz schwarzweiß ablichtet, sieht es vermutlich ziemlich nach einer Zeitreise in die Sechziger aus, als Streich Wismar noch groß genug war. Schon mit 16 verließ er allerdings seine Heimatstadt und ging aus eigenem Antrieb nach Rostock, weil dort die bessere Infrastruktur und die größere Karriere lockte. Das muss mit den zukünftigen Talenten ja nicht unbedingt passieren. Wenn sie gut sind, wird Wismar natürlich trotzdem nicht ihre Endstation bleiben. Aber man kann sich gerade nicht vorstellen, dass von diesem Kraterfeld aus irgendein Talent es über Hansa und Bayern mal zu Real Madrid schafft und dort noch vier- bis fünfmal die Champions League gewinnt. Oder wenigstens bei Bremen, Union und Braunschweig die Relevanz für einen Podcast mit einem fünffachen Champions-League-Gewinner erspielt. Joachim Streich hatte keinen Podcast, aber hat immerhin noch oft genug als Experte bei Sport im Osten das Mikrofon in der Hand gehalten. Auch wenn er kein Lautsprecher war, er hätte bestimmt dennoch dieses Forum genutzt und gefordert, dass das Joachim-Streich-Sportforum dem Namen seines Paten gerecht werden wird.

Diplomaten-Post von Franz-Josef

Lieber Toni Kroos,

Früher hat man Sie Querpass-Toni genannt. Wenn man es gut mit Ihnen meinte, nannte man Sie einen Ballmagneten. Sie sammelten viele Pässe in jedem Spiel. Die meisten davon waren simpel und ohne Risiko. Risiko ist in der heutigen Zeit nicht mehr gewollt. Risiko ist, wenn man nicht einmal einen Terrorgeneral ausschalten kann, ohne dass gleich der dritte Weltkrieg droht. Dort braucht man nun die Diplomaten. Sie lieber Toni Kross sind wie Hans-Dietrich Genscher (der ist doch noch Außenminister, oder?). Mit Ihnen bleibt das Spiel kontrollierbar. Ein Querpass kann ein Diplomatenpass sein. Nun haben Sie diese Woche einen Eckball direkt verwandelt. Eine Schlitzohr-Aktion wie man sie nicht von Ihnen erwartet. Die letzten Typen der Bundesliga konnten das. Bernd Nickel. Mario Basler. Typen, die nie diplomatisch waren. Die auch mal eine Weizenbier getrunken haben. Die immer Ihre Meinung gesagt haben. Meinungen sind wie Arschlöcher. Sie sind kein Arschloch. Dennoch haben Sie ausgenutzt, dass der Torwart und die Abwehrspieler noch nicht bereit für die Ecke waren. Sie waren nur bedingt abwehrbereit. Das hat schon Franz Josef Strauß gestört. Franz Josef Strauß ist der letzte Typ in der Regierung (der ist doch noch Verteidigungsminister, oder?). Er hat auch mal ein Weizenbier getrunken und immer seine Meinung gesagt. Meinungen sind wichtig. Jetzt werden Sie, lieber Toni Kross für Ihren Schlitzohr-Eckball gefeiert. Was ist ein Tor wert ohne Gegner? Ohne Gegenwehr? Im nahen Osten und auf dem Bolzplatz (Samstag 10:30) wäre es wegdiskutiert worden. Ganz diplomatisch. Das müsste Ihnen doch eigentlich gefallen, oder?

Herzlichst, Ihr Franz Josef Kopfgrätsche

Best of Best

Die Beziehung von Fußball und Musik ist manchmal eine seltsame Angelegenheit. Das Gerücht, dass Toni Kross großer Pur-Fan sein soll, hält sich seit Jahren. Die Polonäse mit Helene Fischer 2014 vor dem Brandenburger Tor hat es erst möglich gemacht, dass sich viele Fans ein Vorrundenaus bei der WM in diesem Jahr heimlich herbeigesehnt haben. Bei Michael Ballacks Hochzeit vor 10 Jahren musste Sir Elton John die deutsche Nationalhymne spielen, was er sicher sogar besser gemeistert hat als Sarah „Brüh im Lichte“ Connor. Als Mehmet Scholl hingegen zu seinem Abschied die Hidden Cameras einlud, reichte das, um Olli Kahn von der Party zu vertreiben. Nein, von Seiten des Fußballs kann die Liaison mit der Musik nicht wirklich als vorbildlich bezeichnet werden. Da muss die Musik meist die Beziehung retten. Seit sich Marteria auf Musik statt auf Fußball konzentriert, kann tatsächlich mal wieder ein Rostocker das Ostseestadion füllen. Als die englische Band The Wedding Present 1987 ihr erstes Album veröffentlichte, wollte sie es nach dem legendären Belfast-Boy George Best benennen. Immerhin eine bessere Idee als es „Best of“ zu nennen. George Best gab sein Okay und war tatsächlich zu einem Fotoshootings für das Album bereit. Ob der fünfte Beatle wirklich etwas mit der Musik der Band aus Leeds anfangen konnte, ist bis heute unklar. Nun ist es aber Zeit mal wieder die ganz alte Platte aufzulegen:
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theweddingpresent

200 Jahre Nüschelgrätsche

Menno, ist das ungerecht. Immer noch ist das Talent auf dieser Erde ungleich verteilt. Nur ein paar Wenigen ist es vorbehalten, Champions-League-Trophäen zu gewinnen. Am Ende ist es irgendwie immer Toni Kroos. Und gerade einmal 32 Länder dürfen im Sommer um den Weltmeisterpokal spielen. Obwohl 23 Leute in jeden Kader delegiert werden, können nur 682 Panini-Aufkleber in diesem Subsistenzsystem zusammengetauscht werden. Pro Mannschaft werden aber nur 17 Spieler gezeigt, stattdessen wird mit billigen Glitzermotiven aufgefüllt. Das ist schwer zu erdulden, wenn das Turnier im Land der Oktoberrevolution stattfindet. Einer hätte sich das nicht gefallen lassen. Er ist diese Tage in aller Munde aufgrund seines 200. Geburtstages. Und er hat immerhin 255 Bundesligaspiele für Hertha, Bielefeld und Gladbach gemacht. Als Pferdelunge und Wasserträger im Mittelfeld. Für Zauberfüße wie Marco Reus oder Marcelinho hat er die Löcher zugelaufen. Ach nee, das ist ja der Wikipedia-Eintrag von Thorben Marx. Da steht aber interessanterweise auch, dass Thorben Marx 2015 für die Deutsche Kleinfeld-Nationalmannschaft auflaufen sollte. Was daraus wurde, verrät Wikipedia nicht. Im besten Fall pflügt er immer noch das Kleinfeld um und grätscht Futsal-Legenden wie Marcelo (oder Marxelo…?) bei der perfekten Ballannahme direkt mit ins Tor. Und sendet damit die Signale: Samstag 10:30, Mittwoch 18:00. Auf zum letzten Gefecht!