Glückwunsch. Sie wurden in unserem Losverfahren ausgewählt, um am Samstagmorgen der Kopfgrätsche zu dienen. Finden Sie sich Punkt 1030 nüchtern am Kreiswehrersatzamt Joachim Streich in Joggingbuxe ein. Es warten auf Sie einige Koordinationstests mit Ball. Falls dabei aus Versehen Drohnen getroffen werden, steht ihnen eine Karriere im abgehobenen Dienst bevor. Außerdem wollen wir ihr Gedächtnis testen. Dafür wird in unregelmäßigen Abständen ohne Vorwarnung während der Übungen nach dem aktuellen Spielstand gefragt. Oder nach der Uhrzeit. Oder beidem. Ihre Eignung fürs Gelände werden wir ebenfalls überprüfen, indem wir das Spielgerät aus heiterem Luftraum im Unterholz deponieren werden. Nach der Suchmission in der Tradition von Saving Private Ryan müssen sie ohne Kompass, GPS und Verpflegung zum Schießplatz zurückfinden. Der heißt allerdings nur so. Das Schießen ist hier absolut freiwillig. Pazifisten können natürlich auch einfach abspielen. Zur Vermeidung von Friendly Fire werden die Gegner farbig markiert. Darüberhinaus ist die Ausrüstung etwas dürftig. Bitte Socken und Unterwäsche selbst mitbringen. Falls sie an der Sinnhaftigkeit unseres Losverfahrens zweifeln, müssen wir ihnen mitteilen, dass wir ein absolut ausgeklügeltes System einsetzen. Niemand Geringeres als der überparteiliche Krake Paul dient zur Ermittlung geeigneter Rekruten. Mit ihm haben wir zwar am Ende nie gewonnen, aber wir sind doch meist weit gekommen. Und das hat dem General mit der Helmfrisur eine lange Laufbahn beschert. Was nach 2011 los war, als wir ohne Krakenorakel und Wehrpflicht angetreten sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Da sind unsere Aufzeichnungen etwas lückenhaft. Wahrscheinlich wurde ein sogenannter Digitalisierungsversuch unternommen. Deshalb antworten sie bitte nicht auf diese Mail. Der Server zerstört sich sonst von selbst. Danke für ihr Verständnis.
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Einfach mal Streichen
Joachim-Streich-Sportforum klingt doch eigentlich nicht schlecht, oder? Das klingt nach gepflegter Anlage mit modernen und robusten Sportgeräten und irgendwo zentral ein Hinweis auf den Namensgeber, der den jungen Sportsfreunden ein Beispiel sein könnte, weil er irgendwo hier in der Nähe selbst als Kind mit dem Ball begonnen hat. Momentan passt das allerdings noch wenig mit der Wirklichkeit zusammen. Der Ort, an dem zukünftig dem erfolgreichsten DDR-Fußballer gedacht wird, sieht aktuell selbst noch nach 40 Jahren Mangelwirtschaft aus. Besonders dort wo der gemeine Freizeit-Kopfgrätscher Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 zum Spielen hin darf. Wenn man die Krater auf dem Platz schwarzweiß ablichtet, sieht es vermutlich ziemlich nach einer Zeitreise in die Sechziger aus, als Streich Wismar noch groß genug war. Schon mit 16 verließ er allerdings seine Heimatstadt und ging aus eigenem Antrieb nach Rostock, weil dort die bessere Infrastruktur und die größere Karriere lockte. Das muss mit den zukünftigen Talenten ja nicht unbedingt passieren. Wenn sie gut sind, wird Wismar natürlich trotzdem nicht ihre Endstation bleiben. Aber man kann sich gerade nicht vorstellen, dass von diesem Kraterfeld aus irgendein Talent es über Hansa und Bayern mal zu Real Madrid schafft und dort noch vier- bis fünfmal die Champions League gewinnt. Oder wenigstens bei Bremen, Union und Braunschweig die Relevanz für einen Podcast mit einem fünffachen Champions-League-Gewinner erspielt. Joachim Streich hatte keinen Podcast, aber hat immerhin noch oft genug als Experte bei Sport im Osten das Mikrofon in der Hand gehalten. Auch wenn er kein Lautsprecher war, er hätte bestimmt dennoch dieses Forum genutzt und gefordert, dass das Joachim-Streich-Sportforum dem Namen seines Paten gerecht werden wird.