Die Bilder vom zerknirschten Oliver Kahn gab es in den letzten Tag doch häufiger zu sehen. Und das ganz ohne den Einsatz von Midjourney. Sicher hat der Titan im Laufe seiner Karriere schon genug Ikonografisches abgeliefert, aber das letzte mal, dass er so grüblerisch zu sehen war, muss schon fast 15 Jahre her sein. 2007 beendete sein langjähriger Teamkamerad Mehmet Scholl seine Karriere mit einem Abschiedsspiel des FC Bayern gegen den FC Barcelona und einer anschließenden Party. Dort waren nicht nur alle Großkopferten wie Beckenbauer, Rummenigge, Hoeneß und Stoiber eingeladen. Natürlich waren auch Scholls Mitspieler vor Ort und einige befreundete Bands, weil Scholl zu dieser Zeit ein Projekt mit einigen CD-Veröffentlichungen pflegte. Vor dem Spiel ist nach dem Spiel: Mehmet Scholl kompiliert – Volume 1 und 2 sind bei Medimops für 1 bis 2 Euro zu haben. Deshalb ließ er es sich nicht nehmen an diesem Abend in München eine seiner Lieblingsbands The Hidden Cameras auf die Bühne zu holen. Einerseits natürlich weil er die Musik von Joel Gibb und seinen Boys selbst ziemlich feierte. Aber andererseits auch, weil er als alter Agent Provocateur die Gesichter seiner Kollegen sehen wollte, wenn die queere Band in Lederhosen mit ihrem unverschämt eingängigen Gay Church Folk Rock die Bühne der Münchner Reithalle statt den CSD zum Wackeln bringt. „Wir werden ja sehen, wie die reagieren“, feixte Mehmet schon vor dem Auftritt. Für die Tanzeinlagen muss er neben den maskierten Gogo-Boys dann natürlich fast alleine sorgen. Uli Hoeneß holt früh seinen Mantel. Olli Kahn macht dieses schmallippige Gesicht und das wird im Verlaufe des Abends sicher nicht besser als die Sportfreunde Stiller auftreten und ihn daran schmerzhaft erinnern müssen, wo er die WM 2006 hauptsächlich verbracht hat. Egal, ob ihr Samstag (10:30) oder Mittwoch (18:00) gewinnt oder verliert – am Ende werden schon alle lächeln auf den Fotos. Dafür sorgt zur Not Midjourney.
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Best of Best
Die Beziehung von Fußball und Musik ist manchmal eine seltsame Angelegenheit. Das Gerücht, dass Toni Kross großer Pur-Fan sein soll, hält sich seit Jahren. Die Polonäse mit Helene Fischer 2014 vor dem Brandenburger Tor hat es erst möglich gemacht, dass sich viele Fans ein Vorrundenaus bei der WM in diesem Jahr heimlich herbeigesehnt haben. Bei Michael Ballacks Hochzeit vor 10 Jahren musste Sir Elton John die deutsche Nationalhymne spielen, was er sicher sogar besser gemeistert hat als Sarah „Brüh im Lichte“ Connor. Als Mehmet Scholl hingegen zu seinem Abschied die Hidden Cameras einlud, reichte das, um Olli Kahn von der Party zu vertreiben. Nein, von Seiten des Fußballs kann die Liaison mit der Musik nicht wirklich als vorbildlich bezeichnet werden. Da muss die Musik meist die Beziehung retten. Seit sich Marteria auf Musik statt auf Fußball konzentriert, kann tatsächlich mal wieder ein Rostocker das Ostseestadion füllen. Als die englische Band The Wedding Present 1987 ihr erstes Album veröffentlichte, wollte sie es nach dem legendären Belfast-Boy George Best benennen. Immerhin eine bessere Idee als es „Best of“ zu nennen. George Best gab sein Okay und war tatsächlich zu einem Fotoshootings für das Album bereit. Ob der fünfte Beatle wirklich etwas mit der Musik der Band aus Leeds anfangen konnte, ist bis heute unklar. Nun ist es aber Zeit mal wieder die ganz alte Platte aufzulegen:
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