Diplomaten-Post von Franz-Josef

Lieber Toni Kroos,

Früher hat man Sie Querpass-Toni genannt. Wenn man es gut mit Ihnen meinte, nannte man Sie einen Ballmagneten. Sie sammelten viele Pässe in jedem Spiel. Die meisten davon waren simpel und ohne Risiko. Risiko ist in der heutigen Zeit nicht mehr gewollt. Risiko ist, wenn man nicht einmal einen Terrorgeneral ausschalten kann, ohne dass gleich der dritte Weltkrieg droht. Dort braucht man nun die Diplomaten. Sie lieber Toni Kross sind wie Hans-Dietrich Genscher (der ist doch noch Außenminister, oder?). Mit Ihnen bleibt das Spiel kontrollierbar. Ein Querpass kann ein Diplomatenpass sein. Nun haben Sie diese Woche einen Eckball direkt verwandelt. Eine Schlitzohr-Aktion wie man sie nicht von Ihnen erwartet. Die letzten Typen der Bundesliga konnten das. Bernd Nickel. Mario Basler. Typen, die nie diplomatisch waren. Die auch mal eine Weizenbier getrunken haben. Die immer Ihre Meinung gesagt haben. Meinungen sind wie Arschlöcher. Sie sind kein Arschloch. Dennoch haben Sie ausgenutzt, dass der Torwart und die Abwehrspieler noch nicht bereit für die Ecke waren. Sie waren nur bedingt abwehrbereit. Das hat schon Franz Josef Strauß gestört. Franz Josef Strauß ist der letzte Typ in der Regierung (der ist doch noch Verteidigungsminister, oder?). Er hat auch mal ein Weizenbier getrunken und immer seine Meinung gesagt. Meinungen sind wichtig. Jetzt werden Sie, lieber Toni Kross für Ihren Schlitzohr-Eckball gefeiert. Was ist ein Tor wert ohne Gegner? Ohne Gegenwehr? Im nahen Osten und auf dem Bolzplatz (Samstag 10:30) wäre es wegdiskutiert worden. Ganz diplomatisch. Das müsste Ihnen doch eigentlich gefallen, oder?

Herzlichst, Ihr Franz Josef Kopfgrätsche