Fußballmärchen aus 1001 Love

Jetzt hätten wir tatsächlich ein Terminproblem. Samstag 10:30 Kopfgrätsche vs. Tunesien gegen Australien. Gegen diesen fußballerischen Leckerbissen am zweiten Spieltag der WM-Vorrunde hätten wir doch niemals eine Chance gehabt. Jeder hätte verstehen können, wenn potenzielle Mitspieler sich entschuldigt hätten, weil man lieber den Stars um Jackson Irvine und Mohamed Dräger zuschauen möchte. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die One Love zum Selberkicken diesmal etwas größer sein wird. Man geht natürlich davon aus, dass das Duell in Gruppe D ein weiteres lahmes 0:0 in einem halbleeren Stadion wird. Dann lieber gar kein Publikum, aber dafür Buden satt auf dem roten Platz. Auch sonst findet sich in der Fußballhistorie nirgendwo etwas, dass das Kräftemessen der Adler von Kathargo und der Socceroos in irgendeiner künstlichen Art interessanter machen würde. Bisher spielten beide Nationen zweimal gegeneinander. Wer aber das letzte Spiel der beiden beim ConfedCup 2005 in der Gruppe A verpasst hat, muss jetzt auch nicht mehr unbedingt einsteigen. Tunesien und Australien spielten damals mit Argentinien und Deutschland in dieser Gruppe. Am letzten Spieltag war diese allerdings schon entschieden, weil sowohl Argentinien als auch Deutschland ihre Spiele gegen die Nordafrikaner und Ozeanier gewannen. Es sollte uns also wundern, wenn Tunesien die 0:2 Niederlage gegen Australien damals als große offene Rechnung wertet. Das 2:2 im Spiel zwischen Argentinien und Deutschland war ein Jahr vor der WM2006 sicher viel interessanter. Für Jürgen Klinsmann war das ein wichtiger Gradmesser in Nürnberg, ob Spieler wie Mike Hanke, Thomas Brdaric oder Marco Engelhardt bereit sind für das Sommermärchen. Wenn ich heute an Nürnberg denke, dann natürlich an Elisenlebkuchen und erzgebirg’sche Volkskunst auf dem Christkindlmarkt. In diesen Disziplinen sind wir doch immer noch Weltmeister, oder?

Filmkritik: Das Nominierungsvideo

In der Nominierungswoche für das größte Fußballturnier der Welt hat sich ein komplett neues Filmgenre etabliert, das seinen eigenen Regeln folgt. Machwerke dieser Art werden mit dem Smartphone hochkant exklusiv für die großen Portale produziert. Gemacht sind sie für den Augenblick und entfalten ihre gewünschten Effekt im Livemoment. Dennoch potenzieren sie ihre ganze Wirkung erst, wenn eine Kopie davon auf allen anderen Plattformen landet und diese im besten Fall so viral geht, dass sie etwas später auch über die Nachrichtenportale all jene erreicht, die sich noch per Bild-Push-Nachricht informieren. Die Auflösung dieses Debüts ist abhängig von den Bandbreite, die während des Streamens herrscht und kann schon mal an einen Dogma-Film in der Tradition eines Lars von Triers oder Thomas Vinterbergs erinnern. Stilbildend ist natürlich der Screen im Screen, auf dem live zu sehen ist, was der Hauptdarsteller live miterleben muss. In der Situation vor der Gewissheit sieht man ihn leidend, wie es zuletzt eigentlich nur Leonardo di Caprio bei seiner oscarreifen Performance in The Revenant gelungen war. Wenn dann der Moment gekommen ist, an dem der Name des Protogonisten in der Nominierungspräsentation des Heimatverbandes fällt, verlässt die Kamera unmittelbar ihre Ruheposition und nutzt alle Achsen gleichzeitig. Das muss in einem Tempo erfolgen, bei dem der Autofokus komplett überfordert ist. Ein Mittel wie man es z.B. aus dem Horrorgenre kennt, in den Augenblicken maximaler Todesangst. Nur hier ist es natürlich ein Freudenmoment, in dem sich all das Leiden der bisherigen Karriere des Helden emotional entlädt. Oft wird in diesem Akt das Genre des Musicalfilms gestreift, eine ausgefeilte Darbietung wie in La La Land ist allerdings aufgrund der andauernden Ekstase nicht zu erwarten. Dafür verstecken die Macher kleine Eastereggs in ihren Produktionen, die sich nur entdecken lassen, wenn man das Nominierungsvideo Bild für Bild und Ton für Ton von Lippenlesern und Sprachwissenschaftlern analysieren lässt. Diese Interpretationen lassen das Video noch ein paar Stunden länger überleben, bevor es sich wie Aktionskunst zeitlich überlebt. Nur einige wenige Snippets schaffen es eventuell in späteren Remixen zurück in die Meme-Kultur. Bei der Gelegenheit wollten wir euch sagen, dass ihr für Samstag 10:30 nominiert seid. Wir sind gespannt auf eure Nominierungsvideos.  

Joy to the World Cup Division

Ich hatte gestern gar keine Lust auf Eis. Vielleicht ist der Sommer doch zart am Abklingen. Die Sommerzeit haben sie uns ja schon genommen, indem sie uns eine Stunde geschenkt haben, die fürs Kopfgrätschen allerdings komplett ungeeignet ist. Aber wir können weiterhin Samstag 10:30 kurze Hosen und die DKW-Sonnencreme tragen. Es sind immerhin noch zweistellige Plusgrade, aber der Katari würde sich doch schon eine Pudelmütze überziehen. In Doha sind schließlich heute und in den kommenden Wochen konstant über 30 Grad zu erwarten. Da legt sich sogar Per Mertesacker als ZDF-Experte gerne den ganzen Tag in die Eistonne. Es wird aktuell davon ausgegangen, dass eine Winter-WM eine einmalige Sache sein wird und man bei den nächsten Turnieren wieder im Sommer spielen wird. Aber ist das wirklich so sinnvoll? In 4 Jahren wird in den USA, Kanada und Mexiko ein neuer Weltmeister gesucht. Mexiko im Sommer ist auch nicht lauschig. Guckt man sich die aktuellen Temperaturen von Toronto an, die auch noch kuschlige 17 Grad haben, bräuchte man für diese WM, wenn sie auch im Winter und in diversen Klimazonen stattfindet, weder Rasenheizung noch Klimaanlage. Und falls die Bewerbung für 2030 von Saudi-Arabien, Ägypten und Griechenland Erfolg hat, will man doch nicht wieder zurück in den Juli? Also vielleicht arrangiert man sich schon einmal mit dem neuen Rhythmus und etabliert den World Cup neben Karneval, Advent und Black Friday in der kurzen Spanne zwischen Herbst- und Weihnachtsferien. Für den gemeinen Kopfgrätscher ist das gar nicht so ungünstig. Im Sommer spielt er ja schließlich selbst zweimal in der Woche und hat kaum Zeit diese ganzen WM-Spiele, die auch immer mehr werden, alle zu gucken. Bei der aktuellen WM wäre das natürlich eine vortreffliche Ausrede, um die WM einfacher zu boykottieren. Aber bei den folgenden Turnieren wird doch wieder alles gut, oder? Spätestens in Saudi-Arabien…

Badischer Abgang

Der polnische Abgang hieß im Englischen bisher french Exit. Aber das war ja auch bevor Ronaldo beim Spiel gegen Tottenham den frühzeitigen Heimweg antrat. Jetzt wandert diese Option der mehr oder weniger höflich-gelesenen Fahnenflucht auf die iberische Halbinsel. Dabei ist dieses Phänomen in der Fußballgeschichte nichts Neues. Wir erinnern uns noch an Jens Lehmann in der S-Bahn nach Essen als sein einziger Zettel ein Zweizonen-Ticket war. Er hatte in Leverkusen in der ersten Halbzeit 3 Tore kassiert und Jörg Berger traute ihm wohl nicht zu, dass er in der zweiten Hälfte vier Tore erzielt und probierte es mit einem erfahreneren Torwart. So war Jens nachdem er sich das Geld für die Fahrt geliehen hatte rechtzeitig zur Sportschau zuhause. So wie viele Fans die sich bei den übervollen Autobahnen im Ruhrgebiet fragen, wann sollte ich das Spiel spätestens verlassen, wenn ich Montag pünktlich auf der Arbeit erscheinen will? Deshalb wundert es nicht, dass ein anderer Schalker in Dortmund bei einem Länderspiel gegen Russland zum Inbegriff der treulosen Tomate wurde, weil er keine Lust hatte im Stadion des Erzrivalen eine weitere Halbzeit auf der Tribüne zu frieren. Bei Kevin Kuranyi war es allerdings schwierig die Art des Abgangs umzubenennen. Als Sohn eines Deutschen ungarischer Herkunft und einer Panamaerin wurde er in Rio de Janeiro geboren. Im Zweifelsfall ist Kuranyi natürlich Schwabe, der unter dem Badenser Jogi Löw aus der Nationalelf flog. Der Badenser wiederum verpasste unzählige Gelegenheiten für einen gut getimten Abgang und würde sich erstklassig als Pate für das Gegenteil des polnischen Abgangs anbieten. Bevor man allerdings gehen kann, muss man natürlich erst einmal erscheinen. Das werden wir Samstag 10:30 wieder versuchen. Wann wir unter welchen Umständen den Platz verlassen ist noch offen.  

Genetischer Doppel-Wumms aus der Zukunft

Hallo Pep, schön, dass du das letzte mal aufmerksam mitgelesen hast und das Tor-Monster am Mittwoch zum Ausruhen auf die Bank gesetzt hast. Warum es auch immer eine Pause brauchen könnte. Wahrscheinlich um Anlauf zu nehmen für einen nächsten irren Rekord. Aber egal, so konnte man sich in Kopenhagen über einen Punkt freuen, weil der 900.000€-in-der-Woche-Stürmer bezahlten Urlaub neben dem Platz machen durfte. Und wir konnten uns bei Heiko auf dem Hocker angucken, was passiert, wenn Haaland in zwei Mannschaften vermisst wird. Am Ende also nur zwei Tore in Gruppe G an diesem Spieltag. Aber immerhin das Bier und die Fachgespräche hatten viel Gehalt. Die Vorrunde ist in diesem irren Kalender nun auch schon fast rum. In Barcelona fragt man sich wie die Champions League für sie vorbei sein kann, wenn sie doch gerade erst gestern die Spieler dafür anmelden konnten, weil sie spät aber plötzlich noch Geld gefunden hatten. Dabei haben sie sich bestimmt einiges von Olaf Scholz seiner Doppel-Wumms-Kasse abgeguckt. Also wirtschaftlich gibt es doch Ähnlichkeiten. Man pumpt sich das nötige Kleingeld halt bei der Zukunft. Blöd ist nur, wenn man deshalb trotzdem nicht in der Gegenwart die Gruppenphase übersteht. Aber vielleicht sollte die UEFA mal darüber nachdenken noch mehr Spiele in diesem Wettbewerb zu veranstalten, damit man nicht als Dritter oder Vierter schon ausscheiden muss. Unser Turnier mit vier Teams am letzten Samstag 10:30 war doch auch sehr schön. Es bestand nur aus einer Gruppenphase und war vorbei als es anfing zu gewittern. Das Modell kann so gerne wiederholt werden und hat auf jeden Fall allen Spaß gemacht. Mehr Spaß als die Champions League aktuell, die sehnsüchtig darauf wartet, dass endlich der Cousin von Erling Haaland, der aber in Wirklichkeit sein Klon zu sein schein, in dem Wettbewerb aufläuft. Dann könnte man zukünftig auch immer mal einen Haaland schonen, weil dann der andere für den Wumms sorgt. Barcelona klingelt schon mal in Berlin durch für Tipps zu innovativen Finanzierungsmöglichkeiten.

Der Henkeltrick

Falls irgendjemand am Mittwoch noch versucht hat im Restlicht des Tages einen Ball zu erkennen, war er dennoch rechtzeitig zu Hause um zwei weitere Erling-Haaland-Buden zu bestaunen. Man muss allerdings festhalten, dass es nur 2 waren, was natürlich daran gelegen haben kann, dass auch er am Mittwoch früher Feierabend gemacht hat. Jedenfalls war man sich bei ManCity in der Halbzeit sicher: eine Halbzeitführung von 3:0 mit zwei Treffern von Haaland werden knapp ausreichen, um das Spiel gegen Kopenhagen nach Hause zu schaukeln. Hat mit den 5:0 auch einigermaßen geklappt. Der Norweger wird dennoch wehmütig auf seine Statistik geguckt haben und wahrscheinlich hat er sich für das Rückspiel nächste Woche vorgenommen, bis zur Pause 4 Tore zu schießen, um Pep eins auszuwischen. Bei der unwirklichen Torstatistik hat es auch tatsächlich nur drei Monate gedauert bis die ersten Wechselgerüchte um das Wunderkind auftauchen. Also der Erling-Standard, den man aus den letzten zweieinhalb Jahren Dortmund als Normalzustand nur zu gut kennt. Manchester City hat nur Glück, dass es eigentlich nicht mehr allzu weit nach oben geht, wenn der Stürmer die Premier-League zu Klump geschossen hat. Natürlich ist die Premier-League nur Beifang und auch die Champions-League-Gruppenphase ist nur zum Aufwärmen da. Das Ziel muss natürlich der Henkelpott sein und dafür soll Erling die Dinger im April und Mai reinbüffeln. In der City-Vitrine mit den Champions-League-Pokalen ist offensichtlich noch eine Menge Platz. Und Erling weiß immerhin wie man den DFB- oder auch den ÖFB-Pokal gewinnt. Falls es nichts wird mit der fest eingepreisten Silberware, werden die Wechselgerüchte wieder Fahrt aufnehmen. Der nächste logische Schritt kann eigentlich nur Elon Musks Mars-Team in der ersten interstellaren Twitterliga sein. Pep wird das nur verzögern können, wenn er ihn nächste Woche auf die Bank setzt und Erling wie wir in der Woche spielfrei hat. Seinen Wochenschnitt von 5 Hütten muss er also am Wochenende erfüllen. Aber warum soll es ihm anders gehen als uns Samstag 10:30? Im April 2023 steigen wir und Erling unter der Woche ja wieder ein. 

Dark Actually

Man muss wirklich aufpassen, was man hier äußert. Nicht, weil man angeblich nichts mehr sagen darf, sondern weil offensichtlich irgendjemand tatsächlich diese Spielankündigungen liest. Mindestens David Beckham ist dabei. Leider nur unter den mitlesenden Ehemaligen, die dann doch nicht mehr zum Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 erscheinen. Ich habe ihn dort diese Woche jedenfalls nicht gesehen. Allerdings war es Mittwoch schon sehr früh dämmerig. Da würde ich jetzt nicht Stein und Bein schwören, dass er nicht doch dabei war. Aber in der Schlange am Queen-Sarg war er zu sehen. Und er hat wohl auch verzichtet, sich in der VIP-Fastlane anzustellen. Er wollte das gesamte Erlebnis über die volle Wartezeit. Für jemanden, der früher häufig mal in der 75. Minute ausgewechselt wurde, ein ganz ungewöhnliches Gefühl. Kritiker werden sagen, dass er die Fastlane auch schon auf dem Platz eher gemieden hat. Die Leute vor und hinter ihm hatten bestimmt eine gute Zeit und haben wahrscheinlich auf den Selfies geguckt wie jemand, den Tom Hardy gerade in einem Mixed-Martial-Arts-Turnier besiegt hat. In England scheint es also ab und zu doch sehr familiär zuzugehen. Das englische Kino arbeitet jedenfalls sehr gern mit solchen unerwarteten Klassenbrüchen. In Notting Hill verliebt sich ein Filmstar in einen vertrottelten Buchhändler gespielt von Hugh Grant, der sich wiederum in Love Actually als Premierminister in seine Praktikantin verliebt. Und dann war da noch Elisabeths erster Premierminister Winston Churchill, der in The Darkest Hour tatsächlich eine ganze Station U-Bahn fährt, um sich vom Pöbel die Volksmeinung zum Krieg abzuholen. Apropos The Darkest Hour: David, denke daran Mittwoch pünktlich zu kommen, sonst können wir dich nicht mehr sehen.

Polonaise Blanqueuenese

Oho, jetzt kommt also nächste Woche schon der letzte Länderspielstopp vor ihr wisst schon was. Kann man aber noch unbedenklich gucken, oder? Es ist immerhin das traditionsreiche Turnier Nations League mit coolen Duellen auf Augenhöhe. Dabei führt die Reise von Hansi und Olli uns auch nach England, wenn nicht noch mehr Fußballspiele abgesagt werden, weil die Engländer Public Viewing anders übersetzen. Wenn man den Insulaner dieser Tage zu einer solchen Veranstaltung einlädt, stellt er sich sofort in die Kondolenz-Schlange am Queen-Sarg. Dabei beweist er beachtliches Stehvermögen. Die Heatmap zeigt eine violette Linie von der London Bridge flussaufwärts bis nach Lambeth und über die gleichnamige Brücke bis hin zur Westminster Hall. Das sind beinahe 4 Kilometer. Gestern Nachmittag waren es sogar mehr als sechs Kilometer. Auf Youtube kann man live das aktuelle Ende der Schlange verfolgen. Das sollte Hansi unbedingt in seine Videoanalyse vor dem Spiel in London mit einbeziehen. Rein statistisch müssten auch einige Nationalspieler in der Schlange markiert werden können und wenn man nicht aufpasst, lassen die sich am Ende gegenseitig vor. Aber das ist nicht gewiss. Für Engländer ist das Stehen in Schlangen angeblich oft viel amüsanter als das eigentliche Ziel. Das haben sie sich immerhin über Jahrzehnte beim Fußball antrainiert. In dieser Wartezeit findet man neue Freunde und lädt sich gegenseitig zu heißem braunen Wasser ein. Dieses Konzept klingt eigentlich nicht schlecht und vielleicht sollte man auch in diesem Fall darauf setzen, dass die Engländer ein weiteres mal unser Vorbild für eine auf den ersten Blick eigenartige Freizeitbeschäftigung werden. Ich starte schon jetzt die Schlange für Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Nach dem frühen Sonnenuntergang am Mittwochabend kann man das auch noch problemlos ohne Tageslicht fortsetzen.  

No time for looosers?

Uns Uwe plauderte 2016 im Spiegel über das Endspiel 1966:
»Vorm Endspiel in Wembley wies mich Helmut Schön zudem nochmal extra darauf hin, dass auch die Queen im Stadion zugegen sein würde. Vor ihren Augen würde allzu großes Lamentieren und aggressives Auftreten erst recht keinen guten Eindruck machen. So vergingen vom umstrittenen Aufprall des Balls vor unserem Tor bis zu unserem Wiederanstoß im Mittelkreis gerade mal 50 Sekunden – jemand hat das nachträglich mal anhand der TV-Bilder genau nachgestoppt. Nicht mal eine Minute Diskussion über die wohl kontroverseste Szene der Fußballgeschichte! Schon verrückt, erst recht, wenn man bedenkt, dass wir jetzt, nach 50 Jahren, noch immer darüber sprechen.«
Mal davon abgesehen, dass Lamentieren beim Schiedsrichter eigentlich nie irgendwas bringt, offenbart der kürzlich verstorbene Ehrenspielführer hier, dass es sich für England 1966 schon gelohnt hat, dass es eine Königin hat, die es bei Bedarf bei wichtigen Spielen auf die Tribüne setzen kann. Ob sie dem Fußball wirklich etwas abgewinnen konnte, ist nicht ganz klar. Im Adel verfolgte man andere Sportarten sicher häufiger. Im Zweifelsfall etwas, wobei man auch mal die Pferde und Gewehre einsetzen kann. Die proletarische Fußlümmelei am Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) dürfte ihr daher eher fern gelegen haben. Dennoch hat man versucht zwischen der Einweihung einer Schraubenfabrik und der Ehrung von Royal-Airforce-Veteranen sie auch noch als Maskottchen für ein Fußballendspiel zu buchen. Das hat 1966 super geklappt. Vor dem VAR war sie quasi die Instanz, die dafür sorgte, dass die umstrittene Szene des Spiels ohne viel Palaver entschieden wurde. Am Ende durfte sie ihren Landsleuten den Pokal überreichen und Uwe Seeler blieb nur der höfliche Händedruck ihrer Majestät. Uwe beugte brav den Kopf anstatt ihr zu erklären „Du Lisbeth, das Ding war niemals drin!“. Die Queen war damals gerade 40 und man hätte eigentlich erwarten können, dass ihre Untertanen es hinbekommen bis zu ihrem Lebensende 56 Jahre später vielleicht doch noch einige Weltmeister- oder wenigstens Europameisterschaften zu gewinnen. Aber wie ihre Familie hat auch die Fußballfamilie es immer wieder geschafft, möglichst dramatisch zu scheitern. Erst die englischen Frauen schafften es kurz vor dem Ableben der Queen mit einem Sieg in Wembley gegen Deutschland in diesem Sommer wieder einen großen Titel zu holen. Die Herren-WM in Katar boykottiert sie jedenfalls in weiser Voraussicht. Immerhin wird trotzdem auch nach dem Finale dieses Turniers ihr größter Hit gespielt: We are the Champions!

Los stop schade (Kopfgrätsche Remix)

Auf dem Gummi aufgewacht
Das Trikot klamm, vom Tau ganz nass
Von der Tribüne da schaut mir jemand zu
Ein Stollenabdruck im Gesicht
Ich winde und bedanke mich
Auf der Tribüne, ich glaube da sitzt du und schaust mir zu
Jetzt stehst du auf, ich wink dir nach
Und im Flutlicht glänzt dein Haar
Und wieder mal: Los! Stop! Schade!

Alles versucht, zuviel riskiert
Den Solo-Doppelpass probiert
Für die Ersatzbank taug ich nun mal nicht
Der Schiri grinst sich tot
Seine Karte sie zeigt rot
Die dritte Halbzeit spiel ich ohne dich und ohne Ball
Krieg was ich will, hab ich gedacht
Dabei den Schlusspfiff wohl verpasst
Nichts weiter als: Los! Stop! Schade!

Wir sind der Pille auf der Spur
Wir versenken sie
Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00

Ronaldo im Baggersee

„Ronaldo drängt auf BVB-Wechsel!“ Nur eine ganz normale Wahnsinnspushmitteilung in diesem Sommer. Und das schafft es kaum den Puls so weit hochzutreiben, wie es vielleicht die Meldungen „Rhein versiegt!“, „Kopfgrätsche-Samstag (10:30) und -Mittwoch (18:00) mit dreißig Mitspielern!“ oder „MV wird Frackinggebiet!“ hinbekommen würden. Nun soll also Dortmund Ronaldo-Gebiet werden, wenn sich nicht noch ein Club in Abu Dhabi findet, der dem Weltstar den sandigen Teppich ausrollt. In Dortmund waren sie jetzt gar nicht sooo überzeugt, sonst hätten sie ja nicht den Schiebermützendieb von den kölschen Peaky Blinders mit dem letzten Geld losgeeist. Aber Ronaldo hat sich entschieden und was soll man dann dagegen machen? Vielleicht wird man wenigstens im Tausch noch ein paar Ladenhüter wie Akanji, Meunier oder Nico Schulz nach Manchester los. Bei United ist man nach zwei Spieltagen und Niederlagen gegen Brighton und Brentford schließlich schon die Lachnummer der gesamten Fußballwelt. Sogar Elon Musk hat einen Kauf des Clubs in Aussicht gestellt. Und seit seinem Klingelstreich bei Twitter weiß man doch, was davon zu halten ist. Meme-Twitter kriegt sich natürlich gar nicht mehr ein und produziert inflationär Maguire-to-Mars-Content. Marschester United höhöhö. Am Ende wird Elon Musk etwas komplett anderes mit seinem Krypto-Geld machen, aber momentan klickt es halt gut, wenn man sich auch noch in die Prügelei gegen die Red Devils mit einreiht. Ronaldo wird aber nicht gern verhauen und sucht lieber die Echte Liebe. Er passt als Exot nach Dortmund natürlich wie Kaiman Sammy in den Baggersee. Aber erst wenn das Sommerloch vorüber ist, werden wahrscheinlich in Dortmund wieder Alltagsthemen diskutiert. Leider wird sich dann niemand mehr an den Sommerflirt mit dem Kurschatten Ronaldo erinnern, wenn Akanji, Meunier und Nico Schulz wie gewohnt den Ball verstolpern.

Telenovelaola

Fast hätte man verpasst, dass tatsächlich schon wieder professionell Fußball gespielt wird, oder? Die Sportnachrichten bestehen halt immer noch zu 80% aus Transfernews und bilden in der Gesamtheit eine so herrliche Seifenoper, dass man sich schon bewusst die Zeit nehmen muss, um auch mal ein Spiel anzugucken. Die Gerüchteküche ist natürlich unablässig am Brodeln und die Spielberichte rutschen dabei im Ranking schon mal auf die zweite Suchergebnisseite. Dabei muss man wissen, dass von den Gerüchten, die während eines Transferfensters Nachrichten generieren, unter 1 Prozent (großzügig aufgerundet) wirklich echte Transfers werden. Die Sinnlosigkeit, die sich offenbart, wenn man sich diesen Maßstab vor Augen führt, ist größer als der Schuldenberg des FC Barcelona, der die mit Abstand schmutzigste Telenovela des Sommers bietet. In der Zwischenzeit spielt der große Rivale Real Madrid einfach Fußball und gewinnt Titel. Boring. In die Trends schafft man es damit aber kaum. Real, die früher mal als die Galacticos die Erfinder von unanständigen Skandal-Transfers waren, sind kurz vor Status FC Heidenheim. Spieler bleiben lange und gern und sind dabei auch noch erfolgreich. Wie viele Transfergerüchte gab es um Toni Kross, Luka Modric, Casemiro und Karim Benzema in den letzten 5 Jahren? Sogar die Ausnahmespieler, die Mitte der 2010er Jahre die Bundesliga dominiert haben, und immer bekundet haben, dass sie irgendwann für Real spielen wollen, füllen jetzt lieber beim FC Barcelona die Schlagzeilen. Alle gucken gespannt auf sie, weil niemand genau weiß, ob sie gerade kommen oder gehen sollen. Die Spieler-Fluktuation wird womöglich am Ende auch nicht größer sein als zwischen einem normalen Kopfgrätsche-Samstag (10:30) und -Mittwoch (18:00). Aber man wird die Barca-Spiele natürlich sehen wollen, um die Telenovela-Kamera zu aktivieren, die ausschließlich die enttäuschten Spieler-Gesichter auf Bank und Tribüne filmt.     

Wie die Ölgötzen

Bevor das zu spät ist, müssten wir jetzt mal abklären, ob denn diese umstrittene WM in Katar nun geguckt wird oder nicht. Man könnte wie in den vergangenen 4 Jahren seit Watutinki natürlich sagen, dass es noch lange hin ist, aber eigentlich sind wir schon in der Story, die auf das Turnier hinführt. Die Hinrunde wird schon die entsprechenden Geschichten liefern, die dafür sorgen, dass man im Dezember gemeinsam unterm dem Heizpilz der Sportsbar sitzt und in die Vuvuzela trötet. Warum auch nicht? Es ist vermutlich einer der wenigen warmen Orte in diesem Winter. Das katarische Gas wird sicher nicht für ganz Europa und die katarischen Stadion reichen, die zeitgleich energieaufwändig auf 27 Grad heruntergekühlt werden müssen. Auch bei uns wird es jetzt einige Spieltage geben, wo man sich an diese Bedingungen schon einmal gewöhnen kann. Selbst fürs Kopfgrätschen ist manchmal zu warm. Samstag 10:30 bei 18 Grad und Mittwoch 18:00 bei 22 Grad sind aber ungefährdet. Der Ligaspielbetrieb wurde auch früher begonnen, um rechtzeitig zum Turnier mit der Hinrunde fertig zu sein und wir sind natürlich alle sehr gespannt wie Mario Götze, die hohen Temperaturen verträgt. Präsentiert er sich wohlmöglich in WM-Form, so dass er nach einer märchenhaften Hinserie natürlich mit auf den WM-Zug (der vermutlich trotzdem ein WM-Flieger sein wird) aufspringt? Da gucken wir doch alle sehr gespannt hin und am Ende blenden wir die finale Auflösung aus, ob er wie Phönix oder Jesus noch einmal mit dem WM-Pokal zurückkommt? Die Netflix-Serie ist doch bestimmt schon in der Mache und zur Gesamtstory gehört sicher alles was seit 2014 passiert ist. Es wird also dramaturgisch nahezu unmöglich sein Katar auszublenden. Also sichern wir uns besser schon einmal rechtzeitig den Stammtisch unterm Heizpilz. Außengastro wird doch bestimmt wieder ein gefragtes Ding. Wir müssen ja dort nicht wie Newcastle-Fans in Scheichkostümen rumsitzen. Es sei denn es gibt die aus Thermofleece.   

Arm aber kaufsüchtig

Dass diverse neureiche Clubs, nachdem sie plötzlich zu Geld gekommen sind, den Transfermarkt durcheinanderwirbeln, ist kein neues Phänomen. Das ist in der Vergangenheit häufig genug passiert. So war es 2003 als Chelsea von Ambramowitsch gekauft wurde und sich zuerst fett aus dem obersten Regal eindeckte. Mutu, Crespo oder Veron – der Preis spielte keine Rolle und war aus heutiger Sicht vergleichsweise lächerlich. Die meisten Stars waren für einen damalig unanständigen Preis zwischen 20 und 30 Mio. € zu bekommen, aber man wollte ja schnell nach oben. Und weil das so gut funktionierte, konnte man das gleiche Spiel noch einmal bei Manchester City 2008 beobachten. Das Geld kam aber zu plötzlich als der Markt schon leer war. Bis auf die Brasilianer Robinho und Jô, die völlig überteuert Man City bis auf Platz 10 führten. Ein paar Transferperioden später konnte man das Geld aber wirklich gewinnbringend aus dem Fenster werfen. Aber sie mussten das nicht allein tun, weil 2011 Katar bei Paris St. Germain einstieg und 2017 bewies, dass Geld überhaupt keine Rolle spielt, als sie beim FC Barcelona die Fantasieablöseforderung von 222 Mio € für Neymar erfüllten. Nun hat man natürlich erwartet, dass in diesem Sommer Newcastle mit dem Saudi-Geld den Markt ordentlich aufmischt. Aber der Scheich hat die Taschen wohl noch zugenäht. Stattdessen gibt der FC Barcelona Geld aus, das er gar nicht hat. Die Neymar-Millionen sind jedenfalls schon lange weg. Messi und die diversen neue Neymars haben das quasi weggeatmet. Dennoch kaufen sie in diesem Sommer fleißig alle Spieler, die ausgerechnet der FC Chelsea gerne verpflichten würde. Ob die Erbeuteten dann wirklich alle spielen dürfen, ist eine andere Frage. Lewandowski muss wahrscheinlich seine Arbeit fürs erste oder bis zu seiner offiziellen Anmeldung pünktlich zur WM von Aubameyang erledigen lassen. Bis dahin kann er sich gerne Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 beim Kopfgrätschen einigermaßen fit halten. Nur falls er nicht zu Newcastle verliehen werden möchte.

Hinterkopfjuwel

Nun hat der HSV tatsächlich niemanden mehr, der sich vernünftig um ihn Sorgen macht. Und alles was man an Herzlichkeiten über den verstorbenen Ehrenspielführer und die legendärste HSV-Legende sagen kann, wird gerade zurecht als Trostpflaster auf alle Startseiten geklebt. Mit Uwe geht bei den Menschen halt auch eine ganz tiefe Sehnsucht noch dem Fußball von früher; und damit ist gar nicht das eigentliche Spiel gemeint, das technisch und athletisch natürlich wie andere Sportart aussieht. Fast ein wenig wie Kopfgrätschen am Samstag (10:30) oder Mittwoch (18:00). Aber wer seinen Kopf so kreativ einsetzt, dass sogar der hintere Teil des Nüschels eine torgefährliche Waffe darstellt, der geniest bei uns Fans der ungewöhnlichen Kopftechniken natürlich die höchste Anerkennung. Und in Sachen Fairplay und Sportsmanship war Uwe natürlich die Blaupause, nach der man sich nicht nur seine Mitspieler sondern auch seine Gegenspieler wünscht. Von so einem lässt man sich gerne mal die Tore einschenken, wenn man weiß, dass der gegenseitige Respekt vor der sportlichen Leistung stets die Grundlage der gemeinsamen Zeit auf dem Platz ist. Solch ein Wesen macht die Leute zurecht wehmütig. Gerade mit Blick auf den modernen Fußball. Einen hippen Signature-Fortnite-Jubel, der den Gegner so richtig auf seinen Loser-Status verweist und der den FIFA-Avatar erst so richtig wertvoll macht, hat ein echter Sportsmann wie er nie nötig gehabt. Aber zum Ausgleich bekommt man als Denkmal einen riesigen Fuß vor das eigene Stadion gestellt. Jetzt wäre es an der Zeit, dass Hamburg auch die restlichen verehrungswürdigen Körperteile von Uwe ins Stadtbild integriert. Wir freuen uns besonders auf seinen Hinterkopf.  

Ballfahrtsorte statt Taten

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ So oder so ähnlich ist es im Evangelium nach Loddar Matthäus Kapitel 18 Vers 20 geschrieben und man kann sich denken, dass das genauso für den Fußball funktioniert. Ab drei Leuten kann man schon ein Spielchen beginnen und ab drei Mannschaften hat man quasi ein Turnier. Und das hat auch dieses Jahr beim DIA-Turnier funktioniert, ohne dass die lahmen Kopfgrätscher durch ein himmlisches Wunder noch zum Grätschen gebracht werden mussten. Auch Berti Vogts dachte damals es wäre unbedingt nötig, dass er Matthäus in seinem biblischen Alter von 37 noch mit auf die Wallfahrt zur WM1998 in Frankreich nehmen muss. Das gute Wasser von Lourdes sorgte tatsächlich dafür, dass Deutschland es in der zweiten Hälfte gegen Jugoslawien ohne Kroatien Lazarus gleich tat und wieder von den Toten auferstand. Nur um dann im Viertelfinale von Kroatien ohne Jugoslawien mit 0:3 in die ewigen Jagdgründe geprügelt zu werden. Das Ganze auch noch in Lyon zu Füßen der Wallfahrtskirche Notre-Dame de Fourvière, die im Volksmund aufgrund seiner 4 oktogonalen Ecktürme „der auf dem Rücken liegende Elefant“ genannt wird. Und ebenso lagen 1998 die deutsche Nationalmannschaft und Loddar darnieder und streckten alle four Viere von sich. Zwei Jahre später spielte ich mein erstes Turnier im Rahmen der amateurhaften studentischen Fußlümmelei und Lothar musste seinen greisen Körper durch eine EM-Vorrunde schleppen, die Deutschland als Gruppenletzter abschloss. Auch 22 Jahre danach braucht es keine grauen Leitwölfe. Es reicht ein Ball, um jederzeit problemlos zwei bis drei Mannschaften zu einem Spaßturnier zu versammeln. Was heißt das nun für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, liebe Gemeinde? Nun, es schadet jedenfalls nicht einen Ball mitzubringen.

Bändchen on the run

Wie viele 3-Tage-Events kann man noch mitnehmen bis der Sommer vorbei ist? Eine echte Challenge, denn es gilt eine Menge aufzuholen. Jedes Festival, dass endlich wieder stattfinden kann, bietet mindestens 3 Tage Musik. Wenn man die mit dem Ticket bereisen möchte, das einem den ganzen Sommer das Gefühl gibt, dass das gesamte Festivalpublikum in einem Bahn-Abteil zusammenkommt, sollte man noch einmal 3 Tage für jeweils An- und Abreise einrechnen. Die Tage dazwischen kann man mit den nachgeholten Konzerten im Club oder auf der Freilichtbühne auffüllen. Wenn draußen noch irgendwo ein Platz zwischen Kunsthandwerkermärkten, Straßentheatern oder Kino-Openairs zu finden ist. Langsam wird es schwierig das richtige Bändchen an den dicken Handgelenken zu finden, die einem Einlass gewähren. Alleine an diesem Wochenende warten wieder mehrtägige Veranstaltungen, die absolut in dieses Muster passen. Wem 3 Tage Sylthochzeit mit Christian und Franca zu gehyped sind, geht lieber auf das kleine Indie-Festival DIA 2022. Wer lieber mal drei Tage Ruhe haben möchte, bucht das Kombi-Ticket aus Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Natürlich mit der Option diese Ruhe um zwei Tage zu verkürzen, wenn man noch bei DIA-Turnier Sonntag 10:00 aufläuft. Die Plätze wurden aufwändig freigekämpft. Vielleicht muss in Trink- und Umbaupausen noch ein Straßenkünstler auftreten oder ein DJ sein Set für die nächste Promihochzeit proben. Aber der Platz sollte dennoch großzügiger sein als aktuell am Flughafen oder Bahnhof.

To be super clear

Jeder bei Kopfgrätsche muss ein Minimum an 2 mal 90 Minuten pro Woche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) mit Kopfgrätschen verbringen. Zudem muss der Kopfgrätsche-Ort dort sein, wo die aktuellen Kopfgrätscher sind – nicht an einem Pseudo-Kopfgrätsche-Ort. Wenn du nicht auftauchst, müssen wir davon ausgehen, dass du nicht am Kopfgrätschen bist. 

Je Alt-Kopfgrätscher du bist, desto sichtbarer muss deine Kopfgrätsche-Präsenz sein. Deshalb habe ich an dem Kopfgrätsche-Ort so viel Lebenszeit verbracht – so dass alle an der Strafraumkante sehen konnten wie ich neben ihnen kopfgrätsche. Hätte ich das nicht getan, würde Kopfgrätsche schon nur noch im Kopf existieren.

Es gibt natürlich Teams, die das nicht brauchen, aber wann war das letzte mal, dass diese einen großartigen neuen Kopfgrätsche-Moment hervorgebracht haben? Das ist wohl schon ein Weilchen her. 

Kopfgrätsche hatte und wird die aufregensten und sinnvollsten Kopfgrätschen aller Kopfgrätschen weltweit kreieren und umsetzen. Das wird nicht fernmündlich passieren.

Thanks,
Elonglonglong

ApplePay, AliPay, Mbappé

Okay, es sind jetzt 25 Jahre seit „Ricken lupfen jetzt!“, aber damals war Kylian Mbappé noch nicht einmal geboren. Seit dem hat sich einiges getan. Lars Ricken musste erst seine Karriere beenden, in der er immerhin auch Vizeweltmeister und Champions-League-Sieger geworden ist, um in seinem Verein mitzubestimmen. Auch Mbappé bleibt nun doch dem Verein seiner Geburtsstadt treu, statt zu einem großen Namen ins Ausland zu wechseln. Jetzt könnte man darauf mit fußballromantischen Gefühlen glotzen, aber nein, alle sind nur am Meckern. Vielleicht liegt es daran, dass Lars mit 45 nur das Nachwuchsleistungszentrum leitet, während Kylian mit 23 gefühlt zum spielenden Aufsichtsratsvorsitzenden aufsteigt. Die Machtfülle als Goodie im Vertrag ist schon ungewöhnlich, aber wahrscheinlich die Zukunft. Man wird bei den wichtigen Entscheidungen demnächst öfter hören: Kylian begrüßt, zweifelt an, lehnt ab. Neymar-Verkauf zu Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00)? Ok. Neues Maskottchen? Vielleicht. Doppelter Nachtisch? Auf keinen Fall! Lars schimpfte vor 25 Jahren in einem Nike-Werbespot auf die Geschäftemacher in Nadelstreifen. An die in kurzen Hosen, wie das aktuelle Nike-Zugpferd Mbappé, dachte er damals wohl nicht.

One more „da ist das Ding“

Bei Kopfgrätsche denkt man ja, sie haben das DIA-Turnier gewonnen, dabei haben sie nur den Samstag überlebt. So ungefähr schaut Uli Hoeneß auf unser Tun Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Und irgendwo hat er ja auch recht. Aber wer weiß denn schon, ob man jemals wieder ein DIA-Turnier gewinnt? Man könnte natürlich all sein Eskalationspotenzial für diesen Moment aufheben, damit man tatsächlich noch Steigerungsoptionen hat, falls man in solch triumphale Situationen kommt. Hätte Uli Hoeneß vor neun Jahren jemand gesagt, dass die Bayern 10 mal in Folge Meister werden, hätte er seine Endorphine nicht alle schon nach der ersten oder zweiten verpulvert. Es beschleicht einen aber das ungute Gefühl, dass die Bayern aktuell noch mit angezogener Handbremse jubeln, damit sie adäquat eskalieren können, wenn Meisterschaft Nummer 20 erreicht ist. Oder welche Zahl auch immer es rechtfertigt, ein wenig Freude zuzulassen. Aber da spricht wahrscheinlich der alte Zocker aus ihm, der nicht einfach aussteigen kann, wenn irgendetwas gewonnen wurde. Aber wären wir anders? Nach jedem Tor denken wir doch, dass uns noch ein zweites gelingt. Und wer zwei hat, will auch drei. Und wenn man dann am Samstag alles verzockt hat, steht man Mittwoch wieder auf dem Platz, in der Hoffnung, dass die Aussicht auf das nächste Tor, den nächsten Sieg, den nächsten DIA-Turniergewinn, die Nationalmannschaftskarriere und den WM-Titel (Verteidigung optional) zum Greifen nah ist.