No time for looosers?

Uns Uwe plauderte 2016 im Spiegel über das Endspiel 1966:
»Vorm Endspiel in Wembley wies mich Helmut Schön zudem nochmal extra darauf hin, dass auch die Queen im Stadion zugegen sein würde. Vor ihren Augen würde allzu großes Lamentieren und aggressives Auftreten erst recht keinen guten Eindruck machen. So vergingen vom umstrittenen Aufprall des Balls vor unserem Tor bis zu unserem Wiederanstoß im Mittelkreis gerade mal 50 Sekunden – jemand hat das nachträglich mal anhand der TV-Bilder genau nachgestoppt. Nicht mal eine Minute Diskussion über die wohl kontroverseste Szene der Fußballgeschichte! Schon verrückt, erst recht, wenn man bedenkt, dass wir jetzt, nach 50 Jahren, noch immer darüber sprechen.«
Mal davon abgesehen, dass Lamentieren beim Schiedsrichter eigentlich nie irgendwas bringt, offenbart der kürzlich verstorbene Ehrenspielführer hier, dass es sich für England 1966 schon gelohnt hat, dass es eine Königin hat, die es bei Bedarf bei wichtigen Spielen auf die Tribüne setzen kann. Ob sie dem Fußball wirklich etwas abgewinnen konnte, ist nicht ganz klar. Im Adel verfolgte man andere Sportarten sicher häufiger. Im Zweifelsfall etwas, wobei man auch mal die Pferde und Gewehre einsetzen kann. Die proletarische Fußlümmelei am Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) dürfte ihr daher eher fern gelegen haben. Dennoch hat man versucht zwischen der Einweihung einer Schraubenfabrik und der Ehrung von Royal-Airforce-Veteranen sie auch noch als Maskottchen für ein Fußballendspiel zu buchen. Das hat 1966 super geklappt. Vor dem VAR war sie quasi die Instanz, die dafür sorgte, dass die umstrittene Szene des Spiels ohne viel Palaver entschieden wurde. Am Ende durfte sie ihren Landsleuten den Pokal überreichen und Uwe Seeler blieb nur der höfliche Händedruck ihrer Majestät. Uwe beugte brav den Kopf anstatt ihr zu erklären „Du Lisbeth, das Ding war niemals drin!“. Die Queen war damals gerade 40 und man hätte eigentlich erwarten können, dass ihre Untertanen es hinbekommen bis zu ihrem Lebensende 56 Jahre später vielleicht doch noch einige Weltmeister- oder wenigstens Europameisterschaften zu gewinnen. Aber wie ihre Familie hat auch die Fußballfamilie es immer wieder geschafft, möglichst dramatisch zu scheitern. Erst die englischen Frauen schafften es kurz vor dem Ableben der Queen mit einem Sieg in Wembley gegen Deutschland in diesem Sommer wieder einen großen Titel zu holen. Die Herren-WM in Katar boykottiert sie jedenfalls in weiser Voraussicht. Immerhin wird trotzdem auch nach dem Finale dieses Turniers ihr größter Hit gespielt: We are the Champions!