Dark Actually

Man muss wirklich aufpassen, was man hier äußert. Nicht, weil man angeblich nichts mehr sagen darf, sondern weil offensichtlich irgendjemand tatsächlich diese Spielankündigungen liest. Mindestens David Beckham ist dabei. Leider nur unter den mitlesenden Ehemaligen, die dann doch nicht mehr zum Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 erscheinen. Ich habe ihn dort diese Woche jedenfalls nicht gesehen. Allerdings war es Mittwoch schon sehr früh dämmerig. Da würde ich jetzt nicht Stein und Bein schwören, dass er nicht doch dabei war. Aber in der Schlange am Queen-Sarg war er zu sehen. Und er hat wohl auch verzichtet, sich in der VIP-Fastlane anzustellen. Er wollte das gesamte Erlebnis über die volle Wartezeit. Für jemanden, der früher häufig mal in der 75. Minute ausgewechselt wurde, ein ganz ungewöhnliches Gefühl. Kritiker werden sagen, dass er die Fastlane auch schon auf dem Platz eher gemieden hat. Die Leute vor und hinter ihm hatten bestimmt eine gute Zeit und haben wahrscheinlich auf den Selfies geguckt wie jemand, den Tom Hardy gerade in einem Mixed-Martial-Arts-Turnier besiegt hat. In England scheint es also ab und zu doch sehr familiär zuzugehen. Das englische Kino arbeitet jedenfalls sehr gern mit solchen unerwarteten Klassenbrüchen. In Notting Hill verliebt sich ein Filmstar in einen vertrottelten Buchhändler gespielt von Hugh Grant, der sich wiederum in Love Actually als Premierminister in seine Praktikantin verliebt. Und dann war da noch Elisabeths erster Premierminister Winston Churchill, der in The Darkest Hour tatsächlich eine ganze Station U-Bahn fährt, um sich vom Pöbel die Volksmeinung zum Krieg abzuholen. Apropos The Darkest Hour: David, denke daran Mittwoch pünktlich zu kommen, sonst können wir dich nicht mehr sehen.

If you wanna be my baller

Frau Beckham hatte sich schon drauf gefreut. Endlich war der Alte wirklich zu alt, um sich noch über den Fußballplatz zu schleppen und hätte endlich mal Zeit gehabt, die Pfandflaschen zurückzubringen oder das Garagentor zu reparieren. Aber nein, auch im Ruhestand hatte er immer noch den Fußball im Kopf. Und anstatt irgendwo als Zeugwart oder Busfahrer einzusteigen, musste er ja unbedingt einen eigenen Club gründen. Immerhin im Rentnerparadies Florida. Von da an war klar, dass das Garagentor wieder zugunsten von Fußballtoren zurückstecken muss. Allerdings ist man erst einmal eine Weile lang Fantasymanager und muss ein wenig warten, wenn man nicht ein Brausefranchise eröffnen will. Seitdem frickelt der Alte jede Nacht am Logo rum. 2015 gab es schon ein Design. Linear, modern und frisch in petrol. Aber nach ein paar Folgen Miami Vice traute er sich und wechselte auf die Frage seines Lieblingspolohemdes. Und warum überhaupt musste das ganze nach Fußball aussehen? Das konnte doch wie ein cooler Nachtclub wirken. Und die Bezeichnung als Club International de Fútbol klang gleich lecker nach Cuba Libre und gefährlich nach Toni, das Narbengesicht. Ja, das war es jetzt. Endgültig bis in alle Ewigkeit. Bis zum Spielbetrieb 2020 war ja noch genug Zeit. Aber wer die Evolution des Kopfgrätsche-Wappens (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00) mitverfolgt hat, ist nicht überrascht, wenn ich sage: Becks, I feel you.