Wer wird Deutscher Anzeigenhauptmeister?

Eine späte Spielankündigung bedeutet, dass der Autor an dem Veröffentlichungstag einfach faul im Bett geblieben ist. Weil es eben auch ein Feiertag für alle ist, obwohl eigentlich die Errungenschaften der Frauen gefeiert werden sollen. Aber anders als am Herrentag kann man sich nach dem späten Aufstehen doch noch vor die Tür wagen, ohne von einem Bierbike überfahren zu werden. Oder man kann wenigsten die Zeit herausarbeiten, die man Samstag 10:30 zum Kopfgrätschen frei bekommen könnte. Deshalb werde ich nach dem faulen Tagesstart auch nicht allzu lang mit Buchstaben rumtrödeln. Ich guck nur noch mal nach der Zeichensetzung und den dem des Genitiv. Nachdem diese Woche alle Social-Media-Kanäle mit Anzeigenhauptmeister Niclas Matthei gefüllt waren, möchte man sich doch wenigstens etwas Mühe geben. Da gucken wir lieber noch einmal nach, ob das Accent aigu nicht doch ein Accent grave ist. Oh verdammt, die Adresse in der Datenschutzerklärung ist noch nicht aktualisiert und mein Stollenprofil ist auch nicht mehr tief genug. Lasst uns morgen wenigstens die neongelben Leibchen einsetzen und im Zweifel lieber schon auf dem Weg zum Kopfgrätschen überstreifen. Sehen und gesehen werden ist auf dem Platz und im Straßenverkehr essentiell. Vielleicht möchte Niclas ja auch mal bei uns den Schiedsrichter machen. Er hat auf jeden Fall sein Maßband dabei, um zu überprüfen, welcher Ball wirklich aus war. Ich könnte aber verstehen, wenn er keine Zeit dafür hat und inzwischen schon einen festen Job im Kölner Keller angeboten bekommen hat. Wir können bei den Regelverstößen in den deutschen Stadien am Wochenende garantiert mit einigen Anzeigenhauptmeister-Memes rechnen. Dafür muss nicht einmal der VfL Bochum den Bus vor dem eigenen Tor parken. Und ihr dachtet wirklich, dass das mit den neongelben Spielunterbrechungen ein Ende hat?   

Poldi und die Pollen

Der März kommt irgendwie auch immer später. Langsam habe ich das Gefühl, jemand erfindet im Februar zusätzliche Tage, um den meteorologischen Frühlingsanfang künstlich herauszuzögern. Dabei fragen ja jede Woche Samstag 10:30 schon die Mitspieler ungeduldig, wann endlich wieder auch am Mittwoch gespielt werden kann. Damit die Mittwoche in diesem Jahr mit denen von vor vier Jahren mithalten können, gibt es extra den 29. Februar. Aber wer will ernsthaft den Frühling von vor 4 Jahren? Da war doch der Platz gesperrt. Aber sie haben gesagt, es würde sich sonst alles komisch verschieben oder wir könnten in hundert Jahren schon einen Monat früher unter der Woche spielen. Setzt sich das weiter fort, wäre irgendwann im Juli tiefster Winter. Das möchte man sich gar nicht ausmalen. Wer wird denn dann Herbstmeister? Wann weiß der HSV, dass Frühjahr ist, um rechtzeitig den sicher geglaubten Aufstieg zu verspielen? Ist noch irgendjemand in Belek in der Winterpause, um Quatschpokale im Trainingslager auszuspielen? Und wann ist Weihnachtssingen im Stadion? Völliges Chaos. Nur den Leuten, die in der Halle spielen, ist das egal. Es ist also nicht verwunderlich, dass Poldi und Mats langfristig mit der Baller League auf die Indoorvariante setzen. Dabei adaptieren sie dreisterweise ganze Spielformen von uns und nennen sie Gamechanger. Das Wiedereingliedern von verdienten Legenden gefällt mir allerdings ganz gut. Unter den knallbunten Trikots fällt der Postkarriereranzen nicht ganz so doll auf und die kleine Fläche kommt den Altgedienten und ihrer Kondi natürlich extrem entgegen. Wenn sie irgendwann die warme Halle verlassen, werden sie sich die Augen reiben. Hoffentlich nur, weil die Vegetation noch bunter als ihre Trikots ist. Und wegen Heuschnupfens.

New Balls please

Guten Tag, ich würde gerne diese 100.000 Tennisbälle zurückgeben. Ich habe es mir anders überlegt. Tennis ist doch nichts für mich. Ich habe es wirklich versucht, aber ich bin offensichtlich an diversen Grundlagen gescheitert. Ich kann leider nur auf Rasen spielen und da prallen die Dinger ganz schlecht. Gut, meine Aufschläge waren alles Asse, aber wie soll so ein Spielfluss zustande kommen? Meine Gegenspieler haben nicht einen Ball zurückgespielt und haben jedenfalls diese Woche zu mir gesagt: „Okay, du hast gewonnen.“ Die sind anscheinend beleidigt und wollen schon mal nicht mehr mitmachen. Return, Backspin, Netzroller, Doppelfehler – das konnte ich alles überhaupt nicht ausprobieren. Gerne hätte ich nur einmal den Beckerhecht ausgepackt. Stattdessen habe ich diese Filzbälle wieder eingepackt und hoffe, dass ich die problemlos ohne Kassenzettel umtauschen kann. Zum Glück hatte ich keinen Schläger gekauft. Ich interessiere mit jetzt für Kopfgrätschen und würde gern Samstag 10:30 gut vorbereitet ins Spiel starten. Welche Helme haben sie da im Sortiment? Es sollte schon etwas Hochwertiges sein, denn schon ein großer Tennisphilosoph sagte: „Haste Scheiße am Kopf, haste Scheiße am Kopf.“  So oder so ähnlich hat er es formuliert, obwohl er kein Mann großer Worte war und häufiger den Ball ins Netz gedroschen hat. Dafür konnte er links wie rechts. Als Barmbeker Legende hat man ihn aber auch nie beim ATP am Rothenbaum gesehen. Kein Wunder, die spielen da wohl auf Sand. 

Medizinball auf Bistrotisch

Bis zur Stunde ist noch nicht klar, ob er nicht doch wieder auftaucht (wie wir jeden Samstag 10:30 auf dem roten Platzt). Beim HSV wird auf jeden Fall heftig diskutiert, ob man der Forderung von Investor Kühne nachgeben muss und einfach mal seine Festnetznummer wählen soll. Die Medizinbälle sollten doch noch irgendwo hinten in der Turnhalle liegen. Und beim letzten mal vor zwei Jahren, als ihn die alte Dame wach küsste, hat er es nicht schlecht gemacht. Immerhin war auch der HSV in der Relegation und wäre bestimmt sogar aufgestiegen, wenn nicht Felix Magath bei den Herthanern Angst und Schrecken verbreitet hätte. Es ist also nur legitim zu überlegen, ob nicht diesmal Quälix der Retter des HSV sein muss. Jedenfalls, wenn man ein Multimilliardär von 86 Jahren ist. Da vertraut man doch lieber einem frischen 70-Jährigen als einem Greenhorn, das nicht einmal halb so alt ist. Und der FCK hat einem schließlich gerade den vorletzten Nicht-Laptop-Trainer weggeschnappt. Beim Namen Felix Magath denkt man in Hamburg natürlich an eine gewisse glorreiche Nacht 1983 in Athen. Vierzig Jahre danach taumelt der Verein in jedem Frühjahr regelmäßig aus den Aufstiegsrängen zur ersten Liga. Als Magath in den Neunzigern Trainer an der Müllverbrennungsanlage war, war der HSV zwar auch in Abstiegsgefahr, aber er hat sich immer irgendwie retten können. Und damals gab es nicht einmal eine Relegation. Laptops waren noch exotisch und passten auf keinen Bistrotisch in Straßencafés. Jetzt sollten Kühne und der HSV aber schnell handeln und einen berittenen Boten den Hügel der Leiden hochscheuchen. Sonst sind die Südkoreaner zuerst da. Die haben schließlich grad Laptop-Klinsi vor die Tür gesetzt und brauchen dringend etwas Abwechslung. 

Schnauze Volley!

Der Ball ist rund haben sie gesagt und das Spiel dauert 90 Minuten. Nun, ein Tennisball ist auch rund und viele Tennisbälle sorgen dafür, dass ein Spiel sehr viel länger als 90 Minuten dauert. Der Protest der Fans in den deutschen Stadien gegen den Investoreneinstieg wirkt. Und endlich wird die Forderung der Fans der Deutschen Nationalmannschaft von 2019 in die Tat umgesetzt. Das kryptische „Volley!“ auf der Tribüne in Hamburg und die Tennisbälle – endlich passt alles zusammen. Die Verzögerung in den Stadien lässt die Zuschauer länger frieren und auch die Spieler kommen aus dem Rhythmus. Aber die Fans vor dem Fernseher sind die eigentlichen Opfer. Was soll man mit der zusätzlichen Zeit nur anfangen. Noch mehr Werbung angucken oder Expertengelaber anhören? Dann doch lieber eine saubere Spielabsage wie in Saarbrücken und bei der Wiederholung eines alten Krimis einschlafen. Gemordet wird immer und überall. Eine Region kann ohne Bundesligisten überleben, aber wenn es keinen Regionalkrimi gibt, ist man wirklich abgehängt. Selbst wenn es vor der eigenen Tür so trostlos und gruselig wie bei True Detective aussieht, kann man mit den heimischen Lost Places noch ganz gut Quote machen. Auch hier sollte man die Investoren so lange wie möglich raushalten, sonst wird man aufgrund der sanierten Infrastruktur für Filmteams uninteressant. Zu aufregend darf es für den Zuschauer natürlich letztlich nicht sein, sonst wachen die wieder auf und schalten irgendwohin, wo tatsächlich Fußball gezeigt wird. Und beim Asien und Afrika Cup muss man wenigstens keine frierenden Fans auf der Tribüne sehen. Gegen das Frieren Samstag 10:30 hilft nur mindesten 90 Minuten durchgehende Bewegung. Ob beim Fußball oder Fußballtennis ist egal. Ein Lost Place ist unser Platz jedenfalls nur, wenn der Ball unauffindbar ins Gebüsch fliegt.   

Kloppo Redentor

Allzu oft passiert es nicht, dass sich Jürgen Klopp beruflich verändert. Bisher stehen in seiner Vita nur drei Vereine und bei Liverpool ist er nun auch schon seit fast neun Jahren an der Seitenlinie. Aber wenn er denkt, dass er sich verändern muss, dann sendet er als limitierter Fußballer, der er war, ein Signal an andere Stolperer auf einer vorher nicht angesagten Frequenz. Vielleicht hat er aber lediglich ein gutes Gespür für Timing, was immerhin dazu geführt hat, dass er noch nie entlassen wurde. Gut, beim HSV haben sie ihn einfach schon vorher weggeschickt, aber wahrscheinlich nur, um ihn zu schützen. Als HSV-Trainer wäre er schließlich spätestens nach zwei engen Relegationen zum Teufel gejagt worden und er hätte sich danach nur noch durch 6-10-Monatsengagements bei Kaiserslautern, Schalke, Hannover und Arminia Bielefeld gehangelt. Campino hätte er natürlich trotzdem kennengelernt, während eines Intermezzos bei Fortuna Düsseldorf. Zum Glück ist alles anders gekommen und jetzt könnte er es sich aussuchen, wo er beruflich landet. Noch haben die semierfolgreichen Amtsinhaber attraktiver Posten Ruhe und können in den nächsten Wochen beruhigt in die Skiferien fahren. Die Zeugnisse sind zwar durchschnittlich und es gibt keinen Schnee, aber Kloppo möchte sich auch erst einmal eine Pause gönnen und sich die Welt ansehen. Die Pyramiden von Mo Salah, Christo Redentor von Bobby Firminho, die Shibuya-Kreuzung von Wataru Endo. Und natürlich den Roten Platz Samstag 10:30. Falls also Touris mit Pöhler-Kappe um den Platz schleichen, immer schön grüßen. Wir Stolperer erkennen uns überall. 

Der Bewegtbild- und Wortmann

Kann sich noch jemand an 2008 erinnern? Na gut, an 2006 können sich die meisten einigermaßen erinnern, weil Sönke Wortmann das auf Video aufgenommen hat, bevor er anfing nur noch Remakes von französischen Erfolgskomödien mit Christoph Maria Herbst und Florian David Fitz nachzudrehen. 2008 war wohl angeblich ein Jahr, in dem Werder Bremen das letzte mal vor dem letzten Sonntag gegen die Bayern gewann. Mein Gott, da gab es noch nicht einmal 4K und die Bilder waren 4:3, oder Sönke? Die meisten aus dem aktuellen Werder-Kader wuchsen gerade aus ihren ersten Fußballschuhen raus, die sie Weihnachten 2007 von Oma geschenkt bekommen hatten. Aus der Zeit findet man nur ganz schwer Kopfgrätsche-Aufnahmen. Christoph (quasi unser Sönke Wortmann) hat garantiert welche gemacht, aber man muss schon ganz schön weit scrollen dafür. Und vermutlich müssen die ganz alten Dinger erst einmal restauriert werden, da die Fotos seit dem letzten Website-Umzug ganz unten in der Fototasche liegen. Im schlimmsten Fall müssen wir noch einmal neue Abzüge von den Negativen machen. Kreuzt mal auf der Tasche an, was ihr in welchem Format entwickelt haben wollt. Und nicht vergessen, ob glänzend oder matt. 2008 gab es nicht einmal ein DIA-Turnier. Zwischen Reich und Schön 2007 und CMYK 2009 liegt ein Jahr, in dem maximal die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz und die Seebühne in Bregenz mit Johannes B. Kerner, Urs Meier und Jürgen Klopp am Kloppomaten in Erinnerung bleiben. Nach dem Turnier heuerte Klopp beim Tabellendreizehnten Borussia Dortmund an und Sönke Wortmann drehte Die Päpstin. Wir machen Samstag 10:30 ein Spiel, an dessen Ende wir hoffentlich noch ein Zeitdokument für die Menschen im Jahr 2040 erstellen. Wir möchten uns schon jetzt dafür entschuldigen, dass es nicht 32K ist. 

You can call me AL-…

Jetzt ist gerade mal die halbe Saison rum und überall gibt es Ärger. Karim Benzema steht bei Al-Ittihad in der Kritik und sein Club dümpelt nur auf Platz 7 rum. Neymar wurde bei Al-Hilal aus dem Kader gestrichen, nur weil er verletzt ist und obwohl er wahrscheinlich auch ohne Kreuzband torgefährlicher wäre als die anderen Kaderauffüller beim Tabellenersten. Und Al-Ettifaq verliert nach nur einem halben Jahr Routinier Jordan Henderson ablösefrei in Richtung Amsterdam. Die Saudi Pro League hat also erkannt, dass es nicht ausreicht, sportliche Schlagzeilen zu produzieren. Die Soap braucht neues Futter und wenn im Winter jetzt nicht spektakulär eingekauft wird, dann liefert man etwas von diesem Gossip, den Union Berlin auch mit Bonucci generiert hat. So kann Union sogar verkraften, dass nun schon das zweite Spiel schneebedingt abgesagt wird und sportlich keine Top-Meldungen produziert werden können. Sportlich möchte unser Experte Z. Ibrahimovic die saudische Liga wie folgt einordnen: „Scoring 10 goals in the Arab League is scoring 1 goal in Ligue 1 … in England it’s equal to an unframed shot, in Spain it’s just a corner.“ Möglicherweise etwas frech gegen den Führenden der Torschützenliste von Al-Nassr, einen gewissen C. Ronaldo. Aber der Experte hat zufällig selbst in all diesen Ligen gespielt, nur nicht in Saudi Arabien, wohin er im Sommer mit seinen frischen 42 noch hätte wechseln können. Die vier Jahre PSG lassen wir aber als Schnupperpraktikum bei den Kataris gelten. Sogar Kopfgrätsche (Samstag 10:30) könnte er mit seiner Erfahrung auf den verschneiten Bolzplätzen in Malmö Rosengård bestimmt ganz gut bewerten. Ich bin gespannt wo er uns im Vergleich einordnet. Schnee hält unsere unframed Shots immerhin nicht auf. 

Studio 54, 74, 90, 2006

„Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.“ Und wenn das Kind dann noch Fußball spielt (z.B. Samstag 10:30) freut sich der liebe Gott noch viel mehr. Weil er ja manchmal sogar ein Fußballgott ist. Am Ende darf nur dieser Kaiser abberufen, auch aus Ländern, in denen die Monarchie schon lange abgeschafft scheint. Die Huldigungen für den letzten Kaiser hatten dort ausnahmsweise nicht einmal etwas mit Reichsbürgertum zu tun. Und das ist doch immerhin schon etwas in diesen Zeiten. Es war eher fast unschuldig eine Marke, die Franz Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan sehr bereitwillig zur Positionierung der Personal Brand Kaiser Beckenbauer eingesetzt haben. Damals war der Franz damit im Studio 54, heute wäre er damit auf LinkedIn unterwegs, so wie Philipp Lahm oder Olli Bierhoff. Aber damals war das frisches Marketing, das eher untypisch für den Fußball seiner Zeit war. Es gab ja nicht einmal konsequent WM- und EM-Maskottchen für jedes Turnier, das von Einkaufswagenchips und Schulranzen grüßte. Und im Rückblick auf die WM 2006 wollen wir uns doch trotz der unschönen Geschichte mit den Millionen (Joa mei…) lieber an den Kaiser als WM-Maskottchen erinnern, als an diesen peinlichen Wookie ohne (Spendier)Hose. Das Maskottchen in diesem Jahr hat eine Hose, die ihn im aktuellen Marketingangebot aus dem Hause Fußball aber auch nicht mehr großartig herausheben wird. Bei der Namenswahl wollten die Kunden nicht einmal für „Herzi von Bär“ als Vorschlag stimmen. Wir müssen es wohl als Indiz dafür sehen, dass die Zeit des Fußball-Adels hierzulande endgültig vorbei ist. Sein „Geht’s raus und spielt’s Fußball.“ ist als Dekret des Kaisers vielleicht totzitiert, aber dennoch immer noch wahr. Samstag 10:30 mehr denn je. Es gibt Kaiserwetter.     

Here we go (again)

Wie lange man sich eine Frohes Neues Jahr wünschen darf, entnehmt ihr bitte dem Nachrichtenportal eurer Wahl. Irgendwo wird diese Info garantiert zu finden sein. Eventuell steht sogar dort, wie lange man seine Mitmenschen nach den guten Vorsätzen fürs neue Jahr fragen darf. Peinlich wird es natürlich, wenn diese zum Zeitpunkt der Frage bereits wieder aufgegeben wurden. Der Klassiker „mehr Sport“ ließe sich ja mit einem Ausflug zum Fußballplatz bis Samstag 10:30 schon einmal auf einen guten Weg bringen. Aber sonst, ist man ja doch meist recht unkreativ bei der Formulierung von erreichbaren Zielen. Da ist es nur ganz natürlich, dass man auf Altbewährtes setzt, dass irgendwann schon einmal in der Vergangenheit funktioniert hat. Der BVB hat sich zum Beispiel vorgenommen soviel altes Personal wie möglich im Winter zum Verein zurückzuholen. Die waren schließlich schon einmal vor Ort erfolgreich, als die eigene Form noch nicht so besorgniserregend war. Man guckt sich also selbst auf den alten Fotos an und seufzt verträumt „Ach ja, guck mal wie jung wir damals waren…“. Für die Zurückgeholten hat sich die Zeit inzwischen allerdings ebenso weitergedreht. Ein Jadon Sancho ist z.B. mit 23 schon in dem Alter, in dem auch Mario Götze in die Frührente beim BVB startete. Wenn Mario heute 10 Jahre zurückdenkt, blickt er aber immerhin auf einen Siegtreffer in einem WM-Finale, worauf er garantiert tagtäglich angesprochen wird. Das 10 Jahre lang zu ertragen ist, ist wohl kaum damit zu vergleichen, wenn man zwei, drei Wochen nach den guten Vorsätzen gefragt wird. Es sei denn, man nimmt sich vor, das EM-Final-Siegtor in diesem Jahr zu schießen. Dann vielleicht doch lieber nur ein frohes letztes Tor am Samstag?          

Bälle aus Polen*

Meine Mutter hat Bälle aus Polen dabei
Die passen wir gleich los hinterm Haus
Das ist doch das Schöne an der Weihnachtszeit
Die Kopfgrätscher rück’n ein Stück näher zusammen
Hinter unserm Platz ist die Ballflugschneise
Davor und daneben rollt Prime-Güterverkehr
Man versteht sein eigenes Wort hier kaum
Doch wir fanden’s hier schön und hab’n uns raus getraut

Von allen Orten die es gibt auf der Welt
Jag ich ausgerechnet hier nach Tor’n
Und du, du hast das alles gesehen
Und du wolltest trotzdem bleiben

In jedem Leibchen riecht’s nach Schwitze, es ist kaum zu ertragen
Nur wenn ich fluche spüre ich meinen Atem
Auf den Fotos auf kopfgrätsche.de seh’n wir alle so aus
Als wär’n wir hinten auf dem Tausend Markschein drauf
In unser’n Büschen liegen immer noch die Bälle vom Vorjahr
Niemand fasst hier etwas an, dieser Platz ist wie ein Tatort
In der Mitte liegt mein Talent unter all dem begraben
Hier findet es niemand bis ans Ende der Tage

Von allen Orten die es gibt auf der Welt
Jag ich ausgerechnet hier nach Tor’n
Und du, du hast das alles gesehen
Und du wolltest trotzdem bleiben

Und vielleicht grätschen wir irgendwann
Eines Samstags (10:30) hier zusammen

* Text inspiriert von »Böller aus Polen« (Betterov)

Ätschi Grätschi

Das war ja eine ganz okaye Grätsche, Niklas. Im Standbild sieht das fast nach Erobique aus. Perfekte Haltung bei Beinen und Armen. Er ist nicht einmal so gerutscht, dass das Trikot unvorteilhafte Körperregionen entblößt hat. Da passt alles. Nur eben nicht der Ball ins Tor. Und das gehört natürlich auch zur perfekten Grätsche. Mbappé selbst zählt solche Aktionen eher nicht zu seinem Skillset. Aber auch als Verteidiger möchte man trotz der ausgeglichenen Bilanz Tore zu Eigentore in Erinnerung bleiben. So wie Jürgen Kohler in Old Trafford 1997 oder Sven Bender in München 2017. Mbappés Teamkollege Ousmane Dembélé war in dem betreffenden DFB-Pokalhalbfinale 2017 auch dabei und schoss das 3:2 zum Finaleinzug des BVB. Es wurde das Tor des Monats. Die Torverhinderung von Sven Bender zum fast sicheren 1:3 hat dieses Tor aber in der Erinnerung fast überdauert. Dembélé war am Mittwoch in der Champions League aufgrund einer Sperre nach drei gelben Karten nicht dabei. Er traf und trickste für den BVB leider nur eine Saison, bevor er als DFB-Pokalsieger und Neymar-Ersatz zu Barcelona weiterzog. Gelbe Karten sammelte er in seinem Jahr in Dortmund auch einige. Vor allem aber weil er lautstark Schiedsrichterentscheidungen beschimpfte, nur selten für Grätschen. Bei all dem Abgekulte dieser körperlichen Höchstleistungen müssen wir doch etwas Wasser in den Glühwein tropfen. Wann wird denn mal spektakulär ein Tor mit dem Kopf auf Rasenhöhe verhindert? Das würden wir ganz besonders feiern. Für einige Serviervorschläge würden wir Samstag 10:30 selbst sorgen.    

Wer kalibriert, der stets verliert

In den Zeiten apokalyptischer Klimaszenarien wirkt es doch sehr beruhigend, wenn die ersten Spielabsagen in den Profiligen auf den Sperrbildschirm flattern. Früher warf der Schiedsrichter an jedem Wochenende im Winter einen orangen Ball auf die Schneedecke und wenn dieser nicht versank, wurde natürlich gespielt. Allerdings gab es da auch keine kalibrierten Linien sondern nur freigekratzte, die aus dem Anstoßkreis schon mal ein Anstoß-Quadrat machten. Im Kölner Keller ist man selbstverständlich darauf angewiesen, dass für die unbestechliche Genauigkeit regelmäßig jemand die Linse freihaucht. Die meisten Spielabsagen heute passieren aber nicht wegen eines verschneiten Platzes. Mit Rasenheizung oder Dach-zu bleibt der Rasen quasi immergrün. Nein, die Absagen heute haben als Grund, dass das Erreichen der Stadien durch Schnee und Eis nicht für alle möglich ist. Vor allem weil man irgendwann entschieden hat, Stadien als seelenlose Multifunktionshallen an Autobahnausfahrten in den angrenzenden Landkreis zu bauen. Dorthin wo der ÖPNV nur an Sonn- und Feiertagen fährt und man für die Anreise mit dem Fahrrad aus der Stadt durch sämtliche Ausbau-Bezirke fahren muss, in denen die Straßen tiefe Gräben sind, da dorthin irgendwann fließend Wasser und Glasfaser verlegt werden sollen. Aber auch Fans aus dem Umland sind betroffen, die den Stadionbesuch als festen Programmpunkt auf der Tour mit Christkindlesmarkt und Neuschwanenstein gebucht haben. Flughafen gesperrt, Oberleitung vereist, Radweg endet in Schneewehe – das sind die eigentlichen Spielabsagegründe. Deshalb kann man nur empfehlen, Samstag 10:30 trotz maximaler Stadtnähe rechtzeitig den Weg zum Platz anzutreten. Der ist selbst natürlich komplett unberäumt. Hoffen wir jedenfalls. Im Idealfall versinken wir und der Ball im Schnee. Es kommen schließlich wieder andere Zeiten mit 10 Grad Plus an Weihnachten, wenn die Verwandtschaft anreisen will. Und pünktlich zur Winterpause.     

Ole im Schnee

Da hammse sich nun so viel Zeit gelassen mit dem neuen Platz. Jede Markierung fein säuberlich gezogen mit rechten Winkeln und perfekten Kreisbögen. Die besten Tore nachhaltig aus Kronkorken geschmiedet, die mit einem unvergleichlichen akustischen Scheppern jeden Treffer aussingen. Aber dann kommt einfach Schnee, legt sich über die Spielstätte und macht alternative Freizeitangebote. Aber für Super-G oder Riesenslalom fehlt dann doch die Infrastruktur, so dass wir wie immer in solchen Fällen auf den Kopfgrätsche-Biathlon wechseln. Laufen, Hinlegen und Schießen funktionieren weiterhin ganz gut. So können wir auch bei dieser Witterung unserem erfolgreichen norwegischen Vorbild mit der unerreichten Trefferquote nacheifern. Richtig, ihr denkt natürlich auch an Ole Einar Bjørndalen. Seine Videos mit den Skills und Goals hat wohl immer noch keiner zusammengeschnitten, oder? Ist ja auch eine klassische Winterbeschäftigung für den Hutzenabend. Aber beim traditionellen Hutzen im Erzgebirge ist man aber wahrscheinlich noch mit der Verehrung von Denise Herrmann-Wick aus Aue-Bad Schlema beschäftigt. Oder mit dem Schneeschieben im Erzgebirgsstadion. Wir sind Samstag 10:30 auch ohne Schneeschieber und Rasenheizung spielfähig. Die genau gezirkelten Linien werden durch grob in den Schnee getrampelte Markierungen ersetzt und mit Leibchen markieren wir die Tore für unsere Schussfahrt über den Platz. Auch ohne Grillhütte daneben ist die Versorgung mit Eisbeinen garantiert. Mit eurem rechtzeitigen Erscheinen sichert ihr euch zudem einen unberührten Teil auf der frisch ausgerollten Schneedecke für euer persönliches Schneeengel-Plätzchen. Das könnte für die B-Note und am Ende für den Sieg entscheidend sein und kann nur noch getoppt werden, wenn man seine Signatur daneben pinkeln kann. Hat das Ole Einar Bjørndalen jemals komplett geschafft?  

Junger Mann zum Mitscheitern gesucht

Die letzten Länderspiele des Erfolgsjahres 2023 sind absolviert und wahrscheinlich hatte Olli Bierhoff, damals als er noch am Steuerrad der MS Deutschland stand, gedacht: das Jahr beenden wir on the Road to Euro 2024 schön im Ernst-Happel-Stadion am Wiener Prater. Die Weihnachtsmärkte warten schließlich noch darauf, dass der Totensonntag vorbei geht oder vielleicht sogar auf die erste Schneeflocke. Aber im Prater bekommt man schon früher seine Eitrige oder oan Langos. Man muss zwar etwas vorsichtig sein mit der Schwammerlpfanne bevor man aufs Riesenrad geht, aber sonst kann man eine Menge Spaß haben. Am Ende ging aber auch dieser Plan nicht auf und Leroy Sané wähnte sich in der zweiten Halbzeit immer noch beim Autoscooter. Vermutlich hatte die Mannschaft schon ihr gesamtes Pulver an der Schießbude verballert, um Plastikblumen und markenrechtlich bedenkliche Plüschtiere, die durch die TÜV-Rheinland-Prüfung gefallen sind, mit nach Hause zu bringen. Kevin Trapp hätte schon, als er am Greifautomaten vergeblich versuchte brandneue iPads zu angeln, ahnen können, dass er an diesem Abend nichts festhalten wird. Der Rest spielte leider so als ob die an der Jagertee-Bude tatsächlich irgendwas in den Kinderpunsch gemixt hatten. Am Ende guckte Julian wie jemand, der im Spiegelkabinett in den trüben Hansi-Flick-Spiegel geblickt hatte. Nicht einmal in der Geisterbahn hatte er ein brauchbares Verteidigungsmonster gefunden. So langsam bereut er wahrscheinlich, auf den knittrigen DFB-Zettel „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ reingefallen zu sein. Wir halten Samstag 10:30 schön die natürliche Reihenfolge ein und holen uns auf dem winterlichen Platz die Berechtigung, um uns dann ab Montag auf dem Weihnachtsmarkt für unsere „Leistung“ zu belohnen. Im Idealfall ist dann unsere komplette Energie auf dem Spielfeld geblieben, so dass wir weder Achterbahn noch Autoscooter vermissen. Ich schmeiß derweil noch ein paar Euro in den Greifautomaten. Dieser verflixte Plüsch-EM-Pokal muss doch beim nächsten mal zu packen sein.

Home is where your Head grätscht

[Refrain]
It’s coming home, it’s coming home
It’s coming, kopfgrätsche’s coming home
It’s coming home, it’s coming home
It’s coming, kopfgrätsche’s coming home

[Verse 1]
Tears for goal posts dressed in grey
No plans for saturday
Stay in bed, drift away
It could have been a new pitch in BgmH street
It was nearly complete, it was nearly so sweet
And now I’m singing

[Chorus]
Three grätschers on a shirt
DIA cup still gleaming
No more weeks of hurt
No more need for dreaming

[Verse 2]
Talk about kopfgrätsche coming home
After long time at the captains prome
We were strong, we had grown
And now I see goals ready for score
Pitch good as before, markings tagging the floor
And saturdays (10:30) got meaning…

Jahresringkampf über 40 Runden

Porto gegen Antwerpen – auch das ist Champions League. Zumindest in der Vorrunde. Auch wenn man im ersten Moment denkt: die spielen doch bestimmt um den Intertoto-Cup oder maximal die Europa League. Das kann natürlich später noch passieren, wenn die ewig Gleichen im Viertelfinale Call of Geldadel zocken. Aber auch in der Vorrunde kann Historisches passieren, weshalb Kopfgrätsche-Legende Olaf gerne unsere Sticker in das Drachenstadion in Porto trug. Dass ausgerechnet ein Altersrekord gebrochen wurde, hatte dann aber wirklich nichts mit ihm zu tun. Pepe, der alte Haudegen hält trotz 3 Henkelpötten mit Real Madrid im Lebenslauf tatsächlich immer noch seinen Schädel in jeden Ball und erzielte damit am Dienstag Abend einen historischen Treffer. Älter als er war bei einem Champions-League-Spiel kein Torschütze bisher. Bei Antwerpen knirschte derweil mit Mark van Bommel ein ehemaliger Barca-Spieler auf der Trainerbank mit den Zähnen und wünschte sich sehnsüchtig auf den Rasen, um dort mit Pepe wie früher Ellenbogen-Zärtlichkeiten auszutauschen. Die früheren Aggressive Leader des Classicos sorgten dann doch für wahre Champions-League-Gefühle an diesem Abend. Pepe hat im kommenden Gruppenspiel gegen Barcelona sogar die Chance noch einmal direkt gegen sein altes Feindbild seinen eigenen Rekord zu brechen. Ausgerechnet bei Barca kommen gefühlt jede Woche neue Supertalente aus La Masia und brechen Altersrekorde in die andere Richtung. Der 40-Jährige Pepe muss wohl zuerst die Rekord-Tore von diversen 16-Jährigen verhindern, bevor er an einen eigenen Treffer denken kann. Eine Altersspanne im Profifußball wie man sie sonst nur vom Kopfgrätschen (Samstag 10:30) kennt. Und falls Olaf überraschend dort vorbei kommen sollte, würden wir ein Tor von ihm natürlich auch am ausgelassensten feiern.          

Three little Neighbirds

Was ist denn da bei den Nachbarn los? Da stand doch immer dieser eine Verein an der Tabellenspitze, wenn man gerade mal rübergelugt hat. Ach sieh an, bei euch ist es auch grad nicht so spannend? Wieder einmal stehen Ajax, Olympique Lyon oder der FC Basel ganz oben und spenden uns Trost. Wenn das nebenan so ist, dann wird das doch normal sein, dass ein Verein 10 bis 11mal in Folge Meister wird. Die kennen das auch nicht anders. Und sobald man in Fachgespräche von Zugereisten gezogen wurde, konnte man sich sicher sein, dass selbst wenn man nichts über das Land weiß, man immer sagen konnte: Die Baseler, Amsterdamer, Lyoner sind doch dieses Jahr wieder Favorit, oder? Für die Champions-League reichte es meistens problemlos. Aber aktuell guckt man ungläubig über den Gartenzaun und fragt sich: wann ist denn das passiert? Okay, die Königsklasse kann man in einer Liga mit wenig Startplätzen schon einmal verpassen. Und wenn die Krise etwas größer ist, dann lässt man das internationale Geschäft in einem Jahr auch schon mal ganz aus. Kommt in den besten Familien vor. Also bei uns natürlich nicht, aber es mit ein paar Jahrhundert-Talenten aus der Jugendarbeit kommt ihr da doch locker wieder auf Platz 1. Aber nun schieben wir die Finger zwischen die Jalousie und trauen unseren Augen kaum. Tabellenende? Abstiegsplatz? Ist jetzt der Zeitpunkt um die Fürsorge zu rufen? So etwas schickt sich doch nicht in unserem Viertel. Der schlechte Einfluss auf unsere Mischpoke muss abgewendet werden. Unser Klassenprimus hat schon unter der Woche vor lauter Verunsicherung den DFB-Pokal weggeworfen. Ein wenig Verlässlichkeit in diesen unsicheren Zeiten kann man doch vom Fußball wohl erwarten, oder? Die letzte Bastion der Konstanz kann am Ende nicht ernsthaft Kopfgrätsche Samstag 10:30 sein? Falls doch, guckt die Nachbarschaft in Zukunft demnächst noch genauer in unseren Vorgarten und auf unsere Kinderstube. Macht mir keine Schande!  

Lange Leine

Nagelsmann gut und schön, aber den besten Trainer haben sie beim DFB den Herren vorenthalten. Sie wollten ihn wohl exklusiv für das spannendere Projekt im Verband aufheben. Nun trainiert Horst Hrubesch also die DFB-Frauen und man wundert sich, warum so ein anerkannter und erfolgreicher Experte bei Bedarf immer so einfach als Nothammer aus der Halterung genommen werden kann. Ansonsten läuft er aber bis zu jeder Inthronisierung unter allen Radaren, weil er wahrscheinlich gerade immer beim Angeln ist, wenn über Traineralternativen diskutiert wird. Nagelsmann geht zum Skifahren, Angelsmann Horst holt die Rute raus. Wenn er sagt: „Wer im Fernsehen und in der Werbung auftaucht, von dem erwarte ich mehr als von den anderen“, kann man das im Umkehrschluss auch auf ihn anwenden. Er taucht einfach medial nicht auf, wenn er nicht gerade an der Seitenlinie steht. Deshalb übertrifft er regelmäßig niedrigste Erwartungen. Seine Vorgängerin hat viele nicht nur optisch an einen ehemaligen DFB-und Hertha-Teamchef erinnert. Ihr Abgang war auch ähnlich skurril wie der von Facebook-Live-Roaster Klinsi in Berlin. Danach musste man sich damals auch dort mit einem knurrigen Kulttrainer therapieren. Pal Dardai ist fast so etwas wie der ungarische Horst Hrubesch. Steht sowieso noch auf der Gehaltsliste, hat kultige Hobbies und wirkt wie ein Dinosaurier. Aber immer wenn man zu hoch geflogen und tief abgestürzt ist, brauch man so eine wettergegerbte Eiche, die in der Lage ist stundenlang ruhig auf eine Angel zu schauen ohne das Smartphone herauszunehmen. Ich mache den Autor des Buches „Dorschangeln vom Boot und an den Küsten“ zu meinem Spirit Animal während ich geduldig darauf warte, dass ich an irgendeinem Samstag 10:30, an dem niemand mit mir rechnet, wieder ins Geschehen eingreifen kann. Petri Heil.    

Land of Hoff and Dreams

Die Privatjets mit den deutschen Nationalspielern aus den USA dürften inzwischen gelandet sein. Der fiese Ostwind hat das Ankommen wahrscheinlich noch schwieriger gemacht. Aber die Reise hat sich hoffentlich gelohnt. Ein ehemaliger DFB-Mitarbeiter hat auf jeden Fall seine Anschlussverwendung im Land of Hope and Dreams klargemacht. Oliver Bierhoff wird Berater der New England Patriots für den deutschsprachigen Markt. Er verkauft uns also demnächst das Ei. Und die Show drumherum. Schon jetzt brainstormt unser Golden Boy mit den Stakeholdern über kreative Hashtags wie #ptrts oder #fxbrgh. Sicher wird es auch wichtig darüber nachzudenken, wer denn hierzulande die deutsche Taylor Swift ist, die dem Sport die nötige Starthilfe geben könnte. Bei Sarah Connor und Mesut Özil hat das doch auch geklappt. Dann kann es doch was werden auf dem neuen „Heimatmarkt“. Natürlich gelten Amerikaner als die Erfinder des Marketings, aber der deutsche Markt braucht wohl etwas besonderes, dass man nur bedienen kann, wenn man schon einmal einen Fanclub Deutsche Nationalmannschaft gegründet und Nationalspieler mit Bodypainting in afrikanische Tiere verwandelt hat. Hätten wir das früher gewusst, hätten wir auf dem Tartanplatz die notwendigen Endzonen-Markierungen bestimmt noch unterbringen können. Eventuell sind wir aber hier auch dem eigentlichen Grund für die Tor-Verzögerung auf der Spur. Schlimmer Verdacht: sollen dort am Ende nur ein paar Stangen installiert werden? Das könnte uns völlig unvorbereitet treffen, wenn wir uns nicht schon an sehr sehr vielen Samstagen (10:30) exakt die Schußtechnik angeeignet hätten, die für Football Erfolg verspricht. Wir träumen zurecht davon sehr bald Golden Kicker zu sein. #kpfgrtsch