Die Indianer von Köpenick

Mats und Julian gucken aktuell mal, was das denn für Länder sind, in die die WM 2026 vergeben wurde. Ist die Infrastruktur für ein solches Turnier überhaupt vorhanden oder müssen wir uns wieder als Fallback anbieten, wenn die das nicht packen? Okay, die letzte WM auf dem Kontinent war 1994 nur in den USA, aber obwohl wir uns als Titelverteidiger auf Jahrzehnte hinaus unschlagbar wähnten, sind wir ohne Pokal nach Hause gefahren. Da muss man doch mal kritisch prüfen, woran es gelegen haben könnte. Damals kamen die Spieler aus dem Osten dazu, das sind wohl diesmal die Kicker von Union Berlin, die man plötzlich wie ein indigenes Volk auf dem eigenen Staatsterritorium entdeckt hat. Im WM-Kader damals waren mit Sammer und Kirsten aber auch nur zwei Ossis und die konnten ausnahmsweise nichts dafür, dass Effes Finger zu lang und Icke Häßler zu kurz war. 2026 müssen die USA hoffentlich nicht mehr ihre Baseballstadien umfunktionieren. Einige sahen ja aus wie unsere Spielstätte an der Bürgermeister-Haupt-Straße  – ein umfunktionierter Basketballcourt mit fetten Linien aber ohne Tore. Eine weitere Anreise zur Kapitänspromenade wird wohl auch diesem Samstag (10:30) alternativlos sein. Die USA muss den Wunsch nach 16 Highend-Spielorten zum Glück nicht allein erfüllen. Sie haben schließlich auch Partner mit Fußballexpertise dabei. Und 1986 hat Mexiko noch allein solch ein Turnier gewuppt. Das kann man sich mit Hinblick auf die Entscheidung für die Spielorte 2030 kaum noch vorstellen. Muss man bei 6 Gastgebern überhaupt noch eine Qualifikation ausspielen? Zwei Gruppen sind doch quasi schon voll. Zum Glück hat die Fifa auch darauf Antworten und stockt das Teilnehmerfeld ab der nächsten WM von 32 auf 48 Mannschaften auf. Es warten also 104 tolle Spiele in 40 Tagen auf uns und ich will alle sehen. Das wird doch die letzte echte WM, die man gucken darf, bevor es nur noch Geldschneiderei mit korrupten autokratischen Regimen ist. Oder die vorletzte?

Far away in America drübbe

Vor knapp 30 Jahren waren wir mit Effe und Mario schon mal „drübbe“ und wahrscheinlich sind wir sogar Weldmeisda oder so was ähnliches gewodde. Jedenfalls wird dieses Ergebnis im Kopf vom Mario mit jedem Dopa-Weizen wahrscheinlicher. Nun bringen wir diesen Wilden bei der DFB-USA-Reise ein weiteres mal das Fußball-ABC. Trotz Messi im Miami spielen die immer noch zu viel mit den Händen. Ganz praktisch, wenn man nicht so gut zu Fuß ist (so wie ich Samstag 10:30), aber dann nennt das doch bitte nicht Football. Die Hände sind zum Klatschen da, z.B. zu fetziger Musik. Und weil die Village People vor 45 Jahren einmal eine angesagte Band waren, hat sie der DFB 15 Jahre später natürlich sofort nominiert, um den deutschen WM-Song einzusingen. Das Songwriting ist natürlich absolut weltmeisterlich und konnte keinem Amerikaner überlassen werden. ESC-Hit-Garant Ralph Siegel persönlich hat hier seinen Füllfederhalter leer geschrieben, um uns nicht nur auf den Fußballthron sondern auch an die Spitze der Musikcharts zu führen. Oder auf Platz 44 (Böörti Böörti Vogts von Blöödelbarde Stefan Raab schaffte schließlich auch nur Platz 4), aber im Kopf von Ralph Siegel war es mindestens eine goldene Schallplatte. Hören / lesen wir doch einfach noch einmal rein:

There’s a time you can’t go wrong,
when your heart arrives in America
And you know the game is on,
that will change your life in America
It’s a land so wild and free,
calling out for you and me
When you want some action,
that’s the way it’s gotta be
And you’ll find out if you stay,
you’ll be making friends in America today
Okay!

Far away in America, we’re gonna make it,
find the chance and take it
Away in America, we’re gonna make it,
get it out and shake it
You’re gonna fight for the light, make it
Come on and go, it’s alright
Far away in America
Far away in America
Let’s go!

It’s a tough man’s paradise,
take a flight or ride in America
There’s a rainbow in your eyes
on the other side of America,
It’s a land so great and wide,
touching you deep inside
Everybody’s watching, all you got to do is try
Take your dream and hold it tight,
you’ll get all you need in America tonight!
Alright!

Tribun auf Tribüne

Es steht wieder der Geburtstag eines unserer größten Krafttiere an, das irgendwie immer gespielt hat. Zwei Jahrzehnte in den besten Ligen der Welt und er schien dabei komplett alterslos. Es gab eine Zeit, da wurde er einfach jedes Jahr Meister, egal welcher Verein gerade mit ihm spielte. Aber kaum starb Mino Raiola, traute er sich tatsächlich mit 41 in die Fußballrente zu gehen. Jetzt wird er 42 und feiert seinen ersten Geburtstag nicht als Profifußballer. Tatsächlich ist Zlatan jetzt ein Kandidat für die Rubrik „Was macht eigentlich…?“. Dabei wäre die Frage „Was macht Zlatan Ibrahimovic eigentlich nicht?“ richtiger. Der tränenreichen Abschied in San Siro, bei dem Männer tribünenübergreifend was im Auge hatten, ist nun vier Monate her. Dass er seine Karriere bei Milan so emotional beendete, war insofern überraschend, weil er schließlich auch ein paar Spiele für Inter und Juve gemacht hat. Und sehr viele mehr für PSG. Allein in der Champions League hat er für 6 unterschiedliche Vereine getroffen. Den Henkelpott hat er allerdings nie gewonnen. Den könnte man aber in seiner Vitrine mit den ganzen persönlichen Auszeichnungen wahrscheinlich nicht einmal gut sehen. Ob Zlatan nun Zeit hat, seinen AC Milan in der Champions League als Tifoso zu begleiten und nächste Woche ein Tag nach seinem Geburtstag im Westfalenstadion zu sehen ist, gilt als unsicher. Irgendwo wird bestimmt eine seiner neuen Paddel-Tennis-Hallen eröffnet oder es muss ein weiterer Asterix-Film gedreht werden. Vielleicht setzt er sich ja an einem der nächsten Spieltage wie der Volkstribun in die Loge, wenn Milan gegen PSG im großen Brot- und Spiele-Theater gegeneinander antritt. Den Löwen bringt Zlatan selbst mit. Er hat ihn schließlich auf den Rücken tätowiert. Aber selbst wenn er sich nicht die Ehre gibt, sollen die Spiele stattfinden. So wie unsere Termine Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Insofern bleibt Zlatan unser Krafttier. Die Show geht einfach weiter. Sogar ohne ihn.         

O tapped is

Nun haben sie wohl in München angeblich eine sogenannte Wiesn im Ort und was machen sie dort, anstatt darauf zünftig Fußball zu spuin? Sie setzen einen Haufen Zelte auf das Feld und stellen die voller Bierzeltgarnituren. Da kann man dann rumsitzen und sich beim Konsum von Gerstensaft privatinsolvent trinken. Ab und zu steht und liegt man aber auch auf und unter der Garnitur, so passen noch mehr potenzielle Mittrinker ins Zelt. Die einzig entscheidende Maßeinheit ist schließlich nur die Anzahl der Krüge, die auf dem Tisch Platz haben. Alles andere findet sich. Im Gegensatz zu seinen rotgesichtigen Landsleuten kann Harry Kane in diesem Jahr mit etwas mehr Platz im Käferzelt zwischen den Promis, die sonst normalerweise im P1 den städtischen Kickern auflauern, das verstörende Brauchtum verfolgen. Vor Ort empfiehlt es sich für ihn maximal schüchtern am Maßkrug, den der Trainer mit Apfelschorle light gefüllt hat, zu nippen und unvorteilhafte Fotos in der tz zu vermeiden. Sonst muss er nach seiner Karriere noch Experte im Doppelpass werden, wo die Wiesnhölle zwischen unsachlichen aber meinungsstarken Stammtischbrüdern schließlich jeden Sonntag herrscht. Nach dem glücklichen aber nie gefährdeten Sieg im Wiesntrikot am Samstagnachmittag gegen die Freunde vom VfL Bochum, gilt es brav den Trachtenjanker und die Krachlederne anzuziehen und nicht dem englischen Reflex nachzugeben verpixelungswürdige Körperteile raushängen zu lassen. Den Rest der Folklore besorgt schon der Müller-Thomas, wenn er für ein paar Likes zusammen mit Tuchel in einen Wadenwärmer schlüpft. Meine Wade liegt noch auf Eis und träumt vom Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Aktuell erlaubt sie aber maximal eine dritte Halbzeit mit polternden Kommentaren und Füße-gebluded-Anekdoten auf Dopa-Niveau.      

Wolf, du hast die Gans gecancelt

Die Flickschusterei beim DFB ist vorbei. Jetzt werden andere Saiten aufgezogen. Statt den Graugänsen ist der graue Wolf  wieder zurück. Und Hannes Wolf hat er auch noch dabei. Tierisch. Zum Schluss war es unter Hansi wohl auch ziemlich viel Graubrot. Das haben jedenfalls die drei Leute berichtet, die sich den Mist noch angeguckt haben. Aber Rudi sucht trotz seiner 100%igen Siegquote nach einem Nachfolger, der sich den unverschämten Fragen der Journalie von Weizen-Waldi bis zu den Rocketbeans stellen mag. Da muss doch jemand aus diesem Brauseuniversum zu finden sein, der schon mal Thomas Müllers TikToks geliked hat. Ach guck, der eine da mit den gezupften Augenbrauen ist frei, weil er den Bayern zu sehr Laptop statt Lederhose war. Oder zu sehr Skateboard statt Bierbank. Oder einfach zu sehr Nagelsmann statt Tuchel. Der Verfügbare passt natürlich nicht in die Kategorie Otto Nerz, Sepp Herberger, Helmut Schön. Aber immerhin hat er auch nicht einen dieser schwäbischen Tiernamen wie Klinsi, Jogi oder Hansi. Sein Gehalt ist nicht niedrig, dafür bekommt der DFB ein paar Insta-Follower dazu. Und wenn die demnächst alle die DasErste- und ZDF-Apps herunterladen, um ein Länderspiel zu gucken, ist das doch gut investiert. Beim Kopfgrätschen muss ich mich auch erst einmal vertreten lassen. Ich habe aber schon eine Idee, wer demnächst Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 die Spieler zum Platz quatscht. Ich habe da einen Bewerber an der Hand, der extra einen Motivationsfilm mit Graugänsen auf CD-Rom dabei hat. Nur mit den Leibchen fremdelt er etwas. Sie sind ihm nicht grau genug.   

Richarlisons of Anarchy in the UK

Wenn man so kurz nach Ligastart schon wieder zur Nationalmannschaft reisen muss, kann die eigene Playlist natürlich noch nicht perfekt sein. Gerade erst hat man in der Kabine angefangen, die Lieblingssongs zu etablieren und die Gehörgänge der Mannschaftskollegen zu trainieren. Bei der Nationalmannschaft trifft man dann wieder auf eine neue Konstellation. Die Kabine ist wahrscheinlich etwas größer, was man akustisch berücksichtigen sollte. Und natürlich sitzen in den Ecken einige soundreflektierenden alten Hasen, die sich wenig bewegen und deren glatte Oberflächen auf dem Schädel die Töne nur so durch den Raum knallen lassen. In diesem Umfeld ein harmonisches Feintuning hinzubekommen, ist alles andere als einfach. In Kenntnis dieser Herausforderungen kann es einen nicht verwundern, wenn man solche Meldungen von der brasilianischen Nationalmannschaft lesen muss: Vitor Roque and Richarlison got into an argument after the 18 year old started playing Taylor Swift in the locker room. Richarlison called it the worst music on the planet. Dafür muss man Verständnis haben. Richarlison ist immerhin ein Boomer von 26 Jahren, der einfach nur in Ruhe seinen True Crime Podcast hören möchte. Er wurde zudem in den letzten Jahren musikalisch in Liverpool und London sozialisiert. Kein Wunder, dass er alles an den Beatles und Sex Pistols messen muss. Offensichtlich ist er auch zu alt, um sich von dem zu erwarteten Shitstorm der Swifties beeindrucken zu lassen. Demnächst wird er sich wahrscheinlich eine Schiebermütze kaufen und jeden Music Friday seine Plattentipps unter die Guys bringen. Obwohl man sich das gut überlegen sollte, ob man den Leuten wirklich ungefragt jeden Freitag mit den eigenen Gedanken auf den Keks gehen muss, nur um die ewig gleiche Leier von Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) anzustimmen. Mal hören, was uns unser Outdoor-Kabinen-DJ auf seiner Bluetooth-Box im Turnbeutel diesmal mitbringt.

https://twitter.com/BrasilEdition/status/1699825200328503396

Gnadenbrot or nothing

Fachkräftemangel bedeutet auch: die Alten müssen ran! Auf Transfermarkt.de sinkt der Marktwert automatisch, wenn man die Grenze zum Greisenalter also 30 überschreitet. Aber in den Vereinen hat man längst gemerkt, dass man besser fährt, wenn man sich einen hungrigen Bestager holt, wenn man ernsthaft etwas gewinnen möchte. Klar bei den jungen Talenten gibt es viel Beweglichkeit in der Hüfte und deshalb noch einen Haufen TikTok-Follower mit dazu. Da gibt man schon mal gern ein paar Millionen mehr für aus. Leider bleiben diese Follower nicht beim Club, wenn der Spieler den nächsten Schritt machen will. Also lieber einen 30-Jährigen mit verwaistem Facebook-Profil, der verlässlich Leistung bringt und darüber nachdenkt auf einen Volvo-Kombi umzusteigen. Der findet meist selbstständig den Weg zum Trainingsplatz (bei Kopfgrätsche aktuell immer noch im Friedenshof Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) und ist auch ansonsten pflegeleicht. Im nächsten Transferfenster wird lediglich spekuliert, ob er nicht doch lieber noch ein paar Spiele in Saudi-Arabien machen möchte, bevor er die müden Knochen in ein TV-Studio schleppt, um dort sein Gnadenbrot als Experte zu knuspern. Sowohl Bayern als auch Dortmund haben mit Kane und Füllkrug für eben dieses Profil in diesem Sommer gerne Geld überwiesen. Beide haben einige Torjägerkanonen rumstehen, die aber bisher keine Mannschafts-Titel eingebracht haben. Ihre langjährige Treue zu Clubs, die nur selten etwas in die Vitrine stellen können, lässt ihnen dafür die Zeit davon rennen. Im letzten Karriereschritt muss es nun doch endlich mal klappen mit einem Titel. Mit Harry Kane muss man sich geradezu freuen, wenn er im nächsten Mai endlich mal eine Trophäe hochhalten darf. Von den letzten 11 Schalen der Bayern hat er schließlich nichts gehabt. Auch Hansi Flick hat gemerkt, dass er das alte frische Blut von Pascal Groß braucht, um die Heim-EM 2024 noch zu retten. Den kennt bei Amazon zwar niemand, aber nur mit ihm lässt sich wenigstens eine weitere peinliche All-or-nothing-Doku verhindern.        

Niveau ist die Geld?

Eine aktuelle sportliche Situation kann man natürlich auch finanziell erklären. Oder wie Pal Dardai es ausdrücken würde und auch getan hat: „Wie soll ich sagen? Die Geld ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“ Und das klingt natürlich dramatisch, wo wir doch erst gefühlt vor Kurzem darüber lustvoll spekuliert haben, für wen die Windhorst-Millionen demnächst zum Fenster hinausgeworfen werden. Aber Geld ist selten weg, es ist nur meist woanders, wo man schwer rankommt. Man könnte es in Saudi-Arabien vermuten, dort kommt es offensichtlich gerade aus dem Hahn. Auch hier werden Spieler über dem Marktpreis eingekauft, um davon abzulenken, dass die sportliche Relevanz und Strahlkraft nicht ganz so dazu passen. Mit Geld lässt sich die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit dann doch leichter ignorieren. Um die Saudis muss man sich dann aber langfristig weniger Sorgen machen als um die Hertha. Und immerhin klingt Pal Dardai noch nicht wie Ernst Middendorp, der in Meppen klar gemacht hat, dass sein Anspruch sehr viel höher ist. Auch in der Regionalliga spielen wohl immer häufiger Amateure, die nicht einmal Power-Ernst als Animateur zu professionellem Verhalten animieren kann. Er hat es sehr eloquent ausgedrückt, hätte aber auch einfach sagen können: „Wie soll ich sagen. Die Professionalität ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“ Aber Ernst suchte ja offensichtlich nach Gründen, um hinzuwerfen. Ob er wiederkommt, hängt sehr davon ab, wann Arminia Bielefeld und er sich wieder auf einem Niveau wähnen. So hat es jahrelang schließlich auch mit Hertha und Pal funktioniert. Manchmal fühlte sich die Hertha zu groß für den kleinen Pal, aber aktuell ist er wieder gut genug, weil er nicht zu viele finanzielle Fragen stellt. Dass ich das Kopfgrätsche-Niveau (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00) und mein Niveau aktuell noch im Einklang wähne, erkennt ihr an meiner Erklärung zum aktuellen Spielfeld-Status: „Wie soll ich sagen. Die Tor ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“     

Two-Timing Kopfgrätsch and Broken Bones

I’m gonna crash into the weekend like a swinging mace, gonna crash into the bottom of a bottomless pit and on the bottom of the bottom of the bottomless pit. Das war bisher die Routine, aber nun wird schon fleißig am Ausbessern der Krater im Kopfgrätsche-Wohnzimmer gewerkelt. Es gab keinen Countdown to Shutdown. Aber immerhin Supply and Demand um Two-timing Touch and broken Bones zu verhindern. Aber wie without the Money? If I had a Cent… aber das reicht ja nicht, um im Strafraum ein Bigger Hole to fill. Inspection wise 1999. Dennoch ging es plötzlich los. Wir hoffen, dass it won’t be long, dass wir im Exil ausharren und uns fragen: Oh Lord! When? How? Samstag (10:30), Mittwoch (18:00) – That’s two kinds of Trouble. And I want more of that and a little more for little you. Deshalb sage ich mir: Come on! Wait a Minute! My time is coming! Es ist immerhin nicht Closed for the Season. Die Arbeit soll natürlich ordentlich erledigt werden, damit der Platz noch einmal 25 Jahre hält. Als Siebzigjähriger habe ich schließlich nichts von Abra Cadaver und einem Bogus Operandi oder einer Trapdoor Solution mit dem Platz als Main Offender. Ein Hate to say I told you so bringt mir dann auch nichts mehr. Wir fiebern dennoch gespannt auf das Tick Tick Boom hin, damit wir bald ausrufen: Here we go again and right ahead. Step out of the Way. Statt Walk Idiot (a.k.a. I-D-I-O-T) Walk darf hier wieder gerannt werden. And we can take back the Toys and try it again. B is for Brutus? Nee, for The Bomb … äh Ball. Unsere Patrolling Days sind nicht over und these Spectacles reveal the Nostalgics. That’s just the Way the Story goes.

Und am Ende der dunklen Gasse erstrahlt die neue Schrankwand

Bei dem ersten Tor merkte ich erst mit etwas Verzögerung, dass ich alles, nur nicht das Tor hinter mir abdeckte. Leicht unangenehm, da ich als Torwart es dem Stürmer nun auch nicht ganz so einfach machen wollte. Eigentlich stand ich gefühlt dort, wo ich immer stand. Nun ja, der Platz war natürlich ein anderer, aber er fühlte sich mit seinem vom Regen rutschig geregneten Gummi, eigentlich fast wie der heimische Spielort an. Aber er war 2 Kilometer davon entfernt und in den Details unterschied er sich dann doch leicht. Es reichte immerhin soweit, dass die natürliche Orientierung für die Position des zu verteidigenden Tores leicht getrübt war. Wer durch die Lücken im Käfig dem Ball hinterherjagte, stieß sich dann auch prompt den Kopf am Metallgitter. So fühlt sich also ein Oberligist, wenn er für die 1. DFB-Pokalrunde und das Spiel des Jahres gegen Heidenheim ins Stadion des klassenhöheren Lokalrivalen wechselt. An die Dimensionen des Platzes an der Kapitänspromenade muss sich der Körper nach über 20 Jahren im selben Biotop also erst einmal gewöhnen. Dank der gleichen Mitspieler konnte das aber gelingen. Diese am gesperrten Renovierungsfall in der Bürgermeister-Haupt-Straße am Mittwoch Abend einzusammeln, hat tatsächlich einigermaßen geklappt. Und Roma hatte als Anwohner sogar einen sehr viel kürzeren Weg zur Ausweichspielstätte an der Kapitänspromenade. Ob wir dort Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 vorübergehend heimisch werden, müssen wir beobachten. Einen möglichen Plan C hat Frank schon an der Zanderstraße hinter der Plappersnut ausgekundschaftet. Auch der Umbau unseres Wohnzimmers fiel ihm zuerst auf. Wir hoffen auf die angekündigte kurze Umbauzeit (ca. 2 Wochen) und sind gespannt auf die neue Schrankwand. Hoffentlich steht sie dann wieder dort, wo mein innerer Kompass sie instinktiv vermutet, wenn der Stürmer sie avisiert.  

Per aspera ad Gaastra

Das absolute It-Piece dieses Sommers ist ganz klar die blaue oder rote Funktionsjacke mit Kapuze. Wer die an der Ostsee nicht dabei hat, kann eigentlich direkt in den nächsten Camp David oder Gaastra-Laden an der Promenade tigern und sich für seine Nachlässigkeit das Geld bündelweise aus der kurzen Hose ziehen lassen. Warum hast du damals nicht zugeschlagen als die Windbreaker ohne TÜV-Siegel bei Tchibo im Angebot waren? Aus der Aktionswoche stammen zwar die Flipflops an deinen Füßen, die immerhin gewährleisten, dass der Regenbach einfach um und durch das Fußbett fließen kann. Aber der Selbstbetrug, dass du im Sommerurlaub auf dem Campingplatz, das modische Verbrechen mit Tunnelzug vermeiden kannst, war unnötig. Nun cruiset du schon die dritte Runde um die Stadt, auf der Suche nach einem bezahlbaren Parkplatz, der nicht zu weit vom Zentrum dieser pittoresken Altstadt entfernt ist. Das Parkhaus ist zwar nah dran, aber natürlich viel zu teuer, nachdem diese hässliche raschelnde Regenjacke in elfenbeinweiß das Urlaubsbudget ungeplant dezimiert hat. Frau und Kinder quengeln unleidlich neben und hinter dir, weil es auch heute und morgen im Regenradar keine Chance auf Strandwetter zu erkennen gibt. Die bleiche Haut schrumpelt statt sich zu pellen. Nur noch wenige Tage dann geht es zurück zu den vertrockneten Büropflanzen, die natürlich niemand gegossen hat, während hier der nächste Regenguss den unbefestigten Parkplatz und das darauf sprießende Unkraut überflutet. Die Frontscheibe beschlägt während ihr auf eine Regenlücke wartet, um den Fußmarsch in die Altstadt zu starten. Dort gilt es missmutige Kinder durch alte Kirchengemäuer zu treiben. Warum nur gibt es bei der großen Kirche kein Dach zu den Mauern? Na, immerhin können die Kleinen hier Kleckerburgen bauen, während es für die Großen noch die Kopfgrätsche-Ferienbetreuung gibt (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00). Du hast doch hoffentlich die Sportschuhe gekauft als die bei Tchibo im Angebot waren, oder?     

Automatthäusmen

Damit nicht nur Zweitligafußball in der nächsten Saison im Berliner Olympiastadion gastiert, lässt man ab Herbst zusätzlich noch ca. 3 mal die Champions-League-Hymne vom Band laufen. Wer beim diesjährigen DIA-Turnier dabei war, kann bestätigen welche Kraft diese künstlich zusammengeremixte Melodie auf Fußballer jeder Qualität und Klasse ausübt. Sofort sieht man vor seinem geistigen Auge die großen blendenden Flutlichtmasten aus Madrid, Barcelona oder Mailand. Dass Köpenick da nicht ganz in diese Reihe passt, lässt sich zum Glück dadurch ausgleichen, dass im Berliner Westend im vorigen Jahrhundert olympische Sommerspiele ausgerichtet wurden. Die DIY-Arena von Union reicht aber immerhin für Spiele gegen Heidenheim, Darmstadt und Sinsheim. Den Gästen aus dem westdeutschen Grünheide kann man die selbstgebauten Tribünen gerade noch zumuten. In der Champions League hat man schließlich erst einmal Handwerker gesehen als damals das Tor in Madrid umfiel. Diese patenten Leute könnten wir beim Kopfgrätschen (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) ganz gut gebrauchen. Falls sie jetzt in Madrid mit dem Tor losfahren, könnte es rechtzeitig zum Spielbeginn auf dem Platz stehen. Um die Abhängigkeit von Menschen, die nicht rechtzeitig daran denken ein Tor zu besorgen, zu vermindern, wird die Bespielbarkeit von Plätzen inzwischen vermehrt automatisiert. Rasenmäherroboter erledigen den Job, den Lothar Matthäus beim FC Bayern sowieso nie hätte machen dürfen. Und auch das akkurate Abkreiden ist nicht mehr davon abhängig, dass der Platzwart in den großen Stadien die Fluchten richtig einschätzt nach dem Frühschoppen. Nach der Instandsetzung des Gummis ist also damit zu rechnen, dass sich der Belag selbstständig reinigt und pflegt und versenkbare Tore bei Bedarf aus der Erde hochfahren. Dann kaufen wir uns auch den smarten Ball mit eingebauter Machete, der sich selbstständig aus der Brombeerhecke hinterm Platz schneidet, sobald das zeitgesteuerte Licht- und Soundsystem das Flutlicht einschaltet und die Hymne erklingen lässt.   

Herthinho Matata

Jetzt haben wir uns letzte Woche gerade erst auf einen Namen für diesen Bären geeinigt und nun kommt hier schon das nächste exotische Tier um die Ecke gestreunt. Stand jetzt wird die Löwin von Kleinmachnow immer noch wie wild gesucht, weil noch nicht alles Gags zu dem Thema gemacht wurden und weil man der Meinung ist, so eine Raubkatze passt jetzt nicht unbedingt nach Berlin. Exotische Fische auf der Straße sind noch in Ordnung. Aber die anderen Tiere, die nun alle eine Stufe in der Nahrungskette abgerutscht sind, finden das jetzt auch nicht so cool. Herthinho wurde auch sicherheitshalber eingeschlossen. Er wird schließlich ab nächster Woche im Hertha-Mittelfeld dringend gebraucht. Begegnungen oder auch Verwechslungen mit der Löwin kämen für ihn zur Unzeit. Die Rolle als unscharf dokumentiertes Sommerlochtier füllt die Löwin aber sehr gut aus. Kaiman Sammy wäre stolz und der hat immerhin nur einen Baggersee okkupiert. Die Katze mag jetzt eher kein Wasser, aber da kommt ihr die Steppe von Brandenburg  natürlich entgegen. Wir müssen jetzt aber nicht damit rechnen, dass uns beim regelmäßigen Suchen des Balls im Unterholz (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) ein paar Katzenaugen anfunkeln. Dennoch empfiehlt es sich weder Löwen noch Mitspieler laut anzubrüllen oder ihnen Schläge anzudrohen. Also am besten das vermeiden was Javid als „Casino“ bezeichnet. Ob er dabei jetzt an Siegfried und Roy wegen der Löwen gedacht hat oder an das lose Mundwerk von Joe Pesci, ist noch zu klären. Aber am besten nonverbal und ohne hektische Bewegungen. Wir versuchen einfach den Eindruck zu erwecken wir wären ganz durchschnittlich talentierte, zähe Freizeitkicker mit dürren Beinen und keine leckeren Rummelboxer. Das gilt auch für Marius Gersbeck.

What becomes of the broken Herzi?

Was Hansi Flick bisher nicht gelungen ist, soll nun Albärt erreichen: Vorfreude auf die EM 2024 im eigenen Land. Immerhin wurde bei der Namensgebung darauf geachtet, dass der Name des EM-Maskottchens den Namen des Bundestrainers an Lächerlichkeit übärbietet. Aus diesem Grund konnte der Vorschlag „Herzi von Bär“ leider auch nicht das Rennen machen. Herzi und Hansi – da hätte es auf jeden Fall unwürdige Matchups gegeben. Zu jedem Namensvorschlag gab es auch noch einen Subtext, der den abstimmenden Fans  die Entscheidung etwas leichter machen sollte. Albärt wird dabei als „little bear with big ideas“ und „the perfect buddy for every football fan“ beschrieben. Herzi von Bär dagegen als „little bear who is all heart and lives for the love of the game“. Die Fans wollten also liebär den Buddy. Vielleicht mussten sie dabei wehmütig an Ted denken und konnten sich vorstellen mit Albärt unter der Decke den Donnersong zu singen bis das Unwetter eines peinlichen Vorrundenaus vorübärgezogen ist. Immerhin wurde nicht Bärnado gewählt, der großkotzig angekündigt wurde als „a german bear ready for the global stage“. Da steckt leider zu viel Raubtier drin und einige sehen vor ihrem geistigen Auge angstvoll wie Bärnado Schafe, Jogger und Kleinstaaten zum Frühstück frisst. Natürlich haben die Netzwitzbolde noch diverse alternative Namensvorschläge eingebracht. Zwei davon haben mir persönlich sehr gut gefallen. Juan Bärnat – „eager and happy to be blamed for ever­y­thing“ wurde offensichtlich von Uli Hoeneß persönlich eingebracht und spiegelt den urdeutschen Wunsch immer einen Schuldigen zu finden sehr gut wieder. Umbärto hätte ich natürlich auch sehr gern gesehen. Allein für den gespielten Witz: „Hallo mein Name ist Umbärto und ich bin hier, um ihnen zu sagen, dass Deutschland in der Vorrunde ausgeschieden ist.“ „Um was…???“ „Umbääärto!“

Nun habe ich noch zwei Kopfgrätsche-Termine für euch zur Auswahl:
Saturday (10:30) : an all heart game day that counters the friday hangovers better than a beer
Wednesday (18:00) : an after work appointment with open end and lovely sunsets

Col and the Gangschaltung

Wenn man sich Samstag 10:30 und / oder Mittwoch 18:00 auf den Drahtesel schwingt und zum Platz braust, denkt man auf dem einen oder anderen Teilstück des Weges: vielleicht fährt man einfach weiter und erkundet mal ein paar andere Büsche, als die die gerade im Sommer bereitwillig jeden Ball verschlucken und nur widerwillig preis geben. Jetzt wäre doch die Jahreszeit, in welcher man bei jedem Anstieg die Chance hätte, dass einem Menschen am Wegesrand zujubeln oder gar zum Gipfel brüllen. Man kann natürlich auch an einem Samstagnachmittag nach dem Kopfgrätschen faul auf der Couch liegen und anderen dabei zusehen wie sie sich abstrampeln. Währenddessen sieht man ganz viel ländliche Landschaft mit Feldern, in die Kornkreise in Fahrradformen gemäht sind und pittoreske Örtchen mit gewaltigen Kathedralen und hübsch bepflanzten Kreisverkehren. Man lernt ganz viel über regionalen Käse und Wurst und die örtlichen Heiligen, die hier vor Jahrhunderten mal Lahme zum Gehen oder gar Radeln gebracht haben. Dabei kann man in aller Ruhe ein Nickerchen machen, weil die abgefilmten Radprofis die meiste Zeit wie ein einziger raupenähnlicher Organismus über die Straßen kreiseln. Kurz vor Schluss wird es dann meistens etwas hektischer, wovon man rechtzeitig sanft geweckt wird, bevor es um die regionale Wurst und die schönen bunten Trikots geht. Selbst wenn man dem strategischen Wettkampf mit den Anfahrern in Ausreißergruppen und Wasserträgern in der Führungsarbeit des Pelotons nicht hundertprozentig folgen kann, das Sightseeing zwischen „Zu Tisch in…“, „Länder, Menschen, Abenteuer“ und „Die Schönsten Bahnstrecken“ ist ausreichend für den Mythos dieser Rundfahrt. Wenn ich die Abfahrt ins Dreveswäldchen unfallfrei absolviert habe und aus dem Sattel gehe beim Anstieg, wartet am Ende leider kein Col mit meinem Namen auf der Straße sondern nur die hässliche Bürgermeister-Haupt-Straße. Dann biege ich doch wieder lieber schnell zum Fußballplatz ab.       

Lebenslanglauf down & under

Dass die Saison vorbei ist, merkt man eindeutig daran, dass teilweise nur noch jeden zweiten Tag Fußballspiele im Fernsehen gezeigt werden. Profis gönnen sich gern eine sogenannte Sommerpause, aber wir spielen natürlich schon immer durch (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00). Hauptsächlich deshalb, weil wir uns partout nicht daran erinnern können, wann unsere Saison angefangen hat. Das wäre den Profis fast auch passiert, weil in der Frühherbst- bis Spätwinterpause ja auch noch eine komplette WM stattgefunden hat. Da braucht man sich dann auch nicht wundern, dass, nachdem das Tafelsilber verteilt wurde, noch Länderspiele ausgetragen werden mussten. Dass man dabei soviel Motivation wie bei einem Hallenmasters in der Bördelandhalle hat, ist dann wahrlich nicht überraschend. Es ist eben alles ein wenig durcheinander mit den Jahreszeiten. Manuel Neuer wollte schon wieder reflexartig den Arm hochreißen, um den Skilift zu rufen. Aber dann fiel ihm auf, dass er seine Urlaubstage schon aufgebraucht hat. Um die Verwirrung perfekt zu machen, findet demnächst noch die Frauenfußball-WM im australischen Winter statt. Die kommt allerdings wie gerufen, um von den Leistungen der Männer abzulenken. Jene haben sowieso gerade mal ein verlängertes Wochenende um sich auszuruhen. Pushmitteilung: der Spielplan für 2023/24 ist da und in 4 Wochen geht der ganze Bumms doch schon wieder los. Und Effes- und Audi-Cup wollen schließlich auch vorher noch gespielt werden. Es soll sogar am Sonntag den 09. Juli ein DIA-Turnier geben, für Leute mit Lücken im Fußballkalender und Lebenslauf. Manuel würde vielleicht kommen, wenn klar ist, ob es eine Rasenheizung gibt.   

Rolling and Schilling

„Kommt ein Mann in die Vierzig…“ wer hier sofort mitsummt, hat einmal zu viel den Fußballklassiker der DEFA „Nicht Schummeln, Liebling!“ geschaut. Andere werden verzweifelt jammern, dass sie auf diesem Wege schon wieder genichtschummelnlieblingt wurden. Das Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00)-Äquivalent zum Rickrolling. Ja genau, dieser fiese 80er-Ohrwurm, den die Männer um die Vierzig schon in ihrer Kindheit ertragen mussten. Im Alter wechseln sie deshalb gerne mal in eine sogenannte Operettenliga. Was früher eigentlich bedeutete, dass man seine Karriere in Österreich beim Viervierteltakt in drolligen Stadien mit Fans, die mehr vom Wintersport verstehen, ausklingen ließ. Dafür reichte es meist noch, aber international war es unter den großen Ligen also der Oper anzusiedeln. Heute geht man für den letzten dicken Gehaltsscheck natürlich nicht mehr nach Österreich. Die Frage: „Woas moachd dös in Schilling?“ hat man lange nicht mehr gehört. Woanders gibt es schließlich Dollar oder Saudi-Riyal. Messi und Benzema unterschrieben für einige dieser Scheinchen in Ligen, die man bei der Fußballmusik eher mit dem Musical vergleichen kann. Für das passende Geld von Disney singt Lionel Rich eventuell sogar „Let it go“ oder „Die Sonne kommt immer wieder“. Je nach Wunsch. All das hat Zlatan nicht nötig. Bei ihm war der Abschied schon ein derartiges Gefühlsbonzentreffen, das danach quasi nichts mehr kommen kann. Die Rolle im Asterix-Film kann er schließlich schon von der Bucketlist streichen. Aber wer weiß. Aus der Nationalmannschaft ist er auch gefühlt 15mal zurückgetreten und hat sich trotzdem zu 121 Länderspielen für die ESC-Champion-Nation herabgelassen. Wenn die Umstände stimmen, legt er sich vielleicht doch noch mal für einen Roundhousekick zu den Takten von Mamma Mia! (here I go again) in die Strafraumluft. Never gonna give you up, Zlatan! 

Brazzo und der Fluch des Kahn

Nirgendwo ist der Aberglaube größer als in der katholischen Kirche und im Fußball. Rituale sind wahnsinnig wichtig, um irrational und gegen jede Statistik das Glück zu überlisten. Dabei kann es sich der Fußballgott frei aussuchen, welcher Götzendienst ihn mehr anspricht und wohin er sein Füllhorn leitet. Und wenn er Bock darauf hat, dass ein Verein zehnmal hintereinander Meister wird, dann wird er seine Gründe dafür haben. Er darf dann vielleicht auch beim 11. möglichen Titelgewinn ganz subjektiv entscheiden, dass er diesen verhindert solange dieser blondgeföhnte Seuchenvogel mit der schlechten Laune dort auf der Tribüne sitzt. Die Leidenden werden mit der Aussicht bestraft, dass sie am Ende der Saison ihren Namen nicht in Metall gravieren dürfen. Da leitet er willkürlich das Füllhorn zum Tabellensechsten um und lässt ihn in Serie gewinnen bis sie den Typen entfernt haben, der tatsächlich seine Biografie „Ich – ein Buch über Erfolg“ genannt hat. Wie maximal blasphemisch kann man sein? Als ob Erfolg etwas mit Können zu tun hätte. Da der Fußballgott natürlich nicht spricht, sondern nur ab und zu die Signale aus dem Kölner Keller stört, muss man wahnsinnig viel herumprobieren bis man herausgefunden hat was ihm eventuell missfällt. Magst du den Trainer nicht? Oder den Sportdirektor? Sollen wir den Glückspulli wechseln? Oder den Busfahrer? Hilft es wenn wir noch ein drittes Sondertrikot für 120€ herausbringen? Gib uns doch ein Zeichen, oh Herr! Woran unsere Erfolgslosigkeit wirklich liegt, werden wir wohl nie erfahren. Dafür ändern wir zu oft das Setup. Es hilft nicht einmal, dass man immer das gleiche Waschmittel für die Leibchen nimmt. Die anderen Verhaltensmuster wechseln zu oft, obwohl es so simpel wäre, einfach Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 am Platz zu sein, um wenigstens schon mal herauszufinden, ob dem Fußballgott diese Anfangszeiten überhaupt gefallen. Oder ob er am Ende einen persönlichen abwegigen Spaß daran hat, Spieler für ihren Erfolg trainieren zu sehen? Es ist nichts auszuschließen bei diesem kranken Irren.        

Staubfänger im Roggen

So, der gelbe Schirm ist besorgt. Ein wenig schade für die Filzer, die nun am Wochenende vergeblich auf Besucher warten. Aber irgendwie müssen wir ja Samstag 10:30 am Platz kenntlich machen, dass es bei uns wahre Kunstfüßchen zu bestaunen gibt. Bei Kunsthandwerk gibt es natürlich Frei- oder Strafstoß, aber Kunstfußwerk hat auch sein Publikum verdient. Und echte Kopfgrätschen in Vollendung haben einen Seltenheitswert, der uns bestimmt Massen an Schaulustigen an den Platz ködert. Unsere kleine Manufaktur (oder wie heißt das, wenn la Mano de Dios nur im Ausnahmefall gestattet sind?) ist zwar nicht gläsern, aber durch den Zaun kann man dennoch prima hindurchgucken. Falls es Interessenten für Stehrümchen und Staubfänger gibt, diese können vereinzelt tatsächlich auch im Angebot sein, bekommen aber meist schnell einen herzlichen Anranzer, dass sie gefälligst zeitnah wieder in der Abwehr mithelfen sollen. Kurz danach verändert sich ihre Gesichtsfarbe zu der von gebranntem Ton, sie verändern japsend ihre Rolle und werden zum Ladenhüter zwischen den Pfosten. Käuflich ist hier nicht viel. Die meisten Kopfgrätscher haben nicht einmal ein aktuelles Preisschild auf transfermarkt.de. Aber das ist ja wie bei so vielen Werkstätten, die man am Kunst-Offen-Wochenende bei einer Landpartie durch die Roggenfelder besuchen kann. Davon findet man selten etwas in den Katalogen der großen Galerien. Darum hoffen wir, dass alle Besucher auch den Exit ohne Giftshop finden und trotzdem auch Mittwoch 18:00 wieder zurück an den Platz kommen, wenn mit der gleichen Ernsthaftigkeit aber ohne Schirm an der perfekten Kopfgrätsche gefeilt wird.

Verkatert nach Förderkader

Letzten Mittwoch 18:00, man trifft sich zum gepflegten Kopfgrätschen mit drei Mannschaften. Jede Ballaktion ob gelungen oder nicht ist begleitet von einem Roar, der offensichtlich nicht uns galt sondern aus dem Stadion nebenan herüberschwappte. Aber wer spielt zu dieser Zeit so spektakulär im Stadion, dass es die Menschen so dermaßen von den Sitzen reißt? Können das wirklich Menschen aus Wismar sein, die jetzt nicht unbedingt dafür bekannt sind so geräuschvoll aus sich heraus zu gehen. Sogar entscheidende Spiele um Auf- oder Abstieg sorgen selten für solch eine Soundkulisse. Als Anker 2019 sein Relegations-Rückspiel in den Sand setzte, konnte man die Schultern zucken hören. Auch damals lief parallel ein Kopfgrätsche-Mittwoch, der aber aufgrund dürftiger Teilnahme (kein Wunder alle potentiellen Mitspieler lungerten am Jahn-Sportplatz rum) ein frühzeitiges Ende fand. Na gut, es regnete auch an dem Abend. Deshalb existiert von dem besagten Mittwoch nur ein Mannschaftsfoto der Eventfans in Zivil.

Zurück ins Jahr 2023. Anker steht als aufstiegsunwilliger Meister bereits fest. Das erklärt den Lärm im Stadion am Mittwoch also nicht. Über fussball.de ließ sich später noch recherchieren, dass es das Landespokalfinale der PSV A-Jugend gegen den Förderkader René Schneider war, das erst in einem Elfmeterschießen entschieden wurde. Auch zwei Tage danach lassen sich keine Spielberichte dazu finden, was dafür spricht, dass die, die dabei waren, wohl immer noch siegestrunken sind. Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 freuen wir uns am meisten über Jubelanlässe, die dem eigenen Spiel zuzuordnen sind. Falls diese ausbleiben sollten, nehmen wir aber zur Not auch Fremdjubler aus der Nachbarschaft.