Was ist denn da bei den Nachbarn los? Da stand doch immer dieser eine Verein an der Tabellenspitze, wenn man gerade mal rübergelugt hat. Ach sieh an, bei euch ist es auch grad nicht so spannend? Wieder einmal stehen Ajax, Olympique Lyon oder der FC Basel ganz oben und spenden uns Trost. Wenn das nebenan so ist, dann wird das doch normal sein, dass ein Verein 10 bis 11mal in Folge Meister wird. Die kennen das auch nicht anders. Und sobald man in Fachgespräche von Zugereisten gezogen wurde, konnte man sich sicher sein, dass selbst wenn man nichts über das Land weiß, man immer sagen konnte: Die Baseler, Amsterdamer, Lyoner sind doch dieses Jahr wieder Favorit, oder? Für die Champions-League reichte es meistens problemlos. Aber aktuell guckt man ungläubig über den Gartenzaun und fragt sich: wann ist denn das passiert? Okay, die Königsklasse kann man in einer Liga mit wenig Startplätzen schon einmal verpassen. Und wenn die Krise etwas größer ist, dann lässt man das internationale Geschäft in einem Jahr auch schon mal ganz aus. Kommt in den besten Familien vor. Also bei uns natürlich nicht, aber es mit ein paar Jahrhundert-Talenten aus der Jugendarbeit kommt ihr da doch locker wieder auf Platz 1. Aber nun schieben wir die Finger zwischen die Jalousie und trauen unseren Augen kaum. Tabellenende? Abstiegsplatz? Ist jetzt der Zeitpunkt um die Fürsorge zu rufen? So etwas schickt sich doch nicht in unserem Viertel. Der schlechte Einfluss auf unsere Mischpoke muss abgewendet werden. Unser Klassenprimus hat schon unter der Woche vor lauter Verunsicherung den DFB-Pokal weggeworfen. Ein wenig Verlässlichkeit in diesen unsicheren Zeiten kann man doch vom Fußball wohl erwarten, oder? Die letzte Bastion der Konstanz kann am Ende nicht ernsthaft Kopfgrätsche Samstag 10:30 sein? Falls doch, guckt die Nachbarschaft in Zukunft demnächst noch genauer in unseren Vorgarten und auf unsere Kinderstube. Macht mir keine Schande!
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Ballfahrtsorte statt Taten
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ So oder so ähnlich ist es im Evangelium nach Loddar Matthäus Kapitel 18 Vers 20 geschrieben und man kann sich denken, dass das genauso für den Fußball funktioniert. Ab drei Leuten kann man schon ein Spielchen beginnen und ab drei Mannschaften hat man quasi ein Turnier. Und das hat auch dieses Jahr beim DIA-Turnier funktioniert, ohne dass die lahmen Kopfgrätscher durch ein himmlisches Wunder noch zum Grätschen gebracht werden mussten. Auch Berti Vogts dachte damals es wäre unbedingt nötig, dass er Matthäus in seinem biblischen Alter von 37 noch mit auf die Wallfahrt zur WM1998 in Frankreich nehmen muss. Das gute Wasser von Lourdes sorgte tatsächlich dafür, dass Deutschland es in der zweiten Hälfte gegen Jugoslawien ohne Kroatien Lazarus gleich tat und wieder von den Toten auferstand. Nur um dann im Viertelfinale von Kroatien ohne Jugoslawien mit 0:3 in die ewigen Jagdgründe geprügelt zu werden. Das Ganze auch noch in Lyon zu Füßen der Wallfahrtskirche Notre-Dame de Fourvière, die im Volksmund aufgrund seiner 4 oktogonalen Ecktürme „der auf dem Rücken liegende Elefant“ genannt wird. Und ebenso lagen 1998 die deutsche Nationalmannschaft und Loddar darnieder und streckten alle four Viere von sich. Zwei Jahre später spielte ich mein erstes Turnier im Rahmen der amateurhaften studentischen Fußlümmelei und Lothar musste seinen greisen Körper durch eine EM-Vorrunde schleppen, die Deutschland als Gruppenletzter abschloss. Auch 22 Jahre danach braucht es keine grauen Leitwölfe. Es reicht ein Ball, um jederzeit problemlos zwei bis drei Mannschaften zu einem Spaßturnier zu versammeln. Was heißt das nun für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, liebe Gemeinde? Nun, es schadet jedenfalls nicht einen Ball mitzubringen.
Stadionstationen
Das Estadio Ramón Sánchez Pizjuán des FC Sevilla liegt gut zentral und praktischerweise neben einem Einkaufszentrum. Grosses Manko: Sevilla ist die zweitheißeste Stadt von Europa. Kann also sein, dass Rafael van der Vaart und Heiko Westermann (beide Betis Sevilla) den Satz „Sevilla ist heißer Cheiss, Digga!“ völlig falsch verstanden haben. Interessant: bei der Beliebtheit der Vereine steht Betis auf Platz 6 und der FC ist garnicht in den Top Ten.
Zweitens abgebildet ist die Baustelle des Stade des Lumières, das neue Clubstadion von Olympique Lyon und ein Austragungsort der Fussball-EM 2016 in Frankreich.
Das letzte Bild ist nicht die Auslage des Fanshops im Camp Nou, nur eine stinknormale Raststätte in der Nähe von Figueres. Es gibt ja alles mit dem FCB-Logo: Ballpumpen, Messi-Shirts, Ronaldinho-Perücken. Christstollen leider nicht.



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