Cereal schlägt Cerebral

12, 13, 14 … wenn man beim Frühstück eine Spielankündigung schreibt, ist natürlich der große Vorteil dabei, dass man gleichzeitig Cornflakes zählen kann. 21, 22, 23 … das soll ja angeblich ein ganz gutes Training für Schiedsrichter sein. Quasi eine Mindestvoraussetzung für die dritte Liga. 27, 28, 29 … eine meditative Aufgabe, die einem hilft, 22 Spieler auseinanderzuhalten. Und ruhig und besonnen zu bleiben, wenn einen tätowierte Atzen bepöbeln. 34, 35, 36 … gerade unterhalb der Eliteliga gibt es doch noch Kicker, die Medienschulung und Knigge erst einmal googeln müssen. Da hilft es einmal den Kopf leer zu machen bevor man ihnen die subjektive Einschätzung ihres Verhaltens als Feedback mit auf den Weg gibt. 39, 40, 41 … denn erst, wenn man bei einer Unsportlichkeit ankommt und sagt: „Das war nicht okay so. Und wusstest du, dass in einer Cornflakes-Packung soundsoviele Cornflakes sind“, wird auch der härteste Kern-Asi weich wie Cerealien in Milch. 44, 45, 46 … alternativ kann man natürlich auch die Rechtschreibfehler in den Tattoos des Delinquenten zählen. Das ist the next Level, wenn einem die Cornflakes nicht mehr wild und unangepasst genug sind. 48, 49, 50 … bei uns samstags auf dem Platz ist es zum Glück etwas einfacher. Jeder darf so lange in seiner Sprache reklamieren, wie es keinen zweiten gibt, der sie spricht. Erwiderung und Schlichtung muss dann in zwei weiteren Sprachen erfolgen. 54, 55, 56 … ein Modell, dass auch in den Profiligen funktionieren kann. Dann muss man nicht wochenlang über Cornflakes nachdenken. 59, 58 … Mist, verzählt!

Die Partie am Kopfgrätscher Tor

Seit Stunden schon wollen wir gehen
Und immer noch stehen wir hier
Wie Falschgeld unter der ODEG
Und irgendwer holt neues Bier
Jedem ein Sterni und bald kommt
Der Mond hinterm Stadion hervor
Der soll uns die Wege beleuchten
Zu der Partie am Kopfgrätscher Tor

Bist du dabei oder willst du nur noch nach Haus?
Weißt du wohin, oder gehst du nur geradeaus?
Hörst du den RTW singen
Als warnte er uns davor
Uns zu befassen mit schwierigen Dingen
Und der Partie am Kopfgrätscher Tor

Warm sind die Nächte und kalt sind
Die Herzen der traurigen Vier
Die gegenüber der Kaibar
In den Hals ihrer Bierflaschen stieren
Da gehen wir jetzt rüber und singen
Ihnen zur Freude im Chor
Ein Lied vom guten Gelingen
Und der Partie am Kopfgrätscher Tor

Bist du dabei oder bis du so gut wie tot?
Bist du schlau oder bist du so dumm wie Brot?
Weißt du schon wen deine Exfrau
Zum neuen Liebling erkor
Und wer heute Abend ins Gras beißt
Bei der Partie am Kopfgrätscher Tor

Da, wo die Hoffnung zu spät kommt
Und der Strafraum stets überfüllt
Und ein freundliches Wort nie umsonst ist
Und ein guter Vorsatz nichts gilt
Da bin ich seit Jahren zu Hause
Da war’s, wo ich dich verlor
Da tobt jeden Samstag aufs Neue
Die Partie am Kopfgrätscher Tor

Bist du schon da oder kommst du wenigstens bald?
Brennt noch ein Feuer in dir oder bist du schon kalt?
Und weißt du noch, wie du geweint hast
Und wie ich die Nerven verlor
Und wie du mich gar nicht gemeint hast
Bei der Partie am Kopfgrätscher Tor.

Alligator, Agitator und Tor

Nach der maximalen Depression im Sommer hat der DFB gestern doch noch für Erfolgsmeldungen in diesem Jahr gesorgt. Mit der erfolgreichen EM2024-Bewerbung haben sie erreicht, dass in den nächsten sechs Jahren nicht über ein anderes Land gelästert werden kann, weil es mit den Stadionausbauten und -sanierungen dem Zeitplan hinterherhinkt. Stattdessen darf Philipp Lahm das machen, was er schon als Aktiver gut konnte: die Lage mit nichtssagenden Worthülsen schönreden. Wahrscheinlich exklusiv auf LinkedIn. Dort wo auch Oliver Bierhoff seine Stakeholder trifft. Dabei ist in der Türkei durchaus jetzt schon das eine oder andere Stadion EM-reif. Und auch so mancher Bolzplatz macht neidisch, wie diese Woche Yiğit mit Bildern aus Bursa bewiesen hat. Die Timsah Arena in Bursa verfügt zudem über einen ganz besonderen Knüller. Seit diesem Jahr hat das Stadion einen Krokodilkopf. Der war von Anfang an geplant, fehlte aber noch 2015 als das Stadion eröffnet wurde. Seit Mai 2018 spielen die grünen Krokodile von Bursaspor nun endlich mit Köpfchen. Darauf ist man bei anderen Stadien noch nicht gekommen. Das Kölner Stadion mit Geißbock- oder die Leipziger Arena mit Bullenkopf hätten doch auch was. Oder man könnte wenigstens den Rasen im Berliner Olympiastadion in den Farben von Herthinhos Frisur färben. Der Krater im Strafraum unseres Bolzplatzes (Samstag 10:30) ist immerhin schon beinahe so groß, dass fast nur noch der Kopf des Torwarts hinausschaut. Kurioserweise fehlte im EM-Bewerbungsvideo der Türkei der Krokodilkopf von Bursa. Mit ihm wäre es eventuell anders ausgegangen. Philipp Lahm hat jetzt ja noch sechs Jahre Zeit sich eine ähnlich coole Lösung zu überlegen. Wir werden es erfahren. Auf LinkedIn.

 

Livin’ Dar-Vida Loca

Der UEFA-Zirkus ist in der Stadt! Seit dieser Woche heißt es wieder „Eurobbabogaaal“ und unter der Woche werden die letzten fußballfreien Tage gefüllt. Aber Obacht es gibt ein paar neckische Neuerungen, an die man sich erst noch gewöhnen muss. Ab jetzt muss Papi schon 18:55 zum Fußball schalten. Pünktlich, wenn die Blagen gerade das Sandmännchen sehen wollen (im Land der Frühaufsteher kommt das eine Stunde früher). Da ist die Stimmung schon zum Anpfiff im Keller. Im Staatsfunk läuft allerdings um diese Zeit noch SOKO Wismar. Aber auch sonst kann Olli Kahn ab jetzt die Champions League maximal in einer Tipico-Filiale vor Publikum analysieren. Wildes hin- und herschalten zwischen DAZN und Sky, Sky Go und Sky Ticket (je nachdem was gerade nicht abgestürzt ist) bringt dann schnell Klarheit, wo denn nun der Ball rollt. Immerhin reicht beim 21-Uhr-Spiel die erste halbe Stunde und man kann arbeitnehmerfreundlich mit Ronaldo Feierabend machen. Diese Zeitumstellungen sind die ersten Maßnahmen nach der Abstimmung, wo ihr alle für die Abschaffung der Winterzeit gestimmt habt. Eigentlich wollten es alle früher hell und später dunkel haben, aber das wird wohl wieder nichts. Dieses Jahr wird es auf jeden Fall noch die Winterzeit geben. Das merkt man zum Start der Mittwochskopfgrätsche 18 Uhr noch nicht, aber spätestens eine Stunde später dämmert es einem dann doch. Nur Samstag 10:30 bleibt stabil. Vielleicht wechseln wir irgendwann mal auf 10:25, dann haben wir noch etwas Zeit die Logos von Toblerone, Pneu Continental, Dar-Vida, Longines und Red Bull zu überkleben.

Best of Best

Die Beziehung von Fußball und Musik ist manchmal eine seltsame Angelegenheit. Das Gerücht, dass Toni Kross großer Pur-Fan sein soll, hält sich seit Jahren. Die Polonäse mit Helene Fischer 2014 vor dem Brandenburger Tor hat es erst möglich gemacht, dass sich viele Fans ein Vorrundenaus bei der WM in diesem Jahr heimlich herbeigesehnt haben. Bei Michael Ballacks Hochzeit vor 10 Jahren musste Sir Elton John die deutsche Nationalhymne spielen, was er sicher sogar besser gemeistert hat als Sarah „Brüh im Lichte“ Connor. Als Mehmet Scholl hingegen zu seinem Abschied die Hidden Cameras einlud, reichte das, um Olli Kahn von der Party zu vertreiben. Nein, von Seiten des Fußballs kann die Liaison mit der Musik nicht wirklich als vorbildlich bezeichnet werden. Da muss die Musik meist die Beziehung retten. Seit sich Marteria auf Musik statt auf Fußball konzentriert, kann tatsächlich mal wieder ein Rostocker das Ostseestadion füllen. Als die englische Band The Wedding Present 1987 ihr erstes Album veröffentlichte, wollte sie es nach dem legendären Belfast-Boy George Best benennen. Immerhin eine bessere Idee als es „Best of“ zu nennen. George Best gab sein Okay und war tatsächlich zu einem Fotoshootings für das Album bereit. Ob der fünfte Beatle wirklich etwas mit der Musik der Band aus Leeds anfangen konnte, ist bis heute unklar. Nun ist es aber Zeit mal wieder die ganz alte Platte aufzulegen:
A Seite: Samstag 10:30
B Seite: Mittwoch 18:00

theweddingpresent

If you wanna be my baller

Frau Beckham hatte sich schon drauf gefreut. Endlich war der Alte wirklich zu alt, um sich noch über den Fußballplatz zu schleppen und hätte endlich mal Zeit gehabt, die Pfandflaschen zurückzubringen oder das Garagentor zu reparieren. Aber nein, auch im Ruhestand hatte er immer noch den Fußball im Kopf. Und anstatt irgendwo als Zeugwart oder Busfahrer einzusteigen, musste er ja unbedingt einen eigenen Club gründen. Immerhin im Rentnerparadies Florida. Von da an war klar, dass das Garagentor wieder zugunsten von Fußballtoren zurückstecken muss. Allerdings ist man erst einmal eine Weile lang Fantasymanager und muss ein wenig warten, wenn man nicht ein Brausefranchise eröffnen will. Seitdem frickelt der Alte jede Nacht am Logo rum. 2015 gab es schon ein Design. Linear, modern und frisch in petrol. Aber nach ein paar Folgen Miami Vice traute er sich und wechselte auf die Frage seines Lieblingspolohemdes. Und warum überhaupt musste das ganze nach Fußball aussehen? Das konnte doch wie ein cooler Nachtclub wirken. Und die Bezeichnung als Club International de Fútbol klang gleich lecker nach Cuba Libre und gefährlich nach Toni, das Narbengesicht. Ja, das war es jetzt. Endgültig bis in alle Ewigkeit. Bis zum Spielbetrieb 2020 war ja noch genug Zeit. Aber wer die Evolution des Kopfgrätsche-Wappens (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00) mitverfolgt hat, ist nicht überrascht, wenn ich sage: Becks, I feel you.

 

Auf der Strafraumkante (samstags um halb 11)

Hallo Komma Absatz, Wie gehts Punkt neue Zeile.
Punkt 9: der Wecker tickt und er flüstert in mein Ohr: raus aus diesem Chaos, wir hab’n noch so viel vor. Ich frag ich mich wie spät es ist, und warum? Dann fällt es mir wieder ein: die gute Aussicht auf alles was ich brauch am Samstagmorgen. Zwischen Never Surrender und License to ill. Kein Ponyhof, kein Wunschkonzert. Ich bin doch kein Idiot und das soll ich heute beweisen. Wenn irgendwas gut ist dann das hier. Denn du bist es auch und weil ich mich so selten irr mit Menschen, Mädchen sag ich dir: wir beide sind die Guten. Aber das seh ich erst, wenn ich’s glaube. Also ready steady Fremdkörper go! Wir schießen den Ball bis zum Mond, um vielleicht das Siegerlied statt der Hymne anstimmen zu können. Heute wird gewonnen, bitte. Am Ende wollen die Unkaputtbaren aber nur sagen: es sah zwar aus wie Eiskunstlauf ohne Ton mit Hoppe hoppe Easy Rider, wenn er fällt, dann kriecht er halt weiter. Aber alles war schön und nichts tat weh. Wir werden uns kümmern – mein Freund, das Wrack, ich und so. Nur für den Heimweg gilt: bring dich doch selbst nach Haus und komm Mittwoch wieder. Vorher gibt’s aber noch ein Souvenir aus dem Fotoautomat.

Die Verwandlung

Als ich heute morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich heraus, dass schon wieder eine Bundesliga-Saison startet. Das ist dieser Wettbewerb, wo seit Jahren beim Blick auf die Tabelle alle müde gähnen. Da konnte sich Bill Murray ja beim täglichen Aufwachen in Punxsutawney auf mehr Abwechslung freuen. Gut, um den ersten Platz gibt es angeblich einen offenen Wettbewerb bzw. hatten sich das die Gründerväter der Bundesliga einmal so überlegt. Und wenn sich der Branchenprimus um den 12. Spieltag rum zwei Unentschieden in Folge leistet, wird man sich dunkel daran erinnern. Im März haben wir das aber spätestens vergessen. Aber auch sonst ist die 1. Liga eine beruhigende Konstante in diesen wilden Zeiten. Alle professionellen Werbekampagnen und witzigen Social-Media-Trends werden nicht verhindern, dass sich der Anker in der Mitte der Liga aus der Erde bewegt. Die Berliner Hertha wird auch dieses Jahr ruhig beobachten wie ihre Tabellennachbarn verzweifelt um Europa-League und Klassenerhalt kämpfen. Schließlich hat sie mit dem Erreichen des DFB-Pokalfinales wieder einmal ein größeres Ziel. Mit dem traditionellen Scheitern irgendwann im Spätherbst wird die Rest-Saison von 20 Spieltagen unsexy zu Ende gespielt. Zur Konstanten am Tabellenende mausert sich seit einiger Zeit der VfL Wolfsburg. Mit einem Kader der nie absteigen kann, ist er verdammt Jahr für Jahr den Relegationplatz warm zu halten, bis der HSV endlich mal wieder Lust hat. Und um diese drei Ankerpunkte in der Tabelle strampeln noch ein paar Clubs wie Käfer auf dem Rücken, um die erste Liga oder die Champions-League-Quali zu erhalten. Und das alles nur, um die eigenen Fans auch in der nächsten Saison in diesem Wettbewerb zu enttäuschen. Da freu ich mich doch lieber auf dem Samstagmorgen. Wenn ich da aufwache und 10:30 Kopfgrätsche angesagt ist, warten jedesmal neue Überraschungen, die erst mit dem Sonnenuntergang am Mittwoch Abend enden.

Boiler Man (I think it’s going to be a long, long time)

Die Engländer sind raus. Mal wieder. Ab heute können alle mal sehen wie es ist ohne das dicke Pfund auszukommen. Jedenfalls auf dem Transfermarkt. Das begehrte üppige englische Fernsehgeld bleibt da wo es ist. Quasi ein zweiter selbstgewählter Brexit, um nach dem Saisonstart keine Spieler mehr nachkaufen zu können. Traditionell ist deswegen am letzten Tag die bloody Hell los. Jedenfalls nehmen sich TV-Experten an diesem Tag besser nichts vor. Sondersendungen, die 12 Stunden lang wie an Silvester den Countdown bis Null Uhr runterzählen, müssen schließlich besetzt werden. Und jedes Premier-League-Stadion braucht einen embedded Journalist vor Ort, der bei Bedarf einen Autokorso oder einen wütenden Mob einfangen kann. Und dann entscheiden sie sich in Manchester und Tottenham für einen Buy-Nothing-Day. Really? Your full Ernst? Bis kurz vor Mitternacht waren sich alle sicher: equal goes it loose. Aber dann gab es vermutlich einen landesweiten Faxausfall. Mein Fax mit den Daten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 ist hoffentlich noch angekommen. Nun ja, jetzt können sie sich in England endlich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Fußballwappen mit Bandartwort mixen z.B. oder lustige Maskottchen erfinden.

 

Morgenröte für Rautenkranz

Nach unzähligen Jahren des Zitterns ist heute der Tag, auf den viele gewartet haben: der HSV darf zeigen, ob er zweite Liga kann. Lange hat er sich geziert. Aber jetzt sagt er „na gut“ und tut all jenen den Gefallen, die sich das nicht vorstellen konnten. Vielleicht ist es aber gar nicht so schlimm mal an einem Wettbewerb teilzunehmen, den man sogar gewinnen kann. Das geht ja beim Audi Cup auch nur, wenn die Bayern mit der Schülermannschaft antreten. Für manche ist sogar schon Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 das Maximum. Also vielleicht ist es sogar ganz nett, Städte wie Magdeburg und Dresden mal einfach flußaufwärts an der Elbe zu besuchen. Nach St. Pauli reicht sogar ein HVV-Gruppenticket. Da verfährt man sich schneller auf dem Weg nach Hoffenheim. Allerdings wäre auch die zweite Liga enttäuscht, wenn der HSV nicht seine Kernkompetenzen einbringen würde. Also Diskussionen um die Uhr, komische Fan-Aktionen und schnell wechselndes Personal. All das, was die erste Liga schon ziemlich schnell vermissen wird. Und am Ende ist es wie bei „Verzeih mir“ mit Ulla Koch am Brink und der HSV darf wieder zurück an den Familientisch. Und er wird sich fragen, warum er sich all die Jahre dagegen gewehrt hat diesen zu verlassen.

Schlechtwetterfußballer

Wir haben ja schon alles durch. Einen Kopfgrätscher hält nicht viel vom Kicken ab. Selbst, wenn normalerweise jemand fragt: „bei dem Wetter?“, sagt man erst recht „warum nicht?“. Nicht umsonst sagt man, dass nach einem Atomschlag nur Kakerlaken und Kopfgrätscher wieder aus ihren Löchern gekrabbelt kommen. Allerdings habe ich schon echt lange keine Kakerlake mehr gesehen. Die werden sich doch nicht dünne gemacht haben? Da kommt der Kopfgrätscher ins Grübeln. Ihn Samstag 10:30 einfach im Auto zu lassen, ist allerdings auch keine gute Option. Vielleicht lässt man ihn doch ein wenig über den Platz schleichen. Vielleicht entwickelt er sich aber auch zum Sandplatzexperten wie Rafael Nadal. Mit Schäufelchen und Eimer wird es nicht lange dauern, bis er eine Sand-Wismarena in den Strand gebuddelt hat. Der Wasserball ist rund und nach dem Essen ist vor dem Schwimmen, dazwischen dauert die Pause 90 Minuten. Damit kann man arbeiten. Nur die Volleyballer nerven mit ihrer Netzphobie. Aber wenn man sich mit Sonnencreme eine Nummer auf den Rücken malt, braucht man sich kein teures Bayern-Trikot kaufen. Vertretbare Betriebstemperaturen für Kopfgrätscher sind dann hoffentlich 18:00 wieder zu erwarten. Vielleicht sogar mit Unwetter. Aber dazu sagt der Kopfgrätscher eigentlich nur lakonisch: „warum nicht?“.

Born here, but able to run somewhere else

Man muss nicht der geborene Kicker sein. Born to run reicht völlig. Egal ob man aus Badlands oder Promised Land kommt, Hauptsache man setzt den Fuß out in the Street. So wie der Boss vor 30 Jahren als er 160.000, die born in the GDR waren, in this Hard Land besuchte. Und wenn ihr euch heute in eurer brilliant Disguise auf die Thunder Road traut, hört ihr schon bald wie der Wrecking Ball durch die Gegend gebolzt wird. Mit Hungry Heart und Human Touch. Die Glory Days sind vielleicht schon etwas länger her und die Spare Parts werden knapp. Wir sind vielleicht nicht tougher than the Rest aber dafür on Fire und bis zum letzten Tor gilt: no Surrender. That’s why I’m goin’ down Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, obwohl ich weiß: my Best was never good enough.

À la baguette

Was macht man, wenn man im Land des kommenden Weltmeister urlaubt, aber nicht darauf verzichten möchte, das WM-Finale von Béla Réthy kommentiert zu bekommen? Dann führt kein Weg am Kiez vorbei. Das Bistro Allemand mit Biergarten am Canal Saint-Martin. La Deutsche Gemutlichkeit à Paris. Zwischen Kraft Bier und Käsespätzle, Fritz Cola und Weltmeisterplatte gibt es hier alles, um sich mit Wehmut daran zu erinnern, warum hier überhaupt eine Weltmeisterplatte auf der Karte steht. Und Fußball ist auch abseits von großen Turnieren stets ein zentrales Element dieser Erlebnisgastro. „Viens jouer sur le seul Baby foot allemand de Paris et suivre les matchs de la Bundesliga ou de la Manschaft!“ Baby foot allemand ist übrigens Tischkicker. Aber auch sonst kann man sich hier super auf den nächsten Vokabeltest vorbereiten.

avoir un bon placement – ein gutes Stellungsspiel haben
pénétrer dans la surface de réparation – in den Strafraum eindringen
brosser le ballon – den Ball anschneiden
amorti de la poitrine – gefühlvolle Ballannahme mit der Brust
rècupèrateur – zentraler defensiver Mittelfeldspieler oder Bergmann
correspond à la ligne des 6 mètres – 5-m-Linie
prendre en sandwich – in die Zange nehmen
grand pont – Trick, bei dem der Ball rechts bzw. links am Gegner vorbeigeht und dieser auf der anderen Seite umlaufen wird

Nur Kopfgrätsche Samstag 10:30 / Mittwoch 18:00 lässt sich schwer adäquat übersetzen. Und wer jetzt den Kopfgrätsche-Aufkleber sucht, sollte im Kiez unbedingt mal auf dem Klos vorbeischauen. Beim grünen Ampelmännchen.

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In der Diaspora

Erinnert ihr euch noch an den letzten Sommer? An all das Konfetti in der Luft, das beim ConFed- und beim Confetti-Cup durch die Luft wirbelte? Ja okay, das Wetter war bescheiden. Für ein Sommermärchen fehlte der Sommer. Im letzten Sommer waren dennoch alle überzeugt, dass wir zwei bis drei Mannschaften haben, um erneut Weltmeister zu werden. Und nu? Die ganze Euphorie verpufft. Fußball doof. Jogi ein Blinder. Die Endzwanziger auf dem Feld lahme Greise. Lieber Volleyball oder Tischtennis. Nicht mal das DIA-Turnier kann diesem Sommer noch retten. Wahrscheinlich will niemand mit einem Sport belästigt werden, in dem England Titel gewinnen könnte. Und das nur, weil die so toll Elfmeter können. Jedenfalls ist es am einfachsten, Jogi auch noch Schuld dafür zu geben, dass das für dieses Wochenende geplante DIA-Turnier nicht stattfinden kann. Oder Oliver Bierhoff. Oder Mesut Özil. Einer von denen hat es auf dem Gewissen. Die aktuelle Studentengeneration ist quasi in ihrem persönlichen 2004 angekommen. Unter Tante Käthe schafften wir damals dank zweier Unentschieden und einer Niederlage den vorletzten Platz vor Lettland. Ballkünstler wie Thomas Brdaric, Jens Nowotny, Christian Wörns oder Fabian Ernst haben im Grunde das Sommermärchen von 2006 erst möglich gemacht. Vor allem, weil sie 2006 nicht mehr dabei waren. Von da an retteten dann Jogi, das DIA-Turnier und die Karstadt-Arena den Fußball. Wir sind bereit für Neues, Jogi. Und du?

PS: Streng genommen, soll das Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 auch Fußball sein. Hat aber nur im Entferntesten damit zu tun. Kommt also wie immer, denkt nicht drüber nach und freut euch an der schönsten Kopfgrätsche der WM. Danke.

Putin‘ it up live

Hiermit verabschieden wir uns mit einem Blumenstrauß warmer Worte von den WM-Allesguckern. Macht es gut. Vergesst nicht zwischen den Spielen auch mal aufs Klo zu gehen oder ab und zu etwas frische Luft reinzulassen. Zwar gibt es noch ein paar fußballfreie Tageszeiten, aber Samstag 10:30 wird schon schwer, wenn man im Vorfeld alle Interviews und Vorberichte mitbekommen möchte. Das ist ja schließlich alles bezahlt. Und es ist natürlich auch beruhigend zu wissen, dass auch Ex-Nationalspieler mit einer Hand voll Länderspielen und einem Sprachfehler wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Allesgucker haben natürlich auch eine große Verantwortung. Wenn die Berichterstattung kurz nach Frühstück startet, müssen schließlich schon ein paar lustige Posts im Netz sein, die von den Fachkräften der Theater-AG Lerchenberg noch einmal in verteilten Rollen nachgespielt werden können. Mit dieser Bürde muss man erst einmal klar kommen. In ein paar Wochen werden die Allesgucker ja wieder auftauchen. Desillusioniert von diesen Tippspielen, die trotz des bedrohlich-schwankenden Stapels Sonderhefte von Leuten gewonnen werden, die im Halbfinale fragen, ob die Italiener noch dabei sind, und leicht matschig im Kopf aufgrund des immer gleichen Musiksnippets, das als WM-Jingle jeden Beitrag über Jogis Espresso-Doping abrundet.

Reiß dich #ZSMMN!

Plötzlich ist da dieses Turnier. Nach all den Kampagnen für die Besten, von denen niemals ein Rest bleibt, oder die Wiedervereinigung durch Fußball, müssen die Models tatsächlich noch in Spielfilmlänge echte Fußballer darstellen. In den kurzen Clips klappt das ja ganz gut. Da gelingt auch jeder Trick und niemand bekommt den Ball ins Gesicht. Oder die Schulter von Ramos. Auf neunzig Minuten gestreckt, hat diese Show dann doch einige Hänger. Das nennt man dann Vorrunde. Ein schmackhaftes Leckerli wie Portugal gegen Spanien wird da gern mal zu einer zähen Partie Mikado, wo niemand zuerst wackeln will. Dafür wird man bereuen, dass man vermeintlich Verzichtbares wie Saudi-Arabien gegen Ägypten oder Tunesien gegen Panama sausen lässt, weil man auch mal wieder Zeit mit der Familie verbringen will. Oft sind das dann die legendären Spiele, die zu modernen Klassikern werden. Das kann aber auch genau andersherum sein. Deshalb sind die Chancen beim Tippspiel und beim russisch Roulette auch ungefährt gleich. Die Rolle für den spektakulär strauchelnden Favoriten muss am Ende ebenso besetzt werden wie die für den sympathischen Underdog, der erst im Halbfinale durch eine eigenartige Schiedsrichterentscheidung ausscheidet. Am Ende muss man leider doch alles gesehen haben, um mitreden zu können. Wie bei dieser Serie, wo die ersten Staffeln so toll waren, dass man auch die 10. guckt, obwohl man die Darsteller nicht mehr kennt, den Drehort blöd findet und man sowieso das Gefühl nicht mehr los wird, alles schon einmal gesehen zu haben. Aber dann kommt dieser eine Moment irgendwo irgendwann in einem der 64 Spiele, wo man all das vergisst. Nach der WM werden Vuvuzela und Trinkhelm sorgfältig für das nächste Turnier verstaut. Das Gesetz der Serie gilt nicht nur Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, auch das DIA-Turnier hofft dieses Jahr wieder im Vorprogramm des WM-Achtelfinales auf den einen oder anderen Eventfan. Am 07.07. 14:00 startet das Bonusmaterial, das sich ausnahmslos aus den besten verpatzten Szenen aus 1000 Jahren Fußballgeschichte zusammensetzen wird. Da ist Loris Karius auf dem Plakat quasi nur ein Fliegenfängerschiss.   IMG_5006

ZZ Top

Bravo. Der Preis für die Kopfgrätsche in Gold geht an … Zinedine Zidane! Und das nicht nur weil er in technischer Vollendung vor 12 Jahren Marco Materazzi auf Brusthöhe mit dem Kopf weggegrätscht hat. Nein, Zizou hat diese Auszeichnung auch aus anderen Gründen verdient. Nach drei Champions-League-Titeln in Folge gibt er auch einmal anderen Sportlern die Chance diesen Titel zu gewinnen. Nachdem das Teamfoto (eindeutig eine Verbeugung vor Kopfgrätsche) offenbarte, dass er wieder die gleichen Spieler aufstellen musste, die tatsächlich die gleichen Posen wie bei seiner letzten Studie wiederholten, ist es an der Zeit, dass auch einmal andere jubeln. Zidane, der da Vinci unserer Zeit, hat sich selbst bis zur Perfektion kopiert. Navas mit dem Wimpel unterm Arm und der Hand auf Casimiros Schulter. Der wiederum mit beiden Händen auf den Knien. Marcelos Hände klammern sich die Oberschenkel seiner Nebenleute. Ganz hinten rechts steht Ronaldo wie sein eigenes Denkmal auf Zehenspitzen und stützt sich auf Benzema auf. Und Toni Kross lächelt wie die  Mona Lisa. Aber nun müssen andere kommen und zeigen, dass sie mit diesem Tuschkasten Meisterwerke vollbringen können. Es geht wieder bei Nullnull los. Jeder kann malen. Everyone is an artist. Samstag 10:00 und Mittwoch 18:00 in der Volkshochschule Kopfgrätsche.

Datenschutzschwalbe

Danke für das Annehmen unserer neuen Nutzungsbedingungen nach den neuen Regeln der DSGVO. Durch das Lesen dieser Zeilen hast du zugestimmt auch weiterhin regelmäßig großartige Neuigkeiten und zeitraubende Banalitäten aus dem Hause Kopfgrätsche zu erhalten. Dafür lassen wir deinen personenbezogenen Daten nur die beste Behandlung zukommen. Sie werden in Manndeckung mit Sonderbewachung genommen. Da kann nix passieren. Falls du das nicht liest und trotzdem Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00 zum Platz kommst, legen wir vor Ort noch Listen aus, die bitte gefälligst vor Ort unterschrieben werden. Danach könnt ihr das gern in geknüllter Form in den Strafraum werfen oder in einer Aktentasche im Park vergessen. So begann allerdings auch irgendwann der Abstieg des HSV. Also lieber als Spickzettel in die Stutzen schieben. Ansonsten ist uns egal welche Passquoten oder Packingwerte ihr erzeugt. Wir sind nicht clever genug, um daraus irgendwelche brauchbaren Schlüsse zu ziehen. Würde dir sonst immer wieder der gleiche Bauerntrick gelingen? Eben. Jeder Haken, der nicht in einer Checkbox gesetzt wird, trifft uns immer aufs Neue unvorbereitet. Die Kopfgrätsche-Intelligenz kurz KI befindet sich noch in der F-Jugend und ist stark versetzungsgefährdet.

It’s-a me, Mario!

Puh, das Spannendste der WM-Vorrunde ist schon einmal geschafft. Die Nominierung des deutschen WM-Kaders. Und das war doch gar nicht so überraschend. Gomez wechselte in der Winterpause nach Baden-Württemberg und ist dabei. Sandro Wagner verschwand zur gleichen Zeit aus Baden-Württemberg und damit auch aus dem Beobachtungsradius des Bundestrainers. Die beiden meistdiskutierten Namen Sandro Wagner und Mario Götze zeigen auch ein Muster. Es ist kein gutes Omen einen italienischen Vornamen zu haben. Die Italiener können das nur bestätigen. Und damit fehlt das Duo aus Mario und Bro Luigi (der sich den schwäbischen Decknamen André Schürrle verpasste, aber nie den Makel überwinden konnte, dass Ludwigshafen nicht Mannheim ist), das Deutschland vor vier Jahren zum Titel klempnerte. Inspiriert von Sandro Wagner (man muss auch verstehen, wie Italiener ticken) und Frank Lehmann trete auch ich offiziell hiermit aus der Nationalmannschaft zurück: „Sag du mir nicht, dass es aus ist. Du hast mir überhaupt nicht zu sagen, dass es aus ist. Das ist mein Text. Und ich sag dir mal was: Jogi. Es ist aus!“ In 4 Jahren in Katar ist es mir überhaupt zu sandig und außerdem hab ich da Weihnachten schon was vor. Und Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) sowieso.

Für eine Kiste Sprotten von Inter Mailand wech

Moin Moin, liebe Sportsfreunde. Herzlich Willkommen zu Kopfgrätsches Sportstudio direkt und live aus der Wismarena. Im heutigen Spitzenspiel der Bundesliga begegnen sich bei bestem Fußballwetter der SC Weiche Flensburg 08 und der Gastgeber Holzbein Kiel. Es herrscht eine Bombenstimmung. Ca. 63664 Zuschauer wollen sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Beide Mannschaften befinden sich Bestform. Heute rechnet sich wieder einmal, dass hier eine Arena für die ganzen Furzvereine im Norden steht. Nach dem längeren Exil in Shenzhen können sie somit endlich nah an der Heimat spielen. Es sind ja gerade einmal 120 Kilometer. Genauso weit müssen die Fans des Hamburger SV fahren, seitdem das Hamburg Dugeon die Arena übernommen hat und seine Gäste dort mit echten Dinosauriern erschreckt. Wo an welchem Punkt dieser Fresskette die Spezies des Kopfgrätschers ausgestorben ist, ist noch immer ein Rätsel. Friedlich rumpelte er Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 über den kargen Tartanplatz. Irgendwann fand er aber wohl kein Gras zum Fressen mehr und schulte auf den neuen Trendsport Tischtennis um. Dabei verkümmerten seine einzigartige Fähigkeit mit dem Kopf zu grätschen. Traurig, traurig. Ich guck noch mal in die Flasche wie spät das ist…