Die Zehnjahreswertung

Aktuell werden einem ja eine Menge Vorher-Nachher-Bilder in die Timeline gespült. Unter #10yearschallenge / #10yearchallenge zeigen viele, wie sie heute aussehen und vor 10 Jahren aussahen. Wahrscheinlich mit dem Ziel, um sich die Bestätigung abzuholen, dass man sich ganz gut gehalten oder zum besseren entwickelt hat. Oder im Idealfall „überhaupt nicht verändert“ hat. Oft genug werden wir auch gefragt, ob vor 10 Jahren schon gekopfgrätscht wurde. Naja, unter dem Namen zwar nicht, aber es sieht nach dem gleichen Versuch aus, den Ball über den Platz zu schieben. Und natürlich wurde am Ende ein Mannschaftsfoto gemacht, z.B. so eins hier:

08. April 2009

#10yearschallenge

Was man leider sagen muss: der Platz ist auf jeden Fall ganz schön alt geworden. Tiefe Narben und Krater finden sich nun auf seiner Oberfläche. Die Farbe blättert in großen Fetzen von den Pfosten und von den ehemals stolzen Holzbänken sind nur noch kleine faulige Stummel übrig. Sorry, man muss es ganz ehrlich sagen: der Zahn der Zeit hat unseren alten Freund wirklich nicht verschont. Aber er hat uns so viele schöne Erinnerungen beschert, dass wir bereitwillig über seine Alterserscheinungen hinwegsehen. Auch diesen Samstag 10:30 werden wir uns wieder brav beim Foto so positionieren, dass wir gekonnt seine Problemzonen kaschieren.

Kopfgrätsche mit Ä!

Seit Jahren gilt Samstag 10:30 als bewährte Kopfgrätsche-Zeit. Auch wenn immer irgendjemand sagt: „Kinners, wir müsse heut e bissche schneller mache, ich hab nett so viel Zeit. Also lasst uns den Käs‘ e bissche schneller runnerkurbele.“ Und nun höre ich doch tatsächlich im Radio (!), dass die UFA am Samstag im KTC Rostock Talente jeglicher Art für diverse TV-Formate castet. Quasi das Talent des Jahres, welches vom lustischen Glückshäschen dann bekanntgegeben wird. Wenn der Dödel nett des Briefchen vergisst. Klassischerweise kann man sich mit einem Lied präsentieren. Entweder „Mein Vati hat drei grunzende Schweine“, „Highway to Hell“ von C&A oder ein Lied von Karel Gott. Das ganze wahlweise in Arizona-Blau oder Kalifornia-Gelb (da sieht man aber immer irgendwie so aus, als hätte man die Gelbsucht). Im richten Licht kommt dann der weiße Rolli auch todschick rüber. Solange man vorher die persönliche Glücksmelodie summt, sollte alles glatt gehen. Ich summe die auch jeden Samstag vor dem Spiel. Es sollte also klappen, dass sich trotz des Castings noch genug Kopfgrätscher zum kopfgrätschen einfinden. Ich bin ja sowieso schon seit 30 Jahren dabei. Nur einmal war ich krank. 39 Fieber. Ich hab gehört, der Henne wollte auch kommen. Also, der ganze Sauhaufen auf Position! Und Gute Nacht!

Beware of Tigerkopfgrätsche

Well, über die Feiertage hat man lange nichts vom Brexit gehört. Stattdessen haben wir extra den Briten Dinner for One geschickt, um ihnen mal zu zeigen was für ein Bild wir von ihnen seit Jahrzehnten haben. Komischerweise hat das wohl den Brexit nicht gestoppt. Deshalb haben wir ihnen noch ein paar nette Dinge für die Premier League eingepackt. Beim Gipfeltreffen Man City gegen Liverpool war dann auch ganz schön viel Ex-Bundesliga zu sehen. Pep lauerte hungrig auf das Feiertagsmenü und Kloppo servierte tatsächlich den erwarteten Stolperer. Die beiden Festlandimporte an der Seitenlinie haderten aber mit so mancher Regieanweisung. Butler James aka Freddie Frinton als Trainer wäre dagegen stoisch durch die Coaching Zone getigert. Keiner seiner Spieler hätte sein Gelalle verstanden, aber der Schiedsrichter hätte vermutlich seine Ruhe gehabt. Die Produktion von Dinner for One ist allerdings von 1963 und damit aus einer Zeit als mit dem FC Everton der andere Club aus Liverpool englischer Meister war. Der holte damals den Titel, u.a. weil er eine Rasenheizung im Goodison Park hatte und damit nicht wie seine Mitkonkurrenten unter Spielausfällen im Winter litt. Das nehmen wir uns zum Vorbild und spielen auch Samstag 10:30, während die Bundesliga noch in Dubai am Pool liegt. Hoffentlich kommen alle streifenfrei gebräunt zurück. Der Tigerlook verkauft sich aktuell schlecht in England.

Ballon Hüftgold

Habt ihr auch die Feiertage auf der Fernbedienung verbracht und deshalb aus Versehen die gesamte Helene Fischer Show gesehen? Nein? Glück gehabt. Ansonsten ist schon am ersten Weihnachtsfeiertag bei dem Anblick dieses Nullfettköpers überall hektisch nach den Öffnungszeiten vom McFit gegoogelt worden. Aber stattdessen folgte noch ein zweiter Feiertag und ca. 6-7 Mahlzeiten, bei denen es dann irgendwann egal war, dass man den Pudding aus dem Julebryg-Bierglas löffelt. Was für eine fiese herrliche Zeit. Aber das schlechte Gewissen in Form des eigenen Hosenbundes meldet sich doch, wenn alle Der-Herr-der-Ringe-stirbt-langsam-allein-zu-Haus-Klassiker abgelaufen sind. Was macht man da, außer pflichtbewusst am Samstagvormittag die Plätzchenwampe zum Kopfgrätschen zu bewegen? Tja, eben genau das. In England haben sie durch den Boxing Day auch schon etwas Vorsprung. Ein ebenso panischer Versuch mit den Trainingsvorgaben des weiblichen Ivan Drago im ZDF einigermaßen mithalten zu können. Wir fangen ganz einfach an und lassen für das erste Rhönrad weg. Fürs erste versuchen wir uns Samstag 10:30 die Schuhe zuzubinden. Wird schwer genug.

Der Ausputzer

Moin. Meine Arbeit beginnt da, wo andere vor Entsetzen den Ball abgeben. Ihr wisst ja: Dreck ist nur Materie am falschen Platz. Und der richtige Platz ist auch Samstag 10:30 wieder da, wo der Ball ist. Außer, wenn ihr euch sagt: ich bin lieber ’n büschen weniger glücklich, schlaf dafür aber ’ne Stunde länger. Aber zweimal im Monat Fußball zu spielen, ist nur halb so viel wie viermal im Monat. Also doppelt so Schade für die Fußballwelt. Im Gegensatz zu Messi werd ich ja meistens unterschätzt. Deshalb hier schon mal was zum Auswendiglernen, wenn euch der Weihnachtsmann danach fragt: …und hier der verfluchte Platz… in anderthalb Stunden ist der kahl und ratz. Denn ich bin Kopfgrätscher, bin der beste Sammler aller Leibchenreste. Ich bin der Schrecken aller Abwehrrecken. Ich grätsch‘ Schnecken aus den Ecken. Torwarte, die es nicht checken und auch Stürmer, die schon an den Leibchen lecken. Ich bin der mit den Wäschesäcken, der verschwitzte Trikots in Abwaschbecken… reinigt. Ich hoff, ihr könnt euch pünktlich wecken … Vor mir kann sich kein Ball verstecken. Ich bin Kopfgrätscher. Ich bin der Kleinfeldtitan. Und wo andere den Ball abgeben, fängt meine Arbeit an!

Der Senkeltrick

Hallöchen, altes Haus. Ich bins. Ja genau, dein Lieblingsenkel. Wo ich dich grad am Apparillo habe… ich bräuchte da mal kurz deine Hilfe. Ich bin da unverschuldet in ein kleines Malheur hineingerutscht, das meinen tadellosen Ruf beschädigt. Es lief alles eigentlich ganz dufte. Der Henkelpott war in Sichtweite und der Ballon d’Or fest eingeplant. Und während ich schon heimlich twerken für die Aftershow-Party übte, kam mir plötzlich etwas Unerwartetes dazwischen. Da fehlten mir doch tatsächlich ein paar Mitspieler für einen kleinen Samstagskick (10:30), der als selbstloses Goodie für unsere Fans bei Topbuzz eingeplant war. Sowas Blödes. Aber da kommst ja zum Glück du ins Spiel. Mit ganz wenig Talent kannst du voll doll helfen. Für dich sicherlich nur eine Kleinigkeit. Nachher kommt ein Freund von mir vorbei und holt es ab. Das bringen wir dann auf den Platz und schon kann EA Sports das neue FIFA-Cover planen. Den bellenden Hund im Hintergrund Cando … pardon … kannst du als gutes Omen deuten. Eine runde Sache. Hallo? Bist du noch dran?

Geistesblitzerwarner

In dieser Woche gab es doch schon das eine oder andere Wort über Fußball zu lesen. Der Spiegel hatte diese Woche kein Ernährungs- oder Hitler-Motiv auf dem Cover. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass wirklich etwas passiert ist. Überraschend war das nicht und es fühlte sich eher so an, als würde jemand die Tricks eines Zauberers verraten. Gucken Sie bitte nur auf das Topspiel und lesen, schauen und liken Sie bitte alle Vorberichte dazu. Der Kicker hat bestimmt noch eine schöne Klickfotostrecke mit allen Spielern, die für beide Teams gespielt haben. Hey, was macht eigentlich Bodo Schmidt heute? Es finden sich bestimmt auch noch ein paar Promifans zu einer kleinen Tipprunde. Wem drücken Veronica Ferres, Günther Jauch und Alfons Schuhbeck die Daumen? Welche Taktik würden die Trainerlegenden Mario Basler, Stefan Effenberg und Lothar Matthäus wählen? Was hat Astro TV in den Händen der echten Trainer über ihr Glück beim Einwechseln gelesen? Muss man das Social-Media-Team aufstocken, um alle Spielerfrauen-Instagram-Accounts in Echtzeit verfolgen zu können? Und warum ist Thomas Doll nicht der Frauenbeauftragte? Alles nur Nebelkerzen, um Hintergrund die geheime Weltregierung aufzubauen. Ohne die geleakten Dokumente klingt man da ziemlich schnell wie ein Verschwörungstheoretiker. Wenn man dazu noch Kleinfeldgebolze am Samstagvormittag (10:30) nachgeht und danach die Bundesliga-Classics wie Hansa gegen Lautern nur mit Drittliga-Spielern im dritten Programm verfolgt, verpasst man auf jeden Fall ein paar der Vorberichte zum Topspiel. Zum Glück gibt es Sonntagfrüh im Doppelpass noch eine ausführliche Promi-Astro-Socialmedia-Taktikanalyse von Mario Basler.

Auf dem Fußballplatz (Ja, wo ist es denn am schönsten) – Fußballmarsch

Ja, wo ist es denn am schönsten?
Auf dem Fußballplatz!
Auf dem Fußballplatz!
Ja, was wär‘ denn das für’n Samstag, gäb es keinen Fußballplatz!
Kann auch die Mutti nicht verstehn, daß wir schon wieder gehen:
Wir wollen Tore sehn! Wir wollen Tore sehn!
Auch am nächsten Samstag sind wir wieder da:
„Sportlerherz, hipp-hipp-hurra!“

Ja, wo ist es denn am schönsten?
Auf dem Fußballplatz!
Auf dem Fußballplatz!
Und es gibt für uns auch keinerlei Ersatz für ’nen Samstag auf dem Fußballplatz!
Ist irgendwo ein großes Spiel, das macht uns immer gleich mobil!
Und ist der Weg auch noch so weit – am Samstag hab’n wir Zeit!
Wir sind ein Fußballpublikum aus allerbestem Holz;
Deshalb ist jede Mannschaft von Format auf uns besonders stolz!
Die Lederkugel, die ist rund – mal rollt sie hin, mal roll sie her;
doch muß man immer sachlich sein, sonst ist man nicht mehr fair!
Sei doch verträglich heut‘ und laß den Schiedsrichter in Ruh!
Bestimmt singt auch ein armer Pfeifenmann genauso gern wie du.

Text: frei nach Siegfried Osten
Musik: Heinz Wilheim
Klavierbearbeitung: Heinz Beutner
Erschienen auf Amiga-Schallplatte 1/50/124
Gesang: Werner Stüvecke mit Chor und dem Rundfunk-Tanzorchester Leipzig, unter Kurt Henkels
1956, VEB Lied der Zeit Musikverlag, Berlin W8

Rund ohne Grund

Dass wir nach der denkwürdigsten Pressekonferenz der letzten Woche nicht einfach zu Samstagesordnung (10:30) übergehen können, dürfte ja wohl jedem klar sein. Und auch, wenn jetzt alle wissen wie Artikel 1 des Grundgesetzes lautet, kann man doch dort nicht einfach stehen bleiben. Da muss man doch auch mal gucken, was geht noch darüber hinaus. Was ist denn mit Artikel 2? Ja, googeln wir doch mal kurz. Artikel 2 garantiert laut Wikipedia „das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit und schützt die Freiheit der Person“. Guck mal an. Könnte man sich durchaus wieder dran halten. Oder Artikel 3: „garantiert die Gleichheit vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung der Geschlechter und verbietet Diskriminierung und Bevorzugung aufgrund bestimmter Eigenschaften.“ Ein Gleichheitsrecht – sehr interessant. Was sind bestimmte Eigenschaften? Fällt da schon drunter, dass man als besonders Großer immer ins Tor muss, während man als besonders Kleiner den Pfosten abdecken muss? Von Fähigkeiten sagt der Artikel ja nichts. Da kann ich mich nicht so wirklich drauf berufen, falls man meine Holzfüße nicht im Team haben möchte. Aber ansonsten gibt es echt eine Menge Grundrechte im Deutschen Grundgesetz. Fast noch auf Seite 1, die ja quasi gerahmt in der Bayern-Kantine …äh Kabine hängt, findet sich Artikel 5: Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Pressefreiheit sowie die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft. Spannendes Buch! Da will man wirklich wissen wie das ausgeht.

Die B-Seite der Weltmeisterplatte

Am Ende dieser Nations-League-Woche gehen wir also noch einmal in die verlängerte WM-Analyse. Jogis Powerpoint ist zwar schon durch, aber er hat hoffentlich noch eine französische Version davon. Dann könnte er unserem Nachbarn ein paar gutgemeinte Ratschläge gegen das sichere Vorrundenaus 2022 geben. Während er selbst endlich die satten Endzwanziger aussortiert und nun auf hungrige Mittzwanziger setzt, läuft Frankreich sehenden Auges in sein Verderben. Der Sieg der Franzosen verhindert den nötigen Umbruch nach der gewonnenen WM. Wäre jetzt nicht beste Zeitpunkt für Mbappé wie Poldi nach Japan zu wechseln, um dort noch ein paar gute Jahre als Pokémon zu fristen? Und Paul Pogba wird bestimmt genau hingeguckt haben, als Per Mertesacker diese Woche sein launiges Abschiedsspiel veranstaltete. Wenn nicht, dann nur nicht, weil Deschamps Pogbas Zeit verschwendet und ihn immer noch im französischen Mittelfeld mitspielen lässt. Und dieser Pavard soll bekanntlich nächste Saison nach München wechseln, um Hummels UND Boateng zu beerben. Da wird das Unglück doch schon mit dem dicken Edding vorgezeichnet. In der deutsch-französischen Kiez-Kneipe in Paris haben sie sicherheitshalber die deutschen Würste auf der Weltmeisterplatte gelassen. Es lohnt sich wahrscheinlich nicht für die vier Jahre bis zur Katastrophe die Karte zu ändern. Wir ändern ja auch unsere Anstoßzeit (Samstag 10:30) seit Jahren nicht. Die Mannschaft wechselt dafür munter durch. Ab und zu dürfen sogar die beiden Pokémons mitspielen, die eigentlich gar kein Fußball spielen können.

Cereal schlägt Cerebral

12, 13, 14 … wenn man beim Frühstück eine Spielankündigung schreibt, ist natürlich der große Vorteil dabei, dass man gleichzeitig Cornflakes zählen kann. 21, 22, 23 … das soll ja angeblich ein ganz gutes Training für Schiedsrichter sein. Quasi eine Mindestvoraussetzung für die dritte Liga. 27, 28, 29 … eine meditative Aufgabe, die einem hilft, 22 Spieler auseinanderzuhalten. Und ruhig und besonnen zu bleiben, wenn einen tätowierte Atzen bepöbeln. 34, 35, 36 … gerade unterhalb der Eliteliga gibt es doch noch Kicker, die Medienschulung und Knigge erst einmal googeln müssen. Da hilft es einmal den Kopf leer zu machen bevor man ihnen die subjektive Einschätzung ihres Verhaltens als Feedback mit auf den Weg gibt. 39, 40, 41 … denn erst, wenn man bei einer Unsportlichkeit ankommt und sagt: „Das war nicht okay so. Und wusstest du, dass in einer Cornflakes-Packung soundsoviele Cornflakes sind“, wird auch der härteste Kern-Asi weich wie Cerealien in Milch. 44, 45, 46 … alternativ kann man natürlich auch die Rechtschreibfehler in den Tattoos des Delinquenten zählen. Das ist the next Level, wenn einem die Cornflakes nicht mehr wild und unangepasst genug sind. 48, 49, 50 … bei uns samstags auf dem Platz ist es zum Glück etwas einfacher. Jeder darf so lange in seiner Sprache reklamieren, wie es keinen zweiten gibt, der sie spricht. Erwiderung und Schlichtung muss dann in zwei weiteren Sprachen erfolgen. 54, 55, 56 … ein Modell, dass auch in den Profiligen funktionieren kann. Dann muss man nicht wochenlang über Cornflakes nachdenken. 59, 58 … Mist, verzählt!

Die Partie am Kopfgrätscher Tor

Seit Stunden schon wollen wir gehen
Und immer noch stehen wir hier
Wie Falschgeld unter der ODEG
Und irgendwer holt neues Bier
Jedem ein Sterni und bald kommt
Der Mond hinterm Stadion hervor
Der soll uns die Wege beleuchten
Zu der Partie am Kopfgrätscher Tor

Bist du dabei oder willst du nur noch nach Haus?
Weißt du wohin, oder gehst du nur geradeaus?
Hörst du den RTW singen
Als warnte er uns davor
Uns zu befassen mit schwierigen Dingen
Und der Partie am Kopfgrätscher Tor

Warm sind die Nächte und kalt sind
Die Herzen der traurigen Vier
Die gegenüber der Kaibar
In den Hals ihrer Bierflaschen stieren
Da gehen wir jetzt rüber und singen
Ihnen zur Freude im Chor
Ein Lied vom guten Gelingen
Und der Partie am Kopfgrätscher Tor

Bist du dabei oder bis du so gut wie tot?
Bist du schlau oder bist du so dumm wie Brot?
Weißt du schon wen deine Exfrau
Zum neuen Liebling erkor
Und wer heute Abend ins Gras beißt
Bei der Partie am Kopfgrätscher Tor

Da, wo die Hoffnung zu spät kommt
Und der Strafraum stets überfüllt
Und ein freundliches Wort nie umsonst ist
Und ein guter Vorsatz nichts gilt
Da bin ich seit Jahren zu Hause
Da war’s, wo ich dich verlor
Da tobt jeden Samstag aufs Neue
Die Partie am Kopfgrätscher Tor

Bist du schon da oder kommst du wenigstens bald?
Brennt noch ein Feuer in dir oder bist du schon kalt?
Und weißt du noch, wie du geweint hast
Und wie ich die Nerven verlor
Und wie du mich gar nicht gemeint hast
Bei der Partie am Kopfgrätscher Tor.

Alligator, Agitator und Tor

Nach der maximalen Depression im Sommer hat der DFB gestern doch noch für Erfolgsmeldungen in diesem Jahr gesorgt. Mit der erfolgreichen EM2024-Bewerbung haben sie erreicht, dass in den nächsten sechs Jahren nicht über ein anderes Land gelästert werden kann, weil es mit den Stadionausbauten und -sanierungen dem Zeitplan hinterherhinkt. Stattdessen darf Philipp Lahm das machen, was er schon als Aktiver gut konnte: die Lage mit nichtssagenden Worthülsen schönreden. Wahrscheinlich exklusiv auf LinkedIn. Dort wo auch Oliver Bierhoff seine Stakeholder trifft. Dabei ist in der Türkei durchaus jetzt schon das eine oder andere Stadion EM-reif. Und auch so mancher Bolzplatz macht neidisch, wie diese Woche Yiğit mit Bildern aus Bursa bewiesen hat. Die Timsah Arena in Bursa verfügt zudem über einen ganz besonderen Knüller. Seit diesem Jahr hat das Stadion einen Krokodilkopf. Der war von Anfang an geplant, fehlte aber noch 2015 als das Stadion eröffnet wurde. Seit Mai 2018 spielen die grünen Krokodile von Bursaspor nun endlich mit Köpfchen. Darauf ist man bei anderen Stadien noch nicht gekommen. Das Kölner Stadion mit Geißbock- oder die Leipziger Arena mit Bullenkopf hätten doch auch was. Oder man könnte wenigstens den Rasen im Berliner Olympiastadion in den Farben von Herthinhos Frisur färben. Der Krater im Strafraum unseres Bolzplatzes (Samstag 10:30) ist immerhin schon beinahe so groß, dass fast nur noch der Kopf des Torwarts hinausschaut. Kurioserweise fehlte im EM-Bewerbungsvideo der Türkei der Krokodilkopf von Bursa. Mit ihm wäre es eventuell anders ausgegangen. Philipp Lahm hat jetzt ja noch sechs Jahre Zeit sich eine ähnlich coole Lösung zu überlegen. Wir werden es erfahren. Auf LinkedIn.

 

Livin’ Dar-Vida Loca

Der UEFA-Zirkus ist in der Stadt! Seit dieser Woche heißt es wieder „Eurobbabogaaal“ und unter der Woche werden die letzten fußballfreien Tage gefüllt. Aber Obacht es gibt ein paar neckische Neuerungen, an die man sich erst noch gewöhnen muss. Ab jetzt muss Papi schon 18:55 zum Fußball schalten. Pünktlich, wenn die Blagen gerade das Sandmännchen sehen wollen (im Land der Frühaufsteher kommt das eine Stunde früher). Da ist die Stimmung schon zum Anpfiff im Keller. Im Staatsfunk läuft allerdings um diese Zeit noch SOKO Wismar. Aber auch sonst kann Olli Kahn ab jetzt die Champions League maximal in einer Tipico-Filiale vor Publikum analysieren. Wildes hin- und herschalten zwischen DAZN und Sky, Sky Go und Sky Ticket (je nachdem was gerade nicht abgestürzt ist) bringt dann schnell Klarheit, wo denn nun der Ball rollt. Immerhin reicht beim 21-Uhr-Spiel die erste halbe Stunde und man kann arbeitnehmerfreundlich mit Ronaldo Feierabend machen. Diese Zeitumstellungen sind die ersten Maßnahmen nach der Abstimmung, wo ihr alle für die Abschaffung der Winterzeit gestimmt habt. Eigentlich wollten es alle früher hell und später dunkel haben, aber das wird wohl wieder nichts. Dieses Jahr wird es auf jeden Fall noch die Winterzeit geben. Das merkt man zum Start der Mittwochskopfgrätsche 18 Uhr noch nicht, aber spätestens eine Stunde später dämmert es einem dann doch. Nur Samstag 10:30 bleibt stabil. Vielleicht wechseln wir irgendwann mal auf 10:25, dann haben wir noch etwas Zeit die Logos von Toblerone, Pneu Continental, Dar-Vida, Longines und Red Bull zu überkleben.

Best of Best

Die Beziehung von Fußball und Musik ist manchmal eine seltsame Angelegenheit. Das Gerücht, dass Toni Kross großer Pur-Fan sein soll, hält sich seit Jahren. Die Polonäse mit Helene Fischer 2014 vor dem Brandenburger Tor hat es erst möglich gemacht, dass sich viele Fans ein Vorrundenaus bei der WM in diesem Jahr heimlich herbeigesehnt haben. Bei Michael Ballacks Hochzeit vor 10 Jahren musste Sir Elton John die deutsche Nationalhymne spielen, was er sicher sogar besser gemeistert hat als Sarah „Brüh im Lichte“ Connor. Als Mehmet Scholl hingegen zu seinem Abschied die Hidden Cameras einlud, reichte das, um Olli Kahn von der Party zu vertreiben. Nein, von Seiten des Fußballs kann die Liaison mit der Musik nicht wirklich als vorbildlich bezeichnet werden. Da muss die Musik meist die Beziehung retten. Seit sich Marteria auf Musik statt auf Fußball konzentriert, kann tatsächlich mal wieder ein Rostocker das Ostseestadion füllen. Als die englische Band The Wedding Present 1987 ihr erstes Album veröffentlichte, wollte sie es nach dem legendären Belfast-Boy George Best benennen. Immerhin eine bessere Idee als es „Best of“ zu nennen. George Best gab sein Okay und war tatsächlich zu einem Fotoshootings für das Album bereit. Ob der fünfte Beatle wirklich etwas mit der Musik der Band aus Leeds anfangen konnte, ist bis heute unklar. Nun ist es aber Zeit mal wieder die ganz alte Platte aufzulegen:
A Seite: Samstag 10:30
B Seite: Mittwoch 18:00

theweddingpresent

If you wanna be my baller

Frau Beckham hatte sich schon drauf gefreut. Endlich war der Alte wirklich zu alt, um sich noch über den Fußballplatz zu schleppen und hätte endlich mal Zeit gehabt, die Pfandflaschen zurückzubringen oder das Garagentor zu reparieren. Aber nein, auch im Ruhestand hatte er immer noch den Fußball im Kopf. Und anstatt irgendwo als Zeugwart oder Busfahrer einzusteigen, musste er ja unbedingt einen eigenen Club gründen. Immerhin im Rentnerparadies Florida. Von da an war klar, dass das Garagentor wieder zugunsten von Fußballtoren zurückstecken muss. Allerdings ist man erst einmal eine Weile lang Fantasymanager und muss ein wenig warten, wenn man nicht ein Brausefranchise eröffnen will. Seitdem frickelt der Alte jede Nacht am Logo rum. 2015 gab es schon ein Design. Linear, modern und frisch in petrol. Aber nach ein paar Folgen Miami Vice traute er sich und wechselte auf die Frage seines Lieblingspolohemdes. Und warum überhaupt musste das ganze nach Fußball aussehen? Das konnte doch wie ein cooler Nachtclub wirken. Und die Bezeichnung als Club International de Fútbol klang gleich lecker nach Cuba Libre und gefährlich nach Toni, das Narbengesicht. Ja, das war es jetzt. Endgültig bis in alle Ewigkeit. Bis zum Spielbetrieb 2020 war ja noch genug Zeit. Aber wer die Evolution des Kopfgrätsche-Wappens (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00) mitverfolgt hat, ist nicht überrascht, wenn ich sage: Becks, I feel you.

 

Auf der Strafraumkante (samstags um halb 11)

Hallo Komma Absatz, Wie gehts Punkt neue Zeile.
Punkt 9: der Wecker tickt und er flüstert in mein Ohr: raus aus diesem Chaos, wir hab’n noch so viel vor. Ich frag ich mich wie spät es ist, und warum? Dann fällt es mir wieder ein: die gute Aussicht auf alles was ich brauch am Samstagmorgen. Zwischen Never Surrender und License to ill. Kein Ponyhof, kein Wunschkonzert. Ich bin doch kein Idiot und das soll ich heute beweisen. Wenn irgendwas gut ist dann das hier. Denn du bist es auch und weil ich mich so selten irr mit Menschen, Mädchen sag ich dir: wir beide sind die Guten. Aber das seh ich erst, wenn ich’s glaube. Also ready steady Fremdkörper go! Wir schießen den Ball bis zum Mond, um vielleicht das Siegerlied statt der Hymne anstimmen zu können. Heute wird gewonnen, bitte. Am Ende wollen die Unkaputtbaren aber nur sagen: es sah zwar aus wie Eiskunstlauf ohne Ton mit Hoppe hoppe Easy Rider, wenn er fällt, dann kriecht er halt weiter. Aber alles war schön und nichts tat weh. Wir werden uns kümmern – mein Freund, das Wrack, ich und so. Nur für den Heimweg gilt: bring dich doch selbst nach Haus und komm Mittwoch wieder. Vorher gibt’s aber noch ein Souvenir aus dem Fotoautomat.

Die Verwandlung

Als ich heute morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich heraus, dass schon wieder eine Bundesliga-Saison startet. Das ist dieser Wettbewerb, wo seit Jahren beim Blick auf die Tabelle alle müde gähnen. Da konnte sich Bill Murray ja beim täglichen Aufwachen in Punxsutawney auf mehr Abwechslung freuen. Gut, um den ersten Platz gibt es angeblich einen offenen Wettbewerb bzw. hatten sich das die Gründerväter der Bundesliga einmal so überlegt. Und wenn sich der Branchenprimus um den 12. Spieltag rum zwei Unentschieden in Folge leistet, wird man sich dunkel daran erinnern. Im März haben wir das aber spätestens vergessen. Aber auch sonst ist die 1. Liga eine beruhigende Konstante in diesen wilden Zeiten. Alle professionellen Werbekampagnen und witzigen Social-Media-Trends werden nicht verhindern, dass sich der Anker in der Mitte der Liga aus der Erde bewegt. Die Berliner Hertha wird auch dieses Jahr ruhig beobachten wie ihre Tabellennachbarn verzweifelt um Europa-League und Klassenerhalt kämpfen. Schließlich hat sie mit dem Erreichen des DFB-Pokalfinales wieder einmal ein größeres Ziel. Mit dem traditionellen Scheitern irgendwann im Spätherbst wird die Rest-Saison von 20 Spieltagen unsexy zu Ende gespielt. Zur Konstanten am Tabellenende mausert sich seit einiger Zeit der VfL Wolfsburg. Mit einem Kader der nie absteigen kann, ist er verdammt Jahr für Jahr den Relegationplatz warm zu halten, bis der HSV endlich mal wieder Lust hat. Und um diese drei Ankerpunkte in der Tabelle strampeln noch ein paar Clubs wie Käfer auf dem Rücken, um die erste Liga oder die Champions-League-Quali zu erhalten. Und das alles nur, um die eigenen Fans auch in der nächsten Saison in diesem Wettbewerb zu enttäuschen. Da freu ich mich doch lieber auf dem Samstagmorgen. Wenn ich da aufwache und 10:30 Kopfgrätsche angesagt ist, warten jedesmal neue Überraschungen, die erst mit dem Sonnenuntergang am Mittwoch Abend enden.

Boiler Man (I think it’s going to be a long, long time)

Die Engländer sind raus. Mal wieder. Ab heute können alle mal sehen wie es ist ohne das dicke Pfund auszukommen. Jedenfalls auf dem Transfermarkt. Das begehrte üppige englische Fernsehgeld bleibt da wo es ist. Quasi ein zweiter selbstgewählter Brexit, um nach dem Saisonstart keine Spieler mehr nachkaufen zu können. Traditionell ist deswegen am letzten Tag die bloody Hell los. Jedenfalls nehmen sich TV-Experten an diesem Tag besser nichts vor. Sondersendungen, die 12 Stunden lang wie an Silvester den Countdown bis Null Uhr runterzählen, müssen schließlich besetzt werden. Und jedes Premier-League-Stadion braucht einen embedded Journalist vor Ort, der bei Bedarf einen Autokorso oder einen wütenden Mob einfangen kann. Und dann entscheiden sie sich in Manchester und Tottenham für einen Buy-Nothing-Day. Really? Your full Ernst? Bis kurz vor Mitternacht waren sich alle sicher: equal goes it loose. Aber dann gab es vermutlich einen landesweiten Faxausfall. Mein Fax mit den Daten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 ist hoffentlich noch angekommen. Nun ja, jetzt können sie sich in England endlich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Fußballwappen mit Bandartwort mixen z.B. oder lustige Maskottchen erfinden.

 

Morgenröte für Rautenkranz

Nach unzähligen Jahren des Zitterns ist heute der Tag, auf den viele gewartet haben: der HSV darf zeigen, ob er zweite Liga kann. Lange hat er sich geziert. Aber jetzt sagt er „na gut“ und tut all jenen den Gefallen, die sich das nicht vorstellen konnten. Vielleicht ist es aber gar nicht so schlimm mal an einem Wettbewerb teilzunehmen, den man sogar gewinnen kann. Das geht ja beim Audi Cup auch nur, wenn die Bayern mit der Schülermannschaft antreten. Für manche ist sogar schon Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 das Maximum. Also vielleicht ist es sogar ganz nett, Städte wie Magdeburg und Dresden mal einfach flußaufwärts an der Elbe zu besuchen. Nach St. Pauli reicht sogar ein HVV-Gruppenticket. Da verfährt man sich schneller auf dem Weg nach Hoffenheim. Allerdings wäre auch die zweite Liga enttäuscht, wenn der HSV nicht seine Kernkompetenzen einbringen würde. Also Diskussionen um die Uhr, komische Fan-Aktionen und schnell wechselndes Personal. All das, was die erste Liga schon ziemlich schnell vermissen wird. Und am Ende ist es wie bei „Verzeih mir“ mit Ulla Koch am Brink und der HSV darf wieder zurück an den Familientisch. Und er wird sich fragen, warum er sich all die Jahre dagegen gewehrt hat diesen zu verlassen.