„Ronaldo drängt auf BVB-Wechsel!“ Nur eine ganz normale Wahnsinnspushmitteilung in diesem Sommer. Und das schafft es kaum den Puls so weit hochzutreiben, wie es vielleicht die Meldungen „Rhein versiegt!“, „Kopfgrätsche-Samstag (10:30) und -Mittwoch (18:00) mit dreißig Mitspielern!“ oder „MV wird Frackinggebiet!“ hinbekommen würden. Nun soll also Dortmund Ronaldo-Gebiet werden, wenn sich nicht noch ein Club in Abu Dhabi findet, der dem Weltstar den sandigen Teppich ausrollt. In Dortmund waren sie jetzt gar nicht sooo überzeugt, sonst hätten sie ja nicht den Schiebermützendieb von den kölschen Peaky Blinders mit dem letzten Geld losgeeist. Aber Ronaldo hat sich entschieden und was soll man dann dagegen machen? Vielleicht wird man wenigstens im Tausch noch ein paar Ladenhüter wie Akanji, Meunier oder Nico Schulz nach Manchester los. Bei United ist man nach zwei Spieltagen und Niederlagen gegen Brighton und Brentford schließlich schon die Lachnummer der gesamten Fußballwelt. Sogar Elon Musk hat einen Kauf des Clubs in Aussicht gestellt. Und seit seinem Klingelstreich bei Twitter weiß man doch, was davon zu halten ist. Meme-Twitter kriegt sich natürlich gar nicht mehr ein und produziert inflationär Maguire-to-Mars-Content. Marschester United höhöhö. Am Ende wird Elon Musk etwas komplett anderes mit seinem Krypto-Geld machen, aber momentan klickt es halt gut, wenn man sich auch noch in die Prügelei gegen die Red Devils mit einreiht. Ronaldo wird aber nicht gern verhauen und sucht lieber die Echte Liebe. Er passt als Exot nach Dortmund natürlich wie Kaiman Sammy in den Baggersee. Aber erst wenn das Sommerloch vorüber ist, werden wahrscheinlich in Dortmund wieder Alltagsthemen diskutiert. Leider wird sich dann niemand mehr an den Sommerflirt mit dem Kurschatten Ronaldo erinnern, wenn Akanji, Meunier und Nico Schulz wie gewohnt den Ball verstolpern.
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Telenovelaola
Fast hätte man verpasst, dass tatsächlich schon wieder professionell Fußball gespielt wird, oder? Die Sportnachrichten bestehen halt immer noch zu 80% aus Transfernews und bilden in der Gesamtheit eine so herrliche Seifenoper, dass man sich schon bewusst die Zeit nehmen muss, um auch mal ein Spiel anzugucken. Die Gerüchteküche ist natürlich unablässig am Brodeln und die Spielberichte rutschen dabei im Ranking schon mal auf die zweite Suchergebnisseite. Dabei muss man wissen, dass von den Gerüchten, die während eines Transferfensters Nachrichten generieren, unter 1 Prozent (großzügig aufgerundet) wirklich echte Transfers werden. Die Sinnlosigkeit, die sich offenbart, wenn man sich diesen Maßstab vor Augen führt, ist größer als der Schuldenberg des FC Barcelona, der die mit Abstand schmutzigste Telenovela des Sommers bietet. In der Zwischenzeit spielt der große Rivale Real Madrid einfach Fußball und gewinnt Titel. Boring. In die Trends schafft man es damit aber kaum. Real, die früher mal als die Galacticos die Erfinder von unanständigen Skandal-Transfers waren, sind kurz vor Status FC Heidenheim. Spieler bleiben lange und gern und sind dabei auch noch erfolgreich. Wie viele Transfergerüchte gab es um Toni Kross, Luka Modric, Casemiro und Karim Benzema in den letzten 5 Jahren? Sogar die Ausnahmespieler, die Mitte der 2010er Jahre die Bundesliga dominiert haben, und immer bekundet haben, dass sie irgendwann für Real spielen wollen, füllen jetzt lieber beim FC Barcelona die Schlagzeilen. Alle gucken gespannt auf sie, weil niemand genau weiß, ob sie gerade kommen oder gehen sollen. Die Spieler-Fluktuation wird womöglich am Ende auch nicht größer sein als zwischen einem normalen Kopfgrätsche-Samstag (10:30) und -Mittwoch (18:00). Aber man wird die Barca-Spiele natürlich sehen wollen, um die Telenovela-Kamera zu aktivieren, die ausschließlich die enttäuschten Spieler-Gesichter auf Bank und Tribüne filmt.
Wie die Ölgötzen
Bevor das zu spät ist, müssten wir jetzt mal abklären, ob denn diese umstrittene WM in Katar nun geguckt wird oder nicht. Man könnte wie in den vergangenen 4 Jahren seit Watutinki natürlich sagen, dass es noch lange hin ist, aber eigentlich sind wir schon in der Story, die auf das Turnier hinführt. Die Hinrunde wird schon die entsprechenden Geschichten liefern, die dafür sorgen, dass man im Dezember gemeinsam unterm dem Heizpilz der Sportsbar sitzt und in die Vuvuzela trötet. Warum auch nicht? Es ist vermutlich einer der wenigen warmen Orte in diesem Winter. Das katarische Gas wird sicher nicht für ganz Europa und die katarischen Stadion reichen, die zeitgleich energieaufwändig auf 27 Grad heruntergekühlt werden müssen. Auch bei uns wird es jetzt einige Spieltage geben, wo man sich an diese Bedingungen schon einmal gewöhnen kann. Selbst fürs Kopfgrätschen ist manchmal zu warm. Samstag 10:30 bei 18 Grad und Mittwoch 18:00 bei 22 Grad sind aber ungefährdet. Der Ligaspielbetrieb wurde auch früher begonnen, um rechtzeitig zum Turnier mit der Hinrunde fertig zu sein und wir sind natürlich alle sehr gespannt wie Mario Götze, die hohen Temperaturen verträgt. Präsentiert er sich wohlmöglich in WM-Form, so dass er nach einer märchenhaften Hinserie natürlich mit auf den WM-Zug (der vermutlich trotzdem ein WM-Flieger sein wird) aufspringt? Da gucken wir doch alle sehr gespannt hin und am Ende blenden wir die finale Auflösung aus, ob er wie Phönix oder Jesus noch einmal mit dem WM-Pokal zurückkommt? Die Netflix-Serie ist doch bestimmt schon in der Mache und zur Gesamtstory gehört sicher alles was seit 2014 passiert ist. Es wird also dramaturgisch nahezu unmöglich sein Katar auszublenden. Also sichern wir uns besser schon einmal rechtzeitig den Stammtisch unterm Heizpilz. Außengastro wird doch bestimmt wieder ein gefragtes Ding. Wir müssen ja dort nicht wie Newcastle-Fans in Scheichkostümen rumsitzen. Es sei denn es gibt die aus Thermofleece.
Arm aber kaufsüchtig
Dass diverse neureiche Clubs, nachdem sie plötzlich zu Geld gekommen sind, den Transfermarkt durcheinanderwirbeln, ist kein neues Phänomen. Das ist in der Vergangenheit häufig genug passiert. So war es 2003 als Chelsea von Ambramowitsch gekauft wurde und sich zuerst fett aus dem obersten Regal eindeckte. Mutu, Crespo oder Veron – der Preis spielte keine Rolle und war aus heutiger Sicht vergleichsweise lächerlich. Die meisten Stars waren für einen damalig unanständigen Preis zwischen 20 und 30 Mio. € zu bekommen, aber man wollte ja schnell nach oben. Und weil das so gut funktionierte, konnte man das gleiche Spiel noch einmal bei Manchester City 2008 beobachten. Das Geld kam aber zu plötzlich als der Markt schon leer war. Bis auf die Brasilianer Robinho und Jô, die völlig überteuert Man City bis auf Platz 10 führten. Ein paar Transferperioden später konnte man das Geld aber wirklich gewinnbringend aus dem Fenster werfen. Aber sie mussten das nicht allein tun, weil 2011 Katar bei Paris St. Germain einstieg und 2017 bewies, dass Geld überhaupt keine Rolle spielt, als sie beim FC Barcelona die Fantasieablöseforderung von 222 Mio € für Neymar erfüllten. Nun hat man natürlich erwartet, dass in diesem Sommer Newcastle mit dem Saudi-Geld den Markt ordentlich aufmischt. Aber der Scheich hat die Taschen wohl noch zugenäht. Stattdessen gibt der FC Barcelona Geld aus, das er gar nicht hat. Die Neymar-Millionen sind jedenfalls schon lange weg. Messi und die diversen neue Neymars haben das quasi weggeatmet. Dennoch kaufen sie in diesem Sommer fleißig alle Spieler, die ausgerechnet der FC Chelsea gerne verpflichten würde. Ob die Erbeuteten dann wirklich alle spielen dürfen, ist eine andere Frage. Lewandowski muss wahrscheinlich seine Arbeit fürs erste oder bis zu seiner offiziellen Anmeldung pünktlich zur WM von Aubameyang erledigen lassen. Bis dahin kann er sich gerne Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 beim Kopfgrätschen einigermaßen fit halten. Nur falls er nicht zu Newcastle verliehen werden möchte.
Hinterkopfjuwel
Nun hat der HSV tatsächlich niemanden mehr, der sich vernünftig um ihn Sorgen macht. Und alles was man an Herzlichkeiten über den verstorbenen Ehrenspielführer und die legendärste HSV-Legende sagen kann, wird gerade zurecht als Trostpflaster auf alle Startseiten geklebt. Mit Uwe geht bei den Menschen halt auch eine ganz tiefe Sehnsucht noch dem Fußball von früher; und damit ist gar nicht das eigentliche Spiel gemeint, das technisch und athletisch natürlich wie andere Sportart aussieht. Fast ein wenig wie Kopfgrätschen am Samstag (10:30) oder Mittwoch (18:00). Aber wer seinen Kopf so kreativ einsetzt, dass sogar der hintere Teil des Nüschels eine torgefährliche Waffe darstellt, der geniest bei uns Fans der ungewöhnlichen Kopftechniken natürlich die höchste Anerkennung. Und in Sachen Fairplay und Sportsmanship war Uwe natürlich die Blaupause, nach der man sich nicht nur seine Mitspieler sondern auch seine Gegenspieler wünscht. Von so einem lässt man sich gerne mal die Tore einschenken, wenn man weiß, dass der gegenseitige Respekt vor der sportlichen Leistung stets die Grundlage der gemeinsamen Zeit auf dem Platz ist. Solch ein Wesen macht die Leute zurecht wehmütig. Gerade mit Blick auf den modernen Fußball. Einen hippen Signature-Fortnite-Jubel, der den Gegner so richtig auf seinen Loser-Status verweist und der den FIFA-Avatar erst so richtig wertvoll macht, hat ein echter Sportsmann wie er nie nötig gehabt. Aber zum Ausgleich bekommt man als Denkmal einen riesigen Fuß vor das eigene Stadion gestellt. Jetzt wäre es an der Zeit, dass Hamburg auch die restlichen verehrungswürdigen Körperteile von Uwe ins Stadtbild integriert. Wir freuen uns besonders auf seinen Hinterkopf.
Ballfahrtsorte statt Taten
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ So oder so ähnlich ist es im Evangelium nach Loddar Matthäus Kapitel 18 Vers 20 geschrieben und man kann sich denken, dass das genauso für den Fußball funktioniert. Ab drei Leuten kann man schon ein Spielchen beginnen und ab drei Mannschaften hat man quasi ein Turnier. Und das hat auch dieses Jahr beim DIA-Turnier funktioniert, ohne dass die lahmen Kopfgrätscher durch ein himmlisches Wunder noch zum Grätschen gebracht werden mussten. Auch Berti Vogts dachte damals es wäre unbedingt nötig, dass er Matthäus in seinem biblischen Alter von 37 noch mit auf die Wallfahrt zur WM1998 in Frankreich nehmen muss. Das gute Wasser von Lourdes sorgte tatsächlich dafür, dass Deutschland es in der zweiten Hälfte gegen Jugoslawien ohne Kroatien Lazarus gleich tat und wieder von den Toten auferstand. Nur um dann im Viertelfinale von Kroatien ohne Jugoslawien mit 0:3 in die ewigen Jagdgründe geprügelt zu werden. Das Ganze auch noch in Lyon zu Füßen der Wallfahrtskirche Notre-Dame de Fourvière, die im Volksmund aufgrund seiner 4 oktogonalen Ecktürme „der auf dem Rücken liegende Elefant“ genannt wird. Und ebenso lagen 1998 die deutsche Nationalmannschaft und Loddar darnieder und streckten alle four Viere von sich. Zwei Jahre später spielte ich mein erstes Turnier im Rahmen der amateurhaften studentischen Fußlümmelei und Lothar musste seinen greisen Körper durch eine EM-Vorrunde schleppen, die Deutschland als Gruppenletzter abschloss. Auch 22 Jahre danach braucht es keine grauen Leitwölfe. Es reicht ein Ball, um jederzeit problemlos zwei bis drei Mannschaften zu einem Spaßturnier zu versammeln. Was heißt das nun für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, liebe Gemeinde? Nun, es schadet jedenfalls nicht einen Ball mitzubringen.
Bändchen on the run
Wie viele 3-Tage-Events kann man noch mitnehmen bis der Sommer vorbei ist? Eine echte Challenge, denn es gilt eine Menge aufzuholen. Jedes Festival, dass endlich wieder stattfinden kann, bietet mindestens 3 Tage Musik. Wenn man die mit dem Ticket bereisen möchte, das einem den ganzen Sommer das Gefühl gibt, dass das gesamte Festivalpublikum in einem Bahn-Abteil zusammenkommt, sollte man noch einmal 3 Tage für jeweils An- und Abreise einrechnen. Die Tage dazwischen kann man mit den nachgeholten Konzerten im Club oder auf der Freilichtbühne auffüllen. Wenn draußen noch irgendwo ein Platz zwischen Kunsthandwerkermärkten, Straßentheatern oder Kino-Openairs zu finden ist. Langsam wird es schwierig das richtige Bändchen an den dicken Handgelenken zu finden, die einem Einlass gewähren. Alleine an diesem Wochenende warten wieder mehrtägige Veranstaltungen, die absolut in dieses Muster passen. Wem 3 Tage Sylthochzeit mit Christian und Franca zu gehyped sind, geht lieber auf das kleine Indie-Festival DIA 2022. Wer lieber mal drei Tage Ruhe haben möchte, bucht das Kombi-Ticket aus Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Natürlich mit der Option diese Ruhe um zwei Tage zu verkürzen, wenn man noch bei DIA-Turnier Sonntag 10:00 aufläuft. Die Plätze wurden aufwändig freigekämpft. Vielleicht muss in Trink- und Umbaupausen noch ein Straßenkünstler auftreten oder ein DJ sein Set für die nächste Promihochzeit proben. Aber der Platz sollte dennoch großzügiger sein als aktuell am Flughafen oder Bahnhof.
To be super clear
Jeder bei Kopfgrätsche muss ein Minimum an 2 mal 90 Minuten pro Woche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) mit Kopfgrätschen verbringen. Zudem muss der Kopfgrätsche-Ort dort sein, wo die aktuellen Kopfgrätscher sind – nicht an einem Pseudo-Kopfgrätsche-Ort. Wenn du nicht auftauchst, müssen wir davon ausgehen, dass du nicht am Kopfgrätschen bist.
Je Alt-Kopfgrätscher du bist, desto sichtbarer muss deine Kopfgrätsche-Präsenz sein. Deshalb habe ich an dem Kopfgrätsche-Ort so viel Lebenszeit verbracht – so dass alle an der Strafraumkante sehen konnten wie ich neben ihnen kopfgrätsche. Hätte ich das nicht getan, würde Kopfgrätsche schon nur noch im Kopf existieren.
Es gibt natürlich Teams, die das nicht brauchen, aber wann war das letzte mal, dass diese einen großartigen neuen Kopfgrätsche-Moment hervorgebracht haben? Das ist wohl schon ein Weilchen her.
Kopfgrätsche hatte und wird die aufregensten und sinnvollsten Kopfgrätschen aller Kopfgrätschen weltweit kreieren und umsetzen. Das wird nicht fernmündlich passieren.
Thanks,
Elonglonglong
ApplePay, AliPay, Mbappé
Okay, es sind jetzt 25 Jahre seit „Ricken lupfen jetzt!“, aber damals war Kylian Mbappé noch nicht einmal geboren. Seit dem hat sich einiges getan. Lars Ricken musste erst seine Karriere beenden, in der er immerhin auch Vizeweltmeister und Champions-League-Sieger geworden ist, um in seinem Verein mitzubestimmen. Auch Mbappé bleibt nun doch dem Verein seiner Geburtsstadt treu, statt zu einem großen Namen ins Ausland zu wechseln. Jetzt könnte man darauf mit fußballromantischen Gefühlen glotzen, aber nein, alle sind nur am Meckern. Vielleicht liegt es daran, dass Lars mit 45 nur das Nachwuchsleistungszentrum leitet, während Kylian mit 23 gefühlt zum spielenden Aufsichtsratsvorsitzenden aufsteigt. Die Machtfülle als Goodie im Vertrag ist schon ungewöhnlich, aber wahrscheinlich die Zukunft. Man wird bei den wichtigen Entscheidungen demnächst öfter hören: Kylian begrüßt, zweifelt an, lehnt ab. Neymar-Verkauf zu Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00)? Ok. Neues Maskottchen? Vielleicht. Doppelter Nachtisch? Auf keinen Fall! Lars schimpfte vor 25 Jahren in einem Nike-Werbespot auf die Geschäftemacher in Nadelstreifen. An die in kurzen Hosen, wie das aktuelle Nike-Zugpferd Mbappé, dachte er damals wohl nicht.
One more „da ist das Ding“
Bei Kopfgrätsche denkt man ja, sie haben das DIA-Turnier gewonnen, dabei haben sie nur den Samstag überlebt. So ungefähr schaut Uli Hoeneß auf unser Tun Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Und irgendwo hat er ja auch recht. Aber wer weiß denn schon, ob man jemals wieder ein DIA-Turnier gewinnt? Man könnte natürlich all sein Eskalationspotenzial für diesen Moment aufheben, damit man tatsächlich noch Steigerungsoptionen hat, falls man in solch triumphale Situationen kommt. Hätte Uli Hoeneß vor neun Jahren jemand gesagt, dass die Bayern 10 mal in Folge Meister werden, hätte er seine Endorphine nicht alle schon nach der ersten oder zweiten verpulvert. Es beschleicht einen aber das ungute Gefühl, dass die Bayern aktuell noch mit angezogener Handbremse jubeln, damit sie adäquat eskalieren können, wenn Meisterschaft Nummer 20 erreicht ist. Oder welche Zahl auch immer es rechtfertigt, ein wenig Freude zuzulassen. Aber da spricht wahrscheinlich der alte Zocker aus ihm, der nicht einfach aussteigen kann, wenn irgendetwas gewonnen wurde. Aber wären wir anders? Nach jedem Tor denken wir doch, dass uns noch ein zweites gelingt. Und wer zwei hat, will auch drei. Und wenn man dann am Samstag alles verzockt hat, steht man Mittwoch wieder auf dem Platz, in der Hoffnung, dass die Aussicht auf das nächste Tor, den nächsten Sieg, den nächsten DIA-Turniergewinn, die Nationalmannschaftskarriere und den WM-Titel (Verteidigung optional) zum Greifen nah ist.
Fackeln im Platzsturm
Wie kultig ist die Fanszene deines Clubs? Hattet ihr letzte Woche einen Platzsturm? Nein? Dann eindeutig nicht kultig genug. Da gab es also Anlass zum Jubel im eigenen Stadion und die Anhänger haben sich auf der Tribüne nur normal gefreut? Vielleicht ein paar Sprechchöre und Gesänge, maximal eine Fünfzigmann-Polonaise durch den Block. Dazu etwas Konfetti und Bierduschen. Aber das wars auch schon. Fast alle haben ihre Hosen anbehalten und bei der Humpa waren nur die Capos auf dem Zaun. Also bitte, dann kann man es ja gleich lassen. Womöglich war am Ende noch die Grasnarbe intakt. Das klingt nach schlimmsten Plastikclubsvibes in Kombination mit verachtenswertem Eventfantum im Langnese-Familienblock. Wer nicht mindestens ein bis zwei Lagerhallen an schweren Bengalos einsetzt, bei denen Toni Hofreiter feuchte Augen bekommt, hat das Spiel nie geliebt. Und dabei muss natürlich mindestens die Querlatte oder der Elfmeterpunkt abgestaubt werden. Fortgeschrittene nehmen natürlich sogar das rollbare Sponsorenboard mit in die Straßenbahn.
Auf jeden Fall ist es nur peinlich, wenn am Saisonende noch irgendein Halm im Stadion verbleibt. Insofern können wir uns nichts vorwerfen lassen. Unsere Platzstürme Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 haben ihre Spuren hinterlassen. Die Krater im Platz sind größer als bei Schalke, Frankfurt und Köln zusammen. Und während man bei den Herren Profis einen ganzen Sommer braucht um wieder Spielfähigkeit herzustellen, pöhlen wir einfach routiniert um die Löcher herum.
Falsche Neun
So, was machen wir jetzt mit dem 9-Euro-Ticket? Es wurde uns quasi geschenkt (warum auch immer haben wir schon vergessen) und jetzt müssen wir das Budget auch großzügig sinnlos abfahren. Twitter hat sich natürlich schon zum kollektiven Wochenendausflug nach Sylt verabredet, um dort die Konjunktur in der Sansibar anzukurbeln. Hoffentlich haben die auch wirklich Aperol Spritz in Eimern und Scampies Rot-Weiß auf der Karte. Der Fußballadel freut sich schon darauf jeden Tag die orange-rosa Kotze aus dem Bayernlogo in der Auffahrt zu kärchern. Der ortsansässige Stammesfürst Kalle Rummenigge hat als Verteidiger der indigenen Bevölkerung das Grundgesetz hoffentlich nicht allzu weit weggelegt und kann die besten Sprüche noch einmal laut auf dem Hindenburgdamm zitieren, bevor versucht wird, den Eingeborenen das Helly-Hansen-Steppjackenfell über die Ohren zu ziehen. Von einem Recht auf 9-Euro-Trips steht nicht einmal was im BGB. Ich hab an den Wochenenden meist auch keine Zeit für solch einen Quatsch. Zwischen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 habe ich meistens schon was Besseres vor. Irgendwie denkt bei der ganzen Geschichte auch niemand an die einzigen Menschen, die wirklich normalerweise quer durch die Republik mit den Regionalbahnen an jedem Wochenende tuckern. Und nein, ich meine nicht die Bundeswehrsoldaten, sondern die Auswärtsfans, die ab Juni keinerlei Grund mehr für eine schöne Ochsentour von Rostock nach Sandhausen haben. Ihre Idole liegen schließlich dann schon längst in Mallorca am Strand und wundern sich warum es dort so leer ist. Es ist zwar etwas teurer (als 9 Euro), dafür ist man unter sich. Und ich weiß jeder Zweite ist genauso blöd wie ich. Ändlisch nohmale Leute.
Totgetweete tröten länger
»Aktueller Gesundheitszustand für diejenigen, die sich fragen: Nur terminlich verhindert zum zweiten mal in 4 Tagen. Sauer, Samstag 10:30 nicht dabei sein zu können. Aber das bringt mich nicht um. Scheine in der Lage zu sein, den Mittwoch 18:00 wiederbeleben zu können.«
So ungefähr übersetzt lautet der erfolgreichste Tweet von Mino Raiola. Ob er das auch noch einmal bei Mastodon getrötet hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber eventuell ist das der Premium-Content, für den man auf Twitter bleiben muss, unabhängig wem das Netzwerk gerade gehört. Aber auch nur dort sind nur diese Echokammern möglich, die ungeprüft Nachrufe zu Toptrends werden lassen. Kein Wunder, dass sich gestern jeder Sportjournalist in Grund und Boden schämte. Da wurde mindestens ein halber Nachmittag lang intensiv die eigenen Standards hinterfragt. Aber dann war auch schon wieder die nächste Eilmeldung auf Grundlage eines dünnen Gerüchts fällig. Die Follower wollen halt die exklusive und ungeprüfte Meldung so schnell wie möglich. Und so wird hier natürlich Freitags die nicht verifizierte Info rausgehauen, es wäre Samstag und Mittwoch mit Fußball zu rechnen. Ob das wirklich stimmt, muss man leider immer noch investigativ selbst am Platz rausfinden.
Nachspielzeitreise
Das Stöbern in 10 Jahre alten Beiträgen auf www.kopfgrätsche.de ist nicht ganz einfach. Technisch ist noch einiges zu reparieren nach dem letzten Umzug und dann atmet dort vieles den Geist der damaligen Zeit, was einen sofort in ein Kaninchenbau hineinzieht, der ähnlich groß ist wie der Krater auf dem Gummiplatz. Was war das damals für eine komische Zeit? Nun, der Flashplayer war auf jeden Fall noch am Start. Inzwischen läuft dieser auch nicht mal mehr auf den Seiten, die unter den ersten Beiträge verlinkt wurden. Die Kommentarfunktion musste alsbald deaktiviert werden, da die damit verbundenen verlockenden Angebote selten was zum eigentlichen Thema beitrugen. Aber auch fußballerisch war 2012 ein denkwürdiges Jahr. Kloppo hatte gerade mit dem BVB eindrucksvoll das Double klar gemacht, bei dem ein unstoppbarer Lewandowski den Bayern in Berlin 3 Buden einschenkte. Die geprügelten Bayern mussten kurz darauf das Trauma vom verlorenen Finale Dahoam erleben, das wir wiederum gemeinsam im Filmbüro erlebten.
Der gleiche Schweinsteiger von letzter Woche, der so froh über seine wiedergefundenen Eier beim Elfmeterschießen im Halbfinale war, wurde im Endspiel zur tragischen Figur. Auch die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, die nur wenige Wochen danach auch in der Karstadt-Arena startete, eignete sich nicht für Schweini für einen entspannten Sommer.
Nach der Vorrunde in Charkiw und Lwiw konnte man zwar als Erster der Gruppe B ins Viertelfinale einziehen, aber vor dem Finale stoppten sie Mario Balotellis Sixpack und Daniele de Rossis Assoziationen-weckendes Grätschen-Warnzeichen auf der Wade.
In diesem denkwürdigen Fußballjahr kann die Kopfgrätsche-Geburt natürlich fast nur eine Rumpelfußnote sein. Ich gucke dennoch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wieder aus dem Kaninchenbau-Krater auf dem Gummiplatz, um so zu tun als wäre es noch 2012.
10 Jahre Verlorene Eier
Als vor 10 Jahren Kopfgrätsche aus unseren Hirnen auf die Füße plumpste, wurden die Spielankündigungen, die vorher nur als Mail zu den Spielen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 aufriefen, zu Blogbeiträgen. Einer der ersten Texte drehte sich saisonal passend um ovale Dinge. Und ohne den Kontext der damaligen Zeit kann man nur erahnen, was einem der Autor damit sagen wollte. Es werden offensichtlich schon die Vorteile der archivierten Teamfotos und Beiträge unter www.kopfgrätsche.de gepriesen, die man nach 10 Jahren auch mal wieder lesen kann. Aber was war mit Schweini? Stand eine Länderspielpause an, bei denen der inzwischen als Schleichwerbegesicht von Toom bis Garmin und Expertensprechpuppe bekannte Weltmeister (damals noch zwei Jahre davon entfernt) sich regelmäßig krank meldete, wenn es nicht direkt um Pokale ging? Nein, Anlass war wohl das Elfmeterschießen im Halbfinale der Champions League zwischen Real Madrid und Bayern, bei dem Schweinsteiger bekannte, kurz seine Einer verloren zu haben, sie aber rechtzeitig wiederfand. Also ganz im österlichen Geiste. Obwohl die Kopfgrätsche natürlich immer wenn es geht, das wichtigste Körperteil auf dem Hals preist, ging es am Anfang erst einmal untenrum zur Sache. Aber dieser verbale Elfmeter musste natürlich eiskalt verwandelt werden.
Married… with old Lady
Die Macher von „Arm aber Sexy“ und „Länderfinanzausgleich in der Nachspielzeit“ bescheren uns einen neuen Kassenschlager im Sitcom-Format. Dass von Lars Windhorst nur heiße Luft kommt, hätte natürlich niemand ahnen können. Er hatte immerhin die Start-Up-Gang von Carsten Maschmeyer gelesen und hätte sein Geld auch easy bei der Höhle der Löwen in achtsame Gewürzmischungen und smarte Schuhlöffel investieren können. Aber nein, er wollte ja unbedingt sein sauer zusammenspekuliertes Geld mit jungen Menschen in kurzen Hosen vermehren. Viele hielten es für einen Enkeltrick mit einer alten Dame, aber wer auf Klinsi und Jens Lehmann als Berater vertraut, will das Geld doch auch nicht wirklich wiederhaben, oder? Als logische Fortsetzung dieser Expertenreihe kam man dann natürlich auf Felix Magath, der schon Fulham-Sugardaddy Mohamed Al-Fayed erfolgreich die Scheine aus der Buxe gezogen hat. Aber wer ist hier Täter und wer Opfer? Lars Windhorst fühlt sich wie ein armer Schuhverkäufer, der missmutig auf der Couch sitzt während ihm die nimmersatte Familie die Kohle aus den Griffeln reißt, um damit unnützes Zeug zu kaufen. Ist es da nicht verständlich, dass er seine Anteile irgendwo verpfänden muss? Ist natürlich blöd, dass die dann im schlimmsten Fall auch zwangsversteigert werden können und neben John Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 noch mehr Zocker in kurzen Hosen, Hertha-Trikots und hoffentlich auch in Schuhen auf dem Bolzplatz landen. Aber die Gefahr scheint gebannt. Lars hat den Schmuck der alten Dame schon längst wieder ausgelöst. Dann wird bestimmt doch noch alles gut, wenn er nicht mit seinen Kumpels in der Nacktbar landet.
Laserbrief
Guten Tag, liebe Laser! Was macht ihr da? Im Auge des Betrachters, der sich gerade eine Ecke ausguckt? Was erleuchtet euch, um auf der Netzhaut das Netz und die Pfosten gleich mit auszublenden? Gut, alles was kein wohlfeiles Abnicken der sportlichen Leistung des Gegners ist, könnte man als unfaires Verhalten deuten. Auspfeifen, Buh-Rufe, Schmähgesänge – das Repertoire ist eigentlich groß genug, um zarte Gemüter aus dem Konzept zu bringen. Als Zuschauer über die Stimme hinaus körperlich einzugreifen, ist nicht vorgesehen. Die Beine sind auch meist ungeeignet, wie die Rennkünste diverser Flitzer schon bewiesen haben. Auch der Wurfarm ist dem des Torhüters nicht ebenbürtig. Ein Bierbecher fliegt oftmals nur dem Besserplatzierten ein paar Reihen vor mir in den Nacken. Im seltensten Fall schafft man es, das wertvolle Pfandgut bis zur Eckfahne zu schleudern. Aber bis zum Elfmeterpunkt wird es schwer. Und deshalb setzen die hoffnungslos benachteiligten Zuschauer das einzige Körperteil ein, dass gut trainiert ist vom Playsie zocken. Mit dem dicken Daumen kann man den gegnerischen Schützen oder Tormännern beim Elfmeterschießen bequem nicht nur den grauen Star weglasern. Diese Art der unsportlichen Spielbeeinflussung lässt sich nur noch toppen, indem man Spieler der eigenen Mannschaft in einem Meme-Gewitter von einer Troll-Armee per Social Media durchs virtuelle Dort treibt. Und zwar ohne jedes Maß, so dass sie bei Heimspielen von jedem Fan im Stadion nur noch verhöhnt werden. Nun ja, die letzte Länderspielwoche hat auf jeden Fall gute Gründe geliefert, warum man ein Länderturnier nicht nur wegen des Austragungsortes ablehnen kann. Die „Fans“ sind zurück im Stadion, sportlicher geht es dadurch aber leider nicht zu. Auch wir hatten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 Zuschauer, weil es inzwischen schon wieder für mindestens drei Teams reicht. Kommt gerne weiterhin zahlreich, aber nehmt die Daumen lieber zum Drücken derselbigen – ohne Laserpointer.
Ibrakatarbra
Im Nachhinein kann man natürlich immer sagen: ich wollte gar nicht gewinnen, weil ich da nicht hinfahren möchte. Und gerade im Hinblick auf Katar gibt es dann auch Menschen, die das gerne glauben. Aber was soll den Robert Habeck sagen? Er musste dahin, damit wir nicht verlieren. Sportlich war Deutschland ja sowieso ein Frühbucher. Und man konnte sich ganz entspannt angucken, wer sich sonst noch so qualifiziert. Saudi-Arabien z.B., was das Turnier auch geopolitisch färbt. Als ob man das jetzt unbedingt auch noch gebraucht hätte. Die Italiener anscheinend nicht. Die lassen diese Shitshow entspannt an sich vorüberziehen. Ob man unbedingt Nordmazedonien bei der WM sehen muss, kann man diskutieren. Aber irgendwer muss ja in die Gruppe mit Katar, damit die wenigstens die Vorrunde schaffen. Es gibt allerdings doch eine kleine Gefahr, dass dieses Turnier trotzdem geguckt werden muss. Auch von Italienern. Der ewige Zlatan ist schließlich immer noch mit in der Verlosung. Aktuell wohl auch gerade nicht zurückgetreten als Nationalspieler, sondern zurückgetreten vom Rücktritt. Wir haben aufgehört zu zählen zum wievielten Mal. Aber für ein paar großspurige Ansagen trotz Vorrundenaus würden wir natürlich gern die WM einschalten. Zum Thema Menschenrechte könnte man dennoch Substanzielleres erwarten als von Thomas Müller. Vor allem, weil sich Halbgott Zlatan natürlich selbst nicht unbedingt als Mensch begreift. Wir unwürdigen Irdischen treffen uns Samstag 10:30 UND Mittwoch 18:00, um einen Hauch dieses unbegreifbaren Glanzes von Sankt Ibra in unseren eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Falls das fehlschlagen sollte, suchen wir uns andere Vorbilder – wahlweise in Nordmazedonien, Saudi-Arabien oder Katar.
Sanifair geht vor
Ein Hoch auf unsern Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer. Auf unsern Busfahrer ein Hoch. Nachdem dem sanktionierten FC Chelsea das Taschengeld gekürzt wurde, sind keine großen Sprünge geschweige denn Flüge mehr drin. Das bedeutet natürlich, dass die Londoner nun öfter auf die vergleichsweise günstige Busreise zurückgreifen müssen. Und das bei den Spritpreisen. Irre. Nun ja, dann muss das schmale Budget zusätzlich über weitere Maßnahmen zusammengehalten werden. Es wird also nicht mehr an jeder Raststelle gehalten. Und muss es denn wirklich immer das teure Paderborner sein? Jede Amateurtruppe weiß, dass man sich den kostbaren Bierkasten vielleicht doch lieber für die Rückfahrt aufhebt. Es lauern aber noch andere Unwegbarkeiten auf dem Trip über die Autobahnen Europas. Einige Länder erheben eine Maut und in Deutschland muss man sich erst einmal die Sanifair-Bons leisten können. Ein unschöner Nebeneffekt, der für eine dauerbesetzte Boardtoilette sorgt, auf der man das Luftanhalten besser trainiert hat. Ein Klassiker ist natürlich auch, dass ein Haufen Fußballer auch nur auf dem Selbstständigkeitsniveau einer Kindergartengruppe agiert, was zwangsläufig dazu führt, dass man bei jedem Stopp ein bis zwei Kapeiken bei Tank und Rast am Regal mit den Erwachsenenmagazinen oder am Daddelautomaten vergisst. Die Umwege, um diese Trantüten wieder einzusammeln, lassen den Tank früh leer laufen und man kann nur hoffen, dass man es doch noch rechtzeitig zum Anpfiff schafft. Aus diesen Gründen gönne ich mir auch morgen wieder den Luxus der Fahrradanreise, um Samstag 10:30 vorbildlich pünktlich zu sein. Er drückt auf die Kupplung und Flusch macht die Spülung. Ein Hoch auf unseren Busfahrer. Auf unseren Busfahrer ein Hoch.
There is no Planet DFB
Es wird schon wieder gewählt. Das wäre fast durchgerutscht und irgendwie hängt auch wenig Hoffnung an dieser Wahl. Früher konnte man die DFB-Präsidenten namentlich problemlos aufsagen. Z.B. Egidius Braun, der nette rheinische Opi in den Neunzigern. Gerhard Mayer-Vorfelder oder kurz MV (wie sympathisch), der baden-württembergische Pate mit dem großen Durst, der das Sommermärchen 2006 „erfand“. Oder Theo Zwanziger, der auch schon nicht mehr so seriös mit dem Geld umgegangen ist, aber immerhin Frauenfußballfan war. Und seit dem zerfasert es arg. Der Laden ist heillos zerstritten und unführbar. In Zeiten, wo Konzepte sehr fragwürdig erscheinen, wenn sie von nur einem starken Mann bestimmt werden, ist dieser Ansatz, dass man wegen fehlender Quittungen oder eines Nazivergleichs abgesägt werden kann, fast vorbildhaft. Seit Jahren rätselt vor allem der Vizepräsident, wer denn nun eigentlich Koch und Kell(n)er ist. Nun wird also eine neue arme Sau gesucht, die denkt DFB-Präsident wäre ein toller Titel auf seiner Visitenkarte. In Wirklichkeit schaut man jede Woche bedröppelt aus dem Bürofenster in der Otto-Fleck-Schneise, wenn mal wieder die Staatsanwaltschaft zur Razzia anrückt. In diesem gemeinnützigen Verein geht es auch nicht professioneller zu als in jedem Kleingartenverein. Irgendjemand verfeuert immer ohne Genehmigung Blätter und mäht den Rasen in den Ruhezeiten und die Wühlmäuse finden ihren Weg. Dennoch möchte man also im sich ankündigenden Frühling einen neuen Obergärtner gönnen. Wir gucken nur übern den Zaun auf das Unkraut und sind ganz froh, dass wir nicht eines der 1,7 Mio. Mitglieder im größten Sportverband der Welt sein müssen und stattdessen einfach nur Samstag 10:30 unseren Acker mit Kopfgrätschen zerfurchen dürfen.