Fackeln im Platzsturm

Wie kultig ist die Fanszene deines Clubs? Hattet ihr letzte Woche einen Platzsturm? Nein? Dann eindeutig nicht kultig genug. Da gab es also Anlass zum Jubel im eigenen Stadion und die Anhänger haben sich auf der Tribüne nur normal gefreut? Vielleicht ein paar Sprechchöre und Gesänge, maximal eine Fünfzigmann-Polonaise durch den Block. Dazu etwas Konfetti und Bierduschen. Aber das wars auch schon. Fast alle haben ihre Hosen anbehalten und bei der Humpa waren nur die Capos auf dem Zaun. Also bitte, dann kann man es ja gleich lassen. Womöglich war am Ende noch die Grasnarbe intakt. Das klingt nach schlimmsten Plastikclubsvibes in Kombination mit verachtenswertem Eventfantum im Langnese-Familienblock. Wer nicht mindestens ein bis zwei Lagerhallen an schweren Bengalos einsetzt, bei denen Toni Hofreiter feuchte Augen bekommt, hat das Spiel nie geliebt. Und dabei muss natürlich mindestens die Querlatte oder der Elfmeterpunkt abgestaubt werden. Fortgeschrittene nehmen natürlich sogar das rollbare Sponsorenboard mit in die Straßenbahn.

Auf jeden Fall ist es nur peinlich, wenn am Saisonende noch irgendein Halm im Stadion verbleibt. Insofern können wir uns nichts vorwerfen lassen. Unsere Platzstürme Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 haben ihre Spuren hinterlassen. Die Krater im Platz sind größer als bei Schalke, Frankfurt und Köln zusammen. Und während man bei den Herren Profis einen ganzen Sommer braucht um wieder Spielfähigkeit herzustellen, pöhlen wir einfach routiniert um die Löcher herum.