Na, habt ihr auch schon schwungvoll in eurem Fotospeicher zurückgespult wie einst die VHS mit den Bundesliga-Classics (damals schon mit Edin Dzeko) als in der Winterpause tatsächlich zu wenig frischer Content auf den Sportkanälen angeboten wurde? Throwback 2016? Was soll das? Fragt man sich und schon hat man das Endgerät in der Hand und guckt neugierig nach, was vor zehn Jahren wohl so los war. Auf Kopfgrätsche.de kann man das auch tun und als erstes stößt man auf einen Tweet, den man damals tatsächlich noch genutzt hat, um untereinander ernstgemeinte Fragen zu beantworten. Auf Christophs Frage: „…habt ihr eine Ahnung, was alles in den #kgjrb / #Jahresrückblick 2016 gehört?“ antwortete dann auch niemand, dass das gefälligst @grok beantworten soll. „Handbruch, Schneekönigin, Dino, Rugby + Football, Autocrash, Wismarena, Euro, DIA, Aushilfsfotografen, Hommagen…“ wurden vorgeschlagen und der Jahresrückblick 2016 deckt davon auch eine ganze Menge ab. Verletzungen wurden früher noch nicht lückenlos dokumentiert, deshalb musste natürlich ein Arzt damit beginnen. Und auch beim Autocrash an einer Verkehrsinsel in Sichtweite unseres Platzes waren alle froh, dass John nicht nur Kopfstände und Christoph Lyrik beherrscht. Auch der Besuch des damaligen Bundesligadinos war ein Highlight in unserer kleinen Stadt. Heute denkt man bei Dino wahrscheinlich eher an einen frisch entlassenen Eintracht-Frankfurt-Trainer und fragt sich warum René Adler eigentlich nie bei den Hessen angestellt wurde. Damals hat er wenigstens freundlich in unsere iPhone4-Kamera gelächelt. Das Jahr schlossen wir naiv mit einem launigen Dinner for Seventeen ab, ohne zu ahnen, dass danach nur noch Dauerkrise folgen sollte. Aber auch weitere 10 Jahre, in denen trotzdem an Samstag 10:30 nicht zu rütteln war. Deshalb gibt es keinen Grund an diesem Samstag damit aufzuhören. Dann frage ich vielleicht auch am Ende diesen Jahres nach euren Highlights für den Jahresrückblick 2026 und ihr antwortet ganz normal: „@grok put him in a Bikini.“ Oder reparier endlich mal die Links…
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Schafskopfbrezn
Ach guck, das war also erst die Hinrunde. Zieht sich ganz schön und wenn wir ehrlich sind, ist sie auch immer noch nicht vorbei. Drei verlegte Spiele müssen ja noch nachgeholt werden. Das mit der Herbstmeisterschaft wird sich aber wohl nicht mehr groß verändern. „Herbst“-Meister… merkt ihr selbst, oder? Wir sind doch schon gefühlt näher am Mai als am Herbst. Deshalb ist es auch wirklich kein Problem, wenn man den Bayern die Schale jetzt schon überreicht. Später ist doch immer so viel los. Gerade im Mai mit den ganzen Feiertagen. Nee nee, beim nächsten Heimspiel sollten sie Tribüne aufbauen und den Zinnober mit den Weißbierduschen durchziehen. Es wäre okay. Für künstliche Spannung hätte man im Großraum München auch ein wenig Winter- und Tauwetter wie im Norden gebraucht. Aber dort hatte man alles im Griff, sogar das Wetter. Kein Wunder, dass Markus Söder beim Blick nach Norden das Gefühl haben musste: die kriegen ja gar nichts gebacken. Nur drei Mannschaften überhaupt nördlich von Wolfsburg und rundherum nur Schafherden mit eigenen Bundesländern. Die paar Höfe kann man großzügig zusammenfassen. Auch da spielt Bayern eindeutig in einer eigenen Liga. Und trotzdem müssen sie in diesem Staat und dieser Liga von Versagern mitmachen. Immer wenn es um die Sommerferien geht, machen die Bayern den Eindruck als ob sie alle in kurzen Lederhosen bei der Heuernte helfen müssen, aber spätestens ab dem Weißwurschtfrühstück mit dem zweiten Weizen am klaren Bergsee unter der Bierbank liegen. Die späte Erholung scheint auf jeden Fall eine erstklassige Grundlage zu sein, um später alle anderen entspannt abzuhängen, die schon Anfang Herbst auf der letzten Rille laufen. Wohin man M-V als Bundesland hinfusionieren sollte, ist noch nicht entschieden. Weder Hamburg, noch Schleswig-Holstein, ja nicht einmal Brandenburg möchte uns haben. Deshalb sollte uns unbedingt Bayern adoptieren. Wir könnten sogar anbieten „Kopfgrätschen“ zu bavarifizieren, in „Schafskopfbrezn“ zum Beispiel. Samstag 10:30 könnten wir direkt damit beginnen. Wie das ist klassische Weißwurschtfrühstückszeit? Na denn hoid ned!

Strafräumkommando
Man hatte es natürlich schon komplett vergessen, warum man mal so etwas wie eine Winterpause eingeführt hatte. Viele dachten wahrscheinlich, das ist traditionell der Zeitraum, in dem Mannschaften wie der BVB, die die Hinrunde weit hinter den eigenen Ansprüchen beendet hatten, knallhart die Fehler analysieren, irgendeinen teuren Hoffnungsträger verpflichten, ein Trainingslager in Marbella oder Belek verbringen, in dem der Hoffnungsträger in lahmen Testspielen gleich mal verletzt ausgewechselt wird, um dann nach milden Wochen, in denen es hier wärmer als in Belek war, wieder motiviert eine Aufholjagd in der Rückrunde zu starten. Irgendwann kürzte der Fußballkalender sogar das Testbild im Winter bekannt als Hallenmasters weg und dann war die Winterpause nicht mehr länger als eine herkömmliche Länderspielpause und man hatte vergessen warum man sie sich ursprünglich mal gegönnt hatte. Wenn an diesem Wochenende tatsächlich Spielabsagen drohen, ist es für viele im Leben das erste mal, dass Fußball aufgrund eines jahreszeittypischen Wetters ausfallen könnte. Nur auf Schalke müssten sie sich entscheiden: Dach zu oder doch lieber Biathlon mit echtem Schnee? Ansonsten gibt es natürlich fast überall Rasenheizungen, die verhindern, dass wir schief freigekratzte Strafraumlinien, orangene Spielbälle und Torhüter mit Bommelmütze sehen werden. Das ist tatsächlich Folklore, die wir uns nur in historischen MAZen in der Sportschau anschauen können, bei denen man nicht genau weiß, ob der Schnee im Bild nicht doch nur die grobkörnige Auflösung ist. Also müssen die Außenreporter, die bei Extremwetter immer ihre Time to Shine haben, sich eher vor dem Stadion in eine Schneewehe stellen und dort die Verantwortlichen interviewen, die über eine mögliche Spielabsage aufgrund der Zufahrtswege entscheiden. Also kurz gesagt: wer es unfallfrei und pünktlich zum Spielbeginn (Samstag 10:30) bis zum Platz schafft, kann bestimmt auch spielen. Auf jeden Fall muss das lückenlos für die Nachwelt dokumentiert werden, damit man sich es in 15 Jahren in der eintägigen Winterpause ungläubig anschauen kann.
Feuer-Pferd auf dem Flur
Huch, was für einen Wochentag haben wir heute? Der neue Kalender ist noch nicht aufgehängt. Also können wir nur raten. Dass wir es trotzdem Samstag 10:30 pünktlich auf den Bolzplatz schaffen, ist hoffentlich unserer inneren Uhr zu verdanken. Die Knallgeräusche in den Ohren lassen langsam nach, da kann man ruhig mal wieder ein Leder an den Pfosten schmettern. Falls ihr das Gefühl hattet, dass es dieses Jahr weniger Feuerwerk gab, dann wart ihr wahrscheinlich am falschen Ort und nicht in Holland oder in Rostock zum 60. Hansa-Geburtstag. Dafür wird’s dort in einem Jahr vermeintlich ruhiger. Wer feiert schon einen 61. Geburtstag? Vor allem wenn im Frühjahr eventuell noch ein Aufstieg droht, für den das Böller- und Pyroarsenal dringend wieder aufgefüllt werden muss. In Asien, bei den Erfindern der Schwarzpulvers wird nur noch mit der Drohne an den Himmel gemalt. Die Präzision erreicht man leider nicht, wenn man mit dem Bic-Feuerzeug in Sturm und Schneeregen versucht die 50er-Batterie Himmelsinferno zu starten. Aber es ist nur konsequent, dass wir weiter auf Verbrenner und Schwarzpulver setzen. Da sind wir einfach immer noch Weltspitze, auch wenn sich der Rest der Welt dafür nicht mehr interessiert. Wer unbedingt fortschrittlich sein will, hat aber bis zum chinesischen Neujahrsfest noch etwas Zeit. Das beginnt am 17. Februar und markiert den Beginn des Jahres des Feuer-Pferdes. Das kommt nur alle 60 Jahre vor. Es steht für Tempo, Transformation, Mut und Kreativität, aber auch für Unsicherheit und Wandel, da die Energie stark und schwer zu bändigen ist. Es gilt als Wendepunkt-Jahr, das große Veränderungen bringen kann und sowohl Chancen als auch Herausforderungen birgt, besonders für die persönliche Entwicklung und die Weltgemeinschaft. Hoffentlich haben die Hansa-Fans dafür noch ein paar Knallfrösche übrig.
Baby, it’s old outside
Der Aufreger beim diesjährigen Spotify Wrapped war geschickt gewählt. Einfach mal die Leute frech trollen und ihnen sagen, dass sie das Hörverhalten ihrer Großeltern haben. Beim Hörvermögen kann das natürlich stimmen, aber wir haben halt schon Musik über Kopfhörer gehört, bevor die Geräte die Lautstärke smart aber übergriffig in einen “gesunden“ Bereich gepegelt haben. Aber wer möchte in Zeiten von Longevity und Fitness-Apps, die einen ohne Not 20 Jahre jünger schätzen, schon hören, dass man sich eigentlich auch im Fernsehgarten ganz wohl fühlen könnte. Eine Unverschämtheit, der man nur begegnen kann, wenn man ab sofort wieder sogenannte Trends erkennt und bei denen mitmacht. Da ein kurzer Check in der Hörzu ergibt, dass MTV wohl in Zukunft dafür leider keine Quelle sein kann und man ja auch nicht bis zur nächsten Weltausstellung warten kann, muss man diese wohl demnächst online suchen. Dieses Social Media soll teilweise von Trends durchdrungen sein. Wenn man darauf achtet, welche Musik die aktuellen Fußballprofis hören, mit denen uns die Health-App in einen biologischen Topf wirft, kann das einer Verjüngung zuträglich sein. Falls man aber zu schnell kopfschüttelnd TikTok schließt, gilt es vielleicht doch zu akzeptieren, dass ein hohes Höreralter eventuell gar nicht so schlecht geschätzt ist. Das Kopfgrätsche-Alter ist auch an diesem Samstag 10:30 ziemlich egal. Jeder findet seine Position auf dem Mehrgenerationenplatz. Die Startzeit ist extra so gewählt, dass man sie schaffen kann, sowohl mit Restkater vom Feiern am Abend zuvor und auch wenn man vor dem Spielstart am Familienfrühstückstisch erwartet wird, wo man als Senior den Toast entrindet bekommt. Die Jungen dürften sogar ihre Boombox mitbringen, wenn ich mir wenigstens zwischendrin die neue heiße Scheibe von Chuck Berry wünschen darf.
13. Dezember 2025 – Das 13. Törchen blieb ungeöffnet
Stay at the Kopf-Grä-Tsch-Ee (Samstag 10:30)
Dass es so episch werden würde, konnte ja niemand ahnen. Auch eine Woche nach der WM-Auslosung sind einige noch nicht aus diesem Fiebertraum aufgewacht. Gerüchten zufolge steht Rudi Völler noch immer in der Halle in Washington und klatscht einsam zur Musik der Village People. Bei ihm wurde natürlich ein dreißig Jahre altes Trauma freigelegt, als er bei Wetten dass…? vor der WM 1994 seine steifen Hüften zu „Far away in America“ kreisen lassen musste. Der Klinsi war damals so sehr dabei, da musste Rudi einfach nachziehen, um seinen Stammplatz im Sturm zu verteidigen. Aber vielleicht war er auch nur paralysiert von der unglaublichen Moderation Gianni Infantinos. Und Rudi hatte eine Vision von der nächsten WM-Auslosung, bei der Infantino sehr wahrscheinlich auf offener Bühne live ein paar Journalisten zersägen wird, um den Gastgebern ein gutes Gefühl zu geben. Den Peace-Pokal mit den abgesägten Händen kann er da noch einmal recyceln. Auch wenn Donald Trump das Konzept Wanderpokal natürlich komplett ablehnt. Spätestens jetzt vermissen wir Marcel Reich-Ranicki, der nach einer missglückten Fernsehpreisverleihungssendung 2008 rief: „Ich nehme diesen Preis nicht an! Ich gehöre nicht in diese Reihe. Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste.“ Nun, nach dem letzten Freitag muss man ehrlicherweise sagen: so schlimm war der Fernsehpreis damals nicht. Am Ende musste Thomas Gottschalk, der damals noch nicht die Eklats bei Preisverleihungen selbst auslöste, die Kuh vom Eis ziehen und zwischen Fernsehdeutschland und dem Literaturkritiker vermitteln. Dafür gab es tatsächlich eine Extra-Sendung mit dem Titel: „Aus gegebenem Anlass – Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk.“ Village People waren nicht eingeladen.
Shaq the Halls
Bei Redaktionsschluss lag das Ergebnis noch nicht vor. Aber da wir nicht im Vorfeld tagelang lesen mussten, welche möglichen Todesgruppen uns drohen, kann Deutschland wahrscheinlich superentspannt auf die WM-Auslosung heute Abend in Washington gucken. Wahrscheinlich wird viel interessanter sein wo man spielt als gegen wen. Kein Wunder, wenn die Qualigruppe durchaus schwerer war als die kommende Vorrunde. Aber das bedeutet nur, dass wir uns frühzeitig auf die Baum-Diskussion freuen können. Und das passt doch absolut in die Zeit. Aktuell konzentrieren wir uns natürlich darauf, dass so ein Baum schön gerade und symmetrisch ist. Beim Turnierbaum darf er aber ruhig so schief sein, dass man wie einst im Jahr 2002 mit minimalem Talent bis ins Finale rutschen kann, während sich die ganzen Favoriten in Abnutzungskämpfen gegenseitig aus dem Turnier kegeln. Aus saisonalem Interesse schauen wir an diesem Abend aber sicher auch wieder interessiert auf die Loskugeln. Welcher Stil ist in 2025 angesagt? Weil Donald Trump vor Ort sein wird, kann es eigentlich nur Gold sein. Am Ende wird er sie auch bestimmt mit den Resten vom Buffet mit ins weiße Haus schleppen. Ansonsten gibt es aber auch noch ein paar Sportstars wie Tom Brady, Wayne Gretzky und Shaquille O’Neal vor Ort. Diese drei Könige ihres Sports werden natürlich das Spielgerät Trionda ungläubig als Wunder betrachten, bevor sie es als neuen Heiland preisen. Und warum auch nicht? Versucht mal mit einem Football, Puck oder Basketball eine vernünftige Kopfgrätsche (Samstag 10:30) zu kreieren. Falls einer von ihnen noch Gold (darf auch ein Meisterschaftsring sein) als Geschenk dabei hat, Donald wäre interessiert. Aber bevor wir jetzt weiter im Bild bleiben wollen und krampfhaft überlegen welche Gemeinsamkeiten Heidi Klum und die Jungfrau Maria haben, beginnt das Bild schiefer zu werden als jeder Turnierbaum.
Sind die Flutlichter angezündet
Wie oft noch singen? Wer in den Neunzigern ab und an mal einen Film angesehen hat, wird sich noch an diese Frage erinnern und sofort mit schlechtem Gewissen an diese Spindel mit den ganzen gerippten Filmen denken. Wo ist die überhaupt? Und die noch viel wichtigere Frage: wo ist das Abspielgerät dazu? Nun ja, im Advent hat die Frage nach der Häufigkeit des Singens keinen Einfluss darauf, wann sich Papas Zellentür endlich wieder öffnet. Vielmehr gilt es einen Überblick über die Einladungen zum Adventssingen zu behalten, wofür die Stadien neben ein wenig Fußball in den kommenden Wochen primär genutzt werden. Wenn man nicht selbst für die Abnutzung des Balles (Samstag 10:30) sorgt, steht man dann oft in dieser Verlängerung des Weihnachtsmarktes mit Glühwein und Bratwurst in den Backen und versucht sich an Texte aus dem Kindergarten zu erinnern. Vielleicht genügt es an den kritischen Stellen (alle außer dem Refrain) ein wenig schief mitzubrummen. Klappt ja bei der neuen Vereinshymne meist auch. Auf dem Videowürfel wird zwar meistens der Text eingeblendet, aber da haben auch schon einige „Bitte unterlassen sie das Abbrennen von Feuerwerkskörpern …“ aus Versehen inbrünstig mitgeschmettert. Und beim Adventssingen ist das Feuerzeug doch nötig, um wenigstens ein paar Wunderkerzen zu schwenken. Das muss sich für die Ultras wie Methadon anfühlen. Aber deren Böllerarsenal muss so kurz vor Jahresende sowieso demnächst erst einmal in Polen aufgefüllt werden. Was immer an der Ostfront entbehrlich ist, wird am Black Friday in den Warenkorb gepackt. Es sollte im Idealfall bis zum Adventssingen im nächsten Jahr reichen. Wer wünscht sich nicht einen gut getimten Kanonenschlag bei einem unangenehmen Texthänger? Obwohl … die Videos davon guckt sich nach Weihnachten eh keiner mehr an. Das haben sie mit den Filmen auf der DVD-Spindel gemein. Wo war denn jetzt der Silberling mit „Schöne Bescherung“?
Mystery Box-to-Box Player
U.S.A. U.S.A. Nach dem gigantischen Erfolg der Klub WM in diesem Jahr, sind wir auch nächstes Jahr wieder dabei, wenn Kiss-Cam und Riesenventilatoren zum Einsatz kommen. Und es wird huuuge. Gastgeber ist dieser Typ, der noch den Original-Stargate-Pokal im Büro stehen hat und nachdem wir seine Dribbelkünste in einem kaum modifizierten Video mit Christiano Ronaldo bestaunen mussten, fragen wir uns zurecht: was wir da im kommenden Jahr überhaupt wollen? Egal, wer auch immer sportlich dort noch reüssiert, der Preis ist schon fest im Oval Office eingeplant. Neben Klub-WM-Pokal und Friedensnobelpreis gehört der World Cup dort logischerweise zur Inneneinrichtung. Wir fliegen aber trotzdem hin und hoffen, dass die Nationalspieler sich nicht davon ablenken lassen, dass sie primär Widerstandsgesten gegen das lokale Regime trainieren. Aber vier Jahre nach Katar haben die Auswahlkicker dazugelernt. Am besten vorbereitet ist definitiv Karim Adeyemi, der sich schon einmal dem örtliche Waffennarrentum gewappnet zeigt. Damit sollte sein Stammplatz sicher sein. Der Rest des Turniers ist aktuell noch eine ziemliche Mystery Box. Vorher muss das eigentliche Turnier noch durch ein paar Playoffs quasi als Extra-Turnier vor dem Turnier ungeboxet werden. Und wofür die USA die Co-Gastgeber Kanada und Mexico braucht, ist auch ein Mysterium. Finden wir aber wahrscheinlich nur so lange komisch, bis sich Deutschland demnächst für die WM mit Dänemark und Griechenland bewirbt. Unsere samstägliche Mystery-Box (10:30) hält garantiert auch wieder Unvorhersehbares bereit. Wie viele Spieler stehen auf dem Platz? Sind wir zwei oder drei Mannschaften? Und ist das letzte Tor wirklich das letzte? Bestellt noch heute!
VAR from Home
Der Videoschiedsrichter hat grad die 8 Kerzen auf der Torte ausblasen können, aber geliebt wird dieses Kind immer noch nicht. Und wird es wahrscheinlich auch nie. Niemand mag Klugscheißer. Und schon gar nicht solche, die wirklich mit der Lupe nach Verfehlungen Anderer suchen. Gerade bei besonders spektakulären Jahrhunderttoren steht er wie das dicke, x-beinige Kind am Rand, das ganz zum Schluß maximal als Pfosten gewählt wurde, und sagt: „Ja, interessiert mich nicht, ob das ein unglaublicher Treffer war, der die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt hat. Drei Minuten davor gab es bei einem Zweikampf im Mittelfeld eine Berührung, die habt ihr armen Unwissenden nicht gesehen, die hat auch der Berührte nicht gespürt, aber der Kontakt war da und deshalb ist das niemals ein Tor.“ Den Kontakt hätte selbst Jodie Foster sehr aufwändig messen müssen, aber am Ende hatte auch sie recht und die Aliens waren echt. Davor hat ihr niemand geglaubt und die Menschheit wäre dumm und glücklich gestorben, ohne jeden Alienkontakt. Der Fortschritt möchte aber, dass wir irgendwann das Irdische verlassen können und uns ad Astra bewegen. Allein deshalb, weil wir auf der Erde irgendwann keine geeigneten Orte mehr finden, um Megaturniere durchzuführen, an denen zwei Drittel aller Länder weltweit teilnehmen können. Den Anforderungskatalog kann heute schon kaum jemand allein erfüllen. Und natürlich kann man auch NFL-Spiele in Berlin, La Liga-Spiele in den USA oder Kopfgrätsche-Partien (Samstag 10:30) im Wonnemar durchführen, aber irgendwann ist auch der Reiz verflogen und dann muss man außerhalb des Orbits denken. Deshalb brauchen wir den Videoschiedsrichter. Nur er vermag uns zum Träumen zu bringen. Da ist es doch auch mal egal, ob ein Mittelfeldduell am 11. Spieltag in einer durchschnittlichen Liga unter ihm leidet. Also falls ihr demnächst mal wieder 7 Minuten auf die Anerkennung eines Tores wartet, dann richtet den Blick in den Himmel und sehnt euch zu den Sternen.
Verkehrskompass in die Spitze
»Dynamo ohne Kreische, ist wie’n Krimi ohne Leische.«* Zum Glück musste Dynamo nur wenig auf Hansi Kreische verzichten. Er war ja ein klassischer Oneclubman. Dass er später noch Chefscout bei RB Leipzig war, konnte er mit seiner Rückkehr zu Dynamo 2020 hoffentlich korrigieren. Immerhin hat er sogar seine Diplomarbeit 1980 über die SGD geschrieben. Die hatte zwar sehr viele Bilder, aber es war schließlich auch nur ein Sportlehrer-Diplom. Nun braucht natürlich nicht jeder Krimi zwangsläufig eine Leiche. Nach der Faninvasion von Dresden nach Berlin letzte Woche musste sich die Hauptstadt-Polizei mehr mit Sachbeschädigung, Körperverletzung, Landfriedensbruch und Raub beschäftigen. Immerhin war kein Enkeltrick bei der alten Dame aufzuklären. Verkehrsschilder und Laternenpfähle sind seit dem dafür hauptsächlich gelb zugestickert. Was im grauen November aber doch für mehr Sichtbarkeit im Straßenverkehr sorgen kann. Auch wir haben die gelben Leibchen Samstag 10:30 am Start. Sehen und gesehen werden. Ganz im Sinne des siebten Sinns. Obwohl man den im Tal der Ahnungslosen nie empfangen konnte. Dort konnte man maximal den Verkehrskompass sehen, in dem Günther Schubert (ja genau, der Vater von Alexander Schubert) sich mit „Gestatten Meier“ vorstellte, um im Anschluss jedes mal eine neue Eselei im Straßenverkehr zu begehen. Gefolgt von der Versicherung: „Das werde ich ganz bestimmt nicht wieder tun“. Mit diesem Mindset sind sie bei Dynamo Dresden also aufgewachsen. Und in diesem Umfeld konnte auch Hansi Kreische zum „Serientäter“ werden. In welche Staffel wir mit der Kopfgrätsche am Samstagmorgen starten, kann niemand genau sagen. Aber die Treue und Hartnäckigkeit Eseleien aber auch manchmal ungeahnte Kunststücke mit dem Ball anzustellen, ist uns nicht fremd.
* Zitat: Tobias Trauzettel aus einer Autogrammanfrage in den 70ern
Samstag (10:30) grob ma Tore aus
Heit fohr ma mit da Geisterbauhn
Heit schau ma si des nüchtern aun
Heit sprech ma olle Sätz verkehrt
Schau ma wos si duat unta da Erd
Heit kräu ma ausn Schneckenhaus
Heit loss ma unsre Kinder z’Haus
Heit speim ma is Essn aus
Heit geh ma auf an Leichenschmaus
Jo, Samstag grob ma Tore aus
Jo, Samstag grob ma Tore aus
Jo, Samstag grob ma Tore aus
Heite geh ma friara z’Haus
Heit taunz ma mit de greßten Freind
Und schenken eana reinen Wein
Heit gheart uns die gaunze Wöd
Heit geb ma Petrik Sander Göd
Heite sam ma freindlich, waun uns wos ned passt
Und zu denen ma freindlich san sand wie a Gfrasst
Heit schaut des Gaunze aunders aus
Weil Samstag grob ma Tore aus
Heite samma stuiz auf uns
Wir finden sicha no an Grund
Waun kana klatscht gebn wia Applaus
Weil Samstag grob ma Tore aus
Heit reiß ma’d Blattln vo di Bam
Heit schau ma si des nüchtern au
Heit geh ma auf an Leichenschmaus
Samstag grob ma Tore aus
Schmuddel-Ecke bringt nichts ein
Welche App beansprucht momentan die meiste Bildschirmzeit und warum ist es der Regenradar? Windfinder wird es nicht sein, weil den Wind muss man aktuell nun wirklich nicht suchen. Das Herbstwetter kann aber immerhin dafür sorgen, dass der ganze Dreck, mit dem der Spielfeldrand bei uns im Sommer vollgemüllt war, hinweggefegt werden kann. Glasscherben, Bubble-Tea-Becher, Energydrink-Dosen, Vape-Verpackungen und Chiptüten werden mit dem Laub, das uns lange nach verunglückten Abschlüssen den Blick auf das Spielgerät verwehrte, in Ecken zusammengepustet. Ein natürlicher Laubbläser, der einen Müllstrudel bewegt, der dem im Pazifik gleicht und einige interessante Details mit sich trägt. Der eine oder andere Schuh kann dabei sein und ist das da nicht die Ecke einer verhauenen Mathe-Hausaufgabe? Womit man sich halt an den lauen Sommerabenden hier so beworfen hat, während man gelangweilt am Platz rumlungerte, weil TikTok schon durchgeguckt war und man keine Lust hatte für Mathe zu lernen. Aber nun wird das Platzbild freigeblasen, so dass der EVB am Ende nur mit einer Schippe in einer Ecke den Dreck aufnehmen muss. Wir kümmern uns dann darum, dass wir Samstag 10:30 den Platz mit Menschen in bunten Trikots und bunten Schuhen dekorieren, die mit der Absicht dort einen Ball anzunehmen, abzugeben und manchmal sogar ins Tor zu dribbeln, den Platz einfach besser aussehen lassen. Deshalb platzieren wir sie am Ende sogar in einem Foto vom Platz, wodurch wir einige Schmuddel-Ecken subtil kaschieren können. Dafür wäre ein Regenloch am Samstagvormittag auf jeden Fall von Vorteil. Aktuelle Vorhersage: 10 Grad, stark bewölkt, mäßiger Wind aus Süd 25 km/h mit Böen bis 45 km/h. Klingt für mich eckzellent.
Fakultativer Schießbefehl
Glückwunsch. Sie wurden in unserem Losverfahren ausgewählt, um am Samstagmorgen der Kopfgrätsche zu dienen. Finden Sie sich Punkt 1030 nüchtern am Kreiswehrersatzamt Joachim Streich in Joggingbuxe ein. Es warten auf Sie einige Koordinationstests mit Ball. Falls dabei aus Versehen Drohnen getroffen werden, steht ihnen eine Karriere im abgehobenen Dienst bevor. Außerdem wollen wir ihr Gedächtnis testen. Dafür wird in unregelmäßigen Abständen ohne Vorwarnung während der Übungen nach dem aktuellen Spielstand gefragt. Oder nach der Uhrzeit. Oder beidem. Ihre Eignung fürs Gelände werden wir ebenfalls überprüfen, indem wir das Spielgerät aus heiterem Luftraum im Unterholz deponieren werden. Nach der Suchmission in der Tradition von Saving Private Ryan müssen sie ohne Kompass, GPS und Verpflegung zum Schießplatz zurückfinden. Der heißt allerdings nur so. Das Schießen ist hier absolut freiwillig. Pazifisten können natürlich auch einfach abspielen. Zur Vermeidung von Friendly Fire werden die Gegner farbig markiert. Darüberhinaus ist die Ausrüstung etwas dürftig. Bitte Socken und Unterwäsche selbst mitbringen. Falls sie an der Sinnhaftigkeit unseres Losverfahrens zweifeln, müssen wir ihnen mitteilen, dass wir ein absolut ausgeklügeltes System einsetzen. Niemand Geringeres als der überparteiliche Krake Paul dient zur Ermittlung geeigneter Rekruten. Mit ihm haben wir zwar am Ende nie gewonnen, aber wir sind doch meist weit gekommen. Und das hat dem General mit der Helmfrisur eine lange Laufbahn beschert. Was nach 2011 los war, als wir ohne Krakenorakel und Wehrpflicht angetreten sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Da sind unsere Aufzeichnungen etwas lückenhaft. Wahrscheinlich wurde ein sogenannter Digitalisierungsversuch unternommen. Deshalb antworten sie bitte nicht auf diese Mail. Der Server zerstört sich sonst von selbst. Danke für ihr Verständnis.
Äpseludly
Die Länderspielpause im Oktober also. Der traditionelle Teil des Jahres, in dem man sich Zeit nimmt das Laub zusammenzuharken und einen neuen Trainer zu suchen. Frei nach Rilke: wer jetzt unzufrieden mit seinem Übungsleiter ist, wird es vermutlich lange bleiben. Also lieber noch mal prüfen, ob man wirklich Nerven aus Stahl hat und noch bis zur Länderspielpause im November auf den ersten Saisonsieg warten kann. Und es sind ja ein paar urige Exemplare auf den Arbeitsmarkt, die nur darauf warten, dass man ihnen eine verunsicherte Mannschaft anvertraut und aus ihnen die Grundtugenden herausquält. So kann man beim Jobcenter u.a. die Akte von Markus Anfang wegheften und auch die Altenburger Skatlegende Uwe Rösler hat wieder einen Brötchengeber gefunden. 35 Jahre nach der Wiedervereinigung bringt er wieder Ostkolorit in den tiefen Westen. Damit das nicht allzu doll auffällt, hat er bei seiner Antrittsrede die versammelte Journaille in feinstem sänglisch unterhalten. Das sollte wahrscheinlich nach großer weiter Fußballwelt von Southampton oder Brentford klingen. Leider machte er den großen Fehler schon am Anfang als er sich nicht als „The Juwie“ vorstellte. Deshalb muss man mal gucken, ob das mit der neuen Personällidy am ersten Schultag noch was werden kann. Am Ende fällt denen in Bochum noch auf, dass „der Uwe“ vor ein paar Jahren noch Geisterspiele in Düsseldorf godschen musste. Aber ob man sich in der Landeshauptstadt daran noch erinnert? Man hat ja offensichtlich auch schon vergessen, was der eigene neue Trainer in der Zeit getrieben hat. Wenn man bei der Recherche von alten Facebook-Akten in der Meta-Unterlagenbehörde herausbekommt, dass sich der Düsseldorf-Coach regelmäßig beim Kölner Karneval rumgetrieben hat, dann kann ab dem 11.11. schon wieder Trainersuche in Düsseldorf angesagt sein. Zum Glück ist dann wieder eine passende Pause im Kalender. Mein Kalender sagt mir, dass Samstag 10:30 endlich wieder Zeit für Kopfgrätsche ist. In der Meta-Unterlagenbehörde wird dafür schon ein neue Akte angelegt.
Freedom of Belly
Die Badehose tropft noch auf der Leine und in den Straßencafés sitzen die Touristen beim Aperol Spritz – aber auch das hält den Herbst nicht auf. Er nimmt sich seinen Raum mit Handschuhtemperaturen am Morgen und zu wenig Licht am Abend. Noch kann man Samstag 10:30 die gebräunten Knie an die frische Luft halten, aber bald merken wir dass O bis O eine Faustregel ist, die auch für die lange Hosen ihre Berechtigung hat. Trikots mit langen Armen gab es eine zeitlang kaum. Stattdessen zogen besonders wetterfühlige Profis gern farbig passende Funktionskleidung drunter und vergruben zusätzlich ihre Finger darin. Die Langarmversion von Trikots kommt aber wieder, meistens wenn man ein sackiges Sondertrikot in Neonfarben neu auflegen möchte, in dem sogar Profis herrlich untrainiert wie ihre Fans am Bratwurststand aussehen. Den Extrastoff an den Armen lassen sich die Clubs natürlich gern mit einem 50prozentigen Aufpreis bezahlen. Aber es lassen sich auch andere modische Vorlieben bedienen, indem neue Trikots auf in einer sommergerechten Bauchfrei-Variante angeboten werden. Die Zielgruppe dafür dürfte nicht primär der Bratwurstfan sein, sondern eher der modisch avantgardistische aber ebenso frierende Influencer auf der Tribüne. Das weniger an Stoff lassen sich die Clubs zum Glück aber nicht extra bezahlen. Da kann man noch vom iPhone lernen, wo sowohl mehr aber auch weniger Material extra kosten. Die Contentkreation im Stadion könnte aber immerhin den Akku etwas fordern, so dass das Endgerät sich bestens als Taschenwärmer einsetzen lässt. Aber Vorsicht vor dem deutschen Herbst (klingt komisch für Leute, die sich nicht nur daran erinnern können, dass Gladbach 1977 Meister war) – wenn der Akku der kalifornische Geräte bei einstelligen Gradzahlen aussteigt, kann nur noch einen selbstlose Kuttenspende die Social-Media-Touristen wie die Everest-Besteiger in Flip Flops vor dem sicheren Kältetod retten. Aufnäher in mehreren Lagen sorgen für einen ungeahnten Thermoeffekt und der ehrabschneidene Inhalt hat das Potenzial, die Gemüter nachhaltig zu einem goldenen Indian-Altweibersommer zu erhitzen.
All right, we’ll call it a draw
Das schiedlich friedliche Unentschieden am Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) ist meistens das beste Ergebnis, damit niemand mit schlechter Laune nach Hause gehen muss. Wie die Quoten darauf sind, ist schwer zu sagen. Aber tippen echte Zocker auf Unentschieden? Ein 0:0 scheint am Spielanfang immer eine gute Idee zu sein. Bis das erste Tor fällt. Bei Juve gegen Dortmund am ersten Champions-League-Spieltag stand es zur Pause auch torlos. Was kann man dann erlösen, wenn man sagt: das geht noch 4:4 aus? Da müsste man mal bei einem Buchmacher mit jahrelanger Erfahrung nachfragen. Allzu viele Namen fallen mir da nicht ein, aber dass es früher einmal das Café King in Charlottenburg gab, ist ja Allgemeinbildung. Ante Šapina könnte also bestimmt weiterhelfen. BVB-Trainer Niko Kovač ist in Berlin Wedding geboren und könnte auf berlinerisch oder sogar kroatisch mal nachfragen. Beim Spiel in Turin traf Niko Kovač auch einen anderen alten kroatischen Freund wieder. Seit März diesen Jahres ist Igor Tudor, ehemaliger Verteidiger von Juve, dort als Trainer unterwegs. Mit seinem Namen müsste er natürlich eigentlich Trainer auf der Insel im Mutterland der Buchmacher sein. Mit Niko stand er über 30 mal für die Kockasti auf dem Platz. Das erste und das letzte gemeinsame Länderspiel endete jeweils unentschieden. Und an einem weiteren spektakulären Unentschieden vor 25 Jahren waren sie auch beteiligt, als am ersten Spieltag der Champions League 2000 der HSV auf Juventus traf. Beim wilden 4:4 im Hamburger Volkspark trafen Igor Tudor zum 0:1 und Niko Kovač zum 4:3. Am Ende gingen beide mit unentschiedener aber auch nicht mit schlechter Laune nach Hause. Ob Ante Šapina dieses Ergebnis erwartet hatte, wissen wir nicht. Was sollte er auch mit dem HSV zu schaffen haben?
Ich denke oft an Uruguay
Wie lange quatschen wir jetzt schon über diese WM nächstes Jahr? Naja, wahrscheinlich schon seit der vorletzten WM. Seit klar war: das mit Katar wird komisch, hat man doch schon mal überlegt, wann wieder ein unbedenkliches Turnier stattfindet. Dass es nur noch selten ein Land sein kann, sondern schon meist ein halber Kontinent – geschenkt. Günstige Flüge und das Internet können doch trotzdem dafür sorgen, dass es so kuschlig wird wie einst in Uruguay. Aber inzwischen soll rund ein Viertel aller Länder weltweit die Chance haben, zu Gast bei Freunden zu sein. Da reicht halt Uruguay flächenmäßig nicht mehr aus. Oder es bekommt noch ein Spiel und muss sich die WM mit Spanien, Portugal, Marokko, Paraguay und Argentinien teilen. Kann ja trotzdem schön werden. Liegen doch fast alle am Atlantik. Die Gastgeber nächstes Jahr eint sogar die Lage an zwei Ozeanen. Julian Nagelsmann hat immerhin schon ein Jahr Warten geschafft seit dem Aus bei der Heim-EM. Somit muss er nur noch ein Jahr Warten schaffen, bis er Weltmeister wird. Wenn seine Ansage vom letzten Sommer denn noch steht. Aktuell ist die Stimmung eher so durchschnittlich und kurz vor: da wollten wir eh nicht hin und diesmal boykottieren wir den Mist aber wirklich. Wer die Klub-WM sehen musste, könnte es verstehen. Die Stimmung in Amerika scheint auch wirklich nicht gut, wenn jeder Ball der vom Spielfeld fliegt schon für würdeloses Gezanke auf der Tribüne sorgt. Selbst solche Konflikte lassen sich in den USA offenbar nicht mehr ohne Social-Media-Mob und Nationalgarde lösen. Bei uns sitzt hoffentlich auch noch in fünf Jahren einfach die Abteilung Attacke ohne Internet im Doppelpass und regelt das. So muss sich Stammtisch anfühlen. Quasi der vorgezogene Fassanstich auf der Wiesn. Und da misst sich auch die ganze Welt in einem ehrlichen Wettbewerb. Dort prostet der Uru dem Kanadier freundlich zu und am Ende einigt man sich unter der Bierbank auf ein Unentschieden (siehe auch Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, wenn das golden Goal nicht fallen will…). Dafür qualifiziert sich bestimmt auch der Oberbayer Julian gerne und lallt danach: „Jetzt müssen wir wieder ein ganzes Jahr warten bis wir voll weltmeisterlich voll werden.“
Analyze This (Reine Nervensache)
Die Kinder sind noch nicht einmal eingeschult bzw. die bayrischen Kinder sind noch bei der Heuernte oder mit dem Almabtrieb beschäftigt, und trotzdem fühlt es sich schon wie Herbst an. Vielleicht liegt es auch nur daran, weil das Wetten auf die erste Trainerentlassung der Bundesliga just ein jähes Ende gefunden hat. Die Meisten waren noch dabei das Kicker-Sonderheft durchzulesen und sich Notizen fürs Managerspiel zu machen. Noch waren die Mannschaftsbilder wenig aussagekräftig und irgendwo sind ja die Transferfenster immer noch auf Kipp. Also kann man erst nach der Länderspielpause ein echtes Urteil über den Zustand der Liga fällen. Und bevor dieser Punkt erreicht werden konnte, hat es Einer tatsächlich geschafft seinen neuen Arbeitgeber so zu nerven, dass der gesagt hat: der soll mal lieber woanders nerven. Scheiß auf die fette Abfindung, die dem jetzt zusteht. Und ist auch egal, dass diese unlustigen Fußball-Bros im Internet sofort reflexhaft den Ordner mit den Peter-Neururer-Bildern öffnen. Zwei Spieltage sind genug Leid und das bei einem Verein, wo man ganz problemlos an Tabletten kommt. Dabei wäre Erik ten Hag Anfang des Jahres fast statt Niko Kovac bei Dortmund gelandet. Am Ende konnte man ihn optisch nicht von Matthias Sammer unterscheiden und wenn man nach zwei Spieltagen rausfliegt, könnte es sogar charakterliche Ähnlichkeiten geben. Wo der BVB mit ten Hag gelandet wäre, ist Spekulation, aber vielleicht hätte ihn die Auslosung zur Champions League letzte Woche nicht interessiert und eventuell wäre ihm auch egal gewesen, ob Matthias Sammer als Amazon Primat in zu großer Steppjacke und mit schwarzer Torsten-Sträter-Mütze die Leistung deutscher Teilnehmer kritisch einordnen muss. Aber auf all das können wir uns nun wieder im Herbst freuen. Aktuell sogar noch über ein paar güldene Kopfgrätsche-Termine am Mittwoch 18:00. Und natürlich Samstag um ten Hag, wie der Holländer sagt.

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