All right, we’ll call it a draw

Das schiedlich friedliche Unentschieden am Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) ist meistens das beste Ergebnis, damit niemand mit schlechter Laune nach Hause gehen muss. Wie die Quoten darauf sind, ist schwer zu sagen. Aber tippen echte Zocker auf Unentschieden? Ein 0:0 scheint am Spielanfang immer eine gute Idee zu sein. Bis das erste Tor fällt. Bei Juve gegen Dortmund am ersten Champions-League-Spieltag stand es zur Pause auch torlos. Was kann man dann erlösen, wenn man sagt: das geht noch 4:4 aus? Da müsste man mal bei einem Buchmacher mit jahrelanger Erfahrung nachfragen. Allzu viele Namen fallen mir da nicht ein, aber dass es früher einmal das Café King in Charlottenburg gab, ist ja Allgemeinbildung. Ante Šapina könnte also bestimmt weiterhelfen. BVB-Trainer Niko Kovač ist in Berlin Wedding geboren und könnte auf berlinerisch oder sogar kroatisch mal nachfragen. Beim Spiel in Turin traf Niko Kovač auch einen anderen alten kroatischen Freund wieder. Seit März diesen Jahres ist Igor Tudor, ehemaliger Verteidiger von Juve, dort als Trainer unterwegs. Mit seinem Namen müsste er natürlich eigentlich Trainer auf der Insel im Mutterland der Buchmacher sein. Mit Niko stand er über 30 mal für die Kockasti auf dem Platz. Das erste und das letzte gemeinsame Länderspiel endete jeweils unentschieden. Und an einem weiteren spektakulären Unentschieden vor 25 Jahren waren sie auch beteiligt, als am ersten Spieltag der Champions League 2000 der HSV auf Juventus traf. Beim wilden 4:4 im Hamburger Volkspark trafen Igor Tudor zum 0:1 und Niko Kovač zum 4:3. Am Ende gingen beide mit unentschiedener aber auch nicht mit schlechter Laune nach Hause. Ob Ante Šapina dieses Ergebnis erwartet hatte, wissen wir nicht. Was sollte er auch mit dem HSV zu schaffen haben?     

Code Pink oder Eine Frage der Schere

Vor dem eigenen Kopfgrätschen am Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wissen wir natürlich noch nicht, ob die deutsche Mannschaft es durch das Viertelfinale am Freitag und das mögliche Halbfinale am Dienstag geschafft hat und bereits Finalist ist. Was wir aber bereits wissen: wenn wir heute ausscheiden, ist Robert Andrich schuld. Er hat leider das unumstößliche Gesetz gebrochen, dass man sich während eines Turniers auf gar keinen Fall eine extravagante Frisur machen darf, wenn man im Turnier bleiben möchte. Andrichs Frise war vorher schon schlimm genug, nun hat er aber für alle mit einer unübersehbaren Neon-Kopfgrätsche in Team-Telekomfarbe sichtbar gemacht, dass er möglichst zeitnah nach Hause möchte, um nichts von der Tour de France zu verpassen. Die Turniergeschichten sind voll von ähnlichen Fällen. Erst am Dienstag hat Sabitzer mit seinen Cornrows den sicheren EM-Titel für Österreich weggeworfen, weil er unbedingt auf eine Casting-Einladung für Boyz n the Hood 3 hoffte. Rund um das Achtelfinalspiel gegen die Türkei gab es allerdings so viele andere Aufreger, so dass ihm immerhin niemand kulturelle Aneignung vorwerfen konnte. 2016 musste Ivan Perisic unbedingt im Achtelfinale gegen Portugal mit der kroatischen Flagge in der Frisur auflaufen. Kurz vor Ende der Verlängerung erlöste Quaresma Portugal und uns alle von diesem Coiffeur-Verbrechen. Vielleicht hatte Perisic uns nur sagen wollen, dass für ihn Fußball wie Schach auf einem rot-weißen Schachbrett nur ohne Würfel ist. Die Nationalfarben wollte auch Christian Ziege 2002 in seinem Irokesen durchs Turnier tragen. Zum Titel reichte das zurecht nicht. Zusammengefasst müssen wir sagen: wir haben nur noch eine Restchance, wenn sich Cucurella einen Edgar schneiden lässt oder Rodri uns mit der neuen Frisur von Fabian Hürzeler überrascht. Leider trägt Rodri eine Standardfrisur aus den Achtzigern, hat keine Tattoos, kein Social Media und liest sogar mal ein Buch. Er und Andrich treffen sich heute Abend im Mittelfeld. Wahrscheinlich wird er einfach nur enttäuscht seinen langweiligen Kopf schütteln und uns ohne Nachtisch in den Urlaub schicken.