Der Videoschiedsrichter hat grad die 8 Kerzen auf der Torte ausblasen können, aber geliebt wird dieses Kind immer noch nicht. Und wird es wahrscheinlich auch nie. Niemand mag Klugscheißer. Und schon gar nicht solche, die wirklich mit der Lupe nach Verfehlungen Anderer suchen. Gerade bei besonders spektakulären Jahrhunderttoren steht er wie das dicke, x-beinige Kind am Rand, das ganz zum Schluß maximal als Pfosten gewählt wurde, und sagt: „Ja, interessiert mich nicht, ob das ein unglaublicher Treffer war, der die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt hat. Drei Minuten davor gab es bei einem Zweikampf im Mittelfeld eine Berührung, die habt ihr armen Unwissenden nicht gesehen, die hat auch der Berührte nicht gespürt, aber der Kontakt war da und deshalb ist das niemals ein Tor.“ Den Kontakt hätte selbst Jodie Foster sehr aufwändig messen müssen, aber am Ende hatte auch sie recht und die Aliens waren echt. Davor hat ihr niemand geglaubt und die Menschheit wäre dumm und glücklich gestorben, ohne jeden Alienkontakt. Der Fortschritt möchte aber, dass wir irgendwann das Irdische verlassen können und uns ad Astra bewegen. Allein deshalb, weil wir auf der Erde irgendwann keine geeigneten Orte mehr finden, um Megaturniere durchzuführen, an denen zwei Drittel aller Länder weltweit teilnehmen können. Den Anforderungskatalog kann heute schon kaum jemand allein erfüllen. Und natürlich kann man auch NFL-Spiele in Berlin, La Liga-Spiele in den USA oder Kopfgrätsche-Partien (Samstag 10:30) im Wonnemar durchführen, aber irgendwann ist auch der Reiz verflogen und dann muss man außerhalb des Orbits denken. Deshalb brauchen wir den Videoschiedsrichter. Nur er vermag uns zum Träumen zu bringen. Da ist es doch auch mal egal, ob ein Mittelfeldduell am 11. Spieltag in einer durchschnittlichen Liga unter ihm leidet. Also falls ihr demnächst mal wieder 7 Minuten auf die Anerkennung eines Tores wartet, dann richtet den Blick in den Himmel und sehnt euch zu den Sternen.