Freedom of Belly

Die Badehose tropft noch auf der Leine und in den Straßencafés sitzen die Touristen beim Aperol Spritz – aber auch das hält den Herbst nicht auf. Er nimmt sich seinen Raum mit Handschuhtemperaturen am Morgen und zu wenig Licht am Abend. Noch kann man Samstag 10:30 die gebräunten Knie an die frische Luft halten, aber bald merken wir dass O bis O eine Faustregel ist, die auch für die lange Hosen ihre Berechtigung hat. Trikots mit langen Armen gab es eine zeitlang kaum. Stattdessen zogen besonders wetterfühlige Profis gern farbig passende Funktionskleidung drunter und vergruben zusätzlich ihre Finger darin. Die Langarmversion von Trikots kommt aber wieder, meistens wenn man ein sackiges Sondertrikot in Neonfarben neu auflegen möchte, in dem sogar Profis herrlich untrainiert wie ihre Fans am Bratwurststand aussehen. Den Extrastoff an den Armen lassen sich die Clubs natürlich gern mit einem 50prozentigen Aufpreis bezahlen. Aber es lassen sich auch andere modische Vorlieben bedienen, indem neue Trikots auf in einer sommergerechten Bauchfrei-Variante angeboten werden. Die Zielgruppe dafür dürfte nicht primär der Bratwurstfan sein, sondern eher der modisch avantgardistische aber ebenso frierende Influencer auf der Tribüne. Das weniger an Stoff lassen sich die Clubs zum Glück aber nicht extra bezahlen. Da kann man noch vom iPhone lernen, wo sowohl mehr aber auch weniger Material extra kosten. Die Contentkreation im Stadion könnte aber immerhin den Akku etwas fordern, so dass das Endgerät sich bestens als Taschenwärmer einsetzen lässt. Aber Vorsicht vor dem deutschen Herbst (klingt komisch für Leute, die sich nicht nur daran erinnern können, dass Gladbach 1977 Meister war) – wenn der Akku der kalifornische Geräte bei einstelligen Gradzahlen aussteigt, kann nur noch einen selbstlose Kuttenspende die Social-Media-Touristen wie die Everest-Besteiger in Flip Flops vor dem sicheren Kältetod retten. Aufnäher in mehreren Lagen sorgen für einen ungeahnten Thermoeffekt und der ehrabschneidene Inhalt hat das Potenzial, die Gemüter nachhaltig zu einem goldenen Indian-Altweibersommer zu erhitzen.