Strafräumkommando

Man hatte es natürlich schon komplett vergessen, warum man mal so etwas wie eine Winterpause eingeführt hatte. Viele dachten wahrscheinlich, das ist traditionell der Zeitraum, in dem Mannschaften wie der BVB, die die Hinrunde weit hinter den eigenen Ansprüchen beendet hatten, knallhart die Fehler analysieren, irgendeinen teuren Hoffnungsträger verpflichten, ein Trainingslager in Marbella oder Belek verbringen, in dem der Hoffnungsträger in lahmen Testspielen gleich mal verletzt ausgewechselt wird, um dann nach milden Wochen, in denen es hier wärmer als in Belek war, wieder motiviert eine Aufholjagd in der Rückrunde zu starten. Irgendwann kürzte der Fußballkalender sogar das Testbild im Winter bekannt als Hallenmasters weg und dann war die Winterpause nicht mehr länger als eine herkömmliche Länderspielpause und man hatte vergessen warum man sie sich ursprünglich mal gegönnt hatte. Wenn an diesem Wochenende tatsächlich Spielabsagen drohen, ist es für viele im Leben das erste mal, dass Fußball aufgrund eines jahreszeittypischen Wetters ausfallen könnte. Nur auf Schalke müssten sie sich entscheiden: Dach zu oder doch lieber Biathlon mit echtem Schnee? Ansonsten gibt es natürlich fast überall Rasenheizungen, die verhindern, dass wir schief freigekratzte Strafraumlinien, orangene Spielbälle und Torhüter mit Bommelmütze sehen werden. Das ist tatsächlich Folklore, die wir uns nur in historischen MAZen in der Sportschau anschauen können, bei denen man nicht genau weiß, ob der Schnee im Bild nicht doch nur die grobkörnige Auflösung ist. Also müssen die Außenreporter, die bei Extremwetter immer ihre Time to Shine haben, sich eher vor dem Stadion in eine Schneewehe stellen und dort die Verantwortlichen interviewen, die über eine mögliche Spielabsage aufgrund der Zufahrtswege entscheiden. Also kurz gesagt: wer es unfallfrei und pünktlich zum Spielbeginn (Samstag 10:30) bis zum Platz schafft, kann bestimmt auch spielen. Auf jeden Fall muss das lückenlos für die Nachwelt dokumentiert werden, damit man sich es in 15 Jahren in der eintägigen Winterpause ungläubig anschauen kann.