Wiedergänger mit 10.000 Schritten

Man könnte meinen, es würde ausreichen, dass sich jeder Einzelne am Jahresanfang selbstoptimiert und dann wird auch die Gemeinschaft davon profitieren. Bei Fußballclubs gilt das schon mal nicht. Ist ja schön, dass du ein paar Schritte Samstag 10:30 mehr machen möchtest, das zweite Stück Torte weglässt und nur noch nach dem Spiel rauchst, aber das wollen doch alle. Und wenn alle etwas wollen, wie groß ist dann am Ende der Vorteil für den Club in einem Wettbewerb? Wenn dann auf der persönlichen Bucketlist noch steht, dass der nächste Schritt nicht die 10.000 voll macht, sondern in die Premier League führt, merken die Clubs spätestens, dass sie sich auf dem Markt umschauen müssen, um zum Transferschluss nicht als der abgelegte Klotz am Bein der Selbstoptimierer da zu stehen. Da kann ein Bundesligaclub schon einmal ein Äquivalent zum Stück Schwarzwälderkirsch oder der Stange Marlboro Light sein. Wenn sich die Clubs am Anfang der Fresskette nicht vorgenommen haben, sich ins Mittelmaß zu sparen, werden auch ein paar Euro dabei in Umlauf kommen. Keine dreistelligen Millionensummen, aber so 80 Mios können doch ein okayer Betrag sein, mit dem der Geldadel den eigenen Kader vielleicht noch optimieren kann. Zwar liegen dadurch ein bis zwei Kaderleichen auf dem Abstellgleis, die auch mal an die 100 Millionen gekostet haben, aber wenn die nach zwei Jahren die Hoffnungen nicht erfüllt haben, brauchen die Untoten frisches Blut um jeden Preis. Im Kino gibt es gerade ein warnendes Beispiel für die gierigen nimmersatten Sauger. Wenn die Eintracht aus Frankfurt Manchester City mit Omar Marmoush in ihr Bett lockt und mit City so lange feilscht bis der erste Hahnenschrei das Ende des Transferfensters verkündet, liegt Pep mit seinem Scheichclub für den Rest der Saison faulig auf dem Nachtlager rum und muss ein ganzes halbes Jahr warten bis er wieder zubeißen darf. Und bis dahin könnten die anderen Vermögenden wieder eine Zahnlänge voraus sein. Also lieber generös etwas mehr bieten. Der Marmoush sieht ja jetzt auf den ersten Blick auch nicht wie eine Schrottimmobilie in Wisborg aus.        

Kugelbomben und Rohrkrepierer

Die guten Vorsätze sind noch frisch und nachdem das Dubaischokoladegießen an Silvester eindeutig einen Sack Schrauben materialisiert hat, ist doch klar, dass dieses Jahr aber nun mal wirklich mit Sport angefangen werden soll, oder? Die Gyms winken natürlich wenig subtil mit ihren Knaller-Angeboten zum Jahresanfang. Als ob sie unsere Kugelbombe über dem Gürtel schon von Weitem um die Ecke biegen sehen können. Die Vorhersage, dass darauf der verzweifelte Abschluss eines 48-Monatsabos folgt, ist ähnlich schwer zu treffen wie eine Meisterschaft für den FC Bayern. Schön, dass wir Menschen doch in einigen wenigen Dingen immer irgendwie berechenbar bleiben. Und in den ersten zwei Wochen des Jahres sind wir natürlich auch sehr überzeugt, dass unser neues Ich nur ein paar Trainingsminuten entfernt ist. Wie Touristen fluten wir die Studios und nerven die alteingesessenen Locals, die wortkarg und stoisch ihr Programm abspulen, das doch irritierend signifikant von dem abweicht, das uns der Instructor wie lernhungrigen Rekruten eingebläut hat. Die Eingeborenen wirken hier wie Berufssoldaten, die sich lieber nicht die Gesichter der Frischlinge merken, die sich da kriegstrunken freiwillig gemeldet haben. Gib ihnen besser noch keinen Namen. Der Verlust der letzten Mitstreiter an die Couch Ende Januar des letzten Jahres schmerzt noch zu sehr. Immerhin tut es dem Studiobesitzer nicht so weh, der seine Tränen weiterhin mit unseren Geldscheinen trocknen kann, vor allem wenn wir die Kündigungsfrist zweimal knapp verpassen. Aber die Postings mit den abgekämpften Gesichtern kann uns niemand nehmen. Und die beweisen schließlich, dass wir es wirklich ehrlich versucht haben, bevor wir Ozempic googeln. Den guten Vorsatz dieses Jahr endlich wieder regelmäßig Samstag 10:30 zu Kopfgrätschen, können wir natürlich nur von Herzen unterstützen. Das kostenlose Schnupper-Abo bietet jede Woche ein schlechtes Gewissen, das sich durch eine Spielankündigung in Prosa und Beweisfotos einstellt. Auf diesem sieht man Locals und Frischlinge gemeinsam und man kann es als Feldpostkarte zu Hause ausdrucken und als Beweis von der Front an all diejenigen schicken, die einen respektlos in die Wampe knuffen während sie fragen wann man zuletzt beim Sport war. Auf die Rückseite schreibt man dann so was wie: „Hier, sieht das nicht nach echtem Sport aus? Und jetzt lass mich meinen Dubaischokonikolaus fressen!“          

Tartan

It’s coming on Christmas
They’re cutting down trees
They’re putting up reindeer
And singing songs of joy and peace
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on

But it don’t snow here
It stays pretty green
I’m going to make a lot of money
Then I’m going to quit saturday ten thirty
I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on

I wish I had a tartan so long
I would teach my feet to fly
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on

I made my baby cry
She tried hard to help me
You know, she put me at ease
And she loved me so naughty
Made me weak in the knees
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on

I’m so hard to handle
I’m selfish and I’m sad
Now I’ve gone and lost the best ball
That I ever had
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on

I wish I had a tartan so long
I would teach my feet to fly
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on
I made my ball say goodbye

It’s coming on Christmas
They’re cutting down trees
They’re putting up reindeer
Singing songs of joy and peace
I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on

(frei nach „River“ von Joni Mitchell)

Saudi Arabi Money Andrich

Zum Glück singen sie nicht mehr. 2026 wäre das schon reichlich unmelodisch geworden. Far away in America, Canada and Mexico mi Amor – das muss man fast rappen, um radiotauglich davonzukommen. Vier Jahre später wird es noch wilder. Buenos Dias Argentina, Paraguay, Uruguay, Marokko, Portugal, olé España – das ist leider zu viel Text, den sich kein durchschnittlicher Nationalspieler normal merken kann. Da kann man nur begrüßen, dass die WM2034 nur in Saudi und Arabien stattfinden wird. Damit lässt sich arbeiten. Ist allerdings auch noch ’ne Ecke hin. In 10 Jahren kann viel passieren. Zum Glück gilt das Verbrenneraus erst ab 2035. Gianni Infantino sollte also keine schlaflosen Nächte aufgrund der Finanzierung des Turniers haben. Der DFB wird bis dahin auch seine Geldtöpfe angepasst und sich auf der Sponsorenseite zukunftssicher aufgestellt haben. Es kann nicht mehr lang dauern bis Musiala und Wirtz für virale Werbeclips im BYD sitzen. Natürlich machen sie für das brandneue Modell Reklame, das autonom durch die Luft fliegt. Sie könnten in zehn Jahren auf jeden Fall noch als alte Platzhirsche in der Nationalelf dabei sein. Viele andere sind bis dahin schon längst in Fußballrente. Moukoko inklusive. Die Musikeinlagen der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahrzehnten lebten natürlich immer davon, dass sich das Gastgeberland mit lustigen Kostümen kulturell aneignen ließ. Lothar und Litti in Poncho und Sombrero waren für sich schon ein unschlagbarer Hitgarant. Insofern könnte die kommenden WMs doch für ein Comeback der singenden Ballkünstler sorgen. Natürlich nicht mehr mit Michael Schanze und Franz Lambert, aber für ein paar launige TikToks im Scheichgewand wird es wohl reichen. Da unsere Jungs bis dahin bei Al-Nassr spielen, gilt es auch nicht als kulturelle Aneignung sondern als normale Klubuniform, wie sie einst Ali Daei oder Sadio Mané in Form der Lederhose bei den Bayern tragen mussten. Das Konzept Winter-WM ist für uns natürlich inzwischen ein alter bequemer Hut wie Kopfgrätsche Samstag 10:30, an den wir uns auch längst gewöhnt haben. Als anpassungsfähige Geschöpfe werden wir sie genauso wie die Sechsländer-WM gucken. „Yalla Vamos“ ist dann doch ganz catchy. Sogar für Fußballer.

Land der Trichter und Wanker

Ist eine Ablaufpyramide und ein Funnel eigentlich das Gleiche? Die ganzen Laptoptrainer mit Powerpoint-Abo wissen da bestimmt bescheid. Mit der Pyramide muss man allerdings aufpassen. Es ist wohl doch ein kleines Geheimnis, dass man eigentlich mit dem Fundament anfangen müsste. Vielleicht hätte man vorher mal Omar Marmoush fragen müssen, bevor man sich ein ägyptisches Kulturgut aneignet. Wer den Funnel erfunden hat, kann man nur raten. Am häufigsten sieht man den Trichter an den Stränden von Palma und in Wacken. Da würde ich mal anfangen im feinen Sand oder groben Schlamm zu graben. Die Verbreiter der falschen Pyramide stehen gerade ähnlich blöd da wie der Verbreiter der falschen Neun. Inzwischen hat der eine echte Neun, aber trotzdem eine Ergebniskrise, weil seine umgedrehte Neun also die Sechs verletzt ist. Schlimmer Verdacht: war die falsche Neun schon immer eine Sechs und irgendjemand hat nur die Taktiktafel verkehrt herum gehalten? Und dieser klassische Reim: willst du Verein xy oben sehen, musst du die Tabelle drehen – da steckt auch der nachvollziehbare Wunsch drin, dass man sich nicht seinem Schicksal ergibt und Mut schöpft, weil unten plötzlich sogar oben sein kann. Deshalb wechselt man doch in der Spielhälfte die Seiten. So wie in der ersten Hälfte kann es ja nicht weiterlaufen. Also ähnliche Gründe, die ein Wintertransferfenster rechtfertigen. In dem kommenden Transferperiode dürfen wir uns eine neue Regierung zusammenwählen. Auf dem Transfermarkt stehen auf den ersten Blick wieder die gleichen Player wie vor der Winterpause. Immerhin haben sie sich neu fotografieren lassen und bewerben sich für neue Positionen. Wir müssen jetzt entscheiden, ob wir glauben, dass ihr Talent bisher unter Wert eingesetzt wurde und nach einer Neuausrichtung endlich der Knoten platzt. Kein Wunder, dass im Wahlkampf gerne mit Fußballmetaphern herumgeworfen werden. Der Fußball ist also immer in der Lage viele unrealistische Hoffnungen zu schüren. Mit einem ähnlichen Mindset bremse ich auch Samstag 10:30 wieder am Bolzplatz. Vielleicht hätte die Pyramide besser ein Kreisdiagramm sein sollen.    

Heatmaps to the Stars

Wenn man auf den aktuellen Fußballstammtisch schon Glühwein und Kinderpunsch mit Schuss stellen muss, hilft es wenn man sich bei der üblichen Fachsimpelei ein paar warme Gedanken machen kann. Da kann man ruhig mal daran denken was im Moment die älteren Semester treiben, die es im Sommer und in vermeintlich weiser Voraussicht in wärmere Regionen verschlagen hat. Dafür mussten Hummels und Reus nur ein wenig gegen den Trainer im nasskalten Dortmund putschen, der am Ende sogar gegangen ist. Aber auch die beiden Alten aus der schwarzgelben Muppetshow standen mit einmal ohne Rentenvertrag am Flughafen und scannten die Anzeigetafel nach möglichen Nachspielzeiten in Regionen mit Palmen oder Feigenbäumen. Sogar Mallorca war kurzzeitig als Ziel im Gespräch. Da geht zwar alle halbe Stunde ein Flieger hin und der Strand ist beständig voll mit Fußballteams von der Kreisklasse bis zur Bundesliga, aber ob da tatsächlich Fußball gespielt wird, war nicht ganz klar. Am Ende sind es dann doch L.A. und Rom geworden und das klingt eigentlich ganz wohltuend für die Körperteile, auf man sonst großflächig Wärmepflaster kleben muss. In der MLS in Amerika drübbe klatscht man Marco Reus für seine wohldosierten Auftritte gerne warmen Applaus und vielleicht reicht das sogar, um endlich einen Meistertitel in den Lebenslauf zu schreiben. Am Ende der regulären Saison ließ sich Reus‘ Team zwar am letzten Spieltag mal wieder von Platz 1 verdrängen, aber dass der amerikanische Meister in Play-offs ausgespielt wird, kommt dem zweimaligen DFB-Pokalsieger sicher mehr entgegen. Für Hummels lief es in Rom hingegen bis jetzt überhaupt nicht. Kaum Einsatzzeit, Eigentor und gestern bei einem der seltenen Auftritte in der Euro League gleich in den ersten Minuten einen Elfmeter in Tottenham verschuldet. Aber am Ende war er doch der Sunnyboy, weil er den Ausgleich in letzter Minute schoss. „Can he do it on a cold, rainy night in Tottenham?“ Vermutlich sogar besser als in einer lauschigen Notte Magica in der ewigen Stadt. Der Antwort auf die Frage: „Can you do it on a cold, sunny Saturday morning 10:30 in Wismar?“ nähern wir uns morgen. Die Tights sind auf jeden Fall vorgewärmt.

Harrys HäXler

Am Ende war der Bundestrainer auch nur so kreativ wie irgendein durchschnittlicher Dude im Internet, der seit der EM kein Fußballspiel mehr gesehen hat. Fragt der Julian doch allen Ernstes nach dem Spiel den Schiedsrichter, ob er das Viertelfinalspiel gegen Spanien gesehen hat. Und meinte natürlich die Handspielsituation, die diesmal zum Elfmeter führte wie gegen Ungarn und damals nicht wie gegen Spanien. Plötzlich war das Netz wieder reflexartig voll mit Cucurella-Bildern. Wie eine Botarmee kamen die Schlandfans in der neunten Minute der Nachspielzeit fast alle auf die gleiche Idee, inklusive Bundestrainer. Dabei wurden in Zeiten von Erntedank natürlich Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn man schon Robin Koch mit Marc Cucurella vergleichen möchte, kann man ja gleich Robin Koch mit Harry Koch oder Harry Koch mit Cucurella vergleichen. Die Kombination aus Robin Koch und Marc Cucurella ergibt erschreckenderweise optisch eindeutig Robins Vater Harry Koch. Allerdings steht in dessen Wikipedia-Eintrag nichts über verursachte Elfmeter, sondern nur, dass der Deutsche Meister von 1998 selbst ein sehr sicherer Elfmeterschütze war. Heute ist er beruflich als Akten- und Datenvernichter in Rheinland-Pfalz und im Saarland mit Hochleistungsschreddern unterwegs. Um dem Datenmüll nach dem Spiel gegen Ungarn Herr zu werden, ist er also genau der richtige Mann. Statt alle Cucurella-Bilder zu schreddern, kann er sie natürlich auch mit einem Schnäuzer versehen. Das rote Trikot passt sowieso. Harry Koch hätte dennoch den Segen vieler, wenn X aus Versehen komplett in den Reißwolf gerät. Die meisten Fußballclubs haben die Plattform in den letzten Tagen eh bereits verlassen. Auch Kopfgrätsche bekommt die Samstag-10:30-Botschaft anderweitig unters Volk. Der FCK ist noch auf X und konnte Harry Koch dort immerhin vor einer Woche zum 55. Geburtstag gratulieren. Das war noch wichtig, aber nun kann das unkreative Drecksloch wirklich endgültig in Harrys HäXler.  

Vertrauensfrage wie diese

Vertraut ihr darauf, dass es auch am kommenden Samstag jemanden gibt, der 10:30 oder ein paar Minuten später am Bolzplatz auftaucht, die Fußballschuhe fest geschnürt hat und einen Ball dabei hat? Und dass nach und nach per Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Bus weitere Mitspieler eintrudeln, die in der Anzahl für zwei Teams ausreichen? Dass diese potentiellen Mitspieler, nach einem Moment des Aufwärmens und Ball-zur-Probe-nach-Schwerin-holzens, sich willfährig in mindestens zwei Teams einteilen lassen und dass tatsächlich am Spielfeldrand ein Sack mit grellen aber einigermaßen frischen gewaschenen Leibchen rumliegt, der es ermöglicht diese Teams voneinander zu unterscheiden? Vertraut ihr weiterhin darauf, dass einer eurer Mitspieler sich bereitwillig ins Tor stellt und nicht allzu doll schimpft, wenn wieder alle beim Angriff mit nach vorne gelaufen sind und leichtsinnig mit einer missglückten Rabona den Ball verlieren, so dass der Gegner schon durch einen schlampigen Pass eine tausendprozentige Chance geschenkt bekommt, um diese nur an den Pfosten zu setzen. Und vertraut ihr außerdem darauf, dass wenn euer Team plötzlich durch einen dummen Fehlpass eine Superchance im Angriff auslässt, dass man es gemeinsam 30 Sekunden später noch einmal versucht und sich nicht wundert, dass x-Goals in diesem Umfeld überhaupt nichts bedeuten? Und dass natürlich die gelernte Anfangszeit (10:30) nicht verhindert, dass gegen halb 12 weitere Spieler für ein drittes Team eintrudeln, die auf sofortigen Einsatz drängen und die Zeit so willkürlich stoppen, dass der letzte Angriff schon ungefähr 2 Minuten vor Ablauf der Zeit ausgerufen wird? Ihr solltet auch unbedingt darauf vertrauen, dass dennoch ungefähr um die gleiche Zeit sich das gemeinschaftliche Gefühl einstellt, dass irgendwann ausreichend gekopfgrätscht wurde und dass das kommende Tor, der perfekte Anlass ist, um alle abgekämpft aber noch einigermaßen zufrieden ins Wochenende zu schicken. Am Ende könnt ihr auch darauf vertrauen, dass am Ende bestimmt ein Beweisfoto gemacht wird, auf dem aber schon 2-3 Mitspieler fehlen, da das Mittagessen schon längst auf dem Tisch dampft. Falls ihr in allen Punkten das Vertrauen ausprechen könnt, ist auch diesen Samstag 10:30 Kopfgrätsche eure erste Wahl.

Donald am Schwenkgrill

Was kommt zuerst? Das Ende der Hinrunde oder Neuwahlen? Der Nikolaus war zwar noch nie der Osterhase, aber wenn wir den Nikolaus diesmal näher an Väterchen Frost ausspielen, sind die russischen Bots vielleicht noch in den Feiertagsferien zwischen Vodkafrühstück und Gänsebraten, während hierzulande schon der Wahlkampf läuft. Wer sonst noch läuft, muss mal schauen. Wahrscheinlich ist es zu kurzfristig, um für den Jahresanfang einen Marathon in Berlin zu organisieren. Ungünstig für Olaf Scholz, der das letzte mal einigermaßen beliebt war, als er nach einem Joggingfail mit Augenklappe unterwegs war. Nun müssen wir uns aber langsam mal einspielen für die WM2026, die ja bekanntlich in Nordamerika stattfinden wird, wo nun doch nicht Kamala Harris in einem Angela-Merkel-Gedächtnis-Hosenanzug auf der Tribüne in Philadelphia auf- und abhüpft, wenn die US-Boys ihr Summerfairytale schreiben. Stattdessen muss Donald versuchen so zu tun, als ob er etwas vom Fußball versteht. Wenn er noch einmal die große Schürze anzieht und am Schwenkgrill Stadionwürste für die Kameras mit Senf oder Hela-Gewürzketchup verziert, kann das gelingen. Zur Not können ihn seine Freunde from the new german Government unterstützen. Friedrich und Christian haben schließlich als BVB-Fans genau die passende Qualifikation, um mit den Brooklyn Borussen einen Fanschal zu tauschen und Donald in der Ehrenloge die letzten steilen Thesen aus dem Doppelpass ins Ohr zu flüstern. Das machen sie bestimmt gerne, wenn der POTUS dafür mit den Zöllen ein paar Kommastellen nach unten geht. So kann das transatlantische Bündnis doch funktionieren. In einem direkten Duell müssen wir auch nicht unbedingt schon auf das 4:0 zur Halbzeit gehen, um ihm die Laune zu verderben. Vielleicht lassen wir lieber Musiala und Wirtz zu Hause und treten stattdessen mit Kopfgrätschern (Samstag 10:30) an.    

Goldene Zeiten

Frage: wer hat an der Uhr gedreht? Antwort: alle, weil Winterzeit. Und damit auch Ballon d’Or Zeit. Gefühlt seit Jahrzehnten wurden weder Messi noch Ronaldo bei diesem Preis berücksichtigt. Viele mussten sich panisch erst einmal informieren, wer außerdem so Fußball auf dem Planeten spielt. Der ewige Kronprinz Neymar ist ja inzwischen auch nur noch eine abgehalfterte Kaderleiche in der Saudi Pro League. Dieser Norweger ballert weiterhin konstant alles zu Klump, aber der ist unfairerweise als Kind in den Zaubertrank gefallen und im richtigen Land geboren, aber für das falsche spielberechtigt, das nur im Biathlon Titel gewinnt. Deshalb wähnte sich Vinicius Jr. als Favorit, organisierte schon mal eine Megafete und kaufte all seinen Teamkollegen eine Rolex. Eine klassische Geste unter Profis, die auch schon Maradona gerne nutzte, um seinem Fußvolk zu danken. Er selbst trug selbstverständlich immer eine an jedem Handgelenk (mit Alarm auf Samstag 10:30) und sparte sich so sicher die Zeitumstellung, die eine solche Wertanlage nur unnötig abnutzt. Wahrscheinlich war das auch die Erklärung, die Kalle Rummenigge beim Zoll angab, als er mit zwei Luxus-Zeiteisen erwischt wurde. Nun da Rodri den goldenen Ballon gewonnen hat, sind vermutlich einige Protzwecker übrig. Was damit passiert, ist noch unklar. Hoffentlich hat Vini den Kassenbon aufgehoben. Gerüchteweise hat Rodri knapp gewonnen, weil er aktuell der größere Sportsmann ist, der für Fairplay steht und eher nicht der Rolex-Typ ist. Angeblich macht er sich sogar so wenig aus Status, dass er seinen Opel Corsa demnächst gegen einen VW-Elektroauto tauschen möchte. Viel wichtiger ist aber das Signal, dass das größere Vorbild bei einer Wahl verdient gewinnt gegen den Kandidaten, der regelmäßig seine Gegner verhöhnt und das Ergebnis nicht akzeptiert. Das macht doch etwas Hoffnung für die kommenden Tage. 

Heilige Gurkentruppe

So langsam kommt man in den Kopfgrätsche-nur-Samstags-10:30- und den neuen Champions-League-Modus rein. Natürlich weiß man noch immer nicht, was man wirklich erreichen muss, um in dem Wettbewerb weiter zu kommen. Und bei der Champions League ist das sogar noch ein größeres Rätsel, bei dem man nicht ahnt, ob in der nächsten Runde nicht einfach wie bei einem Escape Room die nächste Liga wartet nur mit 3 Mannschaften weniger. Auf Platz 11 oder 23 hat man sicher noch alle Chancen auf das Finale, das bestimmt irgendwann auch stattfindet. Das muss aber alles erst noch rausgefunden werden. Bis dahin kann man aber schon einmal festhalten, dass es nicht der Wettbewerb der Österreicher aus Salzburg, Graz und Leipzig ist, die aktuell am Ende rumdümpeln. An den nächsten Spieltagen warten vielleicht noch ein paar schlagbare Gegner oder man spielt weiter das Kanonenfutter, bei dem die Hochbegabten ihre Torrekorde einfahren können. Bei den Franzosen sieht es Dank der Bretonen aus Brest und der Sch’tis aus Lille erstaunlich rosig aus. So langsam fragt man sich, was da bei den Spielern vom Gemüsehändler aus Finistère so gespritzt wird. Natürlich nur in oder auf die Feldfrüchte. Aber in der Gegend von Asterix kann man schon mal genauer schauen, was die Druiden dort in den Zaubertrank mixen. Es scheint aus jeder Gurkentruppe mehr rauszuholen und ähnlich gut zu wirken wie das, was Bayer in Pillenform pressen muss. Mehrheitsaktionär und Klubpräsident Denis Le Saint muss allerdings nicht mehr selbst jedes Wochenende seinen Wochenmarktstand mit erdverklebten Möhren und Kartoffeln auf dem Marktplatz Saint-Louis von Brest aufbauen. Das Familienunternehmen „Le Saint Fruit et Légumes“, der Brüder Le Saint ist französischer Marktführer beim Vertrieb von Obst und Gemüse mit einem Jahresumsatz in Höhe von knapp 100 Millionen Euro. Einen Vinicius Jr. bekommt man dafür zwar nicht, aber der reist Ende Januar immerhin als Gast in die Bretange. Hoffen wir nur, dass er dort nicht von dem Gemüse nascht, sonst wird die Champions League danach extrem langweilig.  

Arise, Sir Thomas!

Kloppo Englandcoach und Tuchel Global Head of Global Zuckergetränke –  so rum wäre es doch von der Romantik her einigermaßen okay gewesen, oder? Hätte aber niemals funktioniert. Zwar wirkt auch Thomas Tuchel nicht gerade wie eine Schlaftablette, aber dass er am Ende glaubhaft das Kohlensäuregebräu mit Nutriscore P verkauft, wird wohl nie passieren. Insofern ist es wohl doch ganz passend, dass TT den Engländern jetzt die frittierten Snickers und die gebackenen Bohnen vom Toast streicht. Die englische Presse hat natürlich zu Recht Angst, dass er nicht patriotisch genug ist, um ein ordentliches englisches Frühstück mit null Nährwerten zu schätzen. Für uns am Samstagmorgen (10:30) sicher noch verdaubar. Aber der englischen Presse kann man es eh kaum recht machen, wenn da nicht einer mit Säufernase und einem auf dem Festland komplett unverständlichem Akzent an der Seitenlinie steht. In der Premier League sind englische Trainer aber auch nicht gerade üblich und seit der Gründung 1992 hat tatsächlich noch kein Team mit einem englischen Trainer diese Liga gewonnen. Sir Alex hat es natürlich sehr häufig geschafft, aber der ist nun einmal sehr eindeutig Schotte. Der letzte englische Meister mit einem englischen Trainer kam tatsächlich vor Gründung der Premier League aus Leeds. An Leeds United ist nun wiederum Red Bull beteiligt und für dessen Erfolg ist somit demnächst Jürgen Klopp verantwortlich. Der deutsche Trainer von Leeds Daniel Farke hat auch eine Dortmunder Vergangenheit und als Trainer der 2. Mannschaft unter Tuchel gearbeitet. Als Klopp auf die Insel kam war es eben eine Zeit lang absolut üblich allen Trainern mit Dortmund im Lebenslauf eine Profimannschaft zu geben. Und zwei davon haben sogar etwas gewonnen. Aber sind die Engländer 60 Jahre nach dem WM-Titel ’66 wirklich schon bereit für ein Sir-Thomas-Tuchel-Denkmal vor dem Wembley-Stadion?        

Wolle Dose saufen?

„Jürgen, was ist nur aus dir geworden?“ Eine häufiger gehörte Frage. Meistens wenn in der Halbzeitpause im Blauen Salon noch zu viel Bier im Glas ist. Ursprünglich aber genau gegenteilig gemeint, als Jürgen Klopp 2016 Werbung für alkoholfreies Warsteiner gemacht hat. Um welches Bier es damals ging, musste wirklich aufwändig recherchiert werden. Hätte durchaus auch Erdinger oder Carlsberg gewesen sein können. Nun ja, demnächst ist der Bierkonsum dem Jürgen bestimmt gänzlich untersagt. Ausschließlich Energydrinks aus Henkelpötten steht irgendwo im Kleingedruckten. Warsteiner alkoholfrei war natürlich schon damals hart an der Grenze des Erträglichen, aber nun ist die Frage „Jürgen, was ist nur aus dir geworden?“ aktueller denn je. Reicht denn Markenbotschafter für Mediamarkt/Saturn und Fischer Dübel nicht mehr aus? Ja okay, da gab’s früher schon den einen oder anderen Extra-Schein für Autos, Versicherungen, Rasierer und Wandfarbe. Aber abgesehen von den 20 Werbeverträgen war er doch immer einer von uns. Nun dreht er demnächst den Pöhlerkappenschirm nach hinten bevor er Basejumps aus dem All macht oder beim Red-Bull-Flugtag mit einer selbstgebauten Höllenmaschine antritt, um die halbjährige Arbeitslosigkeit angemessen auszugleichen. Das Programm macht er sicher nur solange bis ein entspannterer Job als Nationaltrainer von Österreich frei wird. Und in dieser Position wurde ja sogar Ralf Rangnick von einer nervigen Hassfigur zu einem allseits beliebten Kulttrainer. Es gibt also doch noch Hoffnung für Kloppos ramponiertes Image. Dann muss ich mich auch endlich nicht mehr schämen, wenn ich neuen internationalen Mitspielern Samstag 10:30 meinen schwer auszusprechenden Namen erkläre. „Jürgen like Jürgen Klo… äh like Jürgen Kohler… the famous Coach of the U17 of the Bonner SC…“. Aber nun ist mir plötzlich auch klar, dass der vorwurfsvolle pullundertragende Missionar aus dem Warsteiner-Spot niemals Tee in der Tasse hatte. Es war schon immer rote Brause.

Die Alten am Halten

42 Länderspiele hat Marc-André ter Stegen tatsächlich schon gemacht. Das ist doch ganz solide, oder? Irgendwie überraschend, da man ihn gefühlt nur auf der Bank bei der Nationalmannschaft kennt. Mit 42 Länderspielen liegt er auf Platz 8 bei den deutschen Torhütern und Bodo Illgner (54), Andy Köpke (59) und Jens Lehmann (61) sind zumindest in Schlagdistanz. Naja, und Jens Lehmann ist durch die Eskapaden der letzten Jahre sicher jemand, den man ganz gerne von Platz 5 verdrängen würde. Allerdings in Sachen Nationalmannschaftskarriere vielleicht doch ein Vorbild für Marc-André. Schließlich hat Crazy Jens auch erst in hohem Alter das Vertrauen des Nationaltrainers bekommen und ist mit 38 Jahren der bis jetzt älteste DFB-Torhüter gewesen. Da hat sogar Manuel Neuer früher abgedankt, obwohl der schon gefühlt Mitte 40 ist. Also in den sechs guten kommenden Jahren kann Marc-André doch noch einige Länderspiele sammeln. Torhüter bleiben aber meist nur im Fußballgedächtnis, wenn sie auch die Nr.1 bei großen Turnieren waren. Und da wird es langsam eng für Marc-André. Wenn man dann außerdem dauernd vom eigenen Körper sabotiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass bei der kommenden WM wieder ter Stegen zuschauen muss wie im Tor der zwei Jahre ältere Oliver Baumann (Länderspiele aktuell: 0) sein Glück kaum fassen kann und an seiner statt in die Fußstapfen Jens Lehmanns tritt. Bei Barca wird ter Stegen nun wohl erst einmal von Wojciech Szczęsny vertreten. Aber ob der polnische Rekordtorhüter wirklich nur als Vertretung kommt, muss man mal abwarten. Lewandowski findet seinen Landsmann schon einmal besser als ter Stegen. Ob Szczęsny ein leidenschaftlicher Skifahrer ist, ist nicht bekannt. Da möchte man nicht tauschen und freut sich, wenn man Samstag 10:30 auch als älterer Mitspieler jederzeit ins Tor gehen kann, wenn man mal ein Päuschen braucht. Und dort quasi einen Stammplatz erhält, den einem niemand streitig macht. Es sei denn es kommt ein noch müderer und noch älterer Mitspieler vorbei.

EuroPa aufs Maul

Die letzte Champions-League-Saison endete ja mit dem sehr häufigen Absingen der Europahymne. Also die mit der ersten Zeile „Erste Runde Krankenschein…“. Bevor der BVB nun also in den ersten Spieltag dieses aktuellen Wettbewerbs startete, wärmten die Social-Media-Kanäle des Clubs den alten Gassenhauer wieder auf. Ob die reformierte Königsklasse dazu einlädt dieses Liedgut wieder zu intonieren, muss sich zeigen. Es gibt schon einmal ein Auswärtsspiel mehr in der Vorrunde, für das der gemeine Lohnarbeitende also noch eine weitere halbgare Entschuldigung beim Arbeitgebenden einreichen muss. Für ein Spiel am Donnerstagabend könnte ja wenigstens die Einführung der 4-Tage-Woche im Betrieb gerade noch rechtzeitig kommen. Die Spieler, die sich dann aber wie dahergelaufenes Europa-League-Vieh fühlen, das am Freitagmorgen noch auf einem Provinzflughafen darauf wartet, dass das Nachtflugverbot abläuft, fangen schon an Streikschilder zu malen. Hochdekorierte Ballon-D’Or-Kandidaten holen die Trillerpfeifen raus und ziehen sich eine hässliche Mülltüte über den Oberkörper. Ach nein, das ist ja nur das diesjährige Wiesn-Trikot. Die Botschaft dürfte trotzdem klar sein. Der Donnerstag muss eine Ausnahme bleiben. Solange es allerdings noch Tageszeiten ohne Spitzenfußball gibt, kann es bei der UEFA keine Denkverbote geben. Samstag 10:30 scheint bis auf weiteres noch ein ungeliebter Slot für die Champions League zu sein. Was für ein Glück für uns. Aber Mittwochs 18:00 lässt es die UEFA jetzt extra früher dunkler werden, damit wir demnächst brav um diese Uhrzeit vor den Fernseher wandern. Oder noch die eine oder andere Überstunde erarbeiten, um die Serenaden von der Auswärtsfahrerromatik zu erweitern. Nächste Woche können wir aber getrost Mittwochs noch spielen, da sind nur die Europa-League-Reisenden aus der Holzklasse an der Reihe.   

Auf der Kniehöhe der Zeit

Fußballexperten hassen Ahnungslosigkeit. Dauernd werden sie von Leuten zu Dingen gefragt, die eigentlich nur sie wissen können. Na gut, in der Wahrnehmung der Experten ist das vielleicht so. Das Gegenüber versucht eigentlich nur die komische Stille in der Kaffeeküche zu überbrücken. Da fragt man halt mal naiv nach dem umstrittenen Handelfmeter vom Wochenende. Weil der nun mal knapp unter dem Boxkampf Halmich vs. Raab in den Trends war. Aber man kann ja nicht ahnen, dass daraus ein stundenlanger Vortrag über die Handspielregel bis zu den Anfängen des Rugbysports folgen wird. Hätte man doch lieber nicht gefragt. Fußballexperten können keine kurzen Antworten. Wenn sie zusammensitzen, reicht die Nachspielzeit gerade so, um alles überflüssige Nerdwissen von den Turnieren ’88 bis ’96 mit in die Gesamtbetrachtung von Rasenmähtechniken einzubringen. Deshalb ist es auch so gemein, wenn sich doch einmal Dinge ändern, die schwer zu verstehen sind. Es wird wohl dazu führen, dass an den ersten Champions-League-Spieltagen viele Experten in den Sportsbars rumsitzen und wortkarg grübeln, was es denn nun bedeutet, dass da gerade ein Tor in Brest gefallen ist. Auf die Fünfjahreswertung hat es bestimmt irgendeinen Einfluss. Das geht immer, wenn man sonst nichts kapiert hat. Oder man quatscht zur Ablenkung über die Nations League. Auch die ist gemeinhin ein Mysterium, aber das lag bisher vielleicht auch daran, weil Deutschland in dem Wettbewerb sich sowieso keine Mühe gegeben hat. Jetzt wo wir kurz vor dem Gewinn stehen, wird der Spielmodus bald von jedem Kaffeeküchengammler als Allgemeinbildung angesehen. So kann es also passieren, dass die einzigen, die schon wieder streberhaft die neue Champions League auswendig herbeten können, Bayernfans sind, weil sie auf ein Finale Dahoam spekulieren. Diese sollte man also unbedingt als Mitzuschauer meiden, wenn man nicht als der Ahnungsloseste in der Sportsbar enttarnt werden möchte. Dann doch lieber Brest gegen Graz als Einzelspiel. Oder Kopfgrätsche vs. Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00). Da gelten auch gefühlt seit 20 Jahren die gleichen Regeln. Auch wenn das mit der Kniehöhe ähnlich schwer zu verstehen scheint, wie die aktuelle Handspielregel. 

Mailand oder Madrid – Hauptsache Handgeld

Fast ohne Warnung
Irgendwie haben sie es geschafft
Das Ende des Transferfensters, das wir kannten
Ein kurzes Rauschen nur
Das ganze Geld der Scheichs verzockt
Erst fielen die Börsen und dann fielen die Staatsfonds

Dortmund hofft, dass es nicht stimmt
Mailand kämpft und London trinkt
Auch in Paris ist jemand reich
Der Deadlineday macht alle gleich
Transfermarkt hört einfach auf
Du weißt es und du siehst es auch
Dass Hamburg heute Nacht Angst hat
Vor den letzten Faxgeräten dieser Stadt

Es war wie ein Kartenhaus
Und Fabrizio fragte sich
Pletti, wie haben sie das bezahlt?
Und sie hören die Roma singen
Für unsere Fahnen spielt jetzt Mats
Für deine Fahne niemals mehr

Dortmund hofft, dass es nicht stimmt
Mailand kämpft und London trinkt
Auch in Paris ist jemand reich
Der Deadlineday macht alle gleich
Transfermarkt hört einfach auf
Du weißt es und du liebst es auch
Dass Hamburg heute Nacht Angst hat
Vor den letzten Faxgeräten dieser Stadt

Für alle, die für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 schon auf dem Spielberichtsbogen stehen, kann man nur hoffen, dass nicht noch ein spontanes Angebot aus Belgien oder Polen reinkommt. Dort schließt erst heute das Sommer-Transferfenster. Es ist aber in ziemlich vielen Ländern noch recht lange geöffnet. Also keine Eile. Oh wie schön, nach Panama kann man sogar noch in den nächsten 85 Tagen wechseln, kleiner Bär.

Wonderball (Remastered 7th Anniversary Edition + Bonus Tracks)

Hello, Hello, it’s good to be back, it’s good to be back. Listen up (again) please. Er wird wieder reichlich voll genommen, der Big Mouth. Oasis-Fans wittern tatsächlich dank des überraschenden Masterplans aus dem Hause Gallagher Morning Glory. I hope, I think, I know, dass der Kartenvorverkauf am Samstagmorgen nicht potentielle Mitspieler bis weit nach 10:30 outta Time in der Warteschlange versauern lässt. Neben starken Nerven könnten Cigarettes and Alcohol helfen. Some might say: diese sind nicht förderlich für die Form. Ein überstürzter Step out aus der Warteschlange bedeutet aber, dass es weder per Supersonic all around the World nach Manchester oder Dublin geht. Going nowhere oder zum Kopfgrätschen, quasi ein Be here now oder Stand by me, ist dann der logisch vorgezeichnete Weg. All my people right here right now, they know what I mean. Neben den unanständig teuren Konzerttickets zu Mondpreisen Up in the Sky erspart man immerhin dem eigenen Girokonto ein Falling down. Leider aber auch ein Roll with it ohne Ball in Wembley. Mit Spielzeit am Samstag und Mittwoch (18:00) aber ohne Oasis-Karte bleibt am Ende hoffentlich kein Look back in Anger. Stop crying your heart out. Whatever, wer tatsächlich beides schafft, hat after all doch noch kunstvoll über die Wonderwall geschlenzt. Der aktuelle Trainer von Aarhus GF, seines Zeichens auch eine Legende des Fußballs in Manchester und Sachsen, wird aber nun zurecht kritisch fragen: hat denn Noel seit der für vor sieben Jahren unmöglich gehaltenen Reunion schon einen Song für Liam geschrieben? Well…

Die Reklamierkralle schlägt wieder zu

Warum gibt es noch mal die Bundesliga? Fragt man sich bestimmt gerade in Asien. Schließlich wollen die grauen Herren aus Alemannia, dass man fleißig einschaltet und dabei auch noch was löhnt. Nun, die Bundesliga hat fast exklusiv Altstars wie Thomas Müller oder die Reklamierkralle Manuel Neuer, die man von dem Kaliber sonst nur in Saudi-Arabien spielen sieht. Natürlich treten die auch noch in der Champions League auf, aber in der Nations League machen sie sich rar. Was noch? Fantastische und kreative Fans! Wo sonst werden auch mal Tennisbälle und Kamelle geworfen, um Botschaften zu unterstützen? Und die Reime auf den Bannern sind fett. Momentan nur in komischem Deutsch, dass man schon nicht mehr versteht, wenn man aus dem benachbarten Landkreis kommt. Aber demnächst übersetzt das die KI simultan live in alle Dialekte. Auch für Leute, die nur Hochdeutsch verstehen. Dann kann man in der Bundesliga eine überaus spannende Anwendung des VAR beobachten, die so mysteriös und unlogisch erscheint, dass man auf jeden Fall Montags auf der Arbeit immer noch höchsten Diskussionsbedarf hat. Ob es in Asien bisher entsprechende Kaffeepausen gibt, in denen man aufgeregt den Bundesligaspieltag auswertet, muss noch einmal mit der Marktforschung herausgefunden werden. Aber zur Not müssen halt wie überall die Social-Media-Kanäle vollgepöbelt werden. Die Wut bei TikTok rauszutanzen sollte inzwischen etablierter Standard sein. Da ist schließlich auch der Müllerthomas und kann seine krummsten Tore noch einmal zu Pferde nachstellen. Welche Liga bietet das sonst? Eben. Auch wir müssen neidlos anerkennen, dass wir da nicht mithalten können und deshalb auch in dieser Saison die Nebenzeiten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 besetzen, um nicht mit der Bundesliga konkurrieren zu müssen. Das kann sich eigentlich weltweit nur eine Liga erlauben und das ist bekanntlich die Zweite Bundesliga. 

Pokal, i hol di mit mei’m Traktor ab

Ist das Finale noch in Berlin? Nee, ich frag ja nur. Ist zwar noch eine Weile hin und es ist auch schwer abschätzbar welche zwei von den 64 Mannschaften am Ende im Endspiel antreten dürfen. Jetzt muss erst einmal die erste Runde gespielt werden. Aber dass man in dieser Phase des Wettbewerbs endlich mal neue alte Sportplätze und verrottete Kampfbahnen kennenlernen kann, ist ziemlich unwahrscheinlich. Inzwischen bleiben die qualifizierten Amateure selten auf ihren Dörfern. Natürlich könnte man den Gegner mit schimmeligen Kabinen und Duschen ohne Warmwasser schocken. Und wahrscheinlich wären die Profis schon anständig vor dem Spiel zermürbt, wenn sie mit ihrem Luxusreisebus dreimal beim Wenden in Misthaufen stecken geblieben sind. Einfach mal das Schild von der Sackgasse abmontieren und schon ist die Erstrundensensation kein Traum mehr. In Wismar schaffen wir uns durch das Schwedenfest ähnliche Bedingungen. Also Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 lieber rechtzeitig losfahren. Aber wenn man im DFB-Pokal dann doch als Underdog unterliegt, hat man nichts an diesem Highlightspiel verdient. Deshalb schaut man beim Frühschoppen im Dorfkrug lieber noch einmal in den Diercke-Weltatlas und sucht eine eingezeichnete Siedlung in der Nähe, die bereits an das Straßennetz angeschlossen wurde und über eine Sportstätte am Zubringer verfügt, in die wenigstens ein paar tausend zahlende Gästefans passen. Wenn die da was kaputt machen, ist es auch nicht ganz so schlimm. Das eigene Dorf wird dann wenigstens nicht durch Wildpinkler und eine Stickerflut am Maibaum entweiht. Selbst muss man sich dann leider auch mit dem Fuhrwerk oder Trecker auf den Weg machen zum Marktflecken, wo komische Leute wohnen, die ihren Müll trennen und Hunde in Handtaschen tragen. In dieser Ausweichspielstätte wird man sich also nicht ganz so zuhause fühlen. Aber so hat man wenigstens schon einmal ausprobiert wie es ungefähr wäre, wenn man es wirklich bis nach Berlin schaffen würde. Das ist dann zwar noch ein paar Nummern größer, aber eine Pferdetränke und ’nen Treckerparkplatz ham die auch nich. Hauptsache man ist Abends wieder zurück am Stammtisch im Dorfkrug und hattn büschen watt zum vertellen. 

PS: Die lahme Auslosung hat in diesem Jahr tatsächlich dafür gesorgt, dass sogar die Oberligisten aus Koblenz (Gegner: Wolfsburg) und Hildesheim (Gegner: Elversberg) lieber im eigenen Stadion bleiben. Da muss schon der Umzug von Phönix Lübeck ins Hamburger Volksparkstadion als Beweis für die hier angebrachten Thesen herhalten…