1900 muss einiges los gewesen sein. So ein neues Jahrhundert motiviert wahrscheinlich noch mal ganz anders, wenn man Silvester mit der Sektflöte auf dem Balkon steht und nach guten Vorsätzen sucht. Und da es damals noch keine Abos für Fitnessstudios gab, hat man dann halt mal fix einen Verein oder Verband gegründet. Zwischen der Gründung des DFB und des FC Bayern liegen im Jahr 1900 dann auch nur vier Wochen. Und wo macht man so eine Gründung? Man braucht ein wenig Platz und der eine oder andere bekommt beim Verfassen der Satzung vielleicht auch Durst. Der DFB wurde deshalb im Restaurant „Zum Mariengarten“ in Leipzig gegründet. Der FC Bayern im Café Gisela in der Fürstenstraße. Wenn man heute nach dem Café Gisela sucht, findet man allerdings nur einen seelenlosen Imbiss in Fröttmaning in einer Multifunktionsarena am Autobahnkreuz München-Nord. Am Gründungsort des DFB in der Büttnerstraße 10 findet man heute einen Friseur und eine Thai-Massage. Etwas Warmes zu Essen oder eine Büchse Energy-Brause gibt es hier wohl nicht mehr. Sogar der Hundesalon The Doggy Style nebenan hat vorübergehend geschlossen. Schräg gegenüber kann man immerhin eine MPU Begutachtung bekommen, aber besonders schräg ist, dass die Wäscherei Schmidt nur ein paar Nummern weiter im Web unter „Textilpflegeatelier Müller“ zu finden ist. Welches Easteregg hat der DFB hier mit seinem Jubiläumstrikotspot versteckt? In der näheren Nachbarschaft gibt es inzwischen fünf Fitnessstudios. Bei PoleFitness in der Salomonstraße lernt man an einer Stange zu turnen, was durchaus für Torwarte eine interessante und innovative Trainingsform sein könnte. Auch Kopfgrätscher könnten hier vor ihrem Einsatz Samstag 10:30 sich kopfüber an der Pole vorbereiten bevor sie ohne Stange frei über den Platz grätschen. Der Kopfgrätsche-Gründungsort ist verrückterweise schließlich immer noch der Spielort. Und wenn die Historiker in hundert Jahren bei GoogleMaps zwischen Drewespark und Wonnemar nach unseren zerfurchten Schädeln buddeln, tragen sie dabei hoffentlich das limitierte Kopfgrätsche-Anniversary-Trikot für die Ewigkeit aus der Seifenblase.
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Das Runde muss ins Ovale
Ins Weiße Haus kommen wohl nicht nur Bettler und Hausierer, die frech rüstigen Rentnern Sicherheitsgarantien aus dem Sparstrumpf quatschen wollen. Nein, auch ganze Drückerkolonnen im Anzug werden bereitwillig und naiv hereingebeten. Und schon hat Opa etwas unterschrieben, was er vorher nicht genau durchgelesen hat. Einerseits, weil es bestimmt auch ein länger Text in 7 Punkt Schriftgröße war. Andererseits, weil Opa zu eitel war die Brille aufzusetzen. Der nette Mann von der FIFA hat aber einen ganz seriösen Eindruck gemacht und hat von drei Superbowls am Tag bei der WM 2026 geredet. Da kann man ihm schon mal nachsehen, dass der Ball immer noch viel zu rund ist und in jeder Halftime nicht mindestens drei Teslas beim Superschuss verlost werden. Aber das kann man bestimmt später noch rausverhandeln. Zwar gibt es Gerüchte, dass der „King of Soccer“ gar kein echter Adliger sei, aber das sind die nigerianischen Prinzen ja auch selten. Was soll also schon schief gehen? Die „White House Task Force“ wurde jedenfalls schneller gegründet als wir Samstag 10:30 Kopfgrätsche-Teams bilden können. In der ersten Amtszeit hatte Opa Donald diesen World Cup teuer eingekauft, aber es hatte ihm wohl keiner gesagt, dass die Lieferung ein paar Jahre dauert. Nun, dank seiner zweiten Amtszeit kann er sich das Spektakel doch noch live angucken. Vladimir hatte das schließlich 2018 auch geschafft. Nun also bringt er das Megaevent zum ersten mal in diesen Teil der Welt. Seine Lieblingsband die Village People hätten ihm eigentlich persönlich sagen müssen, dass sie schon einmal 1994 mit ein paar hüftsteifen Deutschen für ein Soccer-Turnier in Baseballstadien gesungen haben. Aber bei denen hat sich die Besetzung seitdem leider auch schon vier mal geändert. Egal, 2026 wird huge. Aktuell denken die Mexikaner und Kanadier noch, dass sie auch dieses Turnier ausrichten. Aber Grenzen sind keine kalibrierten Linien und können jederzeit vom VAR neu festgelegt werden. Als besonderen Wettbewerbsanreiz wird der POTUS persönlich im White House Keller bei langweiligen Ballschiebereien einfach neue Strafzölle beschließen, die der Schiedsrichter über das Stadionmikrofon verkünden muss. Mann kann nur hoffen, dass dieser nette Schweizer Superbowl auch richtig verstanden hat und nicht mit „Millions of People“ und drei superben Eulen anrückt.
Brainrot wegen Meckerns
Hiermit möchten wir noch einmal klarstellen, dass German Brainrot nicht das Ergebnis von zu viel Kopfgrätschen ist. Man kann ja auch nicht vom Küssen schwanger werden. Nun gut, man könnte denken, dass der Kopf in einem Sport, der „Fuß“ im Namen trägt, eher ungeeignet ist, um ihn häufiger gegen Bälle und Waden zu kloppen. Das mag sein, aber das passiert seltener als man erwarten könnte. Das mit dem Kopfgrätschen ist eher eine Ausnahme oder eine Kuriosität, die sich aufgrund technischer Limitierung und fehlender Kontrolle über die eigenen Körperteile einstellt. Geplant ist sie selten. Natürlich könnten wir jetzt eventuell profitieren, wenn wir auch in kurzen Social-Media-Clips einen Kopfgrätscher statt eines Fisches in der Luft vertikal rotieren lassen. Müssen wir vielleicht sogar mal ausprobieren. Bei Asterix war das ja auch ganz lustig. Den Effekt würde man sicher Samstag 10:30 auf dem Platz messen können. Wenn dann plötzlich ganz viele neue Mitspieler mit einem TikTok-Account über den Platz rotieren, kann man sicher am Freitagmorgen ein paar Haupt- und Nebensätze einsparen. Über die Qualität des Spielermaterials müsste man aber noch einmal kritisch drüber gucken. Die TikTok-Pausen wären bestimmt länger und häufiger als die Trink- und Zigarettenpausen. Das Mitzählen der erzielten Tore wäre wie bisher komplett subjektiv und willkürlich. Da würde sich nicht viel ändern. Das mit der Kniehöhe beim Einschießen kann sich sowieso seit Jahren niemand merken. Ja nö, eigentlich sind wir wohl bereit für Idiocracy x Kopfgrätsche. Das Problem ist nur, dass wir gerade über einen Trend nachdenken, der morgen bei Spielbeginn schon wieder komplett out sein könnte. Aber wenn es uns gelingt in Zukunft weniger nachzudenken, sind wir bestimmt auf dem richtigen Weg.
Gute Freunde der Sonne aus dem Arsch
Was schenkt man jemandem, der schon alles hat? Schwierig. 125 Jahre wird der FC Bayern und macht immer noch keine Anstalten sich mal ein wenig im Schaukelstuhl zurückzulehnen. Wie so ein Berufsjugendlicher, der immer noch die Jungen auf dem Skateboard überholt oder alle anderen Verkehrsteilnehmer mit dem Liegefahrrad wegklingelt und dabei mit Pokerface und ohne Schweiß auf der Stirn hinter der Spiegelsonnenbrille feist grinst. Nur der Uli, da auf dem Tandem mit dem Karlheinz scheint ein wenig rot im Gesicht. Aber eigentlich nur aus purer Identifikation mit der Vereinsfarbe. Bei 125 Jahren wäre es doch wirklich okay, wenn man langsam mal auf beige oder andere Erdtöne umsteigen würde. In der letzten Saison schien man nach 11 Meisterschaften am Stück auch etwas altersmilde, aber kaum geht es auf das Jubiläum zu, wird schon wieder ein Hangar für die zu erwartenden Geschenke freigeräumt. Die Gratulanten stellen sich brav in eine Reihe und warten bis der rüstige Jubilar unter endlosen Huldigungen bis zum Titel dahoam durchgewackelt ist. Bis dahin gibt’s noch ein paar Rückblicke auf ganz viele Legenden und unzählbare Triumphe. Die wenigen Irrtümer, die das Feierbiest im Jubiläumstrikot menschlich erscheinen lassen könnten, muss man dezent auch einstreuen. Aber natürlich nur als erzählerische Rampe für noch größere Triumphe. Vor 125 Jahren sahen die aktuellen Spieler auch nicht anders aus wie ein paar Kopfgrätscher am Samstagmorgen 10:30. Sie mussten auch nicht schneller laufen als diese, was aufgrund der schweren Lederstiefel und des Schweineblasenklumpens, der noch von Mund aufgeblasen werden musste, auch nicht möglich war. Also besser wir machen von uns noch ein paar ikonische Bilder. Wer weiß, ob die nicht noch beim 125jährigen Kopfgrätsche-Jubiläum gebraucht werden. Unser Sondertrikot solltet ihr jetzt schon mal sicherheitshalber vorbestellen.
King of Kotelett as fuck
Was war noch mal so vor zwölf Jahren los? Na klar, da fällt euch bestimmt ein, dass es ein deutsches Finale in der Champions League gab, an dem u.a. ein gewisser BVB teilnahm, der zweimal in Folge Meister geworden war. An den Trainer bei den Schwarzgelben denken die meisten Fans nur noch mit apathischem Wippen zurück, während ihre toten eingefallenen Augen ins Leere starren. Dass der Pöhler-Vulkan von einst inzwischen als schäbiger Dosenverkäufer geendet ist, während man ihn dringend als Erlöser bräuchte, ist doppelt tragisch. Aber vor zwölf Jahren trug sich noch weiteres nahezu Unglaubliches zu. Es gab tatsächlich eine Spielankündigung mit dem Titel „Ball-o-mat für Abschlussschwache“, weil natürlich eine Bundestagswahl stattfand. Diese hatte eine dritte Amtszeit von Angela Merkel als Bundeskanzlerin zum Ergebnis. Der Herausforderer der SPD Peer Steinbrück musste mit seinen lumpigen 25,7% als Juniorpartner in eine große Koalition eintreten. Einen Kabinettsposten nahm er aber nicht ein. Da musste der unverbrauchte Niedersachse Siggi Gabriel ran. Die Opposition bestand aus Grünen und Linken, während die FDP und die im Februar 2013 neugegründete AfD den Einzug in den Bundestag knapp verpassten. Das Fernsehduell der beiden Spitzenkandidaten richteten ARD, ZDF, RTL und ProSieben gemeinsam aus. Die Spitzenkraft, die ProSieben dafür entsandte, war ein gewisser Stefan Raab, was natürlich der einzige Aufreger des gesamten Wahlkampfs war. Aber am Ende waren sich die Meisten einig, dass die freche Ulknudel eine Bereicherung für die Runde war. Er nagelte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für seine Haltung, nur bei einem Wahlsieg der Bundesregierung anzugehören, mit folgenden Worten an die Wand: „Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich ‚King of Kotelett‘ bin. Oliver Kahn ist auch als Nummer 2 zur WM gefahren. Warum? Weil es der Sache dient! Und das nötigt den Leuten Respekt ab. Überlegen se sich das noch mal, dann kriegen sie mich vielleicht auch noch.“ Wer mit diesen flammenden Worten nicht on Fire as fuck für Samstag 10:30 ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Modern Football Love
I know when to go out (saturday 10:30)
Know when to stay in (never)
Get things done
I catch a paper boy, but things don’t really change
I’m standing in the wind, but I never grätsch bye-bye
But I try, I try
There’s no sign of talent, it’s just the power to charm
I’m lying in the snow, but I never grätsch bye-bye
But I try, I try
Never gonna fall for (Modern football)
Walks beside me (Modern football)
Walks on by (Modern football)
Gets me to the pitch on time (Pitch on time)
Terrifies me (Pitch on time)
Makes me party (Pitch on time)
Puts my trust in Club WM (Club WM)
No confession (Club WM)
No religion (Club WM)
Don’t believe in Modern Football Love
It’s not really work, it’s just the power to charm
I’m still standing in the wind, but I never grätsch bye bye
But I try, I try
Never gonna fall for (Modern football)
Walks beside me (Modern football)
Walks on by (Modern football)
Gets me to the pitch on time (Pitch on time)
Terrifies me (Pitch on time)
Makes me party (Pitch on time)
Puts my trust in Club WM (Club WM)
No confession (Club WM)
No religion (Club WM)
Don’t believe in Modern Football Love
PS: Roter Teppich für ein kleines Nerdderby – wer findet die meisten Graugä… äh… Sci-Fi-Filme in diesem Motivationsfilmchen?
Phonediggidagga
Da hatte man nach all den Jahren gedacht, dass Lothar Matthäus fast rehabilitiert ist und dann guckt man sich die Transfers am Deadline Day an und muss feststellen: Pustekuchen. Für die Bundesligamanager soll der Lothar wohl noch etwas länger der Loddar bleiben, der in seinem Frrrängisch alle Namen ungooglebar ausspricht. Schugwugega, Nedegovidsch, Badschuei – der Kreuzbandriss damals in den Neunzigern war nichts gegen das, was Loddars Zunge aktuell erleiden muss. Immerhin muss er sie nicht mehr in sein Dagebuch schreiben. Ohne die FC Hollywood Doku hätten das alle schon längst vergessen und der Ehrenspielführer wäre in verklärter Rückschau endlich der allseits geschätzte Weltfußballer und Weltmeisterkapitän, der als TV-Experte schlaue Analysen liefert und sogar von jungen Spielern respektvoll gesiezt wird. Die Erinnerung malt normalerweise mit goldenem Pinsel, wenn es da nicht noch diese Homestories für die Bunte aus den Neunzigern gäbe, die soviel alte BRD atmen, dass man denkt, man würde gerade die Schwarzwaldklinik sehen, inklusive der pikanten amourösen Verwicklungen von Udo Brinkmann. Mit dem zusammengeknoteten Pulli über der Schulter und der Föhnfrisur im Cabrio auf dem Weg zum Golfen mit den Freunden von der Bild. Was man halt sich so damals gegönnt hat als neureicher Profi, der sich als gelernter Raumausstatter aus einfachen Verhältnissen und einfachen Hauptsätzen nach oben gearbeitet hat. Aber gut, auf die heutigen Jungprofis guckt man natürlich mit ähnlich schüttelndem Kopf. Mit der Streetwear-Haute-Couture in den Knien und dem Edgar-Haarschnitt im AMG auf dem Weg zum Let’s Play mit den Streamern. Jede Zeit hat ihre Pest. Und wer weiß, wer von denen in 30 Jahren in der Halbzeitpause die Highlights des Dobbspiels der Subberlieg verbal analysieren muss und damit kämpft die Namen unfallfrei auszusprechen. Und da irgendwie alles immer wiederkommt, wie Kopfgrätsche am Samstag 10:30, verzweifelt wahrscheinlich ein Finn oder Joshua dann an der Aussprache von klassischen völkischen Namen wie Friedhelm, Eberhard oder Fürchtegott.
Eau de Stallgeruch
„Die Schlaumeier wollten uns Tuchel einreden“ blaffte 2018 Uli Hoeneß in die Mikrofone. Niko Kovač war gerade erst ein paar Wochen in München, aber der Bayernboss war sehr zufrieden mit dem neuen Trainer und ließ das die Journalie in seiner gewohnte herzlichen Art wissen. Nein, er war nicht nur zufrieden mit der B-Lösung, er war „der glücklichste Mensch der Welt“. Die Wochen vor der Verpflichtung waren turbulent. Der neue Trainer hatte auf der Bank von Eintracht Frankfurt im Pokalfinale kurz vor seiner Verpflichtung in München dafür gesorgt, dass die Bayern lediglich die Meisterschale in die Vitrine stellen durften. Jupp Heynckes hatte ein letztes mal versucht den Club vor einer Saison ohne Triple zu retten, nachdem ein unerfahrener Azubi namens Carlo Ancelotti mit Augenbrauenlupfen die Bayern nicht zum Rennen bewegen konnte. Immerhin konnte Don Jupp locker die Meisterschaft vor dem ärgsten Verfolger Schalke 04 eintüten. Dann war aber endgültig Rente mit Cando angesagt und Uli musste einen neuen Trainer suchen. Der Favorit war schnell klar. Aber der Wunschkandidat Thomas Tuchel wagte es tatsächlich den Bayern abzusagen. Stattdessen folgte er lieber dem dreckigen Scheichgeld nach Paris. Aber für Uli war eh klar: der Tuchel, das war maximal der Kandidat der Schlaumeier, die sich davon blenden ließen, dass er zehnmal im Spiel die Taktik änderte. Da könnte man ja gleich den Nagelsmann holen. Kovač ergab auf ganz vielen Ebenen Sinn. Er hatte Stallgeruch, war mit Sportdirektor Salihamidzic auf Du und Du. Kovač galt als umgänglich, Tuchel als unnahbar. Er hatte zudem eine BVB-Vergangenheit und kam aus einem Sabbatical. Kovač kam mit Rückenwind aus dem DFB-Pokalfinale, was Uli Hoeneß im Nachhinein so bewerten möchte: „Das war vermutlich eine glückliche Fügung für alle, leider sehr zum Leidwesen auch unserer Fans.“ Sechseinhalb Jahre später muss man konstatieren: eine Fortsetzung der FC Hollywood Doku muss unbedingt kommen. Aber natürlich nur in Kombination mit dem BVB. Die Schnittmengen sind einfach zu offensichtlich. Ich als Schlaumeier will euch bei der Gelegenheit natürlich wieder Samstag 10:30 als Kopfgrätsche-Termin einreden. Dafür rufe ich zur Not auch noch mal am Sonntagmorgen im Doppelpass, im Presseclub und bei Jupp Heynckes gleichzeitig an.
Sonnenkönigsklasse
Noch ist es für uns zu früh, um über den Mittwoch als Spieltag nachzudenken. Die aktuellen Planetenverhältnisse erlauben nur Samstag 10:30 in unserem Spielplan. Aber so verpassen wir immerhin keine Sekunde vom Super-Mittwoch nächste Woche. Und da zählt nicht nur jede Sekunde. Nein, sogar das Blinzeln kann man nicht einmal empfehlen. Wenn alle 18 Spiele der letzten Rutsche der Champions-League-Vorrunde stattfinden, ist die Konferenz eine Herausforderung für jeden Geist. Durchschnittlich 5 Minuten pro Begegnung sind drin, aber wie in jeder Konferenz wird sich die Dramatik ihren Weg suchen. Und am Ende sind von Young Boys Bern gegen Roter Stern Belgrad vielleicht nur 10 Sekunden zu sehen. In diesen 10 Sekunden wird man die schwarz-gelben Berner vermutlich trotzdem noch mit den Dortmundern verwechseln. Und das nicht unbedingt nur wegen der Farben. Wichtig ist deshalb, dass die alten Radiolegenden reaktiviert werden, die durch unzählige letzte Bundesligaspieltage wenigstens wissen wie man durch 9 parallele Endspiele auf sich aufmerksam macht. Tooooor in Lillllle!!! Elfmeeeeter in Giroooonaaa!!! Rooote Kaaarte in Graaazzz!!! Wir melden uns vom Abgrund. Es ist ein wilder Zappingmarathon zu erwarten, an dessen Ende niemand weiß, ob der Schaum am Mund wirklich noch vom Bier kommt. Die Aufregung ist eigentlich nur mit der am Deadlineday zu vergleichen, der praktischerweise eine halbe Woche danach stattfindet, so dass man die teuren Stars, mit denen man sich für das mögliche Erreichen des Achtelfinales komplett übernommen hat, rechtzeitig noch auf den Grabbeltisch werfen kann. Das startet dann Anfang März. Auch dann sehen wir die Sonne immer noch zu früh untergehen, wie einen gehypten Topstar, der unbedingt den nächsten Schritt machen will. Aber zum Viertelfinale greifen wir unter der Woche auch endlich wieder ein und sagen dann wahrscheinlich so komische Dinge wie: „Lass mal letztes Tor machen, ich will noch Brest gegen Bergamo gucken.“
… ist doch ein Verbrechen!
Das mit den Polizeikosten für die Hochrisikospiele ist natürlich erst einmal nervig für die DFL. Aber dann guckt man einmal wer da am Wochenende nach uns Samstag 10:30 gegeneinanderspielt und Aki Watzke kann wenigstens in seiner Funktion als DFL-Präsident die Herztabletten wieder zurück in die Schublade packen. Kein Revierderby, kein Nordderby, kein Hamburgderby, kein Berlinderby, nicht einmal Köln gegen Gladbach. Die Ligenkonstellation verhindert aktuell das Schlimmste für den DFL-Geldbeutel. Da müsste schon Hannover gegen Braunschweig die teuerste Begegnung dieses Jahr sein und man könnte eigentlich ganz prima sparen. Sogar für die Spiele von Hansa Rostock gegen jeden x-beliebigen Gegner fühlt sich die DFL aktuell nicht zuständig und die würden in einem Erst- oder Zweitligajahr ordentlich den Sparstrumpf leersaugen. Aber nun ist das Risiko, dass der asiatische Markt bei Kiel gegen Hoffenheim auf der Fernbedienung einschläft und bei Bares für Rares den Rest des Abends versackt, sehr viel größer. Zum Glück gehört es mittlerweile zum Standard, dass einige Stadiongänger während der Pinkelpause zwischen den Halbzeiten auf ein beachtliches Pyroarsenal in ihren Unterhosen stoßen, das zum Beginn der zweiten Hälfte unbedingt abgebrannt werden muss bevor es feucht wird. Klar, früher hat man das für Gut aufgehoben bis der verhasste Mob aus der Nachbarstadt angereist ist. Aber wie lange soll man noch darauf warten, dass die Dilettanten von nebenan endlich mal wieder aufsteigen? Bis dahin ist das Leuchtbesteck überm MHD und für sich durchaus ein Risiko. Das TÜV-Rheinland-Logo blättert schließlich auch schon verdächtig ab. Wenn alles fein säuberlich abgefackelt wurde, nur nicht vergessen das Feuerzeug hinterherzuwerfen. Da lohnt sich die Rechnung und die ist ja für einen guten Zweck. Die DFL kann ein paar Euro sammeln für den Fall, das tatsächlich mal ein Polizist in Anspruch genommen werden muss. Und wer weiß, vielleicht schreckt sogar der eine oder andere asiatische Zuschauer aufgrund des Schwarzpulverfestivals aus seinem Dämmerzustand auf.
Wiedergänger mit 10.000 Schritten
Man könnte meinen, es würde ausreichen, dass sich jeder Einzelne am Jahresanfang selbstoptimiert und dann wird auch die Gemeinschaft davon profitieren. Bei Fußballclubs gilt das schon mal nicht. Ist ja schön, dass du ein paar Schritte Samstag 10:30 mehr machen möchtest, das zweite Stück Torte weglässt und nur noch nach dem Spiel rauchst, aber das wollen doch alle. Und wenn alle etwas wollen, wie groß ist dann am Ende der Vorteil für den Club in einem Wettbewerb? Wenn dann auf der persönlichen Bucketlist noch steht, dass der nächste Schritt nicht die 10.000 voll macht, sondern in die Premier League führt, merken die Clubs spätestens, dass sie sich auf dem Markt umschauen müssen, um zum Transferschluss nicht als der abgelegte Klotz am Bein der Selbstoptimierer da zu stehen. Da kann ein Bundesligaclub schon einmal ein Äquivalent zum Stück Schwarzwälderkirsch oder der Stange Marlboro Light sein. Wenn sich die Clubs am Anfang der Fresskette nicht vorgenommen haben, sich ins Mittelmaß zu sparen, werden auch ein paar Euro dabei in Umlauf kommen. Keine dreistelligen Millionensummen, aber so 80 Mios können doch ein okayer Betrag sein, mit dem der Geldadel den eigenen Kader vielleicht noch optimieren kann. Zwar liegen dadurch ein bis zwei Kaderleichen auf dem Abstellgleis, die auch mal an die 100 Millionen gekostet haben, aber wenn die nach zwei Jahren die Hoffnungen nicht erfüllt haben, brauchen die Untoten frisches Blut um jeden Preis. Im Kino gibt es gerade ein warnendes Beispiel für die gierigen nimmersatten Sauger. Wenn die Eintracht aus Frankfurt Manchester City mit Omar Marmoush in ihr Bett lockt und mit City so lange feilscht bis der erste Hahnenschrei das Ende des Transferfensters verkündet, liegt Pep mit seinem Scheichclub für den Rest der Saison faulig auf dem Nachtlager rum und muss ein ganzes halbes Jahr warten bis er wieder zubeißen darf. Und bis dahin könnten die anderen Vermögenden wieder eine Zahnlänge voraus sein. Also lieber generös etwas mehr bieten. Der Marmoush sieht ja jetzt auf den ersten Blick auch nicht wie eine Schrottimmobilie in Wisborg aus.
Kugelbomben und Rohrkrepierer
Die guten Vorsätze sind noch frisch und nachdem das Dubaischokoladegießen an Silvester eindeutig einen Sack Schrauben materialisiert hat, ist doch klar, dass dieses Jahr aber nun mal wirklich mit Sport angefangen werden soll, oder? Die Gyms winken natürlich wenig subtil mit ihren Knaller-Angeboten zum Jahresanfang. Als ob sie unsere Kugelbombe über dem Gürtel schon von Weitem um die Ecke biegen sehen können. Die Vorhersage, dass darauf der verzweifelte Abschluss eines 48-Monatsabos folgt, ist ähnlich schwer zu treffen wie eine Meisterschaft für den FC Bayern. Schön, dass wir Menschen doch in einigen wenigen Dingen immer irgendwie berechenbar bleiben. Und in den ersten zwei Wochen des Jahres sind wir natürlich auch sehr überzeugt, dass unser neues Ich nur ein paar Trainingsminuten entfernt ist. Wie Touristen fluten wir die Studios und nerven die alteingesessenen Locals, die wortkarg und stoisch ihr Programm abspulen, das doch irritierend signifikant von dem abweicht, das uns der Instructor wie lernhungrigen Rekruten eingebläut hat. Die Eingeborenen wirken hier wie Berufssoldaten, die sich lieber nicht die Gesichter der Frischlinge merken, die sich da kriegstrunken freiwillig gemeldet haben. Gib ihnen besser noch keinen Namen. Der Verlust der letzten Mitstreiter an die Couch Ende Januar des letzten Jahres schmerzt noch zu sehr. Immerhin tut es dem Studiobesitzer nicht so weh, der seine Tränen weiterhin mit unseren Geldscheinen trocknen kann, vor allem wenn wir die Kündigungsfrist zweimal knapp verpassen. Aber die Postings mit den abgekämpften Gesichtern kann uns niemand nehmen. Und die beweisen schließlich, dass wir es wirklich ehrlich versucht haben, bevor wir Ozempic googeln. Den guten Vorsatz dieses Jahr endlich wieder regelmäßig Samstag 10:30 zu Kopfgrätschen, können wir natürlich nur von Herzen unterstützen. Das kostenlose Schnupper-Abo bietet jede Woche ein schlechtes Gewissen, das sich durch eine Spielankündigung in Prosa und Beweisfotos einstellt. Auf diesem sieht man Locals und Frischlinge gemeinsam und man kann es als Feldpostkarte zu Hause ausdrucken und als Beweis von der Front an all diejenigen schicken, die einen respektlos in die Wampe knuffen während sie fragen wann man zuletzt beim Sport war. Auf die Rückseite schreibt man dann so was wie: „Hier, sieht das nicht nach echtem Sport aus? Und jetzt lass mich meinen Dubaischokonikolaus fressen!“
Tartan
It’s coming on Christmas
They’re cutting down trees
They’re putting up reindeer
And singing songs of joy and peace
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on
But it don’t snow here
It stays pretty green
I’m going to make a lot of money
Then I’m going to quit saturday ten thirty
I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on
I wish I had a tartan so long
I would teach my feet to fly
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on
I made my baby cry
She tried hard to help me
You know, she put me at ease
And she loved me so naughty
Made me weak in the knees
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on
I’m so hard to handle
I’m selfish and I’m sad
Now I’ve gone and lost the best ball
That I ever had
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on
I wish I had a tartan so long
I would teach my feet to fly
Oh, I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on
I made my ball say goodbye
It’s coming on Christmas
They’re cutting down trees
They’re putting up reindeer
Singing songs of joy and peace
I wish I had a tartan
I could kopfgrätsch on
(frei nach „River“ von Joni Mitchell)
Saudi Arabi Money Andrich
Zum Glück singen sie nicht mehr. 2026 wäre das schon reichlich unmelodisch geworden. Far away in America, Canada and Mexico mi Amor – das muss man fast rappen, um radiotauglich davonzukommen. Vier Jahre später wird es noch wilder. Buenos Dias Argentina, Paraguay, Uruguay, Marokko, Portugal, olé España – das ist leider zu viel Text, den sich kein durchschnittlicher Nationalspieler normal merken kann. Da kann man nur begrüßen, dass die WM2034 nur in Saudi und Arabien stattfinden wird. Damit lässt sich arbeiten. Ist allerdings auch noch ’ne Ecke hin. In 10 Jahren kann viel passieren. Zum Glück gilt das Verbrenneraus erst ab 2035. Gianni Infantino sollte also keine schlaflosen Nächte aufgrund der Finanzierung des Turniers haben. Der DFB wird bis dahin auch seine Geldtöpfe angepasst und sich auf der Sponsorenseite zukunftssicher aufgestellt haben. Es kann nicht mehr lang dauern bis Musiala und Wirtz für virale Werbeclips im BYD sitzen. Natürlich machen sie für das brandneue Modell Reklame, das autonom durch die Luft fliegt. Sie könnten in zehn Jahren auf jeden Fall noch als alte Platzhirsche in der Nationalelf dabei sein. Viele andere sind bis dahin schon längst in Fußballrente. Moukoko inklusive. Die Musikeinlagen der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahrzehnten lebten natürlich immer davon, dass sich das Gastgeberland mit lustigen Kostümen kulturell aneignen ließ. Lothar und Litti in Poncho und Sombrero waren für sich schon ein unschlagbarer Hitgarant. Insofern könnte die kommenden WMs doch für ein Comeback der singenden Ballkünstler sorgen. Natürlich nicht mehr mit Michael Schanze und Franz Lambert, aber für ein paar launige TikToks im Scheichgewand wird es wohl reichen. Da unsere Jungs bis dahin bei Al-Nassr spielen, gilt es auch nicht als kulturelle Aneignung sondern als normale Klubuniform, wie sie einst Ali Daei oder Sadio Mané in Form der Lederhose bei den Bayern tragen mussten. Das Konzept Winter-WM ist für uns natürlich inzwischen ein alter bequemer Hut wie Kopfgrätsche Samstag 10:30, an den wir uns auch längst gewöhnt haben. Als anpassungsfähige Geschöpfe werden wir sie genauso wie die Sechsländer-WM gucken. „Yalla Vamos“ ist dann doch ganz catchy. Sogar für Fußballer.
Land der Trichter und Wanker
Ist eine Ablaufpyramide und ein Funnel eigentlich das Gleiche? Die ganzen Laptoptrainer mit Powerpoint-Abo wissen da bestimmt bescheid. Mit der Pyramide muss man allerdings aufpassen. Es ist wohl doch ein kleines Geheimnis, dass man eigentlich mit dem Fundament anfangen müsste. Vielleicht hätte man vorher mal Omar Marmoush fragen müssen, bevor man sich ein ägyptisches Kulturgut aneignet. Wer den Funnel erfunden hat, kann man nur raten. Am häufigsten sieht man den Trichter an den Stränden von Palma und in Wacken. Da würde ich mal anfangen im feinen Sand oder groben Schlamm zu graben. Die Verbreiter der falschen Pyramide stehen gerade ähnlich blöd da wie der Verbreiter der falschen Neun. Inzwischen hat der eine echte Neun, aber trotzdem eine Ergebniskrise, weil seine umgedrehte Neun also die Sechs verletzt ist. Schlimmer Verdacht: war die falsche Neun schon immer eine Sechs und irgendjemand hat nur die Taktiktafel verkehrt herum gehalten? Und dieser klassische Reim: willst du Verein xy oben sehen, musst du die Tabelle drehen – da steckt auch der nachvollziehbare Wunsch drin, dass man sich nicht seinem Schicksal ergibt und Mut schöpft, weil unten plötzlich sogar oben sein kann. Deshalb wechselt man doch in der Spielhälfte die Seiten. So wie in der ersten Hälfte kann es ja nicht weiterlaufen. Also ähnliche Gründe, die ein Wintertransferfenster rechtfertigen. In dem kommenden Transferperiode dürfen wir uns eine neue Regierung zusammenwählen. Auf dem Transfermarkt stehen auf den ersten Blick wieder die gleichen Player wie vor der Winterpause. Immerhin haben sie sich neu fotografieren lassen und bewerben sich für neue Positionen. Wir müssen jetzt entscheiden, ob wir glauben, dass ihr Talent bisher unter Wert eingesetzt wurde und nach einer Neuausrichtung endlich der Knoten platzt. Kein Wunder, dass im Wahlkampf gerne mit Fußballmetaphern herumgeworfen werden. Der Fußball ist also immer in der Lage viele unrealistische Hoffnungen zu schüren. Mit einem ähnlichen Mindset bremse ich auch Samstag 10:30 wieder am Bolzplatz. Vielleicht hätte die Pyramide besser ein Kreisdiagramm sein sollen.
Heatmaps to the Stars
Wenn man auf den aktuellen Fußballstammtisch schon Glühwein und Kinderpunsch mit Schuss stellen muss, hilft es wenn man sich bei der üblichen Fachsimpelei ein paar warme Gedanken machen kann. Da kann man ruhig mal daran denken was im Moment die älteren Semester treiben, die es im Sommer und in vermeintlich weiser Voraussicht in wärmere Regionen verschlagen hat. Dafür mussten Hummels und Reus nur ein wenig gegen den Trainer im nasskalten Dortmund putschen, der am Ende sogar gegangen ist. Aber auch die beiden Alten aus der schwarzgelben Muppetshow standen mit einmal ohne Rentenvertrag am Flughafen und scannten die Anzeigetafel nach möglichen Nachspielzeiten in Regionen mit Palmen oder Feigenbäumen. Sogar Mallorca war kurzzeitig als Ziel im Gespräch. Da geht zwar alle halbe Stunde ein Flieger hin und der Strand ist beständig voll mit Fußballteams von der Kreisklasse bis zur Bundesliga, aber ob da tatsächlich Fußball gespielt wird, war nicht ganz klar. Am Ende sind es dann doch L.A. und Rom geworden und das klingt eigentlich ganz wohltuend für die Körperteile, auf man sonst großflächig Wärmepflaster kleben muss. In der MLS in Amerika drübbe klatscht man Marco Reus für seine wohldosierten Auftritte gerne warmen Applaus und vielleicht reicht das sogar, um endlich einen Meistertitel in den Lebenslauf zu schreiben. Am Ende der regulären Saison ließ sich Reus‘ Team zwar am letzten Spieltag mal wieder von Platz 1 verdrängen, aber dass der amerikanische Meister in Play-offs ausgespielt wird, kommt dem zweimaligen DFB-Pokalsieger sicher mehr entgegen. Für Hummels lief es in Rom hingegen bis jetzt überhaupt nicht. Kaum Einsatzzeit, Eigentor und gestern bei einem der seltenen Auftritte in der Euro League gleich in den ersten Minuten einen Elfmeter in Tottenham verschuldet. Aber am Ende war er doch der Sunnyboy, weil er den Ausgleich in letzter Minute schoss. „Can he do it on a cold, rainy night in Tottenham?“ Vermutlich sogar besser als in einer lauschigen Notte Magica in der ewigen Stadt. Der Antwort auf die Frage: „Can you do it on a cold, sunny Saturday morning 10:30 in Wismar?“ nähern wir uns morgen. Die Tights sind auf jeden Fall vorgewärmt.
Harrys HäXler
Am Ende war der Bundestrainer auch nur so kreativ wie irgendein durchschnittlicher Dude im Internet, der seit der EM kein Fußballspiel mehr gesehen hat. Fragt der Julian doch allen Ernstes nach dem Spiel den Schiedsrichter, ob er das Viertelfinalspiel gegen Spanien gesehen hat. Und meinte natürlich die Handspielsituation, die diesmal zum Elfmeter führte wie gegen Ungarn und damals nicht wie gegen Spanien. Plötzlich war das Netz wieder reflexartig voll mit Cucurella-Bildern. Wie eine Botarmee kamen die Schlandfans in der neunten Minute der Nachspielzeit fast alle auf die gleiche Idee, inklusive Bundestrainer. Dabei wurden in Zeiten von Erntedank natürlich Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn man schon Robin Koch mit Marc Cucurella vergleichen möchte, kann man ja gleich Robin Koch mit Harry Koch oder Harry Koch mit Cucurella vergleichen. Die Kombination aus Robin Koch und Marc Cucurella ergibt erschreckenderweise optisch eindeutig Robins Vater Harry Koch. Allerdings steht in dessen Wikipedia-Eintrag nichts über verursachte Elfmeter, sondern nur, dass der Deutsche Meister von 1998 selbst ein sehr sicherer Elfmeterschütze war. Heute ist er beruflich als Akten- und Datenvernichter in Rheinland-Pfalz und im Saarland mit Hochleistungsschreddern unterwegs. Um dem Datenmüll nach dem Spiel gegen Ungarn Herr zu werden, ist er also genau der richtige Mann. Statt alle Cucurella-Bilder zu schreddern, kann er sie natürlich auch mit einem Schnäuzer versehen. Das rote Trikot passt sowieso. Harry Koch hätte dennoch den Segen vieler, wenn X aus Versehen komplett in den Reißwolf gerät. Die meisten Fußballclubs haben die Plattform in den letzten Tagen eh bereits verlassen. Auch Kopfgrätsche bekommt die Samstag-10:30-Botschaft anderweitig unters Volk. Der FCK ist noch auf X und konnte Harry Koch dort immerhin vor einer Woche zum 55. Geburtstag gratulieren. Das war noch wichtig, aber nun kann das unkreative Drecksloch wirklich endgültig in Harrys HäXler.
Vertrauensfrage wie diese
Vertraut ihr darauf, dass es auch am kommenden Samstag jemanden gibt, der 10:30 oder ein paar Minuten später am Bolzplatz auftaucht, die Fußballschuhe fest geschnürt hat und einen Ball dabei hat? Und dass nach und nach per Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Bus weitere Mitspieler eintrudeln, die in der Anzahl für zwei Teams ausreichen? Dass diese potentiellen Mitspieler, nach einem Moment des Aufwärmens und Ball-zur-Probe-nach-Schwerin-holzens, sich willfährig in mindestens zwei Teams einteilen lassen und dass tatsächlich am Spielfeldrand ein Sack mit grellen aber einigermaßen frischen gewaschenen Leibchen rumliegt, der es ermöglicht diese Teams voneinander zu unterscheiden? Vertraut ihr weiterhin darauf, dass einer eurer Mitspieler sich bereitwillig ins Tor stellt und nicht allzu doll schimpft, wenn wieder alle beim Angriff mit nach vorne gelaufen sind und leichtsinnig mit einer missglückten Rabona den Ball verlieren, so dass der Gegner schon durch einen schlampigen Pass eine tausendprozentige Chance geschenkt bekommt, um diese nur an den Pfosten zu setzen. Und vertraut ihr außerdem darauf, dass wenn euer Team plötzlich durch einen dummen Fehlpass eine Superchance im Angriff auslässt, dass man es gemeinsam 30 Sekunden später noch einmal versucht und sich nicht wundert, dass x-Goals in diesem Umfeld überhaupt nichts bedeuten? Und dass natürlich die gelernte Anfangszeit (10:30) nicht verhindert, dass gegen halb 12 weitere Spieler für ein drittes Team eintrudeln, die auf sofortigen Einsatz drängen und die Zeit so willkürlich stoppen, dass der letzte Angriff schon ungefähr 2 Minuten vor Ablauf der Zeit ausgerufen wird? Ihr solltet auch unbedingt darauf vertrauen, dass dennoch ungefähr um die gleiche Zeit sich das gemeinschaftliche Gefühl einstellt, dass irgendwann ausreichend gekopfgrätscht wurde und dass das kommende Tor, der perfekte Anlass ist, um alle abgekämpft aber noch einigermaßen zufrieden ins Wochenende zu schicken. Am Ende könnt ihr auch darauf vertrauen, dass am Ende bestimmt ein Beweisfoto gemacht wird, auf dem aber schon 2-3 Mitspieler fehlen, da das Mittagessen schon längst auf dem Tisch dampft. Falls ihr in allen Punkten das Vertrauen ausprechen könnt, ist auch diesen Samstag 10:30 Kopfgrätsche eure erste Wahl.
Donald am Schwenkgrill
Was kommt zuerst? Das Ende der Hinrunde oder Neuwahlen? Der Nikolaus war zwar noch nie der Osterhase, aber wenn wir den Nikolaus diesmal näher an Väterchen Frost ausspielen, sind die russischen Bots vielleicht noch in den Feiertagsferien zwischen Vodkafrühstück und Gänsebraten, während hierzulande schon der Wahlkampf läuft. Wer sonst noch läuft, muss mal schauen. Wahrscheinlich ist es zu kurzfristig, um für den Jahresanfang einen Marathon in Berlin zu organisieren. Ungünstig für Olaf Scholz, der das letzte mal einigermaßen beliebt war, als er nach einem Joggingfail mit Augenklappe unterwegs war. Nun müssen wir uns aber langsam mal einspielen für die WM2026, die ja bekanntlich in Nordamerika stattfinden wird, wo nun doch nicht Kamala Harris in einem Angela-Merkel-Gedächtnis-Hosenanzug auf der Tribüne in Philadelphia auf- und abhüpft, wenn die US-Boys ihr Summerfairytale schreiben. Stattdessen muss Donald versuchen so zu tun, als ob er etwas vom Fußball versteht. Wenn er noch einmal die große Schürze anzieht und am Schwenkgrill Stadionwürste für die Kameras mit Senf oder Hela-Gewürzketchup verziert, kann das gelingen. Zur Not können ihn seine Freunde from the new german Government unterstützen. Friedrich und Christian haben schließlich als BVB-Fans genau die passende Qualifikation, um mit den Brooklyn Borussen einen Fanschal zu tauschen und Donald in der Ehrenloge die letzten steilen Thesen aus dem Doppelpass ins Ohr zu flüstern. Das machen sie bestimmt gerne, wenn der POTUS dafür mit den Zöllen ein paar Kommastellen nach unten geht. So kann das transatlantische Bündnis doch funktionieren. In einem direkten Duell müssen wir auch nicht unbedingt schon auf das 4:0 zur Halbzeit gehen, um ihm die Laune zu verderben. Vielleicht lassen wir lieber Musiala und Wirtz zu Hause und treten stattdessen mit Kopfgrätschern (Samstag 10:30) an.
Goldene Zeiten
Frage: wer hat an der Uhr gedreht? Antwort: alle, weil Winterzeit. Und damit auch Ballon d’Or Zeit. Gefühlt seit Jahrzehnten wurden weder Messi noch Ronaldo bei diesem Preis berücksichtigt. Viele mussten sich panisch erst einmal informieren, wer außerdem so Fußball auf dem Planeten spielt. Der ewige Kronprinz Neymar ist ja inzwischen auch nur noch eine abgehalfterte Kaderleiche in der Saudi Pro League. Dieser Norweger ballert weiterhin konstant alles zu Klump, aber der ist unfairerweise als Kind in den Zaubertrank gefallen und im richtigen Land geboren, aber für das falsche spielberechtigt, das nur im Biathlon Titel gewinnt. Deshalb wähnte sich Vinicius Jr. als Favorit, organisierte schon mal eine Megafete und kaufte all seinen Teamkollegen eine Rolex. Eine klassische Geste unter Profis, die auch schon Maradona gerne nutzte, um seinem Fußvolk zu danken. Er selbst trug selbstverständlich immer eine an jedem Handgelenk (mit Alarm auf Samstag 10:30) und sparte sich so sicher die Zeitumstellung, die eine solche Wertanlage nur unnötig abnutzt. Wahrscheinlich war das auch die Erklärung, die Kalle Rummenigge beim Zoll angab, als er mit zwei Luxus-Zeiteisen erwischt wurde. Nun da Rodri den goldenen Ballon gewonnen hat, sind vermutlich einige Protzwecker übrig. Was damit passiert, ist noch unklar. Hoffentlich hat Vini den Kassenbon aufgehoben. Gerüchteweise hat Rodri knapp gewonnen, weil er aktuell der größere Sportsmann ist, der für Fairplay steht und eher nicht der Rolex-Typ ist. Angeblich macht er sich sogar so wenig aus Status, dass er seinen Opel Corsa demnächst gegen einen VW-Elektroauto tauschen möchte. Viel wichtiger ist aber das Signal, dass das größere Vorbild bei einer Wahl verdient gewinnt gegen den Kandidaten, der regelmäßig seine Gegner verhöhnt und das Ergebnis nicht akzeptiert. Das macht doch etwas Hoffnung für die kommenden Tage.