Kugelbomben und Rohrkrepierer

Die guten Vorsätze sind noch frisch und nachdem das Dubaischokoladegießen an Silvester eindeutig einen Sack Schrauben materialisiert hat, ist doch klar, dass dieses Jahr aber nun mal wirklich mit Sport angefangen werden soll, oder? Die Gyms winken natürlich wenig subtil mit ihren Knaller-Angeboten zum Jahresanfang. Als ob sie unsere Kugelbombe über dem Gürtel schon von Weitem um die Ecke biegen sehen können. Die Vorhersage, dass darauf der verzweifelte Abschluss eines 48-Monatsabos folgt, ist ähnlich schwer zu treffen wie eine Meisterschaft für den FC Bayern. Schön, dass wir Menschen doch in einigen wenigen Dingen immer irgendwie berechenbar bleiben. Und in den ersten zwei Wochen des Jahres sind wir natürlich auch sehr überzeugt, dass unser neues Ich nur ein paar Trainingsminuten entfernt ist. Wie Touristen fluten wir die Studios und nerven die alteingesessenen Locals, die wortkarg und stoisch ihr Programm abspulen, das doch irritierend signifikant von dem abweicht, das uns der Instructor wie lernhungrigen Rekruten eingebläut hat. Die Eingeborenen wirken hier wie Berufssoldaten, die sich lieber nicht die Gesichter der Frischlinge merken, die sich da kriegstrunken freiwillig gemeldet haben. Gib ihnen besser noch keinen Namen. Der Verlust der letzten Mitstreiter an die Couch Ende Januar des letzten Jahres schmerzt noch zu sehr. Immerhin tut es dem Studiobesitzer nicht so weh, der seine Tränen weiterhin mit unseren Geldscheinen trocknen kann, vor allem wenn wir die Kündigungsfrist zweimal knapp verpassen. Aber die Postings mit den abgekämpften Gesichtern kann uns niemand nehmen. Und die beweisen schließlich, dass wir es wirklich ehrlich versucht haben, bevor wir Ozempic googeln. Den guten Vorsatz dieses Jahr endlich wieder regelmäßig Samstag 10:30 zu Kopfgrätschen, können wir natürlich nur von Herzen unterstützen. Das kostenlose Schnupper-Abo bietet jede Woche ein schlechtes Gewissen, das sich durch eine Spielankündigung in Prosa und Beweisfotos einstellt. Auf diesem sieht man Locals und Frischlinge gemeinsam und man kann es als Feldpostkarte zu Hause ausdrucken und als Beweis von der Front an all diejenigen schicken, die einen respektlos in die Wampe knuffen während sie fragen wann man zuletzt beim Sport war. Auf die Rückseite schreibt man dann so was wie: „Hier, sieht das nicht nach echtem Sport aus? Und jetzt lass mich meinen Dubaischokonikolaus fressen!“