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Erste Runde Schottenrock
So, noch einmal Champions-League-Hymne und schon geht es ab in die Fußballpause. Gut, einige werden es nicht mehr rechtzeitig nüchtern vom Autokorso bis zum ersten Testländerspiel vor der EM schaffen und in zwei Wochen wird schon das große Sommerturnier starten. Bis dahin sind aber alle anderen Trophäen und Startplätze in den Ligen geklärt, oder? Da schaltet man nicht arglos unter der Woche Abends den Fernseher nach dem Kopfgrätschen (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) ein und dann lauert da ein dramatisches Alles-oder-nichts-Match um Tod oder Gladiolen? Ich frage für meinen Kardiologen. Man muss doch auch wenigstens mal kurzzeitig in den Ruhepuls wechseln. Sichere Hinspielführungen, die man im Rückspiel wegschenkt, Verlängerungen, Elfmeterschießen – das gab es in der vergangenen Woche jeden Abend. Und danach noch das gesamte Pyroarsenal oder wenigstens das, was die Hansafans nicht auf dem freien Markt weggekauft haben. Aber immerhin reden wir nicht mehr über die Tennisbälle, die uns viele Wochen in der Rückrunde beschäftigten. Heute schon fast komplett vergessen und gefühlt 3 Saisons her. Seit dem hat man die treuen Fans wieder ganz doll lieb und singt mit ihnen zum Abschluss gemeinsam auf dem Zaun. „Erste Runde Krankenschein…“ ist aber immerhin smartes Liedgut, das jeder mitsingen kann und niemanden diffamiert. Auch viel wert in diesen Tagen. Und die Nationalmannschaft kann das doch auch leicht abgewandelt für sich als volksnahen Sommerhit etablieren. Und jetzt alle: „Erste Runde Schottenrock. Dann die Tobleron‘. Gegen Ungarn kommen wir in Not. Dann kommt das Halbfinalaus, scheißegal, DFB-Team International…“
29. Mai 2024 – Mats im Nationalmannschaftstrikot auf Mannschaftsfoto

Die Idee war: Wenn Mats Hummels schon nicht mit aufs Nationalmannschaftsfoto darf, darf er es wenigsten bei Kopfgrätsche.de. Mats ist praktischerweise käuflich, gegen 5 Sammelpunkte und 2,99 Euro bei Edeka. Während seine teils auch nicht in echt nominierten Playmobil-Mannschaftskollegen eher zögerlich gekauft werden, ist Hummels im Edeka in Wismar-Süd schon gut übers Kassenband gekullert. Und offensichtlich hatte nicht nur ein Kopfgrätscher die Idee: Jürgen hatte seinen Mats auch mit – praktisch da, wo andere sonst ihre Zigaretten lagern.
In Duplo pro Oreo
What a week, huh? Es begann mit der Nominierung von Nico Schlotterbeck in der Tagesschau und endete mit einer PK des Bundestrainers, der Thomas Müller als kompatibel zu Rappern und Jodlern anpries. Allerdings wurde die Chance verpasst, Müller auf der Bühne von Drake und den Kessler Zwillingen vorstellen zu lassen. Oder wie es klassisch jahrzehntelang Brauch war: als Aufkleber versteckt in einem Duplo. Nun ist Duplo schon seit einiger Zeit durch seinen Nutriscore in der Bedeutungslosigkeit der zweiten Liga verschwunden und der DFB muss per Social Media, Podcasts und Oma Lotti eine Schnitzel… pardon Dönerjagd durch die Bäckereien und Tattoostudios Deutschlands veranstalten. Zum Glück wurden alle Hinweise gefunden und sogar noch ein paar mehr, weil Scherzbolde und Trittbrettfahrer noch bis Mittwoch Abend Fakes in ihren Formaten unterbringen konnten. Dieser Spuk ist jetzt schon wieder vorbei und jeder, der am Freitag erscheint (um z.B. für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 zu trommeln), ist too late to the Party und muss wieder eigenen Content schürfen. Oder man überlegt noch einmal laut, ob sich Oliver Bierhoff diese Art der Nominierungskampagne getraut hätte. Wahrscheinlich schon, aber wenigstens noch mit einem lächerlichen Hashtag dazu. Vor der WM in Katar wurde noch der klassische Weg eines zentralen Verkündigungstermins gewählt. Das Reaction-Video lag als Zweitverwertung in den Händen der Spieler. Die Pöbeleien gegen Mitspieler, die aber teilweise vernuschelt im Hintergrund von talentfreien Freunden zu hören waren, haben gezeigt, nicht jedem kann man die Social-Media-Macht gefahrenlos überlassen. Nur bei Thomas Müller ist es egal. Der kann sich selbst fake-nominieren und kommt trotzdem mit. Er kann halt rappen und jodeln.
15. Mai 2024 – Die, die Mücken übrig gelassen haben

Wer heute mal kurz ins Gebüsch musste, lief Gefahr, nicht von dort wiederzukommen. Sofort haben sich die riesigen Mücken auf einen gestürzt – zu Hunderten… ach, zu Tausenden! Nun soll man ja aus einer Mücke keinen Elefanten machen, aber das war heftig: Eigentlich sollte dieses Foto das Kopfgrätsche-Foto des Jahres 2024 mit den meisten Mitspielern werden. Immerhin hatten wir mit drei Mannschaften und mit Auswechslern gespielt. Stück für Stück wurden es immer weniger. Auf dem Foto sind es nur noch 12 – Anfangs waren es aber fast 20 Mitspieler.
Weinflasche leer
Ciao Ciao Baby. Das Erste an was ich denk am Freitag? Nadürlich Somsdog 10:30 und Midwoch 18:00 bis die Sterne aufgehen. Das wär schön. Wie immer haben wir kein Bauplan. Wir sind verloren, wie der Ball, wenn er Richtung Schwerin fliegt. Aber funken wir S.O.S. oder gehen in Therapie? Schickt mir die Spielankündigungspost schon ins Spital. Vielleicht später, aber fürs Erste kann man nix reparieren und solange mochen wir weiter weiter. Va bene am bekannten Orte, an denen wir waren. Rot ist die Farbe unseres Platzes, auf dem wir umkurvt werden wie stehengelassene Weinflaschen. Bleib wo du warst und gib mir alles bis wir irgendwann nach Hause gehen. Auseinandergehen ist schwer, wenn man zweifelt, weil niemand weiß, dass es uns überhaupt gegeben hat. Aber easy Baby, dafür machen wir doch ein Beweisfoto. Lascia mi fare. Wenn jemand fragt wohin du gehst, sag: zum Kopfgrätschen. Du hast Glück, dass du Gewinner bist. Frag dich nicht wie‘s als Verlierer ist. So wie die Sterne am Horizont stehen, kann‘s jeder sein, aber keiner kann es wählen.
08. Mai 2024 – Alu les Bleus
Leute schickt das Amt
Vielen Dank, Susi Hoeneß! Max Eberl kann wohl sein halbes Telefonbuch bei Suche nach einem neuen Bayern-Trainer wegwerfen. Nach dem Briefing aus der Chefinnenetage ist nun wohl klar, dass jeder Trainer, der aktuell einen gültigen Vertrag woanders hat, über keinen Charakter verfügt, wenn er demnächst beim FC Bayern anheuert. Vielleicht hätte niemand davon erfahren, wenn der Mann von Susi Hoeneß nicht so ein Waschkerl wäre, der Interna von der Kaffeetafel am Tegernsee rumtratschen muss. Schlimmer als dieser Typ, der eine Standleitung zur Bild hat und deshalb niemals Greenkeeper beim FC Bayern werden kann. Aber vielleicht Trainer. Max müsste mal gucken, ob Lothars Vertrag bei Sky nicht zufällig gerade ausläuft. Dann könnte doch vielleicht etwas gehen. Aber eigentlich geht nur ein aktuell Arbeitsloser. Und da muss man mal gucken, wer da wirklich noch bei der Arbeitsagentur als Trainer gemeldet ist. Unbestätigten Gerüchten zufolge haben Lucien Favre, Hansi Flick und Jogi Löw gerade zusammen eine Umschulung zum IHK-geprüften Skilehrer, Grauganspfleger oder Eiertester begonnen. Es könnte also eng werden, sie dazu zu bewegen, sich noch einmal auf eine Bank zu setzen. Zumal für die ersten Fünf der Tabelle nun seit Mittwoch klar ist, dass sie sich ab sofort um einen Champions-League-Kader kümmern müssen. Diese plötzliche Verantwortung war z.B. Ralf Rangnick zu groß. Aus einer Trümmertruppe einen Titelkandidaten zu machen und dann noch nebenher den Favoriten auf Europas Thron zu coachen ist dann doch etwas viel verlangt. Die Doppelbelastung Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 kann auch nicht jeder managen. Wir versuchen es trotzdem und stellen nicht die Charakterfrage, wenn euch aktuell laufende Arbeitsverhältnisse zwingen, einen der Termine auszulassen. Ihr dürft dennoch jederzeit wieder einsteigen, wenn euch die harte Meinung von Susi Hoeneß egal ist.
Rollkragen am Sondertrikot
Die lange Unterbuchse und die Handschuhe sind noch nicht ganz weggelegt. Und bis zu dieser Woche hat man sogar ganz gerne noch die Mütze über die Birne gezogen. Spätestens ab dem kommenden Wochenende (Samstag 10:30) muss man sie aber weglassen. Das gibt sonst komische Bräunungskanten im Gesicht. Denn, Obacht, höherer Geldeingang im Phrasenschwein: die Sonne hat schon Kraft. Bei einigen Vereinen die Gelegenheit den Ausflug auf den Rasen zu nutzen, um etwas Vitamin B zu tanken. Kurz vor dem Anpfiff noch mal in den Tabellenrechner geschaut. Ah okay, Zwölfter können wir eventuell werden. Nee, dafür muss man sich nicht tot machen. Die Meisterschaft kann man auch niemandem mehr versauen. Dann steht einer gemütlichen Rasenlatscherei am Wochenende nichts mehr Wege. Quasi die längstmögliche Ehrenrunde, um den Eintrittzahlern noch mal im Sondertrikot für 150€ zuzuwinken. Guckt mal wie geil das aussehen kann, wenn man nicht in jeder Halbzeit 2 Bratwürste frisst. Am Fankörper bringt die gewagte Linienführung den Designer verlässlich zum Weinen. Aber egal, die Trottel auf der Tribüne holen sich eh zwei aus der Kollektion, wenn sie in Kürze erfahren, dass der Abschied am Saisonende zum Erzrivalen schon längst eingetütet ist. In dieser Saisonphase bekommt in den Ligen der Transferticker wieder mehr Aufmerksamkeit, während beim Live-Ticker Paderborn gegen Elversberg die KI unter Ausschluss der Öffentlichkeit üben kann. Es gibt Ecke. Die bringt nichts ein. Dann doch lieber neue heiße Trainergerüchte vom FC Bayern im Minutentakt. Oder Pokalspiele unter der Woche (Mittwoch 18:00). Da ist noch richtig Feuer drin, wenn Ulf Kirsten und Heiko Scholz den von Markus Anfang verdaddelten Zweitligaaufstieg mit dem Sachsenpokal retten müssen. Und das in gefütterten Thermojacken, die auch die eine oder andere Bratwurst kaschieren. Beim Gegner Zwickau turnt hingegen Rico Schmitt in jeder Jahreszeit in körperbetonter Funktionskleidung herum. Aber immer mit Rollkragen oder Loopschal am Hals. Solche hässlichen Bräunungskanten sind dann am Ende natürlich niemals finalwürdig.
The Grätsch Rock’n Roll Swindle
If the Kids Mistakes are United
Wie motiviert man sich jetzt noch ausreichend für Samstag, wenn man Mittwoch auch ein wichtiges Spiel vor der Brust hat? Da können wir doch mal ausnahmsweise vom FC Bayern lernen, obwohl wir Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) vor ihnen spielen. Mal gucken wie sehr sie sich Samstag gegen den Tabellenvorletzten zu Hause Mühe geben können, obwohl es nicht mehr für ganz oben reicht. Vielleicht eine trügerisch willkommene Gelegenheit die A-Truppe für Mittwoch zu schonen und auch Busfahrer und Zeugwart noch mal ein paar Minuten in dieser Saison zu schenken. Quasi die alte Pep-Schule, die aber früher regelmäßig dafür gesorgt hat, dass die mentale Spannung am Ende auch nicht mehr für die Champions League gereicht hat. Natürlich mit anderen Vorzeichen, weil der Balkon am Marienplatz sowieso schon gebucht war. Muss man sich also Samstag doch ein wenig anstrengen, um Bayer 04 nicht gleich kampflos den Meistertitel auf der Couch zu überreichen? Für die Leverkusener auch irgendwie blöd, weil die sicher lieber im Stadion feiern wollen. Man kann das Dilemma eigentlich nur lösen, indem man in München einfach ein lahmes Unentschieden fabriziert, über das maximal eine halbe Minute in der Sportschau berichtet wird. Damit ist vielleicht sogar der Gegner halbwegs zufrieden. Beim Kopfgrätschen ist schließlich das harmlose Unentschieden auch das perfekte Ergebnis, um alle gleich zufrieden oder unzufrieden ins Wochenende starten zu lassen. Damit wird Leverkusen rechnerisch nicht sofort ohne eigenen Schweiß Meister und kann die Saison am Sonntag selbst über die Linie drücken. Und die Spieler sind schön ausgeruht für Mittwoch. So, jetzt weiß Tuchel wie wir es lösen würden, kann den Ball mit der Hand aufnehmen und sich über diesen Kids Mistake lustig machen.
Virage am Arsch
Oh, la la, wir haben es versucht wie Saarbrücken. Vielleicht waren es aber am Ende ein paar Regentänze zu viel. Dass an einem Mittwochabend noch ordentlich Luftfeuchtigkeit herrscht, freut sicher die Vegetation um den Platz herum, die bereitwillig unsere Bälle frisst. Aber für Tartan brauchen wir nicht unbedingt Nässe von oben, um unsere Talentfreiheit auszugleichen. Das bisschen Getröpfel reicht dann leider auch nicht aus, um die Glasscherben vom Platz zu spülen, die seit Silvester dort rumliegen. Auf Glasscherben und Reißzwecken haben sie im Saarland verzichtet. Aber sonst waren ihnen alle Mittel recht, um die Gäste auf ein möglichst ungewohntes Terrain (wie der frankophile Virage-Steher zu sagen pflegt) zu locken. Auf dem war dann der Kaderwert oft kein Faktor mehr. Als halbe Franzosen reihten sich ihre Matschpläne gegen überlegene Gegner in die Reihe großer Feldtaktiken kleiner Feldherren ein, die aber kurz vor der Herrschaft über ganz Europa enden sollten. Ausgerechnet die Nachbarn aus der gleichen Wetterzelle kamen dann mit den herrschenden Klimabedingungen am besten zurecht und dürfen nun stattdessen nach Berlin reisen. Da wird der Rasen natürlich á la bonheur sein. Und wenn nicht kurz vor dem Finale ein riesiges Aquarium ausläuft, höchstwahrscheinlich knochentrocken. Das Banner »Virage, Bagage – Drainage, Blamage«, das alle bekannten Französisch-Vokabeln des pfälzer Bergvolkes zusammenfasst, wird wahrscheinlich nicht gebraucht. Da muss beim Finale schon etwas Kreativeres kommen. Am besten etwas, dass den Finalgegner und haushohen Sieger davon abhält, nach dem Abpfiff Aspirin in den Pokal zu schütten. Wir versuchen wieder Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 den Elementen jeglicher Art zu trotzen und kommen trotz möglicher Verbannungen durch das Wetter immer wieder. Aux Armes!
Major Toni über dem Jubelmeer
»Wenn dann noch die Spieler aus dem Osten dazukommen, werden wir auf Jahre hin unschlagbar sein.« So ähnlich hat es der Kaiser selig angeblich mal gesagt. Oder wir haben es fast ein Vierteljahrhundert irrtümlich falsch erinnert. Es stimmt sowieso nur halb, weil tatsächlich ein Spieler aus dem Osten gereicht hat, um die Mannschaft unschlagbar zu machen. Richtig, ihr denkt natürlich an Robert Andrich aus Potsdam. Na gut, da war noch ein zweiter Ossi, der ein wenig mitgeholfen hat. Ausgerechnet im Caspar-David-Friedrich-Jahr hat Toni Kroos dem bisher berühmtesten Greifswalder der Welt den Kampf angesagt. Dafür malt er Pässe in Graslandschaften, um 10 Jahre nach dem WM-Pokal die Nationalmannschaft zu einem weiteren Pokal zu führen. Dabei hat er mit bisher fünf Champions-League-Trophäen und einem Podcast mit dem OZ-Talent des Jahres 2007 Felix Kroos eigentlich alles erreicht. Er lässt sich auch als Greifswalder nicht davon beeindrucken, dass nicht mehr Kernkraft 400 beim Torjubel läuft. Kaum steht er wieder für den DFB auf dem Platz reichen acht Sekunden, um Frankreich eine Niederlage beizubringen. Wahrscheinlich ganz im Sinne des alten Franzosenhassers Caspar David Friedrich. Zu dessen Zeit wurden Schlachten bei Jena allerdings noch zwischen Napoleon und Preußen plus Kursachsen und nicht zwischen Carl Zeiss Jena und Rot-Weiß Erfurt (beide weit abgeschlagen hinter dem Tabellenführer Greifswalder FC in der Regionalliga Nordost) geführt. Wem Standortpatriot Friedrich aber beim Spitzenspiel zwischen 2. und 4. an diesem Wochenende die Daumen gedrückt hätte, kann man nur mutmaßen. Aber wahrscheinlich denen in gelb und schwarz. Das freut die Dynamos beim Duell Preußen gegen Sachsen. Die Franzosen haben für die Euro aber auch mehr Eisen im Ärmel oder Asse im Feuer als nur die Equipe Tricolore. Der ehemalige Bayern-Teamkollege von Toni Kroos Willy Sagnol führte diese Woche als Trainer Georgien zur Endrunde. Was das bedeutet? Naja, definitiv noch mehr Spieler aus dem Osten. Diese und die Sonne, die dort aufgeht, bescheren uns nicht nur am Samstag (10:30) sondern auch am Mittwoch (18:00) ideale Standortvorteile zum Kopfgrätschen.
O tapped is
Nun haben sie wohl in München angeblich eine sogenannte Wiesn im Ort und was machen sie dort, anstatt darauf zünftig Fußball zu spuin? Sie setzen einen Haufen Zelte auf das Feld und stellen die voller Bierzeltgarnituren. Da kann man dann rumsitzen und sich beim Konsum von Gerstensaft privatinsolvent trinken. Ab und zu steht und liegt man aber auch auf und unter der Garnitur, so passen noch mehr potenzielle Mittrinker ins Zelt. Die einzig entscheidende Maßeinheit ist schließlich nur die Anzahl der Krüge, die auf dem Tisch Platz haben. Alles andere findet sich. Im Gegensatz zu seinen rotgesichtigen Landsleuten kann Harry Kane in diesem Jahr mit etwas mehr Platz im Käferzelt zwischen den Promis, die sonst normalerweise im P1 den städtischen Kickern auflauern, das verstörende Brauchtum verfolgen. Vor Ort empfiehlt es sich für ihn maximal schüchtern am Maßkrug, den der Trainer mit Apfelschorle light gefüllt hat, zu nippen und unvorteilhafte Fotos in der tz zu vermeiden. Sonst muss er nach seiner Karriere noch Experte im Doppelpass werden, wo die Wiesnhölle zwischen unsachlichen aber meinungsstarken Stammtischbrüdern schließlich jeden Sonntag herrscht. Nach dem glücklichen aber nie gefährdeten Sieg im Wiesntrikot am Samstagnachmittag gegen die Freunde vom VfL Bochum, gilt es brav den Trachtenjanker und die Krachlederne anzuziehen und nicht dem englischen Reflex nachzugeben verpixelungswürdige Körperteile raushängen zu lassen. Den Rest der Folklore besorgt schon der Müller-Thomas, wenn er für ein paar Likes zusammen mit Tuchel in einen Wadenwärmer schlüpft. Meine Wade liegt noch auf Eis und träumt vom Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Aktuell erlaubt sie aber maximal eine dritte Halbzeit mit polternden Kommentaren und Füße-gebluded-Anekdoten auf Dopa-Niveau.
Wolf, du hast die Gans gecancelt
Die Flickschusterei beim DFB ist vorbei. Jetzt werden andere Saiten aufgezogen. Statt den Graugänsen ist der graue Wolf wieder zurück. Und Hannes Wolf hat er auch noch dabei. Tierisch. Zum Schluss war es unter Hansi wohl auch ziemlich viel Graubrot. Das haben jedenfalls die drei Leute berichtet, die sich den Mist noch angeguckt haben. Aber Rudi sucht trotz seiner 100%igen Siegquote nach einem Nachfolger, der sich den unverschämten Fragen der Journalie von Weizen-Waldi bis zu den Rocketbeans stellen mag. Da muss doch jemand aus diesem Brauseuniversum zu finden sein, der schon mal Thomas Müllers TikToks geliked hat. Ach guck, der eine da mit den gezupften Augenbrauen ist frei, weil er den Bayern zu sehr Laptop statt Lederhose war. Oder zu sehr Skateboard statt Bierbank. Oder einfach zu sehr Nagelsmann statt Tuchel. Der Verfügbare passt natürlich nicht in die Kategorie Otto Nerz, Sepp Herberger, Helmut Schön. Aber immerhin hat er auch nicht einen dieser schwäbischen Tiernamen wie Klinsi, Jogi oder Hansi. Sein Gehalt ist nicht niedrig, dafür bekommt der DFB ein paar Insta-Follower dazu. Und wenn die demnächst alle die DasErste- und ZDF-Apps herunterladen, um ein Länderspiel zu gucken, ist das doch gut investiert. Beim Kopfgrätschen muss ich mich auch erst einmal vertreten lassen. Ich habe aber schon eine Idee, wer demnächst Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 die Spieler zum Platz quatscht. Ich habe da einen Bewerber an der Hand, der extra einen Motivationsfilm mit Graugänsen auf CD-Rom dabei hat. Nur mit den Leibchen fremdelt er etwas. Sie sind ihm nicht grau genug.
Richarlisons of Anarchy in the UK
Wenn man so kurz nach Ligastart schon wieder zur Nationalmannschaft reisen muss, kann die eigene Playlist natürlich noch nicht perfekt sein. Gerade erst hat man in der Kabine angefangen, die Lieblingssongs zu etablieren und die Gehörgänge der Mannschaftskollegen zu trainieren. Bei der Nationalmannschaft trifft man dann wieder auf eine neue Konstellation. Die Kabine ist wahrscheinlich etwas größer, was man akustisch berücksichtigen sollte. Und natürlich sitzen in den Ecken einige soundreflektierenden alten Hasen, die sich wenig bewegen und deren glatte Oberflächen auf dem Schädel die Töne nur so durch den Raum knallen lassen. In diesem Umfeld ein harmonisches Feintuning hinzubekommen, ist alles andere als einfach. In Kenntnis dieser Herausforderungen kann es einen nicht verwundern, wenn man solche Meldungen von der brasilianischen Nationalmannschaft lesen muss: Vitor Roque and Richarlison got into an argument after the 18 year old started playing Taylor Swift in the locker room. Richarlison called it the worst music on the planet. Dafür muss man Verständnis haben. Richarlison ist immerhin ein Boomer von 26 Jahren, der einfach nur in Ruhe seinen True Crime Podcast hören möchte. Er wurde zudem in den letzten Jahren musikalisch in Liverpool und London sozialisiert. Kein Wunder, dass er alles an den Beatles und Sex Pistols messen muss. Offensichtlich ist er auch zu alt, um sich von dem zu erwarteten Shitstorm der Swifties beeindrucken zu lassen. Demnächst wird er sich wahrscheinlich eine Schiebermütze kaufen und jeden Music Friday seine Plattentipps unter die Guys bringen. Obwohl man sich das gut überlegen sollte, ob man den Leuten wirklich ungefragt jeden Freitag mit den eigenen Gedanken auf den Keks gehen muss, nur um die ewig gleiche Leier von Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) anzustimmen. Mal hören, was uns unser Outdoor-Kabinen-DJ auf seiner Bluetooth-Box im Turnbeutel diesmal mitbringt.
06. September 2023 – Torchestral Manoeuvres in the Dark
Gnadenbrot or nothing
Fachkräftemangel bedeutet auch: die Alten müssen ran! Auf Transfermarkt.de sinkt der Marktwert automatisch, wenn man die Grenze zum Greisenalter also 30 überschreitet. Aber in den Vereinen hat man längst gemerkt, dass man besser fährt, wenn man sich einen hungrigen Bestager holt, wenn man ernsthaft etwas gewinnen möchte. Klar bei den jungen Talenten gibt es viel Beweglichkeit in der Hüfte und deshalb noch einen Haufen TikTok-Follower mit dazu. Da gibt man schon mal gern ein paar Millionen mehr für aus. Leider bleiben diese Follower nicht beim Club, wenn der Spieler den nächsten Schritt machen will. Also lieber einen 30-Jährigen mit verwaistem Facebook-Profil, der verlässlich Leistung bringt und darüber nachdenkt auf einen Volvo-Kombi umzusteigen. Der findet meist selbstständig den Weg zum Trainingsplatz (bei Kopfgrätsche aktuell immer noch im Friedenshof Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) und ist auch ansonsten pflegeleicht. Im nächsten Transferfenster wird lediglich spekuliert, ob er nicht doch lieber noch ein paar Spiele in Saudi-Arabien machen möchte, bevor er die müden Knochen in ein TV-Studio schleppt, um dort sein Gnadenbrot als Experte zu knuspern. Sowohl Bayern als auch Dortmund haben mit Kane und Füllkrug für eben dieses Profil in diesem Sommer gerne Geld überwiesen. Beide haben einige Torjägerkanonen rumstehen, die aber bisher keine Mannschafts-Titel eingebracht haben. Ihre langjährige Treue zu Clubs, die nur selten etwas in die Vitrine stellen können, lässt ihnen dafür die Zeit davon rennen. Im letzten Karriereschritt muss es nun doch endlich mal klappen mit einem Titel. Mit Harry Kane muss man sich geradezu freuen, wenn er im nächsten Mai endlich mal eine Trophäe hochhalten darf. Von den letzten 11 Schalen der Bayern hat er schließlich nichts gehabt. Auch Hansi Flick hat gemerkt, dass er das alte frische Blut von Pascal Groß braucht, um die Heim-EM 2024 noch zu retten. Den kennt bei Amazon zwar niemand, aber nur mit ihm lässt sich wenigstens eine weitere peinliche All-or-nothing-Doku verhindern.
30. August 2023 – Grauzone
Niveau ist die Geld?
Eine aktuelle sportliche Situation kann man natürlich auch finanziell erklären. Oder wie Pal Dardai es ausdrücken würde und auch getan hat: „Wie soll ich sagen? Die Geld ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“ Und das klingt natürlich dramatisch, wo wir doch erst gefühlt vor Kurzem darüber lustvoll spekuliert haben, für wen die Windhorst-Millionen demnächst zum Fenster hinausgeworfen werden. Aber Geld ist selten weg, es ist nur meist woanders, wo man schwer rankommt. Man könnte es in Saudi-Arabien vermuten, dort kommt es offensichtlich gerade aus dem Hahn. Auch hier werden Spieler über dem Marktpreis eingekauft, um davon abzulenken, dass die sportliche Relevanz und Strahlkraft nicht ganz so dazu passen. Mit Geld lässt sich die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit dann doch leichter ignorieren. Um die Saudis muss man sich dann aber langfristig weniger Sorgen machen als um die Hertha. Und immerhin klingt Pal Dardai noch nicht wie Ernst Middendorp, der in Meppen klar gemacht hat, dass sein Anspruch sehr viel höher ist. Auch in der Regionalliga spielen wohl immer häufiger Amateure, die nicht einmal Power-Ernst als Animateur zu professionellem Verhalten animieren kann. Er hat es sehr eloquent ausgedrückt, hätte aber auch einfach sagen können: „Wie soll ich sagen. Die Professionalität ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“ Aber Ernst suchte ja offensichtlich nach Gründen, um hinzuwerfen. Ob er wiederkommt, hängt sehr davon ab, wann Arminia Bielefeld und er sich wieder auf einem Niveau wähnen. So hat es jahrelang schließlich auch mit Hertha und Pal funktioniert. Manchmal fühlte sich die Hertha zu groß für den kleinen Pal, aber aktuell ist er wieder gut genug, weil er nicht zu viele finanzielle Fragen stellt. Dass ich das Kopfgrätsche-Niveau (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00) und mein Niveau aktuell noch im Einklang wähne, erkennt ihr an meiner Erklärung zum aktuellen Spielfeld-Status: „Wie soll ich sagen. Die Tor ist weg. Ganz einfach. Ich weiß nicht wo es ist.“



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