War das das schlechteste Ankündigungsvideo aller Zeiten? Ich denke schon. Gut, der Ort war nicht so schlecht gewählt. Das echte Oval Office mit dem ganzen Gold und vergoldetem Pappmaché ist schon eindrucksvoller als die Tapeziertische, an denen sonst gewöhnliche PKs stattfinden. Dann steht im Hintergrund meist noch diese Sponsorenwand, um zu kaschieren in welchem Verschlag die Journalisten ihre Fragen zu Transfergerüchten und Fitness rund um den Kader stellen dürfen. Am Tisch saß dann auch ein Typ im Anzug, der die handverlesenen Fragen der Presse versuchte humorvoller zu beantworten, als das Giovanni Trapattoni oder Klaus Augenthaler jemals gekonnt hätten. Die Spieler, die dahinter standen, wirken allerdings wie mit Waffengewalt zur Teilnahme gezwungen. Kein Anflug einer spontanen Bierdusche, die sicher interessante Effekte im Kontakt mit der Frisur des Präsidenten erzeugt hätte. Aber auch sonst, waren sie für angebliche Italiener erstaunlich gehemmt. Das wurde bestimmt nicht erwartet, als man sich den Klub-WM-Teilnehmer „Juventus of Italy“ ins Weiße Haus eingeladen hatte. Bei so wenig Lebensfreude hätte man ja gleich die Deutschen schicken können. Aber dort gehört irgendwie kein Team John Elkann. Zum Glück stand neben Elkann noch Grinsekatze Gianni Infantino, der sich auf ein ausverkauftes Stadion im Audi Field in Washington freute. Mit den 18.161 Zuschauern in dem 20.000-Schmuckkästchen sah das bestimmt auch voll genug aus, auch wenn Donald nicht einmal Tickets an seine fußballverrückten Freunde geben konnte, die ihre Oma für eine Eintrittskarte verkauft hätten. Bei den Fußballfragen wurde es auch sonst eher weird. Zum Glück wurden noch ein paar Fragen zu Bomben gestellt, auch wenn die Juve-Spieler sich offensichtlich fragten, wann der richtige Zeitpunkt gewesen wäre, sich aus dem Raum zu schleichen. Am Ende schreckten sie dann doch noch einmal auf, als von einem „total complete Victory“ gesprochen wurde. Das wird sie sicher zu den fünf Toren gegen das „Emirates-Team“ motiviert haben. Mich motiviert es immerhin zur Teilnahme Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Eine Bierdusche wäre trotzdem schön.
Archiv der Kategorie: Spielankündigung
Experte für Balles
Da hat man zu Hause gerade erzählt, dass die Saison vorbei ist und dann muss man jeden Abend erklären, was da schon wieder für ein Spiel im TV läuft. Das ist nur noch das Finale der Euro League, bzw. die Relegation für die Bundesliga, bzw. die Relegation für die Zweite Liga, bzw. der Finaltag der Amateure mit allen Landespokalfinalbegegnungen in einer sechsstündigen Konferenz, bzw. das DFB-Pokalfinale, bzw. das Rückspiel zur Relegation für die Bundesliga, bzw. das Rückspiel zur Relegation für die Zweite Liga, bzw. das Finale der Conference League, bzw. das Finale der Champions League, bzw. die Final-Four-Spiele der Nations League, bzw. die Spiele der U21-EM, bzw. eins der 63 Spiele der Klub-WM… dann müsste aber erst einmal eine kleine Fußballpause anbrechen. Aber bis Mitte Juli ist die Versorgung mit grünem Rasen im TV fast jeden Abend gesichert. Nicht alle Profis werden für alle Termine gebraucht, so dass sie zwischendrin bestimmt mal Zeit für einen Shoppingtrip nach Dubai mit kurzem Goldsteak-Imbiss finden. Oder für ein paar Tattoosessions, um sich den Landespokal Hessen großflächig auf den Rücken hacken zu lassen. Aber für die Experten wird es auch ohne großes Nationenturnier ein stressiger Sommer. Ob das die Teilzeitkräfte Mats Hummels und Thomas Müller berücksichtigt haben, als sie ihren Berufswunsch für nach der aktiven Karriere formuliert haben? Und im Sommer ist das ja noch ganz nett, selbst wenn einen die Mücken im Scheinwerferlicht ordentlich annagen. Im Februar mit diesen großen Steppjacken neben dem schimpfenden Matthias Sammer im zugigen Celtic Park stehend ist bestimmt kein Vergnügen. Dann doch besser noch etwas weiter kicken in einer sogenannten Operettenliga. Das sagen wir uns auch jeden Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, wenn wir den Ball in unsere Mitte werfen. Oder lieber einen Spiegel-Bestseller wie Christoph Kramer schreiben und damit über die Buchmessen tingeln? Wenn am Ende aber Matthias Sammer schimpfend im Literarischen Quartett deine Leistungen bei der Zeichensetzung kritisiert, weißt du, dass es sogar dafür eine Fortsetzung geben muss.
Die Gleitzeitigkeit der Dinge
So ein letzter Spieltag ist schon skurril. Da fangen tatsächlich alle zum selben Zeitpunkt an zu spielen und die meisten enden auch zur gleichen Zeit. Gut, manchmal passiert es auch, dass einige im Tal der Ahnungslosen schon feiern, obwohl auf dem anderen Platz noch ein Freistoß im Strafraum ausgeführt werden muss. Aber sowas passiert doch dank des zuverlässigen Nachfolger des Kofferradios (Internet) nicht mehr, oder? Trotzdem kann es natürlich passieren, dass gerade zum Saisonende sämtliche Pyro-Arsenale weggeballert werden müssen. Und dafür könnte eine 15-minütige Halbzeitpause nicht ausreichen. Aber wenn das alle Ultras in allen Stadien gleichermaßen betrifft, kann man sich ja darauf einstellen und gedanklich schon einmal die Nachspielzeit entspannt verlängern. Die Gleitzeit, mit der man quasi 33 Spieltage durch die Saison gegangen ist, gilt aber nicht und es liegen nicht irgendwelche Spieler auf der Couch und rutschen dabei auf Abstiegsplätze oder werden sogar dort Meister. Die Gleichzeitigkeit der Dinge erzeugt jetzt schon Burnout in den Verschlägen, wo alle armen Pushnachrichtenerzeuger zu diesem Zeitpunkt der Entscheidungen einkaserniert sind. Zum Glück kommen sie mit einem Wortschatz von ca. 20 Wörtern aus und der stammt zum Großteil aus dem Baumarkt (Hammer!). Danach ist aber für alle gleichzeitig Schluss und Profis und Amateure treten sich auf Malle und Ibiza gegenseitig auf die Füße. Nur die Frühbucher, die diese Woche schon ihre erreichten Saisonziele begossen haben, können antizyklisch agieren und tragen am letzten Spieltag lediglich das Trikot der neuen Saison zum Ausnüchtern über den Platz. Wir versuchen das mit dem gleichzeitigen Beginn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wieder. Vor dem Austeilen der Leibchen und nach dem Foto ist natürlich trotzdem wieder eine gewisse Gleitzeit zu erwarten. Und mittendrin wahrscheinlich auch. Ich schicke auf jeden Fall trotzdem schon mal meine Standard-Pushnachricht, dass ich dabei bin. Wann genau? Schon zur Übergabe der Dankeschöngrafiken? Während der Spielunterbrechung wegen schlechter Sicht? Oder erst zum Platzsturm? Naja, selbst wenn man erst beim Daydrinking in Halbzeit drei auftaucht, gilt es noch geradeso als Teilgenommen.
Praise the Lords of Chaos
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – das erzählt jede Standesbeamtin jeden Tag circa 5 mal. Und weil es aber auch nervig ist zu lange auf den Anfang zu warten, kann man ihn auch vorziehen, indem man den Trainer nicht erst zum Saisonende rauswirft. Zwei Spieltage vor Schluss wirkt ein wenig, wie wenn man den lauffaulen Zehner noch vor der Halbzeitpause demonstrativ auswechselt. Aber niemand ist gezwungen bis zum Ende zu leiden, nur damit man sagen kann: wir werden uns nach der Saison zusammen setzen und alles knallhart analysieren. Da weiß man doch schon, was bei raus kommt. Also neuer Besen sofort und dann wird ein wenig Chaos aufgewirbelt. Hat man sich auch in Köln im Schatten des Doms gesagt und einen Mann reaktiviert, der ungelogen älter als der neue Papst ist. Das Pontifikat Funkel muss ja auch nicht ewig dauern, Hauptsache der Effzeh kommt in dieser Saison noch in den Himmel, also in die Bundesliga. Zwei Spieltage reichen bis zur Seligsprechung. Danach wird sich schon ein anderer Trainer finden, schließlich werden die Arbeitsagenturen gerade mit Übungsleitern geflutet. Da wird doch was dabei sein. Z.B. Markus Anfang, dem als gebürtigen Kölner der Karneval super wichtig ist und dem am Anfang seiner Beschäftigungsverhältnisse oft ein gewisser Zauber inne wohnt. Bis zum Ende der Saison hat dieser auch bei ihm in Kaiserslautern nicht angehalten, weshalb er vor zwei Spieltagen ersetzt wurde. Beim ersten Spiel von Torsten Lieberknecht als neuen FCK-Trainer vor zwei Wochen, sprach der damaligen Schalke-Trainer Kees van Wonderen in die Mikrofone, dass er es schade finde, dass so ein Trainerwechsel kurz vor Schluss tatsächlich mit einem Sieg für Kaiserslautern belohnt wurde. Eine Woche später dachten sich seine Vorgesetzten auf Schalke: ach komm, das versuchen wir auch. Man muss mal gucken wie stark die Chaoswirkung durch einen neuen Trainer tatsächlich ist, wenn es alle gleichzeitig versuchen. Ein bißchen so, wenn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 alle fünf Minuten neue Kopfgrätscher auftauchen und man innerhalb von Sekunden von 2, auf 3, auf 4 Teams mit 4+1 oder 5+1 oder doch mit Wechslern wechselt. Das Gute dabei: es wirkt jedesmal wie ein neuer Anfang von Zauberhand.
Reich und weit bringt Sicherheit
Na, habt ihr noch eine Spielankündigung auf Halde liegen, die euch an die Spielzeiten auf Vorrat erinnert? Nachdem in dieser Woche Spanien, und Teile Portugals und Frankreichs einen Blackout erlebt haben, fragt der Deutsche natürlich zuerst was das für ihn bedeutet. Und während alle anderen den Engpass haben, haben wir die Angst davor. Die größte Angst der Deutschen ist schließlich immer noch die Reichweitenangst. Ob das E-Auto, der E-Roller, das E-Rad oder das Smartphone – dauern kommen wir ins Schwitzen, wenn wir Angst haben, dass wir mit dem halbvollen Akku es nicht mehr bis nach Hause schaffen. Als alles noch mit fossilen Brennstoffen lief, konnte man sich damit beruhigen, dass man mit einem Stückchen Schlauch und einem Pfefferminzbonbon sich jederzeit irgendwie einen Nachschlag holen kann. Deshalb gucken wir diese Woche noch einmal genauer nach, ob alle Vorräte bei 100% sind. Ist die Wasserflasche voll? Ist noch genug Sonnencreme in der Tube? Ist ausreichend Luft aufm Ball? Ist das Drittehalbzeit-Bargeld aufgefüllt? Jeder Engpass kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich der Spielbeginn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 verzögert. Und in der Folge werden eventuell Anschlusstermine verpasst. Da haben wir schließlich auch ein Trauma von der Deutschen Bahn. Die fährt immerhin elektrisch, hat aber eine dauerhafte Stromversorgung. Sonst würden wir ja da überhaupt nicht einsteigen. Aber bei einem Blackout würde sie auch einfach stehenbleiben. Die Spanier mit dem deutschen Trainer haben in dieser Blackout-Woche ziemlich eindrucksvoll im Classico den Copa del Rey gewonnen und dann hatten sie immer noch genug Graugans-Energie für ein 3:3 gegen Inter im Champions-League-Halbfinale. Das mit den Graugänsen vom Hansi haben seine Landsleute nicht gewürdigt und ihn vom Hof gejagt. Sie winkten ihm mit einem Stück Schlauch hinterher. Immerhin war ihr Atem frisch.
Urbi et Torbi
An einem quasi spielfreien Tag hat Jorge Mario Bergoglio die Augen zugemacht und nicht wieder geöffnet. Die katholische Gemeinde verlor ihren Chef, aber auch der CA San Lorenzo de Almagro muss nun auf ein zahlendes Mitglied verzichten. Am Ostersonntag waren die Kicker aus Almagro in Buenos Aires noch in der Torneo Apertura Zona B gegen Riestra gefordert. Das 0:0 reichte immerhin, um vor River Plate auf dem dritten Platz zu bleiben. Ob der Papst sich das spätabends noch angesehen hat, ist unwahrscheinlich, weil er wohl länger kein Fernsehen mehr sah. Aber als treuer Anhänger hat er den Club zeitlebens begleitet, ließ sich von der Schweizer Garde regelmäßig die Ergebnisse tickern und nannte San Lorenzo einen Teil seiner kulturellen Identität. 1908 wurde der Verein von einem Priester gegründet und aufgrund der Farbe seiner Soutane werden sie Cuervos „die Raben“ genannt. Die Vereinsfarben sind dennoch blau und rot. Bergoglios Mitgliedsnummer bei San Lorenzo war 88235, weshalb er natürlich im Alter von 88 Jahren, um 2.35 Uhr argentinischer Zeit verstarb. Als Pfarrer in Buenos Aires segnete er die Mannschaft vor Spielen mit mäßigem Erfolg, weshalb ihn Coach Alfio Basile einst als Seuchenvogel verbannte. Aber kaum war er Papst Franziskus gewann San Lorenzo 2014 die Copa Libertadores. Und darauf kann man als Anhänger beim nächsten Konklave doch nur hoffen: einen dicken Fuß in des Vorzimmer des Fußballgottes zu stellen, damit er den eigenen Club gar nicht mehr übersehen kann. Nicht umsonst werden seit jeher zu Audienzen unzählige Trikots und Schals wie Ikonen in den Vatikan geschleppt. Über Papst Johannes Paul wurde auch stets erzählt, dass er Schalke-Mitglied wäre, nur weil er bestimmt einige blau-weiße Fanshop-Sortimente in die Höhe halten musste. Natürlich wird San Lorenzo am Wochenende in einem Sondertrikot spielen und nach Franziskus wird nun das neue Stadion benannt. Der Hand Gottes wurde diese Ehre schließlich auch zuteil. Seit 2020 trägt das Stadion in Neapel den Namen Diego Maradonas. Ich hoffe ihr bekommt den Segen für die Kopfgrätsche Gottes Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00.
Steamboat Vasa
Wie lange haben die jetzt an dem Bötchen rumgepuzzelt? Egal nu isses fertig und es kann an die Sonne. Da das Ausdocken natürlich parallel zum Kopfgrätschen Samstag 10:30 stattfinden muss, stellt Christoph seine Kamera diesmal nicht am Platz auf. Ein Zeitraffervideo bietet sich dennoch an, weil dann sieht das einfach viel schneller und dynamischer aus. Wir wissen wovon wir reden. Man kann nur hoffen, dass dem Schiff das Schicksal der Vasa vor 400 Jahren im Stockholmer Hafen erspart bleibt. Für das Video wäre es natürlich weitaus spektakulärer. Und so wie man beim Kopfgrätschen hofft, dass eine absolut unerwartete Situation mit einmal für die Nachwelt festgehalten wird, könnte auch die Disney Adventure mal etwas anbieten. Allerdings ist davon auszugehen, dass bei der Konstruktion etwas genauer nachgerechnet wurde als damals in Schweden. Zwei Kanonendecks mit 64 Kanonen waren dann doch etwas zu viel. Das war quasi die Achterbahn der Vasa. Den Stabilitätstest von damals – bei dem 30 Mann auf dem obersten Deck hin und her rennen mussten – könnten wir nach dem Kopfgrätschen noch unterstützen. Gebt uns einfach einen Ball und der Elchtest kann beginnen. Bei der Vasa brachte dieser Test das Schiff schon beinahe zum Kentern und wurde abgebrochen. Trotzdem wurde die Jungfernfahrt am 10. August 1628 gewagt. Die Kanonen feuerten Salutschüsse aus den rundum geöffneten Stückpforten. Langsam lief das größte Kriegsschiff der Welt aus dem Hafen aus. Plötzliche Fallwinde führten dazu, dass es sich auf die Seite legte und durch die geöffneten Stückpforten strömte Wasser in den Rumpf. Die Vasa sank. Falls es bei der Disney Adventure doch schief geht, lockt die Aussicht auf ein GlobalDream/Disney Adventure-Museum in 400 Jahren. Auf Djurgården ist das Vasa-Museum nicht mehr die alleinige Attraktion seitdem Djurgårdens IF gestern ins Halbfinale der Conference League eingezogen ist. Das sollte uns doch für die nächsten 400 Jahre Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 motivieren.
The Trend is your End, my Friend
Wir nehmen ja sonst gerne jeden kleinen Trend mit, damit das Mannschaftsfoto nicht seit Jahrzehnten immer gleich aussieht. Nun, gleich kann es im Grunde eigentlich nicht aussehen, dagegen sprechen die Gesichter und die Anzahl der Teilnehmer. Wir bei den Profis gern gejammert: sie konnten in dieser Saison nicht zweimal mit der gleichen Mannschaft auflaufen, können wir das quasi als Regelfall einpreisen. Deshalb lohnt es sich auch immer mal wieder in den Fotos zu wühlen und überraschende Motive hervorzukramen. Guck mal, der hat mal mitgespielt. Oder: da war er noch jung und unverbraucht. Und das sind nur die Urteile über den Ball, der manchmal auch mit aufs Bild darf. Wenn es das zimmergleiche Motiv wäre, könnte man ein prima Daumenkino machen, um den Zahn der Zeit plakativ an uns nagen zu lassen. Aber die Diversität jeden Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) verhindert das. Trotzdem ist die Frage nach dem Spiel obligatorisch: Haben wir ein Motto? Manchmal liegt etwas Saisonales auf der Hand oder ein Internet-Trend drängt sich geradezu auf. Da diese Trends aber inzwischen nur noch die Halbwertzeit von einem Vormittag haben, sind wir natürlich chronisch zu spät, um wirklich ein Teil des Hypes zu sein. Den Harlem Shake oder die Ice Bucket Challenge konnte man noch zwei Wochen ignorieren bis man sie dann doch zum Bildthema gemacht hat. Inzwischen reicht es in der Postproduktion kurz die KI drüber laufen zu lassen. Trotzdem war der Ghibli-Studio-Trend schneller verglüht als die Zündschnur von Uli Hoeneß. Aber dieser Mist mit den Action Figuren, der zeitgleich entstanden ist, will irgendwie nicht aufhören. Noch zwei Wochen und ich werd weich. Als Zusatzutensil muss dann aber wenigstens die Ice Bucket in der Packung dabei sein.
Happy Meal Feet
Der Tabellenrechner läuft langsam heiß. Das nahende Saisonende könnte man an zwei Händen abzählen, trotzdem ist es einfacher mit einer Kicker-Stecktabelle. Oder mit einer großen Tafel wie sie Donald Trump gerade überall hochhält. Aber die scheint wenig flexibel. Wenigstens mit Magneten hätte man da arbeiten können. Vor allem weil sich da doch täglich etwas ändern kann. Momentan sind wir beim POTUS auf Vizekusen-Kurs, aber das heißt ja nicht, dass wir uns nicht gegen Arminia Lesotho blamieren können. Oder diese Insel mit den Pinguinen. McDonald Island. Die offensichtlich nur dabei sind, weil die zu wenig von Onkel Donalds Lieblingsrestaurants eröffnet haben. Früher konnte man dort immerhin angehende Europameister treffen wie einst die Dänen 1992. Aber seitdem dort eigentlich nur noch Trump und Söder abwechselnd in die Burger spucken, sind die Golden Arches in der Nährwerttabelle auf den Relegationsrang abgerutscht. Als Überraschung im Happy Meal, das damals noch Junior Tüte hieß, hatten die Dänen neben dem EM-Titel auch noch Grönland gewonnen. Die Krone Europas ist im Vergleich zu dieser Insel sicher nicht mehr ganz so viel Wert. Die nächsten großen Titelträger als Club- und Nationen-Weltmeister werden schließlich schon bald in den USA produziert. Die Produktion von Kopfgrätschen wird trotzdem exklusiv Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 hier lokal durchgezogen. Selbst wenn wir damit wahrscheinlich die letzte echte Werkself sind, die neben Wolfgang Grupp und dem Trigema-Affen ausschließlich in Deutschland produziert. Das Weltniveau, auf dem Bauch mit dem Kopf voran Richtung Ball und Gegner zu rutschen, macht uns so leicht doch niemand nach. Das trauen wir maximal noch den verdammten McDonalds-Pinguinen zu.
Kopfgrätsche PC small group
MW: »Team – Einsetzung einer Kopfgrätschegruppe für die Koordinierung von Ballspielterminen, insbesondere für die nächsten 120 Stunden (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00). Mein Deputy zieht ein Tiger Team auf Deputies/Agency-Chief-of Staff-Level zusammen, direkt nach dem Handlungsauftrags-Meeting im Sitzungsraum an diesem Morgen, zur Aussendung später an diesem Vormittag.«
MW:»Pls versorgt uns mit den besten Staff POC von eurem Team, zwecks Koordinierung für die nächsten Tage übers Wochenende bis Mittwoch. Thx.«
JD:»Team, ich bin heute raus, aufgrund einer ökonomischen Veranstaltung in Michigan. Aber ich denke wir machen einen Fehler.«
JD:»3 Prozent aller Ballaktionen gehen über den Kopf. 40 Prozent über den dicken Onkel. Es besteht ein reales Risiko, dass die Öffentlichkeit nicht versteht, warum das nötig ist. Der stärkste Grund es zu tun ist, wie der Präsi schon sagte, um eine Botschaft zu senden.«
JD:»Ich bin nicht sicher, ob dem Präsi bewusst ist wie inkonsistent das ist mit seiner aktuellen Botschaft an die Kopfgrätscher. Da besteht ein weiteres Risiko, dass wir eine weitere moderate Verlängerung der Tageslichtzeit sehen werden. Ich bin gewillt den Teamkonsens zu unterstützen und die Bedenken für mich zu behalten. Aber es gibt starke Argumente, ab sofort auch Mittwochs 18:00 zu spielen. Da muss man wahrscheinlich jetzt einen Monat Messaging Work machen, warum das wichtig ist, gucken wie die Beteiligung ist, etc.«
JK:»Es gibt nichts Zeitkritisches, das die Timeline beeinflusst. Wir haben exakt die gleichen Tageslichtbedingungen in einem Monat.«
MW:»„Wie wir bereits im ersten PC erklärt haben, haben wir die grundsätzliche Entscheidung, die Spieltage zu verdoppeln. Vom Standpunkt der Nachrichtenübermittlung aus gesehen, werben wir absolut damit, warum die Kopfgrätscher in ihre Mittwochsteilnahme investieren müssen.“
JD:»Ich werde ein Gebet für den Sieg sprechen.«
MW:»Amazing Job.«
JR:»A good Start.«
MW:»👊🏴☠️🔥
SM:»Great work all. Powerful start.«
SW:»🙏🙏💪🏴☠️🏴☠️«
TG:»Great work and effects!«
JG:»…📸
Mein wunderbares Textilpflegeatelier
1900 muss einiges los gewesen sein. So ein neues Jahrhundert motiviert wahrscheinlich noch mal ganz anders, wenn man Silvester mit der Sektflöte auf dem Balkon steht und nach guten Vorsätzen sucht. Und da es damals noch keine Abos für Fitnessstudios gab, hat man dann halt mal fix einen Verein oder Verband gegründet. Zwischen der Gründung des DFB und des FC Bayern liegen im Jahr 1900 dann auch nur vier Wochen. Und wo macht man so eine Gründung? Man braucht ein wenig Platz und der eine oder andere bekommt beim Verfassen der Satzung vielleicht auch Durst. Der DFB wurde deshalb im Restaurant „Zum Mariengarten“ in Leipzig gegründet. Der FC Bayern im Café Gisela in der Fürstenstraße. Wenn man heute nach dem Café Gisela sucht, findet man allerdings nur einen seelenlosen Imbiss in Fröttmaning in einer Multifunktionsarena am Autobahnkreuz München-Nord. Am Gründungsort des DFB in der Büttnerstraße 10 findet man heute einen Friseur und eine Thai-Massage. Etwas Warmes zu Essen oder eine Büchse Energy-Brause gibt es hier wohl nicht mehr. Sogar der Hundesalon The Doggy Style nebenan hat vorübergehend geschlossen. Schräg gegenüber kann man immerhin eine MPU Begutachtung bekommen, aber besonders schräg ist, dass die Wäscherei Schmidt nur ein paar Nummern weiter im Web unter „Textilpflegeatelier Müller“ zu finden ist. Welches Easteregg hat der DFB hier mit seinem Jubiläumstrikotspot versteckt? In der näheren Nachbarschaft gibt es inzwischen fünf Fitnessstudios. Bei PoleFitness in der Salomonstraße lernt man an einer Stange zu turnen, was durchaus für Torwarte eine interessante und innovative Trainingsform sein könnte. Auch Kopfgrätscher könnten hier vor ihrem Einsatz Samstag 10:30 sich kopfüber an der Pole vorbereiten bevor sie ohne Stange frei über den Platz grätschen. Der Kopfgrätsche-Gründungsort ist verrückterweise schließlich immer noch der Spielort. Und wenn die Historiker in hundert Jahren bei GoogleMaps zwischen Drewespark und Wonnemar nach unseren zerfurchten Schädeln buddeln, tragen sie dabei hoffentlich das limitierte Kopfgrätsche-Anniversary-Trikot für die Ewigkeit aus der Seifenblase.
Das Runde muss ins Ovale
Ins Weiße Haus kommen wohl nicht nur Bettler und Hausierer, die frech rüstigen Rentnern Sicherheitsgarantien aus dem Sparstrumpf quatschen wollen. Nein, auch ganze Drückerkolonnen im Anzug werden bereitwillig und naiv hereingebeten. Und schon hat Opa etwas unterschrieben, was er vorher nicht genau durchgelesen hat. Einerseits, weil es bestimmt auch ein länger Text in 7 Punkt Schriftgröße war. Andererseits, weil Opa zu eitel war die Brille aufzusetzen. Der nette Mann von der FIFA hat aber einen ganz seriösen Eindruck gemacht und hat von drei Superbowls am Tag bei der WM 2026 geredet. Da kann man ihm schon mal nachsehen, dass der Ball immer noch viel zu rund ist und in jeder Halftime nicht mindestens drei Teslas beim Superschuss verlost werden. Aber das kann man bestimmt später noch rausverhandeln. Zwar gibt es Gerüchte, dass der „King of Soccer“ gar kein echter Adliger sei, aber das sind die nigerianischen Prinzen ja auch selten. Was soll also schon schief gehen? Die „White House Task Force“ wurde jedenfalls schneller gegründet als wir Samstag 10:30 Kopfgrätsche-Teams bilden können. In der ersten Amtszeit hatte Opa Donald diesen World Cup teuer eingekauft, aber es hatte ihm wohl keiner gesagt, dass die Lieferung ein paar Jahre dauert. Nun, dank seiner zweiten Amtszeit kann er sich das Spektakel doch noch live angucken. Vladimir hatte das schließlich 2018 auch geschafft. Nun also bringt er das Megaevent zum ersten mal in diesen Teil der Welt. Seine Lieblingsband die Village People hätten ihm eigentlich persönlich sagen müssen, dass sie schon einmal 1994 mit ein paar hüftsteifen Deutschen für ein Soccer-Turnier in Baseballstadien gesungen haben. Aber bei denen hat sich die Besetzung seitdem leider auch schon vier mal geändert. Egal, 2026 wird huge. Aktuell denken die Mexikaner und Kanadier noch, dass sie auch dieses Turnier ausrichten. Aber Grenzen sind keine kalibrierten Linien und können jederzeit vom VAR neu festgelegt werden. Als besonderen Wettbewerbsanreiz wird der POTUS persönlich im White House Keller bei langweiligen Ballschiebereien einfach neue Strafzölle beschließen, die der Schiedsrichter über das Stadionmikrofon verkünden muss. Mann kann nur hoffen, dass dieser nette Schweizer Superbowl auch richtig verstanden hat und nicht mit „Millions of People“ und drei superben Eulen anrückt.
Brainrot wegen Meckerns
Hiermit möchten wir noch einmal klarstellen, dass German Brainrot nicht das Ergebnis von zu viel Kopfgrätschen ist. Man kann ja auch nicht vom Küssen schwanger werden. Nun gut, man könnte denken, dass der Kopf in einem Sport, der „Fuß“ im Namen trägt, eher ungeeignet ist, um ihn häufiger gegen Bälle und Waden zu kloppen. Das mag sein, aber das passiert seltener als man erwarten könnte. Das mit dem Kopfgrätschen ist eher eine Ausnahme oder eine Kuriosität, die sich aufgrund technischer Limitierung und fehlender Kontrolle über die eigenen Körperteile einstellt. Geplant ist sie selten. Natürlich könnten wir jetzt eventuell profitieren, wenn wir auch in kurzen Social-Media-Clips einen Kopfgrätscher statt eines Fisches in der Luft vertikal rotieren lassen. Müssen wir vielleicht sogar mal ausprobieren. Bei Asterix war das ja auch ganz lustig. Den Effekt würde man sicher Samstag 10:30 auf dem Platz messen können. Wenn dann plötzlich ganz viele neue Mitspieler mit einem TikTok-Account über den Platz rotieren, kann man sicher am Freitagmorgen ein paar Haupt- und Nebensätze einsparen. Über die Qualität des Spielermaterials müsste man aber noch einmal kritisch drüber gucken. Die TikTok-Pausen wären bestimmt länger und häufiger als die Trink- und Zigarettenpausen. Das Mitzählen der erzielten Tore wäre wie bisher komplett subjektiv und willkürlich. Da würde sich nicht viel ändern. Das mit der Kniehöhe beim Einschießen kann sich sowieso seit Jahren niemand merken. Ja nö, eigentlich sind wir wohl bereit für Idiocracy x Kopfgrätsche. Das Problem ist nur, dass wir gerade über einen Trend nachdenken, der morgen bei Spielbeginn schon wieder komplett out sein könnte. Aber wenn es uns gelingt in Zukunft weniger nachzudenken, sind wir bestimmt auf dem richtigen Weg.
Gute Freunde der Sonne aus dem Arsch
Was schenkt man jemandem, der schon alles hat? Schwierig. 125 Jahre wird der FC Bayern und macht immer noch keine Anstalten sich mal ein wenig im Schaukelstuhl zurückzulehnen. Wie so ein Berufsjugendlicher, der immer noch die Jungen auf dem Skateboard überholt oder alle anderen Verkehrsteilnehmer mit dem Liegefahrrad wegklingelt und dabei mit Pokerface und ohne Schweiß auf der Stirn hinter der Spiegelsonnenbrille feist grinst. Nur der Uli, da auf dem Tandem mit dem Karlheinz scheint ein wenig rot im Gesicht. Aber eigentlich nur aus purer Identifikation mit der Vereinsfarbe. Bei 125 Jahren wäre es doch wirklich okay, wenn man langsam mal auf beige oder andere Erdtöne umsteigen würde. In der letzten Saison schien man nach 11 Meisterschaften am Stück auch etwas altersmilde, aber kaum geht es auf das Jubiläum zu, wird schon wieder ein Hangar für die zu erwartenden Geschenke freigeräumt. Die Gratulanten stellen sich brav in eine Reihe und warten bis der rüstige Jubilar unter endlosen Huldigungen bis zum Titel dahoam durchgewackelt ist. Bis dahin gibt’s noch ein paar Rückblicke auf ganz viele Legenden und unzählbare Triumphe. Die wenigen Irrtümer, die das Feierbiest im Jubiläumstrikot menschlich erscheinen lassen könnten, muss man dezent auch einstreuen. Aber natürlich nur als erzählerische Rampe für noch größere Triumphe. Vor 125 Jahren sahen die aktuellen Spieler auch nicht anders aus wie ein paar Kopfgrätscher am Samstagmorgen 10:30. Sie mussten auch nicht schneller laufen als diese, was aufgrund der schweren Lederstiefel und des Schweineblasenklumpens, der noch von Mund aufgeblasen werden musste, auch nicht möglich war. Also besser wir machen von uns noch ein paar ikonische Bilder. Wer weiß, ob die nicht noch beim 125jährigen Kopfgrätsche-Jubiläum gebraucht werden. Unser Sondertrikot solltet ihr jetzt schon mal sicherheitshalber vorbestellen.
King of Kotelett as fuck
Was war noch mal so vor zwölf Jahren los? Na klar, da fällt euch bestimmt ein, dass es ein deutsches Finale in der Champions League gab, an dem u.a. ein gewisser BVB teilnahm, der zweimal in Folge Meister geworden war. An den Trainer bei den Schwarzgelben denken die meisten Fans nur noch mit apathischem Wippen zurück, während ihre toten eingefallenen Augen ins Leere starren. Dass der Pöhler-Vulkan von einst inzwischen als schäbiger Dosenverkäufer geendet ist, während man ihn dringend als Erlöser bräuchte, ist doppelt tragisch. Aber vor zwölf Jahren trug sich noch weiteres nahezu Unglaubliches zu. Es gab tatsächlich eine Spielankündigung mit dem Titel „Ball-o-mat für Abschlussschwache“, weil natürlich eine Bundestagswahl stattfand. Diese hatte eine dritte Amtszeit von Angela Merkel als Bundeskanzlerin zum Ergebnis. Der Herausforderer der SPD Peer Steinbrück musste mit seinen lumpigen 25,7% als Juniorpartner in eine große Koalition eintreten. Einen Kabinettsposten nahm er aber nicht ein. Da musste der unverbrauchte Niedersachse Siggi Gabriel ran. Die Opposition bestand aus Grünen und Linken, während die FDP und die im Februar 2013 neugegründete AfD den Einzug in den Bundestag knapp verpassten. Das Fernsehduell der beiden Spitzenkandidaten richteten ARD, ZDF, RTL und ProSieben gemeinsam aus. Die Spitzenkraft, die ProSieben dafür entsandte, war ein gewisser Stefan Raab, was natürlich der einzige Aufreger des gesamten Wahlkampfs war. Aber am Ende waren sich die Meisten einig, dass die freche Ulknudel eine Bereicherung für die Runde war. Er nagelte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für seine Haltung, nur bei einem Wahlsieg der Bundesregierung anzugehören, mit folgenden Worten an die Wand: „Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich ‚King of Kotelett‘ bin. Oliver Kahn ist auch als Nummer 2 zur WM gefahren. Warum? Weil es der Sache dient! Und das nötigt den Leuten Respekt ab. Überlegen se sich das noch mal, dann kriegen sie mich vielleicht auch noch.“ Wer mit diesen flammenden Worten nicht on Fire as fuck für Samstag 10:30 ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Modern Football Love
I know when to go out (saturday 10:30)
Know when to stay in (never)
Get things done
I catch a paper boy, but things don’t really change
I’m standing in the wind, but I never grätsch bye-bye
But I try, I try
There’s no sign of talent, it’s just the power to charm
I’m lying in the snow, but I never grätsch bye-bye
But I try, I try
Never gonna fall for (Modern football)
Walks beside me (Modern football)
Walks on by (Modern football)
Gets me to the pitch on time (Pitch on time)
Terrifies me (Pitch on time)
Makes me party (Pitch on time)
Puts my trust in Club WM (Club WM)
No confession (Club WM)
No religion (Club WM)
Don’t believe in Modern Football Love
It’s not really work, it’s just the power to charm
I’m still standing in the wind, but I never grätsch bye bye
But I try, I try
Never gonna fall for (Modern football)
Walks beside me (Modern football)
Walks on by (Modern football)
Gets me to the pitch on time (Pitch on time)
Terrifies me (Pitch on time)
Makes me party (Pitch on time)
Puts my trust in Club WM (Club WM)
No confession (Club WM)
No religion (Club WM)
Don’t believe in Modern Football Love
PS: Roter Teppich für ein kleines Nerdderby – wer findet die meisten Graugä… äh… Sci-Fi-Filme in diesem Motivationsfilmchen?
Phonediggidagga
Da hatte man nach all den Jahren gedacht, dass Lothar Matthäus fast rehabilitiert ist und dann guckt man sich die Transfers am Deadline Day an und muss feststellen: Pustekuchen. Für die Bundesligamanager soll der Lothar wohl noch etwas länger der Loddar bleiben, der in seinem Frrrängisch alle Namen ungooglebar ausspricht. Schugwugega, Nedegovidsch, Badschuei – der Kreuzbandriss damals in den Neunzigern war nichts gegen das, was Loddars Zunge aktuell erleiden muss. Immerhin muss er sie nicht mehr in sein Dagebuch schreiben. Ohne die FC Hollywood Doku hätten das alle schon längst vergessen und der Ehrenspielführer wäre in verklärter Rückschau endlich der allseits geschätzte Weltfußballer und Weltmeisterkapitän, der als TV-Experte schlaue Analysen liefert und sogar von jungen Spielern respektvoll gesiezt wird. Die Erinnerung malt normalerweise mit goldenem Pinsel, wenn es da nicht noch diese Homestories für die Bunte aus den Neunzigern gäbe, die soviel alte BRD atmen, dass man denkt, man würde gerade die Schwarzwaldklinik sehen, inklusive der pikanten amourösen Verwicklungen von Udo Brinkmann. Mit dem zusammengeknoteten Pulli über der Schulter und der Föhnfrisur im Cabrio auf dem Weg zum Golfen mit den Freunden von der Bild. Was man halt sich so damals gegönnt hat als neureicher Profi, der sich als gelernter Raumausstatter aus einfachen Verhältnissen und einfachen Hauptsätzen nach oben gearbeitet hat. Aber gut, auf die heutigen Jungprofis guckt man natürlich mit ähnlich schüttelndem Kopf. Mit der Streetwear-Haute-Couture in den Knien und dem Edgar-Haarschnitt im AMG auf dem Weg zum Let’s Play mit den Streamern. Jede Zeit hat ihre Pest. Und wer weiß, wer von denen in 30 Jahren in der Halbzeitpause die Highlights des Dobbspiels der Subberlieg verbal analysieren muss und damit kämpft die Namen unfallfrei auszusprechen. Und da irgendwie alles immer wiederkommt, wie Kopfgrätsche am Samstag 10:30, verzweifelt wahrscheinlich ein Finn oder Joshua dann an der Aussprache von klassischen völkischen Namen wie Friedhelm, Eberhard oder Fürchtegott.
Eau de Stallgeruch
„Die Schlaumeier wollten uns Tuchel einreden“ blaffte 2018 Uli Hoeneß in die Mikrofone. Niko Kovač war gerade erst ein paar Wochen in München, aber der Bayernboss war sehr zufrieden mit dem neuen Trainer und ließ das die Journalie in seiner gewohnte herzlichen Art wissen. Nein, er war nicht nur zufrieden mit der B-Lösung, er war „der glücklichste Mensch der Welt“. Die Wochen vor der Verpflichtung waren turbulent. Der neue Trainer hatte auf der Bank von Eintracht Frankfurt im Pokalfinale kurz vor seiner Verpflichtung in München dafür gesorgt, dass die Bayern lediglich die Meisterschale in die Vitrine stellen durften. Jupp Heynckes hatte ein letztes mal versucht den Club vor einer Saison ohne Triple zu retten, nachdem ein unerfahrener Azubi namens Carlo Ancelotti mit Augenbrauenlupfen die Bayern nicht zum Rennen bewegen konnte. Immerhin konnte Don Jupp locker die Meisterschaft vor dem ärgsten Verfolger Schalke 04 eintüten. Dann war aber endgültig Rente mit Cando angesagt und Uli musste einen neuen Trainer suchen. Der Favorit war schnell klar. Aber der Wunschkandidat Thomas Tuchel wagte es tatsächlich den Bayern abzusagen. Stattdessen folgte er lieber dem dreckigen Scheichgeld nach Paris. Aber für Uli war eh klar: der Tuchel, das war maximal der Kandidat der Schlaumeier, die sich davon blenden ließen, dass er zehnmal im Spiel die Taktik änderte. Da könnte man ja gleich den Nagelsmann holen. Kovač ergab auf ganz vielen Ebenen Sinn. Er hatte Stallgeruch, war mit Sportdirektor Salihamidzic auf Du und Du. Kovač galt als umgänglich, Tuchel als unnahbar. Er hatte zudem eine BVB-Vergangenheit und kam aus einem Sabbatical. Kovač kam mit Rückenwind aus dem DFB-Pokalfinale, was Uli Hoeneß im Nachhinein so bewerten möchte: „Das war vermutlich eine glückliche Fügung für alle, leider sehr zum Leidwesen auch unserer Fans.“ Sechseinhalb Jahre später muss man konstatieren: eine Fortsetzung der FC Hollywood Doku muss unbedingt kommen. Aber natürlich nur in Kombination mit dem BVB. Die Schnittmengen sind einfach zu offensichtlich. Ich als Schlaumeier will euch bei der Gelegenheit natürlich wieder Samstag 10:30 als Kopfgrätsche-Termin einreden. Dafür rufe ich zur Not auch noch mal am Sonntagmorgen im Doppelpass, im Presseclub und bei Jupp Heynckes gleichzeitig an.
Sonnenkönigsklasse
Noch ist es für uns zu früh, um über den Mittwoch als Spieltag nachzudenken. Die aktuellen Planetenverhältnisse erlauben nur Samstag 10:30 in unserem Spielplan. Aber so verpassen wir immerhin keine Sekunde vom Super-Mittwoch nächste Woche. Und da zählt nicht nur jede Sekunde. Nein, sogar das Blinzeln kann man nicht einmal empfehlen. Wenn alle 18 Spiele der letzten Rutsche der Champions-League-Vorrunde stattfinden, ist die Konferenz eine Herausforderung für jeden Geist. Durchschnittlich 5 Minuten pro Begegnung sind drin, aber wie in jeder Konferenz wird sich die Dramatik ihren Weg suchen. Und am Ende sind von Young Boys Bern gegen Roter Stern Belgrad vielleicht nur 10 Sekunden zu sehen. In diesen 10 Sekunden wird man die schwarz-gelben Berner vermutlich trotzdem noch mit den Dortmundern verwechseln. Und das nicht unbedingt nur wegen der Farben. Wichtig ist deshalb, dass die alten Radiolegenden reaktiviert werden, die durch unzählige letzte Bundesligaspieltage wenigstens wissen wie man durch 9 parallele Endspiele auf sich aufmerksam macht. Tooooor in Lillllle!!! Elfmeeeeter in Giroooonaaa!!! Rooote Kaaarte in Graaazzz!!! Wir melden uns vom Abgrund. Es ist ein wilder Zappingmarathon zu erwarten, an dessen Ende niemand weiß, ob der Schaum am Mund wirklich noch vom Bier kommt. Die Aufregung ist eigentlich nur mit der am Deadlineday zu vergleichen, der praktischerweise eine halbe Woche danach stattfindet, so dass man die teuren Stars, mit denen man sich für das mögliche Erreichen des Achtelfinales komplett übernommen hat, rechtzeitig noch auf den Grabbeltisch werfen kann. Das startet dann Anfang März. Auch dann sehen wir die Sonne immer noch zu früh untergehen, wie einen gehypten Topstar, der unbedingt den nächsten Schritt machen will. Aber zum Viertelfinale greifen wir unter der Woche auch endlich wieder ein und sagen dann wahrscheinlich so komische Dinge wie: „Lass mal letztes Tor machen, ich will noch Brest gegen Bergamo gucken.“
… ist doch ein Verbrechen!
Das mit den Polizeikosten für die Hochrisikospiele ist natürlich erst einmal nervig für die DFL. Aber dann guckt man einmal wer da am Wochenende nach uns Samstag 10:30 gegeneinanderspielt und Aki Watzke kann wenigstens in seiner Funktion als DFL-Präsident die Herztabletten wieder zurück in die Schublade packen. Kein Revierderby, kein Nordderby, kein Hamburgderby, kein Berlinderby, nicht einmal Köln gegen Gladbach. Die Ligenkonstellation verhindert aktuell das Schlimmste für den DFL-Geldbeutel. Da müsste schon Hannover gegen Braunschweig die teuerste Begegnung dieses Jahr sein und man könnte eigentlich ganz prima sparen. Sogar für die Spiele von Hansa Rostock gegen jeden x-beliebigen Gegner fühlt sich die DFL aktuell nicht zuständig und die würden in einem Erst- oder Zweitligajahr ordentlich den Sparstrumpf leersaugen. Aber nun ist das Risiko, dass der asiatische Markt bei Kiel gegen Hoffenheim auf der Fernbedienung einschläft und bei Bares für Rares den Rest des Abends versackt, sehr viel größer. Zum Glück gehört es mittlerweile zum Standard, dass einige Stadiongänger während der Pinkelpause zwischen den Halbzeiten auf ein beachtliches Pyroarsenal in ihren Unterhosen stoßen, das zum Beginn der zweiten Hälfte unbedingt abgebrannt werden muss bevor es feucht wird. Klar, früher hat man das für Gut aufgehoben bis der verhasste Mob aus der Nachbarstadt angereist ist. Aber wie lange soll man noch darauf warten, dass die Dilettanten von nebenan endlich mal wieder aufsteigen? Bis dahin ist das Leuchtbesteck überm MHD und für sich durchaus ein Risiko. Das TÜV-Rheinland-Logo blättert schließlich auch schon verdächtig ab. Wenn alles fein säuberlich abgefackelt wurde, nur nicht vergessen das Feuerzeug hinterherzuwerfen. Da lohnt sich die Rechnung und die ist ja für einen guten Zweck. Die DFL kann ein paar Euro sammeln für den Fall, das tatsächlich mal ein Polizist in Anspruch genommen werden muss. Und wer weiß, vielleicht schreckt sogar der eine oder andere asiatische Zuschauer aufgrund des Schwarzpulverfestivals aus seinem Dämmerzustand auf.