Note gegen Elend

Dann wollen wir mal sehen. Was sagt das Kopfgrätsche-Zeugnis? Besonders wichtig sind dabei natürlich die Kopfnoten. Fleiß war durchaus erkennbar, da kann man nicht meckern. Die defensive Arbeit wird inzwischen sehr viel fleißiger verrichtet. Vorne rumstehen mit den Händen in den Hüften ist tatsächlich sehr selten geworden. Bei verlorenen Bällen wird doch auch regelmäßig der Versuch beobachtet, dem Gegenspieler das Spielgerät wieder abspenstig zu machen. Und damit wären wir bei der Mitarbeit. Also wenn die Anwesenheit gewährleistet ist, kann man über die Mitarbeitet nicht meckern. Die ist teilweise so vorbildlich, dass bei Erscheinen mit einstündiger Verspätung (nach Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) eine sofortige Einwechslung verlangt wird. Da aber die länger Anwesenden sich meist gerade erst nach intensiven Verhandlungen auf eine akzeptable Konstellation zur Gruppenarbeit geeinigt haben, besteht gute Mitarbeit oft auch aus Selbststudium oder Stillarbeit. Meist tauchen ja noch etwas später weitere Mitspieler auf, mit denen man sich auch auf eine Gruppenarbeit einigen kann, um gemeinsam eine sofortige Einwechslung („Letzter Angriff!“) zu fordern. Damit wären wir bei Betragen, das meistens zufriedenstellend ist. Beim Fordern von Handelfmetern gibt es aber noch Optimierungspotenzial. Beim reflexartigen Ruf „Hand!“, hat man früher ein lässiges „…spielt bei Bremen, Wolfsburg, Hamburg“ angefügt und dann einfach weitergespielt. Ein hitziges vehementes Einfordern eines Strafstoßes ist dagegen nicht so gern gesehen und führt eigentlich fast immer dazu, dass der Ball danach im Gebüsch landet. Und damit gucken wir noch einmal auf die Ordnung. Die ist um den Platz im Sommer wirklich schlimm. Wie soll man da auch nur einen Ball wiederfinden? Immerhin sind die Leibchen meistens frisch gewaschen. Auch mit offenen Schnürsenkeln wird nur noch selten gespielt. Wir empfehlen die Versetzung in die nächste Klassenstufe.       

4 – 3 – 3 Minus

Begründet sich der Erfolg der BILD-Zeitung darauf, dass sie schon in der BAMS alle Noten für die Spieler der Bundesliga vergeben hatten? Da hat man früher als Kicker direkt beim Bäcker mit der Brötchentüte sein Zeugnis abgeholt. Natürlich konnte man beim Frühschoppen oder nach der Kirche noch fleißig darüber streiten, ob nicht doch eine andere Bewertung zwischen Eins mit Sternchen oder einer glatten Sechs möglich gewesen wäre. Aber das Prinzip Hop oder Top, Schwarz oder weiß, Lorbeerkranz oder Löwenmahlzeit macht halt anschaulich. Heute muss man nicht mehr auf den Sonntag zu warten, um schon in der Halbzeitpause Meisterschale oder Kündigungen zu verteilen. Die Spielerbewertung ist, zwischen den Sternen für den letzten Einkauf bei Lidl oder für die Booking-Unterkunft, auch nur noch ein kurzer Daumendienst. Der Kaiser (nicht der Franz) hat sich damals noch die Mühe gemacht den Daumen noch oben oder unten zu drehen, aber der hatte halt keinen Touchscreen. Bei den ganzen Bewertungen kommt man auch teilweise leicht durcheinander. Meintest du jetzt Christiano Ronaldo den Fußballspieler oder den Flughafen? Und kann ein Mensch mit vielen Instagram-Followern überhaupt an Marktwert verlieren, nur weil der die Kombiwette Platzverweis und Eigentor bedient? Zum Glück halten wir uns auch Samstag 10:30 wieder mit allzu plakativen Bewertungen zurück. Neben den normalen Vorwürfen auf dem Platz, gilt dabei vor allem, dass man teilgenommen hat. Dafür gibt es ein ganz durchschnittliches Lob und ein ermunterndes „weiter so“.