Urbi et Torbi

An einem quasi spielfreien Tag hat Jorge Mario Bergoglio die Augen zugemacht und nicht wieder geöffnet. Die katholische Gemeinde verlor ihren Chef, aber auch der CA San Lorenzo de Almagro muss nun auf ein zahlendes Mitglied verzichten. Am Ostersonntag waren die Kicker aus Almagro in Buenos Aires noch in der Torneo Apertura Zona B gegen Riestra gefordert. Das 0:0 reichte immerhin, um vor River Plate auf dem dritten Platz zu bleiben. Ob der Papst sich das spätabends noch angesehen hat, ist unwahrscheinlich, weil er wohl länger kein Fernsehen mehr sah. Aber als treuer Anhänger hat er den Club zeitlebens begleitet, ließ sich von der Schweizer Garde regelmäßig die Ergebnisse tickern und nannte San Lorenzo einen Teil seiner kulturellen Identität. 1908 wurde der Verein von einem Priester gegründet und aufgrund der Farbe seiner Soutane werden sie Cuervos „die Raben“ genannt. Die Vereinsfarben sind dennoch blau und rot. Bergoglios Mitgliedsnummer bei San Lorenzo war 88235, weshalb er natürlich im Alter von 88 Jahren, um 2.35 Uhr argentinischer Zeit verstarb. Als Pfarrer in Buenos Aires segnete er die Mannschaft vor Spielen mit mäßigem Erfolg, weshalb ihn Coach Alfio Basile einst als Seuchenvogel verbannte. Aber kaum war er Papst Franziskus gewann San Lorenzo 2014 die Copa Libertadores. Und darauf kann man als Anhänger beim nächsten Konklave doch nur hoffen: einen dicken Fuß in des Vorzimmer des Fußballgottes zu stellen, damit er den eigenen Club gar nicht mehr übersehen kann. Nicht umsonst werden seit jeher zu Audienzen unzählige Trikots und Schals wie Ikonen in den Vatikan geschleppt. Über Papst Johannes Paul wurde auch stets erzählt, dass er Schalke-Mitglied wäre, nur weil er bestimmt einige blau-weiße Fanshop-Sortimente in die Höhe halten musste. Natürlich wird San Lorenzo am Wochenende in einem Sondertrikot spielen und nach Franziskus wird nun das neue Stadion benannt. Der Hand Gottes wurde diese Ehre schließlich auch zuteil. Seit 2020 trägt das Stadion in Neapel den Namen Diego Maradonas. Ich hoffe ihr bekommt den Segen für die Kopfgrätsche Gottes Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00.

Estadio Mâs Monumental und Museo River, Buenos Aires


Am Vorabend unseres Besuches, am 12. Februar 2023, kamen zum Ligaspiel zwischen River Plate und Argentinos Juniors (2:1) über 83.000 Besucher, das Estadio Mâs Monumental ist damit das grösste Stadion in Südamerika, noch vor dem Estadio Monumental „U“ in Lima (80.093) und dem Maracanã in Rio de Janeiro (78.838).


Das River-Plate-Museum zeigt eine eindrucksvolle Club-Geschichte auf, optisch auffallend ist der Toyota-Cup-Pokal von 1986. Dieser Wettbewerb war der interkontinentale Weltpokal, der von 1980 bis 2004 in Japan ausgetragen wurde. In dem duellierten sich die Gewinner des europäischen Champions Cups (bis 1991, danach Champions Leaque) und des südamerikanischen Copa-Libertadores-Club-Wettbewerb, ein illustrer Kreis von Finalisten: Real Madrid, Juventus Turin, Boca Juniors, River Plate, Hamburger SV [sic!].
Auch die Spieler- und Trainer-Liste von River Plate ist faszinierend: Goycochea, Caniggia, Higuain, Demichelis und natürlich Mario Kempes. Allerdings nur eine Saison (1981/82) ausgeliehen. Auch Trainer Diego Simeone war nur kurze Zeit bei River Plate tätig, 10 Monate, reichte aber für den Titel des Torneo Clausura 2008 und einem unrühmlichen Abgang nach 11 verlorenen Spielen in Serie.
Alles in allem eine faszinierende Fussballstätte, die sogar noch weiter ausgebaut wird, um dann bald 84.000 Zuschauer Platz bieten zu können. Bisschen negativ fällt auf, dass es kein Cafe, Restaurant oder Fanshop gibt. Geld ausgeben ist total schwierig!