Als diese Woche Thomas Müller in Vancouver gelandet ist und er vom lokalen indigenen Stamm adoptiert wurde, waren es erst einmal ungewohnte Bilder. Statt der speckigen Lederhose, die er Jahrzehnte lang sein natürliches Habitat nannte, wurde er in einen ortstypischen Umhang gewickelt, der ihm gleich mal das Gefühl gab auch bei seinem neuen Brötchengeber muss er nicht darauf verzichten, kultige Folklore als wesentliches Standbein der Marke Müller zu bedienen. Nur schade, dass er nicht nach Schweden gewechselt ist. So konnten wir leider nicht mitbekommen, womit sich die Skandinavier heutzutage so identifizieren. Ähnlich wie in Vancouver ist in Schweden wohl eher Eishockey der Volkssport Nummer eins. Davon merken wir auf dem Schwedenfest allerdings nichts. Die Eishalle am Hafen hätte dafür eigentlich schon einmal in Betrieb genommen werden können. Die Chance wurde leider verschenkt. Stattdessen müssen ein paar angejahrte Klischees das Programm füllen. Schwedische Truppen im Heerlager, die in die Luft ballern, Abba und Elchbratwurst. Und natürlich der Schwedeneisbecher, den kein Schwede kennt, den wir aber immerhin indirekt dem Eishockey und Schwedenfan Walter Ulbricht zu verdanken haben. Aber vielleicht verirren sich doch ein paar Schweden auf das Fest und gucken leicht ungläubig wie Thomas Müller was die Indigenen von Wismar kulturell so angestellt haben, seit man ihnen die Freiheit geschenkt hat. Wahrscheinlich sind sie schon etwas enttäuscht, dass wir nicht überall Eishockey spielen, sondern stattdessen einer eigenartigen Sportart namens Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) nachgehen. Und wenn wir uns rausreden, dass es bei uns einfach zu warm für Eishockey ist, dann googelt mal „Floorball“. Nein, nicht Flødeboller… obwohl die in Österreich „Schwedenbomben“ genannt werden und auch super in ein schwedisches Heerlager passen würden.