Strunz Upon a Time… in Hollywood

Bei der Spielankündigung vor 25 Jahren wären wir nicht drumherum gekommen, die Pressekonferenz der Pressekonferenzen im Fußball zu zitieren. Was haben wir uns damals wochenlang beömmelt über die Versuche vom Mister auf Deutsch zu eskalieren. Gefühlt mindestens ein halbes Jahr mussten wir jedes mal, wenn jemand eine Flasche leerte, reflexartig in diesen italodeutschen Rant verfallen. Harald Schmidt bestritt unzählige Ausgaben der Harald-Schmidt-Show, indem er einfach mehrfach „Struuunz“ ins Publikum bellte. Humortechnisch eine absolut sichere Bank. That’s the gag. Mehr musste man nicht tun. Und wenn sich das Publikum gerade so einigermaßen wieder gefangen hatte, schickte man einfach ein weiteres FC-Hollywood-PK-Zitat hinterher und die Show war quasi schon halb rum. Und natürlich gab es unzählige Zitate, die ganze Textilbetriebe retteten, weil es endlich wieder Gold-Material für Sprüche-T-Shirts gab. Auf wessen Abi-Shirt damals nicht „Ich habe fertig!“ stand, der werfe den ersten Stein. Aber wir waren eben relativ einfach zu erheitern damals. Harald musste damals in seiner Sendung nur seine schwarz-weiß-gefleckte Schleife tragen und herzhaft dazu muhen, um unsere von BSE oder BSE-Angst zersetzten Gehirne zum Kichern zu reizen. Eigentlich endete das wirklich erst sechs Jahre später als Bruno Ganz versuchte in „Der Untergang“ den Trapattoni-Monolog zu toppen. Allerdings waren die folgenden Motivationserfolge doch sehr unterschiedlich. Traps abgesaute Profis konnten tatsächlich danach „alleine die Spiel gewinnen“. Da wir Samstag 10:30 allerdings nicht alleine spielen und gewinnen möchten, bleibt der Ton in dieser Spielankündigung freundlich und ermutigend. Drum geht’s raus und spielt’s Fußball. Es bleiben lediglich im Raum: Keitel, Jodl, Krebs, Burgdorf und Struuunz!

04. März 2023 – Spiel auf 1 Tor

… war zum Glück nicht nötig, auch wenn wir uns erst einmal verwundert die Augen rieben als wir die Stelle mit einem herzhaften Schuss anpeilten, wo normalerweise ein Tor hingehört. Hatten etwa dreiste Aludiebe das Ziel unzähliger Traumtore einfach so weggeflext? Zum Glück war an diesem Samstag kein Basketball, so dass wir auch den Backup-Platz ausweichen konnten. Dennoch hoffen wir auf eine baldige Rückkehr des fehlenden Tores, damit die nächste Kopfgrätsche-Partie nicht allzu einseitig ausfällt. Ein Tor würde dem Spiel gut tun…

Burn after Streaming

Bei den Meldungen von Nachrichtenwert spielen wird doch hier meistens in der dritten Liga. Wenn wir wissen wollen was hier so los ist, müssen wir es schon den Ländermagazinen entnehmen. Der Spot auf den Spott im Osten ist oft maximal eine Funzel. Andere Orte und Regionen qualifizieren sich bei den News regelmäßig für die Champions League. Dort braucht man nur vom E-Scooter pöbeln und schon hat man die Chance, dass man in diversen Livestreams als Cameo auftaucht und als Teilzeitfreak ganz oben mitspielen darf. Man muss sich in den strukturschwachen Regionen schon strecken, um es in den internationalen Pressespiegel zu schaffen. Damit auch endlich mal Menschen außerhalb des eigenen Bundeslandes nachfragen: was war denn da los? Unerwartet und ungeübt wird man plötzlich zum Zentrum einer Party, nur weil man nah an dieser Unglaublichkeit wohnt und vielleicht ja am Gartenzaun mitbekommen hat wie beim Nachbarn Steuererklärungen von Interesse beim Energiesparen im Kamin gelandet sind. Dafür zerren sie einen aus der dunklen Ecke der Drittklassigkeit und stellen dich ins Scheinwerferlicht. An dem Punkt darf man nicht den schlimmen Fehler machen zuzugeben, dass man eigentlich gerade erst davon gehört hat und im Grunde auch nicht viel mehr weiß als das, was die BILD schon in der Überschrift in einem lustiges Kompositum verwurstet hat. Jetzt gilt es das kurzzeitige Interesse zu nutzen und in mysteriösen Andeutungen zu lancieren, dass da wohl noch viel mehr Ungeheuerliches unter der Oberfläche lauert. Nur so lässt sich das Überleben in der Aufmerksamkeits-Champions-League etwas über die Vorrunde hinaus strecken. Der Tourismusverband zählt dabei auf jeden einzelnen Einwohner. Es können nicht nur immer die Hansafans sein, die mit ihren mediterranen Leuchtfeuern so tun als wäre hier mindestens ein Serie-A-Spielort. Darum seid auch ihr aufgerufen bei jeder Gelegenheit von unglaublichen Kopfgrätschen am Samstag (10:30) zu berichten, die an Spektakel locker die von gehypten Barça-Spielern toppen. Es könnte auch hier passieren. Uns ist alles zuzutrauen…     

11. Februar 2023 – Unscharf

Liebes Kopfgrätsche-Tagebuch,
was war denn das? Hatte ich nicht zwei Wochen zuvor ganze acht Tore geschossen (inklusive viere davon am Stück) und jetzt das? Es war ein schönes 5 gegen 5. Ein paar Nachzügler kamen dazu und ich ließ mich auswechseln. Mein Team führte deutlich. Als ich wieder ins Spiel zurückkam, habe ich sieben Gegentreffer innerhalb kürzester Zeit mit- oder auch komplett eigenständig verschuldet. Mein Team führte nicht mehr. Es war dann wohl ganz gut, dass ich früher los musste. Schnell haben wir noch ein unscharfes Foto gemacht. Wie die anderen Kopfgrätscher weitergespielt haben, weiß ich nicht.
Dein Christoph

Ballon d’Orbit

Woran denkt ihr, wenn ihr einen Ball auf euch zufliegen seht? Natürlich hofft man, dass seine Flugkurve in naher Zukunft an einem der eigenen Füße endet und sich im Idealfall dort sanft andockt und nicht wie ein Flummi bockig wegspringt. Wenn der erste Kontakt erfolgreich gelungen ist, kann schließlich der nächste Schritt für den Einzelnen, aber vielleicht ein großer Schritt für die Mannschaft, passieren. Die sanfte Landung entscheidet darüber, ob der Ball in eine neue Umlaufbahn eintritt, die ihn in die unendlichen Weiten des Strafraums führt, wo er sich nah am Ziel seiner Mission bewegt. Passiert er die Begrenzung unseres Raums und tut er das mit idealer Rotationsgeschwindigkeit landet er im Bereich der Antimaterie, was sich direkt in Jubelenergie transformiert und nebenbei auch einen Effekt auf den Spielstand hat. Allerdings wird nach Erreichen dieses Missionsziels sofort der nächste Versuch gestartet, den Ball aus dem Sektor jenseits der Grenzen des Raumes zu holen und ihn auf einen neuen Kurs zu schicken. Falls er nicht durch ein schwarzes Loch im Zaun rutscht und ungebremst Richtung Milch- oder Bürgermeister-Haupt-Straße schießt. Andere fühlen sich allerdings bedroht, wenn sie einen Ball über ihren Köpfen schweben sehen. Sie nehmen ihn nicht an oder schicken ihn zurück. Sie zerstören ihn und beenden das Spiel. Dass die USA als Ausrichter der nächsten WM überfordert sind, wenn ein chinesischer Ball in ihre Nähe kommt, zeigt, dass es dort noch einiges an Konfrontationstherapie bis 2026 bedarf. Wir versuchen Samstag 10:30 den einen oder anderen Ball in den Orbit zu befördern. Wahrscheinlich reicht es nur bis nach Schwerin, aber vielleicht sind die Schweriner eher bereit, den Ball zurückzuspielen.     

Hilti Army

Wenn wir uns mit England vergleichen, gucken wir definitiv neidisch auf die Premier League. Natürlich kann es immer mal passieren, dass Pep potentielle Weltstars in die Bundesliga vergrault, aber die spielen nicht für Nüsse, weshalb bei einem Bundesliga-Wechsel bestimmt ein sorgenvoller Bankberater für eine zweistellige Anzahl an Anrufen in Abwesenheit bei den betreffenden Spielern sorgen könnte. Sonst kann man aber auch versuchen die Hauptstadtklubs miteinander vergleichen, um die Bilanz des Wintertransferfensters einzuordnen. In Berlin bieten Union und Hertha immerhin Hashtagmaterial um #Isco und #Bobic und die Frage: wer blamiert sich hier am besten? Willkommene Themen, um mal kurzzeitig von Nachwahl und Co. abzulenken. Von Fredi Bobic wird wenigstens der Satz bleiben, den sich jeder Berliner auf ein T-Shirt drucken sollte, wenn er oder sie außerhalb der Stadt gefragt wird, warum Berlin soviel nicht auf die Kette bekommt: „Wenn du nochmal so frägst, kriegst du eine gescheuert!“ Dann weiß der Söder gleich bescheid. In London derweil finden wir aktuell 7 Erstligisten und die Transferausgaben sprengen natürlich wieder alle Rekorde. Das Financial Fairplay hat dabei den Charakter eines Serviervorschlags, wenn Chelsea sich ein Saldo von -330 Mio. allein in diesem Winter gönnen kann. Soviel Geld konnte Hertha gerade so in der ganzen Zeit mit Lars Windhorst durchbringen. Mit dem Ergebnis, dass man wieder einmal den Schwaben Bobic nach Berlin holen musste, um kleinere Weckle zu backen. Nun ist er schon wieder weg und Hertha ergibt sich komplett seiner Berliner DNA. Auch wenn das bedeutet, dass bestimmt bald Pal Dardai wieder zurück ist und den nächste Stadionumbau wahrscheinlich die Fans machen müssen. Aber das hat immerhin bereits Köpenick an die Tabellenspitze getragen. Das sollte auch uns Hoffnung machen. Schließlich kann unser Platz neben einer fußballerischen (Samstag 10:30) durchaus mal eine handwerkliche Überholung vertragen. Und manch einer arbeitet vielleicht mit der Hilti feiner als mit dem Ball? Ich fräge ja nur.       

Wiefürmichgemachtspielchen im Gartenbaucenter

Immer wenn die Bundesliga wieder losgeht, beginnt die Kontaktphase mit guten alten Werbespots, mit denen die Übertragung von z.B. Mainz gegen Bochum finanziert wird. Eigentlich nur die Spielzusammenfassung davon, flankiert von Vorschlägen zum Tor des Monats und der grafischen Einbettung der Klubwappen in zeitgeistige Objekte wie Kürbisse, Lebkuchenherzen oder Meisenknödel. Aber schon beim Tor des Monats braust bereits das erste Caravan am Meer durchs Bild, was traditionell den Werbeblock einläutet, in dem man zielgruppengerecht über praktische Produkte und Dienstleistungen informiert wird. Dabei blickt man immer wieder in die gleichen lachenden Gesichter. Gut, an Bastian Schweinsteiger im Baumarkt statt auf dem Rasen haben wir uns gewöhnt. Auch wenn man ihm den Heimwerker nicht abnimmt und man sich kaum vorstellen kann, dass er einen Tartanplatz (Samstag 10:30) oder einen Whirlpool für seine Cousine baut. Während sich der gemeine Fußballfan noch fragt wie er sich den Sack Schrauben leisten soll, kommt der Wiefürmichgemachtkredit ins Bild. Praktisch, damit hat bestimmt bereits RB Leipzig schon Timo Werner finanziert. Falls die eigene Kreditwürdigkeit nicht ganz so hoch ist, muss man sich vielleicht doch vorher mit der Stepstone-Oma oder Ingrid einen besseren Job suchen. Kann man auch mal dem Schweini empfehlen. Bei Toom scheint eine Karrieresackgasse im Gartenbaucenter zu sein. Da sollte er schleunigst seinen Lebenslauf aufmöbeln. Falls Lohnarbeit nicht mehr sein Modell ist, muss er sich eher die Tipico-Hools zum Vorbild nehmen. Olli Kahn hat es schließlich auch aus der Wettstube auf den Vorstandsposten geschafft. Und während sich subtil unter einem Oldtimer eine Ölpfütze bildet, fällt mir und meiner Blase wieder ein, wofür die Werbepause eigentlich da ist. Verdammtes Krombacher!      

Völlerverbot

Im Nachhinein werden wir Jogi Löw doch noch irgendwie dankbar sein. Okay, er ist ungefähr sechs Jahre zu spät zurückgetreten und seine Fummeleien an der Seitenlinie sind immer noch sehr verstörend. Aber langfristig hat er uns wahrscheinlich vor großem Leid bewahrt. Man muss nur gucken, wer beim DFB und den entscheidenden Posten der Fußballmacht immer wieder ans Ruder gelassen wird, um zu erkennen: wir haben ein Sturmproblem. Aber mit ehemaligen Stürmern. Golden Oldboy Bierhoff hat nach Jahrzehnten des Verharrens in seinem Büro gerade erst seinen Schreibtisch geräumt, da werden schon die nächsten ehemaligen Nationalstürmer in die erste Reihe geschoben. Rudi Völler und Fredi Bobic wird tatsächlich zugetraut, den DFB zu modernisieren. Vermutlich weil Rudi vor 20 Jahren bei einer WM Vize geworden ist, als man eigentlich in der Vorrunde hätte ausscheiden müssen. Schon damals war Rudi Völler eine Verzweiflungsidee für den Teamchef, weil es keine bessere gab und Christoph Daum doch kein ganz so reines Gewissen hatte. Der Rumpelfußball mit Oli Bierhoff im Sturm war allerdings schwer zu ertragen. Nach dem Turnier beendete Bierhoff seine Stürmerkarriere beim DFB, um kurze Zeit später als Funktionär wieder aufzutauchen. Seinen Platz im Sturm nahm Fredi Bobic ein und musste mit Rudi noch schlimmeren Rumpelfußball zur EM 2004 abliefern, bevor mit Klinsi der nächste ehemalige Nationalknipser das Chef-Ruder übernahm. Was Klinsi wirklich außerhalb des Strafraums qualifizierte, konnte er bei Bayern, Hertha und Facebook Live allerdings nicht nachhaltig nachweisen. Sein DFB-Nachfolger Jogi Löw war natürlich auch ein Stürmer, aber nachdem Miro Klose in Rente ging, spielte er immer seltener mit einem klassischen Stürmer. Und damit endet hoffentlich irgendwann die Linie an Strafraumkanten, die noch Jahrzehnte nach ihrer aktiven Karriere niemals an den besser postierten Mitspieler abspielen und damit reihenweise beste Chancen vergeben. Bis dahin wird es allerdings noch etwas dauern. Wir machen uns besser schon mal sehr viel Popcorn. Direkt nach dem Kopfgrätschen Samstag 10:30 mache ich die Pfanne heiß.        

An der Plumpelé

Das adaptierte Sgt.-Pepper-Motiv mit den verstorbenen Persönlichkeiten des letzten Jahres wurde auf den letzten Metern doch noch täglich angepasst. Obwohl es schon ziemlich voll und maximal prominent besetzt war. In der letzten Reihe breiten nun Papst Benedikt und Maxi Jazz ihre Arme aus. Irgendwie beide Gott-Experten: Wir sind Papst aber God is a DJ. In der ersten Reihe wurde etwas für die Godmother of Punk Vivienne Westwood gerückt. Und dann musste natürlich im Zentrum noch ein Platz für die brasilianische Fußballikone Pelé gefunden werden. Michael Gorbatschow wird es schon verstehen. Er darf immerhin neben einer Legende stehen und muss sich dafür nicht auf infantile Infantino-Art blamieren. Wahrscheinlich versuchte dieser mit dem aberwitzigen Vorschlag: in jedem Land sollte ein Fußballstadion nach Pelé benannt werden, nur von den unangemessenen Unsis auf der Trauerfeier ablenken. Im ersten Moment denkt man natürlich: was soll das? Das haben wir doch noch nie so gemacht und sollten Stadien nicht nach regionalen Fußballgrößen wie Bruno Plache, Alfred Kunze oder Ernst Abbe benannt werden? Eigentlich schon, aber einer von den drei genannten ist leider „nur“ Optiker. Für Schiedsrichter also durchaus relevant. Bei anderen Stadien kommt man allerdings kaum noch hinterher. Oder weiß spontan jeder ob das Stadion in Hamburg aktuell von AOL, Imtech, HSH oder Barclaycard benannt ist? Angeblich soll es sogar aktuell wieder Volksparkstadion heißen und demnächst wird es wohl nach einer weiteren 2022 verstorbenen Fußballpersönlichkeit benannt werden, die ich bisher auf dem Stg.-Pepper-Wimmelbild vergeblich gesucht habe. Also gut, dann sagt Gianni meinetwegen Bescheid, dass das mit der Pelé-Kampfbahn für uns klar geht. Wir kopfgrätschen bereitwillig Samstag 10:30 darin, wenn er sie uns irgendwo hinbaut. Wir passen vielleicht sogar die Domain www.wismarena.de an.    

26. November 2022 – Mannschaftsfoto à la Wales (ein Versuch)

Warum die walisische Nationalmannschaft auf ihren Mannschaftsfotos immer so komisch rumstehen, wissen wir nicht.

https://twitter.com/classicshirts/status/1596084493043269632?s=20&t=3oveqNCp_C6aLGUgN_fW2A

… aber wir wollten es mal ausprobieren. Hat aber nicht wirklich geklappt. Mit auf dem Foto dabei sind aber zwei #Kopfgrätsche-Veteranen. Die Brüder Sascha und Artem! Sie kommen immer mal wieder vorbei – auch mal mit Anton oder gleich zu Dritt.

Fußballmärchen aus 1001 Love

Jetzt hätten wir tatsächlich ein Terminproblem. Samstag 10:30 Kopfgrätsche vs. Tunesien gegen Australien. Gegen diesen fußballerischen Leckerbissen am zweiten Spieltag der WM-Vorrunde hätten wir doch niemals eine Chance gehabt. Jeder hätte verstehen können, wenn potenzielle Mitspieler sich entschuldigt hätten, weil man lieber den Stars um Jackson Irvine und Mohamed Dräger zuschauen möchte. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die One Love zum Selberkicken diesmal etwas größer sein wird. Man geht natürlich davon aus, dass das Duell in Gruppe D ein weiteres lahmes 0:0 in einem halbleeren Stadion wird. Dann lieber gar kein Publikum, aber dafür Buden satt auf dem roten Platz. Auch sonst findet sich in der Fußballhistorie nirgendwo etwas, dass das Kräftemessen der Adler von Kathargo und der Socceroos in irgendeiner künstlichen Art interessanter machen würde. Bisher spielten beide Nationen zweimal gegeneinander. Wer aber das letzte Spiel der beiden beim ConfedCup 2005 in der Gruppe A verpasst hat, muss jetzt auch nicht mehr unbedingt einsteigen. Tunesien und Australien spielten damals mit Argentinien und Deutschland in dieser Gruppe. Am letzten Spieltag war diese allerdings schon entschieden, weil sowohl Argentinien als auch Deutschland ihre Spiele gegen die Nordafrikaner und Ozeanier gewannen. Es sollte uns also wundern, wenn Tunesien die 0:2 Niederlage gegen Australien damals als große offene Rechnung wertet. Das 2:2 im Spiel zwischen Argentinien und Deutschland war ein Jahr vor der WM2006 sicher viel interessanter. Für Jürgen Klinsmann war das ein wichtiger Gradmesser in Nürnberg, ob Spieler wie Mike Hanke, Thomas Brdaric oder Marco Engelhardt bereit sind für das Sommermärchen. Wenn ich heute an Nürnberg denke, dann natürlich an Elisenlebkuchen und erzgebirg’sche Volkskunst auf dem Christkindlmarkt. In diesen Disziplinen sind wir doch immer noch Weltmeister, oder?

Filmkritik: Das Nominierungsvideo

In der Nominierungswoche für das größte Fußballturnier der Welt hat sich ein komplett neues Filmgenre etabliert, das seinen eigenen Regeln folgt. Machwerke dieser Art werden mit dem Smartphone hochkant exklusiv für die großen Portale produziert. Gemacht sind sie für den Augenblick und entfalten ihre gewünschten Effekt im Livemoment. Dennoch potenzieren sie ihre ganze Wirkung erst, wenn eine Kopie davon auf allen anderen Plattformen landet und diese im besten Fall so viral geht, dass sie etwas später auch über die Nachrichtenportale all jene erreicht, die sich noch per Bild-Push-Nachricht informieren. Die Auflösung dieses Debüts ist abhängig von den Bandbreite, die während des Streamens herrscht und kann schon mal an einen Dogma-Film in der Tradition eines Lars von Triers oder Thomas Vinterbergs erinnern. Stilbildend ist natürlich der Screen im Screen, auf dem live zu sehen ist, was der Hauptdarsteller live miterleben muss. In der Situation vor der Gewissheit sieht man ihn leidend, wie es zuletzt eigentlich nur Leonardo di Caprio bei seiner oscarreifen Performance in The Revenant gelungen war. Wenn dann der Moment gekommen ist, an dem der Name des Protogonisten in der Nominierungspräsentation des Heimatverbandes fällt, verlässt die Kamera unmittelbar ihre Ruheposition und nutzt alle Achsen gleichzeitig. Das muss in einem Tempo erfolgen, bei dem der Autofokus komplett überfordert ist. Ein Mittel wie man es z.B. aus dem Horrorgenre kennt, in den Augenblicken maximaler Todesangst. Nur hier ist es natürlich ein Freudenmoment, in dem sich all das Leiden der bisherigen Karriere des Helden emotional entlädt. Oft wird in diesem Akt das Genre des Musicalfilms gestreift, eine ausgefeilte Darbietung wie in La La Land ist allerdings aufgrund der andauernden Ekstase nicht zu erwarten. Dafür verstecken die Macher kleine Eastereggs in ihren Produktionen, die sich nur entdecken lassen, wenn man das Nominierungsvideo Bild für Bild und Ton für Ton von Lippenlesern und Sprachwissenschaftlern analysieren lässt. Diese Interpretationen lassen das Video noch ein paar Stunden länger überleben, bevor es sich wie Aktionskunst zeitlich überlebt. Nur einige wenige Snippets schaffen es eventuell in späteren Remixen zurück in die Meme-Kultur. Bei der Gelegenheit wollten wir euch sagen, dass ihr für Samstag 10:30 nominiert seid. Wir sind gespannt auf eure Nominierungsvideos.  

Joy to the World Cup Division

Ich hatte gestern gar keine Lust auf Eis. Vielleicht ist der Sommer doch zart am Abklingen. Die Sommerzeit haben sie uns ja schon genommen, indem sie uns eine Stunde geschenkt haben, die fürs Kopfgrätschen allerdings komplett ungeeignet ist. Aber wir können weiterhin Samstag 10:30 kurze Hosen und die DKW-Sonnencreme tragen. Es sind immerhin noch zweistellige Plusgrade, aber der Katari würde sich doch schon eine Pudelmütze überziehen. In Doha sind schließlich heute und in den kommenden Wochen konstant über 30 Grad zu erwarten. Da legt sich sogar Per Mertesacker als ZDF-Experte gerne den ganzen Tag in die Eistonne. Es wird aktuell davon ausgegangen, dass eine Winter-WM eine einmalige Sache sein wird und man bei den nächsten Turnieren wieder im Sommer spielen wird. Aber ist das wirklich so sinnvoll? In 4 Jahren wird in den USA, Kanada und Mexiko ein neuer Weltmeister gesucht. Mexiko im Sommer ist auch nicht lauschig. Guckt man sich die aktuellen Temperaturen von Toronto an, die auch noch kuschlige 17 Grad haben, bräuchte man für diese WM, wenn sie auch im Winter und in diversen Klimazonen stattfindet, weder Rasenheizung noch Klimaanlage. Und falls die Bewerbung für 2030 von Saudi-Arabien, Ägypten und Griechenland Erfolg hat, will man doch nicht wieder zurück in den Juli? Also vielleicht arrangiert man sich schon einmal mit dem neuen Rhythmus und etabliert den World Cup neben Karneval, Advent und Black Friday in der kurzen Spanne zwischen Herbst- und Weihnachtsferien. Für den gemeinen Kopfgrätscher ist das gar nicht so ungünstig. Im Sommer spielt er ja schließlich selbst zweimal in der Woche und hat kaum Zeit diese ganzen WM-Spiele, die auch immer mehr werden, alle zu gucken. Bei der aktuellen WM wäre das natürlich eine vortreffliche Ausrede, um die WM einfacher zu boykottieren. Aber bei den folgenden Turnieren wird doch wieder alles gut, oder? Spätestens in Saudi-Arabien…

29. Oktober 2022 – Kopfgrätsche-Tournament

Kopfgrätsche-Samstag dieses Mal spontan mit Aufschreiben im Turniermodus. Drei Mannschaften spielen in 10-Minuten-Matches gegeneinander. Vier Runden sind es geworden. Beim Tore-Zählen ging es einiges durcheinandern. Sagen wir so: Schätzungsweise ist Komron Torschützenkönig des Turniers.

Team A – Adham, Ahmad, Anas, Mahmoud, Christoph, [Unbekannt]
Team B – André, Vadim, Jan, Komron, Michail, Amin, [Gamlet, Kurzeinsatz]
Team C – Tobias, Deji, Caleb, Jindu, Gweke, Atabek

Runde 01
A vs. B – 0:1
A vs. C – 1:3
C vs. B – 1:2

Runde 02
B vs. A – 0:1
A vs. C – 1:2
C vs. B – 0:1

Runde 03
B vs. A – 1:2
A vs. C – 1:2
C vs. B – 2:1

Runde 04
B vs. A – 0:3
A vs. C – 2:1
C vs. B – 2:2

Endstand
Team C – 13
Team A – 12
Team B – 10